Web-Portal der Bischofskonferenz beklagt wachsende Schelte an Papst Franziskus

Von Felizitas Küble

„Katholisch.de“ ist die amtliche Webseite der Deutschen Bischofskonferenz. Mit theologisch konservativen Anwandlungen ist hier also nicht zu rechnen.

Am heutigen Dreikönigs-Fest fühlt sich das Portal zur mannhaften Verteidigung des Papstes aufgerufen  –  ein Vorgang, den man unter dem Pontifkat von Benedikt XVI. dort nicht gewohnt war, was erst recht für die linkskatholische Zeitschrift „Publik Forum“ gilt.

Foto: Radio VatikanUnter dem Titel „Soll der Reformpapst niedergemacht werden?“ schreibt Thomas Seiterich über die „Papstkritik von Konservativen“. Der Autor ist Redakteur von „Publik Forum“.

Der Verfasser beklagt Versuche, den „Reformpapst“ Franziskus „niederzumachen“, was hoffentlich nicht gelinge. Sogar die katholische Zeitung „Tagespost“ (DT) beteilige sich an dem kritischen Treiben, nachdem der Papst laut DT drei Mitarbeiter der Glaubenskongregation ohne Angabe von Gründen entlassen hat.

Der Autor ist sich nun sicher: „Eine so massive kirchliche Kritik am Pontifex gab es noch nie seit 1870, als sich die Kirche beim Ersten Vatikanischen Konzil neu aufstellte.“

Die Zeiten werden aus Seiterichs Sicht zunehmend trister: „Der Papst hat es immer schwerer. Denn nur wenige stehen ihm im Ringen um Öffnung und Barmherzigkeit der Kirche so klar bei wie Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.“

Jörg Ascherl schreibt auf diesem Portal in seinem Leserkommentar u.a.:

„Es mag gut sein, dass es noch nie so eine massive Kritik an einem Papst seit 1870 gegeben hat. Völlig grundlos? Es geht bei der Kritik (…) um die Fundamente des Glaubens, um die Gebote Gottes.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche, der Garant der Einheit sein sollte, ist entweder nicht fähig oder willens, diese Kritik zu widerlegen. Ich persönlich habe den Eindruck, dass die Kirche unter Franziskus in einem nie dagewesen Tempo zerbröckelt. (…)

Ich kann diese ewigen, inzwischen inhaltsleeren Worthülsen von „Barmherzigkeit“ (Gleichgültigkeit?) und „jesuitischer Seelsorge“ langsam nicht mehr hören.
Hoffentlich hat Papst Franzikus noch bessere Verteidiger als Kardinal Marx an seiner Seite.“

Quelle für die Zitate: http://www.katholisch.de/aktuelles/standpunkt/soll-der-reformpapst-niedergemacht-werden

Foto: Radio Vatikan

 


Warum eine Abschaffung des Zölibats den „Priestermangel“ nicht lösen würde

Von Felizitas Küble

Das Zölibatsthema bleibt in Deutschland ein Dauerbrenner in Medien und Öffentlichkeit. Zahlreiche Stellungnahmen auch innerhalb der Kirche begründen ihre Ablehnung der priesterlichen Ehelosigkeit mit dem „Priestermangel“. Bernhard, Pastötter Handauflegung

Dabei sollte man zunächst bedenken, daß es schon längst einen massiven „Gläubigenmangel“ gibt. Das Defizit an Gläubigen und Priestern ist wiederum nicht zuletzt auf einen Kindermangel auch bei katholischen Eheleuten zurückzuführen. Früher waren unter den kirchentreuen Katholiken kinderreiche Familien an der Tagesordnung, in denen „geistliche Berufungen“ besonders gut wachsen konnten. Wenn Eltern aber lediglich ein oder zwei Kinder haben, wünschen sie wohl kaum, daß ihr Junge ein Priester oder ihre Tochter eine Ordensfrau wird.

Zudem handelt es sich ohnehin um eine Engführung der Diskussion, wenn der Priestermangel vorwiegend auf den Zölibat zurückgeführt wird. Würde diese Auffassung zutreffen, dann dürfte es auf evangelischer Seite kein Problem mit dem Pastoren-Nachwuchs geben.

BILD: Priesterweihe im Regensburger Dom durch Bischof Voderholzer

Genau das Gegenteil ist aber der Fall, denn auch im Protestantismus droht ein Pfarrermangel. Die Zahl der Theologiestudenten sinkt seit Jahrzehnten ganz massiv. Am 14.9.2010 ging bereits folgende Nachricht durch die Presse:

„Mangelerscheinung. In Rostock beginnt in der kommenden Woche der Deutsche Pfarrerinnen- und Pfarrertag. 400 Theologen werden erwartet. Schon im Vorfeld warnen die Organisatoren davor, dass die Zahl der Pfarrerinnen und Pfarrer stetig sinkt –  und genug Nachwuchs ist nicht in Sicht. 1992 hätten noch 8.500 junge Menschen für das evangelische Pfarramt studiert, derzeit seien es 2.300, sagte Verbandsvorsitzender Klaus Weber vor Beginn des Deutschen Pfarrerinnen- und Pfarrertages.“

In den evangelischen Konfessionen gibt es keinen Zölibat und außerdem fast überall Pastorinnen, sogar in vielen Freikirchen. Unter den landeskirchlich-evangelischen Pfarrern ist jede dritte weiblich. Folglich ist die Behauptung unsinnig, mit einer Abschaffung der Zölibatsverpflichtung und einer Einführung des Frauen-Priestertums könne die katholische Kirche ihre Nachwuchssorgen beheben.

Die Hauptursache für die sinkende Zahl von Pastoren in der evangelischen Kirche sei der demografische Wandel, erläuterte der Vorsitzende des Pfarrer-Verbandes, Andreas Kahnt, bereits im Jahre 2012; seinem Dachverband gehören rund 21.000 evangelische Pfarrer an.

