Der neue Kinofilm über Papst Benedikt erweist sich als vertane Chance

Von Dr. David Berger

Kürzlich hatte ein neuer Film über Papst Benedikt XVI, der unter dem Titel „Verteidiger des Glaubens“ Ende des Monats in die Kinos kommt, in Berlin seine Kimopremiere.  Leider schreibt er nur die üblichen Stereotype fort, reduziert das Pontifikat weitgehend auf den Missbrauchsskandal und erweist sich am Ende als einzige vertane Chance.

Als Ehrengast mit geladen war auch der Präsident des umstrittenen Zentralkomitees der Katholiken, Sternberg, der in der anschließenden Diskussion in seiner Begeisterung für den Film überhaupt nicht zu bremsen war.

Der Film ist zwar frei von heftigen Provokationen, scheint wie gemacht für das Ü-60-Publikum des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der den Film finanziell gefördert hat. Erregungsgefahr geht von ihm weder in die eine noch in die andere Richtung aus.

Er gibt im Grund genommen nur – freilich mit teilweise sehr interessanten Archivbildern – wieder, was in den deutschen Mainstreammedien seit 2010 über Benedikt XVI. zu lesen war. Und so verwundert es auch nicht, dass hier wie dort fast ausschließlich Menschen zu Wort kommen, die Ratzinger bzw. Papst Benedikt und die Kirche, für die er steht, weich bis hart kritisieren.

Ein Ausnahme macht hier ein Interview mit Msgr. Gänswein, der in dem Film immer mal wieder mit einem klugen Statement auftaucht.

Auch dass der Blick auf das ganze Pontifikat vom Missbrauchsskandal geprägt ist, dürfte für die Leser von taz und „Zeit“ kaum verwunderlich sein.

Oder um die Botschaft des Filmes kurz zusammenfassen: Papst Benedikt steht für die vor-konziliare Kirche der Ordnung, die aber zugleich unmenschlich war und nur mit der Angst vor der Hölle arbeitete. Anfangs sei er ganz vernünftig gewesen, bis er aus lauter Schock über die Studentenunruhen in den 68-er Jahren eine komplette Kehrtwende gemacht habe und zum erzkonservativen Inquisitor und dann später zum tragischen Papst geworden sei.

Wenn es eine Sache gibt, die man dem Film nicht vorwerfen kann, dann ist es übergroße Differenziertheit und das Wahrnehmen von Grautönen.

Denn diese vor-konziliare Konzeption von Kirche mit ihrem Bild des Priesters sei die Hauptschuldige für das Verbrechen des Missbrauchs von schutzbefohlenen Kindern und Jugendlichen.

Am Ende entsteht das Bild eines Papstes, der wider Willen enorme Schuld am Missbrauch tausender Kinde rund Jugendlicher in der katholischen Kirche hat.

Wie falsch das angesichts der rabiaten und enorm mutigen Maßnahmen Papst Benedikts XVI. gegen Pater Marcial Maciel (Legionäre Christi) ist, zu denen sich sein Vorgänger nicht durchringen konnte, wurde nirgends deutlich.

Insgesamt hatte man den Eindruck, dass hier Insiderwissen, besonders theologisch fundiertes, praktisch nicht vorhanden ist.

So entstand am Ende der Eindruck einer großen verpassten Chance: Finanzielle Mittel, tolle Archivmaterialen, ein spannendes Thema, zu dem wir bislang nur mit von Vorurteilen gegen die Tradition der Catholica gesättigten Berichten gefüttert wurden. Daraus hätte ein epochaler Film entstehen können.

Stattdessen: eine Neuauflage all dessen, was wir ohnehin schon wissen, aufgehübscht mit schönen Bildern und eingängigen Melodien, die aber auch mit der Person Benedikts (dem „Mozart unter den Theologen“) nichts zu tun haben. Schade!

