Universitätsmedizin Mainz: Anorganische Polyphosphate hemmen das Corona-Virus

Entdeckung könnte helfen, Infektionen mit SARS-CoV-2 zu vermeiden

Anorganische Polyphosphate sind lange Ketten aus Phosphatbausteinen. Sie werden von den Blutplättchen gebildet und kommen in allen menschlichen Zellen vor. Von einigen ist bereits bekannt, dass sie die Bindung von AIDS-Viren an deren potenzielle Wirtszellen hemmen.

BILD: Anorganische Polyphosphate können das Andocken von Coronaviren an menschliche Zellen verhindern und die Schleimhaut zur Produktion von Mukus anregen. (Foto: Michael Plenikowski/W.E.G. Müller)

Nun haben Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz gezeigt, dass anorganische Polyphosphate auch Infektionen durch das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 vermeiden können.

Wie die Forscher in der Zeitschrift „Biochemical Pharmacology“ berichten, könnte ihre Entdeckung zur Entwicklung einer medikamentösen Prophylaxe von COVID-19 führen und dadurch vor allem Menschen helfen, die zu wenige Blutplättchen haben und deshalb besonders gefährdet sind, eine SARS-CoV-2-Infektion zu erleiden.

Die Wissenschaftler unter Leitung von Prof. Dr. Dr. h.c. Werner E. G. Müller vom Institut für Physiologische Chemie der Universitätsmedizin Mainz hatten zunächst mithilfe von Computermodellen nachgewiesen, dass anorganische Polyphosphate an die sogenannten Spike-Proteine binden können.

Dabei handelt es sich um die Teile der Coronaviren, mit denen diese an das sogenannte ACE2-Protein von Epithelzellen der Atemwege und der Lunge andocken, um danach ihr Erbmaterial in die Zellen zu übertragen.

Durch Experimente haben die Forscher dann bestätigt, dass anorganische Polyphosphate tatsächlich Infektionen mit SARS-CoV-2 verhindern können, indem sie sich mit den Spike-Proteinen verbinden und dadurch das Andocken der Viren an die Zellen unterbinden.

„Somit haben wir eine neue Angriffsmöglichkeit gegen SARS-CoV-2 entdeckt“, sagt Professor Müller. Außerdem habe sein Team einen zweiten bisher unbekannten Effekt beobachtet: „Anorganische Polyphosphate stimulieren offenbar die Funktion der Mukus produzierenden Schleimhaut, die als Teil des angeborenen Immunsystems die Atemwege und die Lunge allgemein vor dem Eindringen von Viren, auch von SARS-CoV-2, schützt.“

Nach Angaben der Forscher sind anorganische Polyphosphate ungiftig, synthetisch herstellbar und einfach vom menschlichen Körper abzubauen. In spezielle Nanopartikel verpackt, die das Team bereits entwickelt habe, könnten sie zum Beispiel mithilfe von Nasensprays eingenommen werden.

„Wir hoffen, dass anorganische Polyphosphate in Zukunft einen Beitrag zur Prophylaxe gegen COVID-19 leisten“, sagt Müller. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass sie das Immunsystem von solchen Patienten stärken könnten, die an einem Mangel an Blutplättchen leiden und deshalb besonders gefährdet sind.“

Quelle: Universitätsmedizin Mainz


Laufende Online-Umfrage: Tabea Seidel forscht zu Schwangerschaftskonflikten

Abtreiben oder das Kind austragen: Warum Schwangere in diesen Konflikt geraten und inwiefern ihnen staatliche und kirchliche Beratungsstellen weiterhelfen, will die Sozialpädagogin und Diakonin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Tabea Seidel, erforschen. Das berichtet die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA.

Wie Seidel IDEA sagte, existierten bisher kaum Studien darüber, warum eine Schwangerschaft bei Frauen eine Lebenskrise auslöse. Dem Bericht zufolge startete Seidel für ihre Dissertation (Doktorarbeit) mit dem Titel „Schwanger und jetzt?!“ im Juli eine deutschlandweite Online-Umfrage.

Noch bis September können sich Frauen, die sich in den vergangenen sechs Jahren in einem Schwangerschaftskonflikt befanden, anonym an der Umfrage beteiligen: ww2.unipark.de/uc/tseidel_/8e7b/

Quelle: ALFA-Newsletter


Akute und langfristige Folgen von CANNABIS­

Akute Risiken

Cannabis kann erhebliche psychische Probleme verursachen, z.B. ausgeprägte Angst- oder Panikgefühle. Möglich sind auch psychose-nahe Zustände mit ausgeprägten  Gedankensprüngen und Verfolgungsideen. Konsumenten sprechen dann davon, dass Sie die “Peilung verlieren“ bzw. „Paranoia schieben“.

