Kirchenskandal in Münster: Bischöfliche Unklarheiten um Segnung einer „Homo-Ehe“

In der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift „Theologisches“ (Nr. 1-2/2018) erschien ein Artikel von Felizitas Küble (siehe Foto), der besonders aktuell ist angesichts der kürzlichen Vorschläge von Bischof Bode (Osnabrück) und Erzbischof Marx (München), in der katholischen Kirche eine Segnung von homosexuellen Paaren generell oder in Einzelfällen einzuführen.

Wir veröffentlichen den Text aus dem „Theologischen“, der sich mit ähnlichen Vorgängen im Bistum Münster befaßt, hier in voller Länge:

Seit dem 1. Oktober 2017 ist in der Bundesrepublik Deutschland die sogenannte „Ehe für alle“ staatlich eingeführt. Damit können bislang schon gesetzlich eingetragene „gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften“ der Ehe zwischen Mann und Frau komplett gleichgestellt werden  –  samt einem uneingeschränkten Adoptionsrecht inklusive.

Das klassische Alleinstellungsmerkmal der herkömmlichen Ehe wird auf diese Weise erstmalig  in der Geschichte der Menschheit von staatlicher Seite her zerstört und damit zugleich die tragenden Fundamente der traditionellen Familie untergraben. Es handelt sich hierbei um einen geradezu irrwitzigen Aufstand gegen die Gesetze der Natur und gegen die Schöpfungsordnung Gottes, welche die menschliche Sexualität mit dem Sinngehalt gegenseitiger Ergänzung und mit der Fortpflanzung verbindet.

Infolge dieser rasanten Entwicklung wächst der Druck auf die Christenheit nach einer Segnung oder gar kirchlichen „Trauung“ homosexueller Beziehungen. In den meisten evangelischen Landeskirchen in Deutschland (nämlich in 16 von 20) wird eine öffentliche Segensfeier erlaubt, in einigen Landeskirchen der EKD ist sogar eine „Eheschließung“ möglich.

Die evangelikalen, also theologisch konservativen Strömungen im Protestantismus lehnen derartige Zeremonien durchweg ab, darunter auch die weltweite Evangelische Allianz. Neben der katholischen Kirche sprechen sich auch die orthodoxen und altorientalischen Konfessionen gegen eine Segnung oder gar Trauung gleichgeschlechtlicher Beziehungen aus.

Als im Jahre 2008 eine kirchliche Segensfeier für eine eingetragene homosexuelle Partnerschaft im Wetzlarer Dom stattfand, wurde der betreffende Priester durch den damaligen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst von seinem Amt als Bezirksdekan abberufen.

Während sich entsprechend der vatikanischen Linie sowohl die Deutsche wie die Schweizer Bischofskonferenz gegen eine Segnung lesbischer oder schwuler Lebensgemeinschaften wendet, fordert das Laiengremium „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ im Mai 2015 die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare  – und dies sogar in einem einstimmigen Beschluss.

Eine derartige Entschließung wirkt von katholischer Seite her noch absonderlicher als von protestantischer, weil die Ehe unter Getauften in der Kirche Christi seit jeher als heiliges Sakrament gewürdigt wird, so dass die Ehe nicht „nur“ zur Schöpfungsordnung Gottes gehört, sondern sogar Bestandteil der Heils- und Erlösungsordnung ist.

Daher sind kirchliche Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare katholischerseits grundsätzlich nicht gestattet.

Umso mehr reibt man sich die Augen, was die Internet-Ausgabe der „Rheinischen Post“ (RP-online) zu berichten weiß. Schon der Titel des Artikels vom 16. September 2017 klingt äußerst gewöhnungsbedürftig: „Emmericher Bürgermeister heiratet  – Männer-Paar feiert Vermählung in Kirche.“ – Und zwar wohlgemerkt in einem katholischen Gotteshaus – genauer: in der Kirche St. Johannes im kleinen Deichdörfchen Bislich, die zur Pfarrgemeinde St. Nikolaus in Wesel gehört.

Selbst die „Rheinische Post“ wundert sich – und das will etwas heißen: „Schon in der Stadt wäre solch ein Gottesdienst ungewöhnlich – auf dem Dorf ist er es erst recht.“

Der Bericht von Sebastian Peters bemerkt einleitend:

„Der Emmericher Bürgermeister Peter Hinze (SPD) heiratet seinen Lebensgefährten Hubertus Pooth aus Wesel-Bislich. Auch in der katholischen Kirche Bislich wird gefeiert. Pfarrer Sühling will „um den Segen Gottes für Menschen bitten, die in Beziehungen leben“.“

Auch wenn jene geplante Segensfeier im Rahmen eines Wortgottesdienstes laut Aussagen von Pfarrer Stefan Sühling selbstverständlich keine gültige bzw. sakramentale „Vermählung“ darstelle, so ist auch eine amtliche Segenshandlung für gleichgeschlechtliche Partner – mögen sie nun zivil „verheiratet“ sein oder nicht –  ein schwerwiegender Verstoß gegen das biblische und moraltheologische Nein zu  gleichgeschlechtlichen Handlungen bzw. entsprechenden sexuellen Beziehungen.

Darüber hinaus ist ein solches Vorgehen auch pastoral unverantwortlich, denn es sorgt für Ärgernis unter Gläubigen, stiftet Verwirrung und begünstigt die verirrte Ansicht, wonach die sog. „Ehe für alle“ eigentlich eine gute oder zumindest akzeptable Angelegenheit sei, die einen kirchlichen Segen wohl verdiene.

Diese ohnehin schon skandalöse Causa erhält dadurch noch eine besondere „Spitze“, dass es sich bei dem betreffenden Geistlichen Stefan Sühling um einen Domkapitular des Bistums Münster handelt:

Dieser Priester war zunächst ab 2004 Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Generalvikariat von Bischof Dr. Felix Genn (siehe Foto).

Ab 2010 kam er als Pfarrer nach Wesel. Im selben Jahr wurde er vom Münsteraner Oberhirten zum nichtresidierenden Domkapitular am Hohen Dom zu Münster ernannt und damit besonders gewürdigt.

Mit anderen Worten: Pfarrer Sühling war und ist ein hochrangiger Würdenträger und gehört als Domkapitular zur obersten kirchlichen Elite des Bistums.

Nachdem der erwähnte Zeitungsbericht sowie WDR-Sendungen und mehrfache „grelle“ Artikel in der BILD-Zeitung in katholischen Kreisen für Unruhe sorgten und z.B. auf diversen Internetseiten zu Protesten führte, zog die Bistumsleitung in Münster gleichsam die Notbremse.

Bischof Dr. Felix Genn untersagte die geplante Segensfeier, wobei Bistumssprecher Stephan Kronenburg gegenüber dem evangelischen epd-Pressedienst zeitgeistbeflissen erklärte: „Es geht dem Bistum nicht darum, eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft herabzuwürdigen.“

Es sei aber in der Öffentlichkeit der Eindruck aufgekommen, als werde eine „homosexuelle Hochzeit“ gefeiert. Im bischöflichen Ordinariat habe es kritische Anfragen dazu gegeben. Das Bistum wolle verdeutlichen, dass es „einen Unterschied“ zwischen dem Ehe-Sakrament und einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft gebe.

Der Bischof von Münster ist mit dieser Maßnahme immerhin seiner Hirtenpflicht nachgekommen. Die Begründung seines Sprechers wirkt allerdings gewunden und an den Haaren herbeigezogen, zumal von vornherein klar war, dass jene geplante Segnung keine sakramentale Eheschließung sein sollte. Dass dies auf homosexueller Ebene kirchlich ohnehin nicht möglich ist, versteht sich am Rande.

Nicht in erster Linie wegen einer angeblich möglichen „Verwechslungsgefahr“ ist eine Segensfeier für gleichgeschlechtliche Paare unerlaubt, sondern weil praktizierte Homosexualität nicht der göttlichen Schöpfungsordnung entspricht und den Geboten Gottes widerspricht. Dies durch einen kirchlichen Segen zu würdigen, wäre widersinnig.

Nachdem sich der bischöfliche Pressesprecher von Anfang an in diesem Falle nicht eindeutig ausgedrückt hatte, sorgte er einige Tage später für einen weiteren „Knall“:

Laut einem Bericht der „Rheinischen Post“ bzw. RP-online vom 28. September erklärte Kronenberg, der von Pfarrer Sühling geplante Segen für jene homosexuelle Partnerschaft sei an sich völlig korrekt gewesen: „Kronenburg betonte noch einmal, dass Sühling richtig gehandelt habe und die geplante Form für das gleichgeschlechtliche Paar eigentlich angemessen gewesen sei.“

Zudem teilte der Bistumssprecher der Zeitung mit, dass sich „Bischof Felix Genn nach der Berichterstattung dazu gezwungen gesehen habe, den Wortgottesdienst abzusagen“.

Man beachte: Der Oberhirte von Münster sah sich offenbar nicht etwa aufgrund inhaltlicher Gesichtspunkte veranlasst, eine solche Segnung zu unterbinden, sondern lediglich „nach der Berichterstattung“ hierüber. –  Mit anderen Worten: Ohne öffentlichen Druck wäre offenbar kein Verbot erfolgt, glaubt man den Worten des Bischofssprechers. Ein Skandal sondergleichen!

Dies umso mehr, als Bürgermeister Hinze durchaus zu verstehen gab, dass es ihm mit seinem Segenswunsch um ein „politisches“ Signal ging, nicht so sehr um ein religiöses Anliegen. Wollte der SPD-Kommunalpolitiker die Kirche quasi „vorführen“? Falls ja, ist ihm dies leider allzu gut gelungen.

Die „Rheinische Post“ vom 28. September berichtet, er habe den geplanten Wortgottesdienst als „politische Botschaft“ verstanden; sie zitiert ihn zudem wie folgt: „Wenn es nicht möglich ist, Kirche von oben zu ändern, dann ist es ist aber dennoch wichtig, an der Basis ein Zeichen zu setzen, dass wir in anderen Zeiten leben als vor 20 Jahren.“

Dass das bischöfliche Verbot der Segensfeier allein dem wachsenden Druck zu verdanken ist, hat Domkapitular Sühling selber bestätigt. Der vorhin erwähnten Tageszeitung sagte er unumwunden: „Die Öffentlichkeit, die in dieser Sache entstanden ist, hat es mir nicht möglich gemacht, diesen Wortgottesdienst zu begehen. Das bedauere ich.“

Derweil geht die kontroverse Debatte über Emmerich hinaus weiter. Die „Ruhr-Nachrichten“ haben bei einigen Pfarrern in Selm (ebenfalls im Bistum Münster gelegen) nachgefragt und die Ergebnisse am 2. Oktober 2017 in einem Bericht veröffentlicht:

Der katholische Dechant Claus Themann gab sich recht zeitgeistlich: „Würden Paare anfragen, so ist es angemessen mit ihnen über ihren Glauben zu sprechen, ihre Wünsche. Und ich bin mir sicher, dann findet sich auch ein gemeinsamer Weg.“   –  Ähnlich reagierte der evangelische Pfarrer Lothar Sonntag, was wenig erstaunt, zumal protestantische Kirchenleitungen seit langem eine Segnung von Homo-Paaren befürworten.

