Chancen und Gefahren Künstlicher Intelligenz

Von Dr. Bernd F. Pelz

Unter Künstlicher Intelligenz (KI) versteht man generell das Konzept, dass man Maschinen beibringen kann, menschliches Lernverhalten und menschliche Entscheidungsfindung zu imitieren und letztlich eigene kreative Schöpfungen zu erstellen.

Wie man lesen kann, hat die Bundesregierung  –  aufgeschreckt durch zahlreiche Publikationen und Veranstaltungen zum Thema Künstliche Intelligenz (KI)  – beschlossen, bis 2025 in verschiedener Form gut drei Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung auf diesem Sektor zur Verfügung zu stellen. Das ist gut, wenn auch viel zu spät.

Wie der ehemalige Prof. C. D. Kernig von der Universität Trier in mehreren Veröffentlichungen zeigte, hinken führende Politiker in ihrem Verständnis der Realität  –  aufgrund der Mechanismen, bis sie in höhere Staatsämter gelangen – der tatsächlichen Realität ca. 20 – 25 Jahre hinterher.

Ein eklatantes Beispiel dafür ist Kanzlerin Merkel, die noch am 19.6.2013 in einer Pressekonferenz mit Barack Obama der Meinung war, dass das Internet für uns alle Neuland ist. 

In den Blättern für Vorgesetzte wandte sich der Bundesarbeitgeberverband Chemie bereits 1997 mit einem Aufruf zum „Aufbruch in das vernetzte Zeitalter“ an die Führungskräfte. Ähnliches geschah in anderen Branchen.

Die deutsche Industrie nahm sich der Thematik der Vernetzung und Künstlichen Intelligenzen vor allem in den Bereichen selbstfahrende Fahrzeuge, vorbeugende Instandhaltung, kollaborative Roboter, Optimierung der Sensorik, Produktionsprozesse und Qualitätssicherung sowie der Steuerung der Supply Chain an.

Eine Umfrage 2018 des Vereins Deutscher Ingenieure nach den Führungspositionen im Bereich der KI zeigte die USA und China weit in Führung vor der Bundesrepublik, den anderen asiatischen Ländern ohne China sowie vor Indien.

Ebenfalls 2018 untersuchte Roland Berger, in welchen Ländern die meisten KI- Startups zu finden sind. Deutschland landete dabei auf dem siebten Platz nach den USA, China, Israel, Großbritannien, Kanada, Japan und Frankreich.

IBM lieferte 2019 einen Überblick über die weltweit immens wachsende Datenflut (Big Data): Big Data vergrößert sich gegenwärtig pro Sekunde um über 8000 Tweets und 850 Instagram Fotos. Pro Sekunde werden über 3200 Skype-Gespräche geführt, über 74000 YouTube Videos angesehen, knapp 3 Millionen e-Mails verschickt und knapp 68000 Google-Suchen durchgeführt.

Aus dieser Tatsache leitet sich für Unternehmen die Notwendigkeit ab, bei der Analyse und Nutzung von Big Data dabei sein zu müssen. Deep Learning bezeichnet dabei eine Form des maschinellen Lernens, bei dem Systeme komplexe Aufgaben ausführen , indem sie Datenauswertungen in mehreren Ebenen durchführen und verknüpfen, und so Erkenntnisse über das Erkennen von Mustern von Stufe zu Stufe verfeinern können.

Dabei gilt: je mehr Daten (das „neue Gold“) zur Analyse und Verarbeitung zur Verfügung stehen, desto treffsicherer ist die künstliche Intelligenz.

Praktische Anwendung künstlicher Intelligenzsysteme sind bereits weit verbreitet, wie z.B. bei der Auswertung der Bilder von Überwachungskameras, der Steuerung von Prozessen durch Sprachanalyse und Spracheingabe, der Darstellungen von Kaufempfehlungen aus der Analyse personalisierter Daten, und besonders auch im militärischen Bereich.

Die Gründe für die Akzeptanz und Verbreitung künstlicher Intelligenzen liegen generell einmal in der menschlichen Neugier, dem steigenden Verlangen der Menschen nach Information und nicht zuletzt der Lust an Unterhaltung.

Zum anderen gründet sich die Akzeptanz und Verbreitung künstlicher Intelligenzen auf die bereits erzielten und weiter zu erwarteten Vorteile für Produktionsprozesse, Wertschöpfungsketten und das Wachstumspotential nationaler Bruttosozialprodukte (1).

Letztlich gründet sich die Akzeptanz und Verbreitung von KI auch auf der Einsicht, dass die steigende Komplexität der Welt ohne KI nicht mehr zu bewältigen ist (2).

Gefördert wird die weitere Entwicklung und Verbreitung von KI von der globalen Finanzindustrie, die sich mit Hilfe von KI eine weitere Stärkung der Dominanz der Finanzsysteme verspricht. Richtig angewandt, könnte KI helfen, dem „Superorganismus“ Menschheit eine friedvolle Entwicklung zu geben (3). 

Egal, was geschieht, für den Einzelnen heißt es, dass er im Bezug auf das stetig wachsende Wissen immer dümmer wird. Aus diesem Gefühl des Unbehagens heraus haben zahlreiche Autoren Kritik an der unüberschaubaren Entwicklung geäußert.

Holger Volland, der im Kulturbereich tätig ist (4), hat dazu ein Buch über die kreative Macht der Maschinen geschrieben, in dem er in ausgewogener Weise darstellt, warum künstliche Intelligenzen bestimmen, was wir morgen fühlen und denken werden und wie wir uns auf diese Entwicklung einstellen sollten (5).

BILD: Titelfoto – und hier die Buch-Daten: KI – Die kreative Macht der Maschinen von Holger Volland. Gebundene Ausgabe, 19,85 €. 253 Seiten. Beltz-Verag. 2018. ISBN-10: 3407865090

Nachfolgend ein Einblick in das für Normalsterbliche sehr lesenswerte Buch, das die „gigantische Wette in die Zukunft der Menschheit“ zu durchdringen versucht.