Pfr. Kahnt erklärte unlängst laut evangelischer Nachrichtenagentur IDEA, daß es 1982 noch 26.000 Studenten der evangelischen Theologie gab; derzeit sind es nur noch etwa 2.400. Angesichts der bevorstehenden Pensionierungen geburtenstarker Jahrgänge von Pfarrern reiche diese Zahl nicht aus, so Pfr. Kahnt weiter.

FORTSETZUNG des Artikels hier bei der katholischen Nachrichtenagentur ZENIT: https://de.zenit.org/articles/pastorenmangel-auch-auf-evangelischer-seite/

Foto: Bistum Regensburg


Wir trauern um Prof. Dr. Klaus Motschmann

Von Felizitas Küble

Schon seit Jahrzehnten sind wir  –  unser Christoferuswerk, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt  –  freundschaftlich mit dem Politologen und Autor Klaus Motschmann (siehe Foto) verbunden. Wir haben besonders seine tiefgläubige, freundliche, aufrichtige und mutmachende Art immer sehr geschätzt. motschmann

Der Politikwissenschaftler ist am gestrigen Freitag, den 9. Dezember, nach langer Krankheit im Alter von 82 Jahren in Berlin verstorben. Unsere Anteilnahme gilt seinen Angehörigen, besonders seiner Frau, seinen Kindern und Enkelkindern.

Als ich heute mit seiner lieben Frau Dagmar Motschmann telefonierte, um sie etwas zu trösten und meine Anteilnahme auszudrücken, sagte sie mir zuversichtlich über ihren Mann: „Nun kann er schauen, was er geglaubt hat.“

Der engagierte Christ,  geboren am 4. März 1934, lehrte von 1972 bis 1997 an der Universität der Künste in Berlin.

Er studierte neben Politikwissenschaft auch evangelische Theologie, was sich u.a. in seinen fundierten Beiträgen zu kirchlichen und religiösen Themen zeigt, die oftmals in der konservativen Zeitschrift „Erneuerung und Abwehr“ erschienen sind.

In dieser von der „Evangelischen Notgemeinschaft“ herausgebrachten Publikation war Prof. Motschmann jahrzehntelang als ehrenamtlicher Schriftleiter tätig. Bittprozession Auftakt Katholikentagskreuz

Die Veranstaltungen dieser evangelikalen Vereinigung wurden häufig von linksradikalen Antifa-Gruppen gestört; Klaus Motschmann selbst wurde in Berlin sogar mit infamen „Steckbriefen“ (inkl. Porträtfoto und Kontaktdaten) seitens dieser fanatischen Szene diffamiert.

Oftmals veröffentlichte auch die Berliner Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT Motschmanns Beiträge zu Religion, Kultur, Zeitgeschichte und Politik, bisweilen auch seine ausführlichen Analysen zu Gegenwartsthemen. Er kritisierte schon früh den Linksrutsch in der CDU. 2010 war er einer der Erstunterzeichner des „Manifests gegen den Linkstrend“ in der CDU.

Der lutherische Christ war gegenüber katholischen Gruppen und Persönlichkeiten sehr aufgeschlossen und solidarisch. Vor allem schätzte er den Fuldaer Erzbischof Johannes Dyba, der besonders durch seinen Einsatz zugunsten der ungeborenen Kinder weit und breit große Bekanntheit erlangte.

Als ich im Frühjahr 2015 mit einigen Autoren wegen eines geplanten Gedenkbandes pro Dyba im Gespräch war, zeigte sich Prof. Motschmann sofort mit großer Freude bereit, ebenfalls einen positiven Artikel zu diesem Sammelband „Der Löwe von Fulda“ beizusteuern. Er skizzierte mir am Telefon sogar spontan die Grundlinien seines  geplanten Beitrags. Leider erlaubte es aber sein gesundheitlicher Zustand nicht mehr, diesen Artikel auszuformulieren, was er ebenso wie ich sehr bedauert hat.

P. Lothar GroppeAls unser KOMM-MIT-Jugendverlag Mitte der 90er Jahre von ultralinker Seite monatelang per Medienkampagne attackiert wurde, setzte sich Prof. Motschmann durch persönliche Ermutigungs-Briefe, tröstende Anrufe und öffentliche Stellungnahmen vehement für unser Team in Münster ein.

Er bestellte als langjähriger Bezieher 1994 sogar die Tageszeitung DIE WELT ab, nachdem dort verleumderische „Meldungen“ gegen unseren Verlag kritiklos übernommen worden waren.

Auch mit unserem jahrzehntelangen Freund und Mitstreiter, dem Jesuitenpater Lothar Groppe (siehe Foto), war Klaus Motschmann im besten Kontakt. Pater Groppe sprach mehrfach als Redner auf den Jahresversammlungen der „Evangelischen Notgemeinschaft“, deren Schriftleiter Motschmann war.

Beiden Persönlichkeiten gemeinsam war auch die Tatsache, daß sie von linksradikalen Antifa-Gruppen durch öffentlich aufgehängte „Steckbriefe“ attackiert und verleumdet wurden. Doch diese starkmütigen Männer ließen sich von derlei Angriffen nicht entmutigen oder zermürben, sondern unterstützten sich gegenseitig  – so sieht echte „konservative Ökumene“ aus.

Wir wollen den Verstorbenen nun Christus, unserem gemeinsamen HERRN, anbefehlen. Möge ER auch die Angehörigen trösten und stärken!

 


Die IMMACULATA – von GOTTES GNADEN

Von Felizitas Küble

Die makellose Empfängnis der Gottesmutter, der seligen Jungfrau aus Nazareth, ist ein besonderer Gnadenakt des Schöpfers im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, unseres Erlösers. Der Sohn Gottes ist also zugleich auch der Retter Mariens. Auch die Madonna gehört zur erlösungsbedürftigen Menschheit, bekannte sie doch selbst im Magnificat: ‪„Mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.“  Marienkapelle in Adenau-019

Doch das Heil, das Gott ihr durch die Bewahrung vor der Erbsünde schenkte, ist einzigartig, denn es war eine Heilung von Anfang an, ein Heilsein durch des Himmels Huld. Christi Opfertod am Kreuz wurde für seine Mutter schon im voraus wirksam, weshalb sie die Ersterlöste und Vollerlöste des Neuen Bundes ist, die ‪„neue Eva“, noch herrlicher als die Stamm-Mutter im Paradiese vor dem Sündenfall. Maria ist das wunderbarste Werk Gottes, seine vollkommenste Schöpfung.

