Warum auch nach „okkulten Sünden“ ein Exorzismus verfehlt ist

Geistlicher Missbrauch durch Panikmache und „Befreiungsdienst“

Seit Jahrzehnten erhalte ich Anfragen von Gläubigen, die in eigener „Sache“ oder hinsichtlich ihres Bekanntenkreises von dem Gedanken umgetrieben werden, eine Teufelsaustreibung sei vonnötigen und die mich daher nach einem „kirchlich anerkannten“ Exorzisten fragen. 

Es ist zwar schon einmal grundsätzlich gut, wenn man sich nicht dem nächstbesten selbsternannten „Exorzisten“ oder gar einem charismatischen „Befreiungsdienstler“ von eigenen Gnaden zuwendet, sondern seriös nach einem amtlichen kirchlichen Vertreter fragt.

Aber einmal abgesehen davon, daß es hiervon in Deutschland nur sehr wenige gibt, ist es nicht Aufgabe dieser Priester, Menschen zu „exorzieren“, die überhaupt nicht besessen sind, sondern sich dies lediglich selber einreden oder durch Panikredner aufschwatzen ließen. Beispiele hierfür kenne ich in Hülle und Fülle.

Der Hintergrund ist fast immer der folgende:

Die Ratsuchenden haben sich  – teils vor längerer Zeit, teils noch unlängst – mit esoterischen Praktiken eingelassen, waren in Zaubereisünden oder sonstige okkulte Handlungen verstrickt etc.

Das ist dann natürlich die „Stunde der Charismatiker“: Kaum lernen sie solch einen Betroffenen kennen, reden sie ihm ein, er sei aufgrund seiner magischen Vergangenheit „besessen„, mindestens aber „okkult belastet“. 

Folglich ist ein Exorzismus, mindestens aber eine „Befreiungs-Seelsorge“ nötig, um den Geschädigten zu „heilen“. Daß dessen Probleme aber durch solch eine Falschdiagnose erstens verstärkt und zweitens alles andere als gelöst werden, wird nicht wahrgenommen.

Warum „Falschdiagnose“?

Weil auch schwerwiegende Magie-Sünden noch lange nicht zur Besessenheit führen, auch nicht ohne weiteres in eine sonstige Form von „satantischer Gebundenheit“.

Das hat die katholische Kirche auch nie (!) behauptet, vielmehr handelt es sich um Panik-Vorstellungen von sektiererischer und schwarmgeistiger Seite.

Es gibt auch in anderen Bereichen schwere Sünden, man denke nur an massive Verstöße gegen die Zehn Gebote  – etwa Mord, Ehebruch, schwerer Diebstahl, Verleumdung oder gar Glaubensabfall etc.

Was tun Katholiken, wenn sie umkehren wollen und Gottes Vergebung suchen? – Genau: sie bereuen ihre Laster und gehen zur Beichte. –  Keiner, der bei Verstand ist, kommt auf die Idee, einen Exorzisten aufzusuchen!

Warum nun sollte es denn bei Zauberei-Sünden anders sein? Sind sie etwa schlimmer als Mord und Totschlag? – Es gibt keine Sünde, die Christus im Sakrament der Buße nicht auslöschen könnte – vorausgesetzt, die Reue des Umkehrwilligen ist aufrichtig.

Auch der hl. Paulus hat sich in seinen Briefen an die urchristlichen Gemeinden – vor allem an die Korinther – intensiv immer wieder mit schlimmen Lastern befaßt, die „vom Reiche Gottes ausschließen“, sofern keine Buße erfolgt. 

Nicht ein einziges Mal – auch nicht im Zusammenhang mit ausdrücklich erwähnten Zaubereisünden – hat der Völkerapostel seine Gemeinden bzw. deren Vorsteher zum Exorzismus aufgerufen.

Damit soll wohlgemerkt nicht gesagt sein, es gäbe keine wirkliche Besessenheit  – aber die in charismatischen Kreisen ständige Fixiertheit auf einen sogenannten „Befreiungsdienst“ ist ein Irrweg sowohl der theologischen Sache nach wie auch zu Lasten der seelischen Gesundheit der Betroffenen, wie ich aus zahlreichen Gespräche mit Geschädigten weiß.

Es handelt sich objektiv eindeutig um seelsorglichen Missbrauch, um eine (un)geistliche Manipulation. (Ob diese Problematik den Fehlgeleiteten subjektiv bewußt ist oder nicht, steht auf einem anderen Blatt.)

Statt daß diese reumütigen Menschen ermutigt werden, die sakramentale Seelsorge der Kirche in Anspruch zu nehmen, werden sie völlig abwegig in Panik versetzt, als teuflisch besessen hingestellt und dem fragwürdigen Treiben eines selbsternannten „Befreiungsdienstlers“ unterworfen.

Dabei wird dies sogar praktiziert, wenn die Betroffenen nicht einmal selber in Zauberei-Sünden verstrickt waren, sondern lediglich  – angeblich  –  ihre „Ahnen“ bis zurück in die dritte oder vierte Generation (Urgroßeltern).

