Papst Franzikus würdigt die Lebensleistungen und den Glaubensdienst der Mütter

Von Christa Meves

Christa Meves

In der Generalaudienz am 7. Januar 2015 hat Papst Franziskus der Welt einen großen Dienst erwiesen. Er hat diese Generalaudienz zu einem Fanal für die Mütter gemacht:

Für alle Mütter – vermutlich nicht einmal der katholischen allein – die vor allen Dingen in Deutschland seit 40 Jahren so sehr ins Hintertreffen geraten, so sehr abgewertet worden sind, dass sich das in einer außerordentlich üblen Weise auf die Familie und ihre Gesundheit ausgewirkt hat.

Hier die wichtigsten Passagen aus diesen Aussagen:

„Jeder Mensch verdankt sein Leben einer Mutter, und fast immer verdankt er ihr viel von seiner folgenden Existenz, von seiner menschlichen und geistlichen Bildung. Ihr wird jedoch im täglichen Leben wenig Gehör geschenkt – sie erfährt wenig Hilfe und wird in ihrer zentralen Rolle in der Gesellschaft wenig gewürdigt.

Häufig wird die Opferbereitschaft der Mütter für Ihre Kinder sogar ausgenutzt, um Sozialausgaben zu sparen. Auch in den christlichen Gemeinschaften kommt es vor, dass die Mutter nicht gebührend geachtet wird, dass man wenig auf sie hört. Vielleicht müssten die Mütter, die zu so vielen Opfern für ihre Kinder bereit sind, mehr Gehör finden.Foto: Radio Vatikan

Die Mütter sind das stärkste Heilmittel gegen die Ausbreitung eines egozentrischen Individualismus. Sie sind es, die Mütter, die den Krieg, der ihre Kinder tötet, am meisten hassen. 

Ja, Muttersein bedeutet nicht nur, ein Kind auf die Welt bringen, sondern es ist auch eine Lebensentscheidung. Eine Gesellschaft ohne Mütter wäre eine unmenschliche Gesellschaft; denn Mütter wissen immer, auch in den schlimmsten Momenten, Zärtlichkeit, Hingabe und moralische Stärke zu bezeugen.

Die Mütter vermitteln häufig auch den tiefen Sinn der religiösen Praxis: In die ersten Gebete, in die ersten Gesten der Frömmigkeit, die ein Kind lernt, ist der Wert des Glaubens im Leben eines Menschen eingeschrieben.

Ohne die Mütter gäbe es nicht nur keine neuen Gläubigen, sondern der Glaube würde einen guten Teil seiner Einfachheit, seiner Tiefe, seiner Wärme verlieren.

Liebe Mütter, danke, danke für das, was ihr in der Familie darstellt und für das, was ihr der Kirche und der Welt gebt!“

Hier ist von unserem Papst ein wahres Wort gelassen ausgesprochen worden! Wie einfach wäre es, den immer mehr heraufdrohenden Geburtenschwund und die daraus resultierenden zukünftigen Existenzprobleme in unserer Gesellschaft zu stoppen: Indem durch betonte Anerkennung – vor allem von der Politik her – den Müttern wieder Ehre zuteil werden würde! DSC_0553
Ohne Mütter gibt es keine Zukunft!
Ohne Mütter erkaltet die Liebe in der Welt!

Mutterschaft ist der wichtigste, der unaufgebbarste Beruf aller Berufe!

Wir könnten bald wieder zu einer gesunden Hochachtung für die Mütter und damit zu familiärem Zuwachs finden, wenn wir nur dem gesunden Menschenverstand folgen würden. Noch heute spielen kleine Mädchen vornehmlich und langanhaltend mit Puppen.

Sie würden als junge Frauen dem gesunden ursprünglichen Wunsch nach Mutterschaft und Familie auch heute noch wieder in großer Zahl mit Freude folgen, wenn dieses neu als ein anerkannter Beruf eingerichtet werden würde, mit finanzieller Unterstützung, solange die Mutter wegen der Erziehung der Kinder aus der Erwerbstätigkeit ausscheidet  – wie auch mit einer favorisierten Hilfe zum Wiedereinstieg in die Erwerbstätigkeit nach der häuslichen Pause und mit einer eigenständigen Rente.

Dieses Modell „Mutter als Beruf“ ist von unserem Freundeskreis bereits vor 30 Jahren entwickelt und mit Zigtausenden von Unterschriften der Regierung (damals noch in Bonn) zugeleitet worden – leider ohne jedes Echo und ohne jede Wende von dort – im Gegenteil.

