Kardinal Müller und vatikanischer Nuntius kritisieren Wucherpfennings Ansichten

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In den letzten Wochen gab es eine zunehmende kirchliche Kontroverse um den Jesuitenpater Prof. Dr. Ansgar Wucherpfenning aus Frankfurt.
Dem Theologen wurde vom Vatikan die Verlängerung seiner Amtszeit als Rektor der Hochschule St. Georgen verweigert, weil seine Ansichten pro Homosexualität nicht mit der kirchlichen Lehre übereinstimmen. 
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Danach war von einem Kompromiß die Rede, wonach die römische Kurie in dieser Personalie nachgeben könne, wenn der Jesuitenorden sozusagen die „Verantwortung“ für Wucherpfennigs „Rechtgläubigkeit“ übernehme, was immer das auch heißen mag.
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Inzwischen habe sich zwei bedeutende Kirchenmänner zu Wort gemeldet und die kirchliche Ablehnung homosexueller Verhaltensweisen bekräftigt:
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Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterović, kritisiert die Positionen des umstrittenen Jesuitenpaters in der „Herder Korrespondenz“. Theologieprofessoren „müssen sich danach richten, was die Kirchenlehre sagt, und die ist zum Beispiel nachzulesen im Katechismus“, erläuterte der vatikanische Gesandte.
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Schon zuvor hatte der glaubensstarke und unbeugsame Kardinal Gerhard Müller (siehe Foto) zu diesem Thema Klartext gesprochen:
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Der frühere Präfekt der Glaubenskongregation sprach hinsichtlich der diskutierten Regelung von einem „faulen Kompromiss“. Er stellte klar, Pater Wucherpfennig sei kein „Leibeigener des Jesuitenordens“, vielmehr „eigenverantwortliche Persönlichkeit“, deshalb müsse er „verantwortlich für seine Lehre eintreten“.

Die „Grundwirklichkeit der Ehe“ sei „nur für einen Mann und für eine Frau möglich“, erklärte Kardinal Müller. Außerdem sagte er zur „Homo-Ehe“: „Personen gleichen Geschlechts können keine Ehe eingehen“ und wenn Staaten von einer gleichgeschlechtlichen Ehe sprächen, sei dies „Etikettenfälschung“ und Kompetenzüberschreitung.

Zweites Foto: Bistum Regensburg

 


Kardinal Zen aus Hongkong erhält Stephanus-Preis und kritisiert den Vatikan

Dem früheren Bischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen Ze-kiun, wurde für seinen jahrzehntelangen Einsatz für die Freiheitsrechte der „Stephanus-Preis“ verliehen.

Für seinen Mut und seine Beharrlichkeit im jahrzehntelangen Einsatz für die Freiheitsrechte hat der frühere Bischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen Ze-kiun (86 J.), den „Stephanus-Preis“ erhalten.

BILD: Kardinal Zen (2. von rechts), links von ihm Michaela Koller, rechts der evgl. Bischof Thomas Schirrmacher (Foto: Martin Warnecke)

Die Auszeichnung ist nach dem Diakon der christlichen Urgemeinde, Stephanus, benannt, der als erster Märtyrer wegen seines Bekenntnisses zu Jesus Christus gesteinigt wurde.

Die Vorstandsvorsitzende der „Stephanus-Stiftung für verfolgte Christen“, Michaela Koller, überreichte den mit 1000 Euro dotierten Preis am 7. April in Bonn.

Zen war von 2002 bis 2009 Bischof von Hongkong; er sei ein „authentischer Verteidiger der Menschenrechte, der Religionsfreiheit und der Gleichberechtigung der Christen“. Er setze sich dafür ein, dass China sich ausdrücklich zur Religionsfreiheit bekennt und der Verfolgung aus religiösen Gründen ein Ende setzt.

Der stellv. Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz, Bischof Dr. Thomas Schirrmacher sagte in seiner Laudatio, dass das „total friedliche und respektvolle, jedoch kühn und risikoreiche Handeln“, mit dem sich der Kardinal für die Unterdrückten und Verfolgten einsetze, ihn zu einem mehr als würdigen Empfänger des Stephanuspreises mache.

