Merkwürdige Mitteilungen des „Himmels“ an den Priester Ottavio Michelini

Von Felizitas Küble

Der katholische Monsignore Ottavio Michelini wirkte in der italienischen Provinz Modena und starb am 15. Oktober 1975. Der Priester gehörte zur „Marianischen Priesterbewegung“ von Don Gobbi, einem italienischen Mitbruder, der angeblich jahrelang Einsprechungen der Gottesmutter erhielt, die er im sog. „Blauen Buch“ niederschrieb, einer mehrbändigen Sammlung diverser „Botschaften“ Mariens. buch

Doch auch der Geistliche Michelini bekam  –  eigenen Angaben zufolge  –  ab Mitte der 70er Jahre besondere Mitteilungen von Jesus und Maria. Diese „Offenbarungen“ wurden in dem Buch „Nicht ich, meine Söhne, habe diese Stunde gewollt“ gesammelt und veröffentlicht.

Vieles darin erinnert an die Botschaften von Don Gobbi. Beidesmal wird eine schlimme Zeit für Kirche und Welt angekündigt, eine „Reinigung“ der Erde, wobei aber danach ein herrlicher „Frühling“ für die Kirche, eine Art neues Pfingsten erblühen soll; angeblich handelt es sich dabei um den in Fatima angekündigen „Triumph des Unbefleckten Herzen Mariens“.

Diese Endzeitschwärmerei ist typisch für zahlreiche Privatoffenbarungen der letzten Jahrzehnte  – und wenngleich jene Einsprechungen im marianischen Gewande einherschreiten, sind sie doch mit jenen charismatischen Erwartungen verwandt, welche eine allgemeine „Erweckung“, eine starke weltweite Verbreitung von „Geistesgaben“ und eine universale Bekehrung für die Zukunft herbeireden.

Auch der Priester Michelini schreibt von einem „neuen Frühling des Friedens und der Gerechtigkeit für die Menschheit und für die Kirche”, von einer “einer strahlenden, niemals zuvor erlebten Morgenröte”.

Dabei wird übersehen, daß die Heilige Schrift genau das Gegenteil ankündigt:

Keine Epoche der Erweckung, sondern eine Phase des Glaubensabfalles wird der Wiederkunft Christi vorausgehen, wie zB. Paulus im 2. Thessalonicherbrief unmißverständlich erklärt. Zudem wird erst der Antichrist erscheinen, bevor unser Erlöser in seiner göttlichen Herrlichkeit wiederkommt, zu richten die Lebenden und die Toten.

Wenn in diesem wesentlichen Punkt irreführende Lehren verbreitet werden, kann die betreffende Botschaft nicht von oben sein, mag sie auch ansonsten noch so „rechtgläubig“ und fromm-konservativ klingen.

Die Tränen Mariens und ihr Eingreifen im Himmel?

Zudem heißt es z.B. in einer Mitteilung „Jesu“ an Prälat Michelini vom 2. April 1977:virgen-maria

„Mein Sohn, die Stunde ist schwer; sie ist aufgebläht und belastet von allen Leidenschaften. Sie wurde oft und oft angekündigt, aber immer wieder verschoben durch die Tränen und den Eingriff meiner und eurer Mutter, die erhört wurde, weil diese Liebe der erstgeborenen Tochter, Mutter und Braut letztlich aus der Liebe Gottes hervorgeht, die unendlich barmherzig und unendlich gerecht ist.“

Die Zeit der schweren Prüfung wurde also laut dieser Botschaft durch die „Tränen“ und den „Eingriff“ Mariens „immer wieder verschoben“.

Maria ist aber doch im Himmel glückselig, sogar mit Leib und Seele, sie weint daher keine Tränen; diese wird es in der himmlischen Herrlichkeit nicht geben (weder direkt noch im Sinne eines seelischen Schmerzes).

Zudem ist die Gottesmutter sicherlich unsere ganz besondere Fürsprecherin, aber die Vorstellung, sie würde darüber hinaus „eingreifen“, Gott gewissermaßen durch ihren „Eingriff“ (!) von einem Strafgericht abhalten, ist zumindest unangemessen, weil hier ein fragwürdiges Gottesbild vermittelt wird.

Dabei entsteht der irreführende Eindruck, als gäbe es im Himmel allein durch die Madonna einen derartigen Akt der Barmherzigkeit. Der Ewige ist jedoch seiner göttlichen Natur nach vollkommen, also gerecht und barmherzig zugleich; dazu bedarf ER nicht der Hilfe eines Geschöpfes, mag es auch das edelste sein, nämlich Maria.

Maria als Priesterin neben Jesus und als Miterlöserin?

Abgesehen davon ist in dem Buch ständig von Maria als „Miterlöserin“ die Redvisione, obwohl dies kein kirchlicher Ehrentitel für sie ist. Geradezu abenteuerlich ist zudem die theologische Begründung dafür: 

Maria habe Christus ihre menschliche Natur gegeben (durchaus richtig) – und Christus habe ihr gleichsam im Gegenzug seine göttliche Natur (!) geschenkt. Es ist dabei nicht von göttlicher Gnade die Rede (was dann ja zutreffend wäre), auch nicht etwa von einem „Anteil“ an der göttlichen Seligkeit (wie dies allen Erlösten für den Himmel verheißen ist), sondern mehrfach davon, daß Jesus seine göttliche Natur an Maria übermittelt habe. Diese Vorstellung ist unsinnig, weil sie die Mutter Jesu vergöttlicht.

Dazu paßt es dann, daß die Gottesmutter als „einzige Priesterin unter den Frauen“ bezeichnet wird, obwohl dergleichen weder das Neue Testament verkündet noch die Kirche lehrt.

Natürlich ist Maria im Sinne des allgemeinen Priestertums die vorbildlichste, geradezu vollendete Vertreterin im Gottesvolk des Neuen Bundes.

In den „Botschaften“ an Prälat Michelini wird aber jener Priesterin-Titel ausdrücklich nicht auf das allgemeine Priestertum der Gläubigen bezogen, sondern vielmehr in eine direkte Reihe mit dem Hohenpriester Christus gestellt, weil Maria sich angeblich mit IHM gemeinsam am Kreuz Gott, dem Vater, dargebracht habe. Dasselbe gelte dann auch für die heilige Messe.

