Frankreich: Brandstifter ermordete Priester

Der Täter wurde 2016 vom Papst empfangen

Die Polizei hat in der westfranzösischen Gemeinde Saint-Laurent-sur-Sèvre am Montag einen Afrikaner festgenommen, der einen Geistlichen ermordet haben soll. Der 40-j. Mann aus Ruanda habe sich gestellt und die Tat gestanden.

Gegen den Mann war bereits wegen des Brandes in der Kathedrale von Nantes im Sommer 2020 ermittelt worden. Gegen ihn habe eine Ausweisungsverfügung vorgelegen.

Im vergangenen Sommer waren in Frankreich bei islamistischen Anschlägen in Kirchen mehrere Personen ermordet worden. In der nordfranzösischen Stadt Saint Etienne du Rouvray töteten zwei Bewaffnete einen Geistlichen. Im südfranzösischen Nizza ermordete ein Tunesier in einer Kirche im Oktober 2020 drei Menschen.

Quelle und vollständige Meldung hier: https://jungefreiheit.de/politik/ausland/2021/kirchenbrandstifter-toetet-priester/

Weitere Information:
Der Täter Abayisenga ist im Jahre 2016 von Papst Franziskus in einer Gruppe „sozial ausgegrenzter“ Personen aus Nantes empfangen worden. (Siehe bei dieser Nachricht die letzte Zeile: https://www.rnd.de/panorama/frankreich-mord-an-franzoesischem-priester-fassungslosigkeit-und-wut-7BQO5BPPJ5GHXCONVAULEL54KQ.html)

Gemälde: Evita Gründler


Russisch-Orthodoxe Kirche bietet keine Unterstützung der Demokratiebewegung

Nach 25 Tagen Haft ist der russisch-orthodoxe Geistliche Andrei Vinarsky aus dem Gefängnis entlassen worden, berichtet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM).

Der Erzpriester von Khabarowsk wurde aufgrund seiner Teilnahme an einer Demonstration zur Freilassung des Oppositionspolitikers Aleksey Nawalny verhaftet und am 13. Mai verurteilt. Aufgrund seiner bürgerrechtlichen Aktivitäten ist Vinarsky bereits zum wiederholten Male verurteilt worden.

Vorstandsprecher der IGFM, Martin Lessenthin (siehe Foto), kritisiert, „dass die Russisch-Orthodoxe Kirche das Engagement ihrer Geistlichen für Meinungsfreiheit und gegen Menschenrechtsverletzungen nicht demonstrativ unterstützt.

Eine Kirche, die sich in einer solchen Situation versteckt und sich von ihren Geistlichen entfernt anstatt Solidarität zu üben, macht sich zu Kumpanen derjenigen, die den Menschen ihre universellen Rechte nehmen und dazu zählt auch die Religionsfreiheit.“

Der Erzpriester von Khabarowsk Andrei Vinarsky wurde nicht zum ersten Mal wegen Teilnahme an einer nicht genehmigten Kundgebung verhaftet und verurteilt. Erst am 10. März 2021 verurteilte ihn ein Bezirksgericht zu 20 Tagen Gefängnis aufgrund der Teilnahme an einer Demonstration zur Unterstützung des ehemaligen Gouverneurs der Region Chabarowsk, Sergej Furgal.

Der Geistliche ist in Sibirien sehr populär, sodass sich mehrere Journalisten mit sogenannten „stillen Übertragungen“ mit Vinarsky solidarisierten. Vinarsky selbst trat aus Protest in einen Hungerstreik.

Wie die IGFM weiter berichtet, wurde Vinarsky im März aus dem Amt des Erzpriester der St. Nikolaus Kirche aufgrund seiner Teilnahme an den Kundgebungen von der Birobidzhan Eparchie entlassen. Die Eparchie habe auch entschieden, dass der Geistliche keine Gottesdienste leiten und predigen darf, bis er „Buße tut und aufhört, an nicht sanktionierten Kundgebungen teilzunehmen“.

Im Gegensatz zu Protestbewegungen, wie in der DDR oder in Polen ist die Russisch-Orthodoxe Kirche leider keine Unterstützung der Zivilgesellschaft, so die Menschenrechtsorganisation.

Weitere Informationen zur Arbeit der IGFM


„Segnung“ vereinnahmt homosexuelle Paare

Von Felizitas Küble

In deutschen Bistümern gab es in den letzten Tagen über 100 Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare, vor allem im Norden und Westen des Landes.

Die entsprechenden Aktionen verstehen sich als Aufstand gegen Rom, als offener Widerstand gegen das „Responsum“ der Glaubenskongregation, wonach die Kirche keine Vollmacht hat, homosexuelle Partnerschaften zu segnen.

Das Grundprinzip, auf dem das römische Nein beruht, lautet knapp gesagt: Was Gott nicht gutheißt, kann die Kirche nicht segnen. Dabei stellt es durchaus kein Problem dar, einzelne homosexuelle Personen zu segnen – aber eben nicht eine intime Verbindung unter ihnen.

Erschwerend kommt hinzu, daß solche Segensaktionen sogar häufig mit feierlicher Handauflegung vollzogen wurden, was beim üblichen kirchlichen Segen nicht der Fall ist.

Letzten Endes werden jene Paare, die an den aufsehenerregenden Segnungsfeiern teilgenommen haben, unfair behandelt, denn ihnen wird die schlichte Wahrheit vorenthalten, daß solch ein Segen, der im ausdrücklichen Widerspruch zur kirchlichen Ordnung erfolgt, schlichtweg nicht gültig ist.

