So habe ich Fronleichnam in Haus Assen erlebt

Von Dominik Terhorst

Nachdem im letzten Jahr in meiner Gemeinde keine Fronleichnamsprozession angeboten worden war, hatte ich doch wenigstens in diesem Jahr wegen sinkender Coronazahlen darauf gehofft.

Doch beim Durchblättern unserer Kirchenzeitung, die zumindest noch einen Überblick über die angebotenen Gottesdienste in der Umgebung gibt, wurde ich leider eines Besseren belehrt.

Weit und breit keine Fronleichnamsprozession vorgesehen.

Manche Gemeinden veranstalteten noch nicht einmal (OpenAir)-Gottesdienste als Ersatz, sondern „verlegten“ die Feier auf das darauffolgende Wochenende, wo eh schon Eucharistiefeiern stattfinden.

Eine Nachbargemeinde ersetzte aus Angst vor Schlechtwetter einen Tag vorher den OpenAir-Gottesdienst gegen einen Gottesdienst in der Kirche, wo die Gläubigen nicht singen durften.

Wo ist denn da das Gottvertrauen?

In meiner Gemeinde wurde die Fronleichnamsprozession gegen sogenannte Sternmärsche ersetzt, d.h. die Gläubigen trafen sich an verschiedenen Stellen im Ort und zogen von dort zum OpenAir-Gottesdienst.

Sicherlich ein nettes Beisammensein, aber wo waren dabei die Priester, die das Allerheiligste ehrfurchtsvolldurch den Ort tragen?

Man schien fast vergessen zu haben, weswegen man eigentlich Fronleichnam feiert.

Weil in den letzten Jahren in meiner Gemeinde nur modernere Lieder gesungen wurden, gegen die ich grundsätzlich nichts habe, die aber nicht die Fronleichnamsklassiker „Kommt her ihr Kreaturen all'“ und „Deinem Heiland, deinem Lehrer“ verdrängen dürfen, habe ich mich zusammen mit meiner Mutter nach Haus Assen bei Lippetal begeben.

Von dieser Feier bin ich nicht enttäuscht worden.

Nach der feierlichen Messe im alten Ritus folgte die Prozession, selbstverständlich mit dem Allerheiligsten, und mit vier Stationsaltären, die feierlich mit Blumenteppichen geschmückt waren. Blumenmädchen verschönerten zudem den Weg mit den Blüten der vielfältigsten Pflanzen.

BILD: Blumengeschmückter Stationsaltar an Haus Assen (Foto: D. Terhorst)

Bei dieser Prozession waren sehr viele junge Menschen dabei, wie der Priester auch am Ende betont hat. Es besteht also noch Hoffnung, dass es junge Menschen gibt, die der wahren Lehre der katholischen Kirche weiterhin folgen und das nicht den Älteren oder Alten überlassen.

U.a. sang ein Chor, bestehend aus jungen Damen aus dem Kreis der Gläubigen, das Lied „Wo in feierlicher Stille“, das meine Mutter das letzte Mal vor über 60 Jahren bei ihrer Erstkommunion gehört hat.

Kleine Kinder, die verhältnismäßig still waren, Jugendliche und junge Erwachsene, die sich ehrfurchtsvoll verhalten haben, kein Geklatsche nach den Dankesworten durch den Priester etc., habe ich als früher Dreißiger noch nie so erlebt.

Es war sehr empfehlenswert und ich plane zukünftig häufiger an Gottesdiensten des Hauses Assens teilzunehmen.

Wahrhaft eine Oase des Glaubens, wo man einmal erfreulicherweise nichts von den kirchenkritischen und sakrilegen Themen, die in letzter Zeit die Medien und Predigten vieler Gemeindepfarrer bestimmen, gehört hat.

Hinweis der Redaktion: Haus Assen ist ein imposantes Wasserschloß in Lippetal, das in der Trägerschaft des SJM-Ordens (Diener/Servi Jesu und Mariens) steht. Näheres hier: https://www.haus-assen.de/home.html     


Wie eine junge Frau in den USA sexuellen Missbrauch erlebte und erfolgreich bekämpfte

Buch-Daten: Rachael Denhollander. Wie ich das Schweigen brach. Eine junge Frau kämpft für Gerechtigkeit  / Gebunden, 13,5 x 21,5 cm, 480 S., €D 22,99 / ISBN: 978-3-7751-6047-6 | SCM Hänssler

Je mehr man liebt, desto härter kämpft man. Rachael Denhollander hat sich dazu entschieden, ihre Geschichte öffentlich zu machen und deckte damit einen der schwersten Missbrauchsskandale aller Zeiten auf.