Auf knapp 250 Seiten beschreibt Volland, was KI bedeutet, welche Methoden benutzt werden und wie sich KI der Sprache, der Bilder, der Kreativität, der Emotion, der Gestalt, der Sinne, der Erlebnisse und unserer Geschichte bemächtigt und was für uns auf dem Spiel steht.

Volland bezweifelt nicht den Nutzen von KI im technischen und medizinischen Bereich, in Bezug auf den kulturellen Bereich des menschlichen Lebens warnt er jedoch zur Vorsicht:

„Wenn Algorithmen nun so funktionieren können wie unsere neuronalen Netze im Gehirn, dann können sie lernen, was Kultur ist und darauf basierend ihre eigene Kultur gestalten. Wir haben Maschinen entwickelt, die gerade dabei sind, den Schritt in die kulturelle Selbständigkeit zu gehen.“

Der Autor beschreibt, wie künstliche Intelligenzen lernen, unsere Sprache zu verstehen und sich unser gesamtes künstlerisches Weltwissen aneignen, um damit Geld zu verdienen. Künstliche Intelligenzen lernen von den besten Autoren:

„Sie werden mit hundertausenden Werken der Weltliteratur gefüttert, um zu verstehen, wie wir Menschen unsere Geschichten erzählen und Romane schreiben. Unersättlich stopfen sich Rechner voll mit Fotografien, Bildern, Skulpturen, Architekturmodellen, Notenblättern, Konzertaufführungen und Modeschnitten.“

Volland warnt: „Niemand weiß, wie sich der tägliche Umgang mit sprechenden und schreibenden Maschinen auf unsere Psyche auswirken wird. Die sprachlichen Fähigkeiten der Maschinen könnten sehr leicht dazu verwendet werden, uns zu manipulieren. Einstellungen und Meinungen eines großen Teils der Menschheit werden mittels der Auswahl und Gestaltung von Texten und Nachrichten von den Internet-Plattformen stark beeinflusst.“

Volland beschließt das Kapitel über KI und Sprache mit Fragen nach der Klärung der Urheberschaft von Sprache, Reden, Mails und Texten.

In der Einführung und im Kapitel über Bilder beschreibt Volland detailliert, wie Maschinen trainiert werden, um Kunstwerke zu imitieren, zu fälschen und eigene Kunstwerke zu schaffen. Der bereits erzielte Grad der Perfektion bewirkt, dass für die meisten Menschen nicht mehr ersichtlich ist, ob die Inhalte ihres Informationsmixes vertrauenswürdig sind oder nicht.

Der Autor befürchtet, dass wir so nicht nur das Vertrauen in die Medien verlieren, sondern auch in die Stabilität unserer Institutionen und unserer Gesellschaft als Ganzes. „Je bildhafter unsere Welt wird, desto größer wird der Einfluss der KI auf die Bewertung derselben.“

Im Kapitel über Kreativität beschreibt Volland, wie einfach es heute bereits ist, sich bei Jukedeck ein Musikstück in den verschiedensten Varianten „komponieren“ zu lassen; wie Jugendliche in den Internetforen ihre Selbstportraits professionalisieren und wie KI genutzt wird, um Welthits zu produzieren.

Volland ist überzeugt, dass KI unser Leben bunter aussehen lassen wird. Zugleich warnt er „dass unsere Kreativität dabei vor die Hunde geht, wenn wir nicht aufpassen“.

Im Weiteren beschreibt der Verfasser unsere Welt des „allgegenwärtigen Kreativseins“ und wie sich menschliche  Schöpferkraft von Kreativen Künstlichen Intelligenzen (KKI) unterscheidet: „KKIs durchlaufen keine kreativen Phasen, sondern können nach einem Lernprozess in ihrer jeweiligen Teildisziplin Output in beliebiger Menge produzieren. Als Bewertungsmaßstab für die Sinnhaftigkeit ihrer Ergebnisse dienen ihnen nur Wahrscheinlichkeiten.“

Volland geht dann ausführlich der Frage nach, ob wir „universal genial oder digital dement“ werden: „Wir müssen immer häufiger mit den Ergebnissen von Maschinen konkurrieren und uns an ihrer Perfektion messen lassen. Diese Erlebnisse werden uns tendenziell eher unglücklich zurücklassen.“

Er beschreibt dann, dass trotz der unglaublichen Möglichkeiten die Vielfalt von Design / Musik zurückgegangen ist, weil die zugrunde liegende Software so programmiert ist, dass die Elemente mit der größten Wahrscheinlichkeit den meisten Menschen gefallen.

Im Kapitel über Emotionen ist beschrieben, wie KIs unsere Beziehungen zu Robotern und zu anderen Menschen beeinflussen und bestimmen. Dies ist möglich, weil Sprachsynthese heute schon so gut ist, dass ein Unterschied zur echten menschlichen Sprache praktisch nicht mehr da ist.

Große KI-Systeme können zudem aus unserer Sprechweise (Tonlage, Tempo, Zittern, Länge von Sätzen) Hinweise ableiten, was gerade in uns vor sich geht (ebenso aus unseren Fotos).

Beobachtend leitet Volland aus unserer Nutzung von Smartphones ab, wie sehr wir schon KI abhängig sind: „Smartphones sind unser Gedächtnis, unser Personalausweis, unser Geldbeutel, einziger Aufbewahrungsort unserer Fotos, Filme, Erinnerungen und damit auch eine Kopie von wichtigen Bestandteilen unserer Persönlichkeit.“

Der Verfasser untersucht dann die Beteiligung und Beeinflussung durch KI von Partnersuche, Liebe, Sex, Puppen- und Roboterbordellen, Bewerbungsgesprächen, sowie den Umgang mit Unterhaltungsrobotern (Chatbots).

In Bezug auf politische Wahlkämpfe, speziell von Präsident Trump, schreibt Volland:

„Die Maschinen beziehungsweise ihre Betreiber wussten genau über die Wähler Bescheid, an die sie die ihre Botschaften schicken sollten: Politische Haltung, Interessen und Befürchtungen hatten die Menschen durch ihr Verhalten im Netzt selbst bekanntgegeben.“

Über die großen Unternehmen, die KI entwickeln und vor allem mit Social Media, Suchmaschinen und E-Commerce Geld verdienen, schreibt der Autor: „Ziel dieser Firmen ist es, die Intensität des Besuches, den Konsum und die Abhängigkeit von ihrer Technologie zu steigern.“

Im Kapitel Gestalt beleuchtet Volland die neuen Geschäftsmodelle der Unterhaltungsindustrie mit Event Surrogaten wie Virtual-Reality-Konzerten, Hologramm-Stars und vollständig digitalen Künstlern und auch Politikern.

„Man kann so ziemlich jeden digital nachbauen, der einmal große Stadien gefüllt hat.. Manch toter Star verdient heute schon mehr Geld mit Musikverkäufen und Merchandising als die meisten anderen zu Lebzeiten….Die Rolle von Stars wandelt sich dabei vom agierenden Subjekt zum von Software gesteuertem virtuellem Wesen.“

Lustig und erschreckend zugleich sind Vollands Ausführungen zu Themenparks, in denen man den Anschlag eines Selbstmordattentäters, ein Turnier von Scharfschützen oder des Human Brain Projekts zur Erstellung der arbeitsfähigen Kopie eines menschlichen Gehirns oder der Erstellung von digitalen Doppelgängern.

Interessant sind dabei auch die Ausführungen, wie sich eine selbstbestimmte Person mit ihrer Kopie zur Persona, zur manipulierbaren Rolle und zu Geistigem Eigentum als Handelsware für Gebrauch und Missbrauch entwickeln kann. 

Ausgehend von dem Spiel „Pokémon Go“ , bei dem in das reale Bild künstliche Inhalte in Echtzeit hineingerechnet werden, beschreibt Volland „Augmented Reality (AR)“, die Vermischung von realer und virtueller Welt:

„Firmen wie Apple, Google, Facebook, aber auch tausende andere wetten darauf, dass AR zum nächsten Großen Geschäft mit Mobilgeräten werden wird. Kameras Mikrofone und Sensoren vermessen dabei unsere reale Welt und ergänzen und überlagern sie mittels intelligenter Programme mit Informationen, Bildern und Tönen. Das wird uns helfen, ganz neue Wahrnehmungen zu entdecken, kann aber auch unsere anderen Sinne verkümmern lassen.“ 

Ebenso besteht nach Volland die Gefahr einer Überlastung der Fähigkeiten unseres Gehirns, speziell von Kindern, in der Speicherung, Einsortierung und Bewertung der gleichzeitig bei AR auf das Gehirn einströmenden realen und virtuellen Reize.

Auf die Zukunft bezogen erklärt Volland:

„Das kommerzielle Internet von heute ist aufgrund der persönlichen Informationen schon lange nicht mehr fair und objektiv. Ihre „Filterblase“, also alle politischen, sozialen, kulturellen und sonstigen Einstellungen, sowie unendlich viele persönliche Informationen begleiten sie auf jedem Schritt im Netz. Welche Informationen für Sie in einen beliebigen Moment als relevant und sinnvoll eingeblendet werden, entscheidet dann die KI des Technologieanbieters, für dessen Ökosystem Sie sich entschieden haben. Diese geschlossenen Systeme werden zu einer möglichen Gefahr für Ihre persönliche Entscheidungsfreiheit.“

„Maschinen machen unser Leben zum Game – und unser Gehirn spielt begeister mit“ – so überschreibt Volland sein Kapitel Erlebnisse.

Darin beschreibt er, wie KI es schafft, dass wir in eine künstliche Welt eintauchen, dass Immersion stattfindet, d.h. dass sich die Grenzen zwischen Bild und realer Welt in unserem Gehirn vermischen. Das ist möglich, weil KI es ermöglicht, mit den künstlichen Welten zu interagieren und unsere virtuelle Welt zu beeinflussen:

„Die Technologie ist erstmals in der Geschichte der Menschheit reif genug für eine echte Erweiterung unserer Welt hinein in die Virtualität durch perfekte immersive Umgebung und virtuelle Realitäten.“

Versuche unsere Vorfahren, Immersion zu erzielen, waren z.B. die Höhlenmalerei und die Darstellung religiöser Ereignisse durch Wandmalereien in Kirchen und Tempeln, und auch im 19.Jahrhundert die Dioramen genannten großen Schaukästen in Museen oder große bemalte Leinwände.

Heute  – so sagt Volland –   ist all den VR-Anwendungen, ob künstlerisch, medizinisch oder sexuell, gemeinsam, dass sie einen kommerziellen Nutzen haben.

Gegenwärtig ist noch nicht sicher, in welchem Maße VR-Anwendungen dazu führen können, das reale Leben uninteressant zu finden (Realitätsflucht) oder bestimmte kulturelle Fähigkeiten wie z.B. Lesen in Vergessenheit geraten zu lassen, oder auch Psyche und Selbstwahrnehmung beeinflussen.

Wir sind hier also tief im Bereich des Trial und Irrtums (6)!

Volland begrüßt, dass Schulen vermehrt damit beginnen, Online-Medienkompetenz zu vermitteln und so dazu beitragen, dass sich Kinder nicht ungeschützt den Manipulationen aussetzen.

Im Kapitel Geschichte legt Volland dar, wie sich KI verändernd auf Bibliotheken, Archive und Museen auswirken wird, da sie in zunehmendem Maße von Förderern abhängig und in breitenwirksame und leichtgängige Themen gedrängt werden.

