Beseitigung der Unrechtsdekrete schafft Verständigung über Grenzen hinweg

Von Felizitas Küble

Wie bereits gestern im CHRISTLICHEN FORUM berichtet, wurde am Sonntag der „Tag der Heimat“ im Rathaus von Münster begangen.

Roswitha Möller (siehe Foto), die Vorsitzende des BdV (Bund der Vertriebenen) in Münster, äußerte sich in ihrer Begrüßungs-Ansprache zum BdV-Leitwort dieses Jahres „Unrechtsdekrete beseitigen – Europa zusammenführen“.

Es geht dabei um die Beschlüsse und Verordnungen kommunistischer Diktaturen in Mittel- und Osteuropa, welche die Vertreibung von Millionen Deutschen aus ihrer angestammten Heimat anstrebten und vollzogen:

„Wir erinnern uns an die Bierut-Dekrete, unter denen  besonders die Deutschen aus Ost- und Westpreußen, Danzig, Pommern, Ostbrandenburg, Schlesiern zu leiden hatten, indem man sie aus der Heimat verjagte, enteignete, mit der bekannten innerstaatlichen Unrechtsakte, d. h. dass die Verursacher dieser Taten nicht belangt werden konnten und können  – bis heute.“

Frau Möller  – selber in Danzig geboren  –  erinnerte daran, daß Völkermord nicht verjährt. Allerdings gibt in einigen östlichen Ländern inzwischen auch positive, deutschfreundliche Ansätze:

„Als ich im Juli dieses Jahres zum „Welttreffen der Danziger“ in  Danzig war, zu dem der polnische Bürgermeister von Danzig alle 4 Jahre einlädt, hatte ich zu meiner großen Überraschung festgestellt, dass die Verwaltung von Danzig  – Gdansk  –  die deutsche Vergangenheit, Geschichte und Kultur nicht mehr leugnet, im Gegenteil, darauf aufbaut.

In den 4 Tagen wurde u. a. ein Gedenkstein für einen ehemaligen deutschen Danziger Bürgermeister errichtet, der viel für die Stadt getan hatte. Wir, die deutschen Danziger wurden in das Uphagenhaus, einem alten Patrizierhaus am langen Markt, der guten Stube Danzigs eingeladen, um einer Ausstellung und einem Vortrag über alte Danziger Gartenkultur beizuwohnen. Wir waren alle angenehm überrascht.“

Ein weiteres Vertreibungsdekret ist der Avnoy-Ratsbeschluß – die Münsteraner BdV-Chefin erklärte hierzu:

„Schauen wir auf das ehemalige Jugoslawien, das sich mit dem Avnoj-Ratsbeschluss vom 21. November 1944 ebenfalls der deutschen Bewohner entledigte.  Damit wurden die „Rechtsgrundlagen“ geschaffen, die es ermöglichten, das Eigentum der deutschen Zivilbevölkerung zu konfiszieren.“

Ganz zu schweigen von den berüchtigten Benes-Dekreten, von denen vor allem die Sudetendeutschen betroffen waren:

„Erinnern wir an die Benes-Dekrete in Tschechien und das Straffreiheitsgesetz vom Mai 1946, das nicht nur den Menschen Hab und Gut raubte, sondern sie auch auf brutalste Art und Weise auf den Brünner Todesmarsch schickte oder sie von der Aussiger Brücke in den Tod stürzte.“

Zum Stichwort „Europa zusammenführen“ im diesjährigen BdV-Motto erklärte Möller: „Ein friedliches Leben unter den Völkern ist nur möglich, wenn von allen die Rechts- und Werteordnung anerkannt und gelebt wird.“

Die Rednerin berichtete weiter, sie sei dieses Jahr in Brünn (Tschechien) gewesen und habe dort immerhin „leise Versuche einer Annäherung“ erlebt:

„Ich habe in einer Kirche einen Gedenkstein mit der Aufschrift gelesen: 

„Zur Erinnerung an die historischen Tage 1945, als die Deutschen diese Stadt verlassen mussten. Wir gedenken der Opfer.  – Bruna, Heimatverband der Brünner 1992.“

Frau Möller erwähnte ein weiteres Beispiel:

„An der Stelle an der Landstraße, wo sich die Deutschen zur Austreibung sammeln mussten, hat das Österreichische Schwarze Kreuz und die Kriegsgräberfürsorge, folgende Gedenktafel erstellt:

„Nach Ende des II. Weltkrieges im Jahre 1945 sind viele deutschsprachige Einwohner aus Brünn und Umgebung ums Leben gekommen. 890 Opfer sind hier bestattet.“

Das sei zwar „alles sehr vorsichtig und verharmlosend ausgedrückt“, aber immerhin ein Zeichen des Gedenkens.

Sodann erinnerte die Gastgeberin daran: „Wir, die deutschen Heimatvertriebenen, haben in der Charta von 1950 Rache und Gewalt abgeschworen und unseren ehemaligen Feinden die Hand gereicht.“

Besonders zu würdigen sei die Erinnerungs-Kultur in Ungarn, wo sogar ein Gedenktag für die deutschen Vertriebenen eingeführt wurde.

Gemeinsam mit der IGFM (Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte) gehe die Reise noch in diesem Jahr dorthin: „Auch in Ungarn gab es zum Ende des 2. Weltkrieges Enteignungen und Vertreibungen der Deutschen. Zwischenzeitlich gibt es dort 10 Denkmäler, die an diese Zeit erinnern und am 19. Januar seit 2012 gedenkt man in jedem Jahr der Vertreibung der deutschen Bevölkerung.“

Die Rednerin fügte konsequent hinzu: „Mögen nicht nur die Steine erinnern, mögen sich die Völker und Politiker besinnen und Unrechtsdekrete ein für alle mal aufheben und für null und nichtig erklären. Gott schütze unsere ostdeutsche Heimat, er bewahre unser westdeutsches Zuhause.“

 

 

 


Münster: CDU-Politiker erinnert am „Tag der Heimat“ an die Bedeutung der Vertriebenen

Am heutigen Sonntag, den 15. September, veranstaltete der Bund der Vertriebenen (BdV) im Festsaal des Rathauses von Münster den „Tag der Heimat“ mit einem eindrucksvollen und sangesfreudigen Festakt. PICT0105

Auch Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) war anwesend; zudem Vertreter der Jungen Union, ein Männerchor, zwei Volkstanzgruppen und eine Musikkapelle. PICT0109

Die Stadt Münster hatte das Rathaus auffällig mit der Deutschlandfahne beflaggt; im Festsaal selbst hingen vorne die Flaggen der östlichen Heimatländer der Vertriebenen (Ost- und Westpreußen, Ober- und Niederschlesien, Pommern, Sudetenland usw).

Die Veranstaltung begann mit dem „Jägermarsch“ beim Einzug des Sudetendeutschen Volkstanzkreises und der Volkstanzgruppe Münsterland unter musikalischer Begleitung des Streicher-Ensembles Kolophon.  PICT0121

Nach einem Grußwort des Münsteraner OB sangt der Männerchor „Eintracht Appelhülsen“ einige Heimatlieder.

Es folgte das Gedenken an alle Opfer von Krieg, Flucht und Vertreibung. Nach der würdevollen Totenehrung sangen hunderte Teilnehmer bekannte Volkslieder wie „Ade, Du mein lieb Heimatland“, „Die Gedanken sind frei“,“Wenn alle Brünnlein fließen“ usw.

Sehr eindringlich wirkte die engagierte Rede des CDU-Landtagsabgeordneten Werner Jostmeier. Unter dem Motto „Unser Kulturerbe – Reichtum und Auftrag“ beleuchtete er die Bedeutung von Heimat und nationaler Identität auch für die Menschen von heute. PICT0112

Der Parlamentarier erwähnte u.a. die sinnlose Bombardierung Münsters noch bis kurz vor Kriegsende. Die Vertriebenen forderte er auf, ihre Bedeutung für unser Land „mit Stolz und Selbstbewußtsein“ wahrzunehmen. Rund 15% der Einwohner Westfalens seien Heimatvertriebene aus den Ostgebieten.

Gelungene Integration

Der CDU-Politiker erinnerte sodann an den Nahost-Konflikt, wo es   –  im Gegensatz zur Integration der Vertriebenen in der Bundesrepublik  – kaum Wege der Verständigung gäbe. Hingegen seien in Deutschland keine provisorischen „Zeltstädte“ errichtet worden; vielmehr hätten die Menschen aus den Ostgebieten friedlich und konstruktiv am Wiederaufbau Deutschlands nach dem Krieg mitgewirkt. 

Zudem seien es nicht zuletzt die Vertriebenen gewesen, die durch das Wachhalten am PICT0113Gedanken der deutschen Einheit zur Wiedervereinigung beitrugen. Durch ihre Heimatverbundenheit hätten sie überdies das kulturelle Erbe in Deutschland bereichert. Er hoffe, dies werde so weitergeführt, so daß auch in zwanzig Jahren ebenso wie jetzt dieser „Tag der Heimat“ in Münster begangen werde. 

Werner Jostmeier appellierte an die Vertriebenen, sich weiterhin für die Pflege und Würdigung der deutschen Sprache einzusetzen. In anderen Völkern sei die Freude an der eigenen Muttersprache selbstverständlich, weniger jedoch hierzulande.

Der Redner erwähnte außerdem Umfragen, wonach 87% der Bevölkerung in den heute polnisch verwalteten Heimatregionen der Vertriebenen die Deutschen als „beste Nachbarn“ ansehen; diese Sympathiewerte für Deutschland lägen höher als in den sonstigen Landesteilen Polens.

Europäische Erinnerungskultur

Dies könne nicht zuletzt daran liegen, daß viele Vertriebene ihre einstige Heimat besucht und dort gute Kontakte mit Polen gepflegt haben. So werde eine positive europäische Erinnerungskultur geschaffen.
PICT0115

Besonders deutlich würdigte der CDU-Politiker die Bedeutung der „Charta der Heimatvertriebenen“ von 1950; sie sei „eine der großartigsten Dokumente der deutschen Geschichte“.  Jostmeier betonte: „Vertreibung ist und bleibt ein Verbrechen“  – das gelte auch heute, zumal angesichts von weltweit 45 Millionen Flüchtlingen und Vertriebenen.

Auch in NRW einen Gedenktag für Vertriebene einführen

Großen Beifall erhielt der Parlamentarier für seine Forderung, auch in Nordrhein-Westfalen einen Gedenktag für die Vertriebenen einzuführen, wie dies bereits die Bundesländer Bayern und Hessen vollzogen haben. Die Politik solle die Bedeutung der Heimatvertriebenen stärker würdigen, insbesondere ihre Rolle als Brückenbauer und Friedensstifter.

Nach dieser engagierten Rede gab es stimmungsvolle Saxophonklänge der jungen Solo-Musikerin Viktoria Wolzenin, die zudem bald darauf das Gedicht „Wer bin ich?“ von Irmgard Stoldt-Holzwarth vortrug, das sich poetisch mit der Selbstwahrnehmung und Identität der Deutschen befaßte.PICT0122

Nach dem gemeinsam gesungenen Lied „Kein schöner Land in dieser Zeit“ präsentierten die beiden Tanzkreise einige Volkstänze aus der ostdeutschen Heimat.

„Es lebe unsere Heimat im Osten,
es lebe unser Zuhause im Westen!“

In ihrem Schlußwort bedankte sich Roswitha Möller, die seit Jahrzehnten ehrenamtlich als BdV-Vorsitzende von Münster tätig ist, bei allen Mitwirkenden und Anwesenden, auch beim Münsteraner Oberbürgermeister für die Überlassung des Festsaales.

Frau Möller  – eine geborene Danzigerin  – beendete ihre Ansprache mit den kernigen Motto: „Es lebe unsere Heimat im Osten, es lebe unser Zuhause im Westen!“

Der Festakt im Rathaussaal schloß mit der deutschen Nationalhymne: „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland…“  PICT0126

Die Teilnehmer konnten sich danach an vielen Info-Tischen mit Büchern, Materialien und kulinarischen Spezialitäten aus dem Heimatgebieten der Vertriebenen eindecken.

Es gab auch einen originellen Ausstellungsstand mit ansprechenden, wunderschönen Bastelarbeiten vom Kreativ-Studio Prestige.

Zu guter Letzt begaben sich die Teilnehmer und Gäste zu Fuß zum Gedenkstein für die Heimatvertriebenen in Münster.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster