Umfrage: Zunehmende Angst vor allem bei Frauen in Deutschland

Rund ein Drittel der deutschen Frauen fühlt sich unsicherer als noch vor zwei Jahren. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest/Dimap im Auftrag des NDR. DSC00254

34 Prozent der Frauen verspürten einen Rückgang ihres Sicherheitsempfindens im öffentlichen Raum. Für 63 Prozent hat sich die Lage nicht verändert. Von den Männern fühlen sich 29 Prozent unsicherer, während 68 Prozent keinen Unterschied feststellen können.

Laut der Erhebung vermeiden es 62 Prozent der deutschen Frauen, in den Abendstunden bestimmte Parks, Straßen und Plätze zu besuchen. 36 Prozent von ihnen gaben an, dies häufiger zu tun als noch vor zwei Jahren. 31 Prozent versuchen demnach, abends sogar auf die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu verzichten.

Die Frage, ob es bestimmte Personengruppen gibt, von denen sie sich besonders bedroht fühlten, bejahten 51 Prozent der Frauen und 43 Prozent der Männer.

Unter den genannten Gruppen nehmen „Flüchtlinge“ den Spitzenplatz ein. 32 Prozent der Deutschen fühlen sich von diesen besonders bedroht. Dahinter folgen „Neonazis/Rechte“ mit 13 und „Jugendliche“ mit zwölf Prozent.

Quelle: https://jungefreiheit.de/allgemein/2017/deutsche-frauen-fuehlen-sich-unsicherer/

Gemälde: Evita Gründler


Gesegnet ist, wer auf Gottes Wegen geht

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche:

Psalm 128 (127),1-2.3.4-5.

Gesegnet der Mann, der den HERRN fürchtet und ehrt
und auf seinen Wegen geht!
Was deine Hände erwarben, kannst du genießen;
wohl dir, es wird dir gut ergehn.

Wie ein fruchtbarer Weinstock ist deine Frau
drinnen in deinem Haus.
Wie junge Ölbäume sind deine Kinder
rings um deinen Tisch.

So wird der Mann gesegnet,
der den HERRN fürchtet und ehrt.
Es segne dich der HERR vom Zion her.
Du sollst dein Leben lang das Glück Jerusalems schauen.

 


INSA-Umfrage: Knappe Mehrheit befürwortet das Motto „Deutschland zuerst“

Stärkste Ablehnung bei grünen Wählern

Im aktuellen Meinungstrend wollte das Erfurter INSA-Institut von den Befragten wissen, ob sie Donald Trumps Leitwort „America first“ (Amerika zuerst) auch übertragen für Deutschland begrüßen würden. Die Mehrheit der Befragten (51 %) meint, für Deutschland sollte „Deutschland zuerst“ gelten. 28 Prozent lehnen dies ab. Die Ablehnung ist bei Männern größer als bei Frauen (32 % zu 24 %).     AfD_Plakat_A0_Deutschland_RZ_500

Betrachtet man die Frage aufgeschlüsselt nach Altersgruppen, zeigt sich, dass ältere Befragte dem Motto positiver gegenüberstehen als jüngere. Die Mehrheit der Befragten ab 45 Jahren steht der Aussage zustimmend gegenüber (45 bis 54 Jahre: 56 %; 55 bis 64 Jahre: 57 %; über 65 Jahre: 55 %). Bei den 18- bis 24-Jährigen liegt die Zustimmung  bei 37 Prozent und die Ablehnung bei 35 Prozent.

Betrachtet man die Zustimmung und Ablehnung der Aussage nach Parteipräferenz, zeigt sich, dass etwa jeder zweite CDU/CSU- (50 %), SPD- (48 %), Linke- (47 %) und FDP- (46 %) Wähler der Aussage zustimmt. Wähler der AfD stimmen zu 93 Prozent zu. Die größte Ablehnung findet sich bei den Anhängern der Grünen (47 %). 

Hier geht es zum erwähnten INSA-Institut: www.insa-consulere.de


Warum die „soziale Gerechtigkeit“ schon im Mutterleib beginnen muß

Mathias von Gersdorff

Ein Teil des linken Lagers hat gemerkt, dass man gegenwärtig mit links-akademischen Themen wie „Gender“ oder „sexuelle Vielfalt“ bei den eigenen Wählern nur noch Kopfschütteln ernten kann. gersdorff

Insbesondere nach dem Sieg von Donald Trump gegen Hilary Clinton verteidigten etliche linke Kommentatoren und Journalisten die These, die sogenannten „identitätspolitischen Themen“  –  wozu Gender gehört  –  würden lediglich eine akademische Elite ansprechen, nicht aber den typischen SPD-Wähler.