Er geht davon aus, dass die kulturelle Vielfalt unter dem Einfluss privater Finanzierung leiden wird und auch zahlreiche Archive, Bibliotheken und Museen schließen werden: „Ein über Jahrhunderte aufgebautes kulturelles System aus Staat, Mäzenen, Institutionen, Künstlern und Konsumenten gerät derzeit an vielen Stellen in Bewegung.“

„Das Wissen der Welt zu organisieren“, so beschreiben die Google-Gründer den Geschäftszweck ihres Unternehmens.

Volland folgert, dass in Zukunft nur die Unternehmen erfolgreich und mächtig sein werden, die das größte Wissen über unsere hochvernetzte Welt besitzen.

Abschließend kann gesagt werden: Es steht viel auf dem Spiel:

„Mit zunehmenden Fähigkeiten (der KIs) steigen zugleich die Gefahren, vor allem durch den Missbrauch der neuen Technologie. KI wird uns helfen zu leben, und nicht unser Leben bestimmen. Das ist die Chance, die wir haben, wenn wir sie jetzt ergreifen.“

Unser Autor Bernd F. Pelz aus Bornheim bei Bonn ist Wirtschaftsexperte, Vortragsredner und professioneller Hobby-Fotograf (zahlreiche Fotos für unseren Ecclesia-Plakatdienst und für die Illustration dieser Webseite stammen von ihm)

Anmerkungen, Quellenangaben:
(1) MGI-Globalization in transition-The-future-of-trade-and-value-chains-Full-report.pdf
(2) Kapitza, Sergey P., Global Population Blow-Up and After, The Demographic Revolution and Information Society, 2006, ISBN 3-9809723-5-6
(3) Radermacher, Franz Josef, Welt mit Zukunft, Überleben im 21.Jahrhundert, 2008, ISBN 978-3-938017-86-9
(4) https://theartsplus.com/
(5) Volland, Holger, Die kreative Macht der Maschinen, Warum künstliche Intelligenzen bestimmen, was wir morgen fühlen und denken, 2018, ISBN 978-3-407-86509-0 (Print), 86526-7 (E-Book)
(6) https://www.linkedin.com/pulse/leben-einer-%C3%A4ra-des-versuchs-und-irrtums-dr-bernd-pelz/

Der Artikel ist zusätzlich im Internet zu finden unter: https://www.linkedin.com/pulse/ki-die-kreative-macht-der-maschinen-holger-volland-dr-bernd-pelz/?published=t


Bereschit-Sonde schlug auf dem Mond auf

​Die israelische Mondsonde Bereschit ist am Donnerstag (11.4.) leider nicht erfolgreich auf der Mondoberfläche gelandet. Die Sonde hatte aus 22 Kilometer Höhe noch ein letztes Selfie mit dem Mond aufgenommen (siehe Foto), bevor die Verbindung des Kontrollzentrums zur Sonde abriss und diese mit hoher Geschwindigkeit auf dem Mond aufschlug.

Trotz der gescheiterten Landung erhielt das Team den mit einer Million US-Dollar (ca. 884 Mio. Euro) dotierten Lunar XPRIZE Moonshot Award als Auszeichnung für das erste privatfinanzierte Projekt, das den Mond erreicht hat.

Der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu, der am Donnerstag im Kontrollzentrum die geplante Landung live verfolgte, sagte gestern zu Beginn der wöchentlichen Kabinettssitzung:

„Am Wochenende hat der israelische Staat wieder Geschichte geschrieben. Er wurde eines von sieben Ländern, das die Umlaufbahn des Mondes und eines von vier Ländern, das die Oberfläche des Mondes erreicht hat, auch wenn dies nicht optimal gelang.

Wir planen, „Bereschit 2“ zu starten. Der israelische Staat, der sich am Start der ersten Sonde beteiligte, wird sich auch am Start der zweiten beteiligen. Und ich hoffe, das nächste Mal wird es ein Erfolg. In diesem Falle wären wir dann wirklich das vierte Land, das erfolgreich auf dem Mond gelandet ist.

Durch Misserfolg werden wir nicht gehindert. Der Unterschied zwischen Gewinnern und Verlierern ist, dass wir nicht aufgeben.“

Quelle: https://embassies.gov.il/berlin/NewsAndEvents/Pages/Mondsonde-Bereschit-leider-nicht-erfolgreich-gelandet.aspx  –  Foto: SpaceIL


Warum ich mich als Nahostexperte durch Sarrazins neues Buch bestätigt sehe

Von Klaus Moshe Pülz

Noch vor Sarrazins Büchern referierte ich anläßlich einer rheinland-pfälzischen Polizeitagung am 11. Sept. 2003 über das Thema „Die religiösen Hintergründe des islamistischen Terrorismus“. Die Polizeichefs waren erwartungsgemäß über die subversiven Tätigkeiten der Muslime nicht informiert.
(Mein Vortrag kann unter www.zelem.de heruntergeladen werden.)

Ich weiß nicht, ob Sarrazin in seinen Büchern erwähnte, daß bereits vor ca. 50 Jahren der König von Marokko, Hassan II., anläßlich einer Welt-Islam-Konferenz in Rabat seine Glaubensgenossen dazu aufrief, das einstige christliche Abendland auf ganz legale  Weise in eine moslemische Oase umzuwandeln, indem er empfahl, nach Europa einzuwandern und sich auf legalem Wege in die Parlamente wählen zu lassen, um von innen heraus den Islam gesellschaftsfähig zu machen.

Ich weiß auch nicht, ob Sarrazin in seinen Büchern den einstigen Terroristenführer (mit Friedensnobelpreis!) Yassir Arafat anführte, der offen erklärte, Israel totgebären zu wollen. Dieses Konzept finden wir auch in der deutschen Gesellschaft, wo ganze Schulklassen fast nur noch aus muslimischen Kindern bestehen.