Die Immaculata (makellos Empfangene) war sich darüber im klaren, daß ihre Begnadigung, ihre Gottesmutterschaft, all ihre Vorzüge ‪„von Gottes Gnaden“ waren und sind. Dieses Bewußtsein, diese dankbare Begeisterung für den Ewigen, wird vor allem in ihrem Magnificat sichtbar. Der im Lukas-Evangelium bezeugte Lobgesang Mariens ist ein die Zeiten überdauerndes Dankgebet an den Schöpfer, ein erhabener Jubel über die großen Heilstaten Gottes in der Geschichte.

Das beGEISTerte, vom Heiligen Geist inspirierte Dankgebet der Madonna klingt auch heute fort in der Liturgie, im Stundengebet und in vielen Liedern der Kirche. Der Ausdruck „Magnificat“ ergibt sich aus dem ersten Wort dieses Lobgesangs: „Magnificat anima mea Dominum“ – und das heißt: Hochpreist meine Seele den Herrn. – Maria ist die Mutter des Erlösers und zugleich die „Mutter des Glaubens“.

ABRAHAM: Vater des Glaubens – MARIA: Urbild des Glaubens

So wie der Patriarch Abraham als „Vater des Glaubens“ gewürdigt wird, so ist die Gottesmutter ein Leitbild ersten Ranges für uns alle. Als Mutter Christi und aufgrund ihrer Gnadenvorzüge steht sie dem Allmächtigen näher als Abraham. Das Magnificat Mariens endet mit einer Erinnerung an den Erzvater Israels („Abraham und seinen Nachkommen auf ewig“). Marias Rückblick auf Gottes große Heilstaten in der Geschichte ihres Volkes umfaßt also auch den Anfang des Bundes zwischen Gott und den Hebräern durch Abraham.

Orientalische Ikone Maria führt den Glaubensgehorsam Abrahams fort im vollendeten Vertrauen auf Gott in allen Lebenslagen; sie pocht nicht auf „Selbstverwirklichung“, sondern tritt hinter ihrer erhabenen Sendung zurück und bezeichnet sich bescheiden als „Magd des Herrn“ (Lk 1,38), bereit zur ungeteilten Hingabe an den Willen des Höchsten und zur starkmütigen Treue gegenüber seinen Verheißungen: „Mir geschehe nach Deinem Wort“ (Lk 1,39)

Diese Glaubenshaltung Mariens erinnert uns an Christi Wort auf dem Ölberg vor seinem Leiden: „Vater, nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!“

Dieses „Ja, Vater“ ist die entscheidende Aufgabe für jeden Gläubigen – dieses Wort ist ein Programm für unser ganzes Leben. Maria hat ihr Leben aus Gottes Hand angenommen auch in schwerster Zeit, als sich bewahrheitete, was der greise Simeon im Tempel ankündigte: „Auch Deine Seele wird ein Schwert durchbohren.“ (Lk 2,35). So stand die Madonna treu unter dem Kreuz, als ihr göttlicher Sohn sich opferte für das Heil der Welt.

Zurück zum Magnificat, dem Lobpreis Mariens, der kühne und großartige Gedanken über Gottes Wirken in der Heilsgeschichte enthält. Die auserwählte Magd des Herrn weiß: Gott ist und bleibt der HERR der Geschichte, selbst wenn wir die Wege des Höchsten nicht immer begreifen können. Auch die Gottesmutter ist nicht allwissend, aber fest überzeugt von Gottes Macht und Barmherzigkeit.

Die Mutter des HERRN betrachtet das Schicksal ihres Volkes im Lichte des Glaubens: „Maria bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.“ (Lk 2,19) – Die Madonna verhielt sich so, wie der Psalmist es empfiehlt: „Ich erwäge alle Deine Werke und will nachsinnen über Deine Taten.“ (Ps 77,13)

Frömmigkeit aus dem Geist Israels

Aus dieser Frömmigkeit der Psalmen Israels lebt Maria; aus diesem „Stoff“ ist auch ihr Magnificat erfüllt. Ihr herrlicher Lobpreis ist nicht nur ein Dankgebet für ihre persönliche Begnadigung, sondern vor allem eine grandiose Gesamtschau über das Heilswirken Gottes mit seinem Volk und der Welt.Marienmonat Mai

Jubelnde Dankgebete von Frauen sind im Alten Bund keine Seltenheit. Die Namensvorgängerin der Gottesmutter, die alttestamentliche Miriam (= Maria), die Halbschwester des Moses und Schwester des Hohenpriesters Aaron, dankte Gott mit Pauke und Gesang, als die Israeliten das Rote Meer trockenen Fußes überschritten hatten und ihren Verfolgern entkommen waren.

So heißt es in Ex 15,19 ff: „Miriam, die Prophetin, Aarons Schwester, nahm eine Pauke und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken im Reigen. Miriam sang ihnen vor:   Singt dem Herrn ein Lied, denn ER hat sich hoch und erhaben gezeigt, Roß und Reiter warf er ins Meer.“

Das Lukas-Evangelium berichtet uns von der Begegnung der Gottesmutter mit ihrer Verwandten Elisabeth. Diese wurde vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: „Gesegnet bist Du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht Deines Leibes!“ (Lk 1,42) Maria greift diesen Segensspruch Elisabeths in ihrem Magnificat auf: „Siehe, von nun an werden mich seligpreisen alle Geschlechter!“ – und das bedeutet: alle kommenden Generationen durch die Jahrtausende hindurch.

