PREDIGT: Unser Glaube in Kirche und Welt angesichts der Coronavirus-Krise

Wir veröffentlichen im vollen Wortlaut die aktuelle Sonntags-Predigt des Rektors der Gebetsstätte Marienfried, Pfr. Georg Alois Oblinger (siehe Foto), mit seiner freundlichen Genehmigung:
 
Sicherlich geht es Ihnen genauso wie mir: Wann auch immer ich das Radio einschalte – Fernseher habe ich keinen – höre ich nur ein Thema, das Corona-Virus. Die Ereignisse überschlagen sich. Inzwischen spricht man von einer Pandemie und jeden Tag gibt es neue Weisungen. Flüge werden gestrichen.

Manche Länder machen die Grenzen dicht. Schulen und Kitas werden geschlossen. Besuche im Krankenhaus oder Altersheim werden eingeschränkt. In einigen Ländern mussten schon Geschäfte und Restaurants schließen.

Auch die Kirche reagiert. Zahlreiche Schutzbestimmungen für die Gottesdienste wurden erlassen, sofern überhaupt noch Gottesdienste öffentlich gefeiert werden dürfen. Wer hätte noch vor wenigen Wochen ein solches Szenario überhaupt für möglich gehalten? Wir sind alle geschockt.

In unserer Gesellschaft verbreitet sich die Angst noch schneller als das Corona-Virus. Dem müssen wir als Christen widerstehen. Wir dürfen nicht in Angst und Panik verfallen. Dies ist auch mit unserem Glauben nicht vereinbar. An unserer Kirche steht der Ausspruch, mit dem Johannes Paul II. sein Pontifikat begonnen hat: „Don´t be afraid.“ – Habt keine Angst! Der Christ weiß, dass Gott alles in seinen Händen hält. Er braucht nichts zu fürchten. Bemühen wir uns, aus dem Glauben heraus, eine innere Gelassenheit zu bewahren und geben wir uns vertrauensvoll in Gottes Hände!

Aber natürlich darf man die Situation auch nicht verharmlosen. Wenn argumentiert wird, durch die Mitfeier der heiligen Messe, durch den Empfang der heiligen Kommunion, durch den Gebrauch des Weihwassers, könne das Virus nicht übertragen werden, scheint mir dies, reichlich naiv. Die Kirche lehrt, dass sich bei der heiligen Wandlung das Wesen von Brot und Wein ändert, nicht jedoch die Akzidenzien, also Geruch, Geschmack und alle anderen Eigenschaften. Auch hier ist also Ansteckung möglich. Die Petrusbruderschaft in Stuttgart, die ganz gewiss nicht im Ruf steht, modernistisch zu sein, teilt schon seit zwei Wochen in der heiligen Messe keine heilige Kommunion aus.

Das Befolgen kirchlicher und weltlicher Vorgaben geschieht aus Verantwortung und dient dem Schutz der Schwachen in unserer Gesellschaft. Beherigen wir in dieser Zeit den berühmten Ausspruch des heiligen Ignatius von Loyola. „Tut so viel, als wenn alles von Eurem Tun abhinge. Glaubt und betet so viel, als ob alles von Gott abhinge.“

Tatsache ist doch: Gott hat diese Pandemie zugelassen und möchte uns damit auch etwas sagen. Wie oft habe ich es in den vergangenen Jahren gehört: „Als es den Menschen schlecht ging, wurde gebetet. Vielleicht müssten nur wieder schlechte Zeiten kommen, dann würden die Menschen auch wieder mehr beten.“

Zumindest kann eine solche Krise die Menschen aufrütteln. Wir sehen, wie wenig wir die Dinge die Hände halten und dass man sich auch auf unser Gesundheitssystem im Letzten nicht verlassen kann. Ich habe mich gefragt: Wo liegt positiv die Botschaft Gottes an uns im Ausbruch dieses Virus?

Nach der sexuellen Revolution kam Anfang der achtziger Jahre das HI-Virus. Wir wurden gezwungen, unser sexuelles Verhalten zu überdenken. Jetzt in der Zeit des Massentourismus, ist das Corona-Virus ausgebrochen, das zunächst durch Reisen in ferne Länder übertragen wurde. Wir sollten einmal unser Reiseverhalten kritisch hinterfragen. Das hat ja auch eine religiöse Dimension: Halten wir es mit uns selbst nicht mehr aus? Laufen wir vor uns selbst davon?

