Ankum: Kirchlicher Gedenkabend für den Märtyrer und Priester August Benninghaus

Von Felizitas Küble

Die Gemeinde und die Pfarrei Ankum im Bistum Osnabrück ehren seit längerem das Andenken an den Priester und Märtyrer August Benninghaus SJ.

Der Jesuitenpater, der von Irland bis Indien vielfach missionarisch tätig war, wirkte zuletzt in Münster (Westf.) als Exerzitienmeister, bevor ihn die Gestapo (Geheime Staatspolizei) am 27. Juni 1941 wegen „staatsfeindlicher Äußerungen“ festnahm.

BILD: Gedenktafel für Pater Benninghaus im Ankumer Dom, in dem er einst auch gepredigt hat

Nach Verlegung in verschiedene Gefängnisse und ins KZ Sachsenhausen wurde der Jesuit schließlich ins Lager Dachau unweit von München eingeliefert, in dem während der NS-Diktatur ca. 3000 Geistliche inhaftiert waren, davon 95% katholisch. Durch brutale Schikanen, Schwerstarbeit, Hunger und Entkräftung im KZ starb der tapfere Bekenner am 20. Juli 1942 im KZ-Lazarett im Alter von 61 Jahren.

Der August-Benninghaus-Kreis setzt sich sehr engagiert dafür ein, diesen Blutzeugen des Glaubens nicht zu vergessen. Deshalb bringt der Gründer Hermann Rieke-Benninghaus (ein Verwandter des Märtyrers) schon seit vielen Jahren Gedenkzettel und Bücher heraus, die an diesen Bekenner-Priester erinnern und sein Lebenszeugnis schildern. 

Zudem führt der Kreis entsprechende Veranstaltungen durch und verleiht den August-Benninghaus-Preis, so etwa vor zwei Jahren an Prof. Dr. Helmut Moll, den Herausgeber eines angesehenen kirchlichen Werkes mit dem Titel „Martyrologium des 20. Jahrhunderts“.

Der Prälat aus Köln, der unlängst seinen 75. Geburtstag feiern konnte, hat zur diesjährigen Preisverleihung an den jüdischen Komponisten und Autor Dr. Moisei Boroda seine besonderen Grüße und guten Wünsche übermittelt.

BILD: Die Vesper im Ankumer Dom hielt Pastor Tietje

Diesmal beging der Benninghaus-Kreis den 77. Todestag „seines“ Jesuitenpaters – wobei dieser 20. Juli passenderweise zugleich an den Widerstand hoher Generäle und Militärs gegen Hitler durch Stauffenberg und Co. erinnert.

Die Veranstaltung wurde mitgetragen von der Pfarreiengemeinschaft in Ankum (sowie Eggermühlen und Kettenkamp) und begann mit einer abendlichen Vesper im Dom bzw. der eindrucksvollen Nikolaus-Kirche, die im 19. Jahrhundert im neuromanischen Stil erbaut worden war, nachdem die Vorgängerkirche einem Brand zum Opfer fiel.

Das Gotteshaus war mit vielen aufmerksamen Gläubigen aus Ankum sowie mit Gästen von nah und fern gut besucht (siehe Foto).

Die Vesper erinnerte an die Blutzeugen des Glaubens, vor allem an Pater August Benninghaus; aber auch das Gedächtnis des 20. Juli (Widerstandsbewegung) wurde wachgehalten.

Die Andacht war von biblischen Lesungen, Fürbitten, Psalmen, Litaneien und Gesängen geprägt, darunter dem Bonhoeffer-Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ und dem Magnificat (Lobgesang Mariens) in lateinischer Sprache.

Die Vesper – sie ist das amtliche Abendgebet der Kirche  –  schloß mit dem priesterlichen Segen von Pastor Stefan Tietje und dem gemeinsamen Paternoster (Vaterunser-Gebet).

BILD (erste Reihe von links nach rechts): Monika Kaiser-Haas, Dr. Mosei Boroda und seine Frau Sophia, Familienmutter Rieke-Benninghaus, Tochter Theresa und ihr Vater Hermann Rieke-Benninghaus

Nach der Abendandacht begann die eigentliche Gedenkfeier für Pater Benninghaus im Ankumer Dom.

