Indien: Radikale Hindus greifen kath. Pilger an

Etwa 40 katholische Pilger wurden auf ihrem Weg zum berühmten Marienheiligtum in der Stadt Velankanni im Bundesstaat Tamil Nadu von einer Gruppe radikaler Hindus angegriffen und beschimpft.

Die Ortskirche verurteilte den Vorfall vom 18. August entschieden. Die Wallfahrer stammen aus dem nahe gelegenen Bundesstaat Karnataka und wurden von einer Gruppe namens „Hindu Munnani“ angegriffen.

Bischof Devadass Mariadoss von Thanjavur verurteile die Tat. Dabei forderte er die zuständigen Behörden auf, rasch einzugreifen.

Der Oberhirte betont, dass die Wallfahrt ein alljährliches Ereignis ist, das seit Jahrhunderten praktiziert wird.

„Die indische Verfassung garantiert allen Bürgern die freie Ausübung ihrer Religion. Diese Freiheit wird jedoch in jüngster Zeit immer wieder eingeschränkt, wie dieser Vorfall gezeigt hat“, sagte der Bischof.

Nach dem Vorfall reichten die Pilger eine Beschwerde beim zuständigen Polizeipräsidium ein, das bereits sechs Personen festnehmen ließ.

Weitere 200 Katholiken aus der gleichen Gegend setzten ihre Fußwallfahrt nach Velankanni fort.

Velankanni ist ein berühmtes Marienwallfahrtszentrum in der Diözese Thanjavur in Südindien, dessen Basilika jedes Jahr  von zwei Millionen Gläubigen besucht wird.

Im 16. Jahrhundert gerieten portugiesische Seeleute, die von Macao nach Sri Lanka segelten, in der Bucht von Bengalen in einen schrecklichen Sturm und baten die Jungfrau Maria um Fürbitte, der sie versprachen, im Falle ihrer Rettung eine Kirche zu erbauen. Die Kaufleute überlebten den Sturm und begannen mit der Errichtung des Gotteshauses.

Quelle: Fidesdienst – Foto: Asianews


Wie die Fürsprache des hl. Antonius unserem verzweifelten Hausmeister geholfen hat

Vor ca 30 Jahren arbeitete ich in einem kath. Pflegeheim in der Verwaltung. Damals waren Handys noch nicht geläufig, weshalb unser Hausmeister sich mit einem teuren Funkgerät begnügen mußte.

Dabei konnte man ihn, wenn er benötigt wurde, lediglich mit einer Signal-Nummer „anwählen“, so daß er sich bei dem Betreffenden telefonisch zurückmelden konnte. (Zum Beispiel: „Die Nr. 3 hat sich gemeldet, das ist Sr. Agnes, die muß ich jetzt anrufen.“)

Der junge Hausmeister kam also in mein Büro und erzählte mir angenervt, er habe sein Funkgerät seit drei oder vier Tagen verloren und trotz aller Bemühungen – auch mit Hilfe von Freunden und Zivis – nicht finden können. Er jammerte mir vor, nun müsse er das schlimme Malheur seinem Chef melden, was ihm ganz unangenehm sei.

Ich beruhigte ihn und sagte, da gäbe es nur eine einzige Lösung, nämlich den heiligen Antonius.

Er verdrehte bei dieser Auskunft zunächst etwas die Augen, meinte dann aber, wenn es sonst keine Chance gäbe, könne man die Fürsprache dieses Heiligen ja mal anpeilen. Ich gab ihm zu verstehen, daß der hl. Antonius ein Helfer der Armen war und ein zugleich ein guter Geschäftsmann.

Von daher wäre wohl klar, daß für die übernatürliche Serviceleistung schon ein Bonus angesagt ist, wobei es mit einer Münze in den Klingelbeutel nicht getan sei. Er fragte zurück, was dieser Antonius von Padua wohl für seine Dienste „erwarte“, worauf ich sagte, er solle für den Fall des Erfolges an die zwanzig DM einplanen und sie in den Antonius-Opferkasten für Arme und Bedürftige spenden.

Ich sagte dem Hausmeister, er möge noch nicht zum Chef gehen, sondern etwas Geduld haben, denn jetzt müßten erst einmal die fälligen Gebete zum Himmel steigen. Der Mann war damit einverstanden und verließ mein Büro.

