Schluss mit lustig für Gender-Gaga

Von Peter Hahne

Wer sich in Mainz über Erderschütterungen wundert: Das Beben kommt vom Hauptfriedhof, wo der Gründungsintendant des ZDF begraben liegt. Der unvergessene Karl Holzamer, am 22. April 2007 hundertjährig verstorben, hat dort seine letzte Ruhestätte gefunden und rotiert nun in derselben.

Der Philosoph und Pädagoge war Mitglied des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem und verwandt mit dem Schriftsteller Wilhelm Holzamer. Er achtete in seinen legendären 16 Intendanten-Jahren auf blitzsauberen Journalismus, wozu ordentliche Recherche und der richtige Gebrauch der deutschen Sprache gehörten. 

1967 sorgte der tiefgläubige Katholik für Schlagzeilen, als er seinem Star-Showmaster Lou van Burg („Der Goldene Schuss“, ein Straßenfeger und Quotenrenner) fristlos kündigte. Grund: „Mister Wunnebar“ hatte neben seiner Ehefrau noch eine Geliebte. Diese „Bettgeschichten mit Balkenüberschriften in den Boulevardblättern“ bezeichnete Holzamer als unwürdig für das ZDF. Er müsste sich heute wahrscheinlich permanent neue Mitarbeiter suchen.

Viel substanzieller und wenig „Wunnebar“ dürfte Holzamer es finden, dass sein „Bildungsfernsehen“ gerade für eine besondere Art von Volkserziehung missbraucht wird.

BILD: Grabstein von ZDF-Intendant Holzamer
(Foto-Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Holzamer_Karl_a.jpg)

Die geschätzte Moderatoren-Kollegin Petra Gerster nahm letzten Donnerstag bei „Maischberger“ (ARD) zur eigentümlichen Art ihrer Sprechweise Stellung, die manche als logopädische Störung, Schluckauf oder andere Beschwerden deuten.

 Gerster, die zum Beispiel Leser…innen sagt, also eine Baby-Bäuerchen-Pause nach den ersten zwei Silben einlegt, bekam nach eigenen Angaben „wütende“ Reaktionen auf ihre Genderei. „Die Mehrheit der Zuschauer lehnt das ab”, räumt sie ein. Aber sie meint, das sei „alles nur eine Frage der Gewöhnung.“

Gewöhnung! Das ist doch Hochmut-Pädagogik vom Feinsten, sozusagen Sonderschule fürs dumme Volk, für diese elenden Rückwärtsgewandten, die in der Sprache von Goethe, Schiller, Buber oder Luther völlig hinterwäldlerisch steckengeblieben sind, sozusagen Provinz pur. Denen muss man doch als medialer Volksbildungsmoderator mal auf die Sprünge helfen und ihnen die patriarchalistischen Flausen austreiben. Sozusagen die leidvoll zu ertragende allabendliche 19-Uhr-„heute“-Dosis Lebertran für die Volksgesundheit. Die werden sich schon dran gewöhnen, wie man „gerecht“ zu sprechen hat. Eine interessante Neudefinition von Demokratie.

Das klingt wie die neue All-Altparteien-Politik: Das Volk (oder wie es im „Hamburg-Journal“ des NDR heißt: die Bewohnenden) ist eben noch nicht so weit wie wir hochgebildeten Elite-Sprach-Soldat*_innen. Die wollen doch noch nicht mal die schönen Windräder oder die Abschaffung der Einfamilienhäuser, diese Elenden.

Mehr Hochmut und Volksverachtung geht nicht. Denn was die Bewohnenden und schon länger hier Lebenden, wie „das Bundeskanzler“ (so der Gender-Vorschlag bei „Maischberger“, ohne Alkohol und ersten April) die Deutschen nennt, wirklich wollen, besagt zum Beispiel eine Leserumfrage der Mitteldeutschen Zeitung: 99 Prozent sagen Njet zu dem Spuk.

Doch nun wird die ganze Genderei zum Gezänk unter Genossinnen. Herr(!)lich! Die ehemalige ORF-Moderatorin („ZiB-Kultur) und bekennende Feministin Andrea Schurian, jetzt Chefin der jüdischen Zeitschrift „Nu“, holt zum großen Schlag aus. In „Die Presse“ (Wien) wütet sie mit den Worten des Philosophen Konrad Paul Liessmann über den „Glottisschlag“, wie man das sprachgestörte Bäuerchen, also quasi den gesprochenen Genderstern, der kreisförmig angeordnete Deppenapostroph, offiziell nennt:

„Ich werde den Gedanken nicht los, dass es bei diesem doch eher peinlichen Gestammel weniger um die weiblichen oder queeren Adressaten als um moralische Selbstgefälligkeit geht und darum zu zeigen, dass man die politisch korrekte Fassade aufrechterhält.“  

Das „stimmlose glottale Plosiv“, also die kurze Atempause zwischen Leser–innen zum Beispiel, „soll den Raum zwischen männlicher und weiblicher Form für alle Geschlechteridentitäten erleuchten“, vermutet Feministin Schurian und kommt zu dem vernichtenden Urteil: „Ich will in keinem stillen Sprachloch verschwinden.“

Tja, es ist also längst keine Frage von rechts oder links, stock-hetero-konservativ oder ach-so-liberal-queer mehr. Auch in der Linken (siehe Wolfgang Thierse, Gesine Schwan oder Willy-Brandt-Sohn Peter in ihrem Streit mit der Esken/Kühnert-SPD) regt sich unter den wahrhaft Gebildeten und dem normalen Volk der den länger existierenden Sprachraum (früher Deutschland genannt) Bewohnenden Widerstand.

