Himmlischer Ursprung der Menschenrechte

Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht:
Wenn der Gedrückte

nirgends Recht kann finden,
wenn unerträglich wird die Last – greift er
hinauf getrosten Mutes in den Himmel
und holt herunter seine ewigen Rechte,
die droben hangen unveräußerlich
und unzerbrechlich wie die Sterne selbst.

Erklärung eines Schweizer Freiheitshelden in
Friedrich Schillers Drama „Wilhelm Tell“

Bild: Evita Gründler


Unser SOMMER-Plakat für SPIEL und SPORT

Momentaufnahme aus der Promenade im Stadtkern (!) von Münster

Aktuelles Poster aus dem ECCLESIA-Plakatdienst des KOMM-MIT-Jugendverlags in Münster

Das FOTO von Felizitas Küble zeigt eine Momentaufnahme aus der „Promenade“ in der Innenstadt (!) von Münster

 


Friedrich Schiller in „Maria Stuart“ über den Papstsegen vor vielen Jahrhunderten

„Als ich den Papst drauf sah in seiner Pracht, das Hochamt halten und die Völker segnen…“

Am heutigen Weihnachtsfest spendete Papst Benedikt als Oberhaupt von über einer Milliarde Katholiken seinen feierlichen Segen „urbi et orbi“ (der Stadt und dem Erdkreis) im Namen des dreieinigen Gottes.

In den Dramen des Dichterfürsten Friedrich Schiller stehen oftmals katholische Helden im Mittelpunkt, obwohl Schiller selber zeitlebens evangelisch war.

Auch in „Maria Stuart“, einem seiner reifsten Theaterstücke, ist eine katholische Königin in ihrer Tragik und in ihrer Glaubensstärke das Zentrum des Dramas.

Bereits im ersten Teil berichtet der tatendurstige Konvertit Mortimer, wie er den Weg zur katholischen Kirche gefunden hat. Doch geben wir hierzu Schiller selbst das Wort und lassen Mortimer sprechen:

Mortimer:

Ich zählte zwanzig Jahre, Königin,
in strengen Pflichten war ich aufgewachsen,
in finsterem Haß des Papsttums aufgesäugt,
als mich die unbezwingliche Begierde
hinaustrieb auf das feste Land. Ich ließ
der Puritaner dumpfe Predigtstuben,
die Heimat hinter mir; in schnellem Lauf
durchzog ich Frankreich, das gepriesene
Italien mit heißem Wunsche suchend.

Es war die Zeit des großen Kirchenfests,
von Pilgerscharen wimmelten die Wege,
bekränzt war jedes Gottesbild; es war,
als ob die Menschheit auf der Wandrung wäre,
wallfahrend nach dem Himmelreich. – Mich selbst
ergriff der Strom der glaubensvollen Menge
und riß mich in das Weichbild Roms  –
wie ward mir, Königin!

Als mir der Säulen Pracht und Siegesbogen
entgegenstieg, des Kolosseums Herrlichkeit
den Staunenden umfing, ein hoher Bildnergeist
in seine heitre Wunderwelt mich schloß!

Ich hatte nie der Künste Macht gefühlt:
Es haßt die Kirche, die mich auferzog,
der Sinne Reiz; kein Abbild duldet sie,
allein das körperlose Wort verehrend.

Wie wurde mir, als ich ins Innere nun
der Kirchen trat und die Musik der Himmel
herunterstieg und der Gestalten Fülle
verschwenderisch aus Wand und Decke quoll,

Das Herrlichste und Höchste, gegenwärtig,
vor den entzückten Sinnen sich bewegte;
als ich sie selbst nun sah, die Göttlichen,
den Gruß des Engels, die Geburt des HERRN,
die Heil’ge Mutter, die herabgestiegene
Dreifaltigkeit, die leuchtende Verklärung.

Als ich den Papst drauf sah in seiner Pracht
das Hochamt halten und die Völker segnen.
O, was ist Goldes, was Juwelen Schein,
womit der Erde Könige sich schmücken!
Nur er ist mit dem Göttlichen umgeben.
Ein wahrhaft Reich der Himmel ist sein Haus,
denn nicht von dieser Welt sind diese Formen.


Friedrich Schiller: Der Graf von Habsburg

Eine ergreifende Ballade des Dichterfürsten über das Sakrament des Altares

Zu Aachen in seiner Kaiserpracht,
im altertümlichen Saale,
saß König Rudolfs heilige Macht
beim festlichen Krönungsmahle.
 
Die Speisen trug der Pfalzgraf des Rheins,
es schenkte der Böhme des perlenden Weins,
und alle die Wähler, die sieben,
wie der Sterne Chor um die Sonne sich stellt,
umstanden geschäftig den Herrscher der Welt,
die Würde des Amtes zu üben.
 
Und rings erfüllte den hohen Balkon
das Volk in freudigem Gedränge,
laut mischte sich in der Posaunen Ton
das jauchzende Rufen der Menge;
denn geendigt nach langem verderblichen Streit
war die kaiserlose, die schreckliche Zeit,
und ein Richter war wieder auf Erden.
Nicht blind mehr waltet der eiserne Speer,
nicht fürchtet der Schwache,  der Friedliche mehr,
des Mächtigen Beute zu werden.
 