So verwundert nicht, dass die Sozis wieder das Thema soziale Gerechtigkeit für sich entdeckt haben. Vor allem Martin Schulz, Spitzenkandidat in spe der SPD für die diesjährige Bundestagswahl, tönt laufend, er wolle sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen.

Wenn er sich darüber äußert, ist es in der Regel recht schwammig und man gewinnt den Eindruck, er habe eine gesellschaftliche Strukturierung vor sich, die es so nicht mehr gibt: Arbeiter, Mittelstand, Oberschicht. Dies wäre aber noch das geringste Problem.

Wirklich schlimm ist die Tatsache, dass jene, die vollmundig das Thema soziale Gerechtigkeit in den Mund nehmen, gewisse Teile der Bevölkerung völlig ausblenden. Das geschieht zum Teil deshalb, weil sie oft von einem Menschenbild ausgehen, nach welchem jemand nur dann ein wirklicher Mensch ist, wenn er im Arbeitsprozess integriert ist.

Aufgrund dieses im Kern marxistischen Menschenbildes fallen zwei Gruppen mehr oder weniger aus den linker Visionen einer angeblich gerechteren Welt völlig heraus:

Foto: M. von Gersdorff•    Jene Frauen, die vor allem oder „nur“ Mütter sein wollen.
•    Die ungeborenen Kinder.

Für die Sozis beginnt – praktisch gesehen – ein Mensch erst mit der Geburt, ein Objekt der sozialen Gerechtigkeit zu sein. Diese defizitäre und gar verzerrte Sicht des Sachverhalts führt zu massiven sozialen Ungerechtigkeiten:

Zuallererst zum Tod unzähliger Menschen, die noch nicht geboren wurden.

Aber auch zu einer steuerlichen, sozialpolitischen und gesellschaftlichen Geringschätzung der Frauen, die vorwiegend oder „nur“ Mütter sein wollen. Denn unsere Politik favorisiert eindeutig das Lebensmodell der arbeitenden Mutter.

Dies wiederum hat schwerwiegende Konsequenzen für das Lebensrecht der ungeborenen Kinder: Eine große Zahl von Frauen würde nicht abtreiben, wenn sie als Mütter besser abgesichert wären; Ursache ist dann also die blanke materielle Not.

Statistiken, Umfragen, Berichte von Beratungsstellen bestätigen diese Erkenntnis. Diejenigen, die gerne und laut über soziale Gerechtigkeit sprechen, müssten dies zur Kenntnis nehmen und entsprechende politische Lösungen suchen.

Doch das geschieht nicht, weil im linken Meinungsspektrum das Thema Lebensrecht von Personen okkupiert ist, die das genaue Gegenteil von sozialer Gerechtigkeit wollen: Das uneingeschränkte Recht auf Selbstbestimmug, das in Konkurrenz zum Recht auf Leben steht.

Anders ausgedrückt: Partikularinteressen (anders kann man das Selbstbestimmungsrecht nicht bezeichnen) haben dann gegenüber der „Sozialen Gerechtigkeit“ den absoluten Vorrang, denn das Recht auf Leben ist die Grundlage der sozialen Gerechtigkeit: Eine Gesellschaft kann nicht gerecht sein, wenn ein Teil von ihr über das Leben des anderen Teiles frei bestimmen kann.

Unser Autor Mathias von Gersdorff aus Frankfurt leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“; der katholische Publizist veröffentlicht seine aktuellen Kommentare hier: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/

Fotos: M. von Gersdorff


INSA-Umfrage: Zusammenhang zwischen Merkels Asyl-Politik und Terroranschlag?

Der Erfurter INSA-Institut wollte mittels einer repräsentativen Umfrage erfahren, wie die Bundesbürger über einen Zusammenhang zwischen der Flüchtlingspolitik der Kanzlerin und dem Terroranschlag in Berlin denken.  Merkel

Fast die Hälfte der Befragten (49 %) gibt an, dass sie einen Zusammenhang zwischen Flüchtlingspolitik und dem Terroranschlag sieht. Mehr als ein Drittel der Befragten (35 %) erkennt hingegen keinen Zusammenhang.

