Die Foyers de Charité distanzieren sich von Marthe Robins Seelenführer George Finet

Von Felizitas Küble

Mehrfach haben wir in den letzten Jahren kritisch über die französische „Seherin“ Marthe Robin berichtet, die angeblich stigmatisiert war und viele zukünftige Ereignisse vorausgesehen haben will: https://charismatismus.wordpress.com/2019/03/07/die-st-johannes-gemeinschaft-ist-mit-sexaffaeren-ihres-gruendervaters-belastet/

Umso mehr darf man sich wundern, daß die katholische Visionärin in eigener Sache derart blind war, denn sie inspirierte Anfang der 70er Jahre mehrfach zur Gründung charismatischer Gemeinschaften, deren auffälliges gemeinsames Merkmal darin besteht, daß es dort seitens der geistlichen Leitung besonders häufig zu sexuellen Übergriffen kam – und zwar teils auch an Kindern und Jugendlichen.

Diese Problematik betrifft z.B. die schwarmgeistige „Gemeinschaft der Seligpreisungen“ wie auch die eher mystisch-spirituell geprägte „St.-Johannes-Gemeinschaft“ bzw. die „Brüder vom Hl. Johannes“, beides französische Gründungen mit Zweigstellen auch in deutschsprachigen Ländern und teils weltweiten Niederlassungen.

Nun ist inzwischen sogar der GAU eingetreten bzw. noch Schlimmeres enthüllt worden, denn diesmal geht es nicht nur um Vereinigungen, die von der Seherin inspiriert und gefördert wurden, sondern um die von ihr selber gegründete Gemeinschaft der Foyers de Charité  – also jener „Häuser der Nächstenliebe“, in denen bis heute in weltweit 78 Niederlassungen vor allem Exerzitien und Seminare stattfinden, so daß der breitgefächerte Teilnehmerkreis weit über die eigenen unmittelbaren Anhänger hinausgeht.

BILD: Französische Biographie über Marthe Robin

Bereits im Vorjahr gab es dutzende Vorwürfe gegen den 1990 verstorbenen Pater George Finet, jahrzehntelanger Seelenführer von Marthe Robin und eine Art „Schutzpatron“ und vielverehrtes Idol der internationalen Foyers de Charité.

Daraufhin setzte die von Marthe Robin gegründete Gemeinschaft eine unabhängige Untersuchungskommission ein, die den Sachverhalt inzwischen bestätigte. Anfang Mai 2020 distanzierte sich die Leitung der Foyers von Pater Finet, der jahrzehntelang geistlicher Führer dieser Laienvereinigung war.

In einer Pressemitteilung heißt es, man stehe „unter Schock“, denn es seien 26 sexuelle Übergriffsopfer identifiziert worden und man verurteile ohne Wenn und Aber die Handlungen des Geistlichen, „die ernsthaft gegen das Gesetz und den Respekt vor den Menschen verstoßen“ hätten.

Wenn es nur „das“ wäre:

Die meisten dieser verbalen bzw. oft auch körperlichen sexuellen Belästigungen  – wenngleich keine Vergewaltigungen –  des vielverehrten Paters, zu dessen Beerdigung fünftausend Personen gekommen waren, geschahen der hauseigenen Stellungnahme zufolge ausgerechnet während des Sakraments der Beichte – und zudem meist bei kindlichen Mädchen zwischen 10 und 14 Jahren, die meist zu den Niederlassungen der Gemeinschaft gehörten.

Damit hatte der Pater sowohl geistlichen wie auch sexuellen Missbrauch begangen, da er zusätzlich seine priesterliche Autorität missbrauchte.

In solchen Fällen stellt sich immer die Frage: Wie konnte es soweit kommen?!

Wie war bis zu Tod des angesehenen Paters dieser jahrzehntelange Missbrauch möglich, ohne daß jemand etwas bemerkt haben wollte?

Die Antwort ist meist relativ einfach und fast immer dieselbe:

1. Solche Gründerfiguren scheinen über eine besondere „Aura“, ein spezielles Charisma zu verfügen, das nicht infrage gestellt wird, ist es doch der Ast, auf dem das neue Werk sitzt.

2. Wenn es sich um eine charismatische und/oder erscheinungsbewegte Gemeinschaft handelt, ist die Gefahr noch größer, denn die Leitungsperson scheint dem Allmächtigen gleichsam auf dem Schoß zu sitzen, erhält Inspirationen direkt „von oben“ und verfügt über besondere Geistesgaben und „Charismen“ etc.-  Es handelt sich quasi um einen „Propheten“, den man selbstverständlich in seinem Ansehen nicht „antasten“ darf….

3. In diesem Falle war der Geistliche auch noch jahrzehntelanger Vertrauter und Seelenführer der „stigmatisierten“ und visionär erfahrenen Marthe Robin, um die sich seit langem ein besonderer Kult etabliert hat – und zwar keineswegs auf Frankreich beschränkt. Vor allem marianische Kreise fühlen sich zu ihr hingezogen, denn Marthe erhielt  – eigenen Angaben zufolge  –  zahlreiche Botschaften der himmlischen Jungfrau Maria und sie propagierte die „Marienweihe“ nach Ludwig von Montfort.

Somit liegt es auf der Hand, wo der Hund bzw. Autoritätsmissbrauch begraben liegt: in dem verstiegenen Anspruch des Leiters samt seiner Gemeinschaft, unter einem ganz besonderen Segen Gottes zu stehen, sozusagen ein direktes Werk des Allmächtigen zu sein. 

Speziell problematisch ist ohnehin vielfach die Konstellation eines „Teamworks“ zwischen einer „Begnadeten“ und ihrem Beichtvater. Es wird zwar gerne gesagt, eine Seherin benötige doch einen dauerhaften Seelenführer, damit ihre Visionen gewissermaßen unter eine kirchliche Kontrolle kämen, was an sich zu wünschen ist, damit die Sache nicht völlig phantasievoll ausufert.

Aber wenn der Herr Beichtvater wie so häufig in diesen Fällen unkritisch ist  – sei es, weil er sich geschmeichelt fühlt, Seelenführer einer „Begnadeten“ zu sein, sei es, weil er einer gefährlichen religiösen Neugier hinsichtlich besonderer „Offenbarungen erliegt – dann handelt es sich  nicht um ein kirchliches Grenzensetzen, sondern um das glatte Gegenteil: Der Beichtvater und die Seherin bestätigen sich ständig gegenseitig – und das von ihnen gegründete Werk befindet sich voll in diesem Banne. 

Auf dem erscheinungsbewegten und charismatisch geprägten Portal „Kathpedia“ (einer Nebenabteilungn von „kath.net“) heißt es denn auch wohlwollend:

„Der Grundstein für die Entstehung der Foyers de Charité wurde in Frankreich beim ersten Treffen zwischen Marthe Robin und Père George Fines am 10. Februar 1936 in Châteauneuf de Galaure gelegt. Die Gründung der Foyers de Charité basierte auf einer Intuition, einer göttlichen Inspiration, welche Marthe Robin an Père Finet mitteilte. Sie kündigte Père Finet ein „neues Pfingsten der Liebe” an, bei dem so genannte „Foyers de Lumière, de Charité et d’Amour” einen wichtigen Beitrag leisten sollten.“        (Quelle http://www.kathpedia.com/index.php?title=Foyers_de_Charit%C3%A9)

Natürlich findet sich in diesem Kathpedia-Beitrag bis heute kein kritisches Wort über den seit über einem Monat bekannten Super-GAU in puncto Pater Finet.

Der weltweite Generalsekretär der Foyers, Thierry Coustenoble, erklärte hingegen inzwischen sehr nüchtern:  „Pater Finets Aura und unsere Verehrung haben zweifellos unseren kritischen Geist gegenüber ihm gemindert.“

Dieser Personenkult um charismatische Gründerfiguren hat sich einmal mehr als verhängnisvoll erwiesen, denn selbstverständlich begünstigt eine solche Schwärmerei das Doppelleben von Tätern im geistlichen Gewand.

Die Foyers haben inzwischen eine theologische Kommission eingerichtet, die des Paters Lehren im Lichte dieser „Geschehnisse“ untersuchen soll.

Dies ist besonders nötig, denn es genügt keineswegs, die Vorgänge allein als persönliches Versagen einer leitenden Person zu betrachten – vielmehr gehört auch dessen „Spiritualität“ unter die Lupe, seine theologische Linie und seine besonderen religiösen Vorlieben etc.

 

 


Philipp Madre und seine charismatische Fixierung auf das „Wort der Erkenntnis“

Von Felizitas Küble

Was man hinsichtlich der Esoterik-Szene und erst recht im Spiritismus schlicht als Hellseherei oder Wahrsagen bezeichnen würde, gilt in der charismatischen Bewegung als „Wort der Erkenntnis“, angeblich eine besondere Geistesgabe von oben, die zum Bereich des „Prophetischen“ gehöre.

Was der in Anspruch genommene „Heilige Geist“ aussendet, was besonders begnadete Personen empfangen, kann ja wohl  – so heißt es –  nichts Okkultes, auch nichts bloß (Para-)Psychologisches (also mehr oder weniger natürlich Erklärbares) sein, sondern gehört zu dem, was man in der schwarmgeistigen Spektrum als anzustrebende „Salbung“ betrachtet, die gar nicht genug herbeigesehnt werden kann.

Nun muß man kein Psychologe sein, um sich Folgendes vor Augen zu führen:

Wenn ein Gläubiger sich in einen gewissen geistlichen Hochmut versteigt (ohne sich natürlich dieser Problematik bewußt zu sein), wenn er seine Verstiegenheiten vielmehr als besondere „Gnadengabe“ betrachtet, dann fällt der Fall nach unten oft umso härter aus (von der „Wolke“ so hoch da oben in die schlimmsten „Niederungen“ der ungeistigen Art). Wie sagt der Volksmund: Hochmut kommt vor dem Fall.

Kein Wunder also, daß Gemeinschaften, die sich für besonders geisterfüllt halten, überdurchschnittlich häufig von Skandalen um Sex, Geld und Macht heimgesucht werden, wie das die protestantisch-pfingstlerische Starprediger-Szene in den USA seit Jahrzehnten eindringlich belegt.

Allerdings beschränkt sich das Phänomen nicht auf den entsprechend gepolten evangelischen Bereich.

Auch bei betont charismatisch-katholischen Gemeinschaften zeigt sich dieselbe Problematik, die damit zusammenhängt, daß der „Begnadete“ sich erstens selber einbildet, er stände sozusagen als Geisterfüllter gleichsam „über dem Gesetz“, zweitens seine Anhänger sich erst recht nicht getrauen, diesem „Propheten“ zu mißtrauen,  müssen sie doch befürchten, die in diesen Kreisen ständig an die Wand gemalte „Sünde gegen den Heiligen Geist“ zu begehen usw…

Dieser sowohl sexuelle wie auch (un)geistliche Machtmißbrauch zeigte sich auch in der charismatisch-erscheinungsbewegten, sehr an Medjugorje orientierten „Gemeinschaft der Seligpreisungen“:

Deren Gründer (Bruder Ephraim) mißbrauchte schutzbefohlene Ordensschwestern seines Werkes und ein minderjähriges Mädchen. Sein eng mit ihm verbundener Mitgründer, Br. Albert Pierre-Etienne, wurde von einem französischen Gericht wegen sexueller Übergriffen gegen Kinder und Jugendliche verurteilt. 

Ephraims Mitgründer und späterer Generalmoderator, der Diakon, Arzt und Familienvater Dr. Philipp Madre, wurde wegen Mißbrauchstaten vom Vatikan nicht nur amsenthoben oder suspendiert, sondern sogar laiisiert (in den Laienstand zurückversetzt), war also von einer der härtesten Kirchenstrafen für Kleriker betroffen, die es überhaupt gibt.

Eben jener in der Seligpreisungs-Gemeinschaft führende Philipp Madre schrieb viele Bücher über charismatische Erneuerung und besondere Geistesgaben, darunter das Buch „Wort der Erkenntnis“ (siehe Foto).

Darin wird schon nach wenigen Seiten die typische Verstiegenheit und die (Sehn-)Sucht nach außergewöhnlichen „Charismen“ deutlich, die in diesen Kreisen oftmals vorherrscht.

Das „Wort der unmittelbaren Erkenntnis“ (S. 21) vollzieht sich etwa in Versammlungen, wenn der mit dieser Gabe „begnadete“ Leiter erklärt, es befände sich z.B. jemand unter der Menge, der 17 Jahre alt ist, Drogen nimmt und nun geheilt sei – oder drei taube Männer könnten soeben plötzlich wieder gut hören etc. 

Manchmal wird das „Wort der Erkenntnis“ auch in der Weise praktiziert, daß einer Person bei der Segnung bzw. Handauflegung mitgeteilt wird, welchen besonderen Auftrag sie von Gott habe oder von welchen seelischen Verletzungen sie „befreit“ werde etc.

In diesem Sinne schreibt auch Madre, er und seine Frau hätten durch die Handauflegung eines charismatischen Geistlichen diese „zu unserem Dienst notwendige Gabe“ (wozu „notwendig“?) erhalten (S. 10), so daß sie „genauere Aussagen, die in einem Wort der Erkenntnis verborgen waren, erhalten konnten, wie z.B. über das Alter, den Beruf oder die genauen Umstände der Verletzung der Person oder den Vornamen und anderes.“

Was unterscheidet nun dieses Phänomen von dem seit  jeher bekannten Vorgang des esoterischen „Hellsehens“?

Einzig die Behauptung, das „Wort der Erkenntnis“ stamme nun einmal vom Heiligen Geist – und punktum!

Auf S. 11 schreibt der Autor munter drauflos: „Was Gott vor 2000 Jahren durch das öffentliche Wirken seines Sohnes vollbracht hat, führt Er fort, auch auf die Gefahr hin, damit zu erstaunen, zu verwirren oder zu schockieren“.   

Verwirrend bis schockierend ist gewiß  manches in der schwarmgeistigen Szene, allerdings hat Christus in keinem einzigen Fall durch Handauflegung das „Wort der  Erkenntnis“ vermittelt, auch hat er bei seinen Heilungen keine vermeintliche „Seelenschau“ betrieben und irgendwelche Einzelheiten aus dem Leben des vorher Kranken ausgeplaudert.

Wahr ist es freilich, wenngleich gewiß nicht erfreulich, wenn der Verfasser über seine Sondergabe weiter schreibt: „…es beginnt sich diese Art von charismatischen Ausdruck gegenwärtig in den Kreisen der sog. „Erneuerung“ rasch auszubreiten“ (S.13).

Allerdings gäbe es hierbei Widerstände von anderen Gläubigen, weiß er zu berichten: „Besonders heutzutage fürchtet man sich jedoch sehr vor dem Wunderbaren aus Angst, es könnte die Schwachen täuschen, die Einfachen verführen und zur Flucht oder zu irgendeinem Mystizismus verleiten.“ (S. 14).

Wie wahr – und wie berechtigt diese Sorge ist, hat seine eigene Gruppierung zur Genüge unter Beweis gestellt.

Die vermeintlich geisterfüllte Verstiegenheit („emporgehoben“) wird auf S. 15 wieder einmal deutlich, wo es heißt, das „Wort der Erkenntnis“ sei eine „Sinneserfahrung mystischer oder charismatischer Art“, wobei sie immer eine „subjektive Beimischung“ beinhalte.

Das wirke zwar bisweilen störend, sei aber zugleich „beruhigend“, denn sie verweise darauf, „daß die gesamte menschliche Natur einschließlich der Sinne „emporgehoben“ werden kann von der Gnade.“

Ja, gewiß – allerdings ist gerade bei der „Emporhebung“ der Sinne Vorsicht geboten, denn wir wandeln im Glauben, nicht im Schauen (vgl. 2 Kor 5,7), wie der Apostel Paulus schon vor zweitausend Jahren betonte, der die Geister noch zu unterscheiden wußte.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Über 50 Jahre Musikgeschichte: Christlicher Sänger Manfred Siebald wird 70 Jahre alt

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Diesen Monat feiert Manfred Siebald seinen 70. Geburtstag. Sein Leben ist geprägt von der christlichen Musik!
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Seit 50 Jahren ist Manfred Siebald im deutschsprachigen Raum und auf anderen Kontinenten unterwegs. Seine komponierten Lieder begeistern ein großes Publikum: Tiefgängige, teils kritische, teils humorvolle Texte für den Alltag des Glaubens.

Viele der Songs haben einen festen Platz in kirchlichen Liederbüchern und werden in vielen Gemeinden gesungen.

Zu seinem 70. Geburtstag am 26. Oktober erscheinen alle seine Soloalben in einer Sammelbox und bieten mehr als 17 Stunden Hörvergnügen!

Zudem erscheint eine Textesammlung seiner Werke mit über 300 Liedtexte. Ein Bibelstellenverzeichnis hilft bei der passenden Auswahl. 

Obwohl sich Manfred Siebald seit sechs Jahren im Ruhestand befindet, ist er nach wie vor in Aktion, geht seiner Lehrtätigkeit als Professor für Amerikanistik noch nach und leitet seinen Chor  an der Hochschule, der vor 20 Jahren entstand.

Neben dieser Tätigkeit wird er für Konzerte eingeladen und zu Veranstaltungen, auf denen er seine Werke präsentiert. In einem Interview mit der Zeitschrift „Lebenslauf“ informiert er über seinen bewegten Ruhestand und seine Aufgaben, denen er nachgeht.

Mehr zu Siebalds Musik-Produkten hier: www.scm-shop.de/aktuelles/portraits/manfred-siebald

Quelle: Pressemitteilung des SCM-Verlags