Pater Gregor Pahl, katholischer Pfarrer in der altehrwürdigen, romanischen Klosterkirche in Cappenberg, zeigt hingegen eine klare, heutzutage schon als mutig einzustufende Haltung: „Ich würde und könnte einer solchen Bitte auch nicht entsprechen.“

Er erinnerte die Zeitung daran, dass die Katholische Bischofskonferenz eine Segnung gleichgeschlechtlicher Partner ablehnt.

Selbst wenn klar sei, dass es sich hierbei nicht um eine eigentliche Eheschließung handle, könne eine Segensfeier zu Verwirrung und Streit unter Gläubigen führen.

Ergänzend sei darauf hingewiesen, dass Kardinal Joseph Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation am 3. Juni 2003 eine Stellungnahme zu gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften abgab. Unter dem Titel „Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen“ wird eine kirchliche Akzeptanz eheähnlicher, gleichgeschlechtlicher Partnerschaften abgelehnt.

Die Gläubigen, besonders katholische Politiker, werden zum Widerstand gegen deren Legalisierung aufgerufen. Die vatikanische Klarstellung führte erwartungsgemäß zu Protesten bei Grünen, SPD und FDP.

Der damalige stellv. CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach wies hingegen darauf hin, dass die katholische Kirche lediglich ihre bisherige Lehre bekräftigt habe; er gehe davon aus, dass „jeder katholische Abgeordnete“ die vatikanischen Worte „bei seiner Entscheidungsfindung berücksichtigen“ werde.

In der Erklärung der Glaubenskongregation wird erläutert, dass die christlich geforderte „Achtung gegenüber homosexuellen Personen in keiner Weise zur Billigung des homosexuellen Verhaltens oder zur rechtlichen Anerkennung der homosexuellen Lebensgemeinschaften“ führen dürfe. Es geht hierbei um eine grundsätzliche Unterscheidung von Person und Sache gemäß dem Leitwort des hl. Augustinus: „Hasse den Irrtum, aber liebe den Irrenden.“

Felizitas Küble aus Münster, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags und des Christoferuswerks, Mail: felizitas.kueble@web.de

 

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„Marsch für das Leben“ in Washington: Trump solidarisiert sich mit Lebensrechtlern

Evangelikaler Vizepräsident Mike Pence pro life

Der amerikanische Präsident Donald Trump hat den Lebensrechtlern in den USA am gestrigen Freitag seine Unterstützung zugesagt und das menschliche Leben als das „größte aller Wunder“ bezeichnet.
Den sage und schreibe ca. 500.000 Teilnehmern der Mega-Demo „Marsch für das Leben“ (March for Life) in Washington erklärte er durch eine Live-Video-Zuschaltung aus dem Weißen Haus, die Anti-Abtreibungs-Bewegung sei „aus der Liebe“ geboren und verteidige den Respekt vor dem menschlichen Leben.
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Der Präsident bekräftigte in seiner Ansprache, er wolle dafür sorgen, daß die Gewissensfreiheit und die „religiösen Rechte“ von Ärzten und Krankenpersonal besser geschützt würden. Die „Unantastbarkeit des Lebens und der Familie“ sei das Fundament der Gesellschaft.
Das „Recht auf Leben“ sei in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung nicht ohne Grund an erster Stelle genannt und müsse daher auch vorrangig verteidigt werden.
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Es war in diesem Jahr das erste Mal, daß ein Präsident mit einer eigenen Rede (und nicht nur per Grußwort) zu den Teilnehmern des seit  1974  jährlich stattfindenden „March for Life“ sprach.
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Die US-amerikanische Lebensrechtsbewegung befindet sich seit Amtsantritt Trumps politisch im Aufwind. Vor allem sein Vizepräsident, der evangelikale Mike Pence, setzt sich seit Jahrzehnten engagiert gegen Abtreibung ein.

Trump selber war bei diesem Thema früher anders eingestellt. Eigenen Angaben zufolge hat er vor etwa 6 bis 7 Jahren seine Ansicht geändert.
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Der bislang eindeutigste Lebensrechtler-Präsident in der Geschichte der USA war der Republikaner Ronald Reagan. Er veröffentlichte sogar während seiner Amtszeit ein Buch gegen Abtreibung, das damals auf deutsch unter dem Titel „Recht auf Leben“ im Hänssler-Verlag erschien.
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Auch Kardinal Dolan hatte in einer Ansprache im Vorfeld des Marsches einen klaren Standpunkt vertreten: https://de.catholicnewsagency.com/story/march-for-life-kardinal-dolan-ruft-zum-gebet-gegen-die-machte-des-bosen-auf-2775
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Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.
Fotos: Dr. Edith Breburda

Die MEHR-Konferenz und weitere Aktivitäten des Gebetshauses Augsburg

Kritischer Bericht von Felizitas Küble

Unter dem Titel „Charismatik auf katholisch“ erschien der folgende Artikel in der Zeitschrift THEOLOGISCHES vom August/September. Der ausführliche Beitrag hat zu vielen Diskussionen in konservativ-katholischen Kreisen geführt.  Nur für UMBRUCH (4)

So erfuhr ich z.B. von etlichen „Radio-Horeb“-Hörern, daß sie sich bei der Leitung dieses privaten katholischen Rundfunks darüber beschwerten, daß dort immer wieder charismatische Sendungen – mit oder ohne Dr. Hartl – ausgestrahlt wurden.

Mehrere kirchliche Weltanschauungsbeauftragte (Anti-Sekten-Experten) teilen meine skeptische Sichtweise. Natürlich gab und gibt es zugleich Reaktionen, welche die MEHR-Konferenz verteidigen bzw. meine Kritik überzogen finden.

Am heutigen Donnerstag, den 4. Januar 2018, beginnt wieder die jährliche MEHR-Konferenz in Augsburg, die bis kommenden Sonntag veranstaltet wird. Aus diesem Anlaß veröffentlichen wir hier den erwähnten Artikel aus dem „Theologischen“:

Jahr für Jahr organisiert das charismatisch-katholische, ökumenisch orientierte „Gebetshaus“ Augsburg die sogenannte MEHR-Konferenz im Januar mit tausenden von vorwiegend jugendlichen Teilnehmern, lautstarker Rock- und Popmusik sowie einem euphorischen „Lobpreis“.

Auch der recht wohlwollend gehaltene ARD-Bericht in den „Tagesthemen“ vom 8.1.2017 bezeichnete das fromme Spektakel als „Mischung aus Rock-Konzert, Festival und Gottesdienst“. (Quelle: https://www.facebook.com/tagesschau/videos/10154956887504407/?hc_ref=NEWSFEED)

Das Gebetshaus ist eigenen Angaben zufolge aus der „Katholischen Charismatischen Erneuerung“ hervorgegangen.

Das Team inkl. der Leitung besteht derzeit aus 17 katholischen und 11 evangelischen, meist freikirchlich-protestantischen Mitarbeitern. (Quelle mit Stand vom 9.4.2017: https://gebetshaus.org/about/mitarbeiter)

Zu den wichtigsten Referenten des diesjährigen Events 2017, der mit seinen rund 10.000 Teilnehmern für eine gewisse öffentliche Aufmerksamkeit sorgte, gehörte neben Vatikanprediger Raniero Cantalamessa der pfingstlerisch orientierte Pastor Ben Fitzgerald.

Typisch für die MEHR-Konferenz wirkt bereits ihr Motto „Holy fascination“. Nicht wenige katholische Medien von der „Tagespost“ über „Kath.net“ bis hinein ins traditionelle Lager waren des Lobes voll über diesen Mega-Kongress.

Dr. Hartls Fastenaufruf zur „Rettung Europas“

Zudem startete das Gebetshaus unter seinem Leiter, dem katholischen Theologen und Familienvater Dr. Johannes Hartl (siehe Foto) Ende Februar 2017 einen speziellen Fastenaufruf zur „Rettung Europas“ – genau genommen geht es um eine Hungerkur („Wasserfasten“).

Von einem „strategischen Fasten“ ist in seinem Appell die Rede, um die Herzen von Millionen zu bekehren.  

Allein die Ausdrucksweise läßt schon aufhorchen, stellt sich doch die Frage, wie weit solch eine „Strategie“ gegenüber Gott von einer Neigung zum magischem Denken geprägt ist. Schamanisch-heidnischen Vorstellungen ist es eigen, durch bestimmte Zeremonien, Mantras oder sonstige Worte und Handlungen die gewünschten Erfolge von den Himmelsmächten zu erzielen.

Zweifellos geht es Dr. Hartl und den Seinen nicht um Fruchtbarkeit, Regen oder Sonnenschein, gute Ernte oder bessere Jagderfolge, sondern um geistvollere Anliegen, in diesem Falle um nicht weniger als die Bekehrung eines ganzen Kontinents, weshalb er für seinen verstiegenen Zweck nicht weniger als zehntausend Fastenfreunde bzw. Hungerleider suchte.

Auf der Gebetshaus-Webseite (https://gebetshaus.org/news/40-tage-strategisches-fasten-europe-shall-be-saved) wird der Leser darüber informiert, daß Gott offenbar Großes mit Europa vorhat. Das weiß Dr. Hartl und sein Team deshalb so gut, weil man sich anno 2016 mit „Propheten, Evangelisten und Leitern großer Dienste“ getroffen hat:

„Quer durch den Leib Christi verbreitet sich Hoffnung und Menschen auf der ganzen Welt hören vom Herrn, dass dies eine besondere Zeit für Europa ist. Im letzten Jahr trafen sich Propheten, Evangelisten und Leiter großer Dienste aus der ganzen Welt, um sich über das auszutauschen, was Gott auf diesem Kontinent vorhat.“

Verheißungen „quer durch den Leib Christi“

Mit dem gewöhnungsbedürftigen Ausdruck „Quer durch den Leib Christi“ ist die konfessionsverschiedene Herkunft dieser Prophetenschar angesprochen, wobei eine solche Anschauung für einen katholischen Leiter bereits den doktrinären Rahmen sprengt, denn unter dem ecclesiologischen Begriff „Leib Christi“ versteht unsere Kirche keineswegs die ganze weite Christenheit, sondern konkret die Kirche Christi. (Daß die Gläubigen anderer Konfessionen mit ihr durch die Taufe und ggf. durch das Ehesakrament teilverbunden sind, steht auf einem anderen Blatt.)

Sodann hätte man gerne gewußt, auf welche Weise dieses Orakelteam „vom Herrn“ gehört hat, daß wir uns in einer „besonderen Zeit für Europa“ befinden. Offenbar sitzen die geistbegabten Herren – und vielleicht auch Damen – dem Allmächtigen gleichsam auf dem Schoß, zumal sie sich kenntnisreich über „das austauschen, was Gott mit diesem Kontinent vorhat“.

Befand sich die illustre Gruppe aus Evangelisten, Propheten und sonstigen Erleuchteten vielleicht gemeinsam in Ekstase? Wurde ihnen das „Wort der Erkenntnis“ geschenkt, wie es in Pfingstlerkreisen seit langem gang und gäbe ist? Warum hat der Höchste eigentlich nur mit Europa großartige Pläne, wo bleiben die anderen Kontinente?

Vermutlich erfahren wir darüber etwas beim nächsten Prophetentreffen unter Hartls Leitung.

(Sehn-)Sucht nach einem neuen Pfingsten

Immerhin erklärt er in seinem Fasten-Aufruf, warum 2017 ein so „strategisch bedeutsames Jahr“ ist, nämlich aufgrund von „500 Jahren nach der Reformation, 50 Jahren nach Beginn der Charismatischen Bewegung“ in der katholischen Kirche. Beides ein Grund zum Feiern?

Für Dr. Hartl zumindest ein Zeichen der Hoffnung:
„Wir glauben, dass dieses Jahr eine Veränderung im geistlichen Klima Europas bringen wird. Doch um diese Veränderung gilt es zu beten und zu fasten..Wir träumen von 10.000 Männern und Frauen, die im Zeitraum 1. März bis 9. April um Erweckung in Europa fasten und beten.“

Zum Thema Gebet schreibt er wie in einem Zustand höherer Eingebung: „Wie kann man konkret mitmachen? Indem man täglich die prophetische Aussage betet „Europe shall be saved!“, „Europa soll gerettet werden!“ und täglich mindestens 5 Minuten in diesem Anliegen betet.“

Hinsichtlich des Fastens ist der Meister anspruchsvoll, erwartet er doch nicht etwa – wie sonst in der katholischen Kirche üblich – lediglich die Beschränkung auf einmaliges tägliches Sattessen oder allenfalls einen Fleischverzicht einmal pro Woche.

Für die „Rettung Europas“ muß die Latte deutlich höher liegen:
„Das Fasten bedeutet hier Verzicht auf feste Nahrung. Manche wird der Herr zu einem kompletten Wasserfasten rufen (eine geistlich sehr besondere Erfahrung), manche zum Fasten bei Wasser und Saft oder Ähnlichem.“
Sollten bei einem Leser Bedenken auftreten, weiß er Trost und Rat: „Fasten ist generell gesundheitsfördernd, wenn es richtig durchgeführt wird.“

Daß im Gebetshaus Augsburg ein besonderer Draht nach oben wirksam ist, verwundert wenig. Immerhin zählt kein Geringerer als Daniel Kolenda zu den Gesinnungsfreunden.

Der evangelische Pfingstler aus den USA ist Nachfolger des extrem-charismatischen Starpredigers Reinhard Bonnke als Leiter der vor allem in Afrika aktiven Organisation „Christus für alle Nationen“ (CfaN). Bonnke bezeichnet sich aufgrund seiner angeblich enormen Missionserfolge auf Großveranstaltungen gerne als „Mähdrescher Gottes“.

Bei der „Feuer-Konferenz“, die Mitte Mai 2016 mit 2000 Teilnehmern stattfand, gehörte Kolenda ebenso zu den Rednern wie Dr. Johannes Hartl oder der ultracharismatische „Evangelist“ Todd Withe.

Zur CfaN-Connection paßt auch die vortragsreisende Pfingstlerin Monika Flach, die am 6. April 2017 im Gebetshaus Augsburg über das „Königreich Gottes“ und den „Gott aller Nationen“ sprach. (Quelle: https://gebetshaus.org/news/monika-flach-am-6-april).

„Neue Salbung für eine neue Zeit“

Die Protestantin aus Denkingen – sie leitet den Enthusiastenverein „Global Vision“ – scheint ebenfalls in die Pläne des Ewigen eingeweiht zu sein, denn sie spricht gerne euphorisch von einer künftigen weltweiten Erweckung bzw. einer „neuen Salbung für eine neue Zeit“.

Das Augsburger Gebetshaus schreibt bei der Ankündigung ihrer Rede hoffnungsfroh folgendes: 
„Wir leben in einer aufregenden Zeit. Unsere Länder werden erschüttert, aber gleichzeitig bereitet Gott uns für die Ernte zu. Es ist Zeit, dass Gebet und Mission zusammenkommen. Sind Sie dabei? Lernen Sie den Gott aller Nationen kennen und Ihr Leben bekommt Sinn und Ziel, denn er sendet Sie!“

Das Gebetshaus Augsburg hat aus der regen Beteiligung männlicher und weiblicher Pfingstprediger noch nie ein Geheimnis gemacht. Umso verwunderlicher erscheint es, wenn betont konservative Personen und Gruppen, die sonst mit einem überschäumenden Ökumenismus wenig am Hut haben und überdies Wert auf eine gediegene liturgische „Form“ legen oder direkt der überlieferten hl. Messe anhängen, Stimmung für die MEHR-Konferenz betreiben und das Gebetshaus Augsburg öffentlich loben und preisen.

Anscheinend regt nicht einmal die Tatsache zum kritischen Nachdenken an, daß im Gebetshaus Augsburg fleißig das charismatische „Ruhen im Geist“ praktiziert wird. Oder hält man dieses schwarmgeistige Phänomen ernsthaft für eine Manifestation des Heiligen Geistes? Handelt es sich bei diesem plötzlichen und tranceartigen Umkippen, wie Dr. Hartl behauptet, um eine „Kraftbezeugung Gottes“? Vermittelt dieser „Toronto-Segen“ (wie er in protestantischen Kreisen oft genannt wird) neuerdings eine besondere Gotteserfahrung?

Rückwärtskippen als Geistsendung von oben?

Wirkt unser HERR in solchen enthusiastischen Stimmungsmomenten auf ganz ungewöhnliche Weise? Zeigt er in der „Ohnmacht“ der Rückwärtskippenden seine außerordentliche „Macht“?

Daß auch in diesem Jahr auf der MEHR-Konferenz wieder dieser „um-werfende“ Charismatikersegen erteilt wurde, wird von Fan-Seite selber geschildert, so etwa unter dem bezeichnenden Motto „Viel Spass und viel Segen“: (Quelle: http://mightymightykingbear.blogspot.de/2017/01/viel-spa-und-viel-segen-teil-1.html038_35)

Hierbei handelt es sich nicht nur um Ausrutscher oder Auswüchse am Rande dieser Veranstaltung, zumal Dr. Hartl selber kein Geheimnis daraus macht, wie großartig er diesen Vorgang, den man im angelsächsischen Raum passenderweise als „Slain in the Spirit“ (Erschlagenwerden im Geist) bezeichnet. Dieser Charismatikersegen ist aus der pfingstlerisch-protestantischen Bewegung seit über 100 Jahren allgemein bekannt, seit Ende der 60er Jahre auch in entsprechend gepolten katholischen Kreisen.
Was einst beim „heiligen Chaos“ geschah

Der Gebetshausleiter schreibt in seinem Buch „In meinem Herzen Feuer – Meine aufregende Reise ins Gebet“ im Kapitel „Heiliges Chaos“ (!), bei dem Fallen „im Geist“ handle es sich um eine „Kraftbezeugung Gottes“, die er bereits 1999 bei einem von ihm geleiteten Jugendwochenende beobachtet habe.

Während der üblichen lautstarken Lobpreismusik ging es dort richtig rund – und dann kam ER (gemeint ist Gott):
„Doch während des 2. Liedes kommt er. Und übernimmt die Kontrolle. Ohne dass jemand sie berührt, beginnen Einzelne, umzufallen. Bum! Die Betroffenen berichten, sie seien von der Kraft Gottes überwältigt worden. Im ganzen Raum fallen Jugendliche um und bleiben liegen. Einige liegen ganz ruhig am Boden und berichten hinterher, den Frieden und die Liebe Gottes auf tiefe Weise erfahren zu haben.
Andere beginnen laut zu weinen, weil Gott Bereiche intensiven Schmerzes in ihnen berührt. Andere lachen, weil sie Gottes Freude in sich spüren, andere haben Visionen der geistlichen Realität, einige sogar über lange Zeit hinweg.“

Dr. Hartl wird nun klar: „Jemand hat mir die Leitung aus der Hand genommen. In alledem jedoch die überwältigende Präsenz von etwas Heiligem. Von jemand Heiligem.“

Wirkt der Heilige Geist wirklich ohne oder gar gegen den Verstand und das menschliche Bewußtsein? Erleuchtet Gottes Geist nicht vielmehr unsere Erkenntnis und unsere Vernunft mit dem Licht des Glaubens? Die Gnade baut auf der Natur auf – aber Gott überwältigt sie nicht, er „wirft sie nicht um“, denn Gott ist ein Freund der menschlichen Freiheit, die ER selber uns verliehen hat. 

Als Katholiken sind wir überzeugt, daß uns durch das Sakrament der Firmung die Sieben Gaben des Heiligen Geistes geschenkt werden, wobei wir diese Gnadengaben in unserem Leben fruchtbar machen sollen. Zu den „7 Gaben“ gehören interessanterweise auch die Gabe des Verstandes und der Wissenschaft (Erkenntnis) sowie der Stärke und Weisheit.

Soll man wirklich davon ausgehen, beim quasi-ohnmächtigem Umkippen seien Verstand, Weisheit, Stärke und Wissenschaft wirksam?

