Kritischer Zwischenruf eines deutsch-israelischen Autors zur Politik der EU

Von Klaus Moshe Pülz

Zu den weltweiten Endzeitzeichen gehört auch die Vergemeinschaftung der Schulden im Zuge einer europäischen Haftungsunion.
Fest steht, daß es der deutschen Bevölkerung noch niemals so gut ging wie in der Aufbauphase der Bundesrepublik Deutschland unter den Wirtschafts- und Finanzministern Erhard und Schiller. Erst die Insistierungen des französischen Präsidenten Mitterand veranlaßten den deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl, die harte und zuverlässige Deutsche Mark einer dubiosen europäischen Gemeinschaftswährung zu opfern; einer Währung, die von den Maastrichtverträgen her definiert wurde und die keine Verschuldung über drei Prozent zuläßt.
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Kein Land hatte sich an diese Kriterien gehalten. Die unfähigen Juristen hatten bei den Vertragsverhandlungen nicht einmal einen Liquidationsparagraphen berücksichtigt, der bei betrügerischen Falschinformationen eines Mitgliedslandes wie Griechenland den Ausschluß vorsieht.
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Im Gegenteil: Griechenland erhält zum dritten Mal Milliardenchargen für seine marode Wirtschaftspolitik, bei der die Reichen noch immer nicht zur Kasse gebeten werden, wobei die Steuerfahndung noch immer nicht funktioniert, so daß reicher Griechen in Luxemburg, Panama, Singapur und anderen Steueroasen ihre Geldüberschüsse und fälligen Steuern verstecken.
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Ausgerechnet der Europäische Kommissionspräident Jean-Claude Juncker weiß sehr wohl um diesen permanenten Betrugsprozeß in seinem Lande und genießt noch immer die Vorteile seines hohen Amtes.
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Als erster Austauschschüler nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen Deutschland und Frankreich und seit 58 Jahren Ehemann einer Französin kenne ich bestens die Verhältnisse in Frankreich und weiß allzu gut, wie neidisch die Franzosen wegen der Wirtschaft und der harten DM-Währung ihrer deutschen Nachbarn eine Ablösung der DM geradezu herbeisehnten. Ohne sein Volk im Zuge eines Referendums zu befragen, ließ sich Kohl auf diesen irrwitzigen Deal ein, so daß sich daraus eine Gemeinschaftswährung verschiedener Geschwindigkeiten entwicklte. 
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Zu allem Überfluß stellte der zahlungskräftigste Staat Deutschland mit 27 Prozent in die Brüsseler Kasse nicht einmal den Präsidenten der Europäischen Zentralbank EZB, sondern ausgerechnet mit Mario Draghi ein Italiener, der bei Goldman-Sachs in die Schule ging.
Gerade er sorgt mit dem Aufkauf maroder Anleihen dafür, daß seine italienischen Banken solvent bleiben – auf Kosten der deutschen Sparer, die zum ersten Mal in der deutschen Nachkriegsgeschichte für ihre Einlagen keinerlei Zinsen mehr erhalten.
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Dafür schwärmen die gleichgeschalteten Medien von Exportüberschüssen, weil auf diese Weise deutsche Waren wegen der billigen Kredite günstiger im Einkauf sind. An die wachsende Kinderarmut und die 21 Millionen Renter, die bislang auch von ihren Zinsen lebten, sprechen die abgehobenen Politiker nicht. Fürwahr ein Skandal.
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Aus Mangel an Wahlmöglichkeiten wählten die Bundesbürger sogar in NRW die SPD ab. Es ist der AfD aufgrund ihrer Tölpelhaftigkeit zu verdanken, daß sie aus den   Startlöchern nicht herauskommt. Zuviel Querelen zermürben diese Partei, die eigentlich gute Denkansätze zeigt, damit es in Deutschland endlich gerechter zugeht.
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Vor allem der Zuzug von muslimischen Wirtschaftsflüchtlingen, die nicht einmal von reichen arabischen Ölstaaten aufgenommen werden, verändern das Gesicht des dereist jüdisch-christlichen Abendlandes in einen Mullah-Staat.
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Wir hier in Israel wissen dies besser zu beurteilen und verstehen eine solche deutsche Politik keineswegs; noch weniger, wenn der junge Usurpator Macron auf einen europäischen Finanzminister drängt, der dann direkte Verfügungsgewalt auf die deutschen Steuergelder hätte, ohne jemals vom Volke direkt gewählt worden zu sein.
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Von der theologischen Seite her können wir eine solche Entwicklung aus Matthäus Kap. 24 ableiten, wo im Rahmen der eschatologischen Entwicklung von Kriegen und Kriegsgeschrei, von falschen Propheten (Mohammed), teurer Zeit, Lieblosigkeit, Unmoral etc. die Rede ist.
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Dabei versagt gerade die Kirche, um im Staat für Recht und Gerechtigkeit zu sorgen, anstatt sich zu allen Zeiten konformistisch anzupassen. Unser Messias-Christus hat hier andere Auffassungen vertreten, wenn er sich nicht mit den Herrschenden identifizierte, sondern mit dem Mann auf der Straße (hebr.: am ha’aretz).
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Ich kann daher nur hoffen und wünschen, daß dieser mein Zwischenruf auf fruchtbaren Boden fällt zum Wohle jenes Volkes, wo einst meine Wiege stand!  
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Schalom aus Israel
Klaus Moshe Pülz
 