Ich sprach einige Stoßgebete und wandte mich wieder meiner Arbeit zu.

Nach etwa zehn Minuten klingelte es und die Angestellte eines Baumarkts meldete, es sei bei ihnen eine Art Funkgerät entdeckt worden. Sie habe eine Liste durchgeackert, welche Kunden und Firmen in letzter Zeit eingekauft und dabei vielleicht dieses Gerät liegengelassen hatten. Sie habe erst eine Reihe anderer Kunden vermutet und angerufen, die jedoch nicht betroffen waren. Nun versuche sie es schlußendlich noch bei uns. Ich war erfreut und teilte der Dame mit, daß wir haargenau ein solches Gerät vermissen.

Darauf habe ich über den Lautsprecher nach dem Hausmeister rufen lassen, der erneut in mein Büro kam. Ich erzählte ihm, der heilige Antonius sei ein schneller Arbeiter und habe bereits alles Nötige veranlaßt. Er möge in jenen Baumarkt gehen und sich das gesuchte Stück an Land ziehen.

Der Mann war hell begeistert  –  und schon kurz danach wußte das ganze Haus von dem „Wunder des hl. Antonius“. Noch Tage später war die Gebetserhörung in unserem Pflegeheim in aller Munde.

Mich hat es auch deshalb besonders gefreut, weil ich selber Anton heiße, weil durch diese Geschichte mein Namenspatron zu Ehren kam und unser Gottesglaube ganz handfest sichtbar und greifbar wurde.

Ich erinnerte mich an das Gleichnis Christi vom verlorenen Schaf und von der vermißten Drachme, die eine Frau im ganzen Hause suchte – und nach dem Auffinden derselben ihre Nachbarinnen und Freundinnen zusammenrief, um sich mit ihnen gemeinsam zu freuen.

Ähnlich hat es auch unser Hausmeister – obwohl ansonsten kein Kirchgänger – gehalten und überall erzählt, wie er zu seinem Funkgerät gekommen war und sich so den peinlichen Gang zum Chef ersparen konnte.

Unser Autor kommt aus Oberschwaben und ist unserer Redaktion seit Jahrzehnten bekannt; er hat auch schon als Ferienhelfer in unserem CHRISTOFERUSWERK mitgearbeitet

Oberes Foto:  Dr. Bernd F. Pelz


So half mir die Fürsprache der hl. Rita bei einer Konzelebration in Cascia

Von Pfarrer Dr. hc Hans Stein

Als deutscher Priester schlesischer Herkunft bin ich manchmal mit polnischen Pilgergruppen unterwegs zu katholischen Wallfahrtsstätten.

Als wir im Sancutarium (Heiligtum) der hl. Rita von Cascia in Italien ankamen, wurde ich montags für die Konzelebration bei der hl. Messe eingeteilt. Der Hauptzelebrant war ein katholischer Geistlicher, der zugleich als Theologieprofessor wirkte und im Generalvikariat tätig war.  IMG_0361 (2)

Beim Kanon (Hochgebet) fiel mir kurz vor jenem Abschnitt, der mir zufallen sollte, siedend heiß ein, daß ich meine Brille in der Sakristei liegengelassen hatte. Ich konnte unmöglich in diesen feierlichen Momenten vom Altare weglaufen, um meine Brille zu holen. Andererseits konnte ich ohne sie den polnischen Text im Meßbuch nicht lesen.

BILD: Hier sieht man Pfr. Hans Stein als Hauptzelebranten (zweiter von links) während des Hochgebetes bei einer hl. Messe in Rom

Ich war ganz ratlos und verzweifelt. Daher bat ich die hl.  Rita, an deren Heiligtum wir den Gottesdienst feierten, dringend um ihre Fürbitte.

Da ich rechts neben dem Hauptzelebranten stand, kam ich direkt nach seinen Worten an die Reihe. Ich hatte erst Herzklopfen, doch zu meiner größten Verblüffung und Freude sah ich die Buchstaben plötzlich doppelt so groß vor meinem Auge – und ich konnte den für mich bestimmten Abschnitt des Kanon ohne Brille gut lesen und sprechen. Als nun der Priester links vom Hauptzelebranten seinen Teil weiterbetete, bemerkte ich, daß ich dessen Text nicht mehr lesen konnte. Die unerkärlich vergrößerten Buchstaben bezogen sich allein auf den Abschnitt, den ich selber zu beten hatte.

