GOTT kann „eure Feiern nicht riechen“, sondern das Recht ströme wie Wasser

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Amos 5,14-15.21-24:

Sucht das Gute, nicht das Böse; dann werdet ihr leben und dann wird, wie ihr sagt, der HERR, der Gott der Heerscharen, bei euch sein.
Hasst das Böse, liebt das Gute und bringt bei Gericht das Recht zur Geltung!
Vielleicht ist der HERR dem Rest Josefs dann gnädig.
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Ich hasse eure Feste, ich verabscheue sie und kann eure Feiern nicht riechen.
Wenn ihr mir Brandopfer darbringt, ich habe kein Gefallen an euren Gaben und eure fetten Heilsopfer will ich nicht sehen.
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Hinweg mit dem Lärm deiner Lieder! Dein Harfenspiel will ich nicht hören, sondern das Recht ströme wie Wasser, die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.
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Foto: Felizitas Küble

Sukkot: Das Laubhüttenfest der Juden erinnert an das Wüstenleben nach dem Exodus

Etwa eine Woche nach dem Versöhnungstag – auch Yom Kippur genannt  –  wird bei den Juden bereits Sukkot gefeiert:

Das Laubhüttenfest begann am vergangenen Sonntagabend und ist besonders durch die Laubhütten (Sukkot) geprägt, die in vielen Häusern und öffentlichen Gebäuden errichtet werden, und in denen man vorübergehend lebt und vor allem die täglichen Mahlzeiten einnimmt.

Diese Laubhütten sollen an jene Hütten erinnern, in denen die Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten in der Wüste lebten.

BILD: Jüdische Männer in Israel

Zudem werden Palmwedel, Zitrusfrüchte, Myrten- und Weidenzweige erworben, die für den Ritus der Festgebete an Sukkot als Schmuck unverzichtbar sind.

Im ganzen Land Israel errichtet man Laubhütten auf Parkplätzen, Hausdächern, Rasenanlagen und öffentlichen Plätzen. Jede Militärbasis hat ihre Laubhütte. Einige Israelis verbringen das Fest und die folgenden sechs Tage in ihrer Laubhütte.

Nach dem eigentlichen Festtag wird das Laubhüttenfest gemäß dem dem AT (Buch Lev. 23,36) für weitere sechs Halbfeiertage fortgesetzt. Während dieser Woche – jeder Tag ist halb Alltag und halb Festtag – sind die Schulen geschlossen, zahlreiche Geschäfte und Firmen schließen gänzlich oder sind halbtags geöffnet.

Viele Israelis verbringen diese Tage an Sukkot an den Erholungsorten im ganzen Land.

Infos: Israelische Botschaft in Berlin


Junge Deutsch-Türkin über Weihnachten: Heimat und Teil meiner Kultur

Von Cigdem Toprak2015_03_29_bildung_475x100

Plätzchen backen, die Wohnung weihnachtlich dekorieren, mit Freunden auf dem Weihnachtsmarkt Popcorn und französische Crêpes naschen und Glühwein trinken, Wichteln mit Kollegen, Geschenke für Familie und Freunde kaufen, Weihnachtsmusik von Mariah Carey und Wham! hören und den Weihnachtsstress in den Einkaufsläden spüren – all den üblich alljährlichen Weihnachtskitsch vermisste ich, als ich fern von Deutschland, in Istanbul studierte und arbeitete.

Heimweh im Ausland verspürte ich am stärksten während der Weihnachtszeit.

Zum Ende des Jahres bemerkte ich, wie sehr mich das Christfest kulturell geprägt hatte.  Ich gehöre nicht dem christlichen Glauben an, aber das christliche Fest gehört zu meiner kulturellen Identität als Deutsch-Türkin.

Ob im Kindergarten, in der Schule, an der Universität oder im Arbeitsleben – Weihnachtsfeiern am Ende jedes Jahres brachten mich mit meinen Freunden, Mitschülern und Kommilitonen stärker zusammen.

Als eine muslimische Kommilitonin von einer Weihnachtsfeier fernblieb, und unsere Dozentin uns erklärte, dass sie aufgrund ihrer religiösen Pflichten nicht daran teilnehmen würde, war ich etwas betrübt. Sie und ich hatten die Chance verpasst, uns näher kennenzulernen, so dachte ich „Schade“, denn sie isolierte sich selbst von der Gemeinschaft – auch wenn ich ihre Entscheidung respektierte.

Deutschlands religiöse Traditionen achten

Wenn ich in Deutschland durch die Straßen laufe und mir den Weihnachtsschmuck anschaue, Tannenbäume und Lichterketten – dann sehe ich Jahr für Jahr, dass dieses Land seine eigenen religiösen Traditionen hat. Und es ist schön, daran erinnert zu werden.  3068

Das Leben in Deutschland  –  in einer vielfältigen Gesellschaft, in denen so unterschiedliche Religionen, Kulturen und Sprachen unter dem Dach unseres Grundgesetzes ein Zuhause finden  –  ist deshalb so von Bedeutung, weil man sich in verschiedenen Lebenswelten bewegen kann. Das bedeutet für mich, dass ich nicht nur die Kultur, sondern zunächst den Menschen selbst kennenlerne, weil jeder ein anderes Verständnis seiner Kultur mitbringt. So lernt man vielfältige Lebensweisen kennen.