Doch Maria bleibt nicht beim Jubel über Ihre Erwählung stehen, sondern lenkt sogleich ihren Blick auf den Ewigen selbst: „…denn der Allmächtige hat Großes an mir getan – und Sein Name ist heilig!“

Evangelischer Propst Asmussen: Preisen auch wir sie selig?

Diese biblische Ankündigung der Seligpreisung Mariens hat auch manche protestantische Theologen nachdenklich gemacht, darunter Hans Asmussen, der mit seinem Buch „Maria, die Mutter Gottes“ einst für Aufsehen in der evangelischen Christenheit sorgte. Propst Asmussen schreibt darin:

„Wenn Maria im Magnificat singt, alle Menschengeschlechter würden sie selig-preisen, dann bedeutet dies für die evangelischen Kirchen eine ernste und bleibende Frage: Preisen auch wir sie selig? Oder hatte Maria uns Evangelische nicht im Auge, als sie das Magnificat sang?“

Die Würdigung der Madonna schmälert ja keineswegs die Ehre des Allerhöchsten, im Gegenteil: in der Verehrung Mariens loben und preisen wir das Werk Seiner Hände, das edelste Geschöpf Gottes.

FORTSETZUNG des Artikels in der katholischen Nachrichtenagentur ZENIT hier: https://de.zenit.org/articles/%e2%80%aavon-gottes-gnaden/


Schulzwang in Deutschland seit 1938 – das (un)heimliche Erbe der Nazis

Von Felizitas Küble

In allen Kulturnationen werden Kinder unterrichtet und weitergebildet, teils von staatlichen, teils von privaten Schulen  – oder auch von den Eltern selber. In den USA und den meisten europäischen Staaten ist das sog. „Homeschooling“ erlaubt, also der Unterricht zuhause. Diese freiheitliche Regelung hat sich recht gut bewährt, daher wurde sie auch beibehalten. Es gibt also in fast allen westlichen Demokratien eine Bildungspflicht, aber keinen Schulzwang. IMG_4228

Anders in Deutschland  –  hier gilt ein rigoroses Schulzwang-Gesetz, das zur Folge hat, daß immer wieder Eltern nicht nur zu Geldbußen, sondern sogar zu Gefängnisstrafen verurteilt werden, wenn sie ihre Kinder zuhause selber unterrichten, nicht zuletzt, um ihnen gewisse Probleme des Schullebens zu ersparen, etwa die staatliche Sexualkunde mit ihrer häufigen Frühsexualisierung und Gender-Beeinflussung, sodann die Gefahren von Drogen, ungesunden Fremdeinflüssen, Mobbing, Markenklamotten, Gruppendruck etc.

Dieser Schulgebäude-Anwesenheits-Zwang ist in Wahrheit ein undemokratisches Erbe des Nationalsozialismus. So wie jeder Sozialismus wollte auch die braune Variante das natürliche Erziehungsrecht der Eltern verdrängen und durch staatliche Einflußnahme ersetzen, um sich so der Kinder zu bemächtigen und die Familien ideologisch und praktisch zu kontrollieren.

Diktatorischer Griff nach den Kindern

Dieser „Griff nach den Kindern“ diente der Festigung der NS-Dikatur nach innen und außen. Hierzu gehörte auch die frühzeitige und zwangsweise „Organisation“ der Kinder in HJ (Hitlerjugend) und BdM (Bund deutscher Mädchen).

Während im Kaiserreich und in der Weimarer Republik die häusliche Unterrichtung der Kinder erlaubt war, war es damit unter dem braunen Terrorregime bald vorbei und der staatliche Druck auf die Familie nahm immer mehr zu.

Bisweilen hört man den Einwand, daß die Schulpflicht schon zu preußischen Zeiten eingeführt worden sei. Tatsächlich gab es sie in Preußen seit 1717 (damals die striktesten Gesetze diesbezüglich in ganz Europa), aber der Privat- oder Hausunterricht war dennoch nicht verboten. In der sog. „Paulskirchenverfassung“, der Reichsverfassung vom 28. März 1849, wird der Hausunterricht in § 154 beim Menschenrechtskatalog aufgeführt: „Der häusliche Unterricht unterliegt keiner Beschränkung.“ Das gilt ähnlich danach für die Weimarer Verfassung von 1919 und für das endgültige preußische Schulpflichtgesetzes von 1927.

Diese jahrhundertelange freiheitliche Regelung änderte sich erst unter der nationalsozialistischen Diktatur. cover-mein-kampf

NS: Von der Bildungspflicht zum Schulzwang

Hierbei ist aufschlußreich, was Adolf Hitler über den „Schulzwang“ begeistert zu schreiben weiß  –  und zwar in seiner Programmschrift „Mein Kampf“, Ziffer 453, betr. „Erziehungsgrundsätze des völkischen Staates“:

„Die körperliche Ertüchtigung ist daher im völkischen Staat nicht eine Sache des einzelnen, auch nicht eine Angelegenheit, die in erster Linie die Eltern angeht, und die erst in zweiter oder dritter die Allgemeinheit interessiert, sondern eine Forderung der Selbsterhaltung des durch den Staat vertretenen und geschürten Volkstums. So wie der Staat, was die rein wissenschaftliche Ausbildung betrifft, schon heute in das Selbstbestimmungsrecht des einzelnen eingreift und ihm gegenüber das Recht der Gesamtheit wahrnimmt, indem er, ohne Befragung des Wollens oder Nichtwollens der Eltern, das Kind dem Schulzwang unterwirft, so muß der völkische Staat in noch viel höherem Maße dereinst seine Autorität durchsetzen gegenüber der Unkenntnis oder dem Unverständnis des einzelnen in den Fragen der Erhaltung des Volkstums. Er hat seine Erziehungsarbeit so einzuteilen, daß die jungen Körper schon in ihrer frühesten Kindheit zweckentsprechend behandelt werden und die notwendige Stählung für das spätere Leben erhalten“.

Noch vielsagender ist die dazu passende Gesetzespraxis, nämlich das Reichsschulpflichtgesetz von 1938.