Als Nahostexperte, der diese Tätigkeit seit 40 Jahren ausübt, sehe ich mich durch Sarrazin bestätigt. Meine Nachbarn in Tel Aviv/Jaffo sind Muslime, die in keiner Weise integrationswillig sind, weil sie sich als neue Herrenrasse sehen. Ihr großes Vorbild ist Adolf Hitler, weil er die Juden systematisch und fabrikmäßig ermorden ließ.

Heutzutage versucht eine bundesdeutsche Regierung im Zuge einer Art Wiedergutmachung, möglichst viele vermeintliche Flüchtlinge mit der Firmierung einer „Willkommenskultur“ nach Deutschland einwandern zu lassen, ohne sich Gedanken über die Konsequenzen für die eigene Bevölkerung zu machen. Dies beginnt bereits mit deren Glaubenseinstellung, wonach der Koran über sämtliche säkularen Gesetze steht.

Anstatt auf einen mutigen Mann wie Sarrazin zu hören, wird dieser Autor so verteufelt, wie es mir bislang durch tiefes Verschweigen widerfährt. Da ich zu meinen drei eigenen Büchern („Antisemitismus – gestern und heute“, „Brennpunkt Israel“ und „Schalom für Israel“) neben der Publikation unserer Fachzeitschrift „Bote Neues Israel“ keine Zeit habe, weitere Bücher zu verfassen, wurden meine vielen Statements tunlichst in den Medien totgeschwiegen. Insofern ergeht es mir wie Sarrazin, der sich wohl bald unter Polizeischutz begeben muß, wenn ihm sein Leben noch lieb und wert sein sollte.

Daß er ausgerechnet Mitglied der SPD ist, die sich derart für den Influx von Muslimen einsetzt, ist höchst verwunderlich. Ich wäre seit langem aus dieser Partei ausgetreten, die aus dem Debakel der Weimarer Republik nichts gelernt hat.

Ich habe ebenfalls den Koran studiert und seinerzeit bei der erwähnten Polizeitagung sämtliche maßgebenden Koransuren aufgeführt, die zu strafbaren Handlungen aufrufen – einschließlich Mord.

Ähnlich wie ultraorthodoxe Juden in Israel und anderswo den Fortschritt behindern, indem sie ihre Nasen nur in den Talmud stecken, ohne in ihren hauseigenen Schulen naturwissenschaftliche und neusprachliche Fächer zu erlernen.

Betrachtet man das Mullah-Regime im Iran, erkennt man auch diese Rückständigkeit, von der Sarrazin spricht.

Noch heute sprechen die Muslime von den Demütigungen durch die Kreuzritter und versuchen nunmehr, durch einen Panislamismus die Weltherrschaft zu erreichen, während Kirchen und normative Christen ihnen dazu noch den Weg bereiten, wenn Kardinal Marx und der evangelischen Ratsvorsitzende Bedford-Strohm in Jerusalem sogar ihr Brustkreuz ablegten.

Daß wir in einer Art „Endzeit“ leben, haben noch nicht einmal die christlichen Theologen bemerkt. Dagegen ist der Begriff „be-acharit hajamim“ (in den letzten Tagen) bei uns in Israel bestens bekannt. Von Eschatologie halten christliche „Gelehrte“ ohnehin wenig.

Daß die europäische und westliche Identität nicht nur von der demographischen Geburtenrate bedroht wird, liegt auch an der progressiven Glaubenslosigkeit hinsichtlich eines göttlichen Schöpfers und eines messianischen Erlösers aus dem Volke Israel.

Lieber glaubt man an „naturwissenschaftliche Erkenntnisse“, an Urknall und Abstammung vom Affen oder Enzymen. Solche areligiösen Gedanken kämen Muslimen gar nicht in den Sinn. Daher betrachten sie die westliche Kultur als dekadent, gottlos, schamlos und vor allem gerichtsreif.

Nein, Sarrazin verallgemeinert keineswegs. Er verärgert lediglich jene Politiker und Medien, die lautsprecherartig ihre vermeintliche Gutartigkeit gegenüber Andersdenkenden und Andersgläubigen zur Schau stellen.

Weitsicht und Umsicht war niemals die Prämisse deutscher Politiker und in deren Gefolge die Medienlandschaft. Vielmehr ist Opportunismus und Anpassung an die Gesellschaft angesagt. Doch Fortschritt bezieht sich nicht nur auf Computerspiele, Digitalisierung und die Eroberung des Mars, sondern vornehmlich auf die geistig/geistliche Identität und das Erbe der Vätertradition.

Unser Autor, der judenchristliche Publizist Klaus M. Pülz, wirkt als Schriftsteller und Prediger in Deutschland und Israel; er leitet den Verein “Zelem” (www.zelem.de) und bringt seit Jahrzehnten den “Bote Neues Israel” heraus. 

Sarrazin präsentiert sein Buch „Feindliche Übernahme“ gegen den Islam

Die Einwanderung sowie die hohen Geburtenraten von Muslimen haben „demografische Sprengkraft“ und bedrohen die Stabilität der westlichen Welt. Um das Gewicht der Muslime in Deutschland und Europa nicht weiter zu verstärken, muss man deren Zuwanderung grundsätzlich unterbinden.   

Diese Ansicht vertrat der SPD-Politiker und ehem. Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin bei der Vorstellung seines Buches „Feindliche Übernahme. Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht“ (Finanzbuch Verlag) am 30. August vor Journalisten in Berlin.

Darin kritisiert er die Integrationsdefizite von Muslimen in Deutschland sowie die Unterdrückung muslimischer Frauen. Alle Versuche, den Islam zu reformieren, seien bisher weitgehend gescheitert. In keinem Land, in dem Muslime in der Mehrheit sind, gebe es Religionsfreiheit und eine funktionierende Demokratie.