Für Gender-Gaga scheint Schluss mit lustig. Wäre da nicht die schützende Hand der Öffentlich-Rechtlichen oder das Milliarden teure Divers-Förderungsprogramm der Bundesregierung, das zur Wochenmitte vorgestellt wurde. 

Ach, lieber Professor Holzamer, was war das noch schön, als das Fernsehen Bildung und nicht Gewöhnliches äääääh Gewöhnung auf dem Programm hatte. Gut, dass ich schon entwöhnt bin. Nicht nur von der Elternbrust mit ihrer Menschenmilch. Und das Motto „Steter Tropfen höhlt den Stein“ passt prima zu dem Volksbildungsprogramm der Volksverächterelite: Es bleibt etwas Hohles zurück, und wenn’s nur die Birne ist. 

Wir danken Peter Hahne für die freundliche Abdrucksgenehmigung. Er war Vorgänger von Petra Gerster als Moderator der ZDF-Hauptnachrichtensendung „heute“.

Sein Beitrag erschien vorher auf der liberal-konservativen, zeitgeistkritischen „Achse des Guten“: https://www.achgut.com/artikel/die_sendung_mit_de_lebertran

Zum Thema Gender-Gaga paßt auch Hahnes neues Buch: „Seid ihr noch ganz bei Trost! Schluss mit Sprachpolizei und Bürokraten-Terror“ (Quadriga/Lübbe-Verlag)


Gendersprachliche Ausgrenzung von Männern

Von Hubert Hecker

Es sind teilweise kabarettistische Kapriolen, die die Gendersternsprache hervorbringt. Insbesondere bei Wortableitungen und Komposita sind zahlreiche Kandidat*innen für das Lachwort des Jahres zu erwarten. 

Das bekannte Witzwort vom Bürger*innensteig wird noch übertroffen durch die Bürger*innenmeister*innen. Weitere Favoriten sind Ladendieb*innenstahl oder LKW-Führer*innenhaus. Auch das Wort Außenvertreter*innen hat Fastnachtsreife. 

Nicht mehr lustig ist dagegen die semantische Verwirrung durch den Gender-Neusprech, der vereinzelt auch in die Kirche eindringt.

Bei der Ansprache ‚liebe Christen‘ haben sowohl das feminine Adjektiv ‚liebe‘ wie auch das maskuline Nomen ‚Christen‘ geschlechterinklusive Bedeutungen. Grammatisch werden solche Wortkategorien als ‚generisch‘ bezeichnet, abgeleitet vom lateinischen ‚genus‘. Sie beinhalten alle geschlechtsdifferenten Mitglieder einer Gattung oder Gruppe. So umfassen die generischen Begriffe ‚der Mensch‘, ‚die Person‘ oder ‚das Volk‘ jeweils Männer, Frauen und Kinder.

Davon sind die geschlechtsspezifischen Wortmodifikationen zu unterscheiden. Alle Worte mit der angehängten Silbe -in bezeichnen ausschließlich weibliche Personen. In einer Versammlung der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD) ist die Anrede an die Zielgruppe als ‚liebe Mitchristinnen‘ korrekt.

Wenn dagegen in einem Pfarrbrief die Gesamtheit der Gemeinde mit ‚liebe Mitchrist*innen‘ angeredet wird, dann sind mit einem solchen Sprechakt alle Männer und Jungen aus der Gemeinschaft der Katholiken ausgeschlossen. An dieser sprachlichen Exkommunikation ändert auch der Genderstern nichts, denn damit sollen sich nur die sogenannten LSBTIQ-Personen angesprochen fühlen.

Genderaktivisten wollen das generisch-inklusive Maskulinum als vermeintlich frauendiskriminierend generell durch das angeblich geschlechterübergreifende feminine Genderstern-Konstrukt ersetzen. In Wirklichkeit würde mit dem exklusiven Femininum (mit der Endung -in) ein männerausschließendes Sprachmuster etabliert werden.

Die gesellschaftliche Brisanz dieser grammatischen Willkür wird an der Modifikation des Wortes ‚Judenverfolgung‘ deutlich: Bei der gendersprachlichen Verwandlung des Begriffs in ‚Jüd*innenverfolgung‘ würde der explizite sprachliche Ausschluss von jüdischen Männern und Jungen aus den Nazimorden an Juden einer halben Holocaustleugnung gleichkommen.

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