Bis dahin gab es keinen Schulgebäude-Anwesenheits-Zwang, sondern nur eine allgemeine Bildungspflicht, die auch zuhause von den Eltern erfüllt werden konnte.

Solche Freiheiten waren den Nazis natürlich nicht geheuer, denn sie wollten die Kinder  ihren Eltern entfremden, wofür die Einführung einer rigiden Schulpflicht das passende Mittel war  –  ein  (un)heimliches“Vermächtnis“, das den Deutschen  bis heute erhalten blieb, weil die Bundesländer dies Gesetz nach 1945 im wesentlichen in ihre Landesverfassungen übernahmen. IMG_1061

Merkwürdigerweise wird über dieses „heimliche Erbe“ der NS-Zeit hierzulande so gut wie nirgendwo öffentlich diskutiert  – erstaunlich, wo doch sonst kein Detail aus der Braunzone ausgelassen wird.

Verstaatlichung der Erziehung damals und heute

Das Interesse an der Verstaatlichung der Erziehung beschränkt sich eben nicht auf Braunhemden  – das fühlen auch Rotjacken intensiv in ihrer Brust, man denke an den SPD-Politiker Scholz samt seiner vielzitierten „Hoheit über Kinderbetten“ oder an die Anti-Familien-Politik des linken CDU-Flügels (siehe zB. die absurde Genderismus-Schulpolitik pro „sexuelle Vielfalt“ der CDU in Hessen).

Doch selbst unter Christen kann man staatsfixierte, rechtspositivistische Stimmen vernehen, die den Eindruck erwecken, als sei der Schulzwang deutscher Art bzw Abart ein Ergebnis höherer Weisheit, mindestens aber unantastbar und indiskutabel.

Dabei hat die katholische Kirche stets betont, daß das Naturrecht im Zweifelsfall höher steht als staatliche Gesetze und Regelungen. Das natürliche Erziehungsrecht der Eltern ist gottgegeben, es ist in der Schöpfungsordnung verankert, indirekt auch aus dem 4. Gebot abzuleiten: „Du sollst Vater und Mutter ehren!“

Nun einige Fakten aus dem NS-Schulpflicht-Gesetz von 1938. Die einführenden Sätze sind schon aufschlußreich genug (Hervorhebungen von uns):

Gesetz über die Schulpflicht im Deutschen Reich
(Reichsschulpflichtgesetz) vom 6. Juli 1938

Grundsätzliches

  • 1. Allgemeine Schulpflicht. Im Deutschen Reich besteht allgemeine Schulpflicht. Sie sichert die Erziehung und Unterweisung der deutschen Jugend im Geiste des Nationalsozialismus. Ihr sind alle Kinder und Jugendlichen deutscher Staatsangehörigkeit unterworfen, die im Inlande ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt haben.

(2) Die Schulpflicht ist durch Besuch einer reichsdeutschen Schule zu erfüllen. Über Ausnahmen entscheidet die Schulaufsichtsbehörde.

Das bedarf keines Kommentars.

Der nachfolgende Paragraph 7 schafft nun die Voraussetzungen für die Euthanasie bzw. Ermordnung von Behinderten, indem sie mit Begründung der Schulpflicht ggf. in Anstalten verfrachtet werden sollen  – das oftmals tödliche Ende ist bekannt: DSC00254

  • 7. Unterbringung der Sonderschulpflichtigen in Anstalts- oder Familienpflege. (1) Wenn es die Durchführung der Schulpflicht für die im § 6 bezeichneten Kinder erfordert, kann ihre Unterbringung in geeigneten Anstalten und Heimen oder in geeigneter Familienpflege angeordnet werden.
    (2) Hierüber entscheidet die Schulaufsichtsbehörde gemeinsam mit der zuständigen Fürsorgebehörde.

Von der „Schulpflicht“ zum „Schulzwang“ ist es nur ein Katzensprung  – mit Hilfe der Polizei nämlich  – oder Bußgeld (wird auch heute angewandt in Deutschland, wenn Eltern ihr Kind zB nicht in die Sexkunde schicken – und sei es nur für einen einzigen Tag):

  • 12. Schulzwang. Kinder und Jugendliche, welche die Pflicht zum Besuch der Volks- oder Berufsschule nicht erfüllen, werden der Schule zwangsweise zugeführt. Hierbei kann die Hilfe der Polizei in Anspruch genommen werden.
  • 14. Strafbestimmungen. (1) Wer den Bestimmungen über die Schulpflicht vorsätzlich oder fahrlässig zuwiderhandelt, wird mit Geldstrafe bis zu 150 Reichsmark oder mit Haft bestraft, sofern nicht nach anderen Gesetzen eine höhere Strafe verwirkt ist.

Die früheren (freiheitlichen) Gesetze der Weimarer Republik mußten natürlich hierbei abgeschafft werden:

  • 16. Aufhebung älterer Vorschriften. (1) Das Gesetz, betreffend die Grundschulen und die Aufhebung der Vorschulen, vom 28. April 1920 (RGBl. I. S. 851) in der Fassung des Gesetzes vom 26. Februar 1927 (RGBl. I. S. 67) sowie das Gesetz, betreffend den Lehrgang der Grundschule, vom 18. April 1925 (RGBl. I. S. 49) werden aufgehoben.
  • 17. Inkrafttreten. (1) Dieses Gesetz tritt mit dem 1. November 1938 in Kraft.

Berchtesgaden, den 6. Juli 1938.

Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler

Der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, Rust

SOWEIT Auszüge aus dem NS-Gesetz.

Unser Grundgesetz anerkannt das Elternrecht

Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland kennt demgegenüber keinen Schulzwang. Die Mehrheit im Parlamentarischen Rat, aus dem das GG hervorging, wandte sich gegen das nationalsozialistische Schulsystem und erklärte mit den Stimmen von CDU/CSU, Zentrum und Deutscher Partei am 8. Februar 1949: BILD0235

„Wir halten nach wie vor an unserem Standpunkt fest, daß das Erziehungsrecht der Eltern ein gottgegebenes Naturrecht darstellt, das jedem staatlichen Zugriff entzogen ist. Dieses natürliche Erziehungsrecht der Eltern erstreckt sich vor allem auf die religiös-weltanschauliche Erziehung der Kinder und zwar nicht nur im Rahmen der Familie, sondern auch im Bereich der Schule.

Die Schule muß daher in ihrem religiös-weltanschaulichen Charakter so bestimmt sein, wie es der Gewissensentscheidung der Eltern entspricht. Ein auf Grundsätzen der Gewissensfreiheit, der Toleranz und der Demokratie aufgebauter Staat sollte daher sein Schulwesen so gestalten, daß auf niemand in religiös-weltanschaulicher Hinsicht ein Gewissenszwang ausgeübt wird.“ (Jahrbuch des öffentlichen Rechtes 1; 1951: Seite 110).

Das Grundgesetz enthält das Elternrecht (Art.6,2) und erwähnt hinsichtlich des Staates lediglich eine Aufsichtspflicht über das öffentliche Schulwesen. Doch das alte NS-Reichsschulgesetz blieb dennoch in vielen Bundesländern in Kraft und wurde auch bei Neufassungen weitgehend übernommen.

In der SBZ (sowjetisch besetzten Zone)  –  später „DDR“ genannt  –  wurde der Nazi-Schulzwang 1946 ebenfalls fortgesetzt und hineingepackt in ein sogenanntes „Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule“.

Während neuere Urteile des Bundesverfassungsgerichts immer stärker vom grundgesetzlich garantierten Elternrecht abrücken und von einem „staatlichen Erziehungsauftrag“ fabulieren, der nirgendwo im GG zu finden ist, hatten sich die Karlsruher Richter noch bis vor wenigen Jahren klar im Sinne des Elternrechts positioniert. Man erinnere sich etwa an das Grundsatzurteil des BVG vom 16.1.2003 (AZ: 2 BvR 716/01):

„Art. 6, Abs. 2 Satz 1 GG garantiert den Eltern das Recht auf Pflege und Erziehung ihrer Kinder. Sie können grundsätzlich frei von staatlichem Einfluss nach eigenen Vorstellungen darüber entscheiden, wie sie ihrer Elternverantwortung gerecht werden wollen. Ziel, Inhalt und Methoden der elterlichen Erziehung liegen im Verantwortungsbereich der Eltern. Konkrete Erziehungsziele sind ihnen von Verfassung wegen nicht vorgegeben.“

Eine öffentliche Debatte in Deutschland über den Schulzwang als einem unheimlichen Erbe der braunen Diktatur ist überfällig.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und ist ehrenamtliche Vorsitzende des Christoferuswerks in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Weiterer GRUNDSATZ-Artikel zum ELTERNRECHT bzw. dem natürlichen Erziehungsrecht der Eltern: https://charismatismus.wordpress.com/2014/01/11/elternrecht-die-kath-kirche-bekraftigt-das-naturliche-erziehungsrecht-der-eltern/


Das Priestertum aus der Sicht von Papst Benedikt und Kardinal Gerhard Müller

Buchbesprechung von Felizitas Küble

Buch-Daten: Benedikt XVI./Joseph Ratzinger. Die Liebe Gottes lehren und lernen. Priestersein heute. Herder-Verlag. ISBN 978-3-451-37880-5. Gebundene Ausgabe. 312 Seiten. 24,99 €.

Sowohl zeitlich wie inhaltlich passend zum 65. Priesterjubiläum Joseph Ratzingers am 29. Juni 2016 erschien im Herder-Verlag der Sammelband „Die Liebe Gottes lehbuch-benediktren und lernen“ über das „Priestersein heute“. Vor 65 Jahren, am 29. Juni 1951, war Joseph Ratzinger gemeinsam mit seinem Bruder Georg Ratzinger von Kardinal Michael Faulhaber im Dom von Freising zum Priester geweiht worden.

Das Eiserne Priesterjubiläum Benedikts wurde am 28. Juni 2016 im Vatikan feierlich begangen, wobei Papst Franziskus eine Begrüßungsansprache hielt. Der bald 90-jährige Benedikt XVI. rundete den Festakt in der Sala Clementina mit einer Rede ab, die mit der Hoffnung schloß, „dass die Welt nicht eine Welt des Todes, sondern des Lebens sei, eine Welt, in der die Liebe den Tods besiegt hat. Danke Ihnen allen. Der Herr segne uns alle. Danke, Heiliger Vater.“

Der Sammelband, der dem Jubilar bei dieser römischen Feierstunde überreicht wurde, enthält 43 Predigten aus den Jahren 1978 bis 2000, die Benedikt XVI. als Erzbischof von München und danach als Präfekt der Glaubenskongregation über den Klerikerstand, vor allem über Priester und Diakone gehalten hat.

Im Anhang befindet sich überdies sein päpstliches Schreiben vom 16. Juni 2009 zu Beginn des von ihm ausgerufenen Priesterjahres, das er an seine „Mitbrüder im priesterlichen Dienst“ richtete. Anlaß hierfür war der 150. Jahrestag des Geburtstags von Johannes Maria Vianney. Der heilige Pfarrer von Ars gilt als Schutzpatron der Priester bzw. „Schutzheiliger aller Pfarrer der Welt“, wie es in Benedikts Rundschreiben heißt.

Der Jubiläumsband „Die Liebe Gottes lehren und lernen“ beginnt mit einem vierseitigen Vorwort von Papst Franziskus; danach folgt eine ausführliche Einführung von Kardinal Müller über Krise und Erneuerung des Priestertums heute.

Papst Franziskus erweitert die „Theologie auf Knien“

Das Wort von der „Theologie auf Knien“ gilt mittlerweile fast als stehender Begriff, seitdem Papst Franziskus damit die theologische Werke des reformorientierten Kurienkardinals Walter Kasper würdigte, insbesondere dessen Sicht auf die göttliche Barmherzigkeit.Foto Michaela Koller

Es scheint, als habe der Pontifex nun beschlossen, dieses Prädikat zukünftig etwas großzügiger zu verteilen  –  und zwar selbst an jene Persönlichkeiten, die man eher dem gegenteiligen innerkirchlichen „Flügel“ zurechnen möchte.