Dieses absurde Konstrukt nennt sich „Vorfahrensschuld“  – und ist dann immer noch ein willkommener Anlaß zur „Spezialseelsorge“, wobei die Gläubigen sich von den „Sünden ihrer Ahnen“ rituell lossagen sollen usw. Dazu gibt es auch noch Seminare und Einkehrtage, welche diesen Unfug lehren und betreiben.

Dazu kommt, daß das Einreden von „Besessenheit“ der Hölle sehr entgegenkommt. Warum? Weil die Betreffenden dann logischerweise meinen, ihre Sünden seien vom Teufel bewirkt, der durch sie gehandelt habe – also geht es dann nicht oder jedenfalls weniger um die eigene Verantwortung. Die Einsicht in eigene Schuld ist aber die wichtigste Voraussetzung für Reue und Sinnesänderung, also für eine Umkehr zu Gott. 

Nehmen wir als Anhaltspunkt für diesen ganzen Problembereich ein Beispiel aus dem Alten Testament, das uns zeigt, wie mit okkulten Lastern zu verfahren ist.

Es geht um den abgefallenen jüdischen König Manasse, der 55 Jahre lang in Jerusalem regierte. Er hatte zwar einen guten, gläubigen Vater (Hiskia), aber der Junior war ganz dem Götzendienst verfallen, wie wir in 2 Chronik 33 (1-20) nachlesen können. Er trieb es mit diesen „Greueln“ sogar noch schlimmer als die heidnischen Völker, die vor der Landnahme in Israel lebten (vgl. 2 Chr 33,2).

Er errichtete sogar Altäre für den Götzen Baal und die heidnische Göttin Aschera – und das nicht nur „auf den Höhen“ (auf Bergesgipfeln), sondern im Tempel des HERRN zu Jerusalem. Also schlimmer gings nimmer!

Auch in puncto Zaubereisünden war er unschlagbar:

„Er ließ seine Söhne durchs Feuer gehen im Tal Ben-Hinnom, und er trieb Zauberei, Beschwörung und Magie und ließ sich mit Totengeistern und Wahrsagegeistern ein. Er tat viel, was böse war in den Augen des HERRN, um ihn zum Zorn zu reizen.“

Gott warnte diesen gottlosen Herrscher und „redete zu Manasse und zu seinem Volk; aber sie achteten nicht darauf“.

Also zog der Ewige stärkere Register, um den König zur Umkehr zu bewegen. Er ließ den heidnischen Herrscher von Assyrien über Jerusalem kommen, die Heeresobersten nahmen Manasse gefangen und führten ihn ab nach Babel.

Da saß der König nun in seinem Elend – und ging endlich in sich: Und als er so bedrängt war, flehte er den HERRN, seinen Gott, an und demütigte sich sehr vor dem Gott seiner Väter und betete zu ihm.“

Und was tat der HERR? Ließ er dem König erst einmal durch einen Propheten oder Priester den Teufel austreiben? – Mitnichten!

Hier folgt die Antwort: „Und der HERR ließ sich von ihm erbitten und erhörte sein Flehen und brachte ihn nach Jerusalem in seine Königsherrschaft zurück. Da erkannte Manasse, dass der HERR der wahre Gott ist.“

Die Reue des „gefallenen Königs“ war echt, denn seiner Umkehr folgten handfeste Taten: 

„Und er tat die fremden Götter weg und das Götzenbild aus dem Haus des HERRN und alle Altäre, die er auf dem Zionsberg und in Jerusalem gebaut hatte; und er warf sie vor die Stadt hinaus. Und er baute den Altar des HERRN wieder auf und opferte auf ihm Heilsopfer und Dankopfer. Und er befahl dem Volk von Juda, dass sie dem HERRN, dem Gott Israels, dienen sollten.“

Was dieser Manasse sich an Abfall, Götzendienst und schlimmstem Aberglauben „geleistet“ hat – noch dazu als verantwortlicher Herrscher  – war schon von anderem Kaliber, als wenn sich in charismatischen Gebetskreisen  herausstellt, daß Frau M. vor zwanzig Jahren Zeitungs-Horoskope gelesen hat – oder ihr Urgroßvater einen Hellseher aufsuchte usw.

Bleiben wir also auf dem kirchlichen Teppich, auf dem Boden der Heiligen Schrift nämlich – und der Vernunft!

Ergänzender Artikel: https://charismatismus.wordpress.com/2019/02/18/wenn-der-exorzismus-die-beichte-verdraengt-und-die-noetige-umkehr-blockiert/

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

 

 


Vorsicht vor Grenzüberschreitungen und Missbrauch im „geistlichen“ Gewand

Von Felizitas Küble

Die Kirchengeschichte ist voll von religiöser Manipulation und Übergriffen im missbrauchten Namen Gottes  – oder speziell durch Vereinnahmung des „Heiligen Geistes“, zumal in der Pfingstbewegung und Charismatik, sicher auch in Sekten, Esoterik und Sondergruppen, aber beileibe nicht nur dort.