Ich bin Gott und der hl. Rita überaus dankbar, daß mir diese wunderbare Hilfe zuteil geworden war.


MARIA ist im Himmel auch Fürsprecherin für ihre eigenen Landsleute

Von Felizitas Küble

Es gibt in der kirchlichen Tradition den alten lateinischen Spruch: „De Maria nunquam satis“ – Über Maria kann gar nicht genug gesagt werden.

Tatsächlich ist die Mutter des HERRN ein unerschöpfliches Thema für Theologie, Kunst, Dichtung, Exegese, Musik – und erst recht für die Volksfrömmigkeit. Advocata

Was aber im Laufe der Kirchengeschichte zu kurz gekommen ist und selbst in heutiger Zeit allenfalls beiläufig bedacht wird:

Daß Maria, die dem jüdischen Volke entstammt, im Himmel sicherlich besonders für ihre „Landsleute“ betet und bittet, also Fürsprache einlegt, damit das Volk Israel ihren Sohn als Messias der Juden und Heil der Welt erkennt. 

Es liegt nahe, daß die vielfältigen Leiden der Juden durch die Jahrhunderte der Madonna nicht gleichgültig sein können. Wie sehr sie sich mit der Geschichte der Israeliten verbunden fühlt, zeigt zum Beispiel ihr Magnificat, der im Lukasevangelium bezeugte Lobgesang der Gottesmutter.

Dort betont sie besonders das Heilswirken des Ewigen an ihrem Volk, den Israeliten des Alten Bundes:

„ER nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen,              

das ER unseren Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.“

Maria ist selber in ihrer Person die entscheidende Brücke vom Alten zum Neuen Bund, denn sie gehört beiden „Bündnissen“ zugleich an; ihr Magnificat belegt, wie stark sie von den Gebeten, den Psalmen, überhaupt dem Alten Testament geprägt ist; ihr Danklied atmet die Sprache der Propheten Israels, stimmt ein in ihr begeistertes Lob auf die Größe und Herrlichkeit Gottes.

Die Mutter des HERRN sehnt sich leidenschaftlich nach dem Reich Gottes, nach „seiner Gerechtigkeit“, durchaus auch nach einer Umkehr irdischer Verhältnisse durch Gottes wunderbare Taten („ER vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten…“).P1020947

Doch die größte Tat des Höchsten ist die Menschwerdung seines Sohnes in der Jungfrau Maria. In ihrem Magnificat kündigt die Gottesmutter bereits an, daß sie aufgrund ihrer Erwählung durch den Höchsten in Zukunft seliggepriesen wird („…siehe, von nun an werden  mich seligspreisen alle Geschlechter…“).

Maria, das jüdische Mädchen, die Mutter aus Israel, ist eine „Tochter Zion“ – und als solche betet sie vor dem Thron des Höchsten für die Christenheit, für die Kirche, aber nicht zuletzt auch für ihr eigenes jüdisches Volk.

Leider gibt es in der Kirchengeschichte nur wenige Zeugnisse, die sich positiv mit diesem Thema befaßt haben. Ein bemerkenswertes Beispiel aus dem 12. Jahrhundert ist der britische Augustiner-Chorherr Wilhelm von Newburgh aus Yorkshire. In seiner marianischen Auslegung des Hohelieds schreibt er:

„Und wir sollen wissen, daß die Verdienste der barmherzigen Mutter auch dem Volk Israel zum Heil verhelfen. Denn wie eindringlich, glaubst du, bittet sie wohl täglich ihren allmächtigen Sohn für ihr Volk?  131223-stern-von-bethlehem_b87bfae72c

Denke daran, mein Sohn, spricht sie, daß du das Fleisch, in dem und durch das du das Heil der Welt gewirkt hat, von ihnen genommen hast – und daß sie, deren Fleisches du dich nicht geschämt hast, an deinen geistlichen Gütern teilhaben müssen. Denn sie hätten als erste erlöst werden sollen, weil das Heil aus ihnen kommt.“