Es ist in zweitausend Jahren in keinem einzigen Fall bezeugt worden, daß bei einem Sakrament, das speziell den Heiligen Geist bzw. seine Gaben vermittelt (Taufe, Firmung, Priesterweihe) jemals ein Mensch „im Geist geruht“ hat. Nun wissen wir aber im Glauben, daß bei der sakramentalen Begegnung mit Gott tatsächlich auch seine wirksame Gnaden verliehen werden. Freilich kommt es hierbei keineswegs zu charismatischen Manifestationen wie dem Toronto-Segen, „Heiligem Lachen“, „Heiligem Weinen“, Zungenreden, „Prophetengabe“ usw.

Unser Glaube beruht nicht in erster Linie auf dem Gefühl, schon gar nicht auf ekstatischen, außer Kontrolle geratenen Emotionen oder Trance-Erfahrungen ähnlich wie bei Zen oder Yoga. Auch und gerade der Heilige Geist ist ein Gott der Ordnung, Besonnenheit und Nüchternheit, der Apostel Paulus die damaligen Gemeinden in seinen Briefen häufig ermahnt.

MEHR-Konferenz 2017 mit Erweckungspredigern

Passend zu diesen schwarmgeistigen Vorgängen verlief auch die Mehr-Konferenz im Januar dieses Jahres, an welcher der protestantische Star-„Evangelist“ Ben Fitzgerald als einer der vier Hauptredner teilnahm. Auf seiner Facebook-Seite wirbt er für die „Evangelisationsschule“ des extrem-charismatischen Heilungspredigers Reinhard Bonnke. (Quelle: https://de-de.facebook.com/benfitzgeraldandJesus)

In der erscheinungsbewegten und charismatisch geprägten Nachrichtenseite „Kath.net“ berichtete deren Leiter Roland Noé – wie zu erwarten: völlig unkritisch – über den Auftritt Fitzgeralds auf der MEHR-Konferenz, der dort für eine „neue Reformation“ geworben habe, freilich nicht als eine Neuauflage der Lutherischen Glaubensspaltung, sondern im charismatischen Sinne.  

Im Kath-net-Bericht heißt es sodann: „Der Prediger aus Melbourne hatte Ende 2002 eine tiefgreifende Umkehr erfahren, zuvor war er als Drogendealer tätig.“ – Dies ist ein recht häufiger Vorgang in der Lebensgeschichte charismatischer Prominenter. Bisweilen fragt man sich, ob diese Personen ihren Enthusiasmus gleichsam „umgelenkt“ haben: vom Drogen-Trip zum „Jesus-Trip“ bzw. einem Berauschtsein vom „Hl. Geist“.

Kritischer äußerte sich die „Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen“ in einem Artikel über eine Charismatiker-Konferenz in Nürnberg, auf der Starprediger Fitzgerald sprach. Demnach hat er dort die schwarmgeistige Erweckungslehre verkündet, derzufolge es vor der Wiederkunft Christi weltweit zu einer „Rettungswelle“ komme, die Christenheit einen herrlichen Aufschwung nehme und auch Fernstehende in großer Zahl zum Glauben finden.

Während gemäßigte Pfingstprediger für solch eine „Erweckung“ beten und Vorarbeit leisten wollen, glauben ultra-charismatische Kreise, dieser wunderbare Zustand sei bereits eingetreten. Laut EZW-Bericht erklärte Fitzgerald, „Erweckung sei nicht allein das, wofür gebetet und worauf gewartet werde, vielmehr habe sie bereits begonnen.“ – Es werde eine „Welle der Errettung über ganz Europa“ kommen, „die nicht mehr verebbt“.

Ermutigung durch Vatikanprediger Cantalamessa

Der italienische Pater Raniero Cantalamessa wurde bereits von Johannes Paul II. zum „Päpstlichen Hausprediger“ ernannt und hat seit über drei Jahrzehnten dieses Amt inne. Der Kapuziner konnte sich durch sein häufiges Lob für Martin Luther und seine Auftritte in der Pfingstlerszene bei protestantischen Charismatikern ebenso beliebt machen wie durch konservativ wirkende Ansprachen bei katholischen Erneuerungsbewegten.

Der päpstliche Hausgeistliche war 2017 als prominenter Redner auf der MEHR-Konferenz mit von der Partie. Vorigen Herbst trat er auf dem – weitgehend von freikirchlichen Protestanten geprägten – Kongreß „Pfingsten 21“ in Würzburg auf, ebenso Dr. Johannes Hartl. (Quelle: http://www.pfingsten21.de/)

Dabei ging es um die „Sehnsucht nach einem neuen Pfingsten im 21. Jahrhundert“ – also die typisch charismatische Erwartung einer allgemeinen Erweckung in der Christenheit als angeblicher Vorbote für die Wiederkunft Christi (wobei vielfach übersehen wird, daß vor unserem Erlöser erst der Antichrist auf der Bildfläche erscheinen wird).

Bei seiner Karfreitagspredigt 2016 im Vatikan hatte der Kapuziner wie so oft ein Loblied auf die Reformation gesungen. Zu den verheerenden Folgen der Glaubensspaltung (darunter ein sogar von Luther selbst eingeräumter Sittenverfall oder der 30-jährige Krieg) hat sich der Prediger freilich nicht geäußert.

Wie der katholische Nachrichtendienst ZENIT berichtete, erklärte Cantalamessa, Luther habe die „Wahrheit“ über Gottes „Gerechtigkeit“ erst wieder „ans Licht gebracht“:
„Luther kommt der Verdienst zu, diese Wahrheit wieder ans Licht gebracht zu haben, nachdem die christliche Verkündigung jahrhundertelang den Sinn dafür verloren hatte. Das ist es im Wesentlichen, was die Christenheit der Reformation verdankt, deren Fünfhundertjahrfeier nun bald ansteht.“

P. Cantalamessa spielte damit auf die lutherische Rechtfertigungslehre an, wonach allein der Glaube selig und vor Gott „gerecht“ mache; die Einhaltung der göttlichen Gebote und gute Werke seien zwar erfreulich, aber nicht heilsnotwendig. Angeblich habe die Kirche in den Jahrhunderten zuvor den Sinn für Gottes wahre Gerechtigkeit verloren, bedauerte er in seiner Karfreitagspredigt. Der Reformation sei es zu „verdanken“, daß sie wieder entdeckt worden sei.

Katholisches Lehramt gegen Werkgerechtigkeit

In Wirklichkeit hat die katholische Kirche schon in der Frühzeit des Christentums jede falsche Werkgerechtigkeit oder Leistungsfrömmigkeit abgelehnt, weshalb sie der Irrlehre des Pelagius entschieden widersprach und auch die sanftere Variante des Semipelagianismus ablehnte. Der Geistliche Pelagius hatte – vereinfacht gesagt – erklärt, die Gnade Gottes sei zwar eine helfende Zugabe, aber nicht absolut notwendig, da ein nach Gerechtigkeit strebender Gläubiger die Gebote Gottes letztlich auch aus eigener Kraft einhalten könne. 

Dem hat die katholische Kirche ihre biblisch begründete Gnadenlehre entgegengesetzt, wonach Gottes Erbarmen und seine zuvorkommende Gnade den Menschen überhaupt erst zum Glauben und zur Nachfolge Christi befähigt. Die Betonung der Gnade Gottes ist folglich keine „Entdeckung Luthers“, wie Pater Cantalamessa suggeriert, sondern seit jeher katholische Lehrauffassung gewesen und geblieben; sie wurde von Thomas v. Aquin ebenso betont wie vom Trienter Konzil bestätigt.

Was der römische Hausprediger laut einer Radio-Vatikan-Meldung vom 8.4.2017 diesmal in einer Fastenpredigt für den Papst und die Kurie verkündete, ist nicht weniger verstörend für katholische Ohren. Abgesehen davon, daß er den längst als Legende widerlegte Mythos vom „Anschlag der berühmten 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg“ aufwärmt, beklagt er erneut, es sei „ein Irrweg gewesen, dass die Kirche vor allem den Wert der Werke betont“ habe.

Radio Vatikan berichtet weiter:
„Die „Lehre von der Rechtfertigung aus dem Glauben“, die von Luther ausgegangen sei, hat nach dem Urteil von Pater Cantalamessa „zweifellos eine Steigerung in der Qualität des christlichen Lebens zur Wirkung gehabt“. Und das, obwohl sie über Jahrhunderte den „Graben zwischen Katholiken und Protestanten“ markiert habe – übrigens auch, wie er hinzufügte, den Graben zwischen Christentum und Judentum.  

Die Katholiken hätten in dieser Optik „den jüdischen Ritualismus fortgesetzt und die Protestanten die christliche Neuheit“. Katholiken hätten im Lauf der Geschichte erst lernen müssen, dass „die Lehre von der Rechtfertigung durch den Glauben keine Erfindung des Völkerapostels (Paulus) war, sondern die zentrale Botschaft des Evangeliums“.“  (Quelle:http://de.radiovaticana.va/news/2017/04/08/wenn_luther_heute_wieder_auftreten_w%C3%BCrde_/1304353)

Man reibt sich die Augen: Während selbst Luther einräumte, daß die von ihm verkündete Rechtfertigungslehre zu seinem Leidwesen einen Verfall der guten Sitten begünstigt habe, während Bonhoeffer in diesem Kontext eindringlich vor einer „billigen Gnade“ warnte und die Notwendigkeit der „Nachfolge Christi“ erwähnte, fabuliert Cantalamessa gegenüber der (hoffentlich!) staunenden Kurie zu Rom, Luthers Sonderlehre habe „eine Steigerung in der Qualität des christlichen Lebens zur Wirkung gehabt“.

Gebote-Ethik des AT ist kein „jüdischer Ritualismus“

Die jüdische Betonung der Gebote Gottes und des mosaischen Religionsgesetzes herablassend als „jüdischen Ritualismus“ zu bezeichnen, entspricht auch nicht gerade dem aktuellen Stand des christlich-jüdischen Dialoges, ganz zu schweigen von seiner sowohl theologisch wie historisch unqualifizierten Bemerkung, Katholiken hätten damals nicht gewußt, daß die Glaubensrechtfertigung „keine Erfindung von Paulus“ gewesen sei. Mit solch flapsigen Sprüchen wird seriösen ökumenischen Bemühungen ein Bärendienst erwiesen.

2015 erklärte der päpstliche Hofprediger laut „Livenet“-Bericht auf einem evangelisch-charismatischen Kongreß sogar, er habe sich auf einer pfingstlerischen Veranstaltung in Kansas City 1977 gleichsam zum zweiten Mal „bekehrt“, als er dort die „Geistestaufe“ empfangen habe. Cantalamessa weiter: „Wir werden Busse tun über alle unsere Abspaltungen. Der Herr giesst seinen Geist in allen Kirchen aus.“

Zudem sagte er darüber: „Die Geisttaufe änderte meine Einstellung den anderen christlichen Kirchen gegenüber – nicht aufgrund von theologischen Überlegungen, sondern ganz spontan, ohne dass ich es selbst wahrgenommen hatte. Gemeinsam mit der Gabe des Geistes war die Gnade der Einheit gekommen.“ (Quelle: http://www.leiterkreis.de/file/17.Einheit%20%20Erweckung.pdf – dort auf S. 18 unten)

Endzeitschwärmerei der Charismatischen Bewegung

Zurück zur charismatischen Hoffnung auf ein „neuen Pfingsten“. Seit Jahrzehnten wollen Geistbewegte eine Zeit großartiger weltweiter Erweckung herbeireden, indem sie eine Art Neuauflage des Pfingstereignisses ankündigen. Diese Endzeitschwärmerei stimmt allerdings mit der nüchternen biblischen Prophetie nicht überein. Aber das enthusiastische Wunschdenken ist hier stärker als der Sinn für die Wirklichkeit.

In seiner vierten Vatikan-Fastenpredigt im Jahre 2009 erklärte Pater Cantalamessa diesbezüglich:
„Dieselbe Spannung zwischen Verheißung und Erfüllung, die in der Schrift hinsichtlich der Person Christi zu bemerken ist, ist auch hinsichtlich der Person des Heiligen Geistes festzustellen.

Wie Jesus zunächst in der Schrift verheißen und dann im Fleisch offenbar war und schließlich in seiner endgültigen Wiederkunft erwartet wurde, so wurde auch der Geist, einst „Verheißung des Vaters“, an Pfingsten gegeben und wird jetzt erneut „mit unausdrückbarem Seufzen“ vom Menschen und von der ganzen Schöpfung erwartet und angerufen, die die Fülle seines Geschenkes erwarten, nachdem sie dessen Erstlingsfrucht gekostet haben.“

Pfingsten war also demzufolge lediglich eine „Erstlingsfrucht“ des Heiligen Geistes, mit größeren pentekostalen Ereignissen ist noch in der Zukunft zu rechnen.

Theologischer Rückgriff auf Joachim von Fiore

Cantalamessa neigt zur Vorstellung des mittelalterlichen Abtes Joachim von Fiore über die „drei Zeitalter“, was von der Kirche nie anerkannt wurde, wenngleich er seine Thesen bisweilen zu spiritualisieren versuchte. Kurz auf den Nenner gebracht beinhaltet die Drei-Reiche-Lehre: Der Alte Bund war die Epoche des Vaters, der Neue Bund ist die Epoche des Sohnes – und in der Endzeit folgt die wunderbare Epoche des Heiligen Geistes, das „Dritte Reich“ (wie einige Joachimiten bzw. franziskanischen Spiritualen es damals nannten).

Pater Cantalamessa predigte weiter:
„Was meint Jesus, wenn er den Heiligen Geist „Verheißung des Vaters“ nennt? Wo hat der Vater diese Verheißung getan? Das gesamte Alte Testament ist, so könnte man sagen, eine Verheißung des Geistes. Das Werk des Messias ist ständig so präsentiert, daß es seinen Höhepunkt in einer neuen universalen Ausgießung des Geistes Gottes auf Erden findet.

Der Vergleich mit dem, was Petrus am Pfingsttag sagt, zeigt, daß Lukas insbesondere an die Prophezeiung Joels denkt: „In den letzten Tagen wird es geschehen, so spricht Gott: Ich werde von meinem Geist ausgießen über alles Fleisch“ (Apg 2,17).“

Der Kapuzinerpater bezieht sich auf folgendes Bibelwort: „Ich werde meinen Geist ausgießen über alles Fleisch. Und eure Söhne und Töchter werden weissagen, eure Greise werden Träume haben, eure jungen Männer werden Gesichte sehen – und selbst über Knechte und Mägde werde ich in jenen Tagen meinen Geist ausgießen.“ (Joel 3,1 f.)

Die Joel-Prophetie und ihre angemessene Auslegung

Wie es scheint, ist diese Verheißung in der Charismatischen Bewegung erstaunlich in Erfüllung gegangen. Gibt es dort nicht zahlreiche Prophetien, Träume, Visionen, „Geistesgaben“ in Hülle und Fülle?

Eine derartige Auslegung übersieht drei Gesichtspunkte:
1. Die Ankündigung wurde durch das Pfingstereignis bereits grundlegend erfüllt. Petrus selber verweist auf die Verheißung in Joel 3 zur Erklärung des Geistausgießung in Jerusalem (vgl. Apg 2,16 f). 
2. Eine mögliche „Voll-Erfüllung“ dieser Prophetie bezieht sich am ehesten noch auf die endzeitliche Bekehrung Israels, die Paulus hinsichtlich der Wiederkunft Christi ankündigt (Röm 11,12 und 11,26). – Auch im Alten Testament wird dies angedeutet: „Aber über das Haus Davids und über die Bewohner von Jerusalem gieße ich den Geist der Gnade und des Flehens aus und sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben“ (Sach 12,10).
3. Daß es sich bei der Vollendung der verheißenen Geistausgießung wohl um ein Phänomen der Endzeit handelt, geht auch aus Joel 3 selber hervor, wenn es dort heißt, daß dies geschieht, „bevor der Tag des Herrn kommt“ (Joel 3,4) und daß Gott dann das „Schicksal Judas und Jerusalems wenden wird“ (Joel 3,4).

Mit der Charismatischen Bewegung jedenfalls hat dieser biblische Kontext nichts zu tun. Es war immer schon ein Kennzeichen schwarmgeistiger bzw. häretischer Strömungen, einzelne Schriftworte aus ihrem Zusammenhang zu reißen, sie zu verabsolutieren und ihnen eine eigenwillige Deutung unterzuschieben.

Ekstatisches Pfingstlertum pur: Heidi Baker

Die 56-jährige Dr. Heidi Baker, geboren in Südkalifornien, lebt seit einigen Jahren mit ihrem Mann Rolland in Mosambik, wo sie Evangelisation und Sozialarbeit betreiben. Das Ehepaar gehört zu den weltweit bekanntesten Gestalten der protestantisch-pfingstlerischen Bewegung. 

Anfang Januar 2016 war sie der „heimliche Stargast“ auf der MEHR-Konferenz in Augsburg, wie das christliche Internet-Medienmagazin PRO unter dem bezeichnenden Titel „Deutschland braucht meeeeeeeeehr von Jesus“ schreibt.

Es heißt in diesem Artikel, der insgesamt durchaus positiv über diesen Mega-Kongreß berichtet, weiter:
„Am zweiten Tag der Konferenz ist die Halle bis auf den letzten Platz gefüllt mit Menschen, die neugierig sind auf die amerikanische Missionarin, die in Mosambik Waisenkinder beherbergt. Wer auf YouTube nach ihren Predigten sucht, findet Auftritte, bei denen sie weinend, singend und in Sprachen betend auf dem Boden liegt oder kniet.

Bei einem Auftritt – Predigt kann man es schwerlich nennen – in der kalifornischen Bethel-Kirche liegen Jugendliche um sie herum. Heidi Baker kriecht durch die Reihen, legt ihnen die Hände auf den Kopf und ruft Worte wie „Feuer“. Die Betenden reagieren mit Schreien, Weinen und Zucken.“

Die Webzeitschrift erwähnt danach den „extrem-charismatischen Dunstkreis“ um die Theologin und Afrika-Missionarin Baker.  

Sollen wir Gott eindringlich-beschwörend herbeizitieren? Auf der MEHR-Konferenz rief Baker vor tausenden Zuschauern den dreieinigen Gott in einer erregten Weise herbei, als würde es sich gleichsam um ein Schamanen-Ritual handeln:

„In Augsburg beginnt die dynamische 56-Jährige mit einer Art Meditation. „Komm, Jesus, komm“, ruft sie in einem Singsang, den das Publikum erwidert. Etwa eine Viertelstunde werden auf diese Weise die drei Personen der Dreieinigkeit herbeigerufen. „Gib mir Feuer, Herr, dass die Welt mich brennen sieht“, ruft Baker.“
Was hier auffällt, ist zum einen die aufdringliche Art, Gott gleichsam herbeizurufen (statt ihn im Gebet darum zu b i t t e n ), zum anderen eine egozentrische „Frömmigkeit“, die sich darin zeigt, daß Frau Baker wünscht, die „Welt“ (!) möge sie (!) „brennen“ sehen.

Die Starpredigerin wirkte aber durchaus eindrucksvoll und dynamisch auf die religiös-begeisterte Menge, was natürlich Massensuggestionen erleichtert.
(Hier geht es zu ihrem Auftritt auf der MEHR-Konferenz: https://www.youtube.com/watch?v=_nvowdTI8zI)

„Bekehrung“ durch Umkippen in Trance

In der evangelischen Pfingstler-Zeitschrift „Charisma“ (Nr. 117/2001) heißt es unter dem Titel „Unser Auftrag ist Liebe“ über Heidi Baker, daß sie mit einer schweren Lungenentzündung 1996 in die extrem-pfingstlerische Airport-Gemeinde nach Toronto kam, wobei sie das „Ruhen im Geist“ erlebte, also trance-artig rückwärts zu Boden fiel.

Angeblich handelt es sich hierbei um ein vom Hl. Geist bewirktes Phänomen, das in diesen Kreisen häufig vorkommt und oftmals die „Bekehrung“ zum vermeintlichen Pfingstgeist einleitet. Das Charisma-Magazin berichtet hierzu: „Dort erlebte sie zum ersten Mal, dass die Kraft des Heiligen Geistes sie so stark berührte, dass sie zu Boden fiel.“ – Zwei Jahre später reiste sie mit ihrem Mann Rolland erneut nach Toronto: „Wieder fiel die Kraft Gottes auf Heidi“, heißt es in dem Beitrag.

Aber nicht nur das, denn die vermeintliche „Kraft Gottes“ hatte Frau Baker eine ganze Woche lang buchstäblich lahm gelegt:
„Jeden Tag verbrachte Heidi während dieser Konferenz auf dem Boden, außerstande, sich zu bewegen. Sie spürte, wie ihr ganzer Körper von der Kraft Gottes durchströmt wurde und sie unfähig war, aus eigener Kraft etwas zu tun. Das ging sieben Tage lang so.“

Später wirkte der Heilige Geist in Toronto erneut „wieder mächtig an Heidi“, wobei sie von ihm folgende Eingebung erhalten haben will: „Du wirst sehen, dass Tote auferstehen, Blinde sehen und Wunder und Heilungen geschehen.“

Zeichen, Wunder und Heilungen sind der Schwärmer liebstes Kind – und ohnehin die begehrtesten Zauberworte in der Charismatikerszene.