In der „Botschaft“ vom 1. Oktober 1975 beklagt sich der „begnadete“ Geistliche bei Jesus: 

„Ich habe den Inhalt deiner Botschaft über die Teilnahme der allerseligsten Jungfrau am Geheimnis des Kreuzes einigen Bekannten übermittelt. Sie glaubten nur mit Mühe an das große Verdienst der Gottesmutter, das ihr durch ihr Selbstopfer bei der heiligen Messe zukommt.“

Es spricht für diese Bekannten aus dem Umfeld des Geistlichen, daß sie jene merkwürdigen Sonderlehren „nur mit Mühe glaubten“ (am besten freilich überhaupt nicht).

Aber der Botschafts-Jesus hält Trost für seinen Priester bereit: „Mein Sohn, ich sage dir, daß auch die Guten wenig vom Wesen des Christentums verstehen.“Jesus am Kreuz - Dom St Peter

Nach zweitausend Jahren kirchlicher Verkündigung muß anscheinend dieses „Wesen“ ganz neu verstanden werden.

Die Liebe Gottes kennt keinen Zwang

Der angebliche Himmels-Jesus fährt fort:

„Meine Mutter nimmt am Geheimnis meiner Menschwerdung und an jenem des Kreuzes teil. Deshalb nimmt sie auch am Geheimnis der heiligen Messe, dem unblutigen Geheimnis des Kreuzes, teil….Sie lebt in mir, aus meiner göttlichen Natur, wie ich in ihr lebe, in ihrer menschlichen Natur. Darum ist es selbstverständlich, daß auch sie dort ist, wo ich bin. Dazu zwingen die Natur und die Liebe.“

Erstens „zwingt“ die Liebe grundsätzlich zu nichts, weil Zwang und Liebe unvereinbar sind. Zweitens hat Christus zwar die menschliche Natur angenommen, Maria aber nicht die göttliche.

Weiter heißt es in jener „Botschaft“:

„Wahrhaft wirklich wie auf Kalvaria ist ihr Fiat am Altar. Wäre es anders, so wäre sie nicht Miterlöserin. Miterlöserin war sie und wird sie immer sein in vollkommener Vereinigung mit mir, in der sie auch in der Ewigkeit mit euch sein wird. Jetzt seid ihr durch das Geheimnis des Glaubens vereint, wenn ihr daran glaubt und daraus lebt.“

Wir sind also dann „durch das Geheimnis des Glaubens“ vereint, wenn wir „daran glauben“, daß Maria „Miterlöserin“ ist. Dabei gehört dieser Titel durchaus nicht zum kirchlichen Lehrbestand. Papst Benedikt hat sich sogar ausdrücklich dagegen ausgesprochen. (Näheres siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2012/02/11/papst-titel-miterloserin-fur-maria-verdunkelt-den-wesentlichen-vorrang-christi/)

Was außerdem an diesen vermeintlichen Einsprechungen des Himmels stört: Ständig wird den Lesern eingeredet, die Freimaurerei sei der schlimmste Feind der Kirche  –  und das „jüdische Volk“ habe einen „Gottesmord“ vollbracht. israeltag2

Daß die freimaurerischen Standpunkte mit dem christlichen Glauben unvereinbar sind, ist eine klare Tatsache, aber daraus läßt sich kein derart übertriebenes Feindbild ableiten, als ob es sonst keine nennenswerten Gegner in- und außerhalb der Kirche gäbe.

Das jüdische „Volk“ hat Christus nicht ermordet, es waren vielmehr römische Soldaten, zweifellos angestachelt durch einen Teil der jüdischen Elite, aber nicht durch das Volk der Juden insgesamt.

Manche Bemerkungen klingen zudem ziemlich gnostisch bzw. leibfeindlich, zB. eine Botschaft des heiligen Josephs vom 15. Mai 1977: „Große, reine Liebe herrschte zwischen mir und meiner wahren Braut, Maria. Unsere Liebe wurde nie durch sinnliche Gefühle befleckt: Wir liebten uns wie Engel, die keinen Körper haben.“

Maria und Joseph waren aber Menschen, die einen Körper haben, keine Geistwesen, keine Engel. Natürlich lebten sie ihre Ehe enthaltsam, aber das bedeutet nicht „wie Engel, die keinen Körper haben“.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Auszüge aus dem erwähnten Buch finden Sie hier: http://kath-zdw.ch/maria/Ottavio.nicht.ich.habe.diese.stunde.gewollt.html#49


Papst Franziskus hat sein Wappen korrigiert: Der Stern enthält jetzt acht Strahlen

Der Vatikan präsentiert jetzt auf seinem Internetportal eine korrigierte Fassung des Papstwappens:

Jener orange-farbige Stern links unten im blauen Wappenschild, der bislang fünfzackig  –  also in Form eines Pentagramms  –   gestaltet war, ist nun mit acht Zacken abgebildet, wie dies bei einem Stern als Symbol der Madonna üblich ist.

Foto: Vatican.va

Foto: Vatican.va 

Die vorherige Fassung führte zu Verwunderung und Irritationen vor allem in kirchentreuen, konservativen Kreisen, da das Pentagramm (der Fünfzack) sowohl als Sowjetstern wie auch im Kontext der Freimaurerei bekannt ist  –  und sich daher als christliches Sinnbild keineswegs eignet.

Im wesentlichen hat Franziskus sein Papstwappen an jenes Wappen angelehnt,  das er bereits seit seiner Bischofsweihe führt; er hat es in seinen Grundzügen weitgehend beibehalten.

Das blaue Wappenschild ist umgeben von Sinnbildern der Papstwürde, identisch mit jenen, die auch sein Vorgänger wählte: Die Mitra zwischen den beiden Schlüsseln, die von einer roten Kordel zusammengehalten werden. (Es geht hierbei um die sog. Schlüsselgewalt des Papstes, denn Christus sagte zu Petrus: „Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben…“)

Der obere Teil des Hauptfeldes ist geprägt von dem bekannten IHS-Zeichen des Jesuitenordens, dem Franziskus angehört:

Wir sehen eine strahlende Sonne, aus der Flammen hervorgehen, vervollständigt durch das Christusmonogramm IHS.  –  Der Buchstabe „H“ wird von einem Kreuz überragt; darunter liegen drei schwarze Nägel, die ebenfalls an das Opfer Christi erinnern.