Sarrazin zufolge ist der Islam keine Religion des Friedens und der Toleranz, sondern der Gewalt. Man müsse den Text des Korans sehr verbiegen, um Menschenliebe, Barmherzigkeit, die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie die Ablehnung von Gewalt abzuleiten. Der Islam sei geprägt von Hass auf Ungläubige, einer expansiven Eroberungskraft sowie Feindseligkeit gegenüber selbstständigem Denken. In islamischen Ländern würden überall religiöse Minderheiten benachteiligt oder unterdrückt.

Nach Worten Sarrazins ist „alles deutlich schlimmer gekommen“, als er vor acht Jahren in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ prognostiziert habe. Der Bevölkerungsaustausch schreite mit „ungeheurem Tempo“ fort. So seien in Wiesbaden acht Prozent der Einwohner Muslime, der Anteil ihrer Geburten betrage bereits 28 Prozent. In Berlin gebe es zehn Prozent Muslime, bei den Geburten seien es 15 bis 20 Prozent.

Quelle und vollständiger Text hier: https://www.idea.de/gesellschaft/detail/thilo-sarrazin-einwanderung-von-muslimen-nach-europa-unterbinden-106407.html


Dr. Philipp Küble über Sündhaftigkeit, Gehorsam und Gewissensfreiheit in der Kirche

Von Felizitas Küble

Der konservative Theologe Dr. Philipp Küble veröffentlichte 1969 seine Dissertation (Doktorarbeit) über „Glaube als christliche Existenz“ (siehe Foto).

Der oberschwäbische Schriftsteller stand der traditionsbewegten Richtung in der katholischen Kirche nahe, ohne sich jedoch von ihr vereinnahmen zu lassen. Stets behielt er seinen eigenständigen und teils auch kritischen Standpunkt.

Dr. Küble, der heute im Ruhestand lebt, war ein Pionier des katholischen Rundfunks und Kassetten-Apostolats schon in den 70er Jahren. Zudem brachte er jahrzehntelang alle zwei Wochen die Zeitschrift „VOX FIDEI – Stimme des Glaubens“ heraus.

Bei allem Konservatismus war er gegenüber einem vernünftigen Fortschritt sehr aufgeschlossen, auch in puncto Computertechnik, die er früh in seiner Redaktion einsetzte. Er wollte gerne die Glaubenstradition mit den modernen Medien verbinden.

Zurück zu seinem Buch „Glaube als christliche Existenz“. Es behandelt auch das heute – angesichts der innerkirchlichen Sexskandale vor allem in den USA – viel diskutierte Thema nach den Sünden innerhalb der Christenheit, nach dem Sinn und den Grenzen des Gehorsams in der Kirche und dem Respekt vor der Gewissensfreiheit des einzelnen Gläubigen.

Wir veröffentlichen hierzu einige nachdenkenswerte Auszüge aus seinem wissenschaftlichen und gleichwohl verständlich verfaßten Werk (S. 242 ff):

„Ohne Christus bedeutet die Kirche nichts“

Die Kirche ist die Fortführung des Lebens und Werkes Christi. Christus ist ihr Haupt und lenkt und belebt sie durch seinen Geist. Sie ist auf innigste mit ihm vereinigt, ohne ihn bedeutet sie nichts.

Ihr Anspruch und ihr Sendungsbewußtsein erregt bei dem außenstehenden Ungläubigen oft Ärgernis. Ihr missionarischer Eifer ist ihm verdächtig oder geht ihm auf die Nerven. Den Ärgernis-Charakter hat die Kirche nicht nur für jene, die draußen sind, sondern auch im Inneren für die Glieder der Kirche selber.

Zudem führt die Sünde in der Kirche, die menschliche Unzulänglichkeit, die Umtriebe des Teufels in ihr zu manchen Fehlentscheidungen, nicht hinsichtlich der geoffenbarten Lehre, wohl aber in der praktischen Verwirklichung des innerkirchlichen Lebens und der konkreten Verwirklichung des Auftrags Christi.

Ungeheuere Prüfungen durch die Kirche

Dem einzelnen kann der ganze Lebensweg durch bestimmte kirchliche Entscheidungen verbaut werden. Das Leben in der Kirche bringt unter Umständen ungeheuere Prüfungen mit sich. Nun fragt  sich, kann ein in den wichtigsten Lebensfragen ungerecht Behandelter ehrlicherweise in der Kirche bleiben? Muß er an ihr zerbrechen und scheitern oder gibt es vielleicht eine positive Lösung?

Wenn ein Betroffener um die Sündhaftigkeit der Kirche weiß und sich darauf eingestellt hat, braucht es für ihn nicht zu einer Krise kommen.

Leider wird in der Verkündigung oft so getan, als ob es in der Kirche kein Unrecht, keine Skandale und dergleichen geben könnte, wenigstens nicht häufig und in unserer Nähe, vielleicht in früheren Zeiten; man bekennt sich zwar vor Gott öffentlich als Sünder, in seinem Amt hüllt man sich aber in das Gewand der Unfehlbarkeit und Selbstgerechtigkeit.

Dies sollte man nicht tun, sondern eher die Gläubigen auf das Sündhafte in der Kirche vorbereiten, darauf hinweisen, um das Verständnis dafür zu wecken, die aus dem Glauben kommende Deutung zu geben und die richtige Haltung in solchen Dingen zu vermitteln.

Nicht am Unrecht in der Kirche „irre werden“

Wer die Armseligkeit der Kirche als ein ihr anhaftendes, notwendiges Merkmal kennt, der regt sich nicht auf, wenn der kirchliche Vorgesetzte ihn nicht recht versteht, wenn ein Priester Ärgernis erregt, ein Bischof abfällt.

Warum sollten für den Gläubigen in der Kirche die mit der christlichen Existenz notwendig verbundenen Prüfungen nicht auch von den Vorgesetzten kommen?

Wer also von seiten der Kirche „Unrecht“ leidet, braucht an ihr nicht irre werden, nicht an ihr zerbrechen oder sich gegen sie erheben.