Zen habe zudem eine wichtige Rolle bei der Einigung der Menschenrechtsverteidiger in Hongkong gespielt. Sie treffen sich jedes Jahr am 1. Juli – dem Jahrestag der Übergabe Hongkongs an China im Jahr 1997 –, um gegen den politischen Einfluss der Kommunistischen Partei auf das System in der Sonderverwaltungszone zu demonstrieren.

Der Kardinal wolle auch in diesem Jahr bei dem Protestmarsch der Civil Human Rights Front (Bürgerlichen Menschenrechtsfront) ganz vorne mit dabei sein. Als er im Jahr 2014 die Demonstranten aufforderte, deutlich zu zeigen, dass sie keine Sklaven, sondern frei sein wollten, seien sie mit Tränengas angegriffen worden, berichtete Prof. Schirrmacher, der auch Präsident des Internationalen Rates der IGFM (Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte) ist.

Der Kardinal warnt den Vatikan

Die Situation hat sich Zen zufolge in China in den vergangenen Wochen verschärft. Am 1. Februar in Kraft getretene neue Religionsgesetze regeln unter dem Vorwand, Einmischung von außen abzuwehren, das religiöse Leben bis ins kleinste Detail.

Ein Austausch im Internet, die Einfuhr religiöser Literatur und Auslandsreisen zu religiösen Treffen werden begrenzt.

Totalitäre Diktaturen haben laut Zen nur ein Ziel: „Die Kontrolle über alles und über jeden.“

Zudem hat Zen in den vergangenen Wochen vor einem „faulen Kompromiss“ zwischen dem Vatikan und dem kommunistischen Regime gewarnt. Ihm zufolge könnte die Frage, wie Bischöfe ernannt werden, neu in Sinne Chinas geregelt werden.

Die dortige katholische Kirche ist gespalten in eine romtreue Untergrundkirche und eine offizielle Staatskirche, die „Patriotische Vereinigung“. 30 Untergrundbischöfe sind ohne Genehmigung Pekings tätig, sieben „patriotische“ Bischöfe nicht von Rom anerkannt.

Wie die Stephanus-Stiftung hilft

Die Stephanus-Stiftung möchte verfolgten Christen in ihrer Not beistehen und durch ihre Öffentlichkeitsarbeit auf die „Verletzung des Rechts auf Religionsfreiheit aufmerksam machen und die Hintergründe aufklären“, heißt es in den Statuten der Stiftung. Sie unterstützt außerdem in Not geratene Christen mit einem Zuschuss zum Lebensunterhalt und zu Anwaltskosten.

Den Stephanus-Preis erhielt bisher unter anderen die pakistanische Menschenrechtsanwältin Aneeqa Anthony (Lahore). Sie verteidigt Christen vor Gericht, die wegen angeblicher Beleidigung des Korans oder des islamischen Propheten Mohammed angeklagt sind.

Weitere Preisträger sind der chaldäisch-katholische Erzbischof Louis Sako (Irak), die syrisch-orthodoxe Ordensfrau Schwester Hatune Dogan und Pfarrer Gottfried Martens von der SELK (Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche). Er erhielt die Ehrung für seinen Einsatz für Christen, die in deutschen Flüchtlingsunterkünften unter Übergriffen durch Muslime leiden.

Die Stiftung vergibt zudem einen Sonderpreis für Institutionen, die sich besondere Verdienste im Einsatz für verfolgte Christen, christliche Gemeinschaften und Gemeinden erworben haben. Diese Auszeichnung bekam unter anderen die Evangelische Nachrichtenagentur idea.

Gründer der „Stephanus-Stiftung für verfolgte Christen“ ist Oberstudienrat i. R. Wolfgang Link. Die Vorstandsvorsitzende Michaela Koller ist Referentin für Religionsfreiheit der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)

Quelle: http://www.idea.de

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