In pfingstlerischen Gruppen wird nicht selten eine Erwartungshaltung aufgebaut nach der Devise: Wer sich nach einer „Geisttaufe“ ausstreckt, gelangt zu einer höheren Stufe des Christenlebens – und dieser „Geistempfang“ erweist sich dann angeblich durch außerordentliche Charismata wie Zungenreden (Sprachengabe), prophetisches Reden, „Wort der Erkennis“, Heilungsgabe usw.

Von der Erwartungshaltung bis zum regelrechten Psychodruck ist der Weg nicht weit und mit vielen frommen Sprüchen bepflastert, teils auch mit mißbrauchten Bibelsprüchen (zB. „Strebt nach dem Geistesgaben“), die aus dem Zusammenhang gerissen werden.

Hierzu zwei typische Beispiele: Auf dem evangelischen Blog „Unendlich geliebt“ findet sich bei den Leserkommentaren ein Erlebnisbericht, verfaßt am 30.4.2012: http://www.unendlichgeliebt.de/2012/04/27/geistlicher-missbrauch-was-ist-das/

„Miri“ schildert dabei folgende Vorgänge:

„…Nachdem ich gläubig wurde, war ich in einem Gebetskreis und der Leiter hat mich bedrängt wie ein Irrer, in Sprachen zu beten. Ich wollte das nicht und ich konnte das nicht.

Das Ganze artete so aus, dass er sich mit mir persönlich getroffen hat, und mich gedrängt hat, mich hinzuknien. Dann hat er für mich gebetet und gesagt, ich hätte jetzt die Sprachengabe.
Ich war nicht dieser Ansicht und ich wollte die auch gar nicht. Mir gings auch ohne gut. Und dann hat er mir irgendein Zeug vorgesprochen und mich nicht eher aufstehen lassen, bis ich irgendwas gelallt hab, und dann sagte er: Siehst Du, Du hast die Sprachengabe.

Ich find das bis heute total obernotpeinlich und wenn ich Charismaten in Sprachen beten höre, da krieg ich bis heute das K….., obwohl die alle ja bestimmt nett sind.
Später dann auch bei den Charismaten: Sooo, wir gehn jetzt alle nach vorn und heben die Hände.  – Ich wollte weder nach vorn noch die Hände heben.

Oder auch total krass: Bibel aufschlagen, und dann ist dies das Wort für Dich. Da hatten wir eine ziemlich labile Person  – und sie schlug die Kreuzigung auf. Die war total am Abdrehen, weil sie dachte: Jesus sagt mir, ich bin so schlecht, dass ich ihn kreuzige.  – Völlig durch den Wind. Sowas ist doch auch geistlicher Mißbrauch.“
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Ja, keine Frage, beidesmal handelt es sich um (un)geistliche Manipulation, im ersten Fall um eine massive Grenzüberschreitung gegen den Willen der gläubigen Person.
Aber auch das „Bibelstechen“, die Bibel-Mantik ist ein verfänglicher Aberglaube im frommen Mäntelchen: Die Heilige Schrift ist Gottes Wort für uns, aber kein Orakel, kein Ersatz für die Anwendung des eigenen Verstandes, den Gott uns gab, damit wir vernünftige Entscheidungen treffen.
.
Siehe hierzu unseren Artikel aus dem Jahr 2012: https://charismatismus.wordpress.com/2012/05/20/bibelstechen-die-heilige-schrift-ist-kein-orakelbuch/ 


Manipulation per „Beichte“ in sektiererischen und schwärmerischen Bewegungen

Von Felizitas Küble

Zum Themenfeld „geistlicher Missbrauch“ gehören auch die Gehirnwäsche und pastorale Manipulation durch sektiererische Systeme, die unter dem Mantel vermeintlicher „Seelsorge“ versuchen, das innere Leben ihrer Mitglieder unter Kontrolle zu bekommen und sich zugleich einen Einblick in ihren „Sündenzustand“ zu verschaffen, zumal sich diese Kenntnisse hinterher bestens als Erpressungsmethode und Druckmittel eignen, falls der Anhänger später einmal „rebelliert“.                                        

In der katholischen Kirche verhindert das strikte Beichtgeheimnis solch gefährlichen Machtmißbrauch, denn auf einen Bruch des Beichtsiegels stehen schwere Kirchenstrafen bis hin zur Exkommunikation des Priesters.

Dazu kommt, daß z.B. in Klöstern und Seminaren streng zwischen dem „forum externum“ (äußere Leitung) und dem „forum internum“ (innerer Bereich) unterschieden wird. Das bedeutet z.B., daß der Abt eines Klosters nicht zugleich der Beichtvater seiner Mönche sein darf.  (Näheres hier: https://charismatismus.wordpress.com/2019/01/30/wie-und-warum-das-beichtsiegel-die-glaeubigen-vor-seelsorglichem-missbrauch-schuetzt/)

Ganz anders sieht die Lage für die Gläubigen aus, wenn sie in bestimmten religiösen Gemeinschaften dazu gedrängt werden, sich seelisch zu „outen“, gleichsam innerlich zu entblößen einschließlich einer Art Sündenbekenntnis  – aber gleichzeitig kein Beichtsiegel gilt, weil diese Quasi-Beichte z.B. vor einem ehrenamtlichen Mitarbeiter erfolgt, der auch nach weltlichem Recht  – da kein Pastor – nicht dem Seelsorgsgeheimnis unterliegt.

Solch eine Laienbeichte gibt es auch innerhalb „neuer geistlicher Gemeinschaften“ in der kath. Kirche, so etwa im Neokatechumenat oder bei der charismatischen „Gemeinschaft der  Seligpreisungen“: https://charismatismus.wordpress.com/2019/01/29/religioeser-missbrauch-durch-die-laienbeichte/

Mag sich hier ein möglicher Missbrauch hoffentlich noch in Grenzen halten, so wird es bei eindeutig sektiererischen oder extrem-schwärmerischen Gruppen ganz bedenklich, vor allem, wenn sie eine autoritäre Leitungsstruktur besitzen.

Dabei mag gerade bei protestantischen Christen, die das Bußsakrament nicht kennen, schon rein menschlich das Bedürfnis nach einer geistlichen Aussprache auftauchen: Probleme abschütteln, Lasten abwerfen, sich der Vergebung Gottes in sichtbarer Weise vergewissern.

Diese Bereitschaft, die innerhalb eines Beichtgeheimnisses gut aufgehoben wäre, wird aber von mißbräuchlichen Strukturen ausgenutzt, um die Machtbasis für die Leiter des jeweiligen Werkes zu festigen.

Dazu dokumentiert das aufschlußreiche evangelische Buch „Zerbrochene Flügel“ (siehe Abbildung) von Jutta Wilbertz erschütternde Beispiele. Zwei davon seien hier kurz beschrieben:

Alexander gehörte zu einer charismatischen Gruppe, die auf Gemeindewachstum fixiert war und deren Hauptpastor sich als gottgesalbter Prophet präsentierte:

„Was mich besonders unangenehm berührte, war das wachsende Bedürfnis des Pastors, alles unter Kontrolle haben zu wollen. So wurde den Seelsorgern weisgemacht, dass sie nicht dem Seelsorgsgeheimnis unterlägen und dem Pastor mit Namensnennung alle wichtigen Dinge aus Seelsorgsgesprächen berichten müssten. Das Seelsorgsgeheimnis sei schließlich nur für den Pastor bindend.

Daraus entwickelte sich ein allgemeines Kontroll- und Zuträgersystem…Es war meine Aufgabe als Seelsorgeleiter, dies den Seelsorgern zu vermitteln. Meine kritische Haltung blieb nicht verborgen und dem Pastor wurden zunehmend Dinge (über mich) zugetragen….“ 

Ähnliches, nur noch schlimmer, berichtet eine Frau Johanna, die in einer autoritär verfaßten Schwärmergruppe verstrickt war, deren weibliche Leiterin alles an sich zog, sich als Gotterwählte präsentierte und sogar ihren eigenen Ehemann geistlich kontrollierte.

Diese Guru-Frau kam auf die hintertriebene Idee, das Sündenbekenntnis, das die Mitglieder gegenüber ihren ehrenamtlichen Zuträgern abzulegen hatten, als „Gebetsreinigung“ zu verschleiern:

„Ich hatte die „Gebetsreinigung“ immer für eine Generalbeichte gehalten, in der unsere Leute sich von ihren Sünden abwendeten und Vergebung und Heilung empfingen. Bei den obligatorischen Bericht darüber gab ich lediglich weiter, dass der Betreffende wunderbar mitgemacht habe, alles andere wäre für mich eine Verletzung des Beichtgeheimnisses gewesen.“ – Doch die Leiterin reagierte darauf süß-sauer: „Erst nach und nach begriff ich, dass die eine Liste der gebeichteten Sünden haben wollte, aber das so im Klartext natürlich nicht sagen konnte.“

Sobald sich in einer Gruppe Tendenzen in dieser Richtung zeigen, heißt es: sofort aussteigen!

 


Wie und warum das Beichtsiegel die Gläubigen vor seelsorglichem Missbrauch schützt

Von Felizitas Küble

In der Öffentlichkeit wird viel über sexuellen Missbrauch diskutiert, doch für das Seelenleben vieler Menschen ist auch der geistliche Missbrauch äußerst verstörend und führt oft zu jahrelangen psychischen Problemen, nicht selten auch zu einer Abwendung vom Glauben.

Mir ist dies durch Gespräche mit Betroffenen seit Jahrzehnten bekannt.

Vor allem in sektiererischen und schwarmgeistigen Gruppierungen ist die Gefahr des religiösen Machtmissbrauchs groß, inbesondere dann, wenn sich eine charismatische Gründer- oder Führergestalt (sie kann auch weiblich sein) als besonders gottbegnadet präsentiert und von seinen Anhängern strikten Gehorsam verlangt.