Keine Kultur oder Religion kann aber über dem Menschen stehen. An der Idee des Multikulturalismus störe ich mich deshalb, weil ihre Verfechter in Deutschland zu lange glaubten, dass sie ihren Döner in einer Berliner Imbissbude nur essen können, wenn man auch ein Auge zudrückt, weil Hasan, vielleicht patriarchalisch und autoritär geprägt oder auch einfach überfordert in einer modernen Gesellschaft, seiner Tochter nicht die Freiheiten zulässt, die ihr nach unserem Grundgesetz zustehen.

Und auch wenn man erschreckt morgens die Zeitung aufschlägt und lesen muss, dass Hasan seine Tochter umgebracht hat – beruhigte man sich wieder, indem man sich einredete, dass es solche Spinner überall gebe. Dass aber unzählige junge Frauen in diesem Land psychischer und physischer Gewalt ausgesetzt sind –  aus vermeintlich „kulturellen“ oder „religiösen“ Gründen  –  darüber haben wir lange Zeit hinweggeschaut. Dabei gelten unsere durch unser Grundgesetz garantierten Freiheiten und Rechte für jeden, unabhängig von seiner Herkunft.

Überzogene Toleranz: gut gemeint, aber nicht gut gemacht

Falsch verstandene Toleranz führt auch dazu, dass man glaubt zu wissen, was Andersgläubige verletzen könne  –  ohne sie vorher selbst zu fragen und so ihre Vormundschaft zu übernehmen. Ich erinnere mich zu gut daran, als meine Schwester im Kindergarten weinte, weil ihre Erzieherin ihr kurz vor Weihnachten erklärte  –  keineswegs mit bösen Absichten –  dass das Christkind zu allen anderen, aber nicht zu ihr kommen werde.

Dass wir Zuhause auch einen Tannenbaum hatten, und dass meine Mutter sich sehr viel Mühe gab, dass wir auch beschenkt wurden  –  an Weihnachten und Ostern  –  das wurde zunächst nicht wahrgenommen. Gerade für Kinder und junge Menschen kann es nachteilig sein, wenn man sie  –  aufgrund von religiösen Gefühlen, denen sie sich vielleicht noch gar nicht bewusst sind  –  von religiösen Ritualen anderer fernhalten möchte. cropped-dsc_0400-2-3.jpg

In meiner Jugend begann ich, während des Ramadan zu fasten, weil meine engsten Freunde sunnitisch-muslimisch waren – obwohl in meiner alevitischen Konfession dies nicht praktiziert wird. Dieses religiöse Gebot half mir, ein Teil von ihnen zu werden, so wie viele Jugendliche danach streben, einfach „dazuzugehören“.

In solchen Momenten möchte ich nicht hören: „Ihr (Aleviten) fastet ja nicht. Oder ihr (Muslime) feiert ja kein Weihnachten.“

Heute mag ich dieses Bedürfnis nicht mehr verspüren, aber bei Einladungen zum Fastenbrechen, dem Iftar, sage ich dennoch sehr gerne zu. Und meine Freunde und Kollegen stören sich nicht daran, ob ich faste oder nicht. Auch das Fastenbrechen erinnert mich an einen weiteren Teil meiner kulturellen Identität, das von der muslimischen Subkultur in Deutschlands geprägt wurde. So habe ich auch während meiner Zeit in Istanbul gerne an Iftar teilgenommen – es brachte mich mit meinen Freunden und Kollegen näher zusammen.

Weihnachtsstimmung in Istanbul

Wie alljährlich an Weihnachten. Während meines Erasmus-Semester an einer türkischen Universität in Istanbul gingen wir an Heiligabend mit meinen türkisch-kurdisch-dänischen Freunden gemeinsam Abendessen und feierten Weihnachten noch stärker, als wir es vielleicht Zuhause in Europa gemacht hätten. Auch meine deutsch-türkischen Freunde in Istanbul, die aus Deutschland ausgewandert sind, um ihr Glück und ihr Erfolg in Istanbul zu finden, die sogenannten „Rückkehrer“ – wollen den 24. Dezember nicht einfach wie irgendeinen Tag verbringen.

So schlenderte ich in Istanbul im Dezember durch die Straßen der modernen und schicken Stadtvierteln, in denen weihnachtliche Deko und Musik die Konsumenten von Boutiquen, Einkaufszentren und Cafés zum Einkaufen anregen sollte. In der modernen türkischen Kultur wird Silvester als eine Art „Ersatzweihnachten“ zelebriert; so stellt man sich einen Tannenbaum zuhause auf und beschenkt sich zum Neujahr.

Seit einigen Jahren regt sich Widerstand bei reaktionären Türken, die gegen die „weihnachtliche Stimmung“ öffentlich ihren Unmut ausdrücken. Aber dass sich von Jahr zu Jahr die Begeisterung gerade bei jungen Türken für Glühwein, Tannenbäume und Norwegerpullover steigert, zeigt doch, dass Weihnachten mehr Menschen als nur seine christlichen Gläubige anzieht.

Weihnachten ist nicht nur Religion, es wird auch zur Kultur all jener Nicht- und Andersgläubiger, die daran teilhaben wollen und können. Weihnachten bedeutet für mich Heimat.

Die Autorin ist eine junge Journalistin. Hier die Quelle dieses Beitrags: http://www.deutscherarbeitgeberverband.de/aktuelles/2015_12_21_dav_aktuelles_weihnachten.html