(Quelle: Explanatio sacri Epithalamii in Matrem Sponsi, S. 152, hrsg. von J. C. Gormann, Fribourg 1960)

Pater Alanus von Lille, der sog. „Doctor universalis“, der ebenfalls im 12. Jahrhundert wirkte, brachte die Gottesmutter direkt mit der Synagoge in Verbindung, also mit dem jüdischen Gotteshaus. Er bezeichnete die Synagoge als die „Mutter der Jungfrau Maria“, denn sie stamme ebenso wie Christus von der Synagoge bzw. sie sei geistig-geistlich aus dem Glauben Israels hervorgegangen. Auch er lehrte eine marianische Auslegung des alttestamentlichen „Hohelieds der Liebe“.

Marienbild aus den Fäden des AT gewoben

Papst Benedikt schrieb 1977, als er noch Erzbischof von München war, ein Marienbuch mit dem vielsagenden Titel „Die Tochter Zion“. RadioVatikan

Darin  verdeutlicht er zugleich die besondere Sendung der Frau in der Heilsgeschichte: sie ist keine Priesterin, weder im Alten noch im Neuen Bund, doch ihre Bedeutung ist nicht zu unterschätzen. Hierzu heißt es in dem erwähnten Buch:

Die großen Rettergestalten Esther und Judith verkörpern die unzerstörbare seelische Kraft Israels, das nicht nach Art der Weltmächte auftrumpfen kann – und gerade so die Mächtigen zu besiegen weiß. Die Frau als Retterin ist die Verkörperung der Hoffnung Israels. Bezeichnend ist, daß immer schon die Frau zwar nicht als Priesterin, aber als Prophetin und Richterin-Retterin im Denken und Glauben Israels erscheint.“

Zugleich betont der Autor, daß „das Marienbild des Neuen Testaments ganz aus den Fäden des Alten Testaments gewoben ist, um das Geheimnis Marias auszusagen. Wo die Einheit von Altem und Neuem Testament zerfällt, geht der Raum einer gesunden Mariologie verloren.“

 

MAGNIFICAT: Der Lobgesang Marias (Lk 1,46-55)

Meine Seele preist die Größe des HERRN,

und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.

Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat ER geschaut.

Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.

Denn der Allmächtige hat Großes an mir getan,

und sein Name ist heilig.

ER erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht

über alle, die ihn fürchten.

ER vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:

ER zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind.

ER stürzt die Mächtigen vom Thron

und erhöht die Niedrigen.

Die Hungernden beschenkt ER mit seinen Gaben

und lässt die Reichen leer ausgehen.

ER nimmt sich seines Knechtes Israel an

und denkt an sein Erbarmen,              

das ER unseren Vätern verheißen hat,

Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

 

 


ECCLESIA-Plakat mit Mariengebet: „Blick mild auf uns hernieder“

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MARIENPOSTER des KOMM-MiT-Verlags im Rahmen seines ECCLESIA-Plakatdienstes in Münster  –   Foto: Dr. Bernd F. Pelz


Die Fürsprache der Gerechten: Verehrung und Anrufung der Heiligen aus biblischer Sicht

Der folgende Grundsatzartikel von Felizitas Küble erschien in der Zeitschrift „Theologisches“ (Nr.1/2011):

Die katholische Anrufung der Heiligen  –  und hier besonders der Gottesmutter  –  gehört zu jenen Unterscheidungsmerkmalen gegenüber protestantischen Konfessionen, die sogleich ins Auge fallen und die auch dem „einfachen“ Kirchenvolk geläufig sind.

Bereits der Blick in ein katholisches Gotteshaus bezeugt in der Regel das glaubensfrohe Bewußtsein von der „triumphierenden Kirche“, von ihrer Gemeinschaft mit der „streitenden Kirche“  – und von der Fürbitte der Heiligen zugunsten der „Erdenkinder“.

Katholiken sind davon überzeugt, daß Heilige uns nicht „nur“ als Vorbilder voranleuchten und so im Glauben ermutigen, sondern zugleich als Fürsprecher vor dem Throne Gottes für die Sorgen und  Anliegen der Gläubigen eintreten.  Daran erinnert auch das jährliche Hochfest „Allerheiligen“ am 1. November.

