Bistum Essen: Was die Propsteigemeinde in Bochum sich unter „Pastoralplan plus“ vorstellt

Von Felizitas Küble

Seit dem Jahr 2010 steigen die Kirchensteuereinnahmen beider Konfessionen regelmäßig und ununterbrochen. (Die FAZ hat hierüber bereits am 5.10.2014 berichtet: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/rekord-einnahmen-bei-den-kirchen-13189915.html

In den letzten beiden Jahren gab es erneut Rekord-Einnahmen für die katholischen und evangelischen Kassen  –  und dies trotz sinkender Kirchenmitglieder. Der Grund: Die günstige Situation auf dem Arbeitsmarkt bzw. bei den Löhnen und Gehältern.

Die anhaltende finanzielle Sprudelquelle hindert aber viele Bischöfe keineswegs daran, eine Kirche nach der anderen zu schließen bzw. das Gotteshaus für andere Zwecke umzugestalten.

Dies zeigt sich besonders deutlich im Bistum Münster (dort verwenden regionale Tageszeitungen seit Jahren den Ausdruck „Kirchensterben“ in ihren Überschriften) sowie im Ruhrbistum Essen. (Hier eine Auflistung profanierter Kirchen in Essen: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_profanierter_Kirchen_im_Bistum_Essen)

Drastische Mittelkürzung durch die Bistumsleitung

Zur Diözese Essen gehört auch die Stadt Bochum mit ihrer Propstei-Großpfarrei, einer Fusion von früher acht verschiedenen Gemeinden.

Im neuesten „Info-Brief Nr. 5“ dieser Mega-Pfarrgemeinde wird der „Pastoralplan plus“ erwähnt, über den kürzlich eine Gemeindeversammlung diskutiert habe. Sodann heißt es wörtlich:

„Aufgefordert zu diesen Aktivitäten wurden alle Pfarreien unseres Bistums durch eine neuerliche Ankündigung der Beschränkung finanzieller Mittel im Zeitraum 2017 bis 2030 um mindestens 30%, später 50%. Diese Mittelkürzung betrifft vor allem den Etat zur Unterhaltung und Instandhaltung unserer Kirchen und kirchlichen Gebäude.“

Das muß man sich doppelt auf der Zunge zergehen lassen:

Bischof Franz-Josef Overbeck von Essen hat trotz steigender Kirchensteuereinnahmen eine drastische Mittelkürzung für die Pfarrreien seiner Diözese verfügt – und damit nicht genug, dieser Einschritt betrifft vor allem die Gotteshäuser und kirchl. Gebäude.

Obwohl im Bistum Essen schon unter der vorherigen Amtsführung von Bischof Felix Genn (heute Oberhirte von Münster) über 70 Kirchen abgerissen, geschlossen, umgewidmet, zweckentfremdet oder sonstwie profaniert wurden, soll das Kirchensterben in diesem kleinen Bistum offenbar munter fortgesetzt werden  –  als ob die seelenlose Zusammenlegung früher selbständiger Pfarrgemeinden zu unübersichtlichen Mega-Pfarreien nicht schon schlimm genug wäre.

Kirchen auch für „Karneval und Kaffeeklatsch“

Passenderweise heißt es in dem erwähnten „Info-Brief“ der Bochumer Propstei-Gemeinde, geplant sei für die Zukunft der „regelmäßige Wechsel aller Priester in allen Kirchen (und Krankenhäusern)“.

Das bedeutet: Die Gläubigen haben in ihrem jeweiligen Kirchort keinen regelmäßigen Geistlichen als Ansprechpartner. Der Pfarrer ist nicht mehr der „Vater seiner Pfarrei“, zuständig und vertraut für seine „Schäflein“, sondern es erfolgt ein ständiges Kommen und Gehen der Priester, was seelsorglich das Allerletzte ist  –  und so etwas nennt sich dann „Pastoralplan plus“, obwohl es „minus“ heißen müßte!

Das „Pastoralteam“ dieser Großpfarrei entwickelt unter dem Druck der Sparmaßnahmen von oben weitere merkwürdige Vorschläge.

So heißt es zunächst an sich zutreffend, man wolle „möglichst viele unserer Kirchen für das Pfarreileben erhalten und eher Gemeinderäume schließen als Kirchen“. – Tatsächlich wäre dies das kleinere Übel.