In dem Artikel heißt es vollmundig weiter, Heidi habe in drei Jahren eine halbe Million Menschen zum Glauben geführt. Angenommen, die Zahl würde zutreffen – welcher „Glaube“ mag das wohl sein?

„Gebetsheiler“ Dr. Arne Elsen mit „Draht nach oben“

„Leidenschaftlich, explosiv und voller Möglichkeiten, einem faszinierenden Gott zu begegnen!“ – Mit diesen Worten wurde die MEHR-Konferenz vom Januar 2014 auf der Webseite des Gebetshauses Augsburg vollmundig angepriesen.

Zu den prominenten Rednern zählte damals Dr. Arne Elsen aus Hamburg, der sich zu einem stundenlangen enthusiastischen Vortrag aufschwang. Er ist eng verbunden mit dem charismatischen Verein „Glaube und Heilung“, der ebenfalls in der Hansestadt ansässig ist. Der 1961 geborene Arne Elsen ist Mediziner im Fachbereich Diabetik und leitet ein entsprechendes Zentrum in Hamburg.

Seine Rede, die mitunter von seiner „spontan“ auftretenden „Zungenrede“ begleitet war (ohne daß eine Auslegung der vermeintlichen „Sprachengabe“ erfolgte), wurde vom Livestream der MEHR-Konferenz direkt übertragen und danach auf youtube präsentiert.

In der Ankündigung der Veranstalter heißt es über ihn, er habe „hunderte“ von „Heilungen“ erlebt, die von Gott bewirkt worden seien. Entsprechend gestaltete sich auch der Auftritt Elsens, der ständig von den – durch seine Gebete bewirkten – Heilungen erzählte, wobei vom Kopfschmerz über Gehirntumor bis zum Rheuma kaum ein Leiden unerwähnt blieb, das durch seinen gesegneten bzw. gesalbten „heißen Draht nach oben“ verschwunden sei.

Während der „normale Christ“ bemüht ist, den Willen des Höchsten anhand der göttlichen Gebote sowie durch Vernunft und „gesunden Hausverstand“ zu erkennen, dabei sicherlich auch auf die „Sieben Gaben des Heiligen Geistes“ vertrauen, läuft das bei Dr. Elsen auf viel direkterem Wege.

In seiner Rede zitierte er mehrfach wörtliche Einsprechungen des Allmächtigen, der offenbar einen recht hemdsärmeligen Kontakt mit ihm pflegt, z.B.: „Der HERR sagte: „Arne, ich möchte, daß Du…“ (dies oder jenes unternimmst etc.). Er kündigte eine Vortragstour durch Deutschland an: „Der HERR sagte, es werde eine Offenbarung des Geistes geben!“ – Sodann erfolgte erneut die Kundgabe, es werde ein „neues Wirken des Heiligen Geistes entstehen“.

Das Thema der Elsen-Ansprache lautete „Gott heilt auch heute noch!“ und brachte damit Programm und Erwartungshaltung charismatischer Frömmigkeit auf den Punkt. Dabei berichtete er von der schweren Erkrankung seines einst dreijährigen Sohnes, für den er lange gebetet und dabei „Jesu Sieg proklamiert“ habe: „Die Krankheit muß weichen! Du hast uns Gesundheit verheißen!“

Dieser drängende Stil ist kennzeichnend für charismatisches „Beten“, das Gott gleichsam vorschreibt, wie er zu reagieren und zu handeln hat.
Dies wird gerne mit wohlklingenden Worten umnebelt („Den Sieg Jesu proklamieren“), so daß die Anmaßung wie eine fromme Tugend erscheint. Dazu paßt auch die ständige Ausrufung „Halleluja“, welche die Ansprache Elsens von A bis Z durchzog.

Dabei wurden auch Tendenzen eines charismatischen „Wohlstandsevangeliums“ sichtbar, wenn Elsen etwa erklärte, daß es „uns so gut geht“, sei eine Auswirkung des Heiligen Geistes.

Fixierung auf „Lobpreis“ verdrängt sittliches Ethos

Typisch schwärmerisch auch die einseitige Konzentration auf den sog. „Lobpreis“, der möglichst oft und unentwegt vollbracht werden solle. Die sittlichen Gebote des Christentums scheinen weniger zu interessieren; vielmehr stehen „Zeichen und „Wunder“, Heilungen, besondere „Geistesgaben“ und sog. übernatürliche „Salbungen“ im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Zu seiner Schmalspur-Theologie paßt es, daß Elsen rundweg erklärte: „Gott ist kein strenger, strafender, sondern ein liebender Gott“ – so ganz der Kuschelgott von heute.

In der Heiligen Schrift werden theologische Zusammenhänge anders erkennbar, zB. in folgenden Worten Christi (Mt 7,21 ff):
„Nicht jeder, der HERR, HERR zu mir sagt, wird ins Himmelreich eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters erfüllt. Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: HERR, HERR, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt, haben wir nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in deinem Namen viele Wunderwerke getan? – Und dann werde ich ihnen sagen: Ich habe euch niemals gekannt; weichet von mir, ihr Übeltäter!“

Nach einem öffentlichen „Übergabe-Gebet“, das Dr. Elsen vorsagte und das die Konferenz-Teilnehmer Wort für Wort nachsprechen sollten, rief er in die Runde: „Applaus für Jesus! – Halleluja!“ – Als ob der göttliche Erlöser auf solch banalen Beifall und Theaterdonner angewiesen wäre. In seinen Kurzgebeten am Ende der Predigt wurde Gott u. a. dafür gedankt, „daß Du jeden hier berührst“, „daß Du uns einen großen Sprung nach vorne schenkst“, „daß Du jetzt so eingreifst“, „daß Du Gesundheit wiederherstellst“, „daß wir uns die Butter nicht vom Brot nehmen lassen“.

Daß sich charismatische „Starprediger“ ungern die Butter vom Brot nehmen lassen, ist allerdings bekannt.

US-Charismatiker Bob Fraser bietet „sieghaften“ Glauben

Zur MEHR-Konferenz des Jahres 2014 erschien der Leiter einer Initiative namens „Joseph International“, Bob (Robert) Fraser, in Augsburg. Er war dort bereits ein Jahr zuvor als umjubelter Gastredner präsent.
Seine Internetseite (http://josephinternational.org/) bietet eine pfingstlerische Version der evangelischen Rechtfertigungslehre und eine „Geisttaufe“ samt einer sog. „Versiegelung“ für den „Tag der Erlösung“, was immer das sein mag. Obwohl die Heilige Schrift anderes lehrt, verkündet Bob Fraser eine absolute Heilsgewißheit für alle Christen: „We believe that when Christians die, they pass immediately into the blessed presence of Christ.“  

Es wird demzufolge behauptet, alle Christen würden nach ihrem Tod mit der Gegenwart Christi gesegnet, also in den Himmel kommen. Weiter heißt es, Taufe und Abendmahl seien zwar als Anordnungen der Kirche „zu beachten“, aber sie seien „kein Mittel des Heils“. – Somit wird die Heilsnotwendigkeit der Taufe bestritten.

Typisch schwarmgeistig ist die Erwartung glorreicher Zeiten für die gläubige Schar. Die Kirche werde noch „in großer Macht zum Sieg gelangen“. Die Endzeit bringe eine gewaltige „Ernte von Seelen“ und die Ausbreitung einer „siegreichen“ Kirche; diese werde eine „beispiellose Einheit, Reinheit und Macht des Heiligen Geistes erleben“ etc.

Bezeichnend für die überwiegend von Frauen geprägte Pfingstbewegung ist auch die folgende Aussage: „We believe that women, no less than men, are called and gifted to proclaim the gospel and do all the works of the kingdom.“

Obwohl Christus in den Kreis der 12 Apostel keine Frauen berufen hat, schreibt Fraser, daß Frauen nicht weniger als Männer dazu berufen seien, das Evangelium zu verkünden und in allen Tätigkeiten des Reiches Gottes zu wirken – in „allen“? 

Natürlich sollen auch Frauen ebenso laienmissionarisch tätig sein wie Männer, zumal Frauen zur Jüngerschar Jesu und zum Mitarbeiterkreis des Völkermissionars Paulus gehörten. Doch die apostolische Sukzession bzw. die Priesterweihe ist laut biblischem Befund allein Männern vorbehalten. Es gab auch im Alten Bund keine Priesterinnen, aber große, vorbildliche Frauen, darunter Prophetinnen (z.B. Miriam, Hannah, Deborah) und tapfere Rettergestalten wie Judith oder Ester.

Die Auflistung der erwähnten, teils sogar extrem-pfingstlerischen Redner auf den MEHR-Konferenzen, aber auch die von Dr. Hartl selbst erzählte Geschichte seiner Hinführung zur Charismatik sowie die gesamte Programmatik des Gebetshauses Augsburg sollte zu nüchterner Skepsis veranlassen.

Dies gilt besonders für katholische Amtsträger, die dazu berufen und verpflichtet sind, das Kirchenvolk vor theologischen und spirituellen Gefährdungen zu warnen, wozu nicht zuletzt der „Schwarmgeist“ gehört, der sich gerne in den Mantel der Frömmigkeit hüllt und daher für unerfahrene Gläubige nicht immer leicht zu durchschauen ist.

Die Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Jugendverlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt. –  Mail-Kontakt: felizitas.kueble@web.de


+ Wir trauern um Kaplan René Pfeiffer +

Vor genau 16 Jahren zum Priester geweiht

Wir konnten es kaum fassen, als wir kürzlich durch einem befreundeten Kaplan erfuhren, daß ein Mitbruder überraschend verstarb bzw. tot in seiner Wohnung aufgefunden wurde  –  nämlich unser jahrzehntelanger Freund: Kaplan René Pfeiffer aus Berlin.

Noch wenige Tage zuvor hatte ich ihm zu seinem Geburtstag und Namensfest gratuliert, wobei er keine gesundheitliche Probleme erwähnte. Auch sonst schien er recht guter Dinge zu sein und wir führten ein gutes Telefonat.

Bei seinem vorletzten Anruf plante er, uns in Münster wieder für einige Tage zu besuchen, wofür der kommende Winter aber nicht so passend war, daher verschoben wir dies aufs nächste Frühjahr.

Der Geistliche  – geboren am 11. November 1970 in Potsdam – wurde am 1. Dezember 2001 in der Hedwigs-Kathedrale zu Berlin von Kardinal Sterzinsky zum Priester geweiht  –  also auf den heutigen Tag genau vor 16 Jahren.