Die Juristin wurde in die Liste der 100 einflussreichsten Personen des Time-Magazins von 2018 aufgenommen.

„Ich möchte Sie daran erinnern, dass es eine übergeordnete Frage gibt, die Sie berücksichtigen sollten, wenn Sie entscheiden, wie Sie die beiden Ziele dieses Gerichts erreichen wollen. […] Wie viel ist ein kleines Mädchen wert? Wie viel ist eine junge Frau wert?“, fragt Rachael Denhollander in ihrer Rede vor dem Gericht, nachdem über 100 andere Mädchen und Frauen gegen den Olympia-Arzt Larry Nassar ausgesagt haben.

Wegen Rückenproblemen besuchte die junge Rachael Denhollander den Olympia-Arzt. Dass er sie missbrauchte, wurde ihr erst viel später voll bewusst. Sie wusste, dass sie keine Chance hatte, gegen den promintenten Arzt vorzugehen – und schwieg.

Ein Artikel über Missbrauchs-Skandale der USA Gymnastics Trainer, die vertuscht wurden, ließ sie jedoch 16 Jahre später den Entschluss fassen, das Schweigen zu brechen.

Die Autorin erzählt in ihrem Buch „Wie ich das Schweigen brach“ von ihrer Kindheit, in der sie auch in ihrer freikirchlichen Gemeinde sexuellen Missbrauch erlebte und davon, wie sie mit den psychischen Folgen dann auch in ihrem Leben als Erwachsene kämpft.

In der Gemeinde auf Unverständnis zu stoßen, wodurch ihr Fall wie einige andere gemeldete Fälle unter den Teppich gekehrt wird, Angst vor körperlicher Nähe und fremden Männern in der Öffentlichkeit – in all diese Schwierigkeiten nimmt sie den Leser hinein.

Doch die Liebe zu ihren Töchtern, ihr Kampfgeist und ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit siegen. Ihre Erfahrungen als Juristin und ihre Kontakte in diesem Umfeld unterstützen sie ungemein.

Ihr standhafter christlicher Glaube und die Tatsache, dass sie genau die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt an die Seite gestellt bekommen hat – all das hat dazu beigetragen, dass Larry Nassar wegen Hunderten von Vergehen hinter Gittern landete.

Noch heute ist der Kampf nicht vorbei, die Institutionen bekennen sich nicht schuldig und sie kämpft mit Kritik und damit, dass so viele immer noch die Augen vor dem eigentlichen Problem verschließen – dass der Missbrauch zugelassen und vertuscht wird. Doch Rachael Denhollander ist bereit, weiterhin zu kämpfen und für Aufmerksamkeit und Sensibilität zu sorgen.

Buch-BESTELLUNG hier: https://www.scm-shop.de/wie-ich-das-schweigen-brach.html

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GOTT schenkte seinem Volk die Erlösung

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche:
Psalm 111 (110),1-2.4-5.9.10c.

Den HERRN will ich preisen von ganzem Herzen
im Kreis der Frommen, inmitten der Gemeinde.
Groß sind die Werke des HERRN,
kostbar allen, die sich an ihnen freuen.

ER hat ein Gedächtnis an seine Wunder gestiftet,
der HERR ist gnädig und barmherzig.
ER gibt denen Speise, die ihn fürchten,
an seinen Bund denkt ER auf ewig.

ER gewährte seinem Volk Erlösung
und bestimmte seinen Bund für ewige Zeiten.
Furchtgebietend ist sein Name und heilig,
sein Ruhm hat Bestand für immer.

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Jüdischer Rabbi lobt wachsame Nachbarn

Der orthodoxe Gemeinderabbiner Menachem Mendel Gurewitz war am Neujahrstag in Offenbach auf dem Heimweg mit seinen Kindern verbal angegriffen worden. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf versicherte dem Rabbiner und der jüdischen Gemeinde seine Solidarität und dankte jenen, die bei dem Angriff dazwischengingen.

Der jüdische Geistliche war nicht zum ersten Mal Opfer antisemitischer Beleidigungen geworden. Die Polizei nahm den Angreifer, einen obdachlosen Mann, fest.

Der Rabbiner lobte den Beistand von Nachbarn, die aus den Fenstern heraus den Angreifer anschrien und die Polizei riefen, andere hätten den Mann auf eigene Faust verfolgt.