Die untere Wappenhälfte wird von dem bereits erwähnten Stern und von einer Nardenblüte eingenommen:

Der Stern symbolisiert die selige Jungfrau Maria (die Gläubigen kennen ihren Ehrentitel „Stella Maris“  = Stern des Meeres); die Nardenblüte rechts deutet auf den hl. Joseph hin, den Pflegevater Christi und Schutzpatron der Kirche. 

Auch die Narde im Papstwappen hat jetzt eine leichte Veränderung erfahren: sie erhielt nunmehr Andeutungen von Blättern, so daß man die Darstellung der Nardenblüte nicht mehr so schnell mit einer Weintraube verwechselt.

Mit der Aufnahme dieser beiden Kennzeichen möchte der neue Pontifex seine besondere Verehrung der Gottesmutter und des hl. Joseph ausdrücken.

Der päpstliche Wappenspruch „miserando atque eligendo“ ist nicht so leicht übersetzbar und stellt selbst gekonnte Lateiner auf eine harte Sprachprobe. Am ehesten dürfte die Übertragung „Durch Barmherzigkeit erwählt“ zutreffen.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


Der Kirchenkritiker Hans Küng erhielt den Kulturpreis der deutschen Freimaurer und würdigte die Logenarbeit

Der bekannte Priester, Professor und Buchautor Hans Küng, dem der Vatikan 1979 die Lehrerlaubnis für katholische Theologie entzog und der seit langem führend in einer „Stiftung Weltethos“ arbeitet, wurde am 18. Mai 2007 in Köln mit dem Kulturpreis der deutschen Freimaurer geehrt.

Der von Zeitgeistmedien viel beklatschte Dr. Küng ist in den letzten Wochen wiederholt als scharfer Kritiker des Papstes und des vatikanischen Glaubenspräfekten Müller in Erscheinung getreten  –  aus unserer Sicht durchaus ein Anlaß, an seine damalige Rede vor den Logenbrüdern zu erinnern:

Er bedankte sich zunächst beim früheren WDR-Chef Fritz Pleitgen (der bereits denselben Preis erhielt)  und dem „verehrten Gr0ßmeister Oberheide“ für das „hohe Lob, das Sie mir zukommen lassen“.

Sodann teilt er den „sehr geehrten Freimaurern“ mit, er werde nunmehr „wohl noch Jahre dementieren müssen, ich sei Freimaurer geworden, was nun einmal für manche konservative Katholiken noch immer eine höchst verdächtige Angelegenheit ist und Munition für ihre gelegentlichen Attacken zu sein verspricht.“

Der bekannte Theologe spricht nun solidarisch darüber, daß „auch Sie als Freimaurer unter Verschwörungstheorien, Diffamierungskampagnen und direkten Angriffen zu leiden hatten“.

Passend dazu folgt eine ausführliche Kritik an der katholischen Kirche, weil sie in einer „systematischen Opposition zur Aufklärung“ gestanden habe, insbesondere „zur modernen Philosophie“ und zur „modernen Staats- und Gesellschaftstheorie mit den Folgen, die zur Französischen Revolution (1789) führten.“

Immerhin, das muß man Küng zugutehalten, „liegt es mir natürlich ferne, durch diese kurz skizzierte Konfliktgeschichte eine einseitige Schuldzuwendung vorzunehmen.“ 

Nun folgt ein kritischer Seitenhieb auf die von Freimaurerseite mitverursachte und von den Logen oft verherrlichte Französische Revolution:

„Auch die Aufklärung hat ihre Schatten. Die katholische Kirche war Hauptopfer der Französischen Revolution: Verlust nicht nur ihres gesamten Grundbesitzes, sondern auch eines erheblichen Teils ihres Klerus.“

Lob für das 2. Vatikanum und die Lichtenauer Erklärung

Küng glaubt freilich,  mittlerweile habe sich „sowohl in der katholischen Kirche als auch in der Freimaurerei ein Wandel vollzogen“, wobei er vor allem das 2. Vatikanum und dessen Erklärungen zur Religionsfreiheit, Menschenrechten, anderen Religionen  usw. als Beispiel erwähnt.

Sodann kommt er auf die  – von Kardinal König angeregte  – freimaurerfreundliche „Lichtenauer Erklärung“ vom 5. Juli 1970 zu sprechen, in der „manche Mißverständnisse ausgeräumt werden“.

Er erwähnt jedoch nicht, daß der Vatikan diesem Dokument keineswegs zugestimmt hat, der Wiener Kardinal König es daher nicht unterzeichnen durfte.

Kritik an der Unvereinbarkeitserklärung der Dt. Bischofskonferenz

Umso kritischer sieht Küng die „Unvereinbarkeitserklärung“ der  Deutschen Bischofskonferenz vom 12. Mai 1980, in der festgehalten wurde, daß der Standpunkt der Freimaurerei und der Glaube der kath. Kirche unvereinbar sind.

Der Kulturpreisträger der deutschen Logen äußert sich sodann erfreut über die freimaurerfreundliche Änderung des Kirchenrechts (CIC) unter Papst Johannes Paul II.:

„Drei Jahre später zeichnet sich in der römisch-katholischen Kirche eine veränderte Position ab. Die 1983 veröffentlichte nachkonziliare Neufassung des Codex Iuris Canonici erwähnt die Freimaurerei nicht mehr. Damit ist auch die 1917 angedrohte Exkommunikation aufgehoben.“

Allerdings hatte der damalige Kardinal Joseph Ratzinger eine Art Notbremse gezogen, was auch Prof. Küng bekannt ist. Daher sagte er:

„Ein moralisch begründetes Verbot einer Mitgliedschaft im Freimaurerbund freilich bleibt bestehen und wird in der „Declaratio de associationibus massonicis“ (26.11.1983) der römischen Glaubenskongregation unter dem Vorsitz von Kardinal Ratzinger, dem jetzigen Papst Benedikt XVI., für die Weltkirche bekräftigt.“

Abschließend betont Küng:

Mit vielen anderen in allen christlichen Kirchen teile ich die Überzeugung, daß ein Christ Freimaurer sein kann und ein Freimaurer Christ. Besonders in den USA, in Italien und Österreich sind die Zugehörigkeit zu Kirche und Freimaurertum alltägliche Praxis. Hier und da gehören auch herausragende Vertreter der römisch-katholischen Kirche dem Bund an.“

