Chancen und Gefahren Künstlicher Intelligenz

Von Dr. Bernd F. Pelz

Unter Künstlicher Intelligenz (KI) versteht man generell das Konzept, dass man Maschinen beibringen kann, menschliches Lernverhalten und menschliche Entscheidungsfindung zu imitieren und letztlich eigene kreative Schöpfungen zu erstellen.

Wie man lesen kann, hat die Bundesregierung  –  aufgeschreckt durch zahlreiche Publikationen und Veranstaltungen zum Thema Künstliche Intelligenz (KI)  – beschlossen, bis 2025 in verschiedener Form gut drei Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung auf diesem Sektor zur Verfügung zu stellen. Das ist gut, wenn auch viel zu spät.

Wie der ehemalige Prof. C. D. Kernig von der Universität Trier in mehreren Veröffentlichungen zeigte, hinken führende Politiker in ihrem Verständnis der Realität  –  aufgrund der Mechanismen, bis sie in höhere Staatsämter gelangen – der tatsächlichen Realität ca. 20 – 25 Jahre hinterher.

Ein eklatantes Beispiel dafür ist Kanzlerin Merkel, die noch am 19.6.2013 in einer Pressekonferenz mit Barack Obama der Meinung war, dass das Internet für uns alle Neuland ist. 

In den Blättern für Vorgesetzte wandte sich der Bundesarbeitgeberverband Chemie bereits 1997 mit einem Aufruf zum „Aufbruch in das vernetzte Zeitalter“ an die Führungskräfte. Ähnliches geschah in anderen Branchen.

Die deutsche Industrie nahm sich der Thematik der Vernetzung und Künstlichen Intelligenzen vor allem in den Bereichen selbstfahrende Fahrzeuge, vorbeugende Instandhaltung, kollaborative Roboter, Optimierung der Sensorik, Produktionsprozesse und Qualitätssicherung sowie der Steuerung der Supply Chain an.

Eine Umfrage 2018 des Vereins Deutscher Ingenieure nach den Führungspositionen im Bereich der KI zeigte die USA und China weit in Führung vor der Bundesrepublik, den anderen asiatischen Ländern ohne China sowie vor Indien.

Ebenfalls 2018 untersuchte Roland Berger, in welchen Ländern die meisten KI- Startups zu finden sind. Deutschland landete dabei auf dem siebten Platz nach den USA, China, Israel, Großbritannien, Kanada, Japan und Frankreich.

IBM lieferte 2019 einen Überblick über die weltweit immens wachsende Datenflut (Big Data): Big Data vergrößert sich gegenwärtig pro Sekunde um über 8000 Tweets und 850 Instagram Fotos. Pro Sekunde werden über 3200 Skype-Gespräche geführt, über 74000 YouTube Videos angesehen, knapp 3 Millionen e-Mails verschickt und knapp 68000 Google-Suchen durchgeführt.

Aus dieser Tatsache leitet sich für Unternehmen die Notwendigkeit ab, bei der Analyse und Nutzung von Big Data dabei sein zu müssen. Deep Learning bezeichnet dabei eine Form des maschinellen Lernens, bei dem Systeme komplexe Aufgaben ausführen , indem sie Datenauswertungen in mehreren Ebenen durchführen und verknüpfen, und so Erkenntnisse über das Erkennen von Mustern von Stufe zu Stufe verfeinern können.

Dabei gilt: je mehr Daten (das „neue Gold“) zur Analyse und Verarbeitung zur Verfügung stehen, desto treffsicherer ist die künstliche Intelligenz.

Praktische Anwendung künstlicher Intelligenzsysteme sind bereits weit verbreitet, wie z.B. bei der Auswertung der Bilder von Überwachungskameras, der Steuerung von Prozessen durch Sprachanalyse und Spracheingabe, der Darstellungen von Kaufempfehlungen aus der Analyse personalisierter Daten, und besonders auch im militärischen Bereich.

Die Gründe für die Akzeptanz und Verbreitung künstlicher Intelligenzen liegen generell einmal in der menschlichen Neugier, dem steigenden Verlangen der Menschen nach Information und nicht zuletzt der Lust an Unterhaltung.

Zum anderen gründet sich die Akzeptanz und Verbreitung künstlicher Intelligenzen auf die bereits erzielten und weiter zu erwarteten Vorteile für Produktionsprozesse, Wertschöpfungsketten und das Wachstumspotential nationaler Bruttosozialprodukte (1).

Letztlich gründet sich die Akzeptanz und Verbreitung von KI auch auf der Einsicht, dass die steigende Komplexität der Welt ohne KI nicht mehr zu bewältigen ist (2).

Gefördert wird die weitere Entwicklung und Verbreitung von KI von der globalen Finanzindustrie, die sich mit Hilfe von KI eine weitere Stärkung der Dominanz der Finanzsysteme verspricht. Richtig angewandt, könnte KI helfen, dem „Superorganismus“ Menschheit eine friedvolle Entwicklung zu geben (3). 

Egal, was geschieht, für den Einzelnen heißt es, dass er im Bezug auf das stetig wachsende Wissen immer dümmer wird. Aus diesem Gefühl des Unbehagens heraus haben zahlreiche Autoren Kritik an der unüberschaubaren Entwicklung geäußert.

Holger Volland, der im Kulturbereich tätig ist (4), hat dazu ein Buch über die kreative Macht der Maschinen geschrieben, in dem er in ausgewogener Weise darstellt, warum künstliche Intelligenzen bestimmen, was wir morgen fühlen und denken werden und wie wir uns auf diese Entwicklung einstellen sollten (5).