Quelle und vollständiger Text hier: https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2021-01/deutsch-mainz-bischof-angriff-rabbiner-antisemitismus.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=NewsletterVN-DE


Der hl. Paulus an die Gemeinde in Korinth: „In Christus bin ich euer Vater geworden“

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: 1 Kor 4,6b-15:

Brüder, damit ihr an uns lernt, dass der Grundsatz gilt: «Nicht über das hinaus, was in der Schrift steht», dass also keiner zugunsten des einen und zum Nachteil des andern sich wichtig machen darf.
Denn wer räumt dir einen Vorrang ein? Und was hast du, das du nicht empfangen hättest? Wenn du es aber empfangen hast, warum rühmst du dich?
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Ich glaube nämlich, Gott hat uns Apostel auf den letzten Platz gestellt, wie Todgeweihte; denn wir sind zum Schauspiel geworden für die Welt, für Engel und Menschen.
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Wir stehen als Toren da um Christi willen, ihr dagegen seid kluge Leute in Christus. Wir sind schwach, ihr seid stark; ihr seid angesehen, wir sind verachtet.
Bis zur Stunde hungern und dürsten wir, gehen in Lumpen, werden mit Fäusten geschlagen und sind heimatlos.
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Wir plagen uns ab und arbeiten mit eigenen Händen; wir werden beschimpft und segnen; wir werden verfolgt und halten stand; wir werden geschmäht und trösten. Wir sind sozusagen der Abschaum der Welt geworden, verstoßen von allen bis heute.
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Nicht um euch bloßzustellen, schreibe ich das, sondern um euch als meine geliebten Kinder zu ermahnen.
Hättet ihr nämlich auch ungezählte Erzieher in Christus, so doch nicht viele Väter. Denn in Christus bin ich durch das Evangelium euer Vater geworden.
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Das katholische Kirchenrecht über den seelsorglichen Beistand für die Eheleute

Kapitel I, Seelsorge und Vorbereitung zur Eheschließung:
Can. 1063:

Die Seelsorger sind verpflichtet, dafür zu sorgen, daß die eigene kirchliche Gemeinde den Gläubigen die Hilfe bietet, durch die der Ehestand im christlichen Geist bewahrt wird und in der Vollkommenheit vorankommt. Dieser Beistand ist besonders zu leisten:

1° durch Predigt, durch Katechese, die den Kindern, den Jugendlichen und den Erwachsenen angepaßt ist, sogar durch den Einsatz von sozialen Kommunikationsmitteln, durch die die Gläubigen über die Bedeutung der christlichen Ehe und über die Aufgabe der christlichen Ehegatten und Eltern unterwiesen werden;

2° durch persönliche Vorbereitung auf die Eheschließung, durch welche die Brautleute in die Heiligkeit und in die Pflichten ihres neuen Standes eingeführt werden;

3° durch eine fruchtbringende liturgische Feier der Eheschließung, durch die zum Ausdruck kommen soll, daß die Ehegatten das Geheimnis der Einheit und der fruchtbaren Liebe zwischen Christus und der Kirche darstellen und daran teilnehmen;

4° durch eine den Ehegatten gewährte Hilfe, damit sie den Ehebund treu halten und schützen und so zu einer von Tag zu Tag heiligeren und vollkommeneren Lebensführung in der Familie gelangen.

Can. 1064 — Aufgabe des Ortsordinarius ist es, dafür zu sorgen, daß dieser Beistand gebührend geordnet wird; wenn es angebracht scheint, soll er auch Männer und Frauen hören, die sich durch Erfahrung und Sachkunde bewährt haben.

Can. 1065 — § 1. Katholiken, die das Sakrament der Firmung noch nicht empfangen haben, sollen es noch vor der Zulassung zur Eheschließung empfangen, wenn dies ohne große Beschwernis geschehen kann.

§ 2. Damit die Brautleute das Sakrament der Ehe fruchtbringend empfangen, wird ihnen dringend empfohlen, zur Beichte und zur Kommunion zu gehen.

Quelle und weitere Canones hier: https://www.codex-iuris-canonici.de/cic83_dt_buch4.htm

Gemälde: Evita Gründler


„Forum Deutscher Katholiken“ begrüßt die vatikanische Instruktion fürs Priestertum

Wir begrüßen das römische Schreiben „Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche“, weil es dem Pfarrer als geweihtem Priester seine eigentliche Aufgabe der Bevollmächtigung zum Hirtenamt sichert bzw. zurückgibt.

Wenn der ZdK-Präsident, einige Bischöfe und Theologen diese notwendige Instruktion als„Provokation“, „Skandal“, „abenteuerliche Realitätsferne“ oder „Bannstrahl“ abqualifizieren, zeigen sie nur, wes Geistes Kind sie sind. Das römische Schreiben legt sich ihrem Bestreben, eine andere Kirche zu schaffen, in den Weg.

Die Reaktion auf den Priestermangel durch Schaffung von Großpfarreien mit Leitungsteams, die dem Pfarrer vorschreiben, was seine priesterlichen Aufgaben sind, ist keine Lösung, sondern ein Armutszeugnis. Denn die Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland liegt in einer missionarischen Kirche, die durch Neuevangelisierung ein Klima schafft, in dem Priesterberufe wiederwachsen können – und die Weltchristen ihre Aufgaben in der Gesellschaft wahrnehmen.

Das römische Schreiben, das den Akzent auf die „missionarische Sendung der Kirche“ legt, hat unsere volle Unterstützung!

Prof. Dr. Hubert Gindert, Sprecher des „Forums Deutscher Katholiken


Die Apostel weihten 7 Männer zu Diakonen

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Apg 6,1-7:

In diesen Tagen, als die Zahl der Jünger zunahm, begehrten die Hellenisten gegen die Hebräer auf, weil ihre Witwen bei der täglichen Versorgung übersehen wurden.

Da riefen die Zwölf die ganze Schar der Jünger zusammen und erklärten:

Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und uns dem Dienst an den Tischen widmen.
Brüder, wählt aus eurer Mitte sieben Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit; ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen.
Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben.

Der Vorschlag fand den Beifall der ganzen Gemeinde, und sie wählten Stephanus, einen Mann, erfüllt vom Glauben und vom Heiligen Geist, ferner Philippus und Prochorus, Nikanor und Timon, Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia.
Sie ließen sie vor die Apostel hintreten, und diese beteten und legten ihnen die Hände auf.
Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger in Jerusalem wurde immer größer; auch eine große Anzahl jüdischer Priester nahm gehorsam den Glauben an.


Die Pfarrei „Heilig Kreuz“ in Münster – eine lebendige katholische Gemeinde?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

In der Münsteraner Pfarrei „Heilig Kreuz“ wurde vor wenigen Monaten die Bewegung „Maria 2.0“ von Frau Lisa Kötter und Andrea Voß-Frick gegründet. Die Bewegung „Maria 2.0“ fordert bekanntlich u.a. die Zulassung von Frauen zum Priesteramt.

Was ist das für eine Pfarrgemeinde, aus der eine solche Initiative hervorgegangen ist, die bundesweit Schlagzeilen macht?

Diese Pfarrei in Müünster hat über 10.000 Kirchenmitglieder, 120 Messdiener und rund 250 Ehrenamtliche. „Der Gottesdienstbesuch ist einer der geringsten im Bistum Münster: Die regelmäßige Sonntags-Kerngemeinde bilden etwa 100 Personen“.

Damit liegt die Gottesdienstbeteiligung bei rund 1%. Offensichtlich gehen nicht einmal alle Messdiener und die 250 Ehrenamtlichen zum Sonntagsgottesdienst. So sieht also der katholisch-vitale Ausgangsort der Initiative „Maria 2.0“ aus. 

Der derzeitige Pfarrer Stefan Jürgens, der bereits vor zwei Jahren in einem Vortrag die Zulassung von Frauen zu allen Weiheämtern in der Kirche gefordert hatte, verlässt im September die Pfarrei.

Sein Vorgänger Pfarrer Thomas Frings hat die Pfarrei „Heilig Kreuz“ wegen des „unaufhaltsamen Bedeutungsverlustes des in der Kirche gelebten Glaubens und der zu starken Serviceorientierung in der Sakramentenpastoral“ verlassen.

Diese Service-Orientierung hat anscheinend bei 80 Taufen, 25 kirchlichen Trauungen und 68 Kommunionkindern im Jahr 2018 noch funktioniert. Aber dieser Pastoralservice führt offensichtlich wie auch andernorts nicht zu einer Kirchenbindung und zu einem persönlichen Glauben.

Unser Autor Prof. Hubert Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“ und die Monatszeitschrift DER FELS

Quelle für die Infos: Konradsblatt, Nr. 30/2019, S. 20 bis 22.