Frühe Erwerbstätigkeit der jungen Mütter und die so bedenkliche Kollektivierung der Kleinkinder wurde gegen jedes Kindeswohl und mit der Minderung von gesunder Familienbildung als Folge einer kurzsichtige finanzielle Begünstigung und neuer Gesetze bis heute zu einer verhängnisvollen Weiterführung des vor 45 Jahren eingeschlagenen Trends.

Welche Hilfe nun durch Papst Franziskus! Er gibt der existenziellen Notwendigkeit von Familienbildung durch die verdiente Hochachtung der Mütter – der in später Stunde angstvoll aufwachenden Bevölkerung einen hervorragenden Anstoß.
Danke, Heiliger Vater!


Papst Benedikt würdigte die heiligen Slawenapostel Kyrill und Methodius

Vorbilder in der Inkulturation des Christentums

Heute feiert die katholische Kirche den Namenstag bzw. das Gedenkfest der beiden Missionare Cyrillus und Methodius, die als „Apostel der Slawen“ verehrt werden, da sie das Evangelium vor allem in Osteuropa verkündet haben und neue Gemeinden gründeten.

Zu diesem beiden bedeutenden Heiligen erkärte Papst Benedikt XVI. bei seiner Generalaudienz am 17.6.2009:

„Heute möchte ich über die Heiligen Cyrill und Methodius sprechen, Brüder im Blut und im Glauben, die Apostel der Slawen genannt werden. Sie wurden in Thessalonike geboren, später von Kaiser Michael III., an den der mährische Fürst Ratislaw ein präzises Ersuchen gerichtet hatte, nach Mähren entsandt: nikolaus

„Seitdem unser Volk“  –  hatte der Fürst gesagt  –  „das Heidentum zurückgewiesen hat, beachtet es das christliche Gesetz; wir haben jedoch keinen Lehrer, der imstande wäre, uns den wahren Glauben in unserer Sprache zu erklären“.

Die Mission hatte schon sehr bald einen ungewöhnlichen Erfolg. Das erregte jedoch die Feindseligkeit des fränkischen Klerus, der zuvor in Mähren eingetroffen war…

Um sich zu rechtfertigen, begaben sich die beiden Brüder 867 nach Rom. Während der Reise machten sie in Venedig Halt, wo eine angeregte Diskussion mit den Vertretern der sog. „Drei-Sprachen-Häresie“ stattfand: Diese meinten, daß es nur drei Sprachen gäbe, in denen man Gott rechtmäßig preisen könne: das Hebräische, das Griechische und das Lateinische.

Natürlich widersetzten sich dem die beiden Brüder nachdrücklich. In Rom hatte der Papst auch die große Bedeutung ihrer außerordentlichen Mission verstanden. Seit der Mitte des ersten Jahrtausends hatten sich nämlich die Slawen sehr zahlreich in jenen Gebieten niedergelassen, die zwischen den beiden Teilen des Römischen Reiches lagen, dem östlichen und dem westlichen, zwischen denen es bereits Spannungen gab.

Der Papst begriff, daß die slawischen Völker eine Brückenrolle würden spielen können, indem sie auf diese Weise dazu beitragen, die Einheit unter den Christen der einen und der anderen Reichshälfte zu bewahren. Er zögerte daher nicht, die Mission der beiden Brüder in Großmähren zu genehmigen, und billigte gleichzeitig den Gebrauch der slawischen Sprache in der Liturgie…

Tatsächlich stellen Cyrill und Methodius ein klassisches Beispiel für das dar, was man heute mit dem Begriff „Inkulturation“ bezeichnet: Jedes Volk muß die offenbarte Botschaft in die eigene Kultur einsenken und deren heilbringende Wahrheit in der Sprache zum Ausdruck bringen, die seine eigene ist.

Das setzt eine sehr anspruchsvolle Arbeit der „Übersetzung“ voraus, da sie das Finden angemessener Begriffe erfordert, um den Reichtum des offenbarten Wortes wieder vorzulegen, ohne es zu verraten. Davon haben die beiden heiligen Brüder ein mehr denn je bedeutsames Zeugnis hinterlassen, auf das die Kirche auch heute blickt, um aus ihm Inspiration und Orientierung zu gewinnen.“


Vollständiger Wortlaut der Ansprache von Papst Benedikt bei seiner letzten Generalaudienz am 27. Februar 2013

 
Verehrte Brüder im Bischofs- und Priesteramt! 
Geehrte Würdenträger!                                                                           papst_letzter_tag_01
Liebe Brüder und Schwestern!