Aber was dann folgt, macht diese Überlegung zum Eigentor: „Auch müssten Kirchen dann ggf. umgestaltet oder aufgeteilt werden, so dass ie auch Raum böten für Begegnungen und Sitzungen, für Karnevel und Kaffeeklatsch.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Jugendverlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Bistum Essen: Der „Dialogprozess“ bietet eine Kirche nach dem Zeitgeschmack

In diesen Tagen feiern wir den 100. Geburtstag des unvergessenen großen Franz Josef Strauß. Man muss mit seiner Politik nicht immer übereingestimmt haben, aber etwas hatte er bestimmt: nämlich Grundsätze.  flyerstralsund2

Dies kann man seinem Namensvetter auf dem Essener Bischofsstuhl nicht immer nachsagen. Kaum war Franz Josef Overbeck neuer Oberhirte in unserem Bistum geworden, äußerte er sich im April 2010 in einer Talkshow bei „Anne Will“ kritisch über Homosexualität, was zu heftigen Kommentaren in der Medienwelt führte. 

Doch diese „konservative Welle“ war von denkbar kurzer Dauer. Ob dieser Vorgang auch heute noch, gut 5 Jahre später, in jener Weise geschehen würde?  – Ich glaube kaum.

Der sog. „Dialogprozess“ im Bistum Essen, federführend von Bischof Overbeck und seinem Generalvikar Klaus Pfeffer verantwortet, sprach sich bereits für die Gleichstellung und Anerkennung von Homosexuellen und deren Lebensgemeinschaften aus.

„Zukunft auf katholisch?“

Entsprechende Aussagen und Informationen findet man in der amtlichen Dokumentation „Zukunft auf katholisch – lebendige Kirche im Dialog“. Radio Vatikan

Unter dem Stichwort, die Kommunionbank sei keine Richterbank  –  übrigens: gibt es im Bistum Essen überhaupt noch Kommunionbänke?  –  wurde der Wandel in der Gesellschaft zum Anlass genommen, eben diese Neuausrichtung auch in der katholischen Kirche zu verdeutlichen.

Die Zauberworte „Freude und Hoffnung“ aus Artikel 1 der Erklärung „Gaudium et spes“ des 2. Vatikanischen Konzils muss für diesen Wandel herhalten. Als ob Katholiken sich 1960 Jahre zuvor sich nicht auch mit den Menschen dieser Welt mitgefreut hätten über die schönen Seiten des Lebens  –  und als ob sie nicht auch  mitgelitten hätten, wenn sich eine persönliche oder gesellschaftliche Katastrophe ereignete.

Doch eine Veränderung des Glaubens aufgrund solcher Ereignisse war nie die Folge solcher Mitfreude und Anteilnahme am Wohl und Wehe von Mensch und Welt. Die Impulse des Konzils wollten sicher keine Umkrempelung der Glaubensinhalte der Kirche erreichen. Aber genau dies wird nun unter dem Deckmantel der Konzilsdokumente anzustoßen versucht.

Liturgie als Tummelplatz für Experimente?

Die Konzils-Konstitution über die heilige Liturgie „Sacrosanctum Concilium“ verlangt, dass die lateinische Sprache weiterhin Kultsprache bleibt und dass kein Priester die Liturgie eigenmächtig verändern darf. media-FZMqzvujo1V-2

Was passiert jedoch im „Dialogprozess“?  – Liturgische Vielfalt und Experimente werden vom Bischof ausdrücklich befürwortet; die Liturgie dürfe aber andererseits, so heißt es,  zu keinem „Streitort für Rechtgläubigkeit“ werden – und alles, was in diese Richtung geht, wird vom Bischof und seinem Generalvikar rundum abgelehnt.

Fürchten diese Kirchenoberen, dass die Menschen wieder die Schönheit der früheren Liturgie wertschätzen lernen, wenn man jenen Gläubigen, die den liturgischen Humbug des Dialogpapiers überhaupt nicht bejahen, diese Form des Meßritus gewährt – und dies immerhin auf ausdrückliche Anordnung von Papst Benedikt XVI.

Denn eines steht fest: Die überlieferte Liturgie ist auf jeden Fall rechtgäubig und katholisch. Wenn man genau das wieder fördern würde, wäre es mit den eigenen Mätzchen im Altarraum schnell zu Ende.

Kirchen schließen und „neue Räume“ eröffnen…?

Ungefähr ein Viertel der Kirchen im Bistum Essen wurde in den letzten Jahren geschlossen oder umgewidmet. Und obwohl dem Bischof bewusst ist, dass hier sensibel mit den Gefühlen der Gläubigen  umgegangen werden muss, scheut er sich nicht, in Rahmen des „Dialogprozesses“ zu fordern, dass Gottesdienste an neuen und ungewöhnlichen Orten gefeiert werden sollen. chrkn

Also erst werden katholische Kirchen massenhaft geschlossen, weil man angeblich keine Verwendung mehr für sie hat  – um sich dann aber neue Räume zu schaffen, die weiteres Geld kosten, das man doch angeblich gar nicht hat. Die Logik dieses Unternehmens ist mir nicht klar. Ich befürchte aber, dass genau damit noch mehr Katholiken der Kirche und unserem Glauben entfremdet werden.

Papst Franziskus muss auch immer wieder herhalten, um den neuen Kurs im Bistum Essen zu unterstützen. Dabei hat er meines Wissens keinen Versuch unternommen, Glaubensinhalte umzukrempeln und die Kernpunkte der katholischen Lehre den „Bedürfnissen“ der heutigen Gesellschaft anzupassen.

Ein wohlmeinender Ansatz, nämlich die Kirche im Bistum Essen zielsicher durch diese Zeit der Umbrüche zu führen  – und es ist sicher nicht alles in Bausch und Bogen zu verdammen, was heute in der Gesellschaft geschieht  – kann mit einem Preisgeben oder Umändern von Glaubensinhalten gewiß nicht zu einem guten Ende geführt werden.

Dieses Hängen der Fahne nach dem Wind zeugt nicht von Charakterstärke und Prinzipienfestigkeit. Was wohl Franz Josef Strauß dazu sagen würde?

Der Autor des Beitrags ist Dipl.-Theologe und unserer Redaktion persönlich bekannt.


Bistum Essen: Bischof Overbeck, die Ehe, der Zölibat und die Kommunionbank

Die Ehe ist kein „Lebensentwurf“, sondern ein Lebensbündnis

Der Oberhirte der Diözese Essen, Dr. Franz-Josef Overbeck, meldet sich zunehmend „reformerisch“ zu Wort, als wolle er sich bei den Medien Liebkind machen oder der linkskatholischen Initiative „Wir sind Kirche“ annähern, die seine Stellungnahmen jedenfalls immer häufiger begrüßt.

Zum Thema wiederverheiratete Geschiedene erklärte der „Ruhrbischof“ während der fünften „Dialogreihe“ seines Bistums in Mülheim z.B. Folgendes: „Angesichts veränderter gesellschaftlicher Bedingungen und zunehmend differenzierter Lebensentwürfe ist es notwendig, neue pastorale Antworten zu finden.“ DSC05485

Offenbar übersieht er, daß die Ehe kein x-beliebiger „Lebensentwurf“, sondern ein Lebensbündnis ist, noch dazu unter Getauften ein von Christus selbst gestiftetes Sakrament. Damit gehört die christliche Ehe nicht „nur“ zur Schöpfungsordnung (wie die „Natur-Ehe“), sondern sogar zur Heilsordnung.

Zudem waren die „gesellschaftlichen Bedingungen“ in der Frühzeit des Christentum  – umgeben von heidnischer Genußsucht und Zügellosigkeit  –  auch nicht gerade erfreulich. Dennoch hielt die Kirche gegen alle Widerstände des damaligen „Zeitgeistes“ an der Lehre Christi fest und bekannte sich unbeugsam zur Heiligkeit und Unauflöslichkeit der Ehe.

Außerdem erklärte der Essener Bischof, der „Dienst am Menschen“ (wie er ihn versteht) solle Vorrang haben: „Ich kann die Seelsorger nur ermuntern, ein Wegbegleiter zu sein und nicht mit Sanktionen zu drohen. Die Kommunionbank ist keine Richtbank.“ 

Der heilige Paulus sieht das offenbar anders; in seinem Brief an die Korinther schreibt er in 1 Kor 11,27 f. über die Teilnahme am Tisch des HERRN:

„Wer unwürdig von dem Brot ißt oder aus dem Kelch des HERRN trinkt, der wird schuldig am Leib und Blut des HERRN,der ißt und trinkt sich das Gericht.“

Jetzt meldete sich Bischof Overbeck  –  laut Radio Vatikan  –  erneut zu Wort mit einem Dauerbrenner, dem unvermeidlichen Zölibatsthema:

„Wir müssen miteinander angstfrei darüber reden können, wie Priestersein unter den heutigen Bedingungen gelebt werden kann  –  und zwar so, dass unsere Priester sich dabei zu starken Persönlichkeiten entwickeln können und ihren Dienst mit großer Freude tun“,

Schon wieder ist von „heutigen Bedingungen“ die Rede, als ob Verkündigung und Praxis der Kirche nicht von ihrer bleibenden Lehre und Tradition, sondern von den jeweiligen Zeitumständen her bestimmt sein müsse.

Die priesterliche „Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen“ war immer schon ein ernstes, ein wirkliches Opfer aus Liebe zu Gott, zur Kirche und zu den seelsorglich anvertrauten Menschen  –  und dies nicht nur „unter heutigen Bedingungen“, sondern seit zweitausend Jahren.

Die Kirche lebt und wächst aber nicht von weniger, sondern von  m e h r  Eifer und Begeisterung für Christus und sein Reich!

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags und des Christoferuswerks in Münster