Oft ist diese „Forderung“ nicht einmal nötig, weil sich die leichtgläubigen Schäflein von sich aus um ihren selbsternannten „Propheten“ scharen usw….

BILD: Der hl. Johannes Nepomuk  – hier seine Statue am Aasee in Münster – starb für das Beichtgeheimnis

Ein wirksamer Schutz vor geistlichem Missbrauch ist natürlich das Beichtsiegel, das für katholische Priester so strikt gilt, daß selbst der Papst einen Geistlichen nicht davon dispensieren (befreien) kann, auch nicht in einem Falle, in dem er sonst  – etwa in einer Diktatur – den Tod erleidet.

Allein das Beichtkind selber kann den Priester von seiner absoluten Schweigepflicht entbinden.

Allerdings ist nicht allen Katholiken klar, wie es um einige Einzelheiten steht, die mit dem Beichtsiegel verbunden sind.

Daher seien zwei wichtige Punkte erwähnt, die zum Schutz des Gläubigen vor spirituellem Missbrauch gehören:

  1. Vor Jahrzehnten berichtete mir eine Mitarbeiterin unseres Verlags folgendes: Ein Ordenspriester sagte ihr, sie möge sich bei der eigentlichen Beichte strikt auf das Sündenbekenntnis beschränken. Alle weiteren Themen und Fragen – etwa zu ihrem geistlichen Leben – möge sie nach Ablauf des Bußsakramentes mit ihm erörtern.  – Die junge Frau hielt sich leider an diese Aufforderung. Die Folge war, daß dieser Kleriker mit anderen Personen aus seiner geistlichen Gemeinschaft darüber sprach, denn sie hörte später von diesen Leuten entsprechende  Anmerkugnen. Da sie über gewisse innere Schwierigkeiten nur mit ihm gesprochen hatte, war klar, daß er ihr Vertrauen verletzt hatte.  Nun hat der Kleriker natürlich das eigentliche Beichtsiegel nicht verletzt, da es sich um Äußerungen n a c h  der Beichte handelte,  a b e r  er hat das Seelsorgsgeheimnis nicht eingehalten, das man auch als „Berufsgeheimnis“ (ähnlich der ärztlichen Schweigepflicht) bezeichnen könnte.  – Daher sei hiermit davor gewarnt, einer solchen Bitte nachzukommen, zwischen eigentlicher Beichte und „geistlichem Gespräch“ zu unterscheiden. Etwas anderes ist es, wenn der Gläubige von sich aus solch eine Trennung wünscht, aber auch dann sollte er sich vergewissern, ob der Priester wirklich vertrauenswürdig ist.
  2. Vor etwa 12 Jahren sagte mir ein Kaplan eher beiläufig, als wir uns über das Thema „geistliche Begleitung“ unterhielten, er halte es nicht für hilfreich, wenn Gläubige ihre Fragen und Erörterungen ins Beichtgespräch „reinpacken“, statt mit ihm außerhalb des Bußsakramentes darüber zu sprechen. Auf meine Rückfrage, warum er dies denn nicht so gut fände, antwortete er: Für die geistliche Leitung sei es bisweilen besser, wenn man auf das früher schon Besprochene später gegenüber dem Gläubigen „zurückgreifen“ könne. – Ich ahnte zwar, was er meinte,  erkundigte mich dann aber genauer über die kirchlichen Vorschriften. Es geht hierbei um folgendes: Dem Priester ist es strikt verboten, außerhalb der Beichte in irgendeiner Weise – und seien es nur Andeutungen – auf Inhalte zurückzukommen, die ihm zuvor von dem/der Betreffenden gebeichtet worden waren. Der Geistliche ist also nicht nur gegenüber anderen Personen zum Stillschweigen verpflichtet, sondern auch gegenüber dem Beichtkind selber. Nur dieses kann ihn hiervon entbinden und ihm erlauben, außerhalb der Beichte über etwas zu sprechen, das er nur durch eine vorherige Beichte wissen kann. 

Zum Schluß sei noch angemerkt, daß das Beichtsiegel in gewisser Weise auch für Nicht-Priester gilt. Man darf zwar über das mit anderen sprechen, was man selber gebeichtet hat, auch darüber, was der Priester gesagt oder empfohlen hat, man darf aber auf keinen Fall darüber reden, was man zufällig aus einer Beichte mitgehört hat, etwa wenn jemand im Beichtstuhl zu laut gesprochen hat.


Religiöser Missbrauch durch die „Laienbeichte“

Von Felizitas Küble

Eine frühere Mitarbeiterin meines KOMM-MIT-Verlages hat mir einst Folgendes berichtet:

Sie nahm in den 90er Jahren als Neuling an einer Gebetsversammlung der charismatischen „Gemeinschaft der Seligpreisungen“ in einer westfälischen Niederlassung des Werkes teil.

