Mein Echo auf erneute Morddrohungen

Von Dr. Josef Bordat

Ich danke allen, die mir über die unterschiedlichsten Kanäle ihre Solidarität aussprechen! Es ist bereits jetzt absehbar, dass ich nicht dazu kommen werde, jeder und jedem Einzelnen zurückzuschreiben – jedenfalls nicht in der mir noch verbleibenden Zeit. Zugleich ergeben sich offenbar Fragen, die ich hier in allgemeiner Weise beantworten möchte. Kreuzkuppel

Sie sind kürzlich schon bedroht worden. Nun die neuerliche Bedrohung. Gibt es dafür einen konkreten Anlass?
Wenn ich das wüsste! Den Nobelpreis für Psychologie gibt’s zwar nicht, aber ich glaube, den bekäme ich dann trotzdem. Ich weiß nicht, was genau diese Eskalation (denn es ist ja offenbar eine solche) ausgelöst hat, war es die Rezension eines Erzählbandes, mein Ständchen für Herrn Kempa oder der Hinweis auf die Papst-Reise nach Afrika? Ich weiß es nicht. Ich stehe vor einem Rätsel.

Warum ignorieren Sie die Sache nicht einfach statt sie öffentlich zu machen?
Die Öffentlichkeit darf ruhig erfahren, was los ist. Wenn jemand wie ich, dessen Texte von ein paar Duzend Menschen gelesen werden, Morddrohungen erhält, möchte ich nicht wissen, wie es bei Autoren von Bedeutung aussieht. Hier liegt was schief. Grundsätzlich. Die Bedrohung eines Publizisten ist immer auch eine res publica, eine öffentliche Angelegenheit.

Und die Polizei – muss das denn sein?
Ja, ich denke schon, dass es richtig war, die Polizei zu informieren und auf dem Laufenden zu halten. Eine Bedrohung ist kein Streich, sondern eine Straftat, die mit bis zu einem Jahr Haft geahndet werden kann. Es gibt ein überragendes Interesse der Allgemeinheit, von Bedrohungen verschont zu bleiben und daher liegt es ebenso in ihrem Interesse, Bedroher zur Rechenschaft zu ziehen. Ich will mir außerdem nicht vorwerfen lassen, ich täte nicht alles, was in meiner Macht steht, um die Gefahr zu minimieren.

Was wünschen Sie sich?
Drei Dinge. Erstens: Dass irgendwann mal Schluss ist mit anonymen Bedrohungen, welcher Art und gegen wen auch immer. Zweitens: Dass die/der Täter/in gefasst und nach den Regeln des Rechtsstaats zur Rechenschaft gezogen wird/werden. Ich bin einfach neugierig, wer mich umbringen will. Und warum (s. oben). Drittens: Endlich wieder ganz normal arbeiten zu können. Das Leibniz-Jahr 2016 steht vor der Tür und ich habe in dem Zusammenhang – so ich denn überlebe – noch eine ganze Menge zu tun.

Was können Ihre Leser jetzt tun?
Weiter lesen. Und, wenn sie mögen und können: beten. Die Katholiken können heute auf die Fürsprache der Heiligen Katharina von Alexandrien um Gottes Segen bitten. Katharina ist ja u.a. Schutzpatronin der Philosophen. Passt.

Quelle und vollständige Stellungnahme von Dr. Bordat hier: https://jobo72.wordpress.com/2015/11/25/stellungnahme-zur-morddrohung/

Foto: Petrusbruderschaft


Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in Bedrängnis, beharrlich im Gebet!

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Röm 12,5-16a:

Brüder! Wir, die vielen, sind ein Leib in Christus, als Einzelne aber sind wir Glieder, die zueinander gehören. media-390606-2

Wir haben unterschiedliche Gaben, je nach der uns verliehenen Gnade. Hat einer die Gabe prophetischer Rede, dann rede er in Übereinstimmung mit dem Glauben; hat einer die Gabe des Dienens, dann diene er. Wer zum Lehren berufen ist, der lehre; wer zum Trösten und Ermahnen berufen ist, der tröste und ermahne. Wer gibt, gebe ohne Hintergedanken; wer Vorsteher ist, setze sich eifrig ein; wer Barmherzigkeit übt, der tue es freudig.

Eure Liebe sei ohne Heuchelei. Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten! Seid einander in brüderlicher Liebe zugetan, übertrefft euch in gegenseitiger Achtung! Lasst nicht nach in eurem Eifer, lasst euch vom Geist entflammen und dient dem HERRN!

Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet!

Helft den Heiligen, wenn sie in Not sind; gewährt jederzeit Gastfreundschaft! Segnet eure Verfolger; segnet sie, verflucht sie nicht! Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden! Seid untereinander eines Sinnes; strebt nicht hoch hinaus, sondern bleibt demütig!

 


Laos: Medizinische Behandlung verweigert – verfolgter Christ stirbt im Gefängnis

Infolge einer schweren Diabetes-Erkrankung starb der Christ Tiang aus dem Dorf Huey (Distrikt Atsaphangthong) im sozialistisch beherrschten Laos im Gefängnis. Tiang war von einem Gericht in Savannakhet zu neun Monaten Haft verurteilt worden. 027_24

Wie “Human Rights Watch for Lao Religious Freedom” (HRWLRF) berichtet, hätte Tiang wegen der diabetesbedingten Komplikationen einer besonderen Behandlung bedurft, die er im Gefängnis nicht erhielt. Tiang hatte um eine Behandlung im Krankenhaus gebeten, die ihm jedoch verweigert worden war. Tiang hinterlässt eine Frau und sechs Kinder.

Tiang wurde zusammen mit vier weiteren Christen verurteilt, weil er gegen das Gesetz über medizinische Hilfeleistung verstoßen habe: die Anklage lautete “Missbrauch des Arztberufs”. Die Gläubigen hatten eine schwerkranke Frau besucht und gemeinsam mit ihr um Genesung gebetet. Nach dem Ableben der sterbenskranken Frau wurden die Christen für deren Tod verantwortlich gemacht. Gegen das Urteil hatten die Christen Berufung eingelegt.

Quelle: Fidesdienst


Gebote und Sakramente des Heils: Kardinal Müller über die Würde und Bürde der Ehe

BUCHBESPRECHUNG von Felizitas Küble aus der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift THEOLOGISCHES (Nr. 4/2015):

Buch-Daten: Die Hoffnung der Familie. Ein Gespräch mit Gerhard Kardinal Müller. 1. Auflage 2015. 80 Seiten, Echter-Verlag (Würzburg), Preis 7,90 €. ISBN-10: 3429038294. – ISBN-13: 978-3429038298.   index

Dieses Interviewbuch mit Kardinal Müller trägt zu Recht den positiv klingenden Titel „Die Hoffnung der Familie“, denn es würdigt die überragende Bedeutung von Ehe und Familie aus der Sicht von „Natur und Gnade“, von Sittengesetz Gottes und Heilswerk Christi zugleich.

Die Ehe, ihre Treue und Unauflöslichkeit ist im christlichen Glauben sogar mehrfach geschützt: zum einen durch das 6. und 9. Gebot, zum anderen durch ihren sakramentalen Charakter. Dadurch gehört die Ehe unter Getauften nicht „nur“ zur Schöpfungsordnung (was bereits einen hohen Rang beinhaltet), sondern zur Erlösungsordnung Christi und der Kirche.

In der aktuellen Debatte über die Frage einer Kommunionzulassung ist überdies das Sakrament des Altares betroffen; insofern geht es dabei um zwei göttliche Gebote und diese beiden christlichen Sakramente.

Das fundierte, aber leicht lesbare Interviewbuch mit den erhellenden Antworten des vatikanischen Glaubenspräfekten Gerhard Müller erschien am 1. März 2015 zur rechten Zeit, denn es eignet sich vorzüglich zur geistig-theologischen Vorbereitung für die Debatten um die römische Familiensynode im kommenden Herbst. Dem ansprechend gestalteten und erschwinglichen Taschenbuch ist daher weiteste Verbreitung zu wünschen.

Die inhaltlich guten, wenngleich mitunter langatmig formulierten Fragen stellte Dr. Carlos Granados, der Direktor des christlich orientierten Madrider Verlags „Bibliotheca de Autores Cristianos“. Das in dem erwähnten Buch dokumentierte Interview mit Kardinal Müller erschien im Vorjahr in Spanien unter dem Titel „La Esperanza de la familia“.  DSC_0199

Frau Dr. Gabriele Stein übersetzte das im Juni 2014 auf spanisch geführte Gespräch in die deutsche Sprache. Der Präfekt der römischen Glaubenskongregation hat es vor der Drucklegung überarbeitet und aktualisiert. Das Buch wurde zudem in einer englischen, französischen, italienischen und portugiesischen Ausgabe veröffentlicht.