Vom Sinn und den Grenzen des Gehorsams

Freilich darf man sich hier nicht in einen allzu abwegigen Infantilismus (kindliche Haltung) verirren, wie es nur zu häufig geschieht, wenn Vorgesetzte ihren Untergebenen weismachen wollen, die Untergebenen müßten nur gehorsam sein, dann würde für sie alles zu reichsten Quelle des Segens werden.

Über den Segen, die Würde und die Bedeutung des im Glauben geübten Gehorsams bedarf es keiner besonderen Erklärung; eher muß der Gefahr entgegengearbeitet werden, durch falsche Interpretation und Begründung den Verdacht zu erwecken, das Gewissen der Untergebenen manipulieren zu wollen, die fehlende persönliche Autorität und Fähigkeit zu verdecken und auszugleichen mit dem Appell an den Gehorsam, das übertragene oder erreichte Amt möglichst sorglos und ohne Schwierigkeiten innezuhaben.

Die logische Folge einer angemaßten göttlichen Autorität wäre dann die, daß keine Entscheidung einer Amtsperson sachlich gerechtfertigt sein müßte.

In dieser Logik könnte ein verantwortungsloser und unfähiger Amtsträger eine dauernde Quelle des Segens für seine Untergebenen sein. Die Unsinnigkeit einer solchen, mit der Würde der anvertrauten Untergebenen – gleichgültig, ob Kind oder Erwachsener – schamlos spielenden Auffassung ist nur allzu deutlich.

„Kampf und Auseinandersetzung sind Wesenselemente der Kirche“

Zwei Dinge seien noch hervorgehoben:

Niemals hat ein Vorgesetzter das Recht, Unrecht zu tun. Wie Pilatus muß er auf jeden Fall sein Tun voll verantworten. Die Untergebenen können  nicht alle Heilige sein – und auch die Heiligen sind nicht jederzeit jeder Prüfung gewachsen. Ein Befehl muß also die Situation des einzelnen berücksichtigen und sachlich begründet und gerechtfertigt sein.

Unbeschadet des Gehorsams hat der Untergebene bei unüberwindlichen Schwierigkeiten das Recht, auf falsche Voraussetzungen einer Entscheidung hinzuweisen, Mißstände anzuprangern, wenn Aussicht auf Beseitigung derselben gegeben ist. Kampf und Auseinandersetzung sind Wesenselemente der Kirche, Zeichen ihres Lebens, sie dienen der Besserung kirchlicher Verhältnisse (vgl. Paulus – Petrus: Gal 2,11).

Die unbequemen Kritiker haben in der Kirche durchaus ihren Platz und eine wichtige Funktion, sie zu hören ist nicht nur Klugheit, sondern Pflicht.

Wer in echter Sorge um die Kirche im Glauben an Christus und in Liebe zu ihm bestimmte Dinge bessern will, verdient ebenfalls höchstes Lob.

HINWEIS: Das Buch „Glaube als christliche Existenz“ von Dr. Philipp Küble umfaßt 272 Seiten und kann zum Sonderpreis von 7,50 Euro bei uns bestellt werden: felizitas.kueble@web.de / Tel. 0251-616768


Kardinal Müller kritisiert zeitgeistige Forderungen seitens deutscher Bischöfe

„Protestantisierung“ der kath. Kirche ist keine Lösung

Am 28. Februar 2018 veröffentlichte die katholische „Tagespost“ online ein Interview mit dem ehem. vatikanischen Glaubenspräfekten Gerhard Müller. Der Kardinal äußerte sich im Gespräch mit Regina Einig zu einigen aktuellen innerkirchlichen Themen, die derzeit auf den Nägeln brennen.

Auf die Frage, ob es sich um einen ökumenischen Fortschritt handelt, wenn  – wie von der Dt. Bischofskonferenz kürzlich beschlossen – protestantische Ehepartner in „Einzelfällen“ zur hl. Kommunion zugelassen werden, antwortete der frühere Bischof von Regensburg und Ex-Glaubenshüter kritisch: 

Ein solcher Fortschritt sei nur dann gegeben, wenn man dem „großen Ziel der Einheit der Christen“ näherkomme. Die Kirche besitze über die Sakramente des HERRN „keine Verfügungsgewalt“.  Zudem müsse geklärt werden, ob Bischofskonferenzen „im Einzelfall“ ihre Kompetenzen nicht überschreiten, etwa wenn „in der praktischen Konsequenz“ etwas herauskomme, was „mit dem Glauben nicht vereinbar“ sei.

Auch wenn in jenem Beschluß lediglich von „Einzelfällen“ die Rede sei, so betrachte er diese Formulierung als „rhetorischen Trick“: Christus hat das Lehramt nicht gestiftet, um Prozesse anzustoßen, die in Verwirrung führen.“

Das Lehramt sei den Hirten der Kirche nicht übertragen worden, „um Macht über andere auszuüben“; vielmehr müßten sie die „Lehre Christi“, die ihnen „anvertraut“ wurde, „treu und unverkürzt allen Gläubigen weitergeben“. Es gehe keineswegs darum, „die Zugehörigen zur eigenen ideologischen Gruppe“ zufriedenzustellen: „Bischöfe und Priester verursachen nicht die Gnade, sondern verwalten nur die Sakramente der Gnade, wie die katholische Tradition fein unterscheidet.“

Grundsätzlich hält Kardinal Müller fest: „Fortschritte in der Ökumene sind wünschenswert und notwendig. Aber aus katholischer Sicht können sie nicht in Richtung einer Protestantisierung der katholischen Kirche gehen“.

Weitere „Einzelfall“-Debatten gab es in den letzten Wochen auch zum Thema kirchliche Segnung  homosexueller Partnerschaften, angestoßen vor allem durch entsprechende Äußerungen von Bischof Bode und Kardinal Marx.