Unser Autor, der judenchristliche Publizist Klaus M. Pülz, wirkt als Publizist und Prediger in Deutschland und Israel; er leitet die “Messianische Bekenntnisgemeinschaft” sowie den Verein “Zelem” (www.zelem.de) und bringt seit Jahrzehnten die Zeitschrift “Bote Neues Israel” heraus. 

AfD kritisiert europapolitische Forderungen Macrons: Griff nach deutschem Geld

Zum Ausgang der Präsidentschaftswahlen in Frankreich erklärt das AfD-Bundesvorstandsmitglied Paul Hampel:

„Es ist erstaunlich, wie die Vertreter der etablierten Parteien und Medien in Deutschland den Wahlsieg Emmanuel Macrons unisono feiern und bejubeln.
 
Denn seine Forderungen nach einem Euro-Finanzministerium, einer Schuldenunion und vor allem einem milliardenschweren europäischen Investitionsprogramm müssten aufhorchen lassen. Macrons Sieg bedeutet für Deutschland vor allem eines: Es wird sehr teuer.

Denn woher soll das Geld dafür fließen, wenn nicht aus dem sprudelnden deutschen Steuersäckel? Aus französischer Sicht ergeben Macrons Forderungen durchaus einen Sinn. Er will die wirtschaftliche Misere seines Landes mit deutschem Geld in den Griff bekommen.
 
Man muss zur Kenntnis nehmen, dass Marine le Pen mit elf Millionen Stimmen das beste Wahlergebnis der Nationalkonservativen in der Geschichte der 5. Republik erzielt hat. Damit setzt sich die Erfolgsserie der Anti-Establishment-Bewegung fort.

Macron, der keine Partei, sondern nur eine Bewegung hinter sich hat, könnte sehr schnell zum Getriebenen werden, wenn er nicht umgehend liefert. Die französischen Parlamentswahlen im kommenden Monat sind dafür der erste Lackmustest.


Frankreich: Kandidat der regierenden Sozialisten mit 6,2% abgeschlagen

Emmanuel Macron hat laut Prognose die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahl für sich entschieden. Der 39 Jahre alte unabhängige Kandidat landete in einem Kopf-an-Kopf-Rennen vor Front-National-Chefin Marine Le Pen auf Platz 1. 

  Beide treten nun am 7. Mai in der Stichwahl gegeneinander an.

Emmanuel Macron erreichte 23,7 Prozent, gefolgt von Le Pen, die der Prognose zufolge auf 21,7 Prozent kam. Zum ersten Mal in der Geschichte der Fünften Republik ist damit keine der beiden großen Parteien mit ihrem Kandidaten in der Stichwahl vertreten.

Der Bewerber der Republikaner, François Fillon, der sich im Wahlkampf Korruptionsvorwürfen und staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ausgesetzt sieht, kam mit 19,5 Prozent auf den dritten Platz.