Häufiger sind Beeinträchtigungen der geistigen Leistungsfähigkeit: Störung der Aufmerksamkeit und Konzentration sowie Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses.

Zudem kann sich die von vielen als positiv erlebte Wirkung auf die Kommunikation ins Gegenteil verkehren. Statt des erhofften Gemeinschaftserlebens berichten Betroffene dann ein Gefühl der Isolation.

Langfristige Folgen

Ob und welche Spätfolgen bei einem regelmäßigen Cannabiskonsum drohen, das haben mittlerweile zahlreiche Wissenschaftler untersucht. Ihre Forschungen ergaben beispielsweise, dass etwa vier bis sieben Prozent aller Cannabis-Konsumenten in Deutschland eine Abhängigkeit entwickelt haben.

Die viel diskutierte Frage, ob Cannabis Psychosen auslösen kann, beantwortete die Forschung bisher noch nicht eindeutig. Ziemlich sicher ist aber, dass Menschen mit einer Anfälligkeit für ein solches Krankheitsbild ihr Risiko, tatsächlich eine Psychose zu entwickeln, durch Cannabiskonsum erhöhen.

Quelle und Fortsetzung der Meldung hier: https://www.tk.de/techniker/gesundheit-und-medizin/behandlungen-und-medizin/sucht/probleme-2015710


Israel arbeitet gemeinsam mit Vereinigten Arabischen Emiraten gegen Coronakrise

​Der Staat Israel und der Staat der Vereinigten Arabischen Emirate haben sich auf eine Zusammenarbeit im Kampf gegen das Coronavirus geeinigt.

Der israelische Premierminister Netanyahu erklärte dazu:

„Die Gesundheitsminister der Vereinigten Arabischen Emirate und der Staat Israel werden eine Kooperation im Kampf gegen das Coronavirus bekanntgeben.

Diese Kooperation wird in der Forschungs- und Technologie-Entwicklung stattfinden, in Bereichen, die die Gesundheitssicherheit der gesamten Region verbessern wird.”

Quelle: Israelische Botschaft in Berlin


Im Kampf gegen den Hautkrebs Melanomen

Forscher der Technion in Israel präsentieren einen neuen Ansatz zur Überwindung der Resistenzen gegen Krebsmedikamente bei Melanomen.

Das Melanom zeigt häufig schnelle Resistenzen gegen molekulare Krebstherapien. In einer Entdeckung, die eines Tages zur Bewältigung dieser großen klinischen Herausforderung beitragen könnte, haben Forscher der medizinischen Fakultät der Technion zwei Proteine entdeckt, die eine wichtige Rolle beim arzneimittelresistenten Melanom spielen.

Laut Weltstatistik ist das Melanom die tödlichste Form von Hautkrebs und tötet pro Stunde eine Person. Allein in den USA werden in diesem Jahr voraussichtlich etwa 6.850 Menschen an der Krankheit sterben, die meisten davon Männer.

Obwohl in den letzten Jahren Fortschritte bei der Melanombehandlung erzielt wurden, spricht ein erheblicher Prozentsatz der Patienten nicht auf solche Therapien an oder entwickelt Resistenzen gegen sie.

In vielen Fällen resultiert das Melanom aus einer Mutation im Enzym BRAF. Dies fördert die unkontrollierte Zellteilung und verhindert den natürlichen Zelltod, was zur Entwicklung von Krebs-/Melanom-Tumoren führt.

Vor einigen Jahren wurden neue Medikamente verfügbar, die BRAF hemmen; sie stehen derzeit an der Spitze der Behandlung der Krankheit, aber leider entwickeln Melanomzellen schnell Resistenzen gegen dieselben Medikamente – was ihre Wirksamkeit und die Überlebensraten der Patienten verringert.

Eine Beobachtung bei Melanomtumoren von Patienten mit Behandlungsresistenzen sind „stabilisierte Onkoproteine“. Onkoproteine sind krebserregende Proteine, die gesunde Zellen in Krebszellen verwandeln können. Sie sind normalerweise von kurzer Dauer.

Bei solchen Melanomtumoren stabilisieren sie sich abnormal, wodurch ihr Niveau und ihre Aktivität gegen Krebs erhöht werden. In früheren Experimenten der Gruppe von Prof. Orian wurde festgestellt, dass die Onkoproteine durch ein Protein namens RNF4 gegen ihren natürlichen Proteinabbauprozess geschützt sind.

Quelle und vollständige Meldung hier: https://embassies.gov.il/berlin/NewsAndEvents/Pages/Melanom-Der-Kampf-gegen-Resistenzen.aspx


Wissenschafts-Experte Antes übt Kritik an Virologen und fragwürdigen Studien

Die heutige Ausgabe der WELT am SONNTAG (WamS) vom 7. Juni veröffentlicht ein ausführliches Interview von Birgit Herden mit Professor Gerd Antes, einem führenden Experten für die Beurteilung wissenschaftlicher Studien. Der Mathematiker aus Freiburg war bis 2018 Leiter des Deutschen Chochrane-Zentrums und gehört zu den Gründern des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierter Medizin.

Die Sonntagszeitung aus Berlin erwähnt zunächst, daß die wissenschaftliche Fachzeitschrift „The Lancet“ kürzlich einen Artikel über die Medikamente Chloroquin und Hydroxycholoroquin „zurückziehen“ mußte, weil er sich als unzulänglich erwies.

Die Arbeit hatte – so schien es – nachgewiesen, daß es bei der Behandlung mit diesen Mitteln zu vorzeitigen Todesfällen komme. Daraufhin seien, so heißt es in der WamS weiter, weltweit Studien gestoppt worden, bei denen die Wirksamkeit dieser Malariamittel gegenüber Covid-19 untersucht werden sollte.

Prof. Antes erklärt zu dem Vorfall, er sei „fassungslos, dass so etwas passieren konnte….Es wirkt, als hätte man die Studie nur durchgewinkt.“

Daraufhin weist die WamS auf einen möglichen Hintergrund hin: „Der Fall ist politisch aufgeladen, weil Donald Trump Hydroxycholoroquin empfohlen und selbst zum Schutz vor Covid-19 eingenommen hat.“ 

Auf die Frage, ob das bei der ablehnenden Studie eine Rolle gespielt haben könne, antwortet Antes: „Gerade deswegen hätte man bei „The Lancet“ eigentlich die allergrößte Sorgfalt an den Tag legen müssen.“ – Weil dies aber nicht erfolgt sei, „wurde die Forschung zu Chloroquin verzögert, es geht also um Menschenleben.“

Die Interviewerin erwähnt nun die umstrittene Drosten-Studie. Der Mathematiker antwortet, diese sei zwar „international nicht von so großer Bedeutung“, aber beide Fälle seien „Symptome des gleichen Problems“. Es handle sich um die „Spitze eines Eisbergs, die jetzt zum Vorschein kommt“.

Allerdings sei der Schock „vielleicht auch heilsam“, weil nun das Feigenblatt Covid 19 „nicht mehr ausreicht, um schlechte Forschung zu verdecken“.

Danach kritisiert der Experte ausführlich die vieldiskutierte Drosten-Studie, die „allenfalls eine Vorstudie“ gewesen sei, sowohl in der Sache selbst wie in der Art ihrer vorschnellen und wissenschaftlich unzulänglichen Veröffentlichung.

Allgemein empfiehlt Prof. Antes, die Virologen sollten „weniger ihrem Ego folgen“ und er bemängelt: „Immer wieder werden von den Virologen irgendwelche Zahlen als Weisheiten verkündet“, auch wenn zum Schluß meist angemerkt werde, man wisse es nicht so genau. Ein Beispiel sei etwa das „völlige Chaos um den Nutzen von Masken“.

Auch über die Arbeit des Robert-Koch-Instituts äußert sich Antes teils skeptisch: „Ein besonders absurder Fall ist die höchst unsichere Reproduktionszahl R, die vom Robert-Koch-Institut dann oft noch mit der zweiten Stelle nach dem Komma angegeben wird. Dabei sind die Unsicherheiten und Schwankungen viel zu groß dafür.“

HIER einer unserer Berichte über die Drosten-Studie: https://charismatismus.wordpress.com/2020/05/30/streit-unter-virologen-prof-kekule-beharrt-auf-seiner-kritik-an-der-drosten-studie/

HIER einer unserer Artikel zum Robert-Koch-Institut: https://charismatismus.wordpress.com/2020/05/22/zum-zickzack-kurs-des-robert-koch-instituts/

 

 


Schlamm auf dem Mars wie Lava auf der Erde

Wissenschaftler hegen seit langem die Vermutung, dass es auf dem Mars nicht nur ‚feuerspeiende‘ Vulkane gab, die große Mengen an glutflüssiger Lava über den Planeten verteilten. So sind zahlreiche konische Bergkegel auf der Nordhalbkugel des Roten Planeten möglicherweise das Ergebnis von Schlammvulkanismus.

Allerdings fehlten den Forschern bisher Erkenntnisse, wie sich wasserreicher Schlamm an der Marsoberfläche verhält.

Ein außergewöhnlicher Laborversuch unter Beteiligung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) konnte nun zeigen, wie Schlamm bei sehr tiefen Temperaturen und unter sehr geringem Atmosphärendruck fließt: Er verhält sich ähnlich fließender Lava auf der Erde.

Die jetzt in der Fachzeitschrift NATURE Geoscience veröffentlichten Ergebnisse ergänzen das bestehende Bild des Mars und seiner von Vulkanismus geprägten Geschichte um eine wichtige Facette.

„Wir wissen seit langem, dass in der frühen Marsgeschichte vor mehreren Milliarden Jahren große Wassermengen in kurzer Zeit freigesetzt wurden und dabei Täler riesigen Ausmaßes in die Landschaft erodierten, die heute längst trockengefallen sind“, erklärt Ernst Hauber vom DLR-Institut für Planetenforschung, der an der Studie beteiligt ist.

„Von diesen Ausflusstälern wurden umfangreich abgetragene zerkleinerte Gesteinsmassen in die nördlichen Tiefebenen des Planeten transportiert und dort schnell abgelagert. Später wurden diese Gesteinsmassen dann von jüngeren Sedimenten und vulkanischen Gesteinen überdeckt.“

Einige Marsforscher vermuteten schon bisher, dass diese wasserreichen Sedimente im Untergrund unter bestimmten Umständen verflüssigt worden sein könnten und unter Druck wieder an die Oberfläche gepresst wurden.

In Anlehnung an den Aufstieg von Magma wird dieser Prozess, der auf der Erde in vielen Sedimentbecken gut dokumentiert ist, sedimentärer Vulkanismus oder kurz Schlammvulkanismus genannt.

Quelle und Fortsetzung der Meldung hier: https://www.dlr.de/content/de/artikel/news/2020/02/20200518_schlamm-fliesst-auf-dem-mars-wie-lava-auf-der-erde


Der Historiker Dr. Eduard Werner erhielt den August-Benninghaus-Preis 2020

Der Historiker Dr. Eduard Werner (86) hat den diesjährigen August-Benninghaus-Preis erhalten. Damit werde der engagierte Autor (siehe Foto) für sein Wachhalten der Erinnerung an christliche Märtyrer ausgezeichnet, hieß es bei der Verleihung in bayerischen Andechs.

Dr. Werner hat das Zeugnis von Katholiken im Widerstand gegen die Gottlosigkeit in Diktaturen erforscht. Laut Verleihungsurkunde hat er die Glaubenszeugen vor dem Vergessen bewahrt und engagiert christliche Kultur vermittelt.

Der Jesuitenpater August Benninghaus aus Münster (1880 – 1942) starb am 20. Juli 1942 im Konzentrationslager Dachau im Alter von 61 Jahren an den Folgen von Hunger und Misshandlungen.

Der undotierte Preis wird jährlich vom „Freundeskreis P. August Benninghaus SJ verliehen, der sich dem Gedenken des Märtyrers widmet. Mit ihm sollen Personen geehrt werden, „die sich durch Forschung und Veröffentlichungen zu Glaubenszeugen oder durch karitative Tätigkeiten im Sinne von Pater Benninghaus ausgezeichnet haben“.

Auch unser Christoferuswerk gratuliert dem Preisträger herzlich, der zugleich seit Jahren auch als Autor im CHRISTLICHEN FORUM veröffentlicht. Auch wir danken ihm für seinen Einsatz und wünschen Gottes reichen Segen!

Zur Person: Dr. Eduard Werner, geb. 1933 in der Oberpfalz, ist Historiker und Schriftsteller. 1957–1963 Studium der Germanistik, Geschichte und Geographie. 1964 Promotion zum Doktor der Philosophie und Eintritt in das Goethe-Institut München als Dozent.
Auslandsaufenthalte in London, Boston, Madrid und Prag. Gastdozenturen an amerikanischen Universitäten. Seit seinem Eintritt in den Ruhestand 1997 ehrenamtlicher Mitarbeiter der Zeitschrift DER FELS. Gründungsmitglied des Forums Deutscher Katholiken.
Zahlreiche Veröffentlichungen, darunter „Helden und Heilige in Diktaturen“ (Media-Maria-Verlag, Illertissen 2017).

Kontakt: Freundeskreis P. August Benninghaus SJ, Juttastr. 22 in 49413 Dinklage


Abwehr aus dem Bauch: Wie die Darmflora unser Immunsystem aktiviert

Ein Wissenschaftsteam der Universitätsmedizin Mainz belegt in einer aktuellen Studie, wie die Darmflora dazu beiträgt, das komplexe Immunsystem des gesamten Körpers zu aktivieren. Angeregt durch Signale aus der Darmflora schütten spezielle Zellen einen Botenstoff aus, der für eine Grundaktivierung der körpereigenen Abwehrkräfte sorgt.

Die Forschungsarbeit aus Mainz zeigt jedoch auch, dass eine Grundaktivierung durch die Darmflora das Risiko von Autoimmunerkrankungen mit sich bringt. Die Arbeit unter Leitung von Dr. Hans Christian Probst wurde in Kooperationen mit den Universitätskliniken in Berlin, Bern, Bonn und Hannover durchgeführt.

Unsere Gesundheit ist zu jedem Zeitpunkt unseres Lebens durch infektiöse Erreger wie Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten gefährdet. Das Immunsystem mit seiner Vielzahl an verschiedenen Zelltypen und Organen schützt uns vor diesen Angriffen.

Gleichzeitig ist unser Körper an seinen Grenzflächen zur Außenwelt, den Epithelien, insbesondere an der Darmschleimhaut, dicht mit Mikroorganismen, besiedelt, mit denen wir eine friedliche Koexistenz führen.

Seit einiger Zeit mehren sich in der Forschung die Hinweise, dass diese Mikroorganismen sowohl die Bekämpfung von Infektionen und Krebszellen durch das Immunsystem beeinflussen als auch eine Rolle bei Autoimmunerkrankungen spielen.

Wissenschaftlern der Arbeitsgruppe von Dr. Hans Christian Probst am Institut für Immunologie der Universitätsmedizin Mainz ist es jetzt gelungen, einen wichtigen Signalweg, über den die Darmflora das gesamte Immunsystem beeinflusst, aufzudecken.

Das Forschungsteam um den Immunologen Dr. Hans Christian Probst beschäftigt sich seit Längerem mit den Mechanismen, die die Funktion von dendritischen Zellen kontrollieren. Diese Zellen bilden so etwas wie die Alarmzentrale des Immunsystems. Sie erkennen die Anwesenheit von infektiösen Erregern und lösen die Immunreaktion aus.

Mit ihrer Arbeit konnten die Wissenschaftler nun nachweisen, dass neben den dendritischen Zellen an den Epithelien in direktem Kontakt zum dort siedelnden Mikrobiom, auch solche in weiter entfernten Organen durch das Mikrobiom aktiviert werden.

„Wir haben insbesondere untersucht, wie dendritische Zellen über die Entfernung Signale von der Darmflora an den Epithelien aufnehmen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die sogenannten plasmazytoiden dendritischen Zellen Bestandteile der Darmflora erkennen und darauf mit der Produktion einer geringen Menge von Interferon reagieren“, sagt der Immunologe Dr. Hans Christian Probst von der Universitätsmedizin Mainz.

„Diese geringen Menge Interferon, um ein vielfaches geringer als die Menge, die etwa in einer Virusinfektion gebildet wird, versetzen die dendritischen Zellen in einen voraktivierten Zustand“ erklärt Dr. Sabine Muth, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Immunologie der Universitätsmedizin Mainz und Erstautorin der Studie. „Wir waren überrascht, dass diese Voraktivierung absolut notwendig ist, damit dendritische Zellen überhaupt Immunantworten auslösen können.

Gleichzeitig haben wir beobachtet, dass diese Voraktivierung der dendritischen Zellen durch Interferon fehlgeleitete Immunreaktionen und Autoimmunität auslösen kann, wenn sie nicht konstant durch Sicherheitsmechanismen des Immunsystems wie regulatorische T-Zellen unterdrückt wird“, so Dr. Sabine Muth weiter.

Die Forschungsarbeit ist Resultat einer mehrjährigen, engen Kooperation des Mainzer Institutes für Immunologie unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Hansjörg Schild, mit der Arbeitsgruppe um den ehemaligen Direktor der Mikrobiologie der Universitätsmedizin Mainz, Prof. Dr. Andreas Diefenbach, Charité in Berlin.

Die Berliner Arbeitsgruppe hat insbesondere den Stoffwechsel der dendritischen Zellen untersucht und dabei beobachtet, dass dendritische Zellen, welche kein Interferonsignal erhalten, einen gestörten Zellstoffwechsel zeigen, insbesondere eine verringerte Zellatmung. Dies könnte Ursache dafür sein, dass die dendritischen Zellen in Abwesenheit von den durch das Mikrobiom induzierten Interferonsignalen nicht in der Lage sind, Immunantworten auszulösen.

 


Durch Simulationen am Supercomputer evtl. Wirkstoffe gegen Coronavirus gefunden

Hepatitis-C-Medikamente könnten auch gegen Covid-19 helfen 

Mehrere bereits gegen die Viruserkrankung Hepatitis C verwendete Medikamente können möglicherweise auch gegen die durch das Coronavirus SARS-CoV-2 verursachte Krankheit Covid-19 helfen.

Zu diesem Ergebnis sind Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) durch aufwändige Berechnungen mit dem Supercomputer MOGON II gekommen, der von der JGU und dem Helmholtz-Institut Mainz betrieben wird und zu den leistungsfähigsten Computern weltweit zählt.

Wie die Forscher in einer vor kurzem auf der Website der Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlichten Studie beschreiben, hatten sie simuliert, wie rund 42.000 in öffentlichen Datenbanken aufgeführte Substanzen an bestimmte Proteine von SARS-CoV-2 binden und dadurch das Eindringen des Virus in den menschlichen Körper oder dessen Vermehrung hemmen.

„Dieses als molekulares Docking bezeichnete und seit Jahren anerkannte Verfahren von Computersimulationen ist wesentlich schneller und kostengünstiger als Laborexperimente“, sagt Prof. Dr. Thomas Efferth vom Institut für Pharmazeutische und Biomedizinische Wissenschaften der JGU, der die Studie geleitet hat.  

„Unseres Wissens sind wir die Ersten, die molekulares Docking im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 angewendet haben. Und dass wir dadurch auf mehrere zugelassene Hepatitis-C-Medikamente als besonders erfolgversprechende Kandidaten gestoßen sind, ist natürlich sensationell.“

Wie die Wissenschaftler mit mehr als 30 Milliarden einzelner Berechnungen in zwei Monaten herausgefunden haben, binden Substanzen aus den vier Hepatitis-C-Medikamenten Simeprevir, Paritaprevir, Grazoprevir und Velpatasvir mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr stark an SARS-CoV-2 und können dadurch möglicherweise Ansteckungen damit verhindern.

„Dafür spricht auch, dass es sich bei SARS-CoV-2 genau wie bei dem Hepatitis-C-Virus um ein sogenanntes einzelsträngiges RNA-Virus, also ein Virus desselben Typs handelt“, sagt Efferth. Möglicherweise sehr stark gegen SARS-CoV-2 wirkt nach den Ergebnissen der Forscher auch ein in Asien bereits gegen verschiedene andere Erkrankungen verwendeter Naturstoff aus dem Japanischen Geißblatt (Lonicera japonica).

„Unsere Ergebnisse müssen nun durch Laborexperimente und klinische Studien überprüft werden“, sagt Efferth. Schon bei der Suche nach Wirkstoffen gegen die Coronaviren MERS-CoV und SARS-CoV sei molekulares Docking erfolgreich eingesetzt worden.

Veröffentlichung:

  1. Kadioglu, M. Saeed, H. Greten, Thomas Efferth
    Identification of novel compounds against three targets of SARS CoV-2 coronavirus by combined virtual screening and supervised machine learning

Bulletin of the World Health Organization (Online-Veröffentlichung, 21. März 2020)

http://dx.doi.org/10.2471/BLT.20.255943

Kontakt:
Professor Dr. Thomas Efferth, Abteilung für Pharmazeutische Biologie

Institut für Pharmazeutische und Biomedizinische Wissenschaften (IPBW)
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
55099 Mainz
Tel. +49 6131 39-25751 –  Fax: +49 6131 39-23752
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