El Salvador: Angebl. Mißbrauchs-Priester erweist sich nach drei Jahren als unschuldig

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Laut einem Bericht der katholischen Nachrichtenseite „Kath.net“ hat sich nach drei Jahren die Unschuld eines Priesters aus El Salvador herausgestellt, nachdem sich ein Zivilgericht mit dem Fall beschäftigte und die Beschuldiger ihre Anklagen selber als unwahr zurückgezogen haben.
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Zuvor war José Antonio Molina vorgeworfen worden, Jugendliche in den neunziger Jahren sexuell belästigt zu haben. Der Erzbischof von El Salvador und der Papst hatten ihn daraufhin amtsenthoben und suspendiert (aller priesterlicher Funktionen enthoben).
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Einer der damaligen Ankläger, Isaí E. Mendoza, hat sich inzwischen öffentlich bei dem Priester entschuldigt. Der Geistliche erklärte gegenüber lokalen Medien, er habe allen verziehen, die ihn einst falsch beschuldigten.
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Solche Fälle unschuldiger Verurteilungen gibt es auch in Deutschland – z.B. im Bistum Eichstätt, als ein Priester gerichtlich rehabilitiert wurde: https://charismatismus.wordpress.com/2014/12/16/pfarrer-falschlich-des-misbrauchs-beschuldigt-er-kehrt-in-seine-pfarrei-zuruck/
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Im Frühjahr dieses Jahres geschah etwas Ähnliches in Frankreich: https://charismatismus.wordpress.com/2019/03/01/frankreich-ehepaar-wg-missbrauchs-verleumdung-eines-kath-priesters-verurteilt/

Pater Lothar Groppe ist seit 60 Jahren Priester

Von Felizitas Küble

Der weithin bekannte Jesuitenpater und Schriftsteller Lothar Groppe erreichte gestern (30. Juli) das gesegnete Alter von 92 Jahren; heute  – am 31. Juli 2019  –  feiert der Geistliche in Berlin sein 60-jähriges Priesterjubiläum.

Der glaubensstarke Gottesmann hat noch vor drei Jahren ein fundiertes Sachbuch veröffentlicht, das sich vor allem mit der Rettung von Juden und „nichtarischen Katholiken“ in Wien befaßt.

Der Titel lautet: „Kirchlicher Einsatz für Juden im Dritten Reich“. (Näheres hier: https://charismatismus.wordpress.com/2016/09/28/wie-jesuitenpater-ludger-born-und-sr-verena-buben-bedrohte-juden-retteten/)

Lothar Groppe kam am 30. Juli 1927 im westfälischen Münster als Sohn des späteren Generalleutnants Theodor Groppe zur Welt. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Westfalen, Ostpreußen, Oberschlesien, Pommern, Hessen und Bayern.

Nach Kriegseinsatz studierte er Rechtswissenschaft und trat am 7. September 1948 in die „Gesellschaft Jesu“ ein. Es folgte das Lizenziat der Philosophie, am 31. Juli 1959 empfing er die Priesterweihe.

P. Groppe wirkte jahrzehntelang als Krankenhausseelsorger in Bad Pyrmont und als Schriftsteller, zeitweise auch als Gemeindepfarrer in Österreich, als Dozent und Militärdekan an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg sowie als Leiter der deutschen Sektion von Radio Vatikan.

BILDER: Titelfotos zweier Bücher von Pater Groppe: „Theodor Groppe – der Schwarze General“ und „Kirchlicher Einsatz für verfolgte Juden im Dritten Reich“

Von 1973 bis 1987 hielt er Vorlesungen und Seminare für die österreichischen Generalstabs-Lehrgänge.

Der Geistliche ist nicht nur Sohn des Widerstandskämpfers Theodor Groppe, sondern hat selber als Schuljunge von 12 Jahren deutlich gegen Hitler Stellung bezogen. Er war mehrfach „Gast“ der Gestapo. Nach dem Krieg wurde er von der Besatzungsmacht als „politischer Verfolgter“ anerkannt.

Sein Vater Theodor Groppe war Generalleutnant und Divisionskommandeur am Westwall. Man nannte ihn wegen seiner grundkatholischen Haltung den „Schwarzen General“. Im 1. Weltkrieg erhielt er zahlreiche Tapferkeitsauszeichnungen, darunter den höchsten Orden Pour le Mérite, der nur 687 mal vergeben wurde. (Im Vergleich dazu wurden im 2. Weltkrieg 6 bis 8 Millionen „Eiserne Kreuze“ verliehen.)