Nach viel Lobpreis-Musik und frommen Anwandlungen hieß es in Richtung der Besucherschar, man möge doch nach vorne kommen und mit einem Seligspreisungs-Mitglied gemeinsam beten und diesem dabei die eigenen Probleme eröffnen. So könnte Fürsprache gehalten und geistlicher Segen erteilt werden.

Die Aufforderung wurde mit dem Hinweis verknüpft, es gäbe ja wohl kaum jemanden, der nicht hier oder da innere Schwierigkeiten hätte und einer Gebetshilfe bedürfe.

Wie meine Freundin mir weiter mitteilte, seien  – außer ihr selber  – alle Teilnehmer doch tatsächlich nach vorne gekommen; sie blieb jedoch auf ihrem Platz, weil ihr diese Art einer „Laien-Beichte“ sehr merkwürdig vorkam. 

Wie ich meine: völlig zu Recht!

Solche Praktiken im frommen Deckmäntelchen sind ein besonders geeigneter Landeplatz für geistlichen Missbrauch. Warum dies?

  1. Weil sich hier Menschen mit ihren persönlichen Problemen „outen“, ohne daß der Hörende an ein Beichtgeheimnis gebunden wäre. Somit hat der „Bekennende“ keinerlei Gewähr dafür, daß seine Mitteilungen vertraulich gehalten werden.
  2. Weil solche „verschworenen“ Gruppen eng zusammenhalten und an weiteren Mitgliedern interessiert sind. Es besteht also die Gefahr, daß diese „Laien-Beichte“, die so freundlich als Gebetshilfe und Segens-Dienst präsentiert wurde, auch dazu benutzt wird, um die Neulinge auf die leichteste Art sehr persönlich kennenzulernen und auf diesem Wege schon einmal zu „sortieren“, ob sich der/die Teilnehmer/in für die eigene Gemeinschaft eignet – oder nicht.
  3. Wenn es sich dann auch noch um eine charismatische Gruppierung handelt, sollten erst recht alle Alarmglocken schrillen – und warum? Weil sich in diesen schwärmerischen Kreisen fast immer Leute befinden, die vorgeben, speziell geist-begnadet zu sein, eine „Seelenschau“ zu haben oder das „Wort der Erkenntnis“ von oben zu erhalten, also übernatürliche Einsprechungen des Himmels für die „besondere Situation“ desjenigen Menschen, mit dem sie gerade ihre „Seelsorge“ betreiben.

Leider weiß ich aus Berichten von Betroffenen zu viel davon, um hierüber zu schweigen.

Sogar ein Priester aus Bayern teilte mir mit, daß er das Opfer eines schwärmerischen Ordensmannes geworden ist, der angeblich die „Herzensschau“ besäße. Es hat länger gedauert, bis er diesen „spirituellen“ Machtmißbrauch durchschaute und sich loslösen konnte.

Ähnliches erfuhr ich z.B. von einer früheren Praktikantin unseres Christoferuswerks, die in Oberschwaben an charismatischen Exerzitien teilgenommen hatte und  noch Jahre später unter dem Vertrauensbruch gelitten hat, den der Seminarleiter sich erlaubte, als er ihre persönlichen Probleme vor der Gruppe bloßstellte.

Rein grundsätzlich gilt:

  1. Keinerlei vertrauliche Seeleneröffnungen gegenüber Laien, die man nicht näher kennt – und die als Nicht-Priester an kein Beichtgeheimnis gebunden sind.
  2. Sich auf keinen Fall gegenüber Personen outen  – auch wenn es sich um Geistliche handelt – die von sich behaupten, die „Seelenschau“ oder eine sonstige hellseher-ähnliche „Gabe“ zu besitzen.
  3. Sich nicht „gruppendynamisch“ zu etwas drängen lassen, nur weil „alle“ mitmachen und sich irgendeinen fromm erscheinenden Unfug aufschwatzen zu lassen  – siehe oben!

Es ist übrigens kirchenrechtlich verboten, daß Vorgesetzte außerhalb der Beichte (die durch das Beichtgeheimnis gesichert ist) von Untergebenen verlangen oder sie auch  nur dazu animieren, daß diese ihren inneren Seelen- bzw. Gewissenszustand offenbaren. Im can. 630 (§5) wird es Oberen ausdrücklich untersagt, die Ordensmitglieder „auf irgendeine Weise zu veranlassen, ihnen das Gewissen zu eröffnen.“

Damit schützt die Kirche mit ihrem CIC (Kanonischen Recht, Kirchenrecht) die Gewissensfreiheit der Gläubigen, was natürlich nicht nur innerhalb von Klöstern gilt, sondern genauso für die „neuen geistlichen Gemeinschaften“, die gerade in puncto religiöser Machtmißbrauch sehr anfällig sind, erst recht, wenn sie auch noch einem „charismatischen“ Gründer derart naiv bis fanatisch anhängen, als sei er schon zu Lebzeiten ein Heiliger….