Gemeinde debattiert in der Hl.-Geist-Kirche über die Predigt von Pfarrer Zurkuhlen

Von Felizitas Küble

Am gestrigen Montagabend (9. Juli) versammelten sich in der Heilig-Geist-Kirche von Münster etwa 120 bis 150 Besucher, die über die „umstrittene“ Predigt des Ruhestandspfarrers Ulrich Zurkuhlen sprechen wollten, der selber nicht anwesend war. 

Die Veranstaltung war von Presseleuten und Kameras begleitet, die teils vorne im Kirchenschiff standen.

Der  –  seit Jahrzehnten als theologisch liberal bekannte  –  Geistliche Zurkuhlen hatte in seiner Predigt vom 30. Juni in diesem Gotteshaus (siehe Fotos) zur Vergebung – auch für Missbrauchstäter – aufgerufen, was zu großer Empörung bei einigen Gläubigen und danach bundesweit in vielen Medien führte.

Der zuständige Pfarrer Dr. Stefan Rau hatte zu der Veranstaltung eingeladen, wobei nicht ganz klar war, warum sie nicht im Pfarrgemeindehaus stattfand, zumal es keinerlei gottesdienstliche Handlungen gab, weder ein gemeinsames Gebet noch einen priesterlichen Segen zum Ende der Versammlung. 

Vielleicht hätte auch ein Vaterunser-Gebet mit seinem Vergebungsthema („…wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“) zu sehr daran erinnert, daß der in dieser Zusammenkunft  kritisierte Pfarrer Zurkuhlen auf einer rein grundsätzlichen Ebene durchaus richtig lag, denn die christliche Verzeihung gehört gleichsam zur DNA des Christentums – und sie hört nicht bei Mißbrauchstätern auf, auch nicht bei sonstigen schweren Sündern.

Freilich setzt dies echte Reue und Umkehrbereitschaft beim Täter voraus.

Unabhängig von dieser prinzipiellen Sachlage scheint freilich klar zu sein, daß der 79-jährige Zurkuhlen seine Predigt ungeschickt „aufgezogen“ und sein Anliegen daher wohl auch mißverständlich präsentiert hat.

Ein einseitiger Blick auf die Täter  – und deren Wunsch nach Vergebung –  wirkt zudem verstörend, wenn nicht zugleich die Sichtweise und das Leiden der Opfer klar zur Sprache kommt.

Andererseits konnte der Priester wiederum seine Worte nicht zu Ende führen, weil etwa 1/3 der Meßbesucher aus Protest die Kirche verließen. Es wurde auf der Versammlung zwar von einigen Teilnehmern bestritten, daß es hierbei besonders lautstark zugegangen sei – allerdings berichtete eine ältere Dame von einem „Tumult am Altar“, von dem ihr Mann (der jene Messe Pfarrer Zurkuhlens besuchte) ihr erzählt habe.

Der leitende Pfarrer Stefan Rau übte sowohl in seiner Ansprache zu Beginn wie auch zum Ende der Versammlung scharfe Kritik an der Predigt seines priesterlichen Mitbruders, weil der Täter kein „Recht“ und das Opfer keine „Pflicht“ zur Vergebung hätten.

Allerdings ist nicht ersichtlich, daß der kritisierte Prediger von einem „Recht“ auf Vergebung sprach, auch erwähnte er keine „Pflicht“ zur Verzeihung, schon gar nicht seitens der Opfer, was als Forderung völlig abwegig wäre. 

Vielmehr plädierte der Priester offenbar dafür, daß die „kirchlichen Hierarchen“ – also oberen Amsträger – den Tätern irgendwann mal vergeben sollten. Seine Frage lautete angeblich – wie ein Teilnehmer erklärte – folgendermaßen: Wie sollten die Schuldigen sonst seelisch-psychisch weiterleben können?

Von daher hatte der Priester – auch seiner eigenen Darstellung zufolge – keineswegs von den Opfern selbst eine Haltung der Vergebung verlangt.

Wenn bestimmte Aussagen beanstandet werden, sollte man sie zuvor korrekt darstellen, weil sonst leicht ein Zerrbild entstehen, weil die Fairneß einer Debatte durch emotionale Reaktionen schnell unter die Räder gerät.

Sodann kritisierte Pfarrer Rau in seiner Schlußansprache einen „perfiden Vergleich“, den es in der Predigt Zurkuhlens gegeben habe, nämlich zwischen jenen Frauen, die an ihren verstorbenen Ehemännern kein gutes Haar lassen  – und den Missbrauchsopfern, die ihren Tätern nicht vergeben.