Dazu erklärt Müller folgendes: „Von den Geboten Gottes gibt es keine Ausnahme, weil sie immer das Heil des Menschen im Sinne haben. Die Umstände können aber den Anteil meiner Schuld vergrößern oder vermindern. Hier ist Gott allein der Richter über jeden Menschen…Segnen heißt gutheißen gemäß dem Sinn, den Gott in die Einrichtungen seiner Schöpfung und an allererster Stelle in die Personen selbst gelegt hat.

Niemand verurteilt einen Menschen mit homosexuellen Neigungen als Person…Doch wenn homosexuelle Handlungen dem Willen Gottes widersprechen, kann niemand dafür den Segen Gottes erbitten. Pastorale Hilfe sieht anders aus und dient dem Frieden der Seele nur dann, wenn sie auf dem Boden der Wahrheit bleibt.“

Vollständiges Interview mit Kardinal Müller hier: https://www.die-tagespost.de/kirche-aktuell/Der-Glaube-wird-relativiert;art312,186356

Foto (Müller): Bistum Regensburg

 

 


Evangelische Glosse über den „Fortschritt“ der EKD: sie schreitet fort von Gottes Wort…

Von Jürgen Diestelmann (ev. Pfarrer i.R.)

Als „Ich-auch-Christen“ wurden während des Dritten Reiches die „Deutschen Christen“ bezeichnet, weil sie die evangelische Kirche und ihre Verkündigung der Ideologie des Dritten Reiches anzupassen suchten. Dies kommt mir im Hinblick auf die heutige EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) in den Sinn, denn auch heute gibt es wieder „Ich-auch-Christen“.

„Ich-auch-Christen“: dieses Wort hörte ich zum ersten Mal, als am 8. April 1942 meine Großmutter ihren 80. Geburtstag feheader_buchierte. Mitten im Krieg  –  ich war damals 14 Jahre alt  –  konnte meine Großmutter alle ihre Kinder  –  sieben Söhne und eine Tochter  –  um sich versammeln, und ich hörte, wie die Generation meines Vaters über das Dritte Reich und die „Deutschen Christen“ dachte. Das war ganz anders als das, was man täglich über den „Großdeutschen Rundfunk“ hören konnte.

Mir ist dieses familiäre Zusammensein unvergeßlich, vor allem wegen der Gespräche, die dabei geführt wurden. Natürlich bewegte alle die Sorge um die politische Lage mitten im Krieg. Aber auch mancherlei politische Witze machten die Runde. Diese zu erzählen war damals  –  wie jedermann weiß  –  nicht ungefährlich.

Aber als Vierzehnjähriger konnte ich an den Pointen dieser Witze wahrnehmen, wie die Generation meines Vaters das NS-Regime beurteilte. Die sog. „Deutschen Christen“ wurden als „Ich-auch-Christen“ bezeichnet, weil sie offensichtlich jeder gängigen Anschauung der Nazis nachliefen, um ihr mit dem Ruf „Ich auch!“ zuzustimmen.

Inzwischen ist das „Dritte Reich“ und die Naziideologie zwar längst (mit den bekannten entsetzlichen Folgen) zu Ende gegangen  – und es mag wohl noch Unverbesserliche geben, die dem nachtrauern. 

Auch heute gibt es „Ich-auch-Christen“…

Aber viel erschreckender ist die merkwürdige Erscheinung, daß es immer wieder Kirchenvertreter gibt, die meinen, die Kirche müßte „in“ sein, indem sie stets der gerade herrschenden Ideologie hinterherrennt und „Ich auch!“ ruft. Dies scheint unausrottbar zu sein. Anders ist es nicht erklärbar, daß man heute in der EKD nun mehr sogar ganz offiziell der sog. „Gender-Ideologie“ folgt. 

Pfr. Jürgen Diestelmann

Pfr. Jürgen Diestelmann

Selbstverständlich wird mit dieser Feststellung den heutigen EKD-Oberen keine Nazigesinnung unterstellt, aber der formale Gedankenablauf, der ihr Handeln bestimmt, weist manche Ähnlichkeit mit dem damaligen „Ich auch“ auf.

Immer wieder gibt es gesellschaftlichen Gruppen, die ihren Herrschaftsanspruch ebenso resolut anmelden wie die „Deutschen Christen“ zu ihrer Zeit. Und ebenso eifrig rufen manche Kirchenvertreter „Ich auch!“ und folgen den angeblich fortschrittlichen Ideologien.

Anders ist es nicht zu erklären, daß man nun bestrebt ist, zu segnen, was Gott nicht gesegnet hat. Was der heilige Gott in der Schöpfung so weise geordnet hat, soll auch in der Kirche mit anderen Formen des Zusammenlebens gleichgestellt werden. Auch die letzten Gemeinsamkeiten der Christenheit werden damit preisgegeben.

Die „Deutschen Christen“ mit ihrer „Ich-auch“-Ideologie hielten sich damals für fortschrittlich  – und die heutigen „Ich-auch“-Kirchenvertreter wollen dies offenbar auch sein. Tatsächlich ist man aber in der EKD mit derartigen Verhaltensweisen auf andere Weise sehr fortschrittlich: Man schreitet immer weiter fort – nämlich fort vom Worte Gottes.

Man weiß offenbar nichts mehr vom Unterschied zwischen dem Reich Gottes und dem Reich dieser Welt, zwischen geistlichem und weltlichem Regiment. So verliert man sein eigenes Profil. Es ist kein Wunder, daß so viele Kirchenmitglieder dieser Organisation den Rücken kehren  –  längst sind dies nicht mehr nur die Ungläubigen.

Ein Schlagwort, das kürzlich kursierte, kann auch auf die evangelische Kirche angewendet werden: Sie schafft sich selber ab. Aber Jesus sagt: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“ (Joh 18,36).  –  Und: „Meine Schafe hören Meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir“ (Joh. 10,27).

HIER folgt die Webseite dieses evangelisch-lutherischen Pastors i.R.: http://www.luther-in-bs.de/person.htm