„Verkündigung des HERRN“: Heute vollzieht das Bistum Augsburg eine Marienweihe

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Der ernannte Bischof von Augsburg, Diözesanadministrator Dr. Bertram Meier, wird am Mittwoch, dem 25. März   – also am Hochfest der Verkündigung des HERRN  –  das Bistum Augsburg der Gottesmutter weihen.
Alle Gläubigen sind herzlich eingeladen, diese Marienweihe während des abendlichen Gottesdienstes aus der Kapelle des Bischofshauses auch selbst mitzuvollziehen.
Aus diesem Anlass werden morgen im Bistum Augsburg um 19 Uhr auch die Kirchenglocken läuten.

„Ich wurde zuletzt mehrmals darauf angesprochen, ob ich diesen sehr besonderen Schritt in dieser für uns alle schweren und ungewohnten Zeit tun könnte“, erklärt dazu Bischof Bertram.

„Diese Bitte greife ich am Hochfest der Verkündigung des Herrn gerne auf. Ich werde Maria, der Mutter der göttlichen Liebe, das pilgernde Gottesvolk von Augsburg mit all seinen Möglichkeiten und Problemen, mit seinen Freuden, Ängsten und Hoffnungen anvertrauen.

Besonders freuen würde ich mich, wenn zahlreiche Gläubige am Mittwochabend zu Hause in ihren Wohnungen, die in diesen Tagen ja zu ihren Hauskirchen geworden sind, gemeinsam mit mir dieses Weihegebet sprechen würden. Natürlich denke ich dabei auch an unsere Priester und die Ordensgemeinschaften im Bistum.“

Gewiss sei die Marienweihe jetzt der ganz besonderen Situation geschuldet, die sich aus der Corona-Pandemie ergebe.

„Aber ich habe dieses Gebet bewusst so formuliert, dass wir es auch später noch sprechen und verwenden können. Ich denke da zum Beispiel an den Marienmonat Mai.“

Es sei ihm zudem ein wichtiges persönliches Anliegen, seine Amtszeit als Bischof, die er durch die derzeitigen besonderen Umstände noch nicht habe in vollem Umfang antreten können, unter den Schutz der Gottesmutter zu stellen.

Seitens des Diözesanrats der Katholiken begrüßt dessen Vorsitzende Hildegard Schütz diese Marienweihe sehr:

„Überall im Bistum gibt es Wallfahrtsorte und Kirchen, die der Gottesmutter geweiht sind. Es gibt viele Mariengrotten.“ Zahlreiche Votivtafeln seien mit dem Spruch „Maria hat geholfen“ versehen. Aus dieser Glaubenserfahrung der Menschen könnten wir gerade jetzt Kraft und Hoffnung schöpfen.

„Ich lade deshalb alle Gläubigen und insbesondere auch unsere Pfarrgemeinderäte herzlich dazu ein, diese Initiative mitzutragen und im Bistum bekannt zu machen“, so Frau Schütz weiter.

Das Bistum Augsburg wurde in der Vergangenheit immer wieder der Gottesmutter geweiht. Zuletzt war dies unter Bischof Dr. Konrad Zdarsa im Rahmen der Patrona-Bavariae-Wallfahrt der bayerischen Bischöfe zur Knotenlöserin im Mai 2015 der Fall. Auch der Hohe Dom zu Augsburg ist eine Marienkirche, er trägt das Patrozinium „Mariä Heimsuchung“.

Die heilige Messe mit der anschließenden Marienweihe in der Kapelle des Bischofshauses beginnt am Mittwochabend um 19 Uhr. Sie wird von katholisch1.tv live im Internet übertragen und kann auf dessen Seite bei YouTube verfolgt werden.

Die Gottesdienste aus der Kapelle des Bischofshauses gibt es wochentags (Montag bis Samstag) täglich um 19 Uhr auf YouTube bei katholisch1.tv, außerdem sonntags um 10 Uhr zusätzlich auch bei a.tv und Allgäu-TV.