Die evangelische Christenheit kennt weder dieses Fest noch die Überzeugung von einer fürbittenden Wirksamkeit der Heiligen in der Ewigkeit. Die Vorbildfunktion der Heiligen und die dadurch vermittelte Glaubensstärkung wird freilich keineswegs bestritten.

Daß der Protestantismus die Fürsprache der Seligen verneint, hängt wohl nicht zuletzt damit zusammen, daß dort andere Vorstellungen vom Jenseits vorherrschen als in der katholischen Kirche, in der Orthodoxie und im Judentum.

So sind z.B. bei Katholiken, Orthodoxen und Juden fürbittende Gebete für Verstorbene selbstverständlich, zumal für Eltern und Angehörige.  Auch dies wird evangelischerseits abgelehnt.

Unsterblichkeit, „Seelenschlaf“ oder Ganztod-Theorie?

Während Luther, Calvin und Zwingli sich weitgehend einig waren, daß der Mensch nach seinem Tod in eine Art passiven „Seelenschlaf“ fällt und erst bei der Auferstehung der Toten wieder voll-geistig präsent ist, geht der moderne Protestantismus noch einen Schritt weiter und lehrt die sog. „Ganztod-Theorie“: demnach stirbt der Mensch voll und ganz mit Leib, Seele und Geist  – und wird erst am Jüngsten Tag durch eine komplette Neuschaffung Gottes wieder „lebendig“.

Ob „Seelenschlaf“ oder „Ganztod“  –  in beiden Fällen ist mit einer aktiven geistigen Wirksamkeit der Seligen im Himmel vor dem Jüngsten Tag nicht zu rechnen. Infolgedessen können Heilige zwar als Vorbilder fungieren, kommen jedoch als Fürsprecher im Reiche des Ewigen nicht infrage.

Luther: „Maria betet für die Kirche.“

Luther machte freilich bei der Gottesmutter eine Ausnahme und vertrat die Überzeugung: „Maria betet für die Kirche.“  – Dies hängt damit zusammen, daß er den bereits damals weitverbreiteten Glauben an die leibliche Aufnahme Marias in den Himmel durchaus teilte.

Von protestantischer Seite wird der grundlegende Einwand vorgebracht, daß der Heiligenkult keineswegs biblisch begründet und daher abzulehnen sei. Die katholische Kirche wolle hier lediglich einem menschlichen Bedürfnis nachkommen und nehme dabei in Kauf, daß die Ehre und Souveränität Gottes sowie die einzigartige göttliche Mittlerschaft Christi verdunkelt werde. media-390606-2

Die katholische Kirche erinnert hingegen daran,  daß gerade in den Heiligen die Gnade Gottes besonders wirksam war, daß die Heiligenverehrung daher die göttliche Gnade keineswegs schmälert, sondern im Gegenteil ihre Wirksamkeit in den vollendeten Gerechten bezeugt, daß also die Heiligen als erlöste Geschöpfe ihren Schöpfer und Erlöser verherrlichen.

Zudem bekennen Katholiken sich zur „Gemeinschaft der Heiligen“, wie dies auch das Credo aus apostolischer Zeit erwähnt. Die vollendeten Gerechten im Himmel sind   ebenfalls  – und erst recht  –  Glieder des „mystischen Leibes Christi“, zu dem wir alle gehören dürfen, wie Paulus immer wieder betont:  „So sind wir  –  die vielen  –  ein Leib in Christus, als einzelne aber sind wir Glieder, die zueinander gehören.“ (Röm 12, 5)  –   „Denn wir sind als Glieder miteinander verbunden“ (Eph 4,25).

Warum sollte diese Teilhabe am „Leib Christi“ durch den Tod enden?  – Vielmehr ist  es so, daß gerade die Heiligen ihre Zugehörigkeit zum „mystischen Leib“ nie mehr verlieren können,  die Christgläubigen auf Erden aber durchaus, zumal sie  zwar Heilszuversicht haben dürfen, aber keine absolute Heilsgewißheit besitzen.