Tatsache ist jedenfalls, daß Franziskus sein Vorwort für das erwähnte Benedikt-Buch mit den Worten beginnen läßt:

„Jedes Mal, wenn ich die Werke von Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. lese, wird mir klar, dass er eine Theologie „auf Knien“ betrieben hat und dies noch tut.“ (S. 11) Auf der nächsten Seite bestätigt er dem „Papst emeritus“ erneut eine „Theologie auf Knien“.

Quasi-Heiligsprechungen zu Lebzeiten des Betreffenden wirken in der Regel eher unangemessen, bestenfalls verfrüht. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht, was mitunter auch für Lobesworte gilt. Franziskus bescheinigt Benedikt jedenfalls, daß er „wirklich glaubt, wirklich betet“  –  und fügt hinzu: „Man sieht, dass er ein Mann ist, der die Heiligkeit verkörpert“.

Ist das Gebet der „einzige“ Schlüssel zum Herzen Gottes?

Er schreibt sodann, vielleicht könne Benedikt in seiner klösterlichen Zurückgezogenheit auf eine „noch leuchtendere Weise“ jene „innere Mitte des priesterlichen Dienstes bezeugen“, nämlich „das Gebet ohne Unterlass, mit Leib und Seele“, welches der „entscheidende Faktor“ sei. Radio Vatikan

Im päpstlichen Vorwort heißt es weiter: „Das Gebet ist der Schlüssel, der das Herz Gottes aufschließt; der einzige, dem es gelingt, Gott immer wieder aufs Neue in diese unsere Welt hineinzuführen; und auch der einzige, dem es gelingt, die Menschen und die Welt immer aufs Neue Gott zuzuführen.“

So wichtig zweifellos das Beten  –  zumal das fürbittende Gebet  –  für die Frömmigkeit des Geistlichen und für seine Sendung zum Heil der Seelen ist, so scheint gleichwohl in erster Linie die Feier der heiligen Eucharistie der zentrale Dienst des Priesters zu sein, zudem auch die Spendung der weiteren Sakramente, die ihm anvertraut sind; diese Sakramente als wirksame Heilszeichen sind es vor allem, welche „die Menschen und die Welt immer aufs Neue Gott zuführen“.

Papst Benedikt: „Aller Segen kommt aus dem Opfer“

In einer jener Predigten Benedikts, die in dem Gedenkband veröffentlicht sind, heißt es sehr klarsichtig, „dass aller Segen aus dem Opfer kommt“; deshalb sei die „höchste Aufgabe des Priesters das Opfern“. Damit sei zunächst die Feier der hl. Eucharistie gemeint, „in der das Kreuzopfer Jesu Christi von Neuem gegenwärtig wird“. Von Julia Kesenheimer geschickt

Es sei für den Priester entscheidend, „immer mehr aus der Kraft dieses Opfers zu leben“, damit er daraus Segen für sich und andere schöpfen könne (S. 262). Die Sakramente, die der Priester spende, seien gleichsam „ein Segen von gesteigerter Wirksamkeit“ (S.161).

Hinter dieser Haltung solle  –  so erinnert Joseph Ratzinger  –   zugleich immer auch das „persönliche Opfern des Priester stehen, der Tag um Tag seine eigene Liebe, die Sehnsucht seines Lebens nach Glanz und Glück weggibt, um sich ganz Gott zur Verfügung zu halten“ (S. 162).

Theologisch aufschlußreich ist auch die Einführung, die Kurienkardinal Gerhard Müller dem Sammelband voranstellt. Der frühere Bischof von Regensburg und heutige Präfekt der Glaubenskongregation äußert sich unter dem Titel „Jenseits der Krise – der Erneuerung entgegen“ fundiert über das „katholische Priestertum“.

Der Priester wirkt als „Mitarbeiter Gottes“

Dieses sei, so der Autor, dadurch gekennzeichnet, daß der geweihte Amtsträger „Wort und Wirken Gottes“ sakramental  –  als „wirksames Zeichen“  –  weitergebe. Er erinnert an Pauli Worte von den Aposteln als „Diener Christi und Verwalter von Geheimnissen Gottes“ (1 Kor 4,1) sowie als „Mitarbeiter Gottes“ (2 Kor 6,1). media-FZMqzvujo1V-2

Durch das Osterereignis sei der „Grundstein dafür gelegt, jede Krise zu überwinden“ und „von der Tragödie zum Heil“ zu gelangen (S. 16/17), denn „durch die Auferstehung hat Christus die größte Krise des Glaubens überwunden, die es je gegeben hat: die vor-österliche Krise der Jünger“ und folglich „auch die Krise des Priestertums“.

Er fährt fort: „Indem wir (…) unseren Blick auf ihn richten, unsere Augen in die des Hohenpriesters (…) versenken, könne wir jedes Hindernis, jede Schwierigkeit überwinden“ (S.19).

Neben dem Völkerapostel zitiert Kardinal Müller auch Petrus, den ersten Papst, mit seiner Mahnung „an die Priester der Kirche“, die da lautet: „Sorgt als Hirten für die euch anvertraute Herde Gottes…Seid Vorbilder für die Herde nach dem Beispiel Christi, des obersten Hirten“ (1 Petr 5,2-4).

Kritik an bibelkritischer protestantischer Exegese

Die Erfüllung dieser einzigartigen Sendung werde allerdings erschwert, so der Autor, durch eine „radikale Verunsicherung der christlichen Identität“. Als Gründe für die „Krise des Priestertums“ benennt er auch „interkonfessionelle Faktoren“, nämlich zum Beispiel die „naive Aufgeschlossenheit vieler katholischer Kreise für die protestantische Exegese, die in den 1950er und 1960er Jahren in Mode kam(S. 21).AL-0004

Dazu habe auch eine „radikale Kritik am Kult“ gehört, außerdem der „moderne Gedanke von der Autonomie des Subjekts“ sowie das Misstrauen gegenüber „jeglicher Ausübung von Autorität“ (S. 22).