Den vollständigen Beitrag von Dr. Berger lesen sie hier auf seiner PP-Seite: https://philosophia-perennis.com/2019/10/16/vertane-chance-zur-kinopremiere-des-neuen-films-ueber-papst-benedikt-xvi/


Filmbesprechung zu „October-Baby“: ein klares Plädoyer für das Leben und die Liebe in vielen Facetten!

Von Cordula Mohr

Kürzlich habe ich mir den amerikanischen Spielfilm „October-Baby“ angesehen, der in den USA ein riesiger Erfolg wurde, obwohl liberale Zeitungen ihn schon vor dem Kinostart zur Schnecke machten. Doch der Streifen enthält eine wunderbare und ergreifende Geschichte:

Der Film ist so grandios, wie er auf dem Cover beschrieben wird  –  und er hat die Auszeichnung, die er bekommen hat, voll verdient. Es geht um ein junges Mädchen, das erfährt, daß es einst eine Abtreibung überlebt hat.  054601383-october-baby

Das Beeindruckenste ist die facettenreiche Art, wie die menschliche Liebe zum Ausdruck kommen kann:

Zunächst die junge Liebe von Jason und Hannah, die zunächst rein freundschaftlich beginnt; sodann sieht man, wie andere Konkurenten im Leben der Beiden eine Rolle spielen, wie das Vertrauen des Paares dennoch wächst und wie sie sich immer näher kommen, obwohl der Adoptiv-Vater Hannahs zwischenzeitlich die Beziehung der Beiden abbrechen möchte,  weil er nicht damit klarkommt, daß Hannah unbedingt ihre leibliche Mutter kennenlernen will.

Er will mit der Vergangenheit keine Verbindung mehr. Das kann man durchaus verstehen. Die Liebe der Eltern zu Hannah ist stark und sie haben sie fürsorglich und gläubig erzogen.

Diese Liebe der Eltern zeigt eine gereifte,  in Verantwortung füreinander gewachsene Liebe; sie läßt sich nicht mehr so leicht erschüttern, wenngleich Hannah nun diesen Weg in ihre Vergangenheit zurückgeht, auf der Suche nach ihrer leiblichen Mutter. Die Adoptiv-Mutter geht jedoch gut damit um.

Sodann die unglaublich nette Krankenschwester, die ein Zeichen der Nächtstenliebe abgibt: sie hilft Hannah, näher ans Ziel zu kommen, indem sie ihr die Geschichte der leiblichen Mutter erzählt und die Adresse dieser Frau übermittelt.

Gezeigt wird zudem die Liebe eines Polizisten, der Vater eines vierten Kindes wird und sich darauf sehr freut. Er läßt Hannah und ihren Freund wieder frei, obwohl sie in das Krankenhaus ihrer einstigen Geburt eingebrochen sind, um die Krankenakte Hannahs zu lesen. Der Polizeibeamte empfindet Mitleid und hilft ebenfalls mit einer Adresse.

Die leibliche Mutter Hannas wird an eine zerissene und zerstörte  Liebe erinnert  – wegen der damals mißlungenen Abtreibung. Sie leidet noch heute daran. Es wird deutlich, daß sie sich schwer getan hat mit ihrer Entscheidung gegen das ungeborene Kind.

Im Film kommt zudem ein guter, liebenswürdiger Priester vor, der Hannah mit seinem Rat aus ihrer schwierigen Gefühlslage befreit, in die sie durch ihre Suche nach der Wahrheit geraten ist. Er hilft ihr, der leiblichen Mutter zu vergeben.

So viele verschiedenartige Facetten der Liebe kommen also in diesem bewegenden Spielfilm zum Ausdruck. Mehr sollte nicht verraten werden, weil es sich lohnt, den wunderschönen Film selbst anzuschauen  –  abgesehen von dem Hinweis, daß sich nach Fertigstellung des Films herausstellte, daß die christlich-gläubige Hauptdarstellerin selber eine Abtreibung hinter sich hat, die sie zutiefst bereut.