Das müßte jenen ungehorsamen Geistlichen auch klar sein, die sich der Weisung aus dem Vatikan widersetzen. Somit werden die Betroffenen letztlich hinters Licht geführt und ihnen ein Segen vorgegaukelt, die objektiv nicht stattfindet. Soll das etwa fair und aufrichtig sein?

In Wirklichkeit werden homosexuelle Paare kirchenpolitisch und strategisch vereinnahmt, um einem bestimmten Forderungskatalog nach progressiven „Reformen“ Nachdruck und Medienwirksamkeit zu verleihen.

Die „Tagespost“ vom heutigen 13. Mai zitiert auf ihrem Online-Portal den homosexuellen Philosophen und Publizisten Dr. David Berger mit seiner Aussage, es entstehe der Eindruck, dass Priester, welche diese Segnung vornehmen, die Liturgie der Kirche „nur missbrauchen, um ihre kirchenpolitische Ziele durchzusetzen“.

Auf die Frage der Redakteurin Regina Einig, ob die „Mehrheit der gleichgeschlechtlichen Paare überhaupt am Segen der Kirche interessiert“ sei, antwortet Berger (siehe Foto):

„Aus homosexueller Perspektive kommt derzeit zu kurz, dass die große Mehrheit der Homosexuellen in Deutschland an einer solchen Segnung – ebenso wie an der Eheschließung – nicht interessiert ist. Auch wenn sie so tun, vertreten sie nicht die Interessen ,der Homosexuellen, schon gar nicht der katholischen beziehungsweise gläubigen Homosexuellen, die bemüht sind, sich an die Lehre des Katechismus zu halten.“

HINWEIS: Der hier erwähnte Dr. David Berger hat diesen Artikel auf seinem Blog übernommen: https://philosophia-perennis.com/2021/05/16/segnung-missbraucht-homosexuelle-fuer-kirchenpolitische-interessen/

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Pfeiffer: Marx-Kritik an Woelki ist „verlogen“

Der Kriminologe Prof. Dr. Christian Pfeiffer hält die Kritik am Kölner Kardinal Woelki für „verlogen“. Er denke dabei besonders an den Münchner Kardinal Reinhard Marx (siehe Foto). Dieser hatte es als „verheerend“ bezeichnet, dass Woelki ein Gutachten zum Umgang von kath. Geistlichen mit Missbrauchsvorwürfen unter Verschluss hält.

„Das ist ein so verlogener Umgang mit Woelki“, kritisierte der ehem. SPD-Justizminister von Niedersachsen:
„Wenn jetzt Marx über Woelki herfällt, dann ist das im Glashaus sitzen und mit Steinen werfen, weil er dasselbe getan hat. Marx ist der Hauptschuldige dafür, dass wir zehn Jahre nach Entdeckung des Missbrauchsthemas immer noch keine Transparenz haben“.

2013 hatte die Bischofskonferenz einen Aufarbeitungsvertrag mit Pfeiffers Kriminologischen Forschungsinstitut gekündigt. Der Streit hatte sich an der Veröffentlichung kircheninterner Dokumente entzündet.

Quelle und vollständige Nachricht hier: https://web.de/magazine/regio/nordrhein-westfalen/kriminologe-pfeiffer-kritik-kardinal-woelki-verlogen-35572374

Foto: Laura Mohr


Zum neuen „Thesenanschlag“ von Maria 2.0

Von Ursula Zöller

Da steht Luther also wieder an den Kirchentüren und schlägt Thesen an. Luther ante portas! Wir sind wieder zurück im Mittelalter.

Allerdings ist Luther heute weiblich – nicht ungewöhnlich im Zeitalter der Genderideologie – und seine Thesen sind weniger geworden. Aber es geht noch immer gegen Rom und den Kern des christlichen Glaubens.

BILD: Ursula Zöller (links) und Susanne Wenzel gründeten die „Neue kath. Frauenbewegung“

Nach vielen Jahren der Bemühungen um Einheit setzen Frauen der Gruppe Maria 2.0 am Sonntag vor der Frühjahrsversammlung der Bischöfe ein umgekehrtes Zeichen. Denn mit dem Anschlag der Thesen Luthers begann eine schreckliche Zeit der Spaltung, die kirchlich und staatlich zu einer Katastrophe von ungeheurem Ausmaß führte.

Vielleicht wissen diese Frauen tatsächlich nicht, was sie tun. Und wer sich unter dem Namen Maria 2.0 versammelt – als ob die Gottesmutter ein Update durch ein paar heutige Frauen bräuchte – der hat womöglich, vorsichtig formuliert, nicht allzu viel Ahnung von seinem Glauben.

Da ergeben sich dann Parallelen zu Luthers Zeit. Die Gläubigen wussten oft nicht sehr viel von ihrer Religion. Nur das, was ihnen die Überlieferung in der eigenen Familie, der Unterricht in der Schule und die Predigten ihrer Geistlichen sagte, konnten sie wissen.

FOTO: Die Aktion „Maria 2.0“ zeigt als Zeichen des Protestes die Gottesmutter mit zugeklebtem Mund

Der Zustand der Kirche war weitgehend schlecht, die Geistlichen entsprachen oft in keiner Weise dem, was sie als Zeugen ihres Glaubens hätten sein sollen. Luther hatte recht mit der Kritik daran.