Als besonders eindrucksvoll erweist sich dieses Interview mit Kardinal Müller auch deshalb, weil der oberste Glaubenshüter der Kirche sich einerseits mit glasklaren und eindringlichen Worten für die unabänderliche Ehelehre der Kirche einsetzt; es andererseits nicht dabei beläßt, sondern den herausragenden Sinn der christlichen Ehe im Lichte von Natur und Gnade beleuchtet und die hohe Bedeutung der Familie als Hauskirche würdigt.

Zunächst erwähnt der Glaubenspräfekt die Beobachtung, daß in „einigen traditionell christlichen Ländern“ leider der „Glaubenssinn mehr und mehr verlorengeht“. Zudem werde die christliche Religion vielfach auf ein „bloßes Sortiment an Werten, Ideen oder sozialen Aktivitäten reduziert“ (vgl. Seite 8).

Noch deutlicher spricht der Kardinal mit seiner Äußerung, das Glaubensgut dürfe sich keineswegs „in eine politisch korrekte Zivilreligion verwandeln und auf einige Werte reduziert werden, die für den Rest der Gesellschaft erträglich sind. Damit hätten einige ihr ruchloses Ziel erreicht: das Wort Gottes ins Abseits zu drängen, um die gesamte Gesellschaft ideologisch lenken zu können“ (S. 47).

Dabei gerate das zentrale Anliegen der Kirche aus dem Blick, nämlich die „reale Begegnung mit Jesus Christus unAL-0004d die umfassende Erneuerung des Menschen mit Blick auf die Eschatologie“ (S. 8). Dieser Verweis auf die „letzten Dinge“ ist heute selbst von kirchlicher Seite eher selten zu hören.

Kardinal Müller stellt sodann klar, daß die Ehe ist nach Gottes Willen die „innige und ausschließliche Verbindung zwischen einem einzigen Mann und einer einzigen Frau“ sein solle; die Ehe sei zudem „die Quelle, aus der die Familie hervorgeht und das Kriterium, an dem sie gemessen wird“ (S. 9). Zudem erwähnt er eine Aussage von Papst Franziskus, wonach alle Ehen eine „innere Tendenz“ zur Fruchtbarkeit haben. In den Kindern, so Müller, erfüllt und vollendet sich die Liebe der Eheleute.

Der Autor beklagt, daß die geforderte „unverbrüchliche Treue“ in der Ehe von Jugendlichen vielfach nicht mehr akzeptiert werde: „Die Sexualität verstehen manche Menschen heute als bloßes Vergnügen und nicht als eine großartige Gelegenheit, das Leben im Rahmen einer Gemeinschaft der Liebe zu empfangen und weiterzugeben“ (S. 10).

Als Grundlage für ein „umfassendes Verständnis der Ehe“ nennt der Präfekt die Stichworte Person, Gemeinschaft, Fruchtbarkeit, Verantwortung und Bildung (S. 11). In den Eltern erfahren Kinder „zum allerersten Mal die Liebe Gottes“. So seien unsere Eltern „durch ihre Teilhabe am Priestertum aller Gläubigen priesterliche Repräsentanten“ des Gottvertrauens und der „bedingungslosen Akzeptanz unseres menschlichen Daseins“ (S. 12).

Die Sendung der Ehe: „Selbstverwirklichung durch Selbsthingabe“

Das Kreuzesopfer Christi sei letztlich die Wurzel für die eheliche Treue und Unauflöslichkeit, denn es verdeutliche, daß die Liebe nicht etwa ein „unbestimmtes Gefühl“ sei, sondern vielmehr „Selbstverwirklichung durch Selbsthingabe“ (S. 12).  DSC05485

Dies könne der Mensch aber „nicht aus eigener Kraft verwirklichen“, sondern er bedürfe der Gnade Gottes. Das „wichtigste Ziel“ der nächsten Familiensynode bestehe darin, „dafür zu sorgen, dass die sakramentale Vorstellung von Ehe und Familie wieder klarer zutrage tritt“ (S. 13). Dabei sei es mit Fachbüchern und Fachaufsätzen nicht getan: „Vergessen wir nicht die Zeugniskraft der Ehen, die nicht scheitern!“ (S. 14).

Sodann erwähnt Kardinal Müller die „Realität der Armut“, von welcher der Papst öfter spreche. Hierbei sei an die Scheidungswaisen zu erinnern: „Sie sind vielleicht die Ärmsten dieser Welt“, ja sogar „die Ärmsten der Armen“, denn trotz vieler materiellen Güter fehle ihnen „das Grundlegendste“, nämlich „die Liebe und Fürsorge von Eltern, die sich um ihretwillen selbst verleugnen“ (S.14).

Die „unauflösliche Ehe“ sei anthropologisch von „allergrößtem Wert“, so Müller weiter: „Sie entzieht den Menschen der Willkür und Tyrannei der Gefühle und Gemütszustände…und vor allem schützt sie die Kinder“ (S. 16).

Leider seien Ehe und Familie heute vielfach isoliert und sich selber überlassen, denn „unsere Gesellschaft treibt die individuellen Rechte oft bis zum Exzess“, beklagt Müller: In unverkennbar manipulativer Absicht würden die „egoistischen Verhaltensweisen Einzelner oder kleiner, isolierter Gruppen begünstigt und privilegiert“ (S. 18).

Die Moderne müsse, „wenn sie gerettet werden will“, von der Familie, die sich als Hauskirche verstehe, erneuert werden: „Ich bin für eine Familienkirche“, betont der Kardinal weiter, der sich sodann kritisch mit der sog. „sexuellen Revolution“ befaßt, denn „hinter diesem Phänomen lauert der Nihilismus“, der Mann und Frau auf ihre „animalischen Instinkte“ reduziere (S. 20). Die „einzige Alternative“ zum Egozentrismus sei ein „Theozentrismus“, denn es gehe zentral um die „ewige Wahrheit über den Menschen in seiner Beziehung zu Gott“ (S. 21).AL-0005

Unter allen menschlichen Gemeinschaftsformen nehme die Ehe eine „einzigartige und herausragende Stellung“ ein, weil sie den Bund Christi mit seiner Kirche widerspiegle; so werde die christliche Ehe zu einem „wirksamen Zeichen, das die heiligmachende Gnade vermittelt“; dadurch sei Gott in der Ehe auf eine „sakramentale, reale, konkrete, sichtbare und greifbare Weise gegenwärtig“ (S. 56).

Zudem verdeutlicht Kardinal Müller die eschatologische Perspektive der christlichen Ehe: „Die sakramentale Ehe ist ein Zeugnis für die Macht der Gnade, die den Mann und die Frau verwandelt und die ganze Kirche darauf vorbereitet, die heilige Stadt, das neue Jerusalem zu sein, die Kirche selbst, die bereit ist „wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat (Offb 21,2)“ (S. 58). Daher sei niemals eine „pragmatische Anpassung“ seitens der Kirche angesagt, sondern vielmehr „prophetische Kühnheit“, um die „Heiligkeit der Ehe zu bezeugen“ (S. 58).

Sakrament der Ehe: Gottes Gnade geht uns voraus

Zum Dauerbrenner der nach einer Scheidung zivilrechtlich verheirateten Katholiken verweist der Glaubenspräfekt genau ins Schwarze treffend auf den Missionsbefehl Christi an die Apostel: „Geht zu allen Völkern […] und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe“ (Mt 28,19-20). Dieser Auftrag sei, so Müller, „nichts anderes als eine Definition des Depositum Fidei, des Glaubensgutes, das die Kirche empfangen hat und nicht abändern darf“ (S. 31).

Für das Lehramt sei allein die göttliche Offenbarung verbindlich, nicht etwa diverse Theorien von Theologenseite. Das gelte auch und gerade für die kirchliche Verkündigung über jede gültige und vollzogene sakramentale Ehe: „Die absolute Unauflöslichkeit einer solchen Ehe ist keine bloße Lehre, sondern ein göttliches und somit der Kirche vorgegebenes Dogma“ (S. 32). Wer aber dem „Geist der Welt“ (2 Kor 2,12) entsprechend denke, könne „weder die Heiligkeit noch den sakramentalen Charakter der Ehe begreifen“ (S. 58). 008_Index - Kopie

Entgegen manch oberflächlicher Vorstellungen gehe es hier nicht um irgendeinen „theologischen Disput“, erläutert der Kurienkardinal, sondern vielmehr um die „Treue der Kirche zur Lehre Jesu, der sich in dieser Hinsicht restlos klar ausgedrückt hat“ (S. 34).

Daher könne das Band einer sakramentalen Ehe „auf keinen Fall gelöst“ werden. Hierzu hätten weder der Papst noch irgendeine Bischof die Befugnis, weil dies nicht ihre, sondern „allein Gottes Sache ist“ (S. 37), denn die eheliche Verbindung „besteht und wurzelt in Gott“ (S. 38); sie ist als Sakrament eine „sichtbare Vergegenwärtigung der verwandelnden Gnade“ (S. 38).

Man dürfe die sakramentale Gnade und die göttliche Barmherzigkeit keineswegs gegeneinander ausspielen, weil beides zusammengehöre, erläutert der Glaubenspräfekt: „Gott schenkt uns seine Gnade, damit wir treu sein können. Das ist der eigentliche Sinn der Barmherzigkeit Gottes“ (S. 41). Diese stehe im Zusammenhang mit den Geboten des Ewigen: „Gott gewährt uns in seiner grenzenlosen Barmherzigkeit die Kraft der Gnade, damit wir seine Gebote erfüllen“ (S. 43).

Diese Ausrüstung mit der Gnade Gottes sei kein fernes Ideal, betont Kardinal Müller, sondern könne in jeder christlichen Ehe erfahrbar werden: „Jedes Ehepaar, das Gott in die Mitte seines Ehelebens stellt, entdeckt mit freudigem Staunen, dass seine Liebe von Tag zu Tag mehr Nahrung findet und gedeiht“ (S. 59).

Insofern beobachte er mit einem „gewissen Erstaunen“, wie das Barmherzigkeits-Argument vielfach instrumentalisiert werde, um die Zulassung von geschiedenen und zivilrechtlich „Wiederverheirateten“ zu den Sakramenten „zu erzwingen“: „Die gesamte sakramentale Ordnung ist ja ein Werk der göttlichen Barmherzigkeit; sie kann also nicht unter Berufung auf eben dieses Prinzip, das sie trägt, aufgehoben werden“ (S. 42).

Außerdem gehe aus der Heiligen Schrift klar hervor, daß neben der Barmherzigkeit auch Heiligkeit und Gerechtigkeit zum „Geheimnis Gottes“ gehören (S. 43).

Keine Trennung von Lehre und Leben: „Christus ist der HERR“

Auf die Interview-Frage, ob denn womöglich die Lehre und die pastorale Praxis „in verschiedene Richtungen laufen“ könnten, antwortet Kardinal Müller mit Hinweis auf Joh 14,6, wonach Christus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist: „Das Leben von der Lehre zu trennen hieße, Christus als den Sohn Gottes von Christus als dem Erlöser trennen zu wollen….Wir können nicht auf doktrineller Ebene bekennen, dass Christus der Herr ist – und dann nicht seinen Willen tun“ (S. 46).cropped-ZIM_5640

Jesus sei nicht gekommen, so Müller, „damit sich die Gemüter beruhigen und im Grunde alles so bleibt, wie es war: Er ist gekommen, um die „herrschende Ordnung“ zu verändern“ (S. 47), weshalb ein echtes christliches Leben so „anspruchsvoll“ sei, denn es erlaube keine „bequemen Kompromisse“ zwischen der Offenbarung Gottes und den Vorstellungen der Welt: „Man kann nicht morgens zur Kirche und abends ins Bordell gehen“ (S. 48).

Der Mensch gerate in eine „ausweglose Sackgasse“, wenn er sich ohne göttliche Gnade erziehen wolle, zumal wenn die „Sexualität einen beinahe schon götzenhaften Rang einnimmt“. Daher müsse der Mensch erkennen, daß er für das „Höchste, für die Unendlichkeit geschaffen sei“, um sein Leben wieder „im Licht der Gnade“ zu sehen (S. 63). Deshalb gelte das Leitwort: „Der wahre Humanismus ist theozentrisch“ (S. 69).

Glaubenspräfekt Müller betont, daß wir nicht ohne die „gesunde Lehre“ (vgl. Tit 2,1) das Heil erlangen können (S. 47). Er formuliert eine Art katholischen Imperativ, wonach die Ordnungen der Liturgie, des Betens, des Glaubensbekenntnisses und des Lebens in der Nachfolge Christi untrennbar zusammengehören: „Lex orandi est lex credendi est lex vivendi“ (S. 46).

Auf die Frage, ob die Kirche gemäß einem Wort von Papst Franziskus eine Art „Feldlazarett“ sei, in dem Wunden geheilt werden, antwortet Kardinal Müller, dieses Bild sei zwar „sehr eindrücklich“, doch könne man es nicht auf die gesamte kirchliche Wirklichkeit anwenden: „Die Kirche an sich ist kein Sanatorium“ (S. 64).