Wer religiösen/geistlichen Missbrauch erlebt hat und Rat oder Ermutigung zum „Ausstieg“ sucht, kann sich gerne bei mir melden: felizitas.kueble@web.de   – Tel. 0251-616768

 


VORSICHT vor (un)geistlichem MISSBRAUCH

Von Felizitas Küble

Nachdem das Thema „sexueller Missbrauch“ in aller Munde ist, sowohl in wie außerhalb der Kirche, sieht es mit dem Problem des geistlichen Missbrauchs ganz anders aus. Hier ist weiterhin Totschweigen, Wegschauen und viel Nebel an der Tagesordnung.

Dabei wächst diese Giftpflanze immer stärker gerade in den „frommen“ Milieus  –  und das nicht zuletzt wegen der starken Ausbreitung sogenannter „neuer geistlicher Gemeinschaften“, die von kirchlichen Kreisen oft in allzu naiver Weise pauschal gelobt und gepriesen werden, ohne die zahlreiche Spreu vom sparsam vorhandenen Weizen zu trennen.

Der Zusammenhang ist offenkundig:

Viele dieser Gruppierungen sind teilweise sektiererisch oder charismatisch geprägt – oder beides zugleich. Häufig sind sie von einer angeblich besonders „begnadeten“ Person gegründet worden, die bisweilen durch Visionen oder „himmlische“ Einsprechungen von sich reden macht und dadurch ein besonders Maß und Ausmaß von religiöser Autorität beansprucht.

Auf solchen Sumpfblüten im religiösen Gewande blüht dann neben dem (un)geistlichen nicht selten auch der sexuelle Missbrauch – wir erinnern z.B. an die charismatisch-erscheinungsbewegte Vereinigung „Gemeinschaft der Seligpreisungen“, deren führende Gestalten sich für vorzüglich geistbegabt hielten – und zugleich sexuell an ihren Schutzbefohlenen versündigten: https://charismatismus.wordpress.com/2019/01/05/philipp-madre-und-seine-charismatische-fixierung-auf-das-wort-der-erkenntnis/

Aber auch ohne derartige Übergriffe ist der geistliche Missbrauch als solcher schon eine verheerende Gefahr für das seelisch-geistige Leben der Geschädigten.

Seit Jahrzehnten melden sich bei mir  – nicht zuletzt aufgrund meiner kritischen Berichterstattung über Charismatik und Esoterik  –  die Opfer irrgeistiger bzw. fanatischer Gruppierungen bzw. schwarmgeistiger „Heilungsprediger“.

Manche Menschen begleite ich jahrelang durch Zuspruch, Trost und Rat, weil es immer wieder neuer Ermutigungen bedarf, damit sich diese „Aussteiger“ psychisch völlig freischwimmen und auch theologisch eine klare Sicht erhalten. Wenn es gewünscht wird, verbinde ich diese gebeutelten Menschen mit nüchternen und bodenständigen (!) Seelsorgern.

In der Regel handelt es sich bei den Geschädigten um Gläubige, die sich in schwärmerische Bewegungen verstrickt haben und einen Ausweg suchen.

Gerade in extrem-charismatischen Kreisen gibt es nicht selten Personen, die von sich behaupten, eine angebliche „Seelenschau“ zu besitzen oder durch übernatürliche Einsprechungen einen direkten „Draht nach oben“ zu besitzen.

Wenn diese vermeintlich „Begnadeten“ dann jemanden aus den eigenen Reihen für besessen erklären, den sie aus verschiedenen Gründen ablehnen oder einfach infolge ihrer wahnhaften Verblendung mißdeuten, dann ist der nächste Schritt fast immer ein Quasi-Exorzismus, der gerne als „Befreiungsgebet“ bezeichnet wird.

Das ist aber keine Hilfe für die Betroffenen, sondern das genaue Gegenteil, denn dadurch wird doch die (verfehlte!) „Diagnose“ der Besessenheit zusätzlich bestätigt.

Es gibt freilich auch weniger grobschlächtige, eher subtilere, feiner wirkende Formen von spiritueller Abhängigmachung und Vereinnahmung unter den Deckmantel der „Seelsorge“ oder geistlicher Leitung.

Eine frühere Mitarbeiterin trat z.B. vor längerer Zeit in die Gemeinschaft „Das Werk“ ein, die 1938 von der „visionär“ begabten Julia Verhaege gegründet wurde.

Wir schickten unserer Ex-Praktikantin einige Monate nach ihrem Eintritt auf den Rat eines befreundeten Priesters hin einen kritischen Zeitungsartikel über diese merkwürdige katholische Vereinigung, damit sie „beide Seiten“ erfährt, eben auch die skeptische, um sich ein objektiveres Urteil bilden zu können.

Schon wenige  Tage später wurden wir zuerst von einem uns wohlbekannten Priester, der zugleich Theologie-Professor war, danach von einem katholischen Kardinal (!) angerufen und scharf kritisiert, was uns einfalle, über dieses ausgezeichnete „Werk“ herzufallen.

Wir wußten überhaupt nicht, wie uns geschah, da wir doch unserer Freundin einfach nur persönlich einen freundlichen Brief mit dem Zeitungsbericht zur Info geschickt hatten – noch dazu auf Empfehlung eines ebenso konservativen wie bodenständigen Jesuitenpaters. Offensichtlich ist ihre Post also vom „Werk“ kontrolliert worden!

Als es einige Zeit später zu einem Telefonat mit unserer ehem. Praktikantin kam, bemerkten wir an dem zurückhallenden Ton, daß das Gespräch auf Lautstärke gestellt wurde, unsere Freundin also gar nicht alleine mit uns reden konnte. Unter diesen Umständen war es im Grunde zwecklos, eine vernünftige Unterredung zu führen. 

Grundsätzlich gilt für jeden von uns das Prinzip:

Größte Vorsicht vor allen Personen, die sich als besonders „geistbegnadet“ präsentieren, die aufgrund vermeintlicher Visionen vorgeben, direkte Anweisungen „von oben“ zu empfangen oder die in sonst einer Weise versuchen, andere Gläubige in (un)spiritueller Weise von sich abhängig zu machen.

BETROFFENE von geistlichem Missbrauch können sich weiterhin gerne an mich wenden: felizitas.kueble@web.de  – oder per Tel. 0251-616768


Colonia Dignidad: Weitere Aufarbeitung der pädosexuellen Gewaltkolonie nötig

Von Felizitas Küble

Am 7. August 2018 berichtete die Sendung „Fakt“ des MDR über „Neue Ermittlungen im Fall Colonia Dignidad“. Es geht dabei um das tyrannische Regime, das Paul Schäfer aus Deutschland jahrzehnlang in Chile in seiner „Colonia Dignidad“ geführt hat.

Er hatte seine landwirtschaftliche Siedlung – die als „Musterbetrieb“ galt – 1961 gemeinsam mit Hunderten von Anhängern südlich von Santiago de Chile errichtet.

Dabei waren pädosexuelle Verbrechen an Kindern und Jugendlichen bis Ende der 90er Jahre an der Tagesordnung  – die meisten Opfer des freikirchlichen Sektenhäuptlings waren Jungen.

Er hätte seine Diktatur-Siedlung in Chile gar nicht aufbauen können, wenn er während seiner Tätigkeit als baptistischer Diakon und Jugendpfleger (!) in Deutschland in den 50er Jahren von seinen Arbeitgebern wegen seiner päderastischen Übergriffe angezeigt und dann verurteilt worden wäre – stattdessen wurde er lediglich teils entlassen, teils von einem Posten auf den anderen geschoben.

Erst 1961 kam es zu einem Haftbefehl gegen ihn, worauf er erst nach Luxemburg und dann nach Chile flüchtete. Viele der von ihm mißhandelten Kinder und Jugendlichen wurden sodann in sein Folterlager, das er in Chile errichtete, entführt  – wohl nicht zuletzt deshalb, damit sie deutschen Gerichten nicht mit ihren Aussagen zur Verfügung stehen konnten. 

Das RECHT hilft der JUGEND

Wenngleich Schäfer der schlimmste Täter in der deutsch-chilenischen Kinderschänder-Kolonie war, so doch nicht der einzige. Einige der pädosexuellen Kriminellen sind in Deutschland noch auf freiem Fuß. Inzwischen – so die Sendung „Fakt“ – kommen Ermittlungen gegen mutmaßliche Täter in Bewegung.

Paul Schäfer und einige seiner Komplizen wurden im Jahre 2006 von chilenischen Gerichten wegen sexuellem Mißbrauch, Vergewaltigung und Mißhandlung chilenischer Kinder verurteilt (Schäfer zu 33 Jahren Knast, in welchem er 2010 verstarb).

Schäfers gleichartige Verbrechen gegenüber deutschen Kindern in der Kolonie wurden jedoch nicht verhandelt; dasselbe gilt für seine Komplizen. Deshalb ist eine Aufarbeitung der Schicksale überfällig – sowohl durch die Justiz wie auch durch die Medien..

Allerdings hält sich das öffentliche Interesse an diesem Thema in den letzten Jahren in Grenzen, obwohl das Mißbrauchs-Thema sonst in aller Munde ist.

Bei Fällen von systematischen und „ideologisch“ (z.B. satanisch oder sektenhafter) begründeten Verbrechen an Minderjährigen bzw. Abhängigen spricht man von „ritueller Gewalt“. Dazu gehört zweifellos auch das Sektenlager von Paul Schäfer.

Artikel: Bundeszentrale für politische Bildung: http://www.bpb.de/internationales/amerika/lateinamerika/44693/colonia-dignidad
Anti-Sekten-Infos zu Colonia Dignidad: https://www.infoportal-rg.de/?faelle=colonia-dignidad
Literatur: Rituelle Gewalt – Das (Un)heimliche unter uns. Dialogverlag Münster 2014. Wissenschaftliche Grundlagen und Erfahrungsberichte. 360 Seiten.
Film: Im Namen des Teufels. Rituelle Gewalt in satanistischen Sekten. Aussteiger-Berichte und Interviews mit Experten.