In der Stadt Hanau, wo Theodor Groppe einige Zeit gewirkt hatte, wurde eine Straße nach ihm benannt (siehe Foto).

Die Tugend der Tapferkeit liegt anscheinend in der Familie Groppe. Auch der Vater des „Schwarzen Generals“ war Offizier und wurde dann Verleger. Im Kulturkampf druckte er die verbotenen Hirtenbriefe des Bischofs von Trier und wurde wegen „Majestätsbeleidigung“ zu zwei Jahren Gefängnis und hoher Geldstrafe verurteilt. Die Gefängnisstrafe wurde in Festungshaft verwandelt, weil er Offizier war.

Weil Theodor Groppe den NS-Schergen widerstand, insbesondere SS-Reichsführer Himmler widersprach, wurde er 1942 militärisch degradiert, aus der Wehrmacht ausgestoßen und im August 1944 von der Gestapo verhaftet. Durch Flucht aus der Festung Küstrin entging er der geplanten Hinrichtung und konnte die Kriegszeit überleben.

Der mutige General verhinderte durch seinen Schießbefehl gegen Judenverfolger eine von der NSDAP befohlene „Volkskundgebung gegen die Juden“. Vor allem bei Juden im Saarland war er als „Retter“ bekannt und bewundert.

Sein Sohn Lothar hielt sich auch selber an die geradlinige und unbeugsame Art seines Vaters. Er widerstand dem braunen ebenso wie später dem roten Zeitgeist und orientierte sich klar an christlichen Prinzipien und der katholischen Glaubenslehre. Seine Predigten und Vorträge waren gehaltvoll, mitreißend, präzise und bodenständig.

Der schwungvolle Pater publizierte jahrzehntelang in dutzenden Zeitungen und Zeitschriften von „Theologisches“ über die „Junge Freiheit“ oder die „Preußische Allgemeine Zeitung“ bis zu „Soldat im Volk“ oder Schriften des BdV (Bund der Vertriebenen).

Seine klare katholische Ausrichtung hinderte ihn keineswegs daran, eine vernünftige Ökumene mit theologisch konservativen Protestanten zu pflegen. So schrieb er z.B. regelmäßig für die Zeitschrift „Erneuerung und Abwehr“ der Evangelischen Notgemeinschaft und hielt Reden vor evangelikalen Initiativen. 

Bis heute steht der Geistliche im freundschaftlichen Kontakt mit evangelischen Christen. So half ihm z.B. der Unternehmensexperte und Publizist Dr. Bernd F. Pelz (siehe Foto) sachkundig beim Lektorat und der Erstellung des Groppe-Buches über „Kirchlichen Einsatz für Juden im Dritten Reich“. Außerdem unterstütze Dr. Pelz seinen priesterlichen Freund tatkräftig bei mehreren Umzügen.

Pater Groppe SJ gehörte zu dem vom deutschen Juden Gerhard Löwenthal („ZDF-Magazin“) mitgegründeten „Konservativen Büro“ in Bielefeld. 

Ähnlich wie der  –  ebenfalls NS-verfolgte  –  Löwenthal setzte sich Groppe stets für einen gesunden Patriotismus und entschieden für die deutsche Wiedervereinigung ein; zudem würdigte er die Heimatvertriebenen aus den Ostgebieten und erinnerte immer wieder an ihr tragisches Schicksal, was oftmals wütende Schmähkritik von links hervorrief.

Der Geistliche hatte guten Kontakt mit Erzbischof Johannes Dyba, dem am 23. Juli 2000 plötzlich verstorbenen Oberhirten von Fulda. Im Dyba-Gedenkband „Der Löwe von Fulda“ aus dem KOMM-MIT-Verlag (siehe Foto) ist ein fundierter Beitrag von Pater Groppe enthalten. Darin würdigt er den unerschrockenen Bischof von Fulda sowohl als Bischof wie auch als Mensch und Mitbruder.

Pater Groppe wirkte von 1982 bis 2007 als Krankenhauspfarrer in Bad Pyrmont. Einige Zeit später war er als Seelsorger an einer Mutter-Kind-Klinik in Timmendorfer Strand tätig. Seit August 2015 lebt der unbeugsame Geistliche im Seniorenheim des Jesuitenordens in Berlin-Kladow.