Die Basis der „streitenden Kirche“ auf Erden sind die Apostel und Propheten, wie Paulus erläutert:

„Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut. Der Schlußstein ist Jesus Christus selbst. Durch ihn wird der ganze Bau zusammen-gehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn. Durch ihn werdet ihr im Geist zu einer Wohnung Gottes erbaut.“ (Eph 2,20-22)

„Kein Gott der Toten, sondern der Lebenden“

Die Erzväter und Propheten, die Gerechten des Alten Bundes, die Apostel, Evangelisten und alle weiteren Heiligen schlummern keineswegs in einem passiven „Seelenschlaf“, sondern sind voller Geist, Leben und Seligkeit in der himmlischen Gegenwart Gottes, wie auch das NT bezeugt, wenn es Gott sprechen läßt: „Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs“  – und hinzufügt:  „ER ist doch nicht ein Gott der Toten, sondern  der Lebenden“ (Mt 22, 32). 

Die Heilige Schrift fordert die Gläubigen mehrfach zum fürbittenden Gebet auf:  „Brüder, betet auch für uns!“ (1 Thess 5,25)   –  „Viel vermag das inständige Gebet eines Gerechten“ (Jak 5,16).   –   „Das gläubige Gebet wird den Kranken retten  –  und der Herr wird ihn aufrichten. Wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben…Betet füreinander, damit ihr geheilt werdet“ (Jak 5, 15-16).

Die Gläubigen sind also keine Inselbewohner, sondern bilden eine solidarische Gemeinschaft, die füreinander einsteht. Daher schreibt Paulus, daß kein Christ zu einem anderen sagen kann: „Ich brauche dich nicht“ (1 Kor 12,21). Auch der Völkerapostel selbst bedarf der Fürbitte und ist sich dessen bewußt, denn er bittet die Gläubigen wiederholt um ihr Gebet für ihn (etwa in Röm 15,30).

Wäre es nicht verwegen, davon auszugehen, daß diese sorgende und liebende Fürsprache ausgerechnet von den Heiligen im Reiche Gottes verweigert wird, zumal sie ebenfalls zum „mystischen Leib  Christi“ gehören, sogar in vorzüglicher Weise.

Erinnert uns doch der Hebräerbrief an die Vorbilder des Alten Bundes, er spricht davon, daß wir geistlich hinzutreten dürfen zum „himmlischen Jerusalem“ in der Gemeinschaft mit Gott, den Engeln und ausdrücklich auch mit den „Geistern der schon vollendeten Gerechten“ (Hebr 12,22).

Der biblische Verfasser ermutigt uns durch ihr Glaubenszeugnis zu einem rechtschaffenen Lebenswandel: „So wollen auch wir alle Last und die Fesseln der Sünde abwerfen. Laßt uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der uns aufgetragen ist“ (Hebr 12,9).

Christus selbst erklärte, daß die Gläubigen mutmachende Vorbilder sein sollen und daß eben dies zur Verherrlichung Gottes beiträgt: „So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“ (Mt 5,16).media-374158-2

Hinsichtlich der Heiligenverehrung erinnert die Kirche überdies an das Magnificat der Gottesmutter aus dem Lukas-Evangelium; enthält dieser Lobgesang doch die Ankündigung: „Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter“

Diese eindrucksvollen biblischen Belege genügen evangelischen Theologen gleichwohl kaum als Begründung, weil in ihnen nicht ausdrücklich von einer Fürsprache der Heiligen die Rede ist, sondern zunächst allein von der Tatsache, daß Heilige überhaupt existieren, wobei immerhin die Seligpreisung der Gottesmutter biblisch angekündigt wurde und sich auch erfüllte, wie das Marienlob der Jahrtausende aufzeigt.

Biblisches Zeugnis zur Anrufung der Heiligen

Was ist nun zu diesem protestantischen Einwand angeblich fehlender biblischer Belege aus katholischer Sicht zu sagen?

Tatsächlich gibt es keine neutestamentliche Stelle, die man direkt als Beleg für die fürbittende Kraft der Heiligen vorbringen könnte. Das spielt freilich keine Rolle, wenn entsprechende Aussagen im Alten Testament zu finden sind  –  und eben dies ist eindeutig der Fall.

Auch die heiligen Schriften des „Alten Bundes“ sind für gläubige Christen verbindlich und als Offenbarung Gottes anzusehen.

Dabei ist auch eine fürbittende Wirksamkeit der Engel durchaus von Bedeutung: mögen sie auch keine menschlichen Wesen sein, so sind sie  – wie die Menschen  –  Geschöpfe des Ewigen.  Ob Engel oder Heilige, ob Boten Gottes oder vollendete Gerechte: beide sind selig und schauen das Angesicht des Ewigen.

Im Buch Daniel Advocataheißt es vom Erzengel Michael, dem Schutzpatron der Israeliten, daß er bei Gott für das Volk Israel : wie anders als durch Fürsprache sollte er dies tun?   –  Ähnliche Engel-Fürbitten finden wir in Hiob 32,23 und Sach 1,12-13, aber auch im NT: Offb 5,8 und Offb 8,3-4.

Von Heiligen (vollendeten Gerechten) und ihrer Fürsprache für das Gottesvolk auf Erden berichtet ausführlich das 2. Makkabäer-Buch, das wie andere auf Griechisch verfasste Schriften freilich von den Protestanten, im Gegensatz zur kirchlichen Überlieferung, nicht zur Heiligen Schrift gezählt wird.

Die Makk.-Bücher sind auch im Judentum von Bedeutung: Bei den Israeliten führte z.B. der Makkabäer-Bericht über die Befreiung des Tempels zur Einführung der Chanukkafeier, dem jährlichen Lichterfest im Dezember zur Erinnerung an die Einweihung des  – vorher durch Heiden geschändeten –  Tempels in Jerusalem. Die Glaubenshelden der Makkabäer hatten die Befreiung des Tempels  – zugleich wichtiges Symbol und Hoheitsstätte des wahren Gottesglaubens  – durch große Opfer erkämpft.

Die folgenden Abschnitte berichten uns, wie der heldenhafte Heerführer Judas Makkabäus und seine Mannen durch eine Traumvision ermutigt wurden und neuen Glaubensmut erhielten.

Dabei erschien dem glaubensstarken Judas Makkabäus auch ein einstmals vorbildlicher Hohepriester und sogar der verstorbene Prophet Jeremias, von dem es heißt, daß dieser Prophet Gottes „viel für das Volk und die heilige Stadt betet“.

Die heroischen Kämpfer für den wahren Gottesglauben wurden durch diese geistliche Erfahrung ihres Anführers mit neuer Zuversicht und Glaubenskraft erfüllt.

Ein verstorbener Hohenpriester erscheint Judas Makkabäus

Hier folgt nun der eindrucksvolle Bericht aus 2 Makk 15,6 ff.:

„Judas Makkabäus hörte nicht auf, sein Vertrauen und all seine Hoffnung auf die Hilfe des HERRN zu setzen  Er ermahnte seine Männer, sich vor den anrückenden Heiden nicht zu fürchten; sie sollten daran denken, wie der Himmel ihnen in der Vergangenheit geholfen habe; auch jetzt dürften sie vom Allmächtigen den Sieg erwarten. polskaweb

Mit Worten aus dem Gesetz und aus den Propheten flößte er ihnen Mut ein, erinnerte sie auch an die Kämpfe, die sie schon bestanden hatten, und stärkte so ihren Kampfesmut. Nachdem er ihre Begeisterung geweckt hatte, spornte er sie weiter an, indem er sie daran erinnerte, wie die Heiden die Verträge nicht gehalten und ihre Schwüre gebrochen hatten.

So wappnete er jeden von ihnen – nicht jedoch mit der Sicherheit, die Schild und Lanze verleihen, sondern mit jenem Mut, der durch die rechten Worte entfacht wird. Auch erzählte er ihnen einen überaus glaubwürdigen Traum, der alle sehr erfreute:

Er hatte folgendes gesehen: Ihm war der frühere Hohenpriester Onias erschienen, ein edler und gerechter Mann, bescheiden im Umgang, von gütigem Wesen und besonnen im Reden, von Kindheit an in allem aufs Gute bedacht; dieser Hohenpriester breitete seine Hände aus und betete für das ganze jüdische Volk.

In gleicher Haltung erschien sodann ein Mann mit grauem Haar, von herrlicher Gestalt; der Glanz einer wunderbaren, überwältigenden Hoheit ging von ihm aus. Onias begann zu reden und sprach: Das ist der Freund seiner Brüder, der viel für das Volk und die heilige Stadt betet: Jeremia, der Prophet Gottes.