Er fügt hinzu: „Trotz aller römischen Restaurationsversuche und protestantischen Reaktionen hoffe ich nach wie vor auf eine Einheit (in Vielfalt!) der Kirchen.“

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Hier ein ausführlicher Artikel zum Thema Freimaurerei und Kirche, veröffentlicht in der Zeitschrift „Theologisches“: http://www.theologisches.net/kueble.htm

Link zur Rede Küngs: http://www.freimaurerei.de/rede-von-hans-kueng.html


Buch-Kritik: „Kirche und Freimaurerei im Dialog“ (Herbert Vorgrimler)

Felizitas Küble über Prof. Vorgrimler und die „getrennten Brüder“

In der Rezension „Fundamente des Glaubens geleugnet“ (siehe  Monatsblatt „Theologisches“ Nr. 4/2003) hatte ich das neue, Anfang 2003 erschienene Buch von Prof. em. Herbert Vorgrimler untersucht und zahlreiche theologische Irrtümer aufgezeigt.

Dr. Bernd F. Pelz

Das eindeutig häretische Werk des gefeierten Rahner-Schülers trägt den irreführenden Titel „GOTT – Vater, Sohn und Heiliger Geist„; der Münsteraner Dogmatiker verwirft darin entscheidende Teile der kirchlichen Trinitätslehre, leugnet die Gottheit Christi und die Personalität des Heiligen Geistes, kritisiert die Deutung des Kreuzestodes Christi als Opfer bzw. Sühne und stellt die historische Glaubwürdigkeit des Neuen Testamentes infrage.  

Ab 1987 wirkte Dr. Herbert Vorgrimler, der seit 1972 als Nachfolger Karl Rahners in Münster Dogmatik lehrte, einige Jahre auch als Dekan der Kath.-Theologischen Fakultät.

Zwei Jahre zuvor veröffentlichte er seine „Theologische Gotteslehre„, die sich von wichtigen Teilen der kirchlichen Trinitätslehre distanzierte und überdies erklärte, die „biblischen Gottesbilder“ ließen sich heute „nicht mehr vermitteln“. Dieses 1985 erschienene Werk erhält durch das in diesem Jahr veröffentlichte Buch eine (theo)logische Fortsetzung, weil die Häresien dort munter vermehrt wurden.

1975, genau 10 Jahre vor dem Erscheinen der „Theologischen Gotteslehre“, brachte der Frankfurter Knecht-Verlag ein Buch heraus, das nicht nur eine Annäherung, sondern eine klare

Parteinahme für die Freimaurerei darstellt, gespickt mit häufigen Angriffen gegen die kirchliche Position.

Dieses Werk trägt den Titel „Kirche und Freimaurer im Dialog“. Als Verfasser dieses Lobgesangs auf die Freimaurerei fungieren der Theologe Herbert Vorgrimler, der die Freimaurer

freundlich als „getrennte Brüder“ bezeichnet (man glaubte bislang, dieser Begriff gelte den evangelischen Christen)  –  sowie der Redakteur Rolf Appel, eigenen Angaben zufolge Freimaurer seit 1948, danach mit hochrangigen Funktionen bekleidet (Mitglied des Senats der Vereinigten Großlogen von Deutschland).

Kritik an katholischer Kirche

Schon in der von Vorgrimler verfassten „Einleitung“ des Buches wird die Kath. Kirche wegen ihrer Ablehnung der Freimaurerei scharf kritisiert:

„Lange Zeit“ sei „selbst die katholische Kirche dem Anti-Freimaurer-Wahn verfallen„. Diese Fehlhaltung könne nur durch „Besinnung auf das ursprüngliche Christentum“ abgebaut werden. Die Kirche müsse sich lösen von einer „hysterischen Psychose gegen Minderheiten“, wobei Vorgrimler „Juden, Kommunisten und Freimaurer“ namentlich benennt. imm031_29A

Überhaupt könnte man den Eindruck gewinnen, als ob Freimaurer in Deutschland übel diskriminiert würden, bezeichnet Vorgrimler sie doch allen Ernstes als „verfolgte und verleumdete Minderheit hierzulande“. Vorgrimler berichtet, dass er kein Logenmitglied sei, weil er persönlich „verschiedene Bedenken“ empfinde, die aber „nicht theologischer oder dogmatischer Natur“ seien.

Prof. Vorgrimler: Kein Mitglied, aber zugeneigt

Er kann mit freimaurerischen Symbolen und Riten nicht allzu viel anfangen, zumal es im „katholischen Christentum“, wie er schreibt, „noch genug entbehrliche Symbole, Zeremonien und Titel gibt, die das Wesentliche nicht in sich bergen, sondern verdecken“. – Da möchte sich der Theologe nicht mit weiteren Symbolen und Ritualen aus der Loge „belasten“.

Allerdings bekundet er ausdrücklich seine „Hochachtung und Zuneigung gegenüber der Freimaurerei“. Im Schlußsatz seiner Einleitung bestätigt er den Freimaurern, dass er bei ihnen „nie andere Motive wahrnahm als die der Verwirklichung von Humanität, Toleranz und Gewissensfreiheit.“

Nun wissen nicht wenige konservative Christen aus Erfahrung, dass die „Toleranz“ vieler selbsternannter Lordsiegelbewahrer der Toleranz bisweilen genau dort aufhört, wo der Andersdenkende beginnt, seinen Standpunkt zu äußern. Damit verliert die vielgepriesene Toleranz ihren eigentlichen Sinn, denn dieser kann nur darin bestehen, dass man dem Andersdenkenden den persönlichen Respekt nicht verweigert, also zwischen Person und Sache trennt.

Toleranz als Einbahnstraße?

Davon kann freilich beim Theologen Vorgrimler keine Rede sein. Toleranz erscheint auch bei ihm als Einbahnstraße, die gegenüber angeblich „verfolgten“ Minderheiten wie z. B. Kommunisten und Freimaurern eingeklagt werden muss, aber selbstverständlich gegenüber „bösen“ Konservativen ihre Gültigkeit verliert.

