Die Welt auf der Suche nach dem Wunder…

Von Felizitas Küble

Die neue Ausgabe der Illustrierten „Stern“ schreibt seitenlang über außergewöhnliche Vorgänge und Wunder-Phänomene in der christlichen und außerchristlichen Welt.

Vor wenigen Tagen ist im Kino ein aus Frankreich stammender Spielfilm mit dem Titel „Die Erscheinung“ angelaufen (siehe Foto), der sich über zwei Stunden hinzieht und dennoch nicht die Spannung verliert, zumal er manche Elemente einer Detektiv-Story und eines Thrillers aufweist.

Freilich geht es dem Streifen letzten Endes eher um dramaturgische Effekte und psychologische Hintergründe, weniger um eine theologisch gründliche Antwort auf die Frage, ob die Marienerscheinung, die einer jungen Frau im Süden Frankreichs widerfahren sein soll, himmlischen oder anderweitigen Ursprungs ist.

Vieles, was typisch für solche Ereignisse ist, wird in diesem Spielfilm realistisch gezeichnet: die Schar naiver bis verzückter Anhänger, die mit dem Pilgerstrom verbundene Geschäftemacherei, die Anziehungskraft des „Wunderbaren“ auch in unserer angeblich so „säkularen“ Gesellschaft, sodann die grundsätzlich kritische Haltung der Kirche gegenüber „Privatoffenbarungen“.

Dies ist sicherlich ein positiver Punkt in diesem melodramatischen Film „Die Erscheinung“:

Die distanzierte Einstellung des Vatikan angesichts spektakulärer Vorgänge wird klar aufgezeigt. Die Haltung der Kirche beruht auf ihrer gründlichen Erfahrung von zweitausend Jahren – zudem ergänzt durch den fundamentalen Lehrsatz, wonach die Offenbarung Gottes mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen ist.

Daher sind sogenannte „Privatoffenbarungen“ für die Gläubigen nicht verbindlich; das gilt auch für kirchlich gebilligte Erscheinungen  –  für die anderen erst recht.

So gesehen ist es  nur folgerichtig, daß der Vatikan – wie in diesem Film dargestellt – sogar einen agnostischen, also eher ungläubigen Reporter aus dem weltlichen Milieu in seine Untersuchungkommission beruft, die ansonsten aus Medizinern, Theologen, Historikern und Psychiatern besteht.

Die Kirchenmänner denken sich: Dieser nüchterne Kriegsberichterstatter aus Syrien, der das harte Leben kennt und sich nichts vorflunkern läßt, soll der Wahrheit dieser Erscheinung auf den Grund gehen und alles akribisch  und detektivisch untersuchen.

Tatsächlich hat die Kirche von über zweitausend angeblichen „Privatoffenbarungen“ bislang lediglich 16 positiv beschieden, das sind nicht einmal 1%. Bekannt sind davon vor allem Fatima, Lourdes und Guadalupe.

Wobei das geläufige deutsche Wort „Anerkennung“ keine präzise Übersetzung des kirchlichen Begriffs „Approbation“ darstellt; dieser bedeutet übersetzt nämlich nicht „Anerkennung“ (im Sinne einer Bestätigung), sondern Erlaubnis, Genehmigung, Billigung  – mit anderen Worten: Es ist den Katholiken im Falle einer Approbation „gestattet„, an die betreffende Erscheinung zu glauben, doch besteht hierzu keinerlei Verpflichtung.

Eine approbierte Erscheinung ist nicht nur kein Dogma, sie gehört auch nicht zur amtlichen kirchlichen Verkündigung, ist also kein Bestandteil des „depositum fidei“ – so heißt das der Kirche hinterlegte „Glaubensgut“, also die Gesamtheit ihrer Lehraussagen. Diese beruhen auf zwei Säulen: Der Heiligen Schrift und der apostolischen Überlieferung, also Schrift und Tradition. Das kirchliche Lehramt bildet gleichsam das schützende „Dach“ über diesen beiden Säulen.  

Erscheinungen sind weder Stützpfeiler noch Dach, geschweige ein Fundament des Glaubens – sondern im Falle ihrer Billigung können sie ein persönlicher Ansporn für die Gläubigen sein, ein Impuls für die Glaubenspraxis, aber kein Bestandteil der kirchlichen Verkündigung.