Bei den Männern ist der Anteil mit 40 Prozent höher. Bei den Frauen sind es hingegen nur 31 Prozent, die keinen Zusammenhang sehen. Etwa jeder Achte (12 %) hat angegeben, dass er sich nicht sicher ist, ob es einen Zusammenhang zwischen der Flüchtlingspolitik und dem Terroranschlag geben könnte. Bei den Männern ist der Anteil mit 9 Prozent geringer als bei den Frauen (14 %).

Bei einem Blick auf die Meinung der Befragten in Ost- und Westdeutschland wird deutlich, dass im Osten eher ein Zusammenhang zwischen der Flüchtlingspolitik und dem Terroranschlag in Berlin gesehen wird. 53 Prozent der Ostdeutschen lehnen die Aussage ab, ebenso 48 Prozent der Westdeutschen. Mehr als ein Drittel der westdeutschen Befragten (37 %) sieht allerdings keinen Zusammenhang. In Ostdeutschland sagen dies nur 28 Prozent der Befragten.  

Hier geht es zum erwähnten INSA-Institut: www.insa-consulere.de

 


1/3 Zustimmung zur Asylpolitik der Kanzlerin Die Hälfte lehnt sie ab

Das Erfurter INSA-Institut wollte in einer repräsentantiven Umfrage von Bundesbürgern wissen, wie sie über die Politik von Angela Merkel in der Flüchtlingskrise denken. Merkel

Das Ergebnis: Fast die Hälfte der Befragten (49 %) hat angegeben, dass sie den Kurs der Bundeskanzlerin nicht unterstützt. Der Anteil der Männer liegt mit 53 Prozent höher als der der Frauen (46 %). Etwa jeder dritte Befragte (28 %) unterstützt den Kurs von Angela Merkel. Jeder Fünfte (22 %) ist unentscheiden: er weiß keine Antwort (12 %) oder möchte keine Angabe machen (10 %).

Hier gehts zur Webseite des Instituts: www.insa-consulere.de


Wie gelingt ehrenamtliche Internetberatung für Frauen in Schwangerschaftskonflikten?

Von Cordula Mohr

Als aktive Familienmutter und Lebensrechtlerin (ich bin Vorsitzende der „Aktion Lebensrecht für Alle“ in Nordmünsterland und Mitglied im Landesvorstand der CDL in NRW) ist es mir seit langem wichtig, alle Chancen zu nutzen, um Schwangere in Not für ein Leben mit ihrem Kind zu gewinnen.

CORDULA MOHRDies gelingt teils durch direkte persönliche Kontakte, aber durchaus auch mit den neuen Möglichkeiten des Internet. Seit sechs Jahren bin ich auf diversen Frauenforen im Netz unterwegs, um die vielfältigen Konfliktsituationen von Schwangeren kennenzulernen.

Für diesen Zweck ist die Webseite „go feminin“ besonders geeignet: Dort reagieren sowohl Lebensrechtler als auch Abtreibungsbefürworter auf die Stellungnahmen der Ratsuchenden. Täglich melden sich ca. 5 bis 10 Frauen. In der Zeit nach Karneval und nach den Urlaubsmonaten ist die Zahl höher.

Es wird heftig diskutiert und die Beraterin benötigt einen festen Standpunkt und zudem gute Nerven. Damals im Jahr 2010 wurden viele Beleidigungen seitens der Abtreibungsbefürworter ins Forum gestellt. Mittlerweile ist der Umgangston dort angenehmer geworden. Trotzdem ist die abtreibungsfreundliche Organisation „Pro familia“ dort weiter mit ihren Beraterinnen zugange. Es gibt weitere Internet-Foren ähnlicher Art etwa bei „Eltern.de“. Bei „Ausweg Pforzheim“ oder „Pro femina“ wird zwar erfreulicherweise pro Lebensrecht beraten, aber es melden sich dort nicht viele schwangere Frauen.

Wie ist solch ein Internetforum aufgebaut?

Man besucht erst die Startseite, z.B „go feminin“, dann geht es in die Rubrik „Schwangerschaft“. Dort gibt es eine Unterrubrik mit dem Begriff Abtreibung bzw. Schwangerschaftsabbruch. Der verharmlosende Ausdruck „Abbruch“ wurde wohl von der Gegenseite eingeführt. Wenn man in den Foren online ist, kann man mitberaten. Man überlegt sich vorher zur Anmeldung einen sog. Nicknamen, also ein Fantasiewort.