Dabei wurde ein musikalisches Werk uraufgeführt, das der aus Georgien stammende Jude Dr. Moisei Boroda eigens für diesen Gedenktag komponierte. Die meditative Stunde war zugleich informativ, denn dabei wurden unter Regie von Dr. Boroda die wesentlichen Lebens-Stationen des Märtyrers vorgelesen und durch Lichtbilder auf einer Leinwand illustriert.

Hierbei sprachen Theresa Benninghaus, Pastor Stefan Tietje und Monika Kaiser-Haas (Vize-Präsidentin des Internationalen Karl-Leisner-Kreises). Auch Pfarrer Michael Franke erläuterte in zwei Ansprachen den Sinn des Gedenkabends.

BILD: Monika Kaiser-Haas sprach im Rahmen einer Dia-Schau über die letzten Stationen und den Tod von P. Benninghaus

Danach wurde im Pfarrheim der diesjährige August-Benninghaus-Preis 2019 an den jüdischen Schriftsteller und Komponisten Dr. Boroda aus Georgien verliehen, der seit 1989 in Nordrhein-Westfalen lebt. Er setzt sich bereits seit 2001 für die christlich-jüdische Verständigung ein, zudem für die Erinnerung an christliche Blutzeugen in der NS-Diktatur.

Unser Bericht über diese Preisverleihung siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2019/07/24/ankum-juedischer-autor-moisei-boroda-erhielt-den-christlichen-august-benninghaus-preis/

Interessant auch folgender Zeitungsartikel: https://www.noz.de/lokales/samtgemeinde-bersenbrueck/artikel/1814982/maertyrer-vesper-fuer-pater-august-benninghaus-in-ankum


Bochum: Dr. Moisei Boroda und Heide Riek erinnerten an die Opfer der Shoah

Von Felizitas Küble

Am Mittwoch, 23. Januar 2019, veranstaltete das „Zentrum für Stadtgeschichte“ in Bochum eine besinnliche und zugleich bewegende Lesung zweier Autoren zum Gedenken an die Opfer der Shoah. Die Leiterin, Dr. Ingrid Wölk, informierte in ihrem Eingangsreferat über die wesentlichen Fakten zu Auschwitz und der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Europa.

Die in Stettin geborene Lyrikerin Heide Riek (siehe Foto) machte mit ihrem im Jahre 2012 erschienenen Buch „Aber die Schatten…“ vertraut, aus dem sie einige Episoden vorlas. Die bewegende Biografie handelt von einem vor den Nazis in die USA geflüchteten Juden, der später in seine Heimatstadt Wien zurückkehrt und dort frühere Bekannte wiedersieht und alte Erinnerungen austauscht.

Zudem trug die Autorin einige ihrer Gedichte vor, teils auch an Goethe angelehnt, die sich mit den zwölf Schreckensjahren der deutschen Geschichte befassen und dabei die Perspektive der Opfer einnehmen.

Der Abend war umrahmt von Musikstücken des georgisch-deutschen Komponisten Dr. Moisei Boroda (siehe Foto). Der seit langem in Herne lebende Jude setzt sich besonders für die christlich-jüdische Verständigung ein.

Dazu gehört auch die Erinnerung an deutsche Judenretter und besonders an christliche Geistliche, die unter der NS-Herrschaft verfolgt oder ermordet wurden.

Der Musikwissenschaftler und Träger mehrerer Literaturpreise würdigt dabei vor allem die zahlreichen katholischen Priester, die als Blutzeugen ums Leben kamen, meist im KZ Dachau, in dem ca. 3000 Priester inhaftiert waren. (Näheres hier: https://charismatismus.wordpress.com/2018/11/26/muenster-juedischer-kuenstler-dr-mosei-boroda-wuerdigt-christliche-maertyrer-der-ns-diktatur/

Beim Gedenkabend in Bochum trug er seine literarische Erzählung „Die Antwort“ vor, die in das 15. Jahrhundert in Spanien zurückführt, als die Judenverfolgungen immer stärker zunahmen, zuletzt durch die Vertreibung der meisten Juden unter Königin Isabella.