Seine Freunde sowie unser Christoferuswerk und KOMM-MIT-Verlag wünschen ihm ein frohes Priesterjubiläum und Gottes reichen Segen!


Seligsprechungsprozeß für Pfr. Hamel läuft

Wie Erzbischof Lebrun von Rouen bekannt gab, ist die diözesane Phase des Seligsprechungsprozesse von Pfarrer Jacques Hamel abgeschlossen.

Der französische Geistliche wurde am Morgen des 26. Juli 2016 von zwei bewaffneten Kämpfern des IS am Altar in der Kirche Saint Etienne in Rouvray (Normandie) ermordet, während er dort eine heilige Messe zelebrierte.

Papst Franziskus hatte die Erlaubnis erteilt, bereits wenige Monate nach seinem Tod einen Seligsprechungsprozess zu eröffnen.

Pfarrer Jacques war ein Mann des Friedens, aber „er wurde ermordet, als ob er ein Verbrecher wäre“, sagte Papst Franziskus am 14. September 2016. „Er gab sein Leben für uns, er gab sein Leben, weil er Jesus nicht verleugnen wollte.“

Nach einer entsprechenden Bekanntgabe am Karfreitag, den 13. April 2017 wurde die Diözesanphase des Seligsprechungsverfahrens am 20. Mai 2017 offiziell eröffnet und nun am vergangenen 9. März mit der abschließenden Sitzung im Erzbistum Rouen beendet.

Während dieser Phase fanden 66 Anhörungen statt, bei denen die fünf Augenzeugen des Mordes angehört wurden, 51 weitere Zeugen wurden geladen (darunter Familienangehörige von Pfarrer Hamel, Freunde, Gemeindemitglieder, Priester…) und 5 Zeugen von Amts wegen.

Die Hauptfragen betrafen den Mord, die Umstände des zu untersuchenden Martyriums, das Leben von Pfarrer Hamel und wie er die christlichen Tugenden lebte, sowie sein Ruf der Heiligkeit und die Gebetserhörungen, die seiner Fürsprache zugeschrieben werden.

Zwei Theologen untersuchten laut Aussage der Erzdiözese die in den Pfarrbriefen veröffentlichten Schriften von Pfarrer Hamel und die Texte seiner Predigten, insgesamt rund 650. Das vollständige Dossier, das jetzt an die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsverfahren im Vatikan geschickt wird, umfasst 11.496 Seiten plus einige Anhänge.

Quelle: Fidesdienst


Frankreich: Ehepaar wegen Missbrauchs-Verleumdung eines kath. Priesters verurteilt

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Wie die französische Tageszeitung „La Croix“ meldet, wurde ein älteres Ehepaar von einem Strafgericht in Châlons-en-Champagne am 27. Februar zu drei Monaten Haft verurteilt, weil es einen katholischen Geistlichen verleumdete, wonach er des sexuellen Missbrauchs an vier Jugendlichen schuldig sei.
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Der Priester wirkte zum Zeitpunkt des vermeintlichen Geschehens im Wohltätigkeits-Heim Foyer de Charité von Baye in Marne. Dort lebt das Renter-Ehepaar seit 2013. 
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Der liberale Islamgelehrte Borudscherdi wurde im Iran mehrfach verhaftet und gefoltert

Seyyed Hossein Kazemeyni Borudscherdi (siehe Foto) ist der wahrscheinlich bekannteste hochrangige schiitische Geistliche im Iran, der sich nachdrücklich für eine Trennung von Religion und Staat einsetzt.

Er kritisiert damit das Fundament der Islamischen Republik Iran: die Herrschaft der Ajatollahs (höhere Geistlichkeit).

Aus diesem Grund verhafteten ihn die iranischen Behörden mehrfach. Durch Misshandlungen und Folter leidet er unter schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen. Ein Sondergericht für die Geistlichkeit verurteilte ihn zum Tod. Nach internationalen Protesten wandelte die iranische Jusitz das Todesurteil in eine elfjährigen Haftstrafe um, die er von 2006 bis 2017 verbüßte.

Seit dem 4. Januar 2017 steht er unter Hausarrest. Seine Freiheit ist jedoch durch eine 24-stündige Überwachung und zahlreiche weitere Einschränkungen sehr stark beeinträchtigt. Konstant erhält er Drohungen wieder verhaftet oder umgebracht zu werden. Zusätzlich verschlechtert sich sein gesundheitlicher Zustand. Dringend notwendige medizinische Versorgung wird von den Behörden unmöglich gemacht.

Zur Person

Seyyed Hossein Kazemeyni Borudscherdi wurde im Jahre 1958 westlich von Teheran geboren und ist ein iranischer liberaler, (ehemalig) hochrangiger schiitischer Geistlicher – er selbst verwendet seinen Titel Ajatollah (“Zeichen Gottes”) nicht mehr und möchte auch nicht mehr so angesprochen werden.

An oberster Stelle unterstützt er die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Neben seinem Einsatz für die Trennung von Religion und Staat engagiert er sich für die Sicherung der Grundfreiheiten, für die Abschaffung der Todesstrafe und jede Form von Folter und erniedrigenden Strafen. Er publizierte mehrere Abhandlungen zum Koran und zur Spiritualität und gewann dadurch eine wachsende Anhängerschaft.

Verhaftung und Prozess

Bereits im Jahre 1995 wurde Borudscherdi das erste Mal verhaftet und gefoltert. Im Jahr 2006 stürmten Sicherheitskräfte sein Haus und folterten ihn erneut bereits während der Vernehmung. Die Anklage umfasste 30 unterschiedliche Punkte, u.a. „Gefährdung der Sicherheit des Landes“, „Unruhestiftung“, sowie „Infragestellung der islamischen Ordnung unter Ajatollah Khamenei“.

Im Jahre 2007 verurteilte ein Sondergericht für Geistliche ihn zum Tod, ohne das Urteil oder eine Begründung zu veröffentlichen. Internationale Aufmerksamkeit und Proteste gegen das Urteil ermöglichten ein Berufungsverfahren.

2009 schrieb er einen Brief an den damaligen UN-Generalsekretär Ban-Ki Moon, in dem er um internationale Beobachter bei einem Referendum über das Rechtssystem im Iran bat. Darauf folgte erneute Folter, Isolationshaft und verweigerte medizinische Versorgung. Insgesamt verbrachte er mehrere Monate in Einzelhaft.

Aktueller Stand

Borudscherdi wird rund um die Uhr beobachtet. Er darf nur für vereinzelt genehmigte Krankenhausbesuche das Haus verlassen. Besuche – auch Arztbesuche – verweigern die Behörden. Sie verbieten ihm, Texte zu veröffentlichen, zu verfassen und mit Medien zu sprechen.

Er leidet unter schweren gesundheitlichen Problemen, unter anderem an Herzproblemen, Nierenerkrankungen, einem Bandscheibenvorfall im Lendenbereich und einer Spinalstenose. Diese bereiten ihm unerträgliche Rücken- und Beinschmerzen und führen zu Taubheit und einem Kribbeln in seinen Händen und Füßen. Nach Angaben seiner Ärzte resultieren ein Großteil der gesundheitlichen Beschwerden aus den Misshandlungen, der verweigerten medizinischen Versorgung und anderen erlittenen Haftumständen.

Quelle und Fortsetzung des Artikels hier: https://www.igfm.de/hossein-borudscherdi/


Marokko: Drogenschmuggler bekehrt sich im Knast mit Hilfe einer alten Bibel

Auch das Gefängnis könne ein Ort, an dem Gott verzweifelten Menschen begegnet. Davon ist der italienische Missionar Pater Matteo Revelli von der Gesellschaft für Afrikamissionen überzeugt, der als Priester die Pfarrei „St. François d’Assise“ in Fès (Marokko) betreut.

„Ich besuchte die Häftlinge im Gefängnis von Fez“, berichtet er: „Drei von ihnen, die wenige Tage später freigelassen werden sollten, gaben mir ein ziemlich schweres Paket mit drei abgenutzten Bibeln“.

Der Geistliche erzählt weiter: „Einer gab mir eine große mindestens 1,5 Kilogramm schwere alte Bibel: sie war abgenutzt, hatte Fettflecken und verklebte Seiten, unterstrichene Abschnitte und fehlenden Seiten.“

Dann nahm er ihn  – den Pater  – beiseite und vertraute ihm an, dass er die Bibel seit 20 Jahren bei sich trage. Er hatte sie als ersten Preis in einem Bibelwettbewerb in seiner Heimat gewonnen und sie auf seinen abenteuerlichen Reisen durch die Welt überall mitgenommen.

„Er hatte jahrelang Kokain aus Lateinamerika nach Europa oder Afrika geschmuggelt“, sagt Pater Revelli und fügt hinzu:

„Er hat mir gestanden, dass er es nie wagte, diese Bibel in der gleichen Tasche mit Drogen zu tragen.

Eines Tages wurde er während seines letzten Transits in Marokko festgenommen, wo er sich seit neun Jahren aufhielt, aber nur den Flughafen und die beiden Gefängnisse kannte, in denen er zusammen mit anderen marokkanischen Häftlingen inhaftiert war.

Bei seiner Freilassung aus dem Gefängnis kannte er den marokkanischen Dialekt und die Bibel perfekt. Er vertraut mir an, dass die Heilige Schrift seine einziger Rückhalt während der Haftjahre war und dass er das Buch nun nicht mehr brauchte, weil er es inzwischen auswendig gelernt hatte.“

Der Mann hat dem  Seelsorger diese Bibel anvertraut, damit er sie einem anderen Gefangenen weitergibt:

„Als ich diese abgenutzte Bibel entgegennahm und meine gepflegte und saubere Bibel sah, empfand ich fast so etwas wie ein Schamgefühl“, erklärt Pater Revelli. Diese Bibel zeuge vom Leben eines Mannes, der in seiner Gefangenschaft auf das Wort Gottes gestoßen ist.

Die Arbeit von Priestern, Ordensleute und gläubigen Laien in den Gefängnissen von Fès biete auch anderen Häftlingen dieselbe Möglichkeit.

Quelle: Fidesdienst


Warum die Zelebration zu GOTT hin besser ist

Von Felizitas Küble

Als Kurienkardinal Sarah – Präfekt der Gottesdienstkongregation –  vor zwei Jahren einige liturgische Klarstellungen vornahm, war die Aufregung groß.

Der römische Würdenträger aus Afrika (siehe Foto) ermutigte die Priester, die heilige Messe „ad Deum“ (zu Gott hin) zu feiern; man spricht auch von der Zelebration „versus orientem“ (zum Osten hin) bzw. von einer Ausrichtung des Priesters „zum Altar hin“.

Die heute meistverbreitete Praxis ist hingegen jene „versus populum“ – also zum Volk hin, der Priester wendet sein Angesicht dabei der Gemeinde zu.

Manchmal hört man die Behauptung, diese neue Ausrichtung sei vom 2. Vatikanum beschlossen worden bzw. sie sei eine Vorschrift der Liturgiereform nach dem Konzil.

Diese These ist in beiden Varianten falsch. Das Vatikanische Konzil hat sich zu dieser Frage überhaupt nicht geäußert, geschweige zum Bau von „Volksaltären“ aufgefordert. Durch die Liturgiereform wurde die Ausrichtung „versus populum“ zwar erlaubt, aber nicht vorgeschrieben. Auch nach dem NOM (neuen Meßbuch) ist die frühere Zelebration zum Altare hin weiter möglich.

Es wäre auch gleichsam „verrückt“, wenn es anders wäre, denn immerhin besteht diese klassische Priester-Orient-ierung seit zweitausend Jahren, sie war schon in der frühen Kirche die übliche Gebetsausrichtung des Priesters, der Diakone, der Meßdiener – und der Gemeinde.

Wohlgemerkt: Auch die Gläubigen wandten sich gemeinsam mit dem Geistlichen „zum Altar hin“, der meist „geostet“ war, also nach Osten hin ausgerichtet. Das hatte eine symbolische Bedeutung, denn es galt das Leitwort, das bereits die alttestamentlichen Juden kannten: „Aus dem Osten kommt das Licht“. So sind die Synagogen bis heute immer geostet, damit der Schrein mit den Thorarollen „gen Osten“ steht. 

Diese Orient-tierung hat auch eine eschatologische (endzeitliche) Bedeutung und beinhaltet in zeichenhafter Weise, daß wir „dem HERRN entgegengehen“. Wir erwarten den einst wiederkommenden Christus, der für uns Gläubige das „Licht der Welt“ ist.

Obwohl das nachkonziliare neue Meßbuch also auch die frühere Zelebrationsrichtung gestattet, findet sie in der Praxis kaum noch statt  – natürlich mit Ausnahme der „alten Messe“ nach dem überlieferten Ritus, dort ist diese Meßfeier „zum Altare hin“ ohnehin selbstverständlich und verpflichtend zugleich.