Heute sind die entsetzlichen Missbrauchsfälle in der Kirche Brandbeschleuniger für die Verzweiflung an ihr, die Wut auf sie, den Hass. Da nutzt es auch nichts, dass die Wahrscheinlichkeit solcher Taten im Rest der Gesellschaft offenbar 36 mal größer als bei Geistlichen ist. Der Anspruch an sie als Vertreter ihres Glaubens ist – mit Recht – einfach unendlich viel größer.

Ja, unsere Kirche, die semper reformanda, steckt in einer tiefen Krise und braucht Reformen. Die aber sind nicht durch ständige Anpassung an den gesellschaftlichen Mainstream, an das, was man zustimmungsfähig noch sagen darf, sondern vor allem durch mehr Gebet, größere Frömmigkeit und mehr Glaubenswissen erreichbar.

Warum zum Beispiel überlassen viele Pfarrer den Kommunionunterricht sog. Tischmüttern, die nicht immer gut im Glauben Bescheid wissen. Warum wird im Gottesdienst nicht einmal definiert, was einen katholischen Geistlichen von einem evangelischen Pastor unterscheidet und was das in Bezug auf Wandlung und Eucharistie bedeutet? Warum ist das Wort Keuschheit auf der inneren Liste der unsagbaren Worte gelandet und Reinheit nur noch beim Bier und Ökolebensmitteln von Bedeutung?

Unsere Religion ist kein Wellnessangebot und kein Kuschelglaube. Sie ist Frohe Botschaft im Zeichen des Kreuzes mit all ihren Zumutungen. Sie kann weh tun, bevor sie zur Auferstehung führt.

Es ist unendlich traurig, dass nun so viele Katholiken ihre Kirche verlassen. Den Frauen von Maria 2.0, die bleiben, aber die Kirche von Grund auf verändern wollen, kann man eigentlich nur raten, doch lieber evangelisch zu werden. Dort können die Pastoren heiraten, dort sind in manchen Gemeinden alle, selbst Ungetaufte, zum Abendmahl zugelassen. Dort  werden Frauen ordiniert und können Gottesdienste leiten.

Quelle und Fortsetzung des Beitrags von Ursula Zöller hier: https://frauenundkirche.wordpress.com/2021/02/23/denn-sie-wissen-nicht-was-sie-tun/


Neue Sexaffäre aus dem Vatikan vor Gericht

Wegen Missbrauchsvorwürfen gegen einen hochrangigen Prälaten gab es am heutigen Montag (7.9.) eine erste kirchliche Anhörung im Bischöflichen Ordinariat Eichstätt.

Nach Informationen der BILD-Zeitung bestätigte der Eichstätter Bischof Gregor M. Hanke, es gäbe Anschuldigungen wegen sexueller Übergriffe (siehe hier).

Im Frühjahr dieses Jahres hatte die Staatsanwaltschaft Ingolstadt bereits ein Ermittlungsverfahren gegen den deutschen Prälaten eröffnet.

Auch die theologisch konservative Nachrichtenseite „Lifesitenews“ schreibt online am 5. September über diese Causa eines ehem. Kirchen-Diplomaten, der derzeit den „Vatikan erschüttern“ würde. Zugleich behandelt das amerikanisch-kanadische Portal, das sonst vor allem Lebensrechtsthemen aufgreift, die Frage, ob die Kurie hierbei eine Strategie der „Vertuschung“ angewandt habe oder nicht.  

Der bekannte Erzbischofs Carlo Maria Viganò soll diese Vorwürfe am 3. Juli 2006 den Vorgesetzten des vatikanischen Staatssekretariats vorgelegt und am 22. Januar dieses Jahres in einer kirchlichen Untersuchung ein Zeugnis für die ihm dazu vorliegenden Informationen gegeben haben.

Zudem habe der Erzbischof mittlerweile auch Kardinal Pietro Parolin über diese Causa unterrichtet. Viganò war einst Personalchef von Papst Benedikt und wurde weltweit bekannt, als er den Missbrauchskandal um Ex-Kardinal McCarrick aufdeckte.

Auf Lifesitenews-Anfrage habe die vatikanische Pressestelle geantwortet, die Vorwürfe hinsichtlich des Monisgnore würden inzwischen von kirchlichen und weltlichen Behörden geprüft.

 Aus Sicht der bekannten Lifesitenews-Autoren John Henry Westen und Dr. Maike Hickson handelt es sich um ernst zu nehmende Vorwürfe bezüglich eines „homosexuellen Missbrauchskandals“ innerhalb vatikanischer Mauern aus der Amtszeit von Papst Benedikt, die sich auf einen früheren Mitarbeiter  des Staatssekretariats beziehen würden.

Der erwähnte Artikel weist zudem darauf hin, daß sich Papst Johannes Paul II. einst in der Causa Marcial Maciel nicht gerade mit Ruhm bekleckerte. Pater Dr. Macial war Gründer und Leiter der Legionäre Christi, der im Vatikan wohlgelitten war, auch nachdem schon jahrelang homo- und pädosexuelle Missbrauchsvorwürfe gegen ihn vorlagen. Dem Pontifex fehlte wohl die nüchterne Menschenkenntnis, zumal sich Macial „als Konservativer tarnte“, wie Lifesitenews schreibt.