FOTO: Der jüdische Komponist Dr. Boroda mit seiner christlichen Frau Sofia kurz nach der Veranstaltung in Bochum

In der Geschichte „Die Antwort“ geht es um die tragische Situation eines Rabbiners, der vom städtischen Herrscher vor die Wahl gestellt wird, entweder einen flüchtenden Judenchristen, der von der Inquisition gesucht wird, auszuliefern oder andernfalls für die Vertreibung aller Juden in der Stadt verantwortlich zu sein. Diese Qual der Wahl zerreißt dem gewissenhaften Rabbiner fast das Herz. Dem Jubel seiner geretteten Gemeinde kann er sich daher nicht ohne weiteres anschließen.

So führte der Abend die Besucher zum Nachdenken und verinnerlichte den Themenkreis Gewissen, Verantwortung und historisches Gedenken als Lernimpuls für die Zukunft.


Münster: Jüdischer Künstler Dr. Moisei Boroda würdigt christliche Märtyrer der NS-Diktatur

Von Felizitas Küble

Am Sonntagabend, dem 25. November, gab es in der St.-Clemens-Kirche von Münster-Hiltrup eine außergewöhnliche Andacht: Der jüdische Komponist und Literat Dr. Moisei Boroda gestaltete eine Gedenkandacht für christliche Märtyrer – die meisten von ihnen katholische Priester – die wegen ihres Glaubens und ihrer Nächstenliebe in der NS-Diktatur ihr Leben lassen mußten.

Der Musikwissenschaftler und Schriftsteller aus Georgien, der seit Jahrzehnten in der westfälischen Stadt Herne lebt und ausgezeichnet deutsch spricht, kam mit seiner christlich-orthodoxen Frau Sofia Tchkonia zur Pfarrkirche, um einige mutige Geistliche aus der NS-Zeit und ihre heldenhafte Tapferkeit zu ehren.

BILD: Dr. Boroda gestaltete die Diashow mit Unterstützung seiner Frau Sofia – die ebenfalls Musikwissenschaftlerin ist  –  in der Clemens-Kirche von Münster-Hiltrup

Dem Künstler wurde 2016 der Ehrentitel „Botschafter georgischer Kultur“ verliehen; zudem erhielt er Literaturpreise und das Ehrendiplom der „Gesellschaft für die Renaissance jüdischer Kultur“.

Die bewegende Würdigung unter dem Leitwort „Denn Dein ist das Reich“ wurde mit einer eindrucksvollen Diashow und klassischer Musik (z.B. Bach, Schubert, Chopin) sowie einem altgeorgischem Choral begleitet.

Der Komponist setzt sich unermüdlich für das Andenken an christliche Blutzeugen ein, wobei er sein besonderes Augenmerk auf katholische Geistliche legt. Sein diesbezügliches Engagement begann bereits im Jahr 2001, als er sich näher mit dem Lebenszeugnis des seliggesprochenen Priesters Karl Leisners befaßte, der als Opfer der NS-Tyrannei im KZ Dachau starb.

Monika Kaiser-Haas (siehe 2. Foto) sprach am Ambo über Leben und Glaubenszeugnis ihres Onkels, des Geistlichen Karl Leisner aus dem Bistum Münster. Die Hiltruperin ist Vize-Präsidentin des Internationalen Karl-Leisner-Kreises. (Unser Porträt des Seligen hier: https://charismatismus.wordpress.com/2018/06/17/der-selige-karl-leisner-priester-bekenner-und-maertyrer-in-schwer-bedraengter-zeit/)

Der konkrete Anlaß dieser kirchlichen Gedenkveranstaltung ist das zehnjährige Bestehen des Arbeitskreises Bernhard Poether, der von Pfarrer Ewald Spieker  – ebenfalls aus Hiltrup – geleitet wird.