Cordula und Almut an unserem InfostandEiner Ratsuchenden kann man auch eine persönliche Nachricht mitteilen. Diese können die anderen Schreiber nicht lesen und sie landet im persönlichen Internet-Postfach der Schwangeren.

BILD: Cordula und Almut  – eine evangelische Leserin –  beim Glaubenskongreß in Fulda an unserem Infostand

Auf diesem Wege hatte ich schon mit mehreren Frauen direkten Mailkontakt, was natürlich der beste Weg ist. Dann wird man von den Hilfesuchenden als Beraterin akzeptiert. Dabei kann man sie auf die problematische Einstellung der Gegenseite hinweisen. Jene Frauen, die ich dort auf diese Weise direkt beraten konnte, haben alle ihr Kind ausgetragen.

 

Anfangs wurde ich oft in zermürbende Diskussionen mit Abtreibungsbefürwortern verwickelt. Die Schwangeren finden durch solches Hin und Her aber wenig Hilfe für sich. Man muss also gut aufpassen, dass man sich nicht in Endlos-Debatten verzettelt.

Schwangerschaftskonflikte aus der Praxis

Wie sehen die Probleme der Hilfesuchenden aus? Was wird geschrieben? Ich beschreibe einige klassische Schwangerenkonflikte mit ihrem Ausgang:

Bei meiner ehrenamtlichen Beratung kann ich aus dem Schatz meiner eigenen Erfahrungen schöpfen. Ich habe ich eine behinderte Tochter, erlebte zudem eine Frühschwangerschaft und eine dritte überraschende  Schwangerschaft mit 36 Jahren.

Hier folgt ein typisches Beispiel für Trisomie 21 (Down-Syndrom) aus dem Forum „Eltern.de“: images (2)

Der Arzt stellt per Ultraschall bei einem ungeborenen Kind eine 3 mm dicke Nackenfalte fest. Die Verunsicherung bei der Schwangeren ist damit bereits angestoßen. Der Arzt führt einen Praenatest (nicht-invasiver Bluttest zur Erkennung von Down Syndrom und anderen Behinderungen) durch; er schließt Trisomie 18 aus, aber Trisomie 21 sei möglich, so das Ergebnis. Er schickt die Frau zu einem Facharzt. Auch dieser vermutet Tri 21. Er empfiehlt eine Punktion, um dadurch weitere 35 mögliche Behinderungen abzuchecken.

Die Schwangere schreibt auf „Eltern.de“ dazu folgendes:

 „Ich weiß ja gar nicht, worum es hier überhaupt gehen könnte. Und das veranlasst mich dazu, eine Punktion machen zu lassen, um auszuschließen, dass überhaupt etwas vorliegt. Oder aber, um zu wissen, womit wir es zu tun haben, um eine Entscheidung zu treffen.

Ein schwer behindertes Kind wäre ein Grund, um über einen Abbruch nachzudenken. Das trauen wir uns und unserer Tochter nicht zu. Ich bin ein absoluter Kopfmensch, der sich stets Gedanken um alles Mögliche macht. Wie soll ich da 6. Monate Ungewissheit überstehen?“

Daraufhin meldet sich eine Ärztin beruhigend und ermutigend; sie erwähnt ihr medizinisches Wissen. Auch eine andere Beraterin schreibt recht einfühlsam. Es gehört in solchen Situationen sehr viel Empathie dazu. Also fragte jene Beraterin: „Welche schwer behinderten Kinder würden dich zur Abtreibung bewegen?“

Somit weiß man, mit welchen „Schockergebnissen“ diese Familie nicht fertig werden würde, so dass bereits eine Art Vorberatung stattfindet.A.L.Content_Was_wir_wollen

In diesem Fall schrieb die Schwangere kurze Zeit darauf:

„Die Fruchtwasseruntersuchung verlief komplikationslos. Der Arzt machte nochmal einen Ultraschall und kommentierte in Richtung Ungeborenes: „Hättest du dich doch beim letzten Mal so gezeigt.“ –  Die breite Nackenfalte wie auch die Halszyste waren verschwunden. Der Schnelltest war dann unauffällig. Das Endergebnis kam am Sylvestertag: ein strukturell und numerisch unauffälliger Chromosomensatz.“

Die Erleichterung der überglücklichen Frau kann sich keiner vorstellen. Wie wir wissen, gehen weit über 90% der Schwangeren im Falle von Trisomie zur Abtreibung. Ich selbst konnte noch kein ungeborenes Down-Syndrom-Kind retten. Zwei Frauen hätte ich gerne beraten, aber es wurde mir verwehrt, weil die Zeitspanne äußert knapp war. Sie wollten deshalb keine Beratungen mehr und haben ihr Baby abgetrieben. Zudem waren es beides Mal Angehörige jener Frau, die nach Hilfe suchten, so dass wir die Betroffenen selber nicht ansprechen konnten.

„Dem Abtreiber vom Stuhl gesprungen“

Ein weiterer Thread war Anfang August dieses Jahres im Netz, Nickname „Dorfkind 79“. Die Autorin schrieb:shutterstock_114300748-140x94

„Ich bin schwanger von einem Mann, weil wir beide die Verhütung schleifen ließen. Als ich den Test machte und beim Frauenarzt die Gewissheit bekam, drehte sich mein Gedankenkarussell unaufhörlich. Ich habe bereits ein Kind und arbeite unbefristet in der Pflege. Bin Ende 30 und zufrieden mit meinem Leben. Letzte Woche Donnerstag hatte ich einen OP-Termin für den Abbruch. Ich war dort und lag bereits im Vorraum und wurde in den OP gebracht. Auf dem Stuhl liegend, fast die Narkose bekommend, bekam ich Panik und sagte: Ich möchte das nicht.

Der Abbruch wurde nicht durchgeführt. Am Freitag fragte mein Freund nach. Ich sagte: Ich habe es nicht getan. Er bombardierte mich sofort mit drohenden, beleidigenden Nachrichten über Whatts up. Seitdem habe ich Zweifel an der Entscheidung: war es richtig, war es falsch?

Zu seiner Person: er ist seit Anfang September geschieden und hat bereits drei Kinder. Von denen schickte er mir Bilder mit der Aussage, ihr Leben zerstöre ich auch damit, wenn ich das Kind behalte. Ich weiß nicht, was ich machen soll.“

Dieser Konflikt ist ein klassisches Beispiel: Der Vater oder die Mutter hat schon Kinder und lebt in einer zweiten Beziehung. Einer von beiden, oftmals der Vater, möchte das Baby nicht haben.

Ich schrieb dem „Dorfkind 79“ folgendes zurück.

„Liebes Dorfkind, für mich bist du eine Heldin, Du bist dem Abtreiber vor der Nase vom Stuhl gesprungen. Da hast du noch eine wichtige Botschaft an ihn gesendet.

Ich bitte dich, nicht noch einmal umzuentscheiden. Das schafft man nicht. Einmal entschieden und nun schau nach vorne mit deinem Kind. Dein erstes Kind bekommt ein Geschwisterchen. Den Vater würde ich zunächst links liegen lassen, weil er dich bedroht und dir einreden möchte, dass du auch andere Leben zerstörst. Es ist Unsinn. DSC_0048

Diese Kinder bekommen ein Halbgeschwisterchen und können sich darüber freuen. Bei den meisten Kindern ist es so. Finanziell kannst du Hilfe in Anspruch nehmen. Hier ist eine Telefonnummer von Vita L. 0800-3699963

Ganz viel Freude in der Schwangerschaft und mit deinem Kind. Ich freue mich riesig mit dir. Schreib ruhig, wie es dir ergangen ist.“

Viele weitere Schreiber/innen machten der Schwangeren in diesem Sinne Mut.

Was sehr schön ist, dass auf dem Forum „gofeminin“ ein Mann ganz in unserem Sinne postet. Er gibt den Schwangeren gute Ratschläge und schreibt aus der Sicht eines Mannes. Er kennt sich auch gut mit der Gesetzeslage aus, und er verheimlicht es nicht, ein Mann zu sein.

Die Schwangere bedankte sich kurz für die ermutigenden Antworten. Danach kamen keine weiteren Nachrichten von ihr. In solchen Fällen müssen wir alles Weitere offenlassen und können nur hoffen und beten.

„Ich verurteile mich selbst und bekomme kaum noch Luft“

Manchmal kommen nach einer Entbindung erfreuliche Nachrichten von den Müttern, die glücklich sind, ihr Baby bekommen zu haben. In meiner ganzen Zeit als Beraterin erlebte ich noch nie eine Mutter, die ihr JA zum Kind bereut hätte. marsch_2013_photo_dv_447_m

Andersherum habe ich es häufiger gehört und gelesen. Besonders in den Internet-Foren berichten Mütter bedrückt von der Tötung ihres Kindes. Täglich schreiben mehrere Frauen, wie leid es ihnen tut  –  und sie erwähnen manchmal auch körperliche Auswirkungen, so wie in dem folgenden Beispiel vom 18. September diesen Jahres. „Celina 0174“ schrieb:

„Mein Name ist Celina und ich musste mein Kind gegen Ende des 3 Monats abtreiben lassen. Ich bin noch nicht bereit, für ein Kind zu sorgen und hätte dem Kind auch nichts bieten können. Das Geld ist knapp und ich steh am Anfang meines Studiums. Da hat es sich gezeigt, dass die Pille nicht 100% schützt.