Wer die Freimaurerei eindeutig ablehnt, ist aus der Sicht des Münsteraner Dogmatikers offenbar reif für die „Klapse“ oder gar ein Fall für den Staatsanwalt. Selbst dann, wenn man beispielsweise mit Pater Manfred Adlers Büchern gegen die Freimaurerei nicht übereinstimmt, wird man sich noch lange nicht dazu versteifen dürfen, den Autor einer „nazistischen Geisteswelt“ zu bezichtigen, wie Vorgrimler das mehrfach unterstellt (S. 66/67).

Sieht so etwa die freimaurerisch inspirierte „Toleranz“ aus, die sich flugs in eine „braune Keule“ verwandelt, wenn es sich beim Andersdenkenden um einen Freimaurerkritiker handelt?

Polemik gegen Bischof Rudolf Graber

Auch der damalige Bischof von Regensburg, Dr. Rudolf Graber, der sich in seiner 1973 erschienenen Schrift „Athanasius und die Kirche unserer Zeit“ skeptisch zur Freimaurerei äußerte, erfährt den fast rasenden Zorn Vorgrimlers, der damals als Dogmatikprofessor in Münster lehrte. Er spricht in bezug auf den Bischof vom „Untergrund, der solche Meinungen hervorbringt“ und von einem „Milieu, das den innerkirchlichen Aufstand probt“ (S. 68).

Vorgrimler sieht seine Aufgabe nun darin, vor solchen „Tendenzen“ zu warnen, „in deren Rahmen Phänomene wie Adler und Graber einzuordnen sind“ (S. 68). – Neben dem Miriam-Verlag, der Monatszeitschrift „Der Fels“ und der „neuen bildpost“ wird auch die „Deutsche Tagespost“ dem antifreimaurerischen Spektrum zugerechnet, wobei die „Übergänge zur Sektenmentalität fließend sind“, wie Dr. Vorgrimler zu berichten weiß (S. 69).

Auf Seite 70 lässt der Autor dann die Katze aus dem Sack und psychiatrisiert ausdrücklich seine Gegner, die schrecklichen Freimaurer-Kritiker, bei denen offenbar die hehren Worte und Werte von „Toleranz, Humanität und Gewissensfreiheit“ ihr abruptes Ende finden, denn schließlich  –  das merke man sich bitte!  –  gilt „Gewissensfreiheit“ nur für Gegner der Kirche, für „verfolgte Minderheiten“ wie Kommunisten und Freimaurer.

Psychiatrisierung der Logenkritik

Vorgrimler schreibt also: „Aus dieser merkwürdigen, nur psychoanalytisch und psychiatrisch erklärbaren Subkultur des katholischen Milieus stammen die nachkonziliaren Angriffe auf die Freimaurerei. Die Erzeugung und Nährung von Psychosen ist heutzutage nicht mehr, wie in den Zeiten Pius IX. und Leos XIII., eine Angelegenheit, an der sich der Papst mit der Mehrheit der Bischöfe beteiligt. Den Betroffenen  –  in diesem Fall den getrennten Brüdern, den Freimaurern  –  mag das ein Trost sein. Man könnte diese Subkulturen sich selbst und ihren Wahnvorstellungen überlassen, da sie Feindbilder und Märtyrersehnsucht nötig haben, um überhaupt existieren zu können und ihnen niemand das Recht auf Existenz absprechen möchte …“.

Bis dahin darf man beruhigt feststellen, dass der Dogmatikprofessor seinen Gegnern immerhin das „Recht auf Existenz“ nicht abspricht, was schon als Fortschritt gelten mag. Der Satz ist freilich noch nicht zu Ende: „…ihnen niemand das Recht auf Existenz absprechen möchte  –  wären nicht schon einmal aus ähnlichen (wenn auch nicht ausgesprochen „christlichen“) Subkulturen jene gekommen, denen es gelang, im Kampf gegen Juden, Freimaurer und Kommunisten die Welt ins Unglück zu stürzen.“

Die Nationalsozialisten, die Vorgrimler hier ins Spiel bringt, haben vor allem die katholische Kirche bekämpft, was er offenbar zu erwähnen „vergisst“. Nicht die Freimaurer, sondern Papst, Bischöfe, Jesuiten und „Pfaffen“ waren die vorrangigen Feindbilder, die im „Stürmer“ und ähnlichen Hetzschriften ständig attackiert und durch Karikaturen verunglimpft wurden.

Verständnis für deistisches „Gottesbild“

Großes Verständnis zeigt Vorgrimler für das bestenfalls deistische, häufig völlig verschwommene und unpersönliche Gottesbild mancher „christlicher“ Freimaurer der unteren Grade (Johannislogen). Der Autor stellt fest: „Im freimaurerischen Begriff des Großen Baumeisters des Universums ist nun nichts enthalten und ausgesprochen, was dem christlichen Gottesverständnis im Weg stünde.“ (S. 74).

Während Dr. Vorgrimler in den Seiten zuvor alle Hände voll zu tun hatte, Andersdenkende zu diffamieren und zu psychiatrisieren, fällt ihm im Zusammenhang mit der Freimaurerei wieder das Hohelied der Toleranz ein. Auf S. 76 stellt er das vermeintlich weiße Gewand der Loge dem angeblich befleckten Kleid der Kirche gegenüber:

„Ein Katholik kann aber der Überzeugung sein, dass die Bejahung der Menschenrechte in der Kirche, die Bejahung der religiösen Toleranz in der Gesellschaft und damit auch die Bejahung der Gewissensfreiheit, die Einsicht, dass die Freiheit nur soweit verwirklicht ist, als die Freiheit der Einsicht in die Kirche gekommen ist.“

Wer hat diese „Einsichten“ in den Raum der Kirche getragen? – Aber sicher doch, die „verfolgten Minderheiten“ natürlich:

„Er (der Katholik) wird zugeben müssen, dass die Kirche die Freiheit verschüttet hat und dass andere sie neu erkämpfen mussten. In diesem Sinne kann er Außenstehenden – Protestanten, Juden, Freimaurern, Sozialisten – für vielfältige Einsichten dankbar sein, für die seine Kirchenführer blind waren.“