Erst nach der Wahl von Benedikt XVI. wurden kirchenrechtliche Strafmaßnahmen gegen den Legionärs-Gründer verfügt und der täuschende Spuk dieses Heuchelspieles fand damit im Jahre 2006 endlich ein Ende.

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Mexiko: Immer mehr Gewalt gegen Pfarrer durch Drogenkartelle, Banden usw.

Bereits im August wurden in Mexiko unabhängig voneinander ein katholischer Priester und ein evangelischer Pastor ermordet.

Lokalen Berichten zufolge wurden beide in ihren Pfarreien getötet, einer im nordöstlichen Bundesstaat Tamaulipas und der andere in Oaxaca im Süden des Landes.

Bereits in den vergangenen Jahren fielen zahlreiche Pastoren Gewaltverbrechen zum Opfer.

José Martín Guzman Vega war Priester der Kirche „Cristo Rey de la Paz“ (Christus, König des Friedens) in San Adelaida. Am 22. August gegen 22 Uhr hörten mehrere Nachbarn Hilferufe aus dem Pfarrhaus.

Als sie dem Geistlichen zu Hilfe kamen, fanden sie ihn schwer verletzt auf dem Boden liegend. Der oder die Angreifer hatten mehrfach mit einem Messer auf ihn eingestochen. Guzman Vega erlag kurz nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus seinen Verletzungen.

Wenige Tage zuvor war Pastor Alfrery Líctor Canseco im südlichen Bundesstaat Oaxaca erschossen worden. Die Tat ereignete sich, nachdem Cruz Canseco einen Gottesdienst gehalten hatte. Mehrere Gläubige konnten den Angreifer festhalten und an die Polizei übergeben. Der Pastor starb auf dem Weg ins Krankenhaus.

Laut einem Bericht des mexikanischen Kath. Medienzentrums (CCM) wurden zwischen 2012 und 2018 insgesamt 26 Priester ermordet, zwei davon verschwanden spurlos und viele andere wurden zum Ziel von Entführungen.

Der Direktor des CCM, Omar Sotelo, beklagt, dass „die Religionsfreiheit in Mexiko dezimiert, untergraben und durch das organisierte Verbrechen bedroht wird“. Deshalb gehöre der Beruf eines Priesters oder Kaplans in Mexiko zu einem der gefährlichsten überhaupt.

Der Bericht hebt hervor, dass die meisten der in der Zeit von 2012 – 2018 ermordeten Priester in ihrem gesellschaftlichen Umfeld sehr aktiv und dabei bestrebt waren, „junge Menschen […] vor einem Leben der Kriminalität zu bewahren oder sie daran zu hindern, in die Reihen der Kartelle aufgenommen zu werden“.

Mexiko leidet seit Jahren unter hoher Kriminalität und dem organisierten Verbrechen. Viele Christen werden von kriminellen Banden als Hindernis angesehen, besonders wenn sie sich in der Jugendarbeit und/oder Drogenrehabilitation engagieren.

Quelle: https://www.opendoors.de/nachrichten/aktuelle-meldungen/mexiko-zwei-pastoren-ermordet


Endstation Mord: Wohin falsche Visionen und ein irrer Teufelswahn führen kann

Von Felizitas Küble

Seit Jahrzehnten erhalte ich Anrufe von Opfern extrem-charismatischer Gruppen, die von selbsternannten „Sehern“ oder sonstwie „Begnadeten“ als besessen erklärt und daher mit exorzistischen Anwendungen behelligt worden sind.

Gottlob hat das fanatische Treiben in keinem Falle zum Tod der Betroffenen geführt, allerdings sind die seelischen und auch psychosomatischen Schäden enorm und halten oft jahrelang an.

In jedem dieser Fälle erweckten jene, die den verhängnisvollen Besessenheits-Stempel verkündet hatten, in ihren Kreisen den Eindruck, als ob sie vom Heiligen Geist die „Gabe der Seelenschau“ erhalten und überdies mit übernatürlichen Offenbarungen gesegnet seien.

Auch Ende des Vorjahres sind mir von einer Betroffenen erschreckende Vorgänge aus diesem schwarmgeistigen Milieu mitgeteilt worden.

So verheerend die psychischen Folgen für die Opfer solchen Treibens auch sind, es gibt noch schlimmere Fälle, die mit Mord und Totschlag enden.

Noch vor zwei Jahren wurden vier Angeklagte in einem Frankfurter Prozeß verurteilt, wobei die Haupt-Täterin sechs Jahre Haft erhielt. Die südkoreanischen Pfingstler hatten einen Exorzismus an einer 41-jährigen Verwandten vorgenommen, der tödlich endete.

Ein weiteres schauriges Beispiel ist eine in den 60er Jahren vieldiskutierte Tragödie in Ringwil (Schweiz). Dort war die 16-jährige Bernadette Hasler am 15. Mai 1966 von einigen Fanatikern zu Tode geprügelt worden. 

Man hielt das Mädchen für besessen und betrachtete die Mißhandlungen als eine Art Exorzismus. Die Sekte trug auch noch den schönen Namen „Internationale Familiengemeinschaft zur Förderung des Friedens“.

Einer der Haupttäter war schon vor dem Totschlag als Sektierer von der katholischen Kirche exkommuniziert worden. Dieser Pater Josef Stocker hat allerdings später vor Gericht seinen Irrweg eingestanden.

