Erscheinungsbewegte Taktik: Gehen die Argumente aus, beginnen die Drohungen

Von Felizitas Küble

Da ich mich seit Jahrzehnten kritisch sowohl über irrgeistige Erscheinungen wie auch über schwarmgeistige Bewegungen äußere, erlebe ich es immer wieder, daß mir von besonders eifriger Seite gleichsam der „Fluch der Madonna“ nachgeworfen oder diverse Strafen Gottes angekündigt werden, teils telefonisch, teils brieflich – oder auch gleich öffentlich.  

Rabiate Anhänger aus der Charismatiker-Szene arbeiten zum Teil ebenfalls mit Drohgebärden, nur in einem anderen Gewande: Dort wird immer wieder der Vorwurf laut, ich hätte durch bestimmte kritische Aussagen die „Sünde gegen den Heiligen Geist“ begangen, die „nicht vergeben werden kann“, wie gerne hinzugefügt wird.

Dabei scheint es keine Rolle zu spielen, daß die Kirche lehrt, mit jener im NT erwähnten Sünde gegen den Heiligen Geist sei die unbußfertige Verstocktheit gemeint, also das hartnäckige Verweigern jeder Umkehr bei Todsündern. – Mit einer kritischen Haltung zu diesem oder jenem Phänomen hat dies somit nichts zu tun.

Die Schnelligkeit und Heftigkeit, mit der manche „oberfrommen“ Zeitgenossen ihre Rundumschläge verteilen, läßt erahnen, daß es ihnen an  fundierten Argumenten mangelt – und daher der bequeme Griff zur Drohkeule erfolgt, der anscheinend psychologisch „entlastend“ wirkt nach der Devise: „Der haben wir es aber gezeigt.“

Allerdings geht der Schuß – nicht nur moralisch – nach hinten los. Tatsache ist nämlich, daß ich mich durch derart unfaire Entgegnungen keineswegs verunsichern oder zermürben lasse, sondern vielmehr in der Befürchtung bestätigt sehe, wie verhängnisvoll sich diese religiöse Geisterfahrerei auswirken kann. Das motiviert mich erst recht, vor solchen Irrwegen weiter entschieden zu warnen. 

Hierzu ein aktuelles Beispiel:

Auf dem traditionalistisch ausgerichteten Leser-Portal „Gloria-TV“ hat ein Leser kürzlich unseren skeptischen Artikel über die Arme-Seelen-Erscheinungen von Maria Simma übernommen: https://gloria.tv/link/wK28ZCnL74Rq6rVkG6xTwoNYK/postings/

Manche Kommentare stimmen zu, andere halten dagegen  – das wäre nicht weiter erwähnenswert. Ein User namens „Boettro“ schreibt freilich heute Folgendes: 
„Frau Felizitas Küble spielt sich als Richterin über Begnadete und Privatoffenbarungen auf. Irgendwann wird sie sich dafür verantworten müssen. Sie hat die Gabe der Unterscheidung der Geister nicht!“
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Offenbar ist dem Verfasser nicht bekannt, daß die „Botschaften“, welche Maria Simma angeblich von Verstorbenen erhielt, kirchlich nicht anerkannt sind. (Aber selbst im Falle einer kirchlichen Genehmigung sind Privatoffenbarungen für Katholiken nicht verpflichtend  – der Glaube daran ist dann lediglich gestattet.)
In Wirklichkeit spielen sich jene Leute als Richter über die Kirche auf, die an „Begnadete“ und an Erscheinungen glauben, welche die Kirche nicht akzeptiert – diese Personen wissen vermeintlich alles besser. Genau umgekehrt wird also ein Schuh draus!
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Gestern schrieb „Regina-Maria“:
„…wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften. (Mk 3,29). Warum? Weil persönlicher Stolz und die Leugnung wahrer Mystiker und begnadeter Personen wie Maria Simma zahlreiche Seelen davon abhalten, sich durch katholische Mystik zu Gott zu bekehren. Der (Heilige) Geist (Gottes) wird durch Autoren wie Felizitas Küble ausgelöscht. Jemand, der keinen blassen Schimmer Ahnung von katholischer Tradition hat, sollte besser prüfen,schweigen und beten. Niemand muß an katholische Mystik glauben, aber kritisieren und verleumden – geht gar nicht.“
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Die Verfasserin verzichtet darauf, den Vorwurf der „Verleumdung“ zu belegen, sondern wirft mir stattdessen „Lästerung gegen den Hl. Geist“ vor, wie ich es schon oft bei Schwarmgeistigen erlebte. Die Krönung des Kuriosen ist zweifellos die Behauptung, durch Autoren wie mich würde der „Geist Gottes ausgelöscht“ – als ob das bei GOTT überhaupt möglich wäre.
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Jene Übereifrigen, die derart verbissen mit der Droh-Keule hantieren, glauben subjektiv sicherlich, sie seien im Recht, wähnen sich gar im Zustand besonderer Frömmigkeit. Aberglaube und Fanatismus, Anmaßung und Schwärmerei sind jedoch Zerrbilder des Glaubens.
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Für die Christenheit ist es gleichermaßen wichtig, weder links noch rechts in den Straßengraben zu fallen. Wundersucht ist genauso zu meiden wie Wunderflucht.
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Der Aberglaube ist in gewisser Hinsicht noch gefährlicher als der Unglaube, denn der Abergläubige hält sich oftmals für (recht)gläubig und täuscht sich damit selbst. Der Ungläubige hingegen steht in der Regel zu seinem Atheismus oder Agnostikertum  – das liegt in der Natur der Sache.
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Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.