Zustimmung zum Antiklerikalismus

Auf der nächsten Seite erklärt der Autor dem vielleicht damals noch staunenden Publikum, dass es durchaus einen „berechtigten Antiklerikalismus“ gebe. Schließlich könne „auch ein Katholik der begründeten Überzeugung sein, die Kirche einer bestimmten Region nehme zu viel Einfluss auf das öffentliche Leben; sie sei mit zu vielen Privilegien ausgestattet, ihre legitim erworbenen Rechte stünden heute einem glaubhaften evangelischen Zeugnis im Wege, sie müsse daher, wie das Zweite Vatikanische Konzil ausdrücklich vorsah, auch auf solche legitimen Rechte verzichten.“

Der Autor erspart sich die Beweisführung aus dem 2. Vatikanum, das angeblich dazu aufruft, die Kirche „müsse“ auf ihre „legitim erworbenen“ (!) Rechte verzichten. Auch wenn die Freimaurerei dies seit Jahrhunderten fordert, „muss“ die Kirche sich diesem Wunsche noch lange nicht fügen, zumal die Logen keineswegs zugunsten der Kirche auf irgendwelche „Rechte“ verzichten. Wieder nur eine Einbahnstraße zu Lasten der Kirche!

Vorgrimler würdigt auch atheistische Logen

Wenn dieser einseitige Antiklerikalismus überdies mit dem wohlklingenden Wort vom „evangelischen Zeugnis“ verbrämt wird, stehen einem erst recht die Haare zu Berge. „Toleranz üben zu lernen ist auch für Katholiken durchaus wertvoll“, schreibt Vorgrimler sogar hinsichtlich jener atheistischer Logen, die den sog. „Obersten Baumeister des Weltalls“ nicht verehren (S. 77/78).

Solange der Glaube in diesen ungläubigen Logen nicht bekämpft werde, stehe einer Mitgliedschaft von Katholiken seiner Ansicht nach nichts im Wege. Aber selbst gegenüber betont atheistischen, gemeint sind wohl antikirchlichen Logen, bei denen sogar Vorgrimler von einer Mitgliedschaft abrät, empfiehlt er „Dialog und Zusammenarbeit“ (S. 78).

Es entspräche „nicht christlichem Geist“, wenn die Kath. Kirche „lediglich“ ihr Verhältnis zu den „regulären Logen“ ordnen würde, hingegen eine „absolute Feindschaft“ gegenüber antiklerikalen „irregulären Logen“ (in Frankreich z. B. der mitgliederstarke „Grand Orient de France“) aufrechterhalten wolle.

Kirche wird „pathologisches Feindbild“ vorgehalten

Das würde bedeuten, dass die Kirche auf eine unmissverständliche Abgrenzung verzichtet gegenüber Gruppen, von denen sie bekämpft wird. So etwas wie „Feindschaft“ darf sich offenbar nur die Loge leisten; von Seiten der Kirche handelt es sich im gleichen Fall um ein „pathologisches Feindbild“ (S. 78).

Wieder einmal fällt dem Theologen Vorgrimler das Zweite Vatikanum ein, wenn ihm sonst nichts mehr einfällt. Es muss jetzt dazu herhalten, „im Interesse der Menschheit“ tätig zu werden:

„Es entspräche nicht den vom Konzil ausgehenden Impulsen, wollte man gar nicht nach Aufgaben fragen, die sich möglicherweise im Interesse der Menschheit und einer humanen Zukunft für Katholiken und Freimaurer gemeinsam abzeichnen.“ (S. 79)

Mit diesem wenig sagenden, aber viel andeutenden Schlußsatz verabschiedet sich Prof. Vorgrimler von den Lesern des Buches.

Möglicherweise denkt er an etwas Ähnliches wie sein theologischer Ziehvater Karl Rahner, der bereits 4 Jahre zuvor, nämlich 1971, in dem Sammelband „Zur Theologie der Zukunft“ auf S. 111 folgendes über die „planetarische Menschheit“ zu schreiben wusste:

„Der Mensch von heute und erst recht der von Morgen ist der Mensch einer planetarisch vereinheitlichten Geschichte, eines globalen Lebensraumes und damit der Abhängigkeit jedes von schlechthin allen. Die UNO ist dafür nur ein bescheidenes Indiz.“

Führender Freimaurer Rolf Appel

Was nun den Buch-Kollegen Rolf Appel betrifft, so stimmt er natürlich mit dem Theologen Vorgrimler in der Wertschätzung der Freimaurerei überein, zumal er dort seit Jahrzehnten als Mitglied zuhause ist. Man muss dem Redakteur und Verleger Appel allerdings zugutehalten, dass er die Logengeschichte weitaus kritischer sieht und sichtet als der katholische Dogmatiker, was einigermaßen erstaunt.

Immerhin räumt er ein, dass vor allem im 18. Jahrhundert schwerwiegende Fehler und Ver(w)irrungen seitens der Freimaurerei vorgekommen sind; ein Gedanke, den Prof. Vorgrimler vermutlich nie zu denken wagte, jedenfalls floss er nicht in seine Tinte.

Der bekennende Freimaurer Rolf Appel jedoch konstatiert offenherzig: „Es ist nur zu verständlich, dass die katholische Kirche den größten Argwohn gegenüber der Freimaurerei hegen musste“, zumal die Logenarbeit damals „streng geheim“ gewesen sei (S. 125).

Das hört sich deutlich anders an als die antikirchlichen Attacken Vorgrimlers gegen die vermeintlich „pathologischen Wahnvorstellungen“ und die „Erzeugung von Psychosen“ durch Papst und Kirche, wogegen er auf den Seiten 62 bis 70 unerbittlich polemisiert.

Causa „Lichtenauer Erklärung“

Im Anhang an den Vorgrimler-Artikel wird übrigens die freimaurerfreundliche „Lichtenauer Erklärung“ von 1970 dokumentiert, an der Prof. Vorgrimler mitwirkte, die aber nicht einmal vom Wiener Kardinal König unterzeichnet wurde, obgleich dieser der Freimaurerei keineswegs feindlich gegenübersteht.

Bischof Dr. Josef Stimpfle (Augsburg) erklärte am 12. Mai 1980 im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz in einer Pressemitteilung: „Die Lichtenauer Erklärung hat keinerlei kirchliche Autorisierung erhalten: Weder von einer Bischofskonferenz noch von einer römischen Behörde.