Wenn unser Verlagsleiter und Jugendschriftsteller Günter Stiff Leserbriefe durchstudierte, die ihm besonders gefielen, schrieb er mit einem dicken Filzschreiber Ia (Eins-A) darüber – so geschah es auch bereits bei Renès erster Zuschrift vom 2.9.1990. 

„Konservativ, aber dennoch nicht verstaubt“

Er bestellte darin einiges aus unseren Angeboten sowie unsere Jugend-Zeitschrift KOMM-MIT. Unsere KM-Schriften bekam er von seinem Heimatpfarrer geschenkt und war „sehr erfreut“ darüber.

Zudem schrieb uns der damals 19-Jährige: „Bei vielen anderen christlichen Jugendzeitschriften hatte ich bis jetzt fast immer den Eindruck, daß dort mehr der „zeitliche Ungeist“ statt dem Heiligen Geist zum Zuge kam. So kann ich euch nur gratulieren: Ihr seid konservativ, aber dennoch nicht verstaubt, sondern spritzig und aktuell.“

Sodann berichtete er, daß er von Potsdam nach Magdeburg zog, um „meine Ausbildung zum katholischen Priester zu beginnen“. Er holte dort sein Abitur nach (später kam er ins Priesterseminar nach Erfurt).

Unser KOMM-MIT-Freund hat im Magdeburger Norbertuswerk wieder die Schulbank gedrückt, denn von Haus aus war er Facharbeiter für Werkzeugmaschinen. Sein Vater arbeitete als Maurer, seine Mutter stammte aus Oberschlesien. Gefirmt wurde René von Kardinal Meisner, der zu kommunistischen Diktatur-Zeiten als Oberhirte von Berlin amtierte (später Erzbischof von Köln).

Traditionsbewußt und jugendbewegt zugleich

Unser erstes FOTO zeigt René in jungen Jahren beim Zelten am Lagerfeuer. Unser Freund war sehr jugendbewegt, sportlich, unternehmungslustig, kontaktfreudig  – und zugleich traditionsbewußt. Er liebte konservative Inhalte in zeitgemäßen Formen – so wie er dies in unserem KOMM-MIT-Verlag und Christoferuswerk vorfand.

Das zweite FOTO stammt von einem der ersten Besuche des jungen Priesteranwärters als Ferienhelfer bei uns in Münster –  er hat unsere KOMM-MIT-Jugendzeitschrift in der Hand und sitzt auf unserem Redaktionstisch.

BILD: Gedenkzettel an die Priesterweihe (1. Dez. 2001)

Wir haben uns mit René wegen seiner frischen, unkomplizierten, freundlichen und aufrichtigen Art stets prima verstanden – es gab nie Streit oder Konflikte, nur in Nebensachen manchmal andere Ansichten, was aber keinen störte.

Auch er war grundsatztreu und tolerant zugleich. Einer seiner besten Freunde war ein jüngerer evangelischer Kamerad.

René fühlte sich der katholischen Tradition verbunden, ohne dabei jedoch verbissen oder gar fanatisch zu sein. Er schätzte persönlich die klassische, überlieferte Liturgie (sog. „alte Messe“), zelebrierte aber im Normalfall die übliche Meßfeier, was in den Pfarrgemeinden auch gar nicht anders möglich war.

Präfekt bei den Wiener Sängerknaben

Besonders gefreut hat René sich darüber, daß er am Ende seines Theologiestudiums 1996 zu den Wiener Sängerknaben übersiedeln konnte – aber nicht, um dort im Chor mitzusingen, sondern als Präfekt, als geistlicher Leiter der etwa hundert Jungen. Diese Zeit in der österreichischen Hauptstadt war eine der schönsten Phasen seines Lebens, denn die Jugendarbeit lag ihm besonders am Herzen.

Einige Jahre später, als er Priesteramskandidat war, gehörte er mehrfach zur Leitung von Familienfreizeiten der traditionsorientieren Petrusbruderschaft in Obertauern.

Sowohl über seine Wiener Sängerknaben-Zeit wie auch über seine Freizeit-Einsätze in Obertauern haben wir informative und anschaulich geschriebene Berichte in unserer KOMM-MIT-Jugendzeitschrift veröffentlicht, zudem seine Fahrtenberichte und Stellungnahmen zu aktuellen Themen.

Auch hier im CHRISTLICHEN FORUM hat sich René zu Wort gemeldet. So befaßte er sich kritisch mit der Erklärung der Dt. Bischofskonferenz zur Bundestagswahl 2013: https://charismatismus.wordpress.com/2013/09/15/kritik-eines-junges-priesters-am-hirtenwort-der-dt-bischofe-zur-bundestagswahl/

Im Jahre 2009 beteiligte er sich als Kaplan am Marsch für das Leben in Berlin und hielt darüber eine Predigt: http://www.dvck-sosleben.de/nachrichten/news_81.html

Auf sein Primizbild zur Priesterweihe setzte er die bescheidenen Worte: „Ein Priester muß sein: ganz groß und ganz klein…ein Held, der sich selbst bezwungen, ein Mensch, der mit Gott gerungen. Ein Quelle von heiligem Leben, ein Sünder, dem Gott vergeben…Feststehend in sich. Ganz anders als ich. Betet für mich!“

„Betet für mich!“  –  Ja, diese Bitte gilt auch nach seinem Heimgang in die Ewigkeit: R.I.P.  – Unser unvergeßlicher Freund René möge eingehen in die Freude des HERRN!

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Weiterer NACHRUF auf den verstorbenen Kaplan aus einer Berliner Pfarrei siehe hier: http://www.mater-dolorosa-lankwitz.de/wiki/doku.php/personen%3arene_pfeiffer


Die erste „Marienerscheinung“ des Sehers Mario D´Ignazio am 5.8.2009 in Brindisi

Von Felizitas Küble

Seit einigen Jahren zieht ein angeblich begnadeter Visionär und „Stigmatisierter“ aus dem süditalienischen Brindisi auch in Deutschland von Stadt zu Stadt und hält Gebetstage ab, in denen er sogar „Live-Erscheinungen“ der Madonna präsentiert.

Wir haben uns bereits vor über zwei Jahren im CHRISTLICHEN FORUM skeptisch dazu geäußert.

Nachdem wir kürzlich erfuhren, daß der zuständige Erzbischof und die vatikanische Glaubenskongregation die „Privatoffenbarungen“ dieses Sehers Mario D´Ignazio (siehe Foto) entschieden ablehnen und er aus der kirchlichen Sakramentengemeinschaft per Interdikt ausgeschlossen wurde, haben wir die entsprechenden Dokumente veröffentlicht (bitte herunterscrollen): https://charismatismus.wordpress.com/category/visionen-und-charismatik-kritik/mario-aus-brindisi-italien/

Nun wird bekanntlich jedes Hemd mit dem ersten Knopf zugemacht – und wenn schon zu Beginn etwas schief läuft, muß man sich über die weitere Fehlentwicklung nicht wundern.

So ging es auch bei diesem Visionär vonstatten, dessen erste „Marienerscheinung“ vom 5. August 2009 bereits eine Menge kritischer Fragen aufwirft.

Diese „übernatürliche“ Ersterfahrung des jungen Mannes, der –  dem Vernehmen nach –  einst Geistlicher werden wollte, wird auf der Werbe-Seite der Brindisi-Bewegten ausführlich geschildert: https://brindisi-marienerscheinungen.jimdo.com/

Jene erste Marienerscheinung beginnt nach einem Bericht Marios folgendermaßen:

„Während ich beim Haus Unkraut jätete, sah ich drei Lichtkugeln, die um einen Ölbaum in der Nähe wirbelten. Ich war von diesem Phänomen angezogen und ging näher hin. Ich sah, dass die drei Kugeln sich in einer einzigen leuchtenden Kugel vereinigten. Kurz darauf zerplatzte sie und erleuchtete dabei den Ölbaum, und in dem unermesslich hellen Licht erschien eine sehr schöne Frau, die nicht auf dem Boden, sondern auf einer Wolke stand.“

Das Phänomen der Lichtkugeln ist nicht gerade neu; es gab diese ähnlich bereits in Heroldsbach (kirchlich abgelehnt) oder auch in La Salette (nur der 1. Teil davon ist anerkannt).  

Sodann fordert ihn die angebliche Madonna auf:

„Tu Buße und bete für die Bekehrung der Sünder, um die schweren Gotteslästerungen vieler Menschen zu sühnen und bete für den Frieden in der sehr bedrohten Welt…Mein Kind, in Zukunft wirst du mein Sprachrohr und mein Vertrauter sein.“

Es ist zwar richtig, daß wir für die „Bekehrung der Sünder“ beten sollen (hierbei aber nicht vergessend, daß wir selber  – die Frommen im Lande – ebenfalls Sünder sind!)  –  doch die eigentliche Sühne für die Sünden hat unser göttliche Erlöser selbst durch sein Leben, Leiden und Sterben auf sich genommen. Wir können uns als Geschöpfe lediglich in einer „un-eigentlichen“, also indirekten Weise an einer „Entsühnung“ beteiligen. 

Problematisch erscheint zudem die anschmiegsame Vertraulichkeit dieses Marienphänomens, die den erwachsenen Seher als „Mein Kind“ anspricht und ihn als „mein Sprachrohr“ und „mein Vertrauter“ (!) würdigt. Ob dies zur Bescheidenheit und Besonnenheit eines „Begnadeten“ beiträgt, darf bezweifelt werden. 

Dann kommt das in solchen Fällen oftmals übliche Lamento über die böse Verfolgung, die dem Auserwählten des Himmels zuteil werde, wobei die Kritiker natürlich von vornherein des Teufels sind:

„Die Gefolgsleute der Schlange werden sich gegen dich richten und sie werden dich verfolgen, aber sie werden damit keinen Erfolg haben, weil mein Sohn und ich dich immer in unseren Herzen behüten werden.“

Typisch ist auch das anpreisende Reden von einer „neuen Menschheit“, ja sogar von einer „großen geistlichen Renaissance auf der Erde“, die zu erwarten sei. Biblisch betrachtet ist das wohlklingender Unfug, denn die Heilige Schrift spricht von wachsendem Glaubensabfall und Verwirrung – und nirgendwo von einer künftigen großen christlichen Erneuerung auf dem Erdenrund.

Ebenfalls bezeichnend ist die Geheimniskrämerei, die der „Himmel“ mit seinen erwählten Sühneseelen betreibt: „Mein Kind, was ich dir jetzt sage, soll ein Geheimnis bleiben, das du nie jemanden enthüllen darfst.“

Während in anderen Fällen (z.B. La Salette, Fatima, Medjugorje) das Rätselraten wenigstens irgendwann ein Ende nahm oder dies zumindest in Aussicht gestellt wird (Medju), darf Seher Mario sein Geheimnis „nie“ enthüllen – und zwar niemandem. Als ob wahre Gottesmutter einen solchen Kinderzauber vornehmen würde!

Sodann proklamiert das Erscheinungsphantom einen heiligen Ölbaum im sogenannten „gesegneten Garten Mariens“, einem parkähnlichen Gelände des Visionärs:

„Ich trage dir auf, an diesem heiligen Ort die Gläubigen aufzunehmen, die in besonderer Weise an jedem Freitag kommen werden, dem Tag, an dem ich möchte, dass man den Rosenkranz zu Füßen dieses Ölbaumes betet, den ich heute für geheiligt erkläre…Dieser Ort, ein gesegneter Garten meines göttlichen Sohnes Jesus, wird meine Bleibe auf Erden sein, und die Menschen, die hierher kommen, werden Gnade und Trost erfahren.“

Der geheiligte Ölbaum im gesegneten Garten des Herrn Mario war dann auch die künftige Stätte weiterer Erscheinungen – aber nicht nur das: „Maria“ erklärt gar, hier werde ihre „Bleibe auf Erden“ sein, als ob sie sich dauerhaft auf Marios Gelände niederlassen wolle.

Damit nicht genug, erklärt die vermeintliche Himmelsmutter sogar:Diese Erscheinung wird die Erscheinung der Erscheinungen sein.“

Das läßt sich gewiß nicht mehr steigern – und man braucht sich nicht wundern, daß der Abschied der visionären Dame von ihrem gesegneten Mario sich auch in direkten Zärtlichkeiten ausdrückt:

„Bevor sie mit ihrem ganzen unendlichen Licht verschwand, umarmte sie mich zärtlich und ich empfand großen Frieden und heitere Gelassenheit.“

 


Münster: AfD-Vortragsabend mit dem Bundestagsabgeordneten Uwe Kamann

Linksradikale Proteste gegen partei-interne Veranstaltung

Seit Jahrzehnten versammeln sich rebellische Gruppen wie die „Antifaschistische Aktion“ oder der VVN (beide im Verfassungsschutzbericht als „linksextrem“ definiert) zu Protesten oder gar Randalen, wenn von konservativer Seite eine Kundgebung oder Tagung veranstaltet wird.

Obwohl es sich bei dem gestrigen AfD-Abend am Samstag, den 18. November, in Münster um eine interne Feier handelte, die nicht öffentlich angekündigt wurde, hat das ultralinke Spektrum davon Wind bekommen und auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Tagungsstätte „Villa Rinaudo“ eine Protestaktion mit etwa 20 Personen durchgeführt (siehe Foto).

Mehrere Polizeiwagen beschützten jedoch den AfD-Vortragsabend, zu dem sich ca. 80 Mitglieder und Interessenten der AfD versammelten. Die Gaststätte hatte zuvor mehrere telefonische Drohungen erhalten, ließ sich aber nicht einschüchtern und zu einer Absage dieser Veranstaltung zwingen.

Im Mittelpunkt stand die Rede des nordrhein-westfälischen AfD-Politikers Uwe Kamann, dessen Anteil an Erststimmen über dem AfD-Durchschnitt in NRW liegt, was auf eine entsprechende Beliebtheit in seinem Wahlkreis hindeutet.

Der Bundestagsabgeordnete (siehe Fotos) hielt freilich keinen Vortrag im üblichen Stil, sondern erzählte in eher lockerem Ton von seinen teils ernsten, teils humorvollen  Erfahrungen als frischgebackener Parlamentarier in Berlin. Er ließ sich gerne jederzeit von Fragen der Zuhörer unterbrechen und fand trotzdem den „roten Faden“  – oder soll man „blauen Faden“ sagen?  –  wieder. (Die AfD nennt sich inoffiziell auch „Die Blauen“ wegen ihrer blaufarbigen Plakate.)

Kamann betonte, daß die AfD-Bundestagsfraktion sich sogleich nach der Bundestagswahl eisern an die Arbeit machte, ihren Fraktionsvorsitz wählte, sich eine Geschäftsordnung gab und schon kurz danach mit eigenen Anträgen im Parlament aktiv wurde. Zudem habe man bereits partei-interne Arbeitskreise gegründet und damit sachliche und personelle Vorarbeit für eine künftige Besetzung parlamentarischer Ausschüsse geleistet.

Keine Tolerierung einer Minderheitsregierung

Die Partei wolle konstruktive Oppositionsarbeit betreiben, aber zugleich der „Stachel im Fleisch“ der künftigen Regierung sein.

Auf die Frage, ob die AfD im Falle eines Scheiterns von Jamaika bereit sei, eine schwarz-gelbe Minderheitsregierung zu tolerieren, reagiere Kamann mit einem klaren Nein: Man habe dieses Thema in der Fraktion zwar durchdiskutiert, sei sich aber einig darüber, in der Opposition bleiben zu wollen.

Die Jamaika-Verhandler hätten Angst vor Neuwahlen, so Kamann, denn vor allem für SPD und Grüne könnte es zu weiteren Stimmenverlusten kommen. Aber auch die FDP habe Grund zu ähnlichen Befürchtungen, zumal sie schon während der Koalitionsgespräche an Profil verloren habe.

Die Liberalen hätten zwar im Wahlkampf  –  ebenso wie die AfD  –  einen Untersuchungsausschuß Merkel wegen der verfehlten Asylpolitik gefordert, aber daran sei im Falle von Jamaika nicht mehr zu denken. Die AfD bleibe aber diesbezüglich am Ball – und er selber gehöre zu einem Vorbereitungsteam für einen solchen Ausschuß.

Kritisch äußerte sich der Redner zu einem von der SPD geplanten Einbürgerungsgesetz. Die AfD werde es nicht akzeptieren, daß es für den Erhalt der deutschen Staatsbürgerschaft ausreiche solle, wenn jemand lediglich das „Potential“ für einen Arbeitsplatz mitbringe, ohne eine Stelle vorweisen zu können.

Ablehnung eines „Meinungszensurgesetzes“

Dem von SPD-Justizminister Heiko Maas forcierten „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ erteilte Kamann eine eindeutige Absage. Es handle sich um ein undemokratisches Meinungszensurgesetz, das eines freiheitlichen Rechtsstaates nicht würdig sei und den Internet-Unternehmen mit horrenden Strafsummen (bis zu 50 Mill. Euro) drohe. Zudem sei es unqualifiziert, daß Privatpersonen über die Rechtmäßigkeit eines Internet-Eintrags entscheiden dürfen.

Das Gesetz ist trotz massiver Kritik von Juristen und Fachleuten (z.B. „Reporter ohne Grenzen“) am 1. Oktober 2017 in Kraft getreten.

Der Abgeordnete verteilte an interessierte Anwesende eine sog. „Kleine Anfrage“ gegen das Maas-Gesetz von Seiten der AfD-Fraktion; die parlamentarische Anfrage besteht aus 31 Fragen mit den darin enthaltenen Kritikpunkten. Eine amtliche Antwort der Bundesregierung auf das fünfseitige Papier der AfD steht noch aus.

In Deutschland müsse sich die Streitkultur verbessern, forderte Kamann, wobei die AfD aus seiner Sicht mit gutem Beispiel vorangehe. In der Bundestagsfraktion ringe man „hart in der Sache, aber verbindlich im Ton“ um die richtigen Positionen und Lösungen. Nicht etwa Denkverbote, sondern eine faire, aber offene Debattenkultur sei das Kerngeschäft der Demokratie.

Gegen GEZ-Gebühren und Anti-Diesel-Aktionen

Die Anti-Diesel-Kampagne der Grünen bezeichnete der AfD-Politiker als „größten Schwachsinn“, gegen den seine Partei zu Felde ziehen werde. Auch gegen die GEZ-Zwangsgebühren wolle man vorgehen, notfalls bis zu den höchsten juristischen Instanzen.

Auf einen Publikumshinweis zum Thema „Homo-Ehe“ hin sagte Kamann, die AfD akzeptiere das persönliche Leben und Zusammenleben von Homosexuellen, wolle keine staatliche Förderung der „Ehe für alle“; diese Unterstützung solle vielmehr der klassischen Ehe von Mann und Frau zugutekommen.

Auf die Frage nach Syrien erklärte der Redner, das Land sei nun befriedet, weshalb es nicht in Ordnung sei, ihm weiterhin Arbeitskräfte zu entziehen. Dieser Staat werde ausgeblutet, wenn sich die Chancen für einen Neuaufbau verringern. Auch deshalb sei die Asylpolitik der Kanzlerin verfehlt – und weder im deutschen noch im syrischen Interesse.

Auf das Jammern und Wehklagen in manchen Medien, mit der AfD werde der Ton im Bundestag rauher, reagierte Kamann: „Na hoffentlich!“  – Schließlich gehöre zu einer funktionierenden Demokratie eine starke und wortmächtige Opposition.

CDU Münster: Mit Sybille Benning weiter nach links

Der Kreisvorsitzende der AfD von Münster, Martin Schiller (siehe vorletztes Foto), freute sich abschließend über den gelungenen Abend, den prominenten Gast und das große Diskussionsinteresse.

Er erwähnte am Ende der Veranstaltung, die Bundestagsabgeordnete Sybille Benning sei jetzt zur CDU-Kreisvorsitzenden gewählt worden. Unter ihrer Führung werde die Partei in Münster noch weiter nach links driften. Benning habe praktisch alles abgesegnet, was Merkel wünsche  – so etwa die Euro-Griechenlandpakete ebenso wie die „Ehe für alle“.

Außerdem überreichte Schiller mit solidarischen Dankesworten einige Aufmerksamkeiten, darunter Münsterländer Korn, an ein aktives Mitglied, das sich im Wahlkampf regelmäßig am AfD-Stand in den Innenstadt einsetzte und dabei von linksradikalen Brutalos zusammengeschlagen wurde.

Auch die musikalische Begleitung des Abends wurde mit Geschenken gewürdigt: Oberstudienrat Michael Jahn (siehe Foto) spielte Klavier und trug auswendig einige Gedichte vor, die zu viel Heiterkeit führten. Jahn war Direktkandidat der AfD in Münster bei den letzten Landtagswahlen.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag in Münster und das Christoferuswerk, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Fotos: Christoph Stracke (1), Felizitas Küble (2-6)

 


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