BILDER: Traditionelle hl. Messe in der Kapelle von Schloß Assen beim Sommerfest 2018

Was ist nun theologisch und liturgisch besser, aber auch „pastoral“ geeigneter?

Zunächst sind folgende Fakten zu bedenken:

  1. Die Ausrichtung „ad Deum“ (zu Gott, zum Altar hin) ist die frühchristliche und seit fast zweitausend Jahren übliche Form der Zelebration. Sie besitzt somit den Vorzug des Ursprungs und der beständigen Überlieferung. Diese kommt nicht von ungefähr, sondern beruht wiederum auf theologischen Gründen.
  2. Auch die Ostkirchen – sowohl die unierten Kirchen wie die orthodoxen Konfessionen  – praktizieren diese Liturgie-Ausrichtung „ad Deum“ bis heute, ebenso die altorientalische koptische Kirche (Ägypten, Äthiopien).

Wie steht es nun mit dem Einwand, durch die neue Zelebrationsrichtung „zum Volk hin“ sei eine stärkere Gemeinsamkeit zwischen dem Priester und seiner Gemeinde erkennbar, da sie sich sozusagen „einander zuwenden“?

Der Gleichklang des Betens und Feierns besteht aber doch gerade in einer gemeinsamen (!) Gebetsrichtung, nämlich daß sowohl der Geistliche wie die Ministranten und das Kirchenvolk einmütig zum Altar hin ausgerichtet sind.

Im Mittelpunkt der heiligen Messe steht nicht der Mensch, auch nicht der Priester, sondern GOTT – und daher wenden sich  b e i d e  dem Höchsten zu, dessen Erhabenheit und Gegenwart durch den Altar versinnbildlicht wird. 

Das Mindeste ist aber ein Kreuz auf dem Altar, so daß sich Priester und Gemeinde wenigstens zu diesem Kreuz als dem symbolischen Zentrum der Feier hinwenden. Aber in vielen Kirchen finden wir kein Kreuz auf dem Volksaltar.

Die Ausrichtung „zum Altar hin“ gilt konkret für das sakramentale Meßopfer, also für die Eucharistiefeier im engen Sinne. Der Wortgottesdienst wurde auch früher größtenteils zum Volk hin vollzogen, etwa die Lesungen in deutscher Sprache oder auch die Predigt. Hier geht es nicht um Gebete, sondern um das Hören auf Gottes Wort und des Priesters Auslegung.

Somit dürfte klar sein, daß gerade die neuzeitlich so beliebte Argumentation hinsichtlich der „Gemeinschaft“ von Volk und Priester für die Zelebration zum Altare hin spricht, denn hierbei findet eine einheitliche Gebetsausrichtung statt, man schaut gemeinsam in dieselbe Richtung – nicht jedoch bei der neu-liturgischen Variante „versus populum“.

Zudem wollte man doch angeblich von der Priester-Zentrierung abkommen, also eine allzu starke Betonung des Zelebranten vermeiden, auf daß das „wandernde Gottesvolk“ nicht zu kurz komme etc.

Auch hierbei ist das Gegenteil erreicht worden: Durch die Zelebration zum Volke hin steht der Priester weitaus mehr Mittelpunkt als früher, seine Gestik ist ständig gegenwärtig, sein Gesicht unentwegt sicht-bar, was vor allem bei der heiligen Wandlung unangemessen wirkt, denn der Liturge am Altar ist lediglich Statthalter Christi, der eigentliche Opferpriester (und auch die Opfergabe selbst) ist aber unser HERR.

Die Gläubigen sollen sich nicht auf die (Privat-)Person des Priesters, sondern auf den „ewigen Hohenpriester“ konzentrieren, auf Christus also!

Dazu kommt, daß es vermutlich für die innere Sammlung und Andacht des Geistlichen auch nicht sehr förderlich ist, wenn er ständig im Blickkontakt zu seiner Gemeinde stehen muß. Nicht einmal beim Höhepunkt der heiligen Messe darf er mal kurz alleine sein, auch dort wird ihm vom Kirchenvolk ins Gesicht geschaut.

Es ist also für die Andacht und Frömmigkeit sowohl des Priesters wie der Gemeinde besser, wenn der Zelebrant zum Altare hin zelebriert!

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MiT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt