Die Folgen genetischer Veränderungen im Erbgut von Tieren durch CRISPR etc.

Von Dr. med. Edith Breburda

Angefangen hat es damit, unsere Pflanzen genetisch zu verändern. Wir inserierten Gene von anderen Spezies, die erstrebenswerte Eigenschaften hatten, um mithilfe von genetischer Manipulation die Welt auch weiterhin ernähren zu können. Dass es auch anders geht, interessierte dabei nicht.

Doch damit hörten die Innovationen nicht auf. Mittlerweile experimentieren Wissenschaftler mit neuen Gen-Editierungs-Technologien, wie CRISPR/cas9, um das eigene Erbgut eines Organismus neu zu gestalten.

Anhand der neuen Technologien werden z.B. Rinder dahingehend manipuliert, dass sie toleranter gegen warme Temperaturen werden. Wir haben uns daran gewöhnt, riesige Rinderherden im semiariden Klima von Arizona bzw. Kalifornien anzutreffen. Jetzt wäre es möglich, Kühe in den Tropen weiden zu lassen. Ziegen dienen der Erzeugung von Kaschmirwolle; Hasen und Schweine besitzen eine bessere Marmorierung der Muskulatur.

Nebenwirkungen, die unweigerlich bei einem genetischen Editieren auftreten, wie z.B. eine längere Zungenmuskulatur in Hasen, nimmt man dafür in Kauf.

In Schweinen eliminierte man Myostatin, ein Gen, welches das Muskelwachstum limitiert. Ohne Myostatin werden so keine Wachstumsgrenzen mehr gesetzt. Doch zum Erstaunen der Wissenschaftler hatten nun 20 Prozent der so behandelten Tiere plötzlich einen zusätzlichen Wirbelkörper entwickelt.

Aber fragen wir uns ehrlich, würden wir einen Hamburger von einem Rind essen, mit dessen Erbsubstanz im Labor herumexperimentiert wurde? Die Technologien werden bereits angewendet, um das Erbgut der Kartoffel oder des Lachses zu optimieren.

Mithilfe von molekularen Scheren alteriert man auf präzise Weise das Erbgut von Mais oder Sojapflanzen. Man hat es auf ihr Fettsäureprofil abgesehen. Kartoffeln werden nicht mehr so schnell schlecht; die Haltbarkeitsdauer nimmt zu, und wenn man sie braten will, produzieren sie keine krebserzeugenden Stoffe mehr.

Sicher haben wir von genetisch hergestellten Lachsen gehört, die zweimal so schnell wie sonst wachsen. Fünf Tonnen dieses Frankenfisches wurden 2017 allein in Kanada verkauft. Keines der Lebensmittel wurde als genetisch verändert gekennzeichnet.

Abgesehen davon versprach Monsanto 1999, niemals ihre sterilen Terminator GMO Pflanzen zu kommerzialisieren. Das Gegenteil war dann sehr schnell der Fall: Bauern verpflichteten sich, das Saatgut nur für eine Aussaat zu gebrauchen. Noch heute kritisieren viele diese Vorgehensweise.

Der nächste große Schritt ist es nun, im Erbgut des Tieres selber herumzubasteln. Bereits bei genetisch veränderten Lebensmitteln (GMO-Food), bei denen ein nicht zum Erbgut gehörendes Gen mit dem von einer anderen Spezies ausgebessert wurde, ist mit unvorhergesehenen Risiken für die Tiere selber und für diejenigen zu rechnen, denen GMO-Food als Nahrung dient.

BILDER: Zwei der bioethischen Bücher von Dr. Breburda: „Reproduktive Freiheit“ und „Verheißungen der neuesten Biotechnologien“

Wir haben zweifelsohne große Fortschritte bei der Sequenzierung und Kartierung der Genome ganzer Organismen gemacht. Trotzdem wissen wir nicht, inwieweit einzelnen Gene eine Rolle spielen, wenn sie miteinander interagieren. Falls wir also Änderungen an Genen vornehmen, selbst wenn diese auf den Punkt genau limitiert sein sollten, hat dieser Vorgang oft überraschende und unbeabsichtigte Folgen.

Eine davon sind die in Schweinen auftretenden Skelettveränderungen. Derartige Mutationen erweitern zwar unser Verständnis, inwieweit myostatin Gene skeletomuskuläre Modifikationen hervorrufen, und wir könnten damit herausfinden, was wir in Zukunft anders machen sollten, dennoch war es nicht unser Ziel, einen extra WirbelkörpCoverbilder zu erzeugen.[1]

Und genau darin liegt das Problem. Man sollte annehmen, dass wir in puncto Geneditierung aus der Versuchs- und Irrtumsphase heraus sind, wenn wir diese Technologie bereits in Pflanzen, Tieren und auch dem Menschen anwenden.

Es geht doch darum, eine exakte Wissenschaft zu betreiben. Vor allem dann, wenn wir derart in das Genom eines Organismus eingreifen. Dieser Meinung ist zumindest Lisa Moses, Tier-Ethikexpertin der Harvard Medical School. Sie äußerte sich gegenüber dem Wall Stree Journal [2] im Dezember 2018 wie folgt:

„Wir Menschen haben eine sehr lange Geschichte, in die fein aufeinander abgestimmten Abläufe der Natur einzugreifen. Wir machen in unserer Überheblichkeit nicht mal mehr vor dem Erbgut selbst halt. Eigentlich pfuschen wir herum, ohne die mit unserem Handeln verbundenen Konsequenzen zu kennen. Wir behaupten dann noch, wir würden wissen, was wir tun und können unbeabsichtigte Nebeneffekte genauestens abschätzen, obwohl wir schon lange die Kontrolle verloren haben.“

Das wirklich Besorgniserregende ist, dass wir nicht nur den Muskelanteil der Schlachttiere beeinflussen, sondern auch Gene herausschneiden, um bei Schweinen Krankheiten – wie dem Porcine reproductive und respiratorische Syndrome Virus – vorzubeugen. Das PRRS-Virus wird von Wildschweinen übertragen und ist mittlerweile in den USA und Europa verbreitet.

Zum ersten Mal trat es 1985 in Iowa auf. 1986 wurde es in Minnesota entdeckt und war dann von 1988 – 1989 in Ostdeutschland zu finden. In Masttierbetrieben verbreitet sich das potentiell tödliche Virus schnell.

Forscher hoffen, die Krankheit besiegen zu können, indem sie ein Stück des Erbgutes – mithilfe von CRISPR/cas9 – eliminieren. Dass es sich dabei um einen permanenten Eingriff handelt, der weitervererbt wird, nimmt man gerne – um des Profites willen – hin.

Die Australierin Alison Van Eenennaam hat ihr Labor an der Universität von Davis, Kalifornien. Sie arbeitet an einem Projekt, welches vom amerikanischen Landwirtschaftsministerium gefördert wird. Sie nennt es „Boys Only“. In ihrem Labor will sie einen Zuchtbullen herstellen, der nur männliche Nachkommen erzeugen kann. Und falls es sich doch um Samenzellen mit zwei X- Chromosomen handelt, hat er ein aus Bullenhautzellen hergestelltes SRY Gen in seinem Erbgut, der den weiblichen Embryo veranlasst, männlich zu werden.

Man ist vor allem an einem größeren Muskelwachstum interessiert. Deshalb sollen weibliche Tiere phänotypisch einem Bullen gleichen. All inklusive sozusagen, nur dass die Male-like Tiere keine Samenzellen produzieren können, was sie nicht automatisch zum Ochsen machen, weil diese  – durch eine manuelle Kastration bedingt – keine Samenzellen mehr herstellen können. Die so erzeugten Tiere produzieren ein besseres Fleisch, wachsen schneller und sorgen für einen erhöhten Umsatz – und all das in kürzester Zeit.

Die Genetikerin Allison sieht die unvorstellbaren Vorteile, welche uns CRISPR in der Tierzucht bieten. Durch sie erhalten wir größere und bessere landwirtschaftliche Nutztiere.

Das Geschlecht ihrer Terminator-Tiere umzuändern, ist nur der Anfang. Jeder, der mit der Genetikerin zu tun hat, wird unweigerlich ihre Ansicht über die Sicherheit von Monsantos  Sojabohnen – und all den anderen Errungenschaften moderner Biotechnologien – zu hören bekommen. [3]

Andere Biotechfirmen haben sich auf Gene spezialisiert, die für das Hornwachstum verantwortlich sind. Ohne sie hätten Jungtiere weniger zu leiden, weil wir nicht mehr ihre Hörner entfernen müssen. Dass ein Kalb selten Schmerz empfindet, wenn nicht vaskularisiertes Gewebe – wie Hörner- abgetrennt wird, ist dabei nicht relevant. Oder leiden wir, wenn wir uns unsere Nägel schneiden?

„Wir zeigen die bessere Seite der gentechnischen Manipulationen“, behauptet Tammy Lee, Geschäftsführer von Recombinetics gegenüber der New York Post [4].

Kälber ohne Hörner, um nicht zu sagen – die hornlosen Hornochsen – sind zur Zeit auf dem Gelände der Universität von Kalifornien in Davis zu bewundern. Auch plant man, Gene zu editieren, die verhindern, dass Schweine geschlechtsreif werden. Dann wäre auch die inhumane Kastration von Ebern – die zudem ohne Schmerzmittel stattfindet, damit der Ebergeruch nicht auf das Fleisch übergeht –  hinfällig.

Aber eigentlich kastriert man Mastschweine schon im Ferkelalter. Dass wir einen Eber kastrieren und dann der Tierarzt die Hoden verspeist, gehört eigentlich ins tiefste Mittelalter,  Zumindest liegt es so weit zurück, als dieser Beruf noch eine Männerdomäne war.

Fest steht, Recombinetics (eine US-Firma, die Gentechnik in der Viehzucht vorantriebt) möchte nicht die Akzeptanz ihrer Verfahren schmälern. So pocht sie darauf, ihre Ware nicht kennzeichnen zu müssen, damit niemand ihr Herstellungsverfahren in Frage stellt. „Nur dann kann man Genforschung nutzen, um größere Gewinne zu erzielen“, behauptet sie.

Eine Geneditierung wird momentan nicht vom US-Landwirtschaftsamt (USDA) reguliert. Natürlich kann man so eine Nahrung nicht als ein organisch hergestelltes Lebensmittel bezeichnen. Im März 2018 entschied sich das Amt, gar keine Kennzeichnung anzubringen. Nicht einmal der Aufdruck CRISPR-Edited ist notwendig, weil sonst eine Innovation des Lebensmittels gefährdet sein könnte.

Und man will doch nicht hinter die Forschung anderer Länder zurückfallen. Es handelt sich dabei um ein Argument, welches immer beeindruckt. Die USA benutzte es in allen reproduktiven Techniken, die mit der Verbesserung von Pflanzen, Tieren und Menschen sowie deren Embryonen zu tun hatte.

Viele sehen CRISPR als ein Verfahren an, dass unsere Lebensmittelherstellung revolutionieren wird. Dies liegt vor allem an der lockeren Regulierung, der adäquaten Zugänglichkeit und den schnellen Resultaten, die wir mit der Anwendung von einer Geneditierung haben.

Die Europäische Union möchte dennoch, dass geneditierte Lebensmittel genauso gekennzeichnet werden wie genetisch modifizierte Organismen. Jaydee Hanson, Sprecher des Zentrums für Lebensmittelsicherheit, bemerkt dazu:

„Dies ist die neue Art der Gentechnik, unabhängig davon, ob sie es als transgen [GMO] oder eine Gen-Editierung bezeichnen. Es muss angemessen reguliert werden. Wir sagen nicht, dass die Herstellung gestoppt werden sollte. – Der Verbraucher sollte wissen, wie die Wahre produziert wurde.“

Niemand kennt die gesundheitlichen Auswirkungen des Verzehrs von geneditierten Lebensmitteln. In einem Interview mit GM-Watch erklärte der in London ansässige Molekulargenetiker Michael Antoniou:

„Durch eine genetische Bearbeitung können signifikante Veränderungen, sowohl im landwirtschaftlichen als auch im medizinischen Bereich auftreten. Dies macht langfristige Sicherheits- und Toxizitätsstudien unabdingbar.

Viele der durch Genomeditierung hervorgerufenen Off-Target-Mutationen werden wahrscheinlich hinsichtlich eventueller Auswirkungen auf die Genfunktion gutartig sein. Einige jedoch nicht. Entscheidend ist, dass ihre Wirkung in einem bereits vermarkteten pflanzlichen oder tierischen Endprodukt vorhanden sein kann.

Hinzu kommt, dass Veränderungen aufgrund einer Genom-Editing-Technik vererbt werden. Wir erkennen sie somit nicht sofort. Es ist daher immer noch erforderlich, langfristige Toxizitätsstudien in etablierten Tiermodellsystemen durchzuführen. Solange diese Studien nicht vorliegen, ist die Behauptung, eine Genomeditierung sei sicher, präzise und vorhersehbar, schlichtweg falsch.“

Inzwischen wissen wir von vielen CRISPR-bedingten Off-Target-Mutationen, die wahrscheinlich Krebs verursachen. Daran beteiligt ist mit großer Wahrscheinlichkeit das sogenannte p53 Gen, welches durch die Methode geschädigt werden kann und für die Entstehung von Eierstock-, Darm-, Lungen-, Pankreas-, Magen-, Brust-, und Leberkrebs verantwortlich ist.

Das Argument für den Gebrauch von geneditierten Lebensmitteln lautet, dass sie keine fremden Gene eingebaut haben, sondern es sich nur um eine Anpassung in der bereits vorhandene DNA handelt. Aber ist ein Stück Fleisch von einem so mutierten Schwein – mit zusätzlichen Muskeln und Wirbeln – dasselbe wie Fleisch von einem Wildschwein?

Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) schlug vor, Tiere mit editierter oder manipulierter DNA als Arzneimittel zu klassifizieren, was zweifelsohne zu einem Rückschlag des gesamten geneditierenden Verfahrens führen würde. Dennoch befinden wir uns in einer komplett neuen Welt, welche die Nahrungsmittelproduktion vollkommen verwandelt hat.

So schulden wir es dem Verbraucher, darüber informiert zu sein, was er auf seinem Teller hat. Nur dann kann er eine fundierte Entscheidung treffen, ob er genetisch–editierte  Lebensmittel konsumieren möchte. Ohne ein Etikett mischen sich solch hergestellte Lebensmittel, wenn sie denn auf den Markt kommen, direkt in die Lebensmittelkette. So ist es zumindest bei GMO-Produkten der Fall gewesen.

Weil eine genetische Veränderung dauerhaft ist und an neue Generationen weitergegeben wird, ist große Vorsicht geboten.

Während solche technologischen Fortschritte durchaus erforscht werden sollen, sollte dies trotzdem mit einer vollständigen Transparenz gegenüber dem Verbraucher geschehen. Auch muss man wissen, dass, falls alterierte DNA in unser Ökosystem gelangt, die Folgen katastrophal sein werden. [5]

So gesehen kann sich heute jeder ein relativ billiges CRISPR-Kid kaufen und damit z.B. von seinem Garten aus unsere Bienen (Pollinatoren) steril machen, auch wenn man eigentlich vorhatte, Zika-Viren tragende Mücken außer Gefecht zu setzen.

Dies alles ist kein Science-Fiction, sondern Realität. Wir sind vor allem in diese Lage gekommen, weil die Bioethik einer schnell voranschreitenden Biotechnologie hinterherhinkt und so keine Gesetzesvorgaben oder eine moralische Autorität vorhanden sind, die uns Einhalt in unserem Tun gebieten.

Quellenangaben:
[1] Qian L et al.: Targetd mutations in myostatin by zinc-finger nuclease in double-muscled phenotype in Meishan pigs. Scientific Reports, 25. Sept 32015
[2] Rana P. und Craymer L.: Big Tongues and extra vertebrae: The unintended conseauences of anima gene editing. The Wall Street Journal, 14. December 2018
[3] Rosenblum A.: Meet the woman using CRISPR to breed all-male terminator Cattle. Gen editing can change an anima’s sex. MIT Technology Review, 10 Jan. 2018
[4] Assoc. Press. Gene-editing could create bigger, better farm animals. New York Post, 15. November 2018
[5] Mercola J.: Genetic Editing of Animals has horrible side effects. Mercola, 12. März 2019

Unsere Autorin Dr. med. Edith Breburda ist Schrifstellerin, Bioethik-Expertin und Veterinär-Medizinerin (Tierärztin); sie lebt in den USA.
Ediths Homepage:http://scivias-publisher.blogspot.com/

Bioethikerin begrüßt Spahns Plan einer Studie zu Psycho-Folgen der Abtreibung

Die Geschäftsführerin des Wiener Instituts für medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE), Susanne Kummer, hat sich für die Durchführung wissenschaftlich fundierter Studien über die seelischen Folgen ausgesprochen, die Frauen nach Abtreibungen erleiden können. 

Gegenüber „Kathpress“ erklärte die Bioethikerin, laut Weltgesundheitsagentur WHO gebe es weltweit rund 56 Millionen Abtreibungen pro Jahr.  

„Aufgabe der Wissenschaft ist es, vorurteilsfrei Fragestellungen zu durchleuchten und valide Ergebnissen anzustreben – auch was die psychischen Folgen nach Abtreibung bei Frauen anlangt“, so die Bioethikerin.

Bisher erschienene Studien zeichneten kein einheitliches Bild und unterschieden sich erheblich in ihrer Qualität. Es sei deshalb „im Interesse aller“, eine evidenzbasierte Medizin auch im Bereich Abtreibung zu fördern.

Nur so könne ließe sich Frauen, die nach einer Abtreibung mit psychischen Problemen zu kämpfen hätten, angemessen helfen, statt das Problem zu tabuisieren und sie alleine zu lassen, betonte die Expertin.

Die bislang umfangreichste Studie, die die psychischen Risiken nach Abtreibung untersucht, wurde laut Kummer 2011 im „British Journal of Psychiatry“ publiziert. Die Studie analysiere die Daten von 877.181 Frauen aus den Jahren 1995 bis 2009, von denen 163.831 eine Abtreibung hinter sich hatte.

Die Meta-Studie sei dabei u.a. zu folgenden Ergebnissen gekommen: Frauen, die abgetrieben haben, hätten im Vergleich zu ungewollt schwangeren Frauen, die ihr Kind zur Welt brachten, ein um 81 Prozent höheres Risiko, an psychischen Problemen zu erkranken.

Im Vergleich zu Frauen, die nicht abgetrieben haben, litten Betroffene signifikant öfter unter Angstzuständen und Depressionen. Insbesondere sei das Risiko, eine Sucht zu entwickeln, höher. Auch seien Suizidversuche und Selbstmorde signifikant häufiger zu finden gewesen. Junge Frauen seien offenbar besonders gefährdet, nach einer Abtreibung seelisch zu erkranken, so Kummer.

Gegenüber „Kathpress“ verwies Kummer auch auf eine im Januar 2019 publizierte Studie: Südkoreanische Gynäkologen hätten dabei 5.133 Frauen in der letzten Phase der Wechseljahre untersucht, die in ihrem reproduktiven Alter entweder eine oder mehrere Abtreibungen oder spontane Fehlgeburten erlitten hatten.

Bei Frauen mit spontanen Abort sei kein Zusammenhang zwischen deren Anzahl und Selbstmordgedanken festgestellt worden. Hingegen sei bei jenen Frauen, die drei oder mehr Abtreibungen hinter sich hatten – sie machten 27,6 Prozent der untersuchten Gruppe aus – auch nach Bereinigung durch andere mögliche Faktoren ein 1,66-fache höheres Risiko für Suizidgedanken sowie Neigung zu Stress und Depressionen festgestellt werden.

Quelle: ALFA-Newsletter


Dr. Weißmann über den „Kulturbruch“ der 68er Revolte und ihre fatalen Folgen

Von Felizitas Küble

Wie bereits im CHRISTLICHEN FORUM berichtet, fand am 25. April eine AfD-Veranstaltung mit dem evangelischen Theologen und Philosophen Dr. Karlheinz Weißmann (siehe Fotos) in der Stadtbücherei von Münster statt. Im Vorfeld der gehaltvollen Rede gab es massive Proteste und Tumulte von linksradikaler Seite (Antifa, Linkspartei etc) gegen den konservativen Publizisten und gegen die AfD.

Es lohnt sich, die inhaltsreiche und frei gesprochene Ansprache von Dr. Weißmann näher zu beleuchten, zumal das Thema 68er wegen des fünfzig-jährigen Jubiläums dieser Studentenrebellion derzeit wieder mehr öffentliche Aufmerksamkeit findet.

Der Redner erläuterte zunächst, daß die Meinungsvielfalt und Debattenkultur in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts weitaus besser war, als dies von linker Seite gerne in düsteren Farben über die „Adenauer-Ära“ dargestellt wird. Die Randale vor dem Tagungshaus seien ein Beispiel dafür, wie es hier und heute mit der Meinungs- und Versammlungsfreiheit bestellt ist.

Zum politisch-gesellschaftlichen Kulturbruch mit der abendländischen Wertewelt erinnerte Dr. Weißmann an die geschichtsträchtigen Daten: 1789 (Französische Revolution), 1917 (Oktoberrevolution, Bolschewismus), 1933 (National-Sozialismus) und 1968. Jede dieser Umwälzungen trug auf ihre Weise zur Zerstörung der christlichen Kultur und zur revolutionären Umgestaltung der Gesellschaft bei.

Allerdings könne man hinsichtlich der Auswirkungen der 68er Bewegung von einer „stillen Revolution“ sprechen, denn die Vertreter dieser linkssozialistischen Ideologie hätten in den letzten Jahrzehnten schrittweise ihren „Marsch durch die Institutionen“ erfolgreich durchgeführt  – und sich sowohl im staatlichen wie vielfach auch im kirchlichen Bereich  – vor allem in der EKD – einflußreich etabliert.

Die Folgen und der damit verbundene Wertewandel in unserem Land seien fatal (verhängnisvoll).  Der Referent verwies beispielhaft auf die rotgrüne Schulpädagogik, den Gender-Irrwitz, die Einführung der „Ehe für alle“ und die linke Doppelmoral vieler Mainstream-Medien.

Dr. Weissmann erinnerte an die Ursprünge der Studentenunruhen in den USA schon Mitte der 60er Jahre, die danach auf Europa, besonders auf Frankreich und Deutschland herüberschwappten. Politischer Anlass war damals der Vietnam-Krieg gegen den kommunistischen Vietcong, was in den Vereinigten Staaten zu Massenprotesten führte.

In Deutschland spielte er nicht diese herausragende Rolle – bei uns griff die Studentenrevolte vor allem das autoritäre Regime des Schahs von Persien an. (Daß die Schah-Herrschaft aber im Vergleich zur heutigen radikal-islamischen Diktatur im Iran aber weitaus gemäßigter, „westlicher“ und frauenfreundlicher war, sei nur am Rande vermerkt.)

Zusätzlich zu den politischen Reizthemen gab es im breiten Spektrum der 68er Bewegung weitere Interessen und Strömungen, vor allem die „sexuelle Befreiung“, die Neigung zu fernöstlichen Religionen (Indien-Trips), die Hippie-Rock-Drogen-Szenerie und weitere irrationale Tendenzen. 

Die 68er Rebellen bezeichneten sich selber als „Neue Linke“, denn sie wollten einen dritten Weg zwischen der staatstreuen Sozialdemokratie auf der einen Seite und dem real existierenden Kommunismus auf der anderen Seite aufzeigen.

Da die Arbeiter jedoch an dem herbeigeträumten „Arbeiterparadies“ nicht nur keinerlei Interesse zeigten, sondern der Studentenbewegung fast durchgängig mit Ablehnung gegenüberstanden, konzentrierten sich die Links-Ideologen auf die Studentenschaft, die „Intellektuellen“, Medienleute und „Randgruppen“ – in der Hoffnung, dadurch eine „revolutionäre Sprengkraft“ neuen Stils erzeugen zu können.

Organisatorischer Ursprung der 68er Rebellion war der SDS = Sozialistischer Deutscher Studentenbund, der sich einst wegen seines Linksdralls von der SPD abgespalten hatte. Der bekannte Studentenführer Rudi Dutschke hatte Marx und Engels gründlich gelesen, strebte eine revolutionäre Entwicklung in Deutschland an und versuchte daher ab 1965 verstärkt, den SDS voranzubringen. Dies gelang ihm zeitweise mit dem heißen Eisen Vietnam-Krieg, das in den USA bereits für Straßenproteste sorgte.

Er nahm Kontakt mit dem Neo-Marxisten Herbert Marcuse auf und setzte gemeinsam mit ihm in den Jahren 1966 und 1967 verstärkt auf das Thema Kuba und den Revoluzzer Che Guevara; damit mobilisierten sie viele Studenten für eine kommunistische Umwälzung auf Kuba, die tatsächlich eingetreten ist (die rote Diktatur besteht dort bis heute).

Dabei beschränkte sich der Studentenführer und sein enges Umfeld nicht auf Parolen und Proteste; es wurden auch Sprengsätze gebaut ( technisch gesehen aber gottlob unzulänglich), um z.B. ein Attentat auf den Schah von Persien und seine Frau durchzuführen. 

Die Stimmung unter den 68er Rebellen wurde immer radikaler, Straßenschlachten mit Polizisten wurden häufiger. Deutschland befand sich am Rande eines staatlichen Ausnahmezustands. Der damals linke Schriftsteller Magnus Enzensberger erklärte rundweg, die Revolution sei nun „unabwendbar“.

Allerdings erhielt die Studentenrevolte einen erheblichen Dämpfer, als im August 1968 sowjetische Truppen die CSSR besetzten und dort dem tschechischen „Reform-Kommunismus“ ein blutiges Ende bereiteten.

Die „Unentwegten“ innerhalb der 68er Bewegung ließen sich jedoch in ihrem revolutionären Eifer nicht beirren. Zahlreiche weitere K-Gruppen mit ihren Kadern entstanden neben der DKP. Der radikale Flügel ging noch weiter: es erfolgte die Gründung der terroristischen RAF (Rote Armee Fraktion), die unseren Staat über ein Jahrzehnt in Atem hielt.

Den verbliebenen 68er Rebellen außerhalb der RAF kam die neue, sozialdemokratisch geführte Regierung durch Amnestien (Straferlasse) großzügig entgegen. Das Konzept unter Kanzler Willy Brandt nannte sich wohlklingend „Mehr Demokratie wagen“. Die linke Bewegung rannte nun offene Türen bei der SPD ein  – und sie begann systematisch mit ihrem „Marsch durch die Institutionen“.

Ende der 70er Jahre waren Universitäten, SPD, Teile der FDP und kirchliche Institutionen größtenteils von 68ern unterwandert. Durch das Aufkommen der Grünen wurd e dieser Trend weiter verstärkt: Alt-68er, die einst den Staat bekämpften, gelangten zunehmend an die Schalthebel der staatlichen Macht.

Nach dem lehrreichen und interessanten Vortrag Weißmanns begann die Aussprache mit dem Publikum, wobei etwa ein Dutzend Fragen gestellt wurden, z.B. zur „Frankfurter Schule“ als bedeutsamer Ideenquelle und Theoretikerin der 68er Revolte.

BILD: Neuerscheinung eines Buches von Dr. Weissmann über die 68er – weiteres dazu HIER.

Der Redner äußerte sich dazu sehr differenziert: Nicht alle führenden Köpfe der Frankfurter Schule hätten mit den Studentenunruhen sympathisiert. Marcuse zwar sehr wohl, Adorno hingegen nur teilweise. Horkheimer sei sehr kritisch gewesen  –  und Habermas habe Dutschke sogar „linken Faschismus“ vorgeworfen.

Ein älterer Herr meldete sich und erklärte: „Ich war selbst ein 68er!“ – Worauf es einen humorvoll gemeinten Ruf aus den Zuschauerreihen ab: „Raus hier!“  – Der Saal schmunzelte  – und der Ex-68er erzählte, er habe diese Bewegung damals vor allem als hedonistisch, als sexuell tabu-frei kennengelernt, weniger als intellektuell anspruchsvoll.

Kurz darauf wurde eine weitere Frage an den Redner gerichtet, nämlich nach dem Zusammenhang von 68 und „Humanistischer Psychologie“, dem Aufkommen der Gruppendynamik und der Ausbreitung der „sexuellen Befreiung“.

Dr. Weißmann erklärte, es gäbe sicherlich Parallelen und gegenseitige Ermutigung zwischen der hedonistischen und der politisch-rebellischen Strömung; allerdings sehe er hier kein direktes Ursache-Wirkung-Verhältnis.

Vor allem die Einführung der Pille und das „irre Konzept der Selbstverwirklichung“ habe die Sexwelle vorangetrieben und dabei die Stabilität von Ehe und Familie zunehmend zerstört. Der linke Zeitgeist der 68er sei vor allem in seiner eigenen evangelischen Kirche eingedrungen, aber auch in Teilen der katholischen Kirche.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den Jugendverlag KOMM-MIT und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

 


An Gottes Geboten erfreue ich mich, mit ihnen schreite ich aus auf freier Bahn

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche:
Psalm 119 (118),41.43.44-45.47-48.

HERR, deine Huld komme auf mich herab
und deine Hilfe, wie du es verheißen hast.
Entziehe meinem Mund nicht das Wort der Wahrheit!
Ich hoffe so sehr auf deine Entscheide.

Ich will deiner Weisung beständig folgen,
auf immer und ewig.
Dann schreite ich aus auf freier Bahn;
denn ich frage nach deinen Befehlen.

An deinen Geboten habe ich meine Freude,
ich liebe sie von Herzen.
Ich erhebe meine Hände zu deinen Geboten;
nachsinnen will ich über deine Gesetze.

 


„Deinen Geboten will ich immer folgen“

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche:

Psalm 119 (118),1-2.4-5.7-8:

Wohl denen, deren Weg ohne Tadel ist,
die leben nach der Weisung des HERRN.
Wohl denen, die seine Vorschriften befolgen
und ihn suchen von ganzem Herzen.

Du hast deine Befehle gegeben,
damit man sie genau beachtet.
Wären doch meine Schritte fest darauf gerichtet,
deinen Gesetzen zu folgen!

Mit lauterem Herzen will ich dir danken,
wenn ich deine gerechten Urteile lerne.
Deinen Gesetzen will ich immer folgen.
Laß mich doch niemals im Stich!


Sexting und seine verheerenden Folgen

Jugendliche verschicken oft und gerne Fotos über ihr Handy. Viele junge Menschen, die anzügliche Bilder versenden, scheinen sich über die Folgen nicht im klaren zu sein – oder es ist ihnen egal.

Gerade diese Einstellung ist gefährlich, denn sobald ein Foto versendet wurde, verliert der Absender die Kontrolle darüber und es kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Der Empfänger kann das Bild kopieren, online veröffentlichen oder beliebig weitergeben. 0016

Doch selbst die, die sich der rechtlichen Konsequenzen bewusst sind, lassen sich dadurch nicht abschrecken und machen weiter mit dem sog. “Sexting“. Zu diesen Ergebnissen, die online in der Zeitschrift Archives of Sexual Behavior veröffentlicht sind, kommen Donald Strassberg von der University of Utah (US) und seine Kollegen.

Zu den rechtlichen Konsequenzen kommen auch, dass die auf den Bildern abgebildeten Personen schwere psychische Schäden davon tragen können.

Strassberg und sein Team unternahm mit 606 Schülern einer privaten High School im Südwesten der USA eine Untersuchung, um herauszufinden, wie verbreitet Sexting unter Heranwachsenden ist und wie bewusst oder ahnungslos sie im Hinblick auf mögliche Folgen sind.

Die Jugendlichen mussten dazu einen Fragebogen ausfüllen, in dem sie ihre Erfahrungen mit Sexting und die aus ihrer Sicht möglichen Folgen beschrieben. Die Studenten wurden zudem über ihre Gefühle beim Versenden von sexuell eindeutigen Bildern befragt.

Beinahe 20 Prozent der Schüler, einige erst im Alter von 14 Jahren, gaben an, dass sie solche Fotos von sich selbst über Handy gesendet haben –  und beinahe doppelt so viele sagten, dass sie ein sexuell eindeutiges Bild erhalten haben. Von denen, die ein Bild empfangen haben, gaben über 25 Prozent an, dass sie es andere weitergeleitet haben.

Über ein Drittel derjenigen, die ein Bild versendet haben, gaben an, dass sie sich möglicher juristischer und sonstiger Konsequenzen bewusst waren. Studenten, die selbst Bilder über Handy verschickt haben, fanden dies eher akzeptabel als andere, die das noch nicht getan hatten.

Die Autoren fassen zusammen: “Die Resultate sprechen für erzieherische Maßnahmen wie Vorträge zur Sicherheit von Handys oder Aufklärungstage. Sie sollten auch in die Lehrpläne einfließen und es sollte Lehrerfortbildungen geben, um das Bewusstsein über die möglichen Konsequenzen von Sexting unter jungen Menschen zu schärfen“.

Quelle: Kultur-und-Medien-online.blogspot.de