Jetzt sind vor allem Massenveranstaltungen untersagt, da dort große Ansteckungsgefahr besteht. Große Veranstaltungen, sogenannte Events stehen heute hoch in Kurs. Sie sind nicht zuletzt Ausdruck unserer Spaß- und Feierkultur. Auch die gilt es einmal kritisch zu hinterfragen: Überspielen wir oftmals den Ernst unseres Erdendaseins und flüchten in oberflächliche Feiern?

BILD: Buch von Rektor Oblinger über prominente Konvertiten: „Gesucht – gefunden“ (Fe-Verlag)

Heute ist im Sonntagsevangelium die Rede vom Durst des Menschen. Es gibt den Durst nach Wasser, aber auch den Durst nach Tieferem: nach Verständnis, nach Liebe, nach einem Sinn im Leben. Wonach dürsten wir? Nach Abwechslung? Nach Gemeinschaft? Nach Freude? All diesen Durst kann diese Welt nur bruchstückhaft stillen. Jesus verspricht das lebendige Wasser, das den letzten Durst stillt, so dass man niemals mehr durstig sein wird.

Schmerzhaft ist es für viele Gläubige aber auch, wenn in diesen Wochen Gottesdienste reglementiert oder gar ganz gestrichen werden. In vielen Gegenden ist dies bereits der Fall und sehr schnell kann es auch bei uns so weit sein. Dann wird uns vielleicht neu bewusst, dass die häufige Messfeier, wie wir sie gewohnt sind, keine Selbstverständlichkeit ist.

Vielleicht lernen wir die heilige Messe neu schätzen. Wenn Priester die heilige Messe nicht mehr mit dem Volk, sondern nur mehr für das Volk feiern dürfen, erkennen wir auch, dass die heilige Messe in sich einen Wert hat, der nicht von der Zahl der Mitfeiernden abhängig ist. All dies könnte eine positive Folge dieser Krise sein.

Und schließlich verweist uns die Corona-Krise auf all das, was wir tun können. Wenn gemeinsame Messfeiern nicht mehr möglich sind, gilt es wenigsten am Radio oder Fernsehen die heilige Messe mitzufeiern. Auch unsere Kirchen stehen weiterhin offen. Der Virus ist ein direkter Appell, untertags allein die Kirche zum stillen Gebet aufzusuchen. Und wie wertvoll ist es, wenn es Orte der eucharistischen Anbetung gibt; dort können wir Jesus abseits der großen Menge begegnen. Von all dem sollten wir in diesen Tagen Gebrauch machen!

Auch denke ich jetzt viel an meinen zweiten Namenspatron, den heiligen Aloisius Gonzaga, der als Jesuitenschüler im 16. Jahrhundert sich hingab in der Pflege der Pestkranken und sich schließlich selbst dabei ansteckte. Sorgen wir uns um die Kranken, stehen wir ihnen bei, bringen wir als Priester ihnen die heilige Kommunion. Nehmen wir alle aber auch die Kranken und alle, die Verantwortung tragen bei der Bekämpfung des Virus, in unser Gebet hinein.

Wenn die Corona-Krise bewirkt, dass wir stärker aus unserem Glauben leben, dann werden die Wochen, die wir gerade erleben, segensreiche Wochen.


Unser PLAKAT für KIRCHE und GEBET

POSTER aus dem KOMM-MIT-Verlag in Münster:

Dieses PLAKAT kann beim KOMM-MIT-Verlag bestellt werden. Es ist im großen Din-A-2-Format erschienen (60 x 40 cm) und kostet 3 € inkl. Versandkosten (Betrag bitte vorweg in Briefmarken beilegen), vier Stück kosten nur 6 € inkl. Porto (gegen Rechnung). – Per Tel. 0251-616768 oder Mail: felizitas.kueble@web.de

Plakat-Foto: Dr. Bernd F. Pelz

 

 


Heroldsbach: Wie die „Königin der Rosen“ eine unbescholtene Bäuerin verteufelte

Von Felizitas Küble

Heroldsbach ist jener lange Zeit heißumstrittene „Erscheinungsort“ im Bistum Bamberg, der von 1949 bis 1952 zehntausende Pilgern aus ganz Deutschland anzog und sich zu einem ganz außergewöhnlichen Massenphänomen entwickelte.  