Dasselbe Ergebnis sagt die Prognose auch dem unabhängigen sozialistischen Bewerber Jean-Luc Mélenchon voraus. Der Kandidat der Sozialistischen Partei des scheidenden Präsidenten François Hollande, Benoît Hamon, erreichte 6,2 Prozent.

Quelle: https://jungefreiheit.de/politik/ausland/2017/macron-und-le-pen-ziehen-in-stichwahl-ein/


Die „Sicherheitskonferenz“ auf dem Prüfstand

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Am 18./19. Februar fand in München die 53. „Sicherheitskonferenz“ statt. 30 Staats- und Regierungschefs, mehr als 70 Außen- und Verteidigungsminister kamen dazu nach München.

Eine Veranstaltung der Superlative! Sie wurde von einem riesen Aufgebot von Polizisten abgesichert. Im Vorfeld wurde diese Konferenz als „historisch“ qualifiziert.

Was ist das Ergebnis? Hat diese Sicherheitskonferenz mehr Sichegindertrheit für die Welt gebracht? Sind Probleme gelöst worden, die die Sicherheit gefährden, z.B. in der Ukraine, in Syrien, zwischen Israelis und Palästinensern, im Kampf gegen die Terroristen der IS, in Afghanistan, in der Auseinandersetzung zwischen Iran und Saudi Arabien? Man könnte noch einige Krisenherde hinzufügen.

BILD: Prof. Gindert leitet den Kongreß „Freude am Glauben“ und das „Forum Deutscher Katholiken“

Es haben sich keine der ehemaligen Verfeindeten miteinander ausgesöhnt. Konferenzteilnehmer haben meist gut bekannte Statements abgegeben. Die Amerikaner haben von ihren NATO Partnern gefordert, ihre Verteidigungsanstrengungen auf 2% der Wirtschaftskraft ihres Landes anzuheben. Für Deutschland liegt der Wert bei derzeit 1,2%. Die Forderungen der Amerikaner sprechen auch nicht dafür, dass man die Sicherheit für gefestigt ansieht.

Von einer Aufbruchsrhetorik, die Begeisterung und eine Zukunftsperspektive weckt, war wenig zu spüren. Da geht der Blick in die Geschichte zurück.

Vor rund 200 Jahren gab es auch einen Kongress. Er hieß „Wiener Kongress“ und versuchte nach den Napoleonischen Kriegen eine Neuordnung und einen Ausgleich zwischen den Kriegsparteien. Das besiegte Frankreich war Verhandlungspartner. Die Monarchen nannten sich damals noch „von Gottes Gnaden“.

Sieht man von Kriegen ab, in die einzelne Länder verwickelt waren, dauerte es rund 100 Jahre bis zum nächsten großen Krieg, es war der 1. Weltkrieg. Nach ihm diktierten die Sieger einen Diktatfrieden. Die Besiegten saßen nicht am Verhandlungstisch. Die Sieger bemühten sich nicht um einen Frieden, der zugleich ein Ausgleich war. Die Folgen sind bekannt.

Nach dem II. Weltkrieg gab es zwischen den „Erbfeinden“ Deutschland und Frankreich eine echte Zukunftsperspektive und einen dauerhaften Frieden mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft als Vehikel. Die Friedensordnung schufen Robert Schumann, Konrad Adenauer und Alcide de Gaspari. Alle drei waren praktizierende Christen, um es genauer zu sagen: Katholiken.

Die christliche Haltung dieser drei Staatsmänner war wichtiger als ihre Nationalität. Da fällt einem bei der „historischen“ 53. Sicherheitskonferenz von München und ihren Ergebnissen das Wort Christi ein „Ohne mich könnt ihr nichts tun“, wenn es Bestand haben soll.


Frankreich: Bei Online-Beratung gegen Abtreibung bis zu zwei Jahren Haft

Mathias von Gersdorff

Internetseiten, die Frauen von einer Abtreibung abhalten wollen, sind von nun an in Frankreich verboten. Eine entsprechende Gesetzvorlage der sozialistischen Regierung fand eine Mehrheit im Parlament. gersdorff

Das Gesetzesprojekt kommt aus dem Gleichstellungsministerium, welches unter der Leitung der Sozialistin Laurence Rossignol steht. Abtreibung sei ein Recht der Frau, und man dürfe keinen „moralischen Druck“ im Internet ausüben, so die Begründung des Gesetzes.