Im irdischen Leben könnten keineswegs alle Verletzungen geheilt werden. Erst am Ende werde Gott „alle Tränen von ihren Augen abwischen“, zitiert Müller die Johannes-Offenbarung 21,4 (S. 65).DSC06228

An anderer Stelle weist er ebenfalls darauf hin, daß sich das letzte Ziel unseres Lebens erst in der Ewigkeit erfüllen werde: „Der Kommunismus und der zügellose Kapitalismus haben dem echten, himmlischen Paradies, nach dem sich jeder Christ sehnt, die Aussicht auf ein irdisches Paradies gegenübergestellt.“ (S. 69). Doch der Christ betreibe gleichwohl keine Jenseitsvertröstung, im Gegenteil: Gerade wegen seiner Ausrichtung auf das ewige Ziel könne er seine Pflichten für den Nächsten und die Welt „vollverantwortlich annehmen“ (S. 70).

Der Kardinal kommt sodann auf die „schwere Krise“ zu sprechen, in welcher sich die „sakramentale Idee“ befindet (S. 54). Auch Ehe und Familie leiden darunter, wobei der Autor ausdrücklich den negativen Einfluß „der Ideologie des Wohlstands und des Hedonismus“ erwähnt (S. 53). Um aus dieser „Fallgrube“ herauszukommen, müssen wir, so Müller, „das Offensichtliche wieder laut aussprechen“, zB. folgendes:

„Alle christlichen Eheleute sollten sich froh dazu bekennen, dass Kinder selbst in den kompliziertesten Situationen niemals eine Last oder Belastung, sondern ein vertrauensvoller Lebensentwurf und eine unerschöpfliche Quelle der Freude sind, die uns aber erst im Himmel voll offenbar werden wird“ (S. 54).

Kardinal Müller macht sich angesichts der „Orientierungslosigkeit“ unserer Jugend, der hohen Scheidungsraten und sinkenden Geburtenzahlen aber keinerlei Illusionen über den – wie er glasklar sagt – „Zusammenbruch der westlichen Gesellschaft“:

„Was ist das für eine Zukunft, die wir für die kommenden Generationen aufbauen? Es droht ein völliges Scheitern. (…) Wir müssen einen anderen Kurs einschlagen! Die Lehre der Kirche über die Familie ist genau das Heilmittel, das wir brauchen, um eine mögliche angekündigte Katastrophe zu verhindern“ (S. 60)

Felizitas Küble leitet hauptamtlich den KOMM-MIT-Verlag und ehrenamtlich das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Müller-Fotos: Bistum Regensburg


Vom tiefen Sinn eines Lebens mit Behinderten

Von Dr. med. Edith Breburda

Vor 45 Jahren wollte eine Familie mit zwei behinderten Söhnen nach Lourdes reisen. Damals war jedoch keine Gruppe bereit, die Pilger mitzunehmen. dr-breburda1

Die Eltern Thadee und Loice entschieden daher, sich allein auf den Weg zu machen. Leider hatten sie wenig Glück, ein Hotel zu finden. Schließlich entdeckten sie eine Unterkunft, mussten dort aber in ihrem Zimmer essen und durften nicht nach unten in den Speisesaal kommen, um die anderen Gäste nicht zu stören.

Die Familie musste sich auf ihrer ganzen Reise Kommentare anhören, dass sie sich die Pilgerfahrt hätte sparen können, denn den behinderten Jungen würde es sowieso nichts nutzen, in Lourdes zu sein. Bei der Reise handle es sich nur um herausgeschmissenes Geld.

Als Marie-Helene Mathieu, die schon damals vor 45 Jahren Lehrerin in einer Förderschule war, von der Geschichte hörte, war sie empört. Sie kontaktierte Jean Vanier, den Mann, der dazu beigetragen hatte, die L’Arche, einen Verband für Behinderte, zu gründen.

Die Familie, die in Lourdes Trost, Hilfe und zumindest geistige Heilung suchte, stattdessen aber abgewiesen wurde, war der Beginn der Glaube-und-Licht-(Faith and Light)-Bewegung. Heute existieren 1500 Gemeinschaften in über 80 Ländern.  IMG_4649

Die Organisation lebt nach dem Motto der Seligpreisungen: Was ihr dem geringsten meiner Brüder tut, das habt ihr mir getan.