Meine Ärztin hat mich toll unterstützt und sie ist immer für mich erreichbar. Am Dienstag 13.9 wurde meine Schwangerschaft mit einer OP entfernt.“

Man bedenke die beschönigende Wortwahl „OP“ für Abtreibung und „Schwangerschaftsentfernung“, als handle es sich um etwas Schädliches. Besonders zynische Mädchen bezeichnen das ungeborene Kind im Netz sogar niveaulos als „Erdnuss“.

Nun geht es weiter mit jener „Celina“ nach der Abtreibung:

„Als ich aufwachte, musste ich sofort weinen, da mir gleich klar war, dass mein Kind weg ist. Nach einiger Zeit beruhigte ich mich und durfte nach Hause gehen. Die Blutung ist noch sehr stark und ich habe schlimme Schmerzen. Jedes Mal, wenn ich das Blut sehe, muss ich weinen, dabei verurteile ich mich selbst und bekomme kaum noch Luft. Manchmal würde ich am liebsten sterben und dem Leid ein Ende setzen.

Ich kann kaum darüber sprechen und deswegen rede ich kaum noch. Während der Schwangerschaft hatte ich viel Hunger, doch jetzt bekomme ich kaum einen Bissen runter. Jedes Mal, wenn ich in den Spiegel sehe, breche ich zusammen und weine. Vor dem Abbruch hätte ich niemals gedacht, dass die Folgen so überwältigend und ermüdend sein können.“

Ich schrieb ihr dann zurück: iStock_000014086034XSmall

„Es hört sich gar nicht gut an, was du schreibst . Du bist in tiefer Trauer um dein Kind. Ich empfehle dir, professionelle Hilfe zu holen. z.B. Rahel e.V. oder Kaleb.“

Ich beschrieb kurz die Arbeit dieser Lebensrechtsvereine.

Am Schluss erwähnte ich noch, dass ich ihr die Befreiung durch Gott wünsche Darauf meldete sich Celina: „Danke für deine Nachricht. Ich werde im Netz nach Hilfe suchen. Glaubst du, kann Gott es jemals verzeihen?“

Dann schrieb ich ihr eine persönliche Nachricht, die nur Celina lesen konnte, wonach Gott ihr bei echter Reue verzeihen werde und fragte noch, ob sie katholisch oder evangelisch sei. Sie hat aber nicht mehr darauf reagiert. Ich hoffe, das Celina sich fängt und einen Weg findet aus ihren Selbstmordgedanken heraus.

Um solch ein Schicksal innerlich abgeben zu können (es läuft nun einmal immer anonym ab), gehe ich gerne für diese Frauen, die sich in den Foren melden, in unsere Kirche zum liturgischen Morgengebet. Dort ist ein Priester und mehrere Gläubige, die nach den Laudes Fürbitten zu persönlichen Anliegen vor Gott bringen. Somit bleibt die anonyme Beziehung länger vorhanden und ist nicht so abgebrochen und ungewiss.

Es ist wichtig, dass in den Internetforen einfühlsam mit den Frauen umgegangen wird. Zudem kann es hilfreich sein, deren oftmals jugendliche Sprache zu verwenden. Die professionellen Berater schreiben sicherlich korrekt, doch sie geben ihre Ratschläge im typischen Stil der Pädagogen.

Jedoch fällt auf, dass die Frauen sich in den Antworten ihre persönlichen Berater suchen. Oftmals ehrenamtliche, aber erfahrene Berater wie ich oder gleichgesinnte Altersgenossen, die in derselben Lage sind. Diese bauen dann regelrecht Freundschaften auf. Es ist mir eine Freude, mitzuerleben, wie viele Frauen trotz Schwierigkeiten ihr Kind bekommen und darüber sehr glücklich sind.

Unsere Autorin Cordula Mohr wohnt in Rheine (Münsterland), ihre Mail: cordulamohr@gmx.de