Für die Behinderung von Abtreibung sieht das neue Gesetz Strafen von bis zu zwei Jahren Haft oder eine Geldstrafe von 30.000 Euro vor.

Über das haarsträubende Vorhaben der französischen Linken gab es im Vorfeld eine heftige Debatte, an der sich auch die katholischen Bischöfe beteiligt haben.

Georges Pontier, Erzbischof von Marseille und Vorsitzender der Bischofskonferenz, erklärte, dass das neue Gesetz „die Fundamente unserer Freiheiten und vor allem der Redefreiheit in Frage“ stellt: „Das Recht auf Rede- und Meinungsfreiheit ist eine der tragenden Säulen unserer Demokratie.“

Zur Abtreibung erklärte der katholische Oberhirte:

„Wir erleben das sukzessive Vordringen einer Stimmung, die in sehr vielen Fällen dem starken Ermutigen oder sogar dem Erzwingen von Abtreibung vorarbeitet. Die dafür eingerichteten Internetseiten, auf denen die Menschen in einen Dialog eintreten und diskutieren können, werden jetzt unter Generalverdacht gestellt… Dass Menschen sich an diese Internetseiten wenden, zeigt auch, dass sie sonst keine andere Anlaufstelle kennen, an die sie sich mit ihren Fragen und Sorgen wenden könnten!“ 

Foto: CDL, M. LöhrIn Deutschland gab es in den letzten Jahren ebenfalls immer wieder Versuche, Lebensrechtler zu kriminalisieren. Dem „Lebenszentrum München“ etwa wurde verboten, sogenannte „Gehsteigberatungen“ von Frauen vor Abtreibungskliniken zu organisieren. Aber der Verein wehrte sich gerichtlich  –  und erhielt recht.

Google verbietet jegliche Werbung für Lebensrechts-Seiten. Trotz massiver Kritik von Lebensrechtsorganisationen, die darin eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit erkennen, hat der Internetriese seine Unternehmenspolitik in dieser Hinsicht bislang nicht geändert.

Die französischen Sozialisten gehen mit ihrem Gesetz zur „digitalen Behinderung des Schwangerschaftsabbruchs“ nun noch einen Schritt weiter. Darin wird definiert, welche Darstellung von Fakten richtig und welche falsch ist. Doch damit wird die Meinungsfreiheit bzw. das Recht, gegen Abtreibung zu sein, eingeschränkt.

Der Europäische Menschengerichtshof in Straßburg kam in einem Urteil zu einem anderen Ergebnis: An Betreibern von Internetseiten gegen Abtreibung sei nichts zu beanstanden. Es gelte erst dann einzuschreiten, wenn zur Gewalt aufgerufen werde oder der Tatbestand einer persönlichen Beleidigung gegeben sei.

Französische Lebensrechtler sind dabei, auf die Barrikaden zu gehen. So hat die Organisation „Droit de Naitre“ eine Protestaktion an den Fraktionsvorsitzenden der Sozialisten in der Nationalversammlung, Bruno Le Roux, angekündigt.

Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ (Frankfurt) und die Internetseite http://kultur-und-medien-online.blogspot.de/

Infos über praktische Wege zur Internetberatung gegen Abtreibung hier: https://charismatismus.wordpress.com/2016/12/17/wie-gelingt-ehrenamtliche-internetberatung-fuer-frauen-in-schwangerschaftskonflikten/

Fotos: Gersdorff, Mechthild Löhr


CSU bejubelt Einführung der Maut: Endlich Gerechtigkeit für Deutschland

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc haben sich auf die Einführung der deutschen Pkw-Maut geeinigt. Damit steht fest: Die Maut kommt. – Das ist ein großer Erfolg für die CSU, die die Einführung der Pkw-Maut seit Jahren massiv vorangetrieben hat.   csu

Verkehrsminister Dobrindt sagt: „Wir schaffen damit einen Systemwechsel von der Steuerfinanzierung hin zur Nutzerfinanzierung. Es wird keine Mehrbelastungen für inländische Autofahrer geben. Zukünftig wird jeder, der unsere Autobahnen nutzt auch einen angemessenen Beitrag an der Finanzierung leisten.“

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer erklärt:

„Versprochen – gehalten! Die CSU löst das Wahlversprechen ein: Die Maut kommt! Europarechtskonform, ohne Mehrbelastung für inländische Kfz, wichtige Mehreinnahmen für unsere Infrastruktur. Endlich herrscht Gerechtigkeit auf Deutschlands Straßen. Unser Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat durchgesetzt, was alle Zweifler, Nörgler und Kritiker nicht für möglich halten wollten.“

Die CSU hat jahrelang für eine Pkw-Maut gekämpft, weil sie für mehr Gerechtigkeit auf deutschen Straßen und für mehr Geld für die Verkehrsinfrastruktur sorgt. In vielen europäischen Ländern – z. B. Österreich, Italien, Schweiz oder Frankreich – müssen wir Maut zahlen, während bei uns Reisende aus dem Ausland bislang kostenlos fahren und nichts zur Finanzierung unserer Straßen beitragen.

Mit der Pkw-Maut müssen sich ausländische Fahrzeughalter und Mitnutzer unserer Straßen nun endlich ebenfalls an der Finanzierung beteiligen. Damit schließen wir eine Gerechtigkeitslücke.

Quelle und Fortsetzung der Meldung hier: http://www.csu.de/aktuell/meldungen/dezember-2016/riesen-erfolg-fuer-die-csu/


Vorwahlen in Frankreich belegen einen lebendigen Politikstil ohne PC-Scheuklappen

Von Peter Helmes

Damit hatte niemand gerechnet: François Fillon hatte bereits in der ersten Runde der Vorwahlen für den Spitzenkandidaten der konservativen Republikaner in Frankreich mit einem Vorsprung von rund 16 Prozent der Wählerstimmen den favorisierten Alain Juppé auf Platz zwei verwiesen – und Nicolas Sarkozy ins politische Abseits.  peter-helmes-227x300

Mehr als vier Millionen Franzosen gaben ihre Stimme ab – ein deutliches Signal gegenüber den 2,7 Millionen bei der entsprechenden Vorwahl der Sozialisten 2011. Das war wohl auch ein Zeichen für den Wunsch nach einem Wechsel im Präsidentenamt. Im zweiten Vorwahlgang am letzten Sonntag, den 27.11., obsiegte Fillon gegen den vermeintlichen Favoriten Juppé mit 66,5 Prozent – ein überaus deutliches Ergebnis.

Der „ewige Zweite“ war fünf Jahre lang Premierminister unter Präsident Sarkozy, der sein Verständnis von Präsidentsein einmal plastisch beschrieben hatte: Er, der Präsident, sei „le patron“, der Chef, der Premierminister dagegen nur „un collaborateur“, „ein Mitarbeiter“. Ist das die Blaupause für eine eventuelle Amtszeit Fillons?

Es wird Zeit, von den Franzosen zu lernen!

Die hohe Wahlbeteiligung spricht gegen das Gerede von der Politikmüdigkeit – jedenfalls in Frankreich. Das Instrument „Vorwahlen“ hat die Franzosen begeistert und frischen Wind ins Land getragen. Undenkbar in Deutschland, wo lieber Posten und Listen in Hinterzimmern verschachert werden – aktuell zu besichtigen bei der Vor-Kür des nächsten Bundespräsidenten! Es wird Zeit, von den Franzosen zu lernen!  0016

Es zeigte sich, daß sich die Demokratie in diesem französischen Vorwahlkampf von ihrer besten Seite geben konnte. Die Wahldebatten verliefen ohne Klamauk und Beleidigungen – anders als noch vor Jahren, als sich die konservativen Kandidaten im Streit um den Parteivorsitz gegenseitig mit Schmutz beworfen hatten. Sachargumente bestimmten diesmal die Debatte.

Schon fünf Monate vor der Präsidentschaftswahl hatten die Konservativen bis in Details ausgearbeitete Programme zum Umbau der Gesellschaft vorgelegt, die jetzt in aller Öffentlichkeit weiterdiskutiert werden können. Dieses Beispiel werden die berüchtigten Strippenzieher bei SPD und Union zur Kenntnis nehmen müssen – spätestens im Herbst nächsten Jahres.