Heute werden die intellektuellen und physischen Bedürfnisse behinderter Menschen eindeutig besser gehandhabt; dennoch erwarten diese Menschen eine Freundschaft, die über die Grundbedürfnisse hinausgeht.

„Behinderte müssen das Gefühl bekommen, selber etwas für die Gesellschaft beizutragen, nur dann fühlen sie sich als volle Menschen. Sie sollen nicht nur empfangen, sondern auch geben, denn das ist es, was sie glücklich macht“, erklären Marie-Helene Mathieu und Jean Vanier.

Faith und Light konzentriert sich deshalb auf drei Hauptpunkte:

1) Behinderte sollen erkennen, dass sie von Gott besonders geliebt werden. Auch sie können einen Grad der Heiligkeit erreichen.

2) Eltern von Behinderten dürfen nicht alleine gelassen werden. Wir sollten ihnen helfen, den Sinn und die oft nicht beachtete, verborgene Schönheit im Leid zu sehen.

3) Die Lehre der Kirche sollte vorgelebt werden, welche jeden Menschen seine Würde zugesteht, auch wenn er geistige oder physische Behinderungen hat.

Marie-Helene Mathieu ist froh, dass damals in Lourdes die Idee für Faith und Light aufgrund der DiskriminierBookCoverImageung einer behinderten Familie entstand. Wir leben in einer Zeit, in der das Leben kompromittiert wird. Mathieu ist besonders besorgt, dass in Amerika und Europa 90% der Kinder mit Down Syndrom abgetrieben werden (siehe hierzu auch das Buch: “Reproduktive Freiheit, free for what?”).

„Wir alle bilden den Leib Christi. Und doch werden Leute mit Trisomie-21 als weniger wertvoll angesehen. Im Grunde sind jedoch gerade die schwachen Glieder am unentbehrlichsten. Es gehört zu dem besonderen Charisma der Behinderten, das Herz ihrer Mitmenschen zu erreichen und aufzuschließen.

Behinderte, die wegen ihres Gebrechens von der Gesellschaft zurückgewiesen werden und deren Leben als nutzlos angesehen wird, sind in Wirklichkeit ein Geschenk Gottes. Sie sind die Ärmsten der Armen, die Sanft- und Demütigen.

Durch ihre Bedürftigkeit geben sie uns, die wir in einer hektischen Welt leben, die Chance, sich um sie kümmern zu dürfen. Die menschliche Familie kann nur Frieden finden, wenn wir uns den Armen und Schwachen zuwenden und sie aufrichten.

Die Kirche muss dafür sorgen, dass Behinderte nicht doppelt leiden. Einmal, weil sie anders sind als wir  –  und zweitens, weil sie die Gesellschaft zurückweist. Die Mitglieder der Bewegung “Faith and Light” kommen jeden Monat zusammen, um das Leben selber zu feiern. Sie beten, spielen und essen gemeinsam. Durch so einfache Dinge können sie das Leben verändern.

Die Organisation pilgert jedes Jahr zu einem Wallfahrtsort und alle 10 Jahre noch Lourdes. Dort, wo alles angefangen hat. Sie wollen der Gottesmutter danken[1].”P1020947 - Kopie

Auch die Familie Prendergast aus Elkhorn in Wisconsin, USA, weiß von den Vorurteilen, die anders aussehende Menschen hervorrufen. Sie hatte vor Jahren zwei Mädchen aus China adoptiert. Die Kinder wurden zurückgewiesen und waren die Letzten auf der Adoptionsliste. Keiner wollte sie.

Der Grund: sie hatten beide eine Deformation ihres Gesichtes. Eine Nase war nicht vorhanden und die Augen standen weit auseinander. Sie hatten einen Geburtsdefekt, auch Meningoencephalocele genannt.

Wegen der Ein-Kind-Politik in China, in der vor allem Jungen erwünscht sind, haben behinderte Mädchen keine Chance.

Als die eigenen Kinder der Familie Prendergast das Teenageralter erreicht hatten, drängte es die Eltern, Kinder aus China zu adoptieren.

Zwischen 1999 und 2013 wurden in China 71.632 Kinder adoptiert. Viele von ihnen waren Mädchen, jünger als zwei Jahre. Die Prendergast wollten ein älteres Kind. Mutter Kimberly entdeckte das Foto von Molly, legte es aber zur Seite. Sie dachte, sie könnten so ein Kind nicht haben. Es sei zu schwierig, sich ihrer anzunehmen.

