Neuerscheinung: Lepanto-Almanach 2021 über Dichten – Denken – Glauben

Buch-Daten: Michael Rieger, Till Kinzel, Christoph Fackelmann (Hrsg.): Lepanto-Almanach. Jahrbuch für christliche Literatur und Geistesgeschichte Bd. 2 (2021), Schwerpunkt: Dichten – Denken – Glauben – 416 S., 135 x 180 mm, Broschur, € 18,90 € (D), € 19,50 (AUT), CHF 20,90 – ISBN 978-3-942605-23-6

Theologie und Philosophie im Dialog mit großer Literatur

Der zweite Band der Reihe, der Almanach für 2021, rückt als thematischen Schwerpunkt das Verhältnis zwischen Philosophie, Theologie und Dichtkunst in den Vordergrund.

Die Beiträge beleuchten die Rolle, die Poesie und Literatur für das Nachdenken über die letzten Fragen und die Urgründe des Daseins spielen – ein Spektrum an spannungsvollen, aber auch fruchtbaren Wechselbeziehungen!

Wodurch zeichnen sich die Interpretationsbemühungen christlicher Denker aus, was macht ihre Auseinandersetzung mit großer Literatur zu etwas Besonderem?

Der Band bietet Studien und Werkstattberichte u. a. zu John Henry Newman, Romano Guardini, Walter Nigg, Josef Pieper und Hans Urs von Balthasar. Zu den Autoren zählen neben den Herausgebern u. a. Christoph Böhr, Thomas Möllenbeck, Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz und Berthold Wald.

Michael Rieger ist promovierter Germanist und Politikwissenschaftler in Hamburg. Zahlreiche Veröffentlichungen zur deutschen Literatur- und Geistesgeschichte, verantwortlich für das „Reinhold Schneider Literaturforum“.
Till Kinzel ist habilitierter Anglist und Historiker in Paderborn. Zahlreiche Publikationen zu literatur- und kulturwissenschaftlichen Themen als Autor, Herausgeber und Übersetzer; Bücher u. a. zu Gómez Dávila, Oakeshott, Hamann sowie zur Dialogliteratur und zur Geistesgeschichte des 18. Jahrhunderts.
Christoph Fackelmann ist promovierter Germanist und Historiker in Wien. Zahlreiche Veröffentlichungen zur deutschen und österreichischen Literaturgeschichte der Frühen Neuzeit, des 19. und frühen 20. Jahrhunderts (Schwerpunkte: Sprachdenken in der Literatur, Poetik, Rezeptionsästhetik).

Verlags-Präsenz: http://www.lepanto-verlag.de


Rudolf Voderholzer, ernannter Bischof von Regensburg, leistete heute den Eid auf die bayerische Verfassung

„Gott mit dir, du Land der Bayern!“

Vollständiger Wortlaut der Ansprache, die der künftige Bischof von Regensburg, Prof. Dr. Rudolf Voderholzer, heute um 11 Uhr angesichts seiner Vereidigung in Anwesenheit der Bayerischen Staatsregierung gehalten hat; der Eid beinhaltet ein Bekennnis zur Verfassung und zum Rechtsstaat: 

Foto:  Bayerische Staatskanzlei

Foto: Bayerische Staatskanzlei

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Dr. Horst Seehofer,     
sehr geehrte Frau Staatsministerin Frau Emilia Müller,
sehr geehrter Herr Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle,
Eminenz, lieber Herr Kardinal Reinhard Marx,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
 

das Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Bayerischen Staat von 1924  –  interpretiert im Licht des Reichskonkordats von 1933  –  sieht vor, dass der Bischof einer bayerischen Diözese vor seinem Amtsantritt Deutschland und Bayern die Treue schwört.

Dieser feierliche Eid ist Ausdruck einer in einem langen geschichtlichen Prozess gewachsenen Beziehung zwischen Staat und Kirche, die gekennzeichnet ist von einer grundsätzlichen Unterscheidung von Staat und Kirche, nicht aber von einer Trennung der beiden Größen, sondern einer gegenseitigen Zuordnung und Zusammenarbeit.

Es gehört zu den unverzichtbaren Errungenschaften der neuzeitlichen Geistesgeschichte, dass dem Staat nicht ein Totalanspruch auf den Menschen zukommt und der Staat seinen Bürgern nicht die Religion, den Glauben und ein bestimmtes religiös geprägtes Rechtssystem vorschreiben darf, ihm vielmehr die Freiheit der Religionsausübung einräumen muss.

Dass diese Errungenschaft keineswegs selbstverständlich und unverlierbar, sondern immer wieder auch gefährdet ist, zeigen uns die aktuellen Vorgänge in verschiedenen Ländern des Nahen und mittleren Ostens.

Umgekehrt hat auch die Kirche die Freiheit der Religionsausübung zu achten und darf nicht mit staatlichen Zwangsmaßnahmen versuchen, den Glauben der Kirche für alle verbindlich zu machen. Es ist die Erklärung über die Religionsfreiheit des Zweiten Vatikanischen Konzils „Dignitatis humanae“, die diese Einsicht mit Berufung auf die Praxis Jesu und die Kirche der Märtyrer höchstverbindlich als Lehre der Kirche formuliert hat.

Dieser grundsätzlichen Unterscheidung von Staat und Kirche steht die innere Hinordnung gegenüber, wie sie im sogenannten Böckenförde‘schen Paradoxon zum Ausdruck kommt: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.logo_gemalt_gr

Jürgen Habermas hat es bei seinem Gespräch mit Kardinal Ratzinger in der Katholischen Akademie 2004 sogar noch schärfer formuliert: der moderne Staat „zehrt“ von diesen Voraussetzungen, die vor-politischer, ja letztlich religiöser Natur sind.

Und im Wort „zehren“ ist auch die Gefahr mit angedeutet, dass der Vorrat an vor-politischen Voraussetzungen des freiheitlichen Rechtsstaates einmal auf-„gezehrt“ sein könnte.

Im Wissen um diese Zusammenhänge kann beispielsweise die Bayerische Verfassung das Grundrecht der Religionsfreiheit sehr bewusst verbinden mit der Formulierung der obersten Bildungsziele: Ich zitiere Artikel 131, Abschnitt 2 der Bayerischen Verfassung:

„Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der Würde des Menschen, Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl und Verantwortungsfreudigkeit, Hilfsbereitschaft und Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne und Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt.“

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, meine sehr verehrten Damen und Herren. Ich bekenne mich nicht nur zu dieser Bayerischen Verfassung und dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, die den Grund gelegt haben für eine für unser Land beispiellose Friedenszeit.

Dieser Eid ist mir darüber hinaus eine willkommene Gelegenheit, allen Menschen unseres Landes zu sagen, dass ich meinen Dienst als katholischer Bischof durchaus nicht nur eingeschränkt verstehe als allein auf die katholische Kirche bezogen, sondern dass ich ihn als Dienst auch für alle Menschen verstehe, unabhängig von ihrer Konfessions- und Religionszugehörigkeit, für die Menschen mit oder ohne ein religiöses Bekenntnis.

Denn als Christen wollen wir mitarbeiten am Wohl unseres Landes: mit unserem Einsatz für Familien, für Alte, für Kranke, für Ungeborene, für Alleinerziehende oder für Arbeitslose.

Ich möchte diesen Eid auch verstanden wissen als ein Versprechen an Sie, Herr Ministerpräsident, stellvertretend für alle Frauen und Männer, die politische Verantwortung tragen: Ich werde als Bischof Ihr Partner sein, wenn es darum geht, sich für Gerechtigkeit einzusetzen und dem Wohl der Menschen in diesem Lande zu dienen.

Insbesondere können Sie auf mich zählen, wenn es um die Sicherung der vor-politischen Fundamente unseres Zusammenlebens geht, den Glauben an Gott, der nach unserer christlichen Überzeugung den Menschen nicht klein, sondern wahrhaft groß macht.

In Christus bietet Gott jedem Menschen seine Freundschaft und Liebe an. Und ich bin froh, mich mit diesem Eid an eine Verfassung zu binden, die jedem Menschen die Freiheit garantiert, zu diesem Angebot sein Ja oder sein Nein zu geben.

In diesem Sinne: „Gott mit dir du Land der Bayern!“
Ich danke Ihnen.

Quelle:
Bischöfliche Presse- und Medienabteilung
Niedermünstergasse 2 93047 Regensburg
Tel. 0941-597 1067 Fax 0941-597 1063
jwanner.medien@bistum-regensburg.de
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Martin Walser: „Christus ist die größte Herausforderung der Geschichte“

Der Sinn für das Schöne kann dem Glauben näherführen

In einem Interview mit dem Online-Magazin «The European» sprach der prominente Schriftsteller Martin Walser über den Glauben und seine Bedeutung für die Menschheit seit Jahrtausenden.

Martin Walser, der am 24. März 2012 85 Jahre alt wird, erklärte weiter:

„Früher fühlten sich die Menschen einer religiösen Gottheit gegenüber verpflichtet, eine Rechtfertigung vorzubringen; sie konnten sich nicht selbst rechtfertigen.“

Zum Thema „Gerechtigkeit vor Gott“ erwähnt Walser die Figur des Josef K.  in Franz Kafkas Roman «Der Prozess»; dieser müsse sich an seinem dreissigsten Geburtstag vor Gericht über sein Leben Rechenschaft ablegen. Als er merke, daß er sein Dasein mit dem, was er vorzubringen hat, nicht rechtfertigen könne, gehe er zu Anwälten, Künstlern und schließlich zu einem Priester. „Je mehr er sich um die eigene Rechtfertigung bemüht, desto klarer wird ihm, dass er nicht gerechtfertigt ist“, so Walser: „Ihm fehlt da etwas.“

Der süddeutsche Schriftsteller ist überzeugt:

„Wenn dieses Glaubensproblem in einem Menschen einmal wach geworden ist, kann er nicht mehr so einfach zur Tagesordnung übergehen wie ein bekennender Atheist. (…) Hinter uns liegen nun 2000 Jahre, die von der offenen Frage nach einem Gott geprägt sind. Die völlige Beruhigung im heutigen Atheismus, also auch von Intellektuellen, halte ich geradezu für eine Vernichtung unserer Geistesgeschichte. (…) Weil wir dann sagen müssten, dass die ja alle nicht ganz bei Trost waren. Wir können doch nicht über 2000 Jahre lang die Gottesfrage so wichtig nehmen und dann zur Tagesordnung übergehen und behaupten, sie interessiere uns nicht.“

Die für ihn „wichtigste Begabung, um glauben zu können“, sei der Sinn für das Schöne:

„Nehmen Sie Bach oder Schubert. Ihre zu Gott gewandte Musik hat unsere irdische Existenz ausgefüllt und geformt. Wenn man sich hingegen als bekennender Atheist beruhigt zurücklehnen kann, dann geht dieser ganze Reichtum der Geschichte verloren.“  

Auf die Frage, was Christus für ihn bedeute, antwortet Walser:

„Wenn Sie gestatten, kann ich darauf eigentlich nicht antworten. Er ist einfach so viel, in jedem Alter etwas anderes. Ich kann nicht sagen, was er für mich ist. Daran, dass er die grösste Herausforderung in unserer erlebbaren Geschichte ist, kann kein Zweifel sein.“


Komplettes Interview mit Martin Walser

Quelle: evangelikale Infoseite http://www.jesus.ch