Dann streckte Jeremia die rechte Hand aus und übergab ihm ein goldenes Schwert; dabei sprach er zu Judas Makkabäus:  „Nimm das heilige Schwert, das Gott dir schenkt. Mit ihm wirst du die Feinde schlagen.“

Die Worte ihres Anführers gaben den Männern Zuversicht; denn sie waren sehr edel und besaßen die Kraft, zur Tapferkeit anzuspornen und die Jugend mit männlichem Mut zu erfüllen. Man beschloß, kein Lager zu beziehen, sondern kühn anzugreifen und mit allem Mut im Kampfe Mann gegen Mann die Entscheidung herbeizuführen; denn die Stadt, die Religion und das Heiligtum seien in Gefahr; sie fürchteten weniger um Frauen und Kinder, um Brüder und Verwandte als um die Heiligkeit des Tempels.“

Soweit der Bericht aus dem Alten Testament.

„Sie haben durch ihren Glauben Lob erlangt“

Diese eindrucksvollen Gottesmänner aus der Zeit der Glaubenskämpfe werden auch im Neuen Testament gewürdigt, vor allem im Hebräerbrief 11,34-39: afc127c26a

„Sie sind Helden im Kampfe geworden und haben die feindlichen Heere zum Weichen gebracht. Frauen haben ihre Toten durch Auferstehung wiedererhalten.  Andere ließen sich auf der Marterbank zu Tode schlagen und wiesen die ihnen angebotene Lebensrettung zurück, um eine bessere Auferstehung  zu erlangen. Wieder andere wurden verhöhnt und gegeißelt, in Ketten und Kerker geworfen; sie wurden gesteinigt, verbrannt, zersägt und mit dem Schwerte erwürgt; sie gingen umher in Schafpelzen und Ziegenfellen unter Entbehrung, Trübsal und Ungemach.

Die ganze Welt konnte ihnen keine würdige Wohnstatt bieten  –  und doch mußten sie in Wüsteneien und Gebirgen, in Höhlen und Erdklüften heimatlos umherirren; sie alle haben durch ihren Glauben Lob erlangt, aber die Erfüllung der Verheißung haben sie nicht erlebt.“

Diese Helden des Alten Bundes haben also „durch ihren Glauben Lob erlangt“  –  das Lob des Ewigen selbst; sie traten für Gottes Wahrheit ein und gaben ihr Leben hin, ohne die Erfüllung der göttlichen Verheißungen selbst erleben zu können.

Gerechte wie der Hohenpriester Onias und der große Prophet Jeremias halten vor Gott Fürsprache für die Gläubigen auf Erden  –  dies bezeugt uns die Heilige Schrift. 

Das gilt auch für folgende Szene aus den Passionsberichten: Als Jesus am Kreuz das Psalmgebet sprach, das mit den Worten beginnt „Eli, Eli…“ (Mein Gott, mein Gott…), hatten einige Leute vermutet, daß er zu Elia betet – so unüblich war das Anrufen von Propheten und Gerechten des Alten Bundes offenbar unter den Juden nicht.  – In Mt. 27,47 heißt es hierzu: „Einige aber von denen, die da standen, sprachen, als sie das hörten: Er ruft nach Elia.“

Infolgedessen liegt es auf der Hand, daß die Heiligen  – also die vollendeten Gerechten des alten und neuen Gottesvolkes   –  uns auch heute als Fürsprecher vor Gottes Thron wirksam beistehen.

Dies gilt umso mehr, als der Neue Bund die Vollendung des Alten Bundes ist, ihn also an Gnade und Herrlichkeit bei weitem übertrifft  –  und das gilt auch für die Glorie der Heiligen.

Dies legt auch Offb. 5,7 nahe, wo es heißt, daß die Gebete der Heiligen wie Räucherwerk zu Christus emporsteigen: „Als das Lamm das Buch empfangen hatte, fielen die vier Lebewesen und die vierundzwanzig Ältesten vor ihm nieder; alle trugen Harfen und goldene Schalen voll von Räucherwerk; das sind die Gebete der Heiligen.“

 

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags und des Christoferuswerks in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.