Die katholische Kirche hat diese „Privatoffenbarungen“ allerdings strikt abgelehnt – nicht allein der zuständige Bischof sprach sich damals klar dagegen aus:

Auch die römische Glaubenskongregation (zu jener Zeit noch „Hl. Offizium“ genannt) hat jene aufsehenerregenden Geschehnisse unmißverständlich als „nicht übernatürlich“ abgelehnt und die aktiven Anhänger unter den Priestern mit kirchlichen Strafen belegt; die Sehermädchen wurden kurzerhand exkommuniziert (aus der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossen).

Heroldsbach ist zwar mittlerweile aus praktischen und pastoralen (seelsorglichen) Gründen eine diözesane „Gebetsstätte“, was aber nichts daran ändert, daß die Erscheinungen nach wie vor kirchlich nicht anerkannt sind, was dort auch ausdrücklich ausgeschildert ist.

Dennoch gibt es – vor allem in traditionellen Kreisen – nach wie vor erstaunlich viele „Heroldsbacher“, die fest von der Echtheit jener spektakulären Vorgänge überzeugt sind, wozu auch ein „Sonnenwunder“ gehört.  Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2016/06/11/die-marienerscheinungen-von-heroldsbach-und-das-sonnenwunder-vom-8-12-1949/

Bei Gesprächen mit Erscheinungsbewegten stellt sich heraus, daß diese Leute oft nicht ausreichend über die „Botschaften“ von Heroldsbach informiert sind, sondern schlicht meinen, die dortigen „Offenbarungen“ seien doch klar-katholisch, marianisch und konservativ ausgerichtet  – also alles paletti, das Ganze echt  – und die Kirche habe sich hierbei nun einmal geirrt.

Ballspiele mit Christkind und den Engeln…

Umgekehrt wird freilich ein Schuh draus  – hierzu einige Beispiele:

Daß die Heroldsbacher Erscheinungen nicht „von oben“ sein können, geht allein schon aus der Tatsache hervor, daß die „Seherkinder“ mit dem „Jesuskind“ und den „Engeln“ mehrfach Ballspiele veranstalteten sowie „Fangen“ spielten. Das ist der übernatürlichen Welt nicht würdig und angemessen.

Noch schlimmer ist die Verleumdung einer unbescholtenen Bäuerin aus dem Dorf als angeblich vom Teufel bessesen – und dies behauptete ausgerechnet die „Rosenkönigin“, also die vermeintliche Marienerscheinung, die übrigens ausdrücklich erklärte, sie sei „nicht die Rosenkranzkönigin“  –  was das wundersüchtige Publikum aber nicht weiter störte oder ins Grübeln brachte.

Nun zu jener Nachbarin, deren Acker durch die Seher und ihren Anhang zertreten wurde und die sich darüber völlig zu Recht beschwerte. Aber wer den Schaden hat, braucht für die Spott nicht zu sorgen – in diesem Fall noch schlimmer: sie wurde buchstäblich verteufelt.

Die „Frankfurter Hefte“ vom Mai 1952 haben folgendermaßen über diesen Vorgang berichtet:

„Eine Saat der Feindschaft ging (in Heroldsbach) auf. Auf dem (Erscheinungs-)Hügel ist ein Getreidefeld, dessen Rand aufs abscheulichste niedergetrampelt war….

Eines Tages schien die Madonna ihren Weg über dieses Feld nehmen wollen  – und die Kinder, ihr folgend, zertraten die Saat. Die Frau, der das Feld gehörte, rief: „Die Heiligen dürfen darüber, aber ihr nicht, schont doch mein Getreide!“

An einem der nächsten Tage erklärten die Kinder, die Madonna habe gesagt, die Frau sei der Teufel. Am Abend kam es zu einem wilden Tumult auf dem Berg. Die Laienkommission, die Kinder und die Gläubigen beteten beim Abnlick der Frau schreiend die Teufelsaustreibung, die Kinder riefen, sie sähen den Teufel in Person…Die Menge hätte um ein Haar die Frau erschlagen.

Der Ortspfarrer streute Gerüchte aus über die Frau, die zu einem Prozeß führten, bei dem er schließlich widerrief.“

Es bedarf gewiß einer großen Geistesverwirrung, um zu glauben, solch gefährlicher Unfug  – an dem sich der erscheinungssüchtige Pfarrer sogar noch beteiligte  –   stamme vom Himmel.

Jene Verschwörungstheorien, die behaupten, das Bistum Bamberg habe den Vatikan damals (in den 50er Jahren) falsch informiert bzw. hinters Licht geführt, sind nicht stichhaltig, denn um diese „Botschaften“ zu verurteilen, waren beileibe keine „Fälschungen“ nötig, da diese absurden „Visionen“ in ihrer Originalfassung schon für sich bzw gegen sich sprechen!

Vor mir liegt das Buch „Heroldsbach – eine mütterliche Mahnung Mariens“ (siehe Foto) von Christel Altgott, es erschien 1957 und ist natürlich komplett unkritisch. Umso aufschlußreicher sind die dort enthaltenen Informationen (von denen keiner behaupten kann, Skeptiker hätten sie ausgestreut).

Hierzu einige Beispiele:

Seite 11: Es wird berichtet, daß die Seherkinder im Auftrag von Prof. Faulhaber an die Erscheinung die Frage richten sollen: „Bist Du die Assumpta?“ (Das ist lateinisch und bedeutet gemäß dem Dogma: „Bist Du die in den Himmel aufgenommene Madonna?“)

Worauf die Erscheinung laut Seherkinder geantwortet haben soll: „Nein, ich bin es nicht, ich bin die Gottesmutter, die Himmelsmutter.“

Nun hat die Buchautorin natürlich ein Erklärungsproblem. Die Ausrede, die Madonna sei des Lateinischen nicht mächtig, wäre allerdings lächerlich. Aber es sei eben so, daß Maria sich in Heroldsbach nicht speziell als Assumpta verehrt wissen will, sondern als Gottesmutter“, läßt uns die Verfasserin wissen…

Seite 17 und 18: Es wird berichtet, daß sich die Erscheinung – nachdem sie ja offenbar keine „Assumpta“ ist – wie folgt selber definiert:

„Ich bin die Königin der Rosen, ich bin die Rosenkönigin. Verwechselt es nicht mit der Rosenkranzkönigin.“

Somit wird die Assumpta-Verwirrung noch gesteigert,weil die Erscheinung keinesfalls mit der „Rosenkranzkönigin“ verwechselt werden will. Ob diese merkwürdige Erscheinung  vielleicht d e s h a l b  laut Angaben der Seherkinder einen „schwarzen“ (!) Rosenkranz trägt…?

Jenseitige Drohung für die Kirchenleitung

Seite 40: Typisch für Falschmystik ist das „Zuckerbrot-und-Peitsche“-Prinzip nach dem Motto: Wer an diese Erscheinungen glaubt, wird mit Gnaden überschüttet, wer sich weigert, muß mit drakonischer Strafe rechnen – genauer: mit der Todesstrafe „von oben“.

Der „ganz mit Wunden bedeckte Heiland“ erschien angeblich den Kindern und „klagte, daß die Obrigkeit an das Erscheinen auf diesem Berg nicht glaube. Er gab den Pilgern den besonderen Segen und sagte: „Sie werden erst glauben, wenn Ich sie hinwegraffe.“

Merkwürdig erscheint auch der Heroldsbacher „Segen“ für die Pilger:

Seite 41: „Während dieser Geschehnisse flog (!) der Hl. Geist den Segen“.

Bezeichnend überdies Seite 44: Die „Gottesmutter“ habe erklärt: „Jetzt ist es zu spät, daß sich die Menschheit noch bekehren wird. Es ist der letzte Ruf, den wir hier an sie gerichtet haben.“

Seit Jahrzehnten bekommt man von allerlei Visonärinnen zu hören, die ihnen gewährte „Warnung“ sei der allerletzte Mahnruf des Himmels….

Auf Seite 41 erfährt man auch, daß die Seherkinder „das Vaterunser beteten, welches der göttliche Heiland mit uns sprach.“

Wie bitte? Christus hat gebetet: „Vergib uns unsere Schuld“…? – Zudem: Von welchem „Bösen“ muß Christus denn der göttliche Heiland „erlöst“ werden?

Die Sache ist nicht vergleichbar mit der biblischen Vaterunser-Belehrung Christi, nachdem die Apostel ausdrücklich fragten: „Herr, wie sollen wir beten?“  – Christus hat ihnen das Vaterunser lediglich vorgesprochen, damit sie es kennenlernen, ohne es mit ihnen zusammen zu beten.

Schon diese wenigen Beispiele belegen, daß die Erscheinungen von Heroldsbach nicht „von oben“ sein können; es handelt sich bestenfalls um Fantasieprodukte oder um Phänomene bzw. Täuschungsmanöver von „unten“  –  oder beides miteinander vermischt.

Weitere Hintergrund-Infos zu Heroldsbach hier: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/08/heroldsbach-und-die-%e2%80%9ehimmelsvisionen%e2%80%9c/