Und der Kaiser ergreift den goldenen Pokal
und spricht mit zufriedenen Blicken:
„Wohl glänzet das Fest, wohl pranget das Mahl,
mein königlich Herz zu entzücken;
doch den Sänger vermiß´ ich, den Bringer der Lust,
der mit süßem Klang mir bewege die Brust
und mit göttlich erhabenen Lehren.
So hab ich’s gehalten von Jugend an,
und was ich als Ritter gepflegt und getan,
nicht will ich’s als Kaiser entbehren!“
 
Und sieh!   In der Fürsten umgebenden Kreis
trat der Sänger im langen Talare;
ihm glänzte die Locke silberweiß,
gebleicht von der Fülle der Jahre.
 
„Süßer Wohllaut schläft in der Saiten Gold,
der Sänger singt von der Minne Sold,
er preiset das Höchste, das Beste.
Was das Herz sich wünscht, was der Sinn begehrt;
doch sage, was ist des Kaisers wert
an seinem herrlichsten Feste?“
 
„Nicht gebieten werd´ ich dem Sänger“, spricht
der Herrscher mit lächelndem Munde,
„er steht in des größeren Herren Pflicht,
er gehorcht der gebietenden Stunde.
Wie in den Lüften der Sturmwind saust,
man weiß nicht von wannen er kommt und braust,
wie der Quell aus verborgenen Tiefen:
so des Sängers Lied aus dem Inneren schallt
und wecket der dunklen Gefühle Gewalt,
die im Herzen wunderbar schliefen.“
 
Und der Sänger rasch in die Saiten fällt
und beginnt sie mächtig zu schlagen:
Aufs Waidwerk hinaus ritt ein edler Held,
den flüchtigen Gemsbock zu jagen.
Ihm folgte der Knapp mit dem Jägergeschoß,
und als er auf seinem stattlichen Roß
in eine Au kommt geritten,
 
ein Glöcklein hört er erklingen fern,
ein Priester war´s mit dem Leib des HERRN,
voran kam der Mesner geschritten.
Und der Graf zur Erde sich neiget hin,
das Haupt mit Demut entblößet,
zu verehren mit gläubigem Christensinn,
was alle Menschen erlöset.
 
Ein Bächlein aber rauschte durchs Feld,
von des Gießbachs reißenden Fluten geschwellt,
das hemmte der Wanderer Tritte;
und beiseit´  legt jener das Sakrament,
von den Füßen zieht er die Schuhe behend,
damit er das Bächlein durchschritte.
 
„Was schaffst Du?“, redet der Graf ihn an,
der ihn verwundert betrachtet.
„Herr, ich walle zu einem sterbenden Mann,
der nach der Himmelskost schmachtet;
und da ich mich nahe des Baches Steg,
da hat ihn der strömende Gießbach hinweg
im Strudel der Wellen gerissen.
Drum daß dem Lechzenden werde sein Heil,
will ich das Wässerlein jetzt in Eil´
durchwaten mit nackenden Füßen.“
 
Da setzt ihn der Graf auf sein ritterlich Pferd
und reicht ihm die prächtigen Zäume,
daß er labe den Kranken, der sein begehrt
und die heilige Pflicht nicht versäume.
Und selber auf seines Knappen Tier
vergnüget noch weiter des Jagens Begier;
der andere die Reise vollführet.
Und am nächsten Morgen,  mit dankendem Blick,
da bringt er dem Grafen sein Roß zurück,
bescheiden am Zügel geführet.
 
Nicht wolle das Gott“, rief mit Demutssinn
der Graf, „daß zum Streiten und Jagen
das Roß ich beschritte fürderhin,
das meinen Schöpfer getragen!
Und magst Du´s nicht haben zu eigenem Gewinn,
so bleibt es gewidmet dem göttlichen Dienst!
Denn ich  hab es  d e m  ja gegeben,
von dem ich Ehre und irdisches Gut
zu Lehen trage, und Leib und Blut
und Seele und Atem und Leben.“
 
„So mög´ auch Gott, der allmächtige Hort,
der das Flehen der Schwachen erhöret,
zu Ehren Euch bringen hier und dort,
so wie Ihr jetzt IHN geehret.
Ihr seid ein mächtiger Graf, bekannt
durch ein ritterlich Walten im Schweizerland,
Euch blühen sechs liebliche Töchter.
So mögen sie“, rief er begeistert aus,
„sechs Kronen bringen in Euer Haus,
und glänzen die spätsten Geschlechter!“
 
Und mit sinnendem Haupt saß der Kaiser da,
als dächt´ er vergangener Zeiten;
jetzt, da er dem Sänger ins Auge sah,
da ergreift ihn der Worte Bedeuten.
 
Die Züge des Priesters erkennt er schnell
und verbirgt der Tränen stürzenden Quell
in des Mantels purpurnen Falten.
Und alles blickte den Kaiser an,
und erkannte den Grafen, der das getan,
und verehrte das göttliche Walten.