Wie der Verfasser weiter erläutert, unterzog Joseph Ratzinger diese vom Protestantismus getragenen Thesen „nun seinerseits einer genauen kritischen Überprüfung“ (S. 22). Dabei habe Ratzinger zwischen „theologischen und philosophischen Vorurteilen“ auf der einen Seite und dem „Gebrauch der historischen Methode“ andererseits sorgsam unterschieden.

Auf diese Weise könne man durchaus auch mittels moderner Bibelexegese zu jenen dogmatischen Aussagen kommen, „die vor allem von den Konzilen von Florenz und Trient wie auch vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägt wurden“ (S. 22).

Sich den Zerrbildern der Welt entziehen

Kardinal Müller erinnert an den Blick Jesu auf jene, „die er heute wie zu jeder Zeit aussendet, um seine Herde zu weiden. Dieser Blick ist es, der uns auszeichnet und unsere Priesterberufung den Zerrbildern der Welt entzieht (…) Es ist der Blick des obersten Hirten, der seine Hirten seit jeher erneuert und für die leidenschaftliche Sendung frei macht, zu der er sie trotz ihrer Armseligkeit und Erbärmlichkeit berufen hat“ (S. 25). media-373874-2

Dieser Blick sowie die Worte Christi seien, so der Autor abschließend, die „stete Quelle der priesterlichen Identität“  – und sie sind es auch, „die uns die Wüste jeder Krise überwinden lässt, um dem verheißenen Land entgegenzugehen, das es jeden Tag aufs Neue zu erobern gilt: dem verheißenen Land seines Reiches“ (S. 25).

Die in dem Sammelband abgedruckten Predigten Benedikts während seiner Zeit als Erzbischof und Kurienkardinal sind theologisch eindringlich und gehaltvoll, zudem sprachlich anspruchsvoll-elegant und verständlich zugleich, wie bei diesem hochgelehrten und tiefschürfenden Geist nicht anders zu erwarten ist. Dabei gelingt es Ratzinger immer wieder, grundlegende Wahrheiten kurz auf den Punkt zu bringen, so etwa mit seinem Hinweis: „Der Priester muss opfern, segnen, vorstehen, predigen und taufen“ (S. 159).

Dabei verdeutlicht er manche Erkenntnis mit ehrlichen Anekdoten wie etwa der folgenden:

„Wie oft habe ich mich als Student darauf gefreut, einmal predigen zu dürfen. (…) Gefreut darauf besonders dann, wenn mir ein Wort der Schrift, ein Zusammenhang unserer Glaubenslehre, wieder neu aufgeleuchtet war und mich froh gemacht hat. Aber wie war ich enttäuscht, als die Wirklichkeit ganz anders war, als die Menschen offensichtlich nicht auf das Wort der Predigt, sondern vielmehr auf ihr Ende warteten“ (S. 159/160).

Einer verlorenen Welt unbeirrbar Gottes Wort verkünden

Doch er ließ sich von widrigen Erfahrungen nicht beirren in seinem Bestreben,  die Gläubigen mit der Botschaft des HERRN aufzurichten und aufzurütteln, aber auch Ungläubige damit zu konfrontieren:

„Gottes Wort gehört heute nicht zu den Mode-Artikeln, nach denen man fragt und ansteht. (…) Indem die Kirche es wagt, immer noch in einer Welt, in der Lüge, Verstellung und Sensation Trumpf geworden sind, unbeirrbar Gottes Wort zu sagen, schafft sie Gott Platz inmitten dieser Welt“ (S. 160).

Es bleibt zu hoffen, daß dieser tiefgründige Sammelband vielen Lesern die biblischen und kirchlichen Wahrheiten über das katholische Priestertum nahebringt, damit sie den segensvollen und opferbereiten Dienst dieser „Mitarbeiter der Wahrheit“ zu schätzen wissen und ihnen als Laien bzw. „Weltchristen“ hilfreich zur Seite stehen, etwa durch anhaltendes Fürbittgebet, ehrenamtliche Mitarbeit, persönliche Ermutigung und öffentliche Verteidigung des oftmals attackierten katholischen Priestertums.

Erstveröffentlichung dieser Rezension von Felizitas Küble in der Zeitschrift „Theologisches“ (Okt. 2016)  –  Mail: felizitas.kueble@web.de

 

 


Dr. David Bergers Interview mit Felizitas Küble

Der Berliner Philosoph, Theologe und Autor Dr. David Berger (siehe Foto) veröffentlichte auf seiner Internetseite PHILOSOPHIA PERENNIS ein Interview mit Felizitas Küble; sie ist die ehrenamtliche Vorsitzende des Christoferuswerks, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt. pressefotoberger11

Zugleich leitet sie den katholischen KOMM-MIT-Verlag in Münster nach dem Tod des jugendbewegten Verlagsgründers Günter Stiff.  

Unter dem Titel „Sand im Getriebe der Welt“ wurde dieser Artikel am Sonntag, den 9. Oktober, veröffentlicht. Die Fragen Bergers bezogen sich sowohl auf persönliche wie auf religiöse und politische Themen. 

Dr. Berger ist unseren Lesern seit einiger Zeit als Gastautor bekannt. Nachdem er sich immer kritischer sowohl mit dem Islam(ismus) wie auch mit ultralinken Kreisen befaßte und außerdem als homosexueller Publizist auch die Funktionärselite der schwulen Szenerie skeptisch aufs Korn nahm, wandten sich viele früheren Mitstreiter von ihm ab; er verlor dabei auch seinen Posten als Chefredakteur der Zeitschrift „Männer“.

In diesem Interview geht es nicht allein um den persönlichen Werdegang der Verlegerin und besondere Ereignisse in ihrem „Verlagsleben“, sondern auch um grundsätzliche Themen in Kirche und Welt.

Näheres hier:

Sand im Getriebe der Welt – Ein Gespräch mit Felizitas Küble