„Beinahe hätte ich das Licht meines Lebens nie kennengelernt. Ein Leben ohne meine Adoptivtöchter kann ich mir nicht mehr vorstellen“, sagt Kimberly. Die Töchter wurden operiert, jetzt haben sie ein Gesicht. Jetzt ist Molly 13, sie ist ein gescheites junges Mädchen.

Die Familie will noch zwei Söhne aus China adoptieren: Billy und seinen Freund Allan. Beide haben HasensConnie.Rose JPEGcharten und auch sie wollte keiner. Im September möchten die Eltern nach China fliegen, um ihre neuen Söhne abzuholen[2]

Ist ein Leben eines Behinderten wirklich so “nutzlos”?

Immer öfter hören wir von Kindern mit Down-Syndrom, die uns zutiefst berühren. Am 9.9.2015 konnte man in vielen Zeitungen der USA von Connie-Rose (siehe Foto) lesen. Die 2-Jährige mit Down-Syndrome bekam einen Vertrag als Model, weil ihre Bilder um die Welt gingen und die Herzen vieler Menschen begeisterte[3].

In Amerika ist die kleine Audrey Santo vielen ein Begriff. Sie fiel am 9. August 1987 als Dreijährige in das Schwimmbad der Familie. Danach konnte sie sich nicht mehr bewegen oder sprechen. Die Mutter wandelte das Zimmer ihrer Tochter in eine Wallfahrtsstätte um.

Und tatsächlich kamen immer mehr Menschen, die behaupteten, durch ihren Besuch bei Audrey geheilt worden zu sein. Es waren so viele, dass man das behinderte Kind in ein Stadium bringen musste. Kritiker behaupten, die Mutter hätte das alles nur in ihre Tochter hineininterpretiert, um dem Leben ihres Kindes einen Wert, einen Sinn zu geben.

Wie dem auch sei. Audrey ist mittlerweile gestorben. Einige streben ihre Seligsprechung an. Erstaunlich ist, dass ein behindertes Mädchen Massen anzieht, die durch sie Hilfe erfahren[4].

  • Anmerkungen:
  • [1] Antonetti S.: Marie-Helene Mathieu: A life devoted to the intellectually disabled. Aleteia, 8. September 2015
  • [2] Idzera C.W.I.: Elkhorn family adopts children with facial differences. Wisconsin State Journal, 29. August 2015
  • [3] Ledebetter C.: Connie-Rose, Toddler Model with Down Syndrome, Wins Hearts Everywhere. Huffpost, 09.09.2015
  • [4] Little Audrey Santo Foundation. http://www.littleaudreysantofoundation.org/

Unsere Autorin Dr. med. Edith Breburda ist Bioethik-Expertin und Veterinär-Medizinerin (Tierärztin); sie lebt in den USA (Bundesstaat Wisconsin).

Weiterführende Literatur, Artikel und Bücher von Dr. Edith Breburda: http://scivias-publisher.blogspot.com/p/blog-page.html

Buch-Neuerscheinung vom Juni 2015: https://charismatismus.wordpress.com/2015/06/20/neuerscheinungbuch-empfehlung-reproduktive-freiheit-von-dr-edith-breburda/

Dieses sachkundige und zugleich verständliche Buch “Reproduktive Freiheit” (viele bioethische und aktuelle Themen) kann portofrei für 22,30 Euro bei uns bezogen werden: felizitas.kueble@web.de (Tel. 0251-616768)


GOTT ist wichtiger als Geld – Das GEBET regiert die Welt!

Ecclesia-PLAKAT des KOMM-MIT-Verlags in Münster:

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Harald Schmidt: Wir sind nur Gast auf Erden!

Der Kabarettist und Moderator Harald Schmidt bezieht aus seinem Glauben an Gott „eine große Gelassenheit und Beruhigung“. Das sagte der Katholik in einem Interview mit dem “Domradio” in Köln. Er bete regelmäßig, vor allem das Vaterunser. Er glaube auch an das ewige Leben.   Kreuzkuppel

Zu seinen Lieblings-Chorälen gehöre „Wir sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh, mit mancherlei Beschwerden, der ewigen Heimat zu“. Er liebe auch die Choräle „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt“ und „Ein Haus voll Glorie schauet“.  

Der 57-Jährige war mit Sendungen wie „Schmidteinander“ und der „Harald-Schmidt-Show“ erfolgreich. Im vergangenen Jahr verabschiedete er sich aus dem deutschen Fernsehen.

Quelle: http://www.idea.de

Foto: Petrusbruderschaft


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