BILD: Titelfoto – und hier die Buch-Daten: KI – Die kreative Macht der Maschinen von Holger Volland. Gebundene Ausgabe, 19,85 €. 253 Seiten. Beltz-Verag. 2018. ISBN-10: 3407865090

Nachfolgend ein Einblick in das für Normalsterbliche sehr lesenswerte Buch, das die „gigantische Wette in die Zukunft der Menschheit“ zu durchdringen versucht.

Auf knapp 250 Seiten beschreibt Volland, was KI bedeutet, welche Methoden benutzt werden und wie sich KI der Sprache, der Bilder, der Kreativität, der Emotion, der Gestalt, der Sinne, der Erlebnisse und unserer Geschichte bemächtigt und was für uns auf dem Spiel steht.

Volland bezweifelt nicht den Nutzen von KI im technischen und medizinischen Bereich, in Bezug auf den kulturellen Bereich des menschlichen Lebens warnt er jedoch zur Vorsicht:

„Wenn Algorithmen nun so funktionieren können wie unsere neuronalen Netze im Gehirn, dann können sie lernen, was Kultur ist und darauf basierend ihre eigene Kultur gestalten. Wir haben Maschinen entwickelt, die gerade dabei sind, den Schritt in die kulturelle Selbständigkeit zu gehen.“

Der Autor beschreibt, wie künstliche Intelligenzen lernen, unsere Sprache zu verstehen und sich unser gesamtes künstlerisches Weltwissen aneignen, um damit Geld zu verdienen. Künstliche Intelligenzen lernen von den besten Autoren:

„Sie werden mit hundertausenden Werken der Weltliteratur gefüttert, um zu verstehen, wie wir Menschen unsere Geschichten erzählen und Romane schreiben. Unersättlich stopfen sich Rechner voll mit Fotografien, Bildern, Skulpturen, Architekturmodellen, Notenblättern, Konzertaufführungen und Modeschnitten.“

Volland warnt: „Niemand weiß, wie sich der tägliche Umgang mit sprechenden und schreibenden Maschinen auf unsere Psyche auswirken wird. Die sprachlichen Fähigkeiten der Maschinen könnten sehr leicht dazu verwendet werden, uns zu manipulieren. Einstellungen und Meinungen eines großen Teils der Menschheit werden mittels der Auswahl und Gestaltung von Texten und Nachrichten von den Internet-Plattformen stark beeinflusst.“

Volland beschließt das Kapitel über KI und Sprache mit Fragen nach der Klärung der Urheberschaft von Sprache, Reden, Mails und Texten.

In der Einführung und im Kapitel über Bilder beschreibt Volland detailliert, wie Maschinen trainiert werden, um Kunstwerke zu imitieren, zu fälschen und eigene Kunstwerke zu schaffen. Der bereits erzielte Grad der Perfektion bewirkt, dass für die meisten Menschen nicht mehr ersichtlich ist, ob die Inhalte ihres Informationsmixes vertrauenswürdig sind oder nicht.

Der Autor befürchtet, dass wir so nicht nur das Vertrauen in die Medien verlieren, sondern auch in die Stabilität unserer Institutionen und unserer Gesellschaft als Ganzes. „Je bildhafter unsere Welt wird, desto größer wird der Einfluss der KI auf die Bewertung derselben.“

Im Kapitel über Kreativität beschreibt Volland, wie einfach es heute bereits ist, sich bei Jukedeck ein Musikstück in den verschiedensten Varianten „komponieren“ zu lassen; wie Jugendliche in den Internetforen ihre Selbstportraits professionalisieren und wie KI genutzt wird, um Welthits zu produzieren.

Volland ist überzeugt, dass KI unser Leben bunter aussehen lassen wird. Zugleich warnt er „dass unsere Kreativität dabei vor die Hunde geht, wenn wir nicht aufpassen“.

Im Weiteren beschreibt der Verfasser unsere Welt des „allgegenwärtigen Kreativseins“ und wie sich menschliche  Schöpferkraft von Kreativen Künstlichen Intelligenzen (KKI) unterscheidet: „KKIs durchlaufen keine kreativen Phasen, sondern können nach einem Lernprozess in ihrer jeweiligen Teildisziplin Output in beliebiger Menge produzieren. Als Bewertungsmaßstab für die Sinnhaftigkeit ihrer Ergebnisse dienen ihnen nur Wahrscheinlichkeiten.“

Volland geht dann ausführlich der Frage nach, ob wir „universal genial oder digital dement“ werden: „Wir müssen immer häufiger mit den Ergebnissen von Maschinen konkurrieren und uns an ihrer Perfektion messen lassen. Diese Erlebnisse werden uns tendenziell eher unglücklich zurücklassen.“

Er beschreibt dann, dass trotz der unglaublichen Möglichkeiten die Vielfalt von Design / Musik zurückgegangen ist, weil die zugrunde liegende Software so programmiert ist, dass die Elemente mit der größten Wahrscheinlichkeit den meisten Menschen gefallen.

Im Kapitel über Emotionen ist beschrieben, wie KIs unsere Beziehungen zu Robotern und zu anderen Menschen beeinflussen und bestimmen. Dies ist möglich, weil Sprachsynthese heute schon so gut ist, dass ein Unterschied zur echten menschlichen Sprache praktisch nicht mehr da ist.