Weitaus hartgesottener als er war seine „Seherin“, an derem Tropf er jahrelang hing: Magdalena Maria Kohler aus Singen. – Als Dritte im Bunde agierte eine Ordensfrau namens „Stella“, die ebenfalls himmlische Offenbarungen und Anweisungen für die „Endzeit“ erhielt, wie man in diesem Milieu glaubte.

Das besonders Tragische an dem verbrecherischen Treiben bestand darin, daß das Mädchen Bernadette selber im Wahn der Sekte gefangen war. Mehrere Chancen zur Flucht hat sie nicht genutzt. Diesen Leichtsinn mußte sie mit ihrem Tod bezahlen.

Der irregeleitete Geistliche und die verblendete Frau Kohler erhielten zehn Jahre Haft. Während der Pater „in sich ging“, machte die hartnäckige Kohler unbeirrt weiter, zumal sie von ihren Kreisen weiterhin als „heilige Mutter“ verehrt wurde.

Zu ihrem Fanclub gehörte auch Anna Wertmuthäuser. Die ältere Dame bezahlte ihre Naivität ebenfalls mit dem Tod. Sie starb mit 66 Jahren infolge der als „Teufelsaustreibung“ getarnten Mißhandlungen an inneren Blutungen in der Nacht vom 6. auf den 7. Februar 1988.  

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den kath. KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

 

 


Führende Experten widerlegen einen „Zusammenhang“ von Zölibat und Missbrauch

Von Felizitas Küble

In der erneut aufgeflammten Debatte über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche wird der Zölibat vielfach direkt oder indirekt als Ursache für pädosexuelle Verfehlungen angesehen; zumindest wird die priesterliche Ehelosigkeit mit Hinweis auf diverse Vorfälle infrage gestellt, teils auch von Kirchenvertretern.

Diese Würdenträger sollten den Fokus stattdessen auf die mangelnde Wahrnehmung der bischöflichen Aufsichtspflicht richten.

BILD: Katholische Priester bei der Feier einer hl. Messe

Die Frage steht gleichwohl im Raum: Gibt es ein Ursache-Wirkung-Verhältnis oder besteht zumindest ein konkreter Zusammenhang zwischen dem Zölibat und den entsetzlichen Vorfällen von Kinderschändungen durch Kleriker?

Von fachlicher Seite – zumal von Gerichtspsychiatern  –  wird dieser Kontext schon seit längerem bestritten; hierzu einige Beispiele:

Dr. Norbert Leygraf, Direktor des Instituts für Forensische Psychiatrie der Universität Duisburg-Essen, erklärte am 23. August 2010 gegenüber dem „Deutschlandradio“, niemand werde durch den Zölibat pädosexuell geprägt, zumal diese Neigung bereits während der Pubertät entstehe, das Zölibatsversprechen hingegen erst viel später erfolge.

Daher sei es „nicht sonderlich einleuchtend“, überhaupt einen Zusammenhang zwischen Zölibat und Missbrauch herzustellen.

Dr. Leygraf widersprach zudem der Auffassung, dass abnorme Formen der Sexualität unter kath. Priestern überdurchschnittlich stark vertreten seien: „Irgendwelche Studien, die belegen würden, dass sie besonders häufig Leute mit einer abnormen Sexualität wären, gibt es nicht.“

(Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/das-sind-ja-ueberwiegend-altfaelle.1008.de.html?dram:article_id=163438)

Evangelischer Forensiker: Zölibat keine Ursache für Missbrauch

Der bekannte Forensiker Prof. Dr. Hans-Ludwig Kröber erklärte bereits  zu Beginn der öffentlichen Missbrauchsdebatte im Februar 2010, dass katholische Priester gerade wegen ihrer geistigen Grundhaltung weitgehend davor geschützt seien, zu Missbrauchstätern zu werden.

Der evangelische Kriminal-Psychiater Kröber ist Mitherausgeber des Standardwerkes „Handbuch der Forensischen Psychiatrie“ und Direktor des Instituts für Forensische Psychiatrie der Freien Universität Berlin. Seinen Studien zufolge ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein kath. Priester zum Missbrauchs-Täter wird, 36 mal geringer als bei Männern, die nicht zölibatär leben.

BILD: Kardinal Müller weiht einen jungen Mann zum Priester

In einem Artikel der Tageszeitung „Die Welt“ vom 3.4.2010 heißt es, die Lebensform Zölibat habe „mit dem Missbrauch von Kindern nichts zu tun.“ Als Beleg wird Professor Kröber zitiert: „Statistisch gesehen wird man eher vom Küssen schwanger, als vom Zölibat pädophil.“ 

(Quelle: https://www.welt.de/debatte/article7038687/Der-Zoelibat-ist-eine-Liebesbeziehung.html)

Ähnlich argumentiert der katholische Publizist und Psychotherapeut Manfred Lütz, Direktor eines Psychiatrischen Krankenhauses in Köln, in der FAZ vom 11.2.2010:

„Den Zölibat in diesem Zusammenhang (Kindesmissbrauch) zu nennen, ist besonders verantwortungslos. Auf einer Tagung 2003 in Rom erklärten die international führenden Experten – alle nicht katholisch – es gebe keinerlei Zusammenhang dieses Phänomens mit dem Zölibat.“

Bei der erwähnten Tagung handelte es sich um einen kompetenten Fachkongress: er dauerte eine Woche und versammelte international führende Forensische Psychiater, Mediziner und Sexualwissenschaftler zum Thema Missbrauch.

Prof. Nedopil: Beherrschung reduziert das Verlangen

Auch Prof. Dr. Norbert Nedopil wies im März 2010 in diversen Talksendungen die weitverbreiteten Unterstellungen gegen den Zölibat zurück. Der Leiter der Abteilung für Forensische Psychiatrie der Universität München (LMU) erklärte, die religiös begründete, freiwillige Ehelosigkeit senke das Risiko, zum Sexualtäter zu werden: „Wenn man Sexualität einschränkt, dann sinkt auch das Verlangen danach.“

Prof. Dr. Christian Pfeiffer nimmt den Zölibat ebenfalls gegen den Vorwurf der Begünstigung pädosexueller Taten in Schutz: Der evangelische Kriminologe und frühere SPD-Justizminister von Niedersachsen ist Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen.

In einem Gastbeitrag für die linksliberale „Süddeutsche Zeitung“ stellte er klar, dass der statistische Anteil der Priester an den Missbrauchsfällen exakt 0,1 % beträge, also 1 Promille. Obwohl es überall Dunkelziffern gibt, rechnet er bei Priestern „für alle Fälle“ eine dreifach so hohe Dunkelziffer wie sonst, was dann 0,3% ergäbe, folglich drei Promille.

Auch dieser Experte stellt fest, dass selbst bei hochgerechneter Dunkelziffer der Priester-Anteil im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt sehr gering sei, ein Zusammenhang zwischen Zölibat und Missbrauch daher nicht erkennbar.

(Quelle: http://www.sueddeutsche.de/politik/missbrauch-in-der-katholischen-kirche-drei-promille-aller-taeter-1.24359)

„Zartbitter“-Chefin: Anti-Zölibats-Debatte kontraproduktiv

Neben Gerichtspsychiatern haben sich auch Fachleute aus dem Beratungsspektrum zu dieser strittigen Frage zu Wort gemeldet.

Das Problem von Missbrauchstätern in eigenen Reihen betrifft nach Meinung der Kölner Expertin Ursula Enders beide großen Kirchen in Deutschland in gleich starker Weise:

„Die evangelische Kirche hat sich lange Zeit in Sicherheit gewiegt und geglaubt, `bei uns doch nicht, das liegt ja am Zölibat`“ sagte die Therapeutin bei der Fachtagung „Missbrauch in Institutionen“ Anfang Juni 2012 in Hamburg. Das sei jedoch ein Mythos: „Missbrauch hat mit Zölibat wenig zu tun“, so die Leiterin von „Zartbitter“, einer Einrichtung gegen sexuellen Missbrauch in Köln. 

Enders betonte, ihrer Beobachtung zufolge komme das Problem in der evangelischen Kirche nicht seltener vor. Nachdem diese lange die Augen vor dem Thema verschlossen habe, würden jetzt verstärkt Fälle in protestantischen Einrichtungen bekannt. 

Die Kirchen seien vom Thema sexualisierte Gewalt nicht stärker betroffen als etwa Sportvereine, Schulen oder das familiäre Umfeld, sagte die Expertin.

Zu den Risikofaktoren zähle, dass Täter häufig die Maske des sozial Engagierten trügen. Gerade in sozialen Einrichtungen gebe es den Typus des „Dauerjugendlichen“, erklärte Enders: „Das ist niemals gut für Kinder.“ Diesen Typus habe sie vor allem in evangelischen Kirchengemeinden erlebt.

(Quelle: https://www.kath.ch/newsd/deutsche-therapeutin-missbrauch-hat-wenig-mit-zoelibat-zu-tun/)

Ergänzend dazu folgen Äußerungen von Ursula Enders aus ihrer diesbezüglichen Stellungnahme vom 15. März 2010 speziell zum Dauerbrenner Zölibat:

„So kritisch man dem Zölibat gegenüberstehen mag, die breite Erfahrung von Zartbitter entlarvt die Reduzierung der Täterschaft auf zölibatäre katholische Priester als Mythos, der zu einer grundlegenden Vernachlässigung eines ausreichenden Schutzes von Mädchen und Jungen vor sexuellen Grenzverletzungen führen kann.

Eine allzu einseitige Diskussion über das Zölibat lenkt ab von dem großen Ausmaß der sexuellen Ausbeutung von Kindern in Schulen, Einrichtungen der Jugendhilfe, Sportvereinen, kommerziellen Angeboten für Kinder und Jugendliche (Ballett, Ferienreisen, Musikunterricht).

Folglich ist die mit großer Heftigkeit geführte aktuelle Diskussion über das Zölibat im Sinne des Kinderschutzes kontraproduktiv.

Mitglieder anderer Glaubensgemeinschaften (zum Beispiel der evangelischen Kirche, den Zeugen Jehovas, dem Islam) verkünden häufig mit einem trügerischen Seufzer der Erleichterung: „Bei uns sind die Geistlichen verheiratet und unsere Kinder somit vor Missbrauch durch Geistliche sicher“.  – Derart „naive“ Gläubige werden nicht selten mit der bitteren Realität konfrontiert, dass ein vermeintlich ungefährlicher, heterosexuell lebender Geistlicher oder Laienhelfer Mädchen und/oder Jungen missbraucht hat!

