Papst Benedikt würdigt Kardinal Müller als Diener und Verteidiger des Glaubens

„Durch innere Treue zum Glauben der Kirche aufgefallen“

„Ein Priester und erst recht ein Bischof und Kardinal ist nie einfach im Ruhestand“: Das schreibt Papst Benedikt dem ehem. Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Müller.

Auch ohne ein bestimmtes Amt könne und werde Müller weiterhin „öffentlich dem Glauben dienen“, als Priester und als Theologe.

Die Worte Benedikts stammen aus dem Grußwort zu einer Festschrift, die dem Kardinal gewidmet ist.
Der emeritierte Papst würdigt darin das Wirken Müllers in Rom, zunächst als Mitglied der Internationalen Theologenkommission, in der er „vor allem durch den Reichtum Deines Wissens und die von innen her kommende Treue zum Glauben der Kirche aufgefallen“ sei.
Als Präfekt der Glaubenskongregation habe der frühere Regensburger Bischof sich bemüht, „nicht nur als Gelehrter, sondern als Weiser, als Vater in der Kirche“ zu wirken:
„Du hast die klaren Überlieferungen des Glaubens verteidigt, aber im Sinn von Papst Franziskus ein Verstehen dafür gesucht, wie sie heute gelebt werden können.“

Anlass für die Festschrift mit dem Titel „Der dreifaltige Gott“ ist der 70. Geburtstag Müllers am 31. Dezember 2017 und der 40. Jahrestag seiner Priesterweihe.

Quellen:
http://www.vaticannews.va/de/vatikan/news/2017-12/niemals-im-ruhestand–benedikt-xvi–schreibt-gerhard-ludwig-muel.html
http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/benedikt-kardinal-muller-wird-weiter-dem-glauben-dienen

Foto: Bistum Regensburg


Der Papst würdigt Erzbischof Gerhard Ludwig Müller in einer Festschrift

Papst Benedikt XVI. in einer 2007 erschienenen Festschrift zum 60. Geburtstag des Regensburger Oberhirten

Lieber Bischof Gerhard Ludwig!
In der Festschrift zu Deinem 60. Geburtstag möchte ich wenigstens mit einem Grußwort vertreten sein. Ich erinnere mich noch gut unserer ersten Begegnung, als Du mir Deine eben erschienene Dissertation über die Sakramente im Denken von Dietrich Bonhoeffer überreicht hast: Eine ökumenische Arbeit besonderer Art, die bei einem großen protestantischen Denker, den wir von seinen zentralen Thesen her alle zu kennen glauben, unerwartete Aspekte aufzeigt und so auf besondere Weise zur Begegnung einlädt.

1995 hast Du mir dann Deine „Dogmatik“ zugesandt. Sie ist  –  soweit ich sehen kann  –  das einzige derzeit auf dem Markt befindliche Lehrbuch unseres Fachs, das von einem einzigen Verfasser geschrieben ist und so das große Gefüge der Welt des katholischen Glaubens in seiner inneren Einheit sichtbar macht.

Als besonderer Vorzug kommt noch dazu, daß das Werk sich in einem Umfang hält, der es für Studenten als Arbeitsbuch geeignet macht. Damit hast Du eine wichtige Markierung gesetzt, denn die Theologie und auch das Fach Dogmatik droht sich in Spezialisierungen aufzulösen, die das Ganze nicht mehr erkennbar werden lassen, wo doch alles einzelne in unserem Glauben eben nur von seiner Ganzheit her recht verstanden werden kann.

Nach diesen mehr literarischen Begegnungen sind wir uns persönlich nahe gekommen in den Jahren, in denen Du Mitglied der Internationalen Theologenkommission warst, deren Präsident ich als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre gewesen bin. Wir alle haben immer Deine umfassende Kenntnis der ganzen Geschichte von Dogma und Theologie bewundert, die in Deinen Gesprächsbeiträgen zum Vorschein kam und die das Fundament für Dein immer zuverlässiges Urteil gewesen ist.

Bei allem haben wir auch gespürt, daß Deine Theologie nicht bloße akademische Gelehrsamkeit war, sondern  –  wie es das Wesen der Theologie verlangt  –  Mitdenken mit dem Wort des Glaubens, Mitdenken mit dem Wir der Kirche als dem gemeinsamen Subjekt des Glaubens war und ist.

Du hast dafür gesorgt, daß die Arbeiten der Internationalen Theologenkommission auch in Deutschland bekannt wurden und hast in all diesen Jahren mit wichtigen Beiträgen zu den drängenden theologischen Fragen der Gegenwart Stellung genommen.

Du hast Dich darum gemüht, das vielfach auf verzerrende Stichworte reduzierte Dokument „Dominus Iesus“ verständlich zu machen.

Als Bischof von Regensburg hast Du das biblische Grundwort Dominus Iesus – Jesus ist der Herr (Röm 10,9; 1 Kor 12,3) – als Wahlspruch gewählt und damit zugleich ein Programm festgelegt: Christus steht in der Mitte des bischöflichen Dienstes; er ist die Mitte unserer christlichen Existenz.

Im Augenblick Deiner Bischofsweihe, als die Diskussion um das so beginnende Dokument der Kongregation für die Glaubenslehre noch voll im Gang war, war dieser Wahlspruch zugleich ein Hinweis darauf, daß das Lehramt mit dem umstrittenen Dokument uns eben zu dieser Mitte unseres Glaubens zurückrufen wollte.

Nun sind es schon fünf Jahre, seitdem Dir der Bischofsstuhl des heiligen Wolfgang anvertraut wurde. Du hast manche Stürme erleben müssen, und andere werden wohl noch kommen.

Aber niemand konnte in dieser Zeit daran zweifeln, daß Du letztlich dies eine willst: Zeugnis für Jesus Christus geben, in dem Gott uns sein Angesicht zugewandt und sein Herz geöffnet hat.

So möchte ich Dir bei Deinem 60. Geburtstag wünschen, daß der Herr Dir hilft, immer sein getreuer Zeuge und so „Mitarbeiter unserer Freude“ (2 Kor 1,24) zu sein.

Rom, am Fest des heiligen Hilarius 2007
Benedikt XVI.

Quelle: http://www.bistum-regensburg.de/bischof/borPage004524.asp

Fotos: Bischöfliches Presseamt Regensburg