HIER geht es zum Mariengebet_DIN_A4 (1,3 MB)

Quelle: https://bistum-augsburg.de/Nachrichten/Marienweihe-des-Bistums_id_218867


Die heilige CORONA war eine Märtyrerin

Sie gilt seit jeher als Fürbitterin gegen Seuchen

Wer hätte das gedacht? – Es gibt sogar eine heilige Corona. Das mag derzeit etwas makaber klingen, ist aber wahr.

Vielleicht wird sie in Viruszeiten als Fürsprecherin neu entdeckt? – Dies umso mehr, da sie von alters her als Patronin gegen Seuchen verehrt wird (siehe hier: https://www.heiligenlexikon.de/BiographienC/Corona_Stephana.html).

Das zeigt beispielhaft dieses alte Heiligenbild, das in seiner Beschreibung ausdrücklich erwähnt: „Schutzpatronin u. a. gegen Seuchen.“

Die hl. Corona – auch Korona genannt –  starb als Jungfrau und Blutzeugin für Christus in Syrien oder Ägypten in jugendlichem Alter 177 n. Chr., somit zur Zeit der römischen Christenverfolgung.

Dabei soll sie gemeinsam mit dem hl. Victor von Siena den Märtyrertod auf sich genommen haben. Als dieser Soldat seines christlichen Glaubens wegen gemartert wurde, habe Corona – sie war die Verlobte eines seiner Kameraden  – ihn getröstet und ermutigt. Deshalb sei sie ebenfalls festgenommen worden. Es gibt auch Legenden, wonach sie Victors Frau gewesen sei.

Am 14. Mai feiert die katholische Kirche das Namensfest der hl. Corona, die besonders in Österreich und Bayern recht beliebt und in Tradition und Brauchtum verankert ist – so gibt es z.B. die Wallfahrtskirche St. Corona bei Staudach. Die orthodoxen Gläubigen halten ihren Gedenktag am 11. November, die altorientalische armenische Kirche am 10. November.

Auch Kaiser Karl der Große soll sie um ihre Fürsprache angerufen haben. Im Aachener Dom gibt es den Corona-Leopardus-Schrein, der zudem die Überreste des hl. Leopardus enthält.

Auch der Dom in Bremen birgt Reliquien dieser Blutzeugin, ebenso der Dom in Prag. In Österreich gibt es zwei Ortschaften mit dem Namen St. Corona.

Die Corona-Verehrung kam in der Spätantike (6. Jahr. n. Chr.) in das heutige Coronavirus-Gebiet, nämlich Nord- und Mittel-Italien. In Castelfidardo bei Osimo wurde eine heidnische Kultstätte durch eine der hl. Corona gewidmete Kirche ersetzt.

Bisweilen rankt sich um ihre Gestalt auch abergläubisches  Brauchtum. So soll eine Corona-Anrufung – auch „Kronengebet“ genannt – zum Auffinden verborgener Schätze verwendet worden sein. Als „Gebieterin böser Geister“ war sie in der volksreligiösen Vorstellung ebenfalls bekannt.

Kirchlich wird sie mit einer Palme (Sinnbild für mutiges Bekennertum) oder mit einer Krone dargestellt, denn ihr lateinischer Name bedeutet „Krone“; durch ihren Märtyrertod erreichte sie auch tatsächlich die „Krone“ des ewigen Lebens.

Die frühere österreichische Währung „Krone“ (Vorgänger des Schilling) leitet sich ebenfalls von der hl. Corona ab. Es gibt in der Alpenrepublik auch eine bekannte „Kronenzeitung“.

Katholiken können damals wie heute beten:

Heilige Corona, bitte für uns! Möge der HERR uns durch deine Fürsprache beistehen an Leib und Seele!