Aber eben dieser Vergleich geht nicht eindeutig aus der Predigt-Darstellung Zurkuhlens hervor (zumal er betr. Vergebung anscheinend nicht die Opfer, sondern die „kirchlichen Hierarchen“ ansprach).

Wie dem auch sei: Daß der Prediger evtl. zu abrupt von seiner Rüge über unversöhnliche Witwen zum Thema Vergebung für Mißbrauchstäter gelangte, daß er hier  keine erklärende und relativierende Überleitung brachte, ist durchaus möglich, aber vielleicht als verbale Ungeschicklichkeit zu werten, auf die man nicht unbedingt mit dem rhetorischen Hammer reagieren muß.

In den Medien wurde angekündigt, in dieser Versammlungen sollten auch jene Mißbrauchsopfer zu Wort kommen, die bei der umstrittenen Predigt anwesend waren und besonders betroffen gewesen seien. Diesbezüglich hat sich niemand zu Wort gemeldet. Einzig am Schluß sprach ein älterer Betroffener aus Rhede, er habe ein entsprechendes Netzwerk gegründet, was ja auch sehr zu begrüßen ist.

Pfarrer Rau lobte mehrfach seine eigene Gemeinde, weil sie gegen die Predigt des Ruhestandspfarrers aufgestanden sei, was deutschlandweit für große Zustimmung gesorgt habe. Es gehe um die „Ermächtigung“ und „Selbstermächtigung“ der Gläubigen, betonte er hierbei.

Während der Versammlung hatten sich mehrere Personen gemeldet, die aus der Kirche ausgetreten waren, aber ebenfalls die Heilig-Geist-Gemeinde lobten (und die Zurkuhlen-Predigt kritisierten).

Sodann wurde von weiteren Besuchern mehrfach beklagt, daß Pfarrer Zurkuhlen nach dem Tumult während seiner Predigt die Messe einfach   – als sei nichts geschehen –  zu Ende geführt habe. Einer ärgerlichen Dame kam das vor „wie in den 60er Jahren“.

Was hätte der Priester denn sonst tun sollen? Die heilige Messe einfach ausfallen lassen? Immerhin sind zwei Drittel der Gläubigen im Gotteshaus geblieben. Hatten sie kein Recht auf eine Fortsetzung der Eucharistiefeier? Oder gilt allein der Wunsch einer protestierenden Minderheit?

Zudem waren die „Herausgelaufenen“ kirchlich gesehen verpflichtet, ihre Sonntagspflicht in einer anderen Kirche nachzuholen, zumal es in Münster etliche Abendmessen gibt. Ob das der Fall war? Oder gilt dies Kirchengebot nicht mehr, wenn sich jemand in einem „erhöhten Erregungszustand“ befindet?

Ein Mitglied der reformkatholischen KFD (Kath. Frauengemeinschaft Deutschlands) erklärte sodann, Pfarrer Zurkuhlen von früher her in sehr guter Erinnerung zu haben, er habe vor zwanzig Jahren KFD-Tagungen geleitet oder begleitet – und hierbei konzilsgemäße und „fortschrittliche“ Standpunkte vertreten. Umso mehr erstaunt sei sie über seine umstrittene Predigt.

„Fortschrittlich“ scheint nicht nur der kritisierte Ruhestandspriester, sondern auch die Gemeindeleitung der Pfarrei Heilig-Geist zu sein: Auf dem Schwarzen Brett in der Kirche befindet sich ein Riesen-Plakat der Aktion „Maria 2.0“, die bekanntlich „alle kirchlichen Ämter“ für Frauen fordert, somit Priestertum, Bischofsweihe und Papstamt.

Wie Pfarrer Rau den Versammelten ankündigte, sei nach den Sommerferien eine weitere Veranstaltung zu dieser Predigt und der ganzen Missbrauchs-Thematik geplant, an der dann Pfr. Zurkuhlen teilnehmen solle.

Abschließend stellt sich die Frage, warum Pfarrer Rau sich einseitig gegen seinen attackierten Mitbruder positionierte, statt eine vermittelnde Haltung einzunehmen und zu versuchen, die Wogen zu glätten und Brücken zu bauen.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Stellungnahme zur Causa Zurkuhlen von evangelikaler Seite: https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/07/08/auch-missbrauchstaeter-duerfen-um-vergebung-bitten/