Außerdem stellte er klar: „Die gleichzeitige Zugehörigkeit zur Katholischen Kirche und zur Freimaurerei ist unvereinbar.“ – Seine Begründung: „Die Freimaurerei hat sich in ihrem Wesen nicht gewandelt. Eine Zugehörigkeit stellt die Grundlagen der christlichen Existenz in Frage.“

Die „Deutsche Tagespost“, in Dr. Vorgrimlers Buch der antifreimaurerischen „Subkultur“ zugerechnet, veröffentlichte am 8. 12. 1981 ein Interview von Radio Vatikan mit Bischof Stimpfle. Darin gibt der Augsburger Oberhirte zu erkennen, dass sogar die jahrelangen offiziellen Gespräche mit „regulären“ (nicht antikirchlichen) Freimaurern nur einen Einblick in die unteren drei Grade ermöglicht haben.

Geheimnischarakter der Logen

Der Bischof berichtet wörtlich:

„Die Freimaurerei ist auf vielen Graden aufgebaut. Nur für die unteren drei Grade (Lehrling, Geselle, Meister), für die „Johannismaurerei“, erstreben die Freimaurer eine kirchliche Beitrittserlaubnis, während sie für die höheren Grade eine Öffnung zur Kirche hin nicht erstreben, offensichtlich auch gar nicht für möglich halten. Die höheren Grade, ihr Wesen, ihre Ziele und Aktivitäten, hüllen sie in ein undurchdringliches Geheimnis. Noch im Jahr 1980 hat der zugeordnete Großmeister G. Großmann eine Verstärkung des Geheimnischarakters der Freimaurerei gefordert.“

Daraufhin stellt der Bischof die berechtigte Frage: „Wie kann sich die Kirche einer Organisation öffnen, deren oberste Leitung ihre Pläne und Unternehmungen völlig verborgen hält?“

Unvereinbarkeitsbeschluß der dt. Bischöfe

Die eindeutige Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz, vom „Spiegel“ (Nr. 13/1981) damals als „Anti-Freimaurer-Bannfluch“ und „Rückmarsch ins Ghetto“ bezeichnet, führte zu wütenden Ausfällen des „herausragenden Theologen“.

Der Unvereinbarkeits-Beschluss des deutschen Episkopats gehöre, so Dr. Vorgrimler, „in die Sammlung aberwitziger Bannflüche seit 150 Jahren“.

Er fügte hinzu: „Die Kirche muss sich nicht wundern, wenn sie angesichts solcher Erklärungen als Gesprächspartner nicht mehr ernst genommen wird.

Das „alte“ Kirchenrecht (CIC von 1917) enthielt bekanntlich eine Bestimmung (can. 2335), wonach der Beitritt zur Freimaurerei bei Strafe der Exkommunikation verboten ist. Nachdem die Freimaurerei im neuen CIC von 1983 nicht mehr ausdrücklich erwähnt ist, wurde dies von interessierter Seite so verstanden, als stände damit einer Logenmitgliedschaft von Katholiken nichts mehr im Wege.

Kardinal Ratzingers Klarstellung zur FreimaurereiPapst Benedikt XVI

Kardinal Joseph Ratzinger trat angesichts der offensichtlichen Verwirrung auf die Notbremse und veröffentlichte am 26. 11. 1983 unter Berufung auf den Papst eine offizielle Erklärung der Glaubenskongregation, in der es heißt:

„Das negative Urteil der Kirche über die freimaurerischen Vereinigungen bleibt also unverändert, weil ihre Prinzipien immer als unvereinbar mit der Lehre der Kirche betrachtet wurden und deshalb der Beitritt zu ihnen verboten bleibt.“

Zu jener Zeit, als Prof. Vorgrimler sein Dialogbuch pro Freimaurerei herausbrachte (1975), galt ohnehin noch der alte CIC, der für die Mitgliedschaft in der Loge ausdrücklich die Exkommunikation vorsah.

Man hätte nun erwarten dürfen, dass das Vorgrimler-Buch nicht ohne Folgen bleibt, stellt es doch eine offensichtliche Parteinahme für die Freimaurerei dar, verbunden mit scharfen Attacken gegen die Kirche, besonders gegen Bischof Rudolf Graber. Meines Wissens führten weder diese noch andere Veröffentlichungen des Rahner-Schülers im zuständigen Bistum Münster zu diszipliniarischen bzw. kirchenrechtlichen Konsequenzen, obwohl dieser „Star-Theologe“ seit Jahrzehnten seine Häresien publiziert.

Bischof Lettmann würdigt Prof. Vorgrimler

Im Gegenteil: die Freundschaft zwischen Diözesanbischof Dr. Reinhard Lettmann und dem „undogmatischen“ Dogmatiker Vorgrimler ist seit langem bekannt. Niemand macht ein Geheimnis daraus, am wenigsten der Oberhirte selbst.

In den „Westfälischen Nachrichten“ erschien am 12.5.2003 ein vierspaltiger Artikel mit großem Foto und vielsagendem Titel: „Dank an einen herausragenden Theologen“. Gemeint war damit kein Geringerer als Dr. Herbert Vorgrimler, dessen „Goldenes Priesterjubiläum“ es zu feiern galt.

Offenbar scheint es ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass bei prominenten Theologen  –  Häresien hin oder her – auch hochrangige Amtsträger zur Stelle sind, die allzu gut wissen, was sie dem Zeitgeist schuldig sind. Das breitformatige Zeitungs-Foto zeigt Dr. Vorgrimler als Hauptzelebranten am Altar, daneben die Bischöfe Dr. Reinhard Lettmann, Heinrich Mussinghoff (Aachen), Evmenios von Lefka (griechisch-orthodox) sowie zwei weitere Geistliche.

„Drei Bischöfe gratulierten“, schreiben die „Westfälischen Nachrichten“ stolz im Untertitel. Diese Tageszeitung erscheint im Aschendorff-Verlag, der auch das neueste Buch von Dr. Vorgrimler herausbringt.

Zeitungsreporter Johannes Loy beginnt seinen Bericht mit sichtlicher Begeisterung:

„Generationen von Studierenden hat er geprägt, sein Name ist in der theologischen Forschung weltweit ein Begriff und „sogar dem Papst bekannt“, wie Bischof Dr. Reinhard Lettmann schmunzelnd formulierte. Prof. Dr. Herbert Vorgrimler (74), emeritierter Universitätsprofessor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster, feierte am Samstag sein Goldenes Priesterjubiläum …“.