Corona-FOTO: Agnes Reichle

 


Indien: Radikale Hindus greifen kath. Pilger an

Etwa 40 katholische Pilger wurden auf ihrem Weg zum berühmten Marienheiligtum in der Stadt Velankanni im Bundesstaat Tamil Nadu von einer Gruppe radikaler Hindus angegriffen und beschimpft.

Die Ortskirche verurteilte den Vorfall vom 18. August entschieden. Die Wallfahrer stammen aus dem nahe gelegenen Bundesstaat Karnataka und wurden von einer Gruppe namens „Hindu Munnani“ angegriffen.

Bischof Devadass Mariadoss von Thanjavur verurteile die Tat. Dabei forderte er die zuständigen Behörden auf, rasch einzugreifen.

Der Oberhirte betont, dass die Wallfahrt ein alljährliches Ereignis ist, das seit Jahrhunderten praktiziert wird.

„Die indische Verfassung garantiert allen Bürgern die freie Ausübung ihrer Religion. Diese Freiheit wird jedoch in jüngster Zeit immer wieder eingeschränkt, wie dieser Vorfall gezeigt hat“, sagte der Bischof.

Nach dem Vorfall reichten die Pilger eine Beschwerde beim zuständigen Polizeipräsidium ein, das bereits sechs Personen festnehmen ließ.

Weitere 200 Katholiken aus der gleichen Gegend setzten ihre Fußwallfahrt nach Velankanni fort.

Velankanni ist ein berühmtes Marienwallfahrtszentrum in der Diözese Thanjavur in Südindien, dessen Basilika jedes Jahr  von zwei Millionen Gläubigen besucht wird.

Im 16. Jahrhundert gerieten portugiesische Seeleute, die von Macao nach Sri Lanka segelten, in der Bucht von Bengalen in einen schrecklichen Sturm und baten die Jungfrau Maria um Fürbitte, der sie versprachen, im Falle ihrer Rettung eine Kirche zu erbauen. Die Kaufleute überlebten den Sturm und begannen mit der Errichtung des Gotteshauses.

Quelle: Fidesdienst – Foto: Asianews


Wie die Fürsprache des hl. Antonius unserem verzweifelten Hausmeister geholfen hat

Vor ca 30 Jahren arbeitete ich in einem kath. Pflegeheim in der Verwaltung. Damals waren Handys noch nicht geläufig, weshalb unser Hausmeister sich mit einem teuren Funkgerät begnügen mußte.

Dabei konnte man ihn, wenn er benötigt wurde, lediglich mit einer Signal-Nummer „anwählen“, so daß er sich bei dem Betreffenden telefonisch zurückmelden konnte. (Zum Beispiel: „Die Nr. 3 hat sich gemeldet, das ist Sr. Agnes, die muß ich jetzt anrufen.“)

Der junge Hausmeister kam also in mein Büro und erzählte mir angenervt, er habe sein Funkgerät seit drei oder vier Tagen verloren und trotz aller Bemühungen – auch mit Hilfe von Freunden und Zivis – nicht finden können. Er jammerte mir vor, nun müsse er das schlimme Malheur seinem Chef melden, was ihm ganz unangenehm sei.

Ich beruhigte ihn und sagte, da gäbe es nur eine einzige Lösung, nämlich den heiligen Antonius.

Er verdrehte bei dieser Auskunft zunächst etwas die Augen, meinte dann aber, wenn es sonst keine Chance gäbe, könne man die Fürsprache dieses Heiligen ja mal anpeilen. Ich gab ihm zu verstehen, daß der hl. Antonius ein Helfer der Armen war und ein zugleich ein guter Geschäftsmann.

Von daher wäre wohl klar, daß für die übernatürliche Serviceleistung schon ein Bonus angesagt ist, wobei es mit einer Münze in den Klingelbeutel nicht getan sei. Er fragte zurück, was dieser Antonius von Padua wohl für seine Dienste „erwarte“, worauf ich sagte, er solle für den Fall des Erfolges an die zwanzig DM einplanen und sie in den Antonius-Opferkasten für Arme und Bedürftige spenden.

Ich sagte dem Hausmeister, er möge noch nicht zum Chef gehen, sondern etwas Geduld haben, denn jetzt müßten erst einmal die fälligen Gebete zum Himmel steigen. Der Mann war damit einverstanden und verließ mein Büro.

Ich sprach einige Stoßgebete und wandte mich wieder meiner Arbeit zu.

Nach etwa zehn Minuten klingelte es und die Angestellte eines Baumarkts meldete, es sei bei ihnen eine Art Funkgerät entdeckt worden. Sie habe eine Liste durchgeackert, welche Kunden und Firmen in letzter Zeit eingekauft und dabei vielleicht dieses Gerät liegengelassen hatten. Sie habe erst eine Reihe anderer Kunden vermutet und angerufen, die jedoch nicht betroffen waren. Nun versuche sie es schlußendlich noch bei uns. Ich war erfreut und teilte der Dame mit, daß wir haargenau ein solches Gerät vermissen.

Darauf habe ich über den Lautsprecher nach dem Hausmeister rufen lassen, der erneut in mein Büro kam. Ich erzählte ihm, der heilige Antonius sei ein schneller Arbeiter und habe bereits alles Nötige veranlaßt. Er möge in jenen Baumarkt gehen und sich das gesuchte Stück an Land ziehen.

Der Mann war hell begeistert  –  und schon kurz danach wußte das ganze Haus von dem „Wunder des hl. Antonius“. Noch Tage später war die Gebetserhörung in unserem Pflegeheim in aller Munde.

Mich hat es auch deshalb besonders gefreut, weil ich selber Anton heiße, weil durch diese Geschichte mein Namenspatron zu Ehren kam und unser Gottesglaube ganz handfest sichtbar und greifbar wurde.

Ich erinnerte mich an das Gleichnis Christi vom verlorenen Schaf und von der vermißten Drachme, die eine Frau im ganzen Hause suchte – und nach dem Auffinden derselben ihre Nachbarinnen und Freundinnen zusammenrief, um sich mit ihnen gemeinsam zu freuen.

Ähnlich hat es auch unser Hausmeister – obwohl ansonsten kein Kirchgänger – gehalten und überall erzählt, wie er zu seinem Funkgerät gekommen war und sich so den peinlichen Gang zum Chef ersparen konnte.

Unser Autor kommt aus Oberschwaben und ist unserer Redaktion seit Jahrzehnten bekannt; er hat auch schon als Ferienhelfer in unserem CHRISTOFERUSWERK mitgearbeitet

Oberes Foto:  Dr. Bernd F. Pelz


So half mir die Fürsprache der hl. Rita bei einer Konzelebration in Cascia

Von Pfarrer Dr. hc Hans Stein

Als deutscher Priester schlesischer Herkunft bin ich manchmal mit polnischen Pilgergruppen unterwegs zu katholischen Wallfahrtsstätten.

Als wir im Sancutarium (Heiligtum) der hl. Rita von Cascia in Italien ankamen, wurde ich montags für die Konzelebration bei der hl. Messe eingeteilt. Der Hauptzelebrant war ein katholischer Geistlicher, der zugleich als Theologieprofessor wirkte und im Generalvikariat tätig war.  IMG_0361 (2)

Beim Kanon (Hochgebet) fiel mir kurz vor jenem Abschnitt, der mir zufallen sollte, siedend heiß ein, daß ich meine Brille in der Sakristei liegengelassen hatte. Ich konnte unmöglich in diesen feierlichen Momenten vom Altare weglaufen, um meine Brille zu holen. Andererseits konnte ich ohne sie den polnischen Text im Meßbuch nicht lesen.

BILD: Hier sieht man Pfr. Hans Stein als Hauptzelebranten (zweiter von links) während des Hochgebetes bei einer hl. Messe in Rom

Ich war ganz ratlos und verzweifelt. Daher bat ich die hl.  Rita, an deren Heiligtum wir den Gottesdienst feierten, dringend um ihre Fürbitte.

Da ich rechts neben dem Hauptzelebranten stand, kam ich direkt nach seinen Worten an die Reihe. Ich hatte erst Herzklopfen, doch zu meiner größten Verblüffung und Freude sah ich die Buchstaben plötzlich doppelt so groß vor meinem Auge – und ich konnte den für mich bestimmten Abschnitt des Kanon ohne Brille gut lesen und sprechen. Als nun der Priester links vom Hauptzelebranten seinen Teil weiterbetete, bemerkte ich, daß ich dessen Text nicht mehr lesen konnte. Die unerkärlich vergrößerten Buchstaben bezogen sich allein auf den Abschnitt, den ich selber zu beten hatte.

Ich bin Gott und der hl. Rita überaus dankbar, daß mir diese wunderbare Hilfe zuteil geworden war.


MARIA ist im Himmel auch Fürsprecherin für ihre eigenen Landsleute

Von Felizitas Küble

Es gibt in der kirchlichen Tradition den alten lateinischen Spruch: „De Maria nunquam satis“ – Über Maria kann gar nicht genug gesagt werden.

Tatsächlich ist die Mutter des HERRN ein unerschöpfliches Thema für Theologie, Kunst, Dichtung, Exegese, Musik – und erst recht für die Volksfrömmigkeit. Advocata

Was aber im Laufe der Kirchengeschichte zu kurz gekommen ist und selbst in heutiger Zeit allenfalls beiläufig bedacht wird:

Daß Maria, die dem jüdischen Volke entstammt, im Himmel sicherlich besonders für ihre „Landsleute“ betet und bittet, also Fürsprache einlegt, damit das Volk Israel ihren Sohn als Messias der Juden und Heil der Welt erkennt. 

Es liegt nahe, daß die vielfältigen Leiden der Juden durch die Jahrhunderte der Madonna nicht gleichgültig sein können. Wie sehr sie sich mit der Geschichte der Israeliten verbunden fühlt, zeigt zum Beispiel ihr Magnificat, der im Lukasevangelium bezeugte Lobgesang der Gottesmutter.

Dort betont sie besonders das Heilswirken des Ewigen an ihrem Volk, den Israeliten des Alten Bundes:

„ER nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen,              

das ER unseren Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.“

Maria ist selber in ihrer Person die entscheidende Brücke vom Alten zum Neuen Bund, denn sie gehört beiden „Bündnissen“ zugleich an; ihr Magnificat belegt, wie stark sie von den Gebeten, den Psalmen, überhaupt dem Alten Testament geprägt ist; ihr Danklied atmet die Sprache der Propheten Israels, stimmt ein in ihr begeistertes Lob auf die Größe und Herrlichkeit Gottes.

Die Mutter des HERRN sehnt sich leidenschaftlich nach dem Reich Gottes, nach „seiner Gerechtigkeit“, durchaus auch nach einer Umkehr irdischer Verhältnisse durch Gottes wunderbare Taten („ER vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten…“).P1020947

Doch die größte Tat des Höchsten ist die Menschwerdung seines Sohnes in der Jungfrau Maria. In ihrem Magnificat kündigt die Gottesmutter bereits an, daß sie aufgrund ihrer Erwählung durch den Höchsten in Zukunft seliggepriesen wird („…siehe, von nun an werden  mich seligspreisen alle Geschlechter…“).

Maria, das jüdische Mädchen, die Mutter aus Israel, ist eine „Tochter Zion“ – und als solche betet sie vor dem Thron des Höchsten für die Christenheit, für die Kirche, aber nicht zuletzt auch für ihr eigenes jüdisches Volk.

Leider gibt es in der Kirchengeschichte nur wenige Zeugnisse, die sich positiv mit diesem Thema befaßt haben. Ein bemerkenswertes Beispiel aus dem 12. Jahrhundert ist der britische Augustiner-Chorherr Wilhelm von Newburgh aus Yorkshire. In seiner marianischen Auslegung des Hohelieds schreibt er:

„Und wir sollen wissen, daß die Verdienste der barmherzigen Mutter auch dem Volk Israel zum Heil verhelfen. Denn wie eindringlich, glaubst du, bittet sie wohl täglich ihren allmächtigen Sohn für ihr Volk?  131223-stern-von-bethlehem_b87bfae72c

Denke daran, mein Sohn, spricht sie, daß du das Fleisch, in dem und durch das du das Heil der Welt gewirkt hat, von ihnen genommen hast – und daß sie, deren Fleisches du dich nicht geschämt hast, an deinen geistlichen Gütern teilhaben müssen. Denn sie hätten als erste erlöst werden sollen, weil das Heil aus ihnen kommt.“

(Quelle: Explanatio sacri Epithalamii in Matrem Sponsi, S. 152, hrsg. von J. C. Gormann, Fribourg 1960)

Pater Alanus von Lille, der sog. „Doctor universalis“, der ebenfalls im 12. Jahrhundert wirkte, brachte die Gottesmutter direkt mit der Synagoge in Verbindung, also mit dem jüdischen Gotteshaus. Er bezeichnete die Synagoge als die „Mutter der Jungfrau Maria“, denn sie stamme ebenso wie Christus von der Synagoge bzw. sie sei geistig-geistlich aus dem Glauben Israels hervorgegangen. Auch er lehrte eine marianische Auslegung des alttestamentlichen „Hohelieds der Liebe“.

Marienbild aus den Fäden des AT gewoben

Papst Benedikt schrieb 1977, als er noch Erzbischof von München war, ein Marienbuch mit dem vielsagenden Titel „Die Tochter Zion“. RadioVatikan

Darin  verdeutlicht er zugleich die besondere Sendung der Frau in der Heilsgeschichte: sie ist keine Priesterin, weder im Alten noch im Neuen Bund, doch ihre Bedeutung ist nicht zu unterschätzen. Hierzu heißt es in dem erwähnten Buch:

Die großen Rettergestalten Esther und Judith verkörpern die unzerstörbare seelische Kraft Israels, das nicht nach Art der Weltmächte auftrumpfen kann – und gerade so die Mächtigen zu besiegen weiß. Die Frau als Retterin ist die Verkörperung der Hoffnung Israels. Bezeichnend ist, daß immer schon die Frau zwar nicht als Priesterin, aber als Prophetin und Richterin-Retterin im Denken und Glauben Israels erscheint.“

Zugleich betont der Autor, daß „das Marienbild des Neuen Testaments ganz aus den Fäden des Alten Testaments gewoben ist, um das Geheimnis Marias auszusagen. Wo die Einheit von Altem und Neuem Testament zerfällt, geht der Raum einer gesunden Mariologie verloren.“

 

MAGNIFICAT: Der Lobgesang Marias (Lk 1,46-55)

Meine Seele preist die Größe des HERRN,

und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.

Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat ER geschaut.

Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.

Denn der Allmächtige hat Großes an mir getan,

und sein Name ist heilig.

ER erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht

über alle, die ihn fürchten.

ER vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:

ER zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind.

ER stürzt die Mächtigen vom Thron

und erhöht die Niedrigen.

Die Hungernden beschenkt ER mit seinen Gaben

und lässt die Reichen leer ausgehen.

ER nimmt sich seines Knechtes Israel an

und denkt an sein Erbarmen,              

das ER unseren Vätern verheißen hat,

Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

 

 


ECCLESIA-Plakat mit Mariengebet: „Blick mild auf uns hernieder“

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MARIENPOSTER des KOMM-MiT-Verlags im Rahmen seines ECCLESIA-Plakatdienstes in Münster  –   Foto: Dr. Bernd F. Pelz