Der Ruhestands-Geistliche (siehe drittes Bild) setzt sich für die Seligsprechung von Kaplan Poether ein, der wie Leisner (und hunderte weiterer Priester) im KZ Dachau starb. Elisabeth Georges erläutere die Stationen seines Lebens. (Näheres zu Poether hier: https://charismatismus.wordpress.com/2018/08/26/pfarrfest-in-muenster-hiltrup-zeigte-kelch-des-priesters-und-kz-opfers-bernhard-poether/)

Der Hiltruper Pfarrer Nike Netzler begrüßte die versammelten Gläubigen in der Clemens-Kirche. Die Lesungen und Dia-Fotos widmeten sich sodann neben Leisner und Poether weiteren Märtyrern, darunter dem Jesuitenpater Alfred Delp, der wegen seiner aufrechten Haltung gegen die NS-Tyrannei von Freislers Schreckensgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde, wie Stefan Winter berichtete.

Zudem wurde an den Ordensmann Elpidius Markötter erinnert, der erst ins KZ Sachsenhausen kam und danach im KZ Dachau von NS-Schergen ermordet wurde. Magdalena Dreike verdeutlichte seinen tapferen Werdegang.

Das Gedenken galt sodann den bekannten vier Lübecker Märtyrern (siehe Foto), darunter drei katholischen Geistlichen (Johannes Prassek, Hermann Lange, Eduard Müller) und einem evangelischen Pastor (Karl F. Stellbrink).

Auch diese Männer mußten ihr konsequentes Glaubenszeugnis und ihren Einsatz für die Menschenrechte mit dem Leben bezahlen, was Gisela Korth eindrucksvoll schilderte.

Dabei wurde an das Wort Christi erinnert: „Niemand hat eine größere Liebe, als wer sein Leben läßt für seine Freunde.“ 

Abschließend sprach Marie-Luise Lammert über den orthodoxen Priester-Mönch Prof. Dr. Grigol Peradze, dessen glaubensstarkes Leben in Auschwitz endete. Er wurde von der orthodoxen Kirche in Polen und Georgien zum Heiligen erklärt.

BILD: Der orthodoxe Geistliche und Märtyrer Grigol Peradze aus Georgien (Porträt aus der Diaschau)

Bei der Schlußansprache betonte Dr. Moisei Boroda (siehe Foto), der die Gesamtkomposition des Gedenkabends gestaltete, noch einmal das Motto „Dein ist das Reich“ aus dem ökumenischen Zusatz des Vaterunser-Gebets.

Er erläuterte, daß totalitären Ideologien wie der Nationalsozialismus und der Kommunismus auf kurz oder lang zum Scheitern verurteilt seien. Gottlose Systeme, welche die Zehn Gebote und die Menschenwürde mit Füßen treten, hätten keinen Bestand, denn der Ewige sei der HERR der Geschichte. 

Der jüdische Literat erinnerte dabei auch an die millionenfachen Opfer der unmenschlichen Sowjet-Diktatur, wobei auch unter „Hammer und Sichel“ tausende von Priestern – meist orthodoxe Geistliche  – als Märtyrer starben; nicht erst unter Stalin, sondern bereits unter Lenins Herrschaft. Umso wichtiger sei das gemeinsame Einstehen für die christlich-jüdischen Werte und Ideale inmitten einer verweltlichten Zeit.

Dr. Boroda würdigte das Vaterunser als eines der „schönsten Gebete“. In der nachfolgenden Diskussionsveranstaltung im Pfarrheim betonte er erneut die „jüdischen Wurzeln“ dieses wichtigsten Gebets der Christenheit.

BILD: Dr. Boroda mit seiner Frau Sofia Tchkonia nach der Gedenkveranstaltung

Bei dem Empfang im Gemeindehaus konnten Dr. Boroda viele Fragen gestellt werden, die er eingehend beantwortete. Dabei ging es auch um die Haltung kirchlicher Institutionen und Würdenträger während der NS-Diktatur, die sehr unterschiedlich war.  Der deutsch-georgische Schriftsteller würdigte vor allem den damaligen Berliner Oberhirten Graf von Preysing und seinen Einsatz für die verfolgten Juden.

Pfarrer em. Ewald Spieker moderierte den Abend im Pfarrsaal. Danach wurde Dr. Boroda vom Reporter einer Tageszeitung aus Münster interviewt.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.