„Diesem Ruf ist unser Jubilar gefolgt“

Die Zeitung schildert auch die Predigt des Diözesanbischofs:

„Bischof Reinhard Lettmann dankte Vorgrimler für seinen Dienst als Priester und theologischer Lehrer. „Das Priesteramt ist kein „Job“, sondern ein Dienst in der Berufung Gottes. Diesem Ruf ist auch unser Jubilar gefolgt.“

Theologie müsse sich an der Geschichtlichkeit festhalten und dürfe sich nicht in die Mythologie oder in ein Glasperlenspiel flüchten. Dies habe Vorgrimler immer wieder gelehrt. Lettmann wörtlich: „Wenn das Heil geschichtslos wird, wird auch die Geschichte heillos.“

Die „Westfälischen Nachrichten“ berichten sodann, dass Dr. Vorgrimler auch in der Krankenseelsorge des Clemenshospitals von Münster mitwirke. Darauf will sich der „herausragende Theologe“ freilich nicht beschränken, denn: „Etliche weitere Buchprojekte liegen auf seinem Schreibtisch.“

Dass der Aschendorff-Verlag seinen eigenen Autor hofiert, kann man gewiss nachvollziehen, wenngleich die Verehrung zuweilen merkwürdige Ausmaße annimmt.

Als der Zeitungsverlag am 22. Januar dieses Jahres zu einem Vortrag mit Prof. Vorgrimler einlud und zugleich sein neues Buch vorstellte, kamen ca. 170  –  meist weibliche – Zuhörer.

Ein Verlagsmitarbeiter würdigte den Referenten in seiner Begrüßung über alle Maßen, indem er beispielsweise sagte, er sei „nicht würdig, ihm (Dr. Vorgrimler) die Schuhriemen zu lösen“. – Abschließend appellierte er an die Anwesenden: „Was er euch sagt, das tut!“ – Gemeint war mit „er“ nicht etwa Jesus Christus, sondern der gefeierte Theologe von der schreibenden Zunft.

Bischof Mussinghoffs ist Vorgrimler verbunden

Zu den „Fans“ von Dr. Vorgrimler gehört anscheinend auch Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff (Aachen), der vor seiner Bischofsweihe als Dompropst in Münster tätig war. Er ist zum Vize-Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz aufgestiegen und gilt, wie es in einer Überschrift der „Westfälischen Nachrichten“ heißt, als „Mann der leisen Töne mit Ambitionen“.

Weniger leise, sondern eher verwunderlich klang es freilich, als Bischof Mussinghoff beim „Weltgebetstreffen der Religionen“ in Aachen (7. bis 9. September 2003) Folgendes zum Besten gab:

„Gott ist nicht katholisch. Gott ist nicht evangelisch. Gott ist nicht orthodox. Gott ist nicht einmal christlich.“

Am 12. Mai 2003 konzelebrierte er beim „Goldenen Priesterjubiläum“ von Dr. Vorgrimler gemeinsam mit Bischof Reinhard Lettmann. In einem Interview mit den „Westfälischen Nachrichten“ vom 14. August 2003 erklärte Bischof Mussinghoff, dass er sich weiterhin gelegentlich mit Prof. Vorgrimler treffe.

Auf die Frage „Was vermissen Sie heute?“, antwortete der Aachener Oberhirte: „Den Kontakt zur katholisch- theologischen Fakultät. Eine solche Fakultät gibt es in Münster, in Aachen nicht … Einen regelmäßigen Gedankenaustausch mit Theologie-Professoren pflegen zu können, das habe ich während meiner Zeit als Dompropst sehr geschätzt und genossen.“

Diesen Gedankenaustausch schätzt auch sein Münsteraner Amtskollege Reinhard Lettmann, jedenfalls in bezug auf Dr. Vorgrimler. Als der Bischof im Februar 2003 seinen 70. Geburtstag feierte, erschienen in der Bistumszeitung „Kirche und Leben“ (Nr. 8/2003) drei positive Würdigungen, darunter auch eine von Bischof Mussinghoff unter dem Titel „Treue und Beständigkeit“.

ARD-Chef Fritz Pleitgen lobt Bischof Lettmann

Einen weiteren Beitrag („Hoch gebildet und tief geerdet“) über Dr. Reinhard Lettmann verfasste Fritz Pleitgen, politisch linksorientierter WDR-Intendant und bis vor kurzem auch Chef der ARD. – Der fünfspaltige Artikel „Dem Kommenden entgegen“ stammte selbstverständlich vom „herausragenden Theologen“.

Dr. Vorgrimler bezeichnet sich darin als „persönlichen Wegbegleiter“ und „Weggefährten“ des Münsteraner Oberhirten. Er berichtet von gemeinsamen Urlaubsreisen und „unvergesslichen Situationen“, z. B. der folgenden:

„Zu ihnen gehört ein Abend in den Bergen des Sinai, als das Feuer tief niedergebrannt war, die zwei Beduinen schliefen, die Kamele leise schnaubten, als wir schlaflos die Sternenpracht des tiefdunklen Himmels schauten und Reinhard Lettmann englische Gedichte rezitierte.“

Der Theologe schildert seinen „Weggefährten“ als jemanden, der durch Gebet und Gottvertrauen die Kraft finde, ein „positiver, konstruktiv denkender und auch ein toleranter Mensch zu sein.“

Dr. Vorgrimler fügt hinzu: „Mit den Miesmachern, den „Unheilspropheten“, die überall nur Verderben und Untergang wittern, hat er nichts gemein.“ 

Auch wenn glaubenstreue Katholiken in den Veröffentlichungen des Münsteraner „Startheologen“ keinen Untergang wittern, so erkennen sie durchaus Verderben darin, wenn Glaubensfundamente zerstört und wesentliche Wahrheiten der Heiligen Schrift und der verbindlichen kirchlichen Lehre geleugnet werden.

Das gilt besonders für die Gottheit Christi, denn mit dem Glauben an den Gottmenschen Jesus Christus steht und fallt nicht „nur“ der katholische Glaube, sondern das Christentum insgesamt.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Erstveröffentlichung dieses Artikels in der Zeitschrift „Theologisches“ vom November 2003