Überschneidungen mit dem FN

Im „rechten“ Lager der Franzosen tut sich was. Für Frau Marine Le Pen wird es enger, als bisher vermutet werden konnte. Mit Fillon kommt ein echter Konservativer in die Politik zurück. Frankreichs bürgerliche Rechte hat sich an das Experiment der Vorwahlen herangewagt, Marine Le Pens Front National (FN) scheute diesen Schritt, die Sozialisten wollen ihn im Januar gehen. Nebenbei bemerkt: Bei beiden Wahlgängen kamen jeweils rund 15 Prozent der Fillon-Stimmen von Sympathisanten der Linken.

Die Politologin Claire Demesmay von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik hält Marine Le Pen sogar für „die große Verliererin“ der Vorwahl der französischen Konservativen. François Fillon sei eine echte Alternative, es gebe Überschneidungen mit dem Programm des Front National. „Es könnte sogar sein, daß er noch bessere Ergebnisse dank Front National-Wählern bekommt“, sagte Demesmay im DLF (28.11.16).

Fillon hat – ähnlich wie früher Le Pen – die Dörfer, die kleinen Städte besucht. Er ging genau dort hin, wo Marine Le Pen sich gerne als „Anwältin des vergessenen Frankreich“ verkauft. Fillons Erfolg auf diesem Terrain hat die FN-Chefin unruhig gemacht, was sich in der zurückliegenden Woche an den Reaktionen des Front National beobachten ließ.

Frankreichs Souveränität stärken

Letzte Umfragen in unserem Nachbarland besagen, er habe gute Chancen gegen Marine Le Pen in einer Stichwahl. Und auch sein politisches Programm kann mit dem FN konkurrieren: picture-45

Fillons Programm in der Wirtschaftspolitik z. B. enthält (für französische Verhältnisse) sehr liberale Forderungen, die wenig mit Staatsgläubigkeit und staatlicher Wirtschaftslenkung zu tun haben: Rentenalter, 39-Stunden-Arbeitswoche, deutliche Kürzungen im Beamtenapparat usw. heißen die Reizworte.

Fillon hat sich in gesellschaftspolitischen Fragen auf einen Wertekanon berufen, der im ländlichen, provinziellen Frankreich noch gilt. Er hat damit vielen Konservativen die Hoffnung auf eine vertraute politische Heimat zurückgegeben.

Kein Zweifel, Fillon wird „toute la France“ in wirtschaftsliberalem Geiste von Grund auf umkrempeln. Fillon beschreibt die französische Krankheit mit schonungsloser Diagnose – übrigens nicht erst, seitdem er Präsidentschaftskandidat der Konservativen ist. Und generell vertritt Fillon auch sehr konservative Werte bei gesellschaftlichen Fragen. Er verkörpert glaubwürdig das traditionelle, das katholische Frankreich.

Hinzu kommen seine klare Haltung zum Patriotismus, was den Franzosen nicht nur bei Le Pen gefällt  –  und seine Vorstellungen zur Außenpolitik, vor allem zu Russland (er möchte z.B. die Sanktionen gegen Russland aufheben).

Beim Thema Europa wird die europaselige Angela Merkel aufhorchen müssen: Fillon hatte und hat sehr klare Vorstellungen von einem Europa der Vaterländer, für ein Europa der Nationen, weil er Frankreich als souveränes Land erhalten möchte.

Ohne auf Einzelheiten, die sich bis zur Wahl noch ändern könnten, einzugehen, darf man jetzt schon viele Überschneidungen zwischen dem aktuellen Programm Fillons und dem Programm von Marine Le Pen feststellen. Kurz, Fillon zeigt, daß sich auch mit unbequemer Wahrheit und mit Klarheit Wahlen gewinnen lassen.

Überraschend auch das Verhalten der französischen Medien. Da herrschten Leben, Meinungsverschiedenheit und Nutzen für die Leser – ganz anders als die deutsche gleichgeschaltete Linkspresse. Mehr noch: Gerüchte und Fakten, die im Internet kursieren, wurden für die Bürger nach Möglichkeit identifiziert, man versuchte zu ermitteln, was wahr ist und was falsch. Das wünschte man sich auch für unser Land.

Unser Autor Peter Helmes ist politischer Publizist und er betreibt die liberal-konservative Webseite www.conservo.wordpress.com