Die Beratungsarbeit von Zartbitter Köln in den letzten 25 Jahren hat deutlich gemacht, dass auch der Missbrauch innerhalb kirchlicher Institutionen vorrangig von heterosexuell lebenden Tätern und Täterinnen verübt wird, die sich in kirchlichen Institutionen als Gemeindereferenten, Diakone, Gruppenleiterinnen, Jugendbetreuer, jugendlichen Messdienerführer, Koch auf Ferienfreizeiten etc. engagieren.“

(Quelle: http://www.zartbitter.de/gegen_sexuellen_missbrauch/Fachinformationen/6510_mythos_zoelibat.php)

Fakten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Im Jahre 2012 wurde in Medien berichtet, laut polizeilicher Kriminalstatistik hätten in Deutschland die Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern wieder deutlich zugenommen.

Allgemein stieg damals die Zahl der registrierten Sexualdelikte um 5%, der Besitz von Kinderpornografie sogar um dramatische 23%.

Dazu schrieb die Wochenzeitschrift „Christ in der Gegenwart“ (Nr. 42/2012, Seite 2):

„Während die Kirchen das Thema in den vergangenen Jahren stark aufgegriffen haben und die Fälle, die fast alle aus der Vergangenheit stammen, aufarbeiten, ändert sich in der „weltlichen“ Bevölkerung am sexuellen Missbrauchsverhalten offenbar gar nichts. Das aufklärerische Vorbild der sonst so viel gescholtenen Kirche und die damit medial aufgebauschte Debatte haben auf das allgemeine gesellschaftliche Verhalten da offenbar überhaupt keinen reinigenden Einfluss.“

Zum Thema „aufgebauschte“ Debatte gehört auch der ständige Vorwurf gegen den Zölibat in vielen Medien.

Interessanterweise hat hierzu die staatliche „Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“  –  die ansonsten nicht gerade für „konservative“ Äußerungen bekannt ist – Stellung bezogen.

Unter dem Titel „Sexueller Missbrauch in Fallzahlen der Kriminalstatistik“ wird in einem Internet-Bericht klargestellt, dass der Zölibat weder direkt noch indirekt als Ursache für sexuelle Übergriffe anzusehen sei.

Im Kapitel „Risikofaktor Zölibat?“ heißt es darin, in der Öffentlichkeit sei „der Eindruck entstanden, dass katholische Kinder, die in ihren Kirchengemeinden beispielsweise als Ministranten tätig sind, ein besonders hohes Risiko haben könnten, Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester zu werden. Verschiedentlich wurde die These aufgestellt, der Zölibat sei mitverantwortlich für einen sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Priester und Ordensangehörige.“

Die erwähnte Ausarbeitung kommt nun auf die Fakten zu sprechen:

„Die bisher bekannt gewordenen Fakten scheinen allerdings nicht dafür zu sprechen, dass diese Einschätzungen zutreffen. So hat der „Spiegel“ Anfang Februar 2000 bei allen 27 Diözesen Deutschlands nachgefragt, wie viele Priester oder kirchlich angestellte Laien in ihrem jeweiligen Amtsgebiet seit 1995 als Tatverdächtige oder Verurteilte dieses Deliktes registriert worden sind. 24 Diözesen haben geantwortet. Stellt man die dort ermittelten Zahlen den polizeilich ermittelten Tatverdächtigen des sexuellen Kindesmissbrauchs für die Jahre 1995-2009 gegenüber, so entfiele auf die katholischen Priester ein Anteil von 0,1%.“

In der betreffenden Fußnote wird zudem angemerkt:

„Wenn man die dort benannten sieben Laien streicht, ergeben sich 117 verdächtige Priester – im Durchschnitt pro Bistum also 4,9. Unterstellt man ferner für die drei fehlenden Bistümer sicherheitshalber jeweils eine doppelt so große Zahl, also 30 weitere Personen, errechnet sich eine Gesamtzahl von 147 Priestern, die in den 15 Jahren bundesweit von der Polizei als Tatverdächtige registriert worden sind. Dem steht gegenüber, dass in Deutschland zwischen 1995 und 2008 die Zahl der polizeilich erfassten Tatverdächtigen des sexuellen Kindesmissbrauchs insgesamt 128.946 betrug. Rechnet man für 2009 den Durchschnittswert dieser 14 Jahre hinzu, ergibt sich für die 15 Jahre eine Gesamtzahl von rund 138.000.“

Außerdem stellt diese Analyse klar, dass die Theorie, wonach zwischen Zölibat und Kindesmissbrauch ein Zusammenhang bestände, auch rein psychologisch gesehen nicht haltbar sei, weil die pädophile Prägung  – also die sexuelle Orientierung an Kindern – weitaus früher ansetzt als eine im Erwachsenenalter erfolgte Entscheidung für den Zölibat. Hierzu heißt es:

„Zweifel ergeben sich ferner an der These, dass katholische Priester durch den Zölibat ein deutlich erhöhtes Risiko hätten, Täter des Missbrauchs zu werden. Gegen diese Annahme spricht zunächst, dass es sich bei einem Teil der Täter um pädophile Männer handeln müsste, also um Personen, deren sexuelle Präferenz sich zeitlebens auf Kinder richtet. Bei ihnen kann die spätere Entscheidung, als Priester eine Keuschheitsverpflichtung einzugehen, ihre sexuelle Grundorientierung also nicht befördert haben.“

(Quelle: http://forum.sexualaufklaerung.de/index.php?docid=1348)

Feministische Historikerin verteidigt den Zölibat

Die weitverbreitete Vorstellung von einem angeblichen Zusammenhang von Zölibat und Missbrauch erhielt zudem Widerspruch von feministischer Seite. So wendet sich die amerikanische Historikerin Dagmar Herzog, Autorin der wissenschaftlichen Studie „Die Politisierung der Lust“, ausdrücklich gegen die Verdächtigung dieser Lebensweise. index

Das „Deutschlandradio“ führte am 14. März 2010 ein ausführliches Gespräch über „Pädophilie und Pädagogik“ mit der Autorin aus New York, die in ihren Forschungen vor allem den Umgang mit Missbrauchsverbrechen in den USA und Irland untersuchte.

Frau Prof. Herzog wurde in dem Interview gefragt, was sie von der Ansicht des Hamburger Weihbischofs Jaschke halte, wonach der Zölibat eine Anziehungskraft für sexuell Fehlgeleitete ausübe.

Die Antwort der Historikerin: „Ich finde, daß das falsch ist.“ –  Es gäbe schließlich zahllose Männer, die mit dem Zölibat gut klarkämen.

Sexuelle Übergriffe kämen zudem auch in Familien und im linken Spektrum vor, wobei sie an die Odenwaldschule erinnerte: Dort habe man sich sogar bewußt die antiken Zeiten Griechenlands mit ihrem Päderastentum bzw. der sog. „Knabenliebe“ zum Vorbild genommen.

Die Geschichtswissenschaftlerin widersprach überdies jener vulgärpsychologischen „Dampfkessel-Theorie“, die besagt, eine Unterdrückung sexueller Triebe führe zu Fehlformen, krankhafter Sexualität, Machtrausch und Aggressionen  –  eine These, die nicht zuletzt auf Wilhelm Reich zurückgeht, einen Vordenker der „sexuellen Befreiung“.

Dagmar Herzog weist diese These zurück, denn sie sei falsch und gerade durch die NS-Diktatur widerlegt: Damals habe eine  –  im Vergleich zur Zeit davor – größere sexuelle Freizügigkeit geherrscht, gleichzeitig gab es aber auch eine Zunahme an Machtgier und Aggressionen. Die Sexual-„Moral“ der Nazis sei insgesamt nicht konservativ, sondern liberal gewesen.

Hierüber verfasste die feministische Autorin 2005 eine faktenreiche Studie mit dem Titel „Die Politisierung der Lust“ (Siedler-Verlag), worin sie analysiert, dass die NS-Zeit zu einer „Fortschreibung, Ausweitung und Intensivierung der bereits vorhandenen liberalisierenden Tendenzen“ führte. So haben die kirchenfeindlichen Nationalsozialisten z. B. die Strafbarkeit des Ehebruchs reduziert und voreheliche Sexualität propagiert.

Diese Stellungnahmen von Expertenseite  – seien es Psychiater, Historiker, Forensiker oder Therapeuten  –  widerlegen die in vielen Medien und bisweilen auch in kirchlichen Kreisen aufgestellte These, der Zölibat sei eine oder gar die maßgebliche Ursache für Missbrauch bzw. es bestehe ein erkennbarer Kontext zwischen beiden Aspekten.

Erstveröffentlichung dieses Artikels in der Zeitschrift „Theologisches“ vom Oktober 2018

Weiteres Info hierzu: https://charismatismus.wordpress.com/2018/10/02/sogar-zdk-praesident-sternberg-stellt-klar-kein-zusammenhang-von-zoelibat-und-missbrauch/


Zwei-Schwerter-Lehre: Kirche und Staat, Papst und Kaiser, geistliche und weltliche Macht

Von Dr. Josef Bordat

Die Balance zwischen geistlicher und weltlicher Macht konnte im frühmittelalterlichen Europa über Jahrhunderte aufrecht erhalten werden.

Im 5. Jahrhundert formulierte Papst Gelasius I. dazu die Zwei-Gewalten-Lehre, welche die weltliche Herrschaft des Kaisers, das regnum, und die geistliche Herrschaft des Papstes, das sacerdotium, auf eine Ebene stellte und dies mit zwei Schwertern symbolisierte: Dem gladius materialis für die weltliche Gewalt und dem gladius spiritualis für die geistliche Gewalt.

Dabei erscheinen beide Herrschaftsformen als Teile des einen Corpus Christi, wobei das regnum dem Körper und das sacerdotium der Seele entsprechen sollte. Im Ergebnis steht eine harmonische Koexistenz von Kirche und Staat.

Als dann im Investiturstreit, in dem es eigentlich darum ging, wer Bischöfe und Äbte in ihr Amt einsetzen durfte, Papst Gregor VII. triumphiert hatte und Kaiser Heinrich IV. im Büßerhemd den Gang nach Canossa antreten musste (1077), war die hierokratische Stellung der Kirche zementiert. Zur Hierokratie entwickelte sich im Hochmittelalter eine theologische Lehre, die ekklesiologische und soteriologische Aspekte verband.

Die Hierokraten begründeten den Vorrang der geistlichen Gewalt theologisch damit, dass sie davon ausgingen, der Corpus Christi, also die Gesamtheit der Gläubigen, bestünde aus zwei Ständen, dem des Klerus und dem der Laien. Wie die Kirche unter dem Haupte Christi stehe, so stehe nun jeder dieser Stände unter seinem Haupt, der Stand des Klerus unter dem Papst und der Stand der Laien unter dem Kaiser.

Quelle und FORTSETZUNG des Artikels hier: https://jobo72.wordpress.com/2017/08/20/kirche-und-staat/