Große KI-Systeme können zudem aus unserer Sprechweise (Tonlage, Tempo, Zittern, Länge von Sätzen) Hinweise ableiten, was gerade in uns vor sich geht (ebenso aus unseren Fotos).

Beobachtend leitet Volland aus unserer Nutzung von Smartphones ab, wie sehr wir schon KI abhängig sind: „Smartphones sind unser Gedächtnis, unser Personalausweis, unser Geldbeutel, einziger Aufbewahrungsort unserer Fotos, Filme, Erinnerungen und damit auch eine Kopie von wichtigen Bestandteilen unserer Persönlichkeit.“

Der Verfasser untersucht dann die Beteiligung und Beeinflussung durch KI von Partnersuche, Liebe, Sex, Puppen- und Roboterbordellen, Bewerbungsgesprächen, sowie den Umgang mit Unterhaltungsrobotern (Chatbots).

In Bezug auf politische Wahlkämpfe, speziell von Präsident Trump, schreibt Volland:

„Die Maschinen beziehungsweise ihre Betreiber wussten genau über die Wähler Bescheid, an die sie die ihre Botschaften schicken sollten: Politische Haltung, Interessen und Befürchtungen hatten die Menschen durch ihr Verhalten im Netzt selbst bekanntgegeben.“

Über die großen Unternehmen, die KI entwickeln und vor allem mit Social Media, Suchmaschinen und E-Commerce Geld verdienen, schreibt der Autor: „Ziel dieser Firmen ist es, die Intensität des Besuches, den Konsum und die Abhängigkeit von ihrer Technologie zu steigern.“

Im Kapitel Gestalt beleuchtet Volland die neuen Geschäftsmodelle der Unterhaltungsindustrie mit Event Surrogaten wie Virtual-Reality-Konzerten, Hologramm-Stars und vollständig digitalen Künstlern und auch Politikern.

„Man kann so ziemlich jeden digital nachbauen, der einmal große Stadien gefüllt hat.. Manch toter Star verdient heute schon mehr Geld mit Musikverkäufen und Merchandising als die meisten anderen zu Lebzeiten….Die Rolle von Stars wandelt sich dabei vom agierenden Subjekt zum von Software gesteuertem virtuellem Wesen.“

Lustig und erschreckend zugleich sind Vollands Ausführungen zu Themenparks, in denen man den Anschlag eines Selbstmordattentäters, ein Turnier von Scharfschützen oder des Human Brain Projekts zur Erstellung der arbeitsfähigen Kopie eines menschlichen Gehirns oder der Erstellung von digitalen Doppelgängern.

Interessant sind dabei auch die Ausführungen, wie sich eine selbstbestimmte Person mit ihrer Kopie zur Persona, zur manipulierbaren Rolle und zu Geistigem Eigentum als Handelsware für Gebrauch und Missbrauch entwickeln kann. 

Ausgehend von dem Spiel „Pokémon Go“ , bei dem in das reale Bild künstliche Inhalte in Echtzeit hineingerechnet werden, beschreibt Volland „Augmented Reality (AR)“, die Vermischung von realer und virtueller Welt:

„Firmen wie Apple, Google, Facebook, aber auch tausende andere wetten darauf, dass AR zum nächsten Großen Geschäft mit Mobilgeräten werden wird. Kameras Mikrofone und Sensoren vermessen dabei unsere reale Welt und ergänzen und überlagern sie mittels intelligenter Programme mit Informationen, Bildern und Tönen. Das wird uns helfen, ganz neue Wahrnehmungen zu entdecken, kann aber auch unsere anderen Sinne verkümmern lassen.“ 

Ebenso besteht nach Volland die Gefahr einer Überlastung der Fähigkeiten unseres Gehirns, speziell von Kindern, in der Speicherung, Einsortierung und Bewertung der gleichzeitig bei AR auf das Gehirn einströmenden realen und virtuellen Reize.

Auf die Zukunft bezogen erklärt Volland:

„Das kommerzielle Internet von heute ist aufgrund der persönlichen Informationen schon lange nicht mehr fair und objektiv. Ihre „Filterblase“, also alle politischen, sozialen, kulturellen und sonstigen Einstellungen, sowie unendlich viele persönliche Informationen begleiten sie auf jedem Schritt im Netz. Welche Informationen für Sie in einen beliebigen Moment als relevant und sinnvoll eingeblendet werden, entscheidet dann die KI des Technologieanbieters, für dessen Ökosystem Sie sich entschieden haben. Diese geschlossenen Systeme werden zu einer möglichen Gefahr für Ihre persönliche Entscheidungsfreiheit.“

„Maschinen machen unser Leben zum Game – und unser Gehirn spielt begeister mit“ – so überschreibt Volland sein Kapitel Erlebnisse.

Darin beschreibt er, wie KI es schafft, dass wir in eine künstliche Welt eintauchen, dass Immersion stattfindet, d.h. dass sich die Grenzen zwischen Bild und realer Welt in unserem Gehirn vermischen. Das ist möglich, weil KI es ermöglicht, mit den künstlichen Welten zu interagieren und unsere virtuelle Welt zu beeinflussen:

„Die Technologie ist erstmals in der Geschichte der Menschheit reif genug für eine echte Erweiterung unserer Welt hinein in die Virtualität durch perfekte immersive Umgebung und virtuelle Realitäten.“

Versuche unsere Vorfahren, Immersion zu erzielen, waren z.B. die Höhlenmalerei und die Darstellung religiöser Ereignisse durch Wandmalereien in Kirchen und Tempeln, und auch im 19.Jahrhundert die Dioramen genannten großen Schaukästen in Museen oder große bemalte Leinwände.

Heute  – so sagt Volland –   ist all den VR-Anwendungen, ob künstlerisch, medizinisch oder sexuell, gemeinsam, dass sie einen kommerziellen Nutzen haben.

Gegenwärtig ist noch nicht sicher, in welchem Maße VR-Anwendungen dazu führen können, das reale Leben uninteressant zu finden (Realitätsflucht) oder bestimmte kulturelle Fähigkeiten wie z.B. Lesen in Vergessenheit geraten zu lassen, oder auch Psyche und Selbstwahrnehmung beeinflussen.

Wir sind hier also tief im Bereich des Trial und Irrtums (6)!

Volland begrüßt, dass Schulen vermehrt damit beginnen, Online-Medienkompetenz zu vermitteln und so dazu beitragen, dass sich Kinder nicht ungeschützt den Manipulationen aussetzen.

Im Kapitel Geschichte legt Volland dar, wie sich KI verändernd auf Bibliotheken, Archive und Museen auswirken wird, da sie in zunehmendem Maße von Förderern abhängig und in breitenwirksame und leichtgängige Themen gedrängt werden.

Er geht davon aus, dass die kulturelle Vielfalt unter dem Einfluss privater Finanzierung leiden wird und auch zahlreiche Archive, Bibliotheken und Museen schließen werden: „Ein über Jahrhunderte aufgebautes kulturelles System aus Staat, Mäzenen, Institutionen, Künstlern und Konsumenten gerät derzeit an vielen Stellen in Bewegung.“

„Das Wissen der Welt zu organisieren“, so beschreiben die Google-Gründer den Geschäftszweck ihres Unternehmens.

Volland folgert, dass in Zukunft nur die Unternehmen erfolgreich und mächtig sein werden, die das größte Wissen über unsere hochvernetzte Welt besitzen.

Abschließend kann gesagt werden: Es steht viel auf dem Spiel:

„Mit zunehmenden Fähigkeiten (der KIs) steigen zugleich die Gefahren, vor allem durch den Missbrauch der neuen Technologie. KI wird uns helfen zu leben, und nicht unser Leben bestimmen. Das ist die Chance, die wir haben, wenn wir sie jetzt ergreifen.“

Unser Autor Bernd F. Pelz aus Bornheim bei Bonn ist Wirtschaftsexperte, Vortragsredner und professioneller Hobby-Fotograf (zahlreiche Fotos für unseren Ecclesia-Plakatdienst und für die Illustration dieser Webseite stammen von ihm)

Anmerkungen, Quellenangaben:
(1) MGI-Globalization in transition-The-future-of-trade-and-value-chains-Full-report.pdf
(2) Kapitza, Sergey P., Global Population Blow-Up and After, The Demographic Revolution and Information Society, 2006, ISBN 3-9809723-5-6
(3) Radermacher, Franz Josef, Welt mit Zukunft, Überleben im 21.Jahrhundert, 2008, ISBN 978-3-938017-86-9
(4) https://theartsplus.com/
(5) Volland, Holger, Die kreative Macht der Maschinen, Warum künstliche Intelligenzen bestimmen, was wir morgen fühlen und denken, 2018, ISBN 978-3-407-86509-0 (Print), 86526-7 (E-Book)
(6) https://www.linkedin.com/pulse/leben-einer-%C3%A4ra-des-versuchs-und-irrtums-dr-bernd-pelz/

Der Artikel ist zusätzlich im Internet zu finden unter: https://www.linkedin.com/pulse/ki-die-kreative-macht-der-maschinen-holger-volland-dr-bernd-pelz/?published=t


Die Polizeigewerkschaft befürwortet das neue Polizeiaufgaben-Gesetz in Bayern

Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt (siehe Foto), begrüßt das neue Polizeiaufgabengesetz in Bayern. Es versetze die bayerische Polizei in die Lage, unter strenger richterlicher Kontrolle frühzeitig auf Gefahren zu reagieren, betonte er gegenüber der Augsburger Allgemeinen Zeitung: „Deshalb ist es durchaus geeignet, als Vorlage für ein bundesweit einheitliches Musterpolizeigesetz zu dienen.“

Schwere Kriminalität und Terror würden häufig durch den verdeckten Austausch von Informationen vorbereitet, so Wendt. Deshalb müsse auch die Polizei in die Lage versetzt werden, ihre Maßnahmen an diese Möglichkeiten anzupassen.

Quelle: https://www.dpolg.de/aktuelles/news/dpolg-begruesst-neue-befugnisse/


Der Kirchenlehrer Thomas von Aquin über Einwanderung und ihre Grenzen

Das Problem der Einwanderung ist nicht neu. Der hl. Thomas von Aquin hat sich im 13. Jahrhundert schon mit diesem Thema in seiner berühmten „Summa theologiae“ befasst (s. I-II, Q. 105, art. 3). 

Aufbauen auf den Aussagen der Heiligen Schrift bezüglich des jüdischen Volkes setzte der bedeutende Kirchenlehrer sehr deutlich die Grenzen der Gastfreundschaft für Fremde fest. Vielleicht können auch wir einige Lehren daraus entnehmen.

Thomas von Aquin schreibt, dass nicht alle Zuwanderer gleich sind, somit die Beziehungen zu ihnen ebenfalls nicht gleichartig sind: einige sind friedlich, andere kriegerisch.

Jedes Land hat das Recht, zu entscheiden, welche Art der Zuwanderung als friedlich angesehen werden kann und zum Allgemeinwohl beiträgt  –  und welche Art feindlich und also dem Allgemeinwohl schädlich wird.

Ein Staat darf wegen der rechtmäßigen eigenen Sicherheit  jenen die Einwanderung verweigern, die er als nachteiligt für das Wohl der Nation erachtet.

Ein zweiter Punkt bezieht sich auf die Gesetze Gottes und der Menschen: ein Staat hat das Recht, seine gerechten Gesetze durchzusetzen.

Thomas von Aquin analysiert anschließend die „friedliche“ Zuwanderung wie folgt:

„Dreifache Gelegenheit bot sich den Juden, mit Fremden friedlich zu verkehren: 1. Wenn Fremde durch ihr Land reisten.  –  2. Wenn Fremde in ihr Land kamen, um da zu bleiben, wie die advenae, die Ankömmlinge; und mit Rücksicht auf beide gab das Gesetz Vorschriften der Barmherzigkeit – wie angeführt in Exodus (22,20): „Einen Fremdling sollst du nicht unterdrücken und nicht bedrängen“  – und: „Auch einen Fremdling darfst du nicht bedrücken“ (23,9).

Hier erkennt der hl. Thomas, dass es Fremdlinge geben kann, die ein anderes Land auf wohlwollende Weise besuchen oder sich nur für eine gewisse Zeit dort aufhalten wollen. Diese Fremden sollen mit Barmherzigkeit, Respekt und Höflichkeit behandelt werden, als eine Pflicht, die sich allen Menschen guten Willens auferlegt. In diesen Fällen muss das Gesetz diese Fremdlinge gegen jede Misshandlung schützen.

Der Kirchenlehrer schreibt sodann:

„3. Wenn Fremde zum Ritus und zum gänzlichen Staatsleben mit dem erwählten Volke zugelassen werden wollten, wurde eine gewisse Ordnung beobachtet. Denn das Bürgerrecht wurde ihnen nicht sogleich verliehen; wie ja auch in 3 Polit. I. (Aristoteles) berichtet wird, dass bei einigen Völkern die Vorschrift bestand, erst wenn von  jemandem der Großvater und Urgroßvater dort wohnte, solle er das Bürgerrecht genießen können.“

Der hl. Thomas erwähnt hier diejenigen, die sich dauerhaft im Land niederlassen wollen. Hier setzt er zwei Bedingungen für deren Aufnahme: 1. der Wille der Fremdlinge, sich vollkommen in Leben und Kultur des Gastlandes zu integrieren. 2. Die Aufnahme solle nicht sofort geschehen. Die Integration sei ein Prozess, der Zeit braucht. Die Menschen müssen sich der neuen Kultur anpassen. Thomas zitiert Aristoteles, der sagt, dass ein solcher Prozess zwei oder drei Generationen dauern kann. Thomas aber bestimmt keine Zeit, sondern sagt nur, dass der Prozess sehr lange dauern kann.

Thomas von Aquin schreibt weiter: „Denn aus einem allzu raschen Zulassen von Fremden in den Staatsverband können viele Gefahren entstehen, da die so Aufgenommenen alles mitzuberaten hätten, was das Volk angeht, und doch noch nicht die Liebe zum Allgemeinwohl richtig festgewurzelt in sich trügen, so dass sie m anches gegen das Volkswohl versuchen könnten.“

Diese auf dem gesunden Menschenverstand basierende Darlegung klingt derzeit politisch inkorrekt, sie ist jedoch vollkommen logisch.

Es braucht seine Zeit, um die Gewohnheiten und die Mentalität des anderen Landes kennen zu lernen und folglich auch seine Probleme zu verstehen. Nur die, die schon eine längere Zeit dort wohnen, die an der Kultur teilhaben und in engem Kontakt mit der Geschichte des Landes stehen, sind in der Lage, Entscheidungen auf lange Sicht im Sinne des Allgemeinwohls zu treffen.

BILD: Bibelspruch an der Wand der Synagoge von Münster

Es ist schädlich und ungerecht, die Zukunft eines Landes in die Hände von Menschen zu legen, die sich erst gerade niedergelassen haben. Selbst wenn sie an diesem Umstand unschuldig sind, so sind sie in der Regel nicht imstande, vergangene und künftige Ereignisse ihrer neuen Heimat zu verstehen.

Um diesen Punkt zu illustrieren, weist der hl. Thomas darauf hin, dass auch im Alten Bund nicht alle Menschen gleich behandelt wurden. Die Juden betrachteten ihre Nachbarvölker als anpassungsfähiger. Die Angehörigen von entfernten oder gegnerischen Völkern konnten aufgrund ihrer mutmaßlichen Feindseligkeit in Israel nicht aufgenommen werden.

Der hl. Thomas von Aquin schreibt:

Deshalb beobachtete das Gesetz nach dieser Seite hin eine gewisse Stufenfolge: Die Ägypter, bei denen die Israeliten (zu Moses Zeiten) geboren und aufgewachsen waren, und die Idumäer, die Söhne Esaus, des Bruders Jakobs, also die Angehörigen jener Völker, die mit dem Volke Gottes bereits durch eine gewisse Verwandtschaft verbunden waren, konnten im dritten Geschlechte in den Volksverband aufgenommen werden.

Jene aber, die sich offen feindselig gegen die Juden gezeigt hatten, wie die Ammoniter und Moabiter, durften kein Bürgerrecht erhalten. Die Amalekiten endlich, die in noch höherem Grad ihre Gegner gewesen und mit ihnen durch keinerlei Verwandtschaft verbunden waren, sollten für beständig als Feinde erachtet werden.“

Diese Regeln waren jedoch nicht völlig strikt, denn sie ließen Ausnahmen zu, wie Thomas erwähnt:

„Es konnte jedoch von diesem allgemeinen Verbot befreit werden, wenn jemand sich in heldenhafter Weise bewährt hatte. So wurde „Achos, der Führer der Söhne Ammons, dem Volk Israel hinzugefügt und alle Nachkommenschaft seines Geschlechts“, wie es im Buch Judith 14 berichtet wird; und Ruth ebenso, die Moabiterin, „denn sie war eine Frau von großer Tugend.“

In konkreten Fällen sind also Ausnahmen durchaus möglich; sie dürfen aber nicht willkürlich bestimmt, sondern im Sinne des Allgemeinwohls der Bürger festgelegt werden. General Achos beispielweise, der sich unter Gefahr seines eigenen Lebens bei Holofernes für die Juden eingesetzt hatte, erhielt einen dauerhaften Dank trotz seiner ammonitischen Abstammung.

Quelle und Forsetzung des Artikels hier: http://herz-jesu-bulletin.blogspot.de/2018/01/einwanderung-akzeptieren-oder.html


Unionsfraktion lehnt Leihmutterschaft ab

Der vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz eingesetzte Arbeitskreis Abstammungsrecht hat am heutigen Dienstag seinen Abschlussbericht vorgelegt. Dazu erklärt die rechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Elisabeth Winkelmeier-Becker:

„Wir werden die Vorschläge des Arbeitskreises Abstammungsrecht intensiv prüfen. Die zunehmenden Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin ebenso wie Veränderungen in der Gesellschaft machen ein Nachdenken über die rechtlichen Rahmenbedingungen im Abstammungsrecht nötig.

Bei allen Reformüberlegungen ist für uns das christliche Menschenbild der entscheidende Maßstab. Daraus folgt, dass vor allem Menschenwürde und Wohl der betroffenen Kinder in den Mittelpunkt gestellt werden müssen.

Wir begrüßen den Vorschlag, das Recht eines Kindes auf Kenntnis der eigenen Herkunft zu stärken. Es ist für ein Kind von elementarer Bedeutung, seine genetischen Eltern zu kennen. Dementsprechend haben wir im Bundestag schon im vergangenen Mai ein Gesetz beschlossen, mit dem der Auskunftsanspruch für Kinder, die im Wege einer Samenspende gezeugt wurden, durch den Aufbau eines Samenspenderregisters abgesichert wird. Wenn entsprechende Auskunftsmöglichkeiten ausgeweitet werden können, sind wir dafür offen.

„Leihmutterschaft birgt Risiken für Frau und Kind“

Leihmutterschaft muss verboten bleiben. Eine Leihmutterschaft birgt erhebliche Risiken und Gefahren für das Kind, aber auch für die Frauen und verstößt gegen fundamentale Wertentscheidungen unserer Rechtsordnung.

Schon durch die Schwangerschaft entsteht eine enge körperliche und psychosoziale Verbindung zwischen Mutter und Kind. Streitigkeiten im Ausland zwischen Wunscheltern und Leihmüttern über die Abtreibung oder Herausgabe bestellter Kinder verdeutlichen die ethische und rechtliche Problematik. Im Abstammungsrecht muss auch deswegen daran festgehalten werden, dass die Mutter nur diejenige Frau ist, die das Kind geboren hat. Unverrückbar ist für uns auch, dass ein Kind nicht mehr als zwei rechtliche Elternteile hat.

Bei der vom Arbeitskreis sogenannten „Mit-Mutterschaft“ sind wir sehr zurückhaltend. Die Wertungen des Adoptionsrechts stellen sicher, dass das Kindeswohl im Mittelpunkt steht.

Grotesk ist der Vorschlag, den Begriff „Abstammung“ durch „rechtliche Eltern-Kind-Zuordnung“ zu ersetzen. Gerade im Familienrecht darf Rechtssprache nicht technokratisch sein, sondern muss so nah wie möglich an der Alltagssprache der Menschen und den natürlichen Gegebenheiten sein.“


Israelischer Botschafter über Veränderungen in Deutschland durch Terrorgefahren

Der israelische Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, erklärte in einem Gespräch mit der „Berliner Zeitung“, Deutschland habe sich durch die terroristische Bedrohung bereits verändert und sei vorsichtiger und gefahrenbewußter geworden.  

Auf die Frage von Jochen Arntz und Damir Fras, was er den Deutschen empfehlen wolle, sagte der Botschafter: 

„Es steht mir als israelischer Diplomat nicht an, den Deutschen Ratschläge zu geben. Aber wir Israelis haben leider viel Erfahrung mit terroristischen Bedrohungen.

Wenn ich Deutschland und Israel vergleichen soll, fällt mir auf, dass diese Gefahren in Israel auch von der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen werden. In Israel würde niemand sagen, wenn er einen herrenlosen Koffer in einem Bus sieht: Der gehört mir nicht, also geht mich das nichts an. In Israel würde man in so einem Fall sofort die Polizei rufen.“

Auf die Frage, ob sich die deutsche Gesellschaft schon in Richtung verstärkter Wachsamkeit geändert habe, erklärte der jüdische Diplomat:

„Die Gesellschaft verändert sich, weil sie es muss. Es geht um Menschenleben. Es gibt kein Wunderrezept. Terrorismus ist wie ein Virus, den man bekämpfen muss – und an irgendeiner Stelle muss man anfangen. Je mehr Sicherheitsvorkehrungen, desto höher die Chancen, das Risiko zu verringern.“

Zur Frage nach der Gedächtniskultur in Deutschland hinsichtlich der NS-Zeit berichtet der israelische Repräsentant:

„Ich werde oft von Leuten in Israel gefragt, die noch nie in Deutschland waren: Haben die Deutschen schon alles unter den Teppich gekehrt oder haben sie noch etwas von der Geschichte übrig gelassen? Ich sage dann immer etwas scherzhaft: In Deutschland kann man auch als Blinder die Vergangenheit nicht übersehen. Denn wenn man in Berlin oder in Köln oder Frankfurt auf der Straße stolpert, dann kann es gut sein, dass man über einen Stolperstein stolpert, der an die Verfolgung von Juden durch die Nazis erinnert.“

Yakov-Handelsman erinnert zudem daran, daß die Stolperstein-Aktion nicht von Staat ausgeht, sondern von engagierten Bürgern.

Quelle für die Zitate: http://www.berliner-zeitung.de/politik/israels-botschafter-in-berlin–terrorismus-ist-wie-ein-virus–den-man-bekaempfen-muss–27837866


Israelischer Regierungschef empfängt amerikanischen Verteidigungsminister Mattis

„Wir teilen gemeinsame Werte und Gefahren“

Premierminister Benjamin Netanyahu hat am vergangenen Freitag in Jerusalem den US-amerikanischen Verteidigungsminister James Mattis empfangen. Zu Beginn des Treffens erklärte der israelische Regierungschef: 

„Israel hat keinen besseren Freund als Amerika. Amerika hat keinen besseren Freund als Israel. Und dies ist eine Partnerschaft, die auf gemeinsamen Werten beruht, im besten Sinne des Wortes.

Wir fühlen, dass es in der amerikanischen Politik einen großen Richtungswechsel gegeben hat. Wir wissen, dass die sehr deutlichen Worte, Herr Minister, die Sie über Iran gesagt haben, sehr deutlichen Worten seitens Präsident Trump folgen und sehr deutlichen Taten gegen den Einsatz von Chemiewaffen durch den iranischen Verbündeten Syrien.

Dies wurde in der ganzen Welt und in unserer Region sehr geschätzt. Ich denke, es handelt sich um einen willkommenen Wandel, einen strategischen Wandel in der amerikanischen Führerschaft und der amerikanischen Politik.

Wir teilen gemeinsame Werte und auch gemeinsame Gefahren. Die gemeinsamen Gefahren basieren auf der doppelten Bedrohung durch den militanten Islam – der schiitischen Extremisten, die von Iran geführt werden und der sunnitischen Extremisten, die vom IS geführt werden.

Wir sind entschlossen, diese Gefahren abzuwenden, ebenso, wie wir auch der Ausnutzung der gemeinsamen großartigen Möglichkeiten verpflichtet sind, die, so denke ich, uns zur Verfügung stehen, Herr Minister, da viele unserer arabischen Nachbarn sowohl die gemeinsame Bedrohung, als auch die Möglichkeiten für die Zukunft sehen.“

Der amerikanische Verteidigungsminister Mattis erklärte:

„Die beiden Gefahren, denen Israel und alle anderen Nationen in der Region gegenüber stehen, die versuchen, eine stabile, friedliche und prosperierende Region zu bewahren, sind es, die ich mit dem Premierminister besprechen möchte […].

Ich denke, es ist wichtig, dass wir uns daran erinnern, dass, wenn gute Menschen nicht zusammenhalten, schlechte Menschen in dieser Welt viel Schaden anrichten können. Und wir sind entschlossen, dies zu beenden und zu tun, was nötig ist, um Frieden und Freiheit auch an die nächste Generation weitergeben zu können.“


Erhebliche Gefahren für die Fahrtüchtigkeit bei Cannabis-Konsumenten

Von Heinz Ess

Cannabis auf Rezept sollte nur bei gleichzeitigem Entzug der Fahrerlaubnis toleriert werden, denn der Konsum führt zu massiven Leistungsbeeinträchtigungen im Bereich des Zeitgefühls, der optischen und akustischen Wahrnehmung sowie des Reaktions- und Konzentrationsvermögens.

In der Studie von Johannes G. Ramaekers, Günther Berghaus, Margriet van Laar und Olaf H. Drummer wurden die Auswirkungen des Cannabiskonsums auf die Fahrtauglichkeit untersucht.

Danach ist eine Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit zu bejahen. Bei Dauerkonsum von Cannabis kann es zu dauerhafter Fahruntüchtigkeit kommen, die aber nach einer gewissen Dauer der Abstinenz wieder nachlässt, so dass die Fahrtüchtigkeit wiedererlangt werden kann.

Hieraus – und aus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 20. Juni 2002  –  ergibt sich zwangsläufig:

Jedem Cannabis-Dauerkonsumenten (vgl. „Freigabe von Haschisch auf Kassen-Rezept als Medikament z.B. Schmerzmittel“) ist ab dem Beginn des Konsums die Fahrerlaubnis zu entziehen.

Da es sich in diesen Fällen der ärztlich verordneten Cannabis-Anwendung um täglich mehrfach verabreichte Cannabisdosen handelt, muss diesen Patienten allein schon aus diesem Grund die Fahrerlaubnis entzogen werden.

Der Gesetzgeber sollte schnellstmöglich dafür sorgen, dass Cannabis auf Kassenrezept in der Apotheke nur dann ausgehändigt werden darf, wenn der Konsument/Patient eine amtlich gültige Bescheinigung vorlegt, aus der hervorgeht, dass ihm für die Dauer des Cannabis-Dauerkonsums bis auf weiteres der Führerschein entzogen wurde.

Das Erreichen des Grenzwertes von 1,0 ng/ml THC ist eindeutig auf Dauer gegeben bei jedem chronischen Schmerzpatienten, der z.B. auf Kassenrezept Haschisch (Cannabis) aus der Apotheke bezieht und ständig bis zu dreimal pro Tag und weit darüber hinaus Cannabis konsumiert.

Besondere Gefahren bestehen im Mischkonsum von Alkohol und Cannabis im Straßenverkehr. Diese Gefahren sind größer als bei einer Beschränkung auf eine Droge.

Es gibt auch noch keinen mit dem Atem-Alkoholtest vergleichbares Verfahren zur Bestimmung des THC-Gehalts im Körper. So produzieren die derzeitigen Testmethoden noch viele Falschmeldungen in beide Richtungen.

Cannabis beeinflusst auch nicht alle Bereiche der Fahreignung. Hauptsächlich betrifft es die Bereiche wie beispielsweise Geschwindigkeit, nicht jedoch das Einschätzen von Abständen.

Aus den Rausch-Effekten des Cannabis resultieren folgende Leistungseinschränkungen im Straßenverkehr:
1. Störungen des Zeitgefühls,
2. Störungen der Bewegungskoordination,
3. Verlängerung der Reaktions- und Entscheidungszeit (z. B. Fehleinschätzungen der für Überholvorgänge erforderlichen Zeit),
4. Einschränkung des verkehrsrelevanten Hörvermögens im Sinne der „Signalentdeckung“ (schwache Gehörreize können aus irrelevanten Hintergrundgeräuschen nicht mehr zuverlässig herausgefiltert werden),
5. Einschränkung der Konzentrationsfähigkeit,
6. Herabsetzung des Farbunterscheidungsvermögens,
7. verschlechtertes Erkennen von zentralen und peripheren Lichtsignalen und von Details in bewegten Objekten,
8. Verschlechterung der dynamischen Sehschärfe für bewegte Objekte sowie
9. Verschlechterung des räumlichen Sehens.
Bei experimentellen Untersuchungen ergaben sich nach Cannabiskonsum die folgenden allgemeinen Ausfallerscheinungen (beim Test im Fahrsimulator und im realen Fahrversuch auf der Straße), die die o.g. Leistungsminderungen zusammenfassen:
1. Leistungsminderungen bei der Fahrkoordination
2. Leistungsminderungen beim „Tracking“ (= Fähigkeit, einen Zeiger auf einem bewegten Ziel zu halten). Trackingaufgaben erfordern häufig Hand-Auge-Koordinationen.
3. Leistungsminderungen bei der „Vigilanz“ (= Fähigkeit, seltene Signale bei einer ereignisarmen oder langweiligen Aufgabe zu entdecken und zu beantworten)
4. Leistungsminderungen bei der „Perzeption“ (= Vorgang des Auffassens, des Erkennens eines Gegenstandes und zugleich die Vorbereitung für seine Aufbewahrung als Erfahrung)

Bei gleichzeitigem Alkohol-Konsum verstärken sich die Wirkungen des Cannabis. Es kommt darüber hinaus häufiger zu Sprachstörungen, Gangstörungen und verlangsamten Denkabläufen im Vergleich zum ausschließlichen Cannabis-Konsum.

Der aktuelle Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis zur Beeinträchtigung der Fahrtauglichkeit nach Cannabiskonsum ergibt sich aus den im Auftrag des Bundesverfassungsgerichts aus Anlass seiner Entscheidung vom 20.6.2002 erstellten Gutachten von Prof. Dr. Berghaus und von Prof. Dr. Krüger (aus http://www.bads.de/informieren/drogen/cannabis/)

Bundesverfassungsgerichts-Urteil zum Cannabis-Dauerkonsum
und Fahrtüchtigkeit sowie Entzug der Fahrerlaubnis:

BUNDESVERFASSUNGSGERICHT
– 1 BvR 2062/96 –
20. Juni 2002 Seite 48/49
https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2002/06/rk20020620_1bvr206296.html

a) Die Entziehung einer Fahrerlaubnis nach § 4 StVG und § 15 b Abs. 1 StVZO dient dem legitimen Zweck, den fahrungeeigneten Erlaubnisinhaber davon abzuhalten, aktiv mit einem Kraftfahrzeug am öffentlichen Straßenverkehr teilzunehmen. Dadurch sollen von ihm ausgehende Gefahren für die Sicherheit des Straßenverkehrs und damit verbundene Gefahren für Leben, Gesundheit und Eigentum anderer Bürger abgewendet werden.

FORTSETZUNG des Artikels von Heinz Ess (Arzt und Philosoph) hier: https://conservo.wordpress.com/2017/03/30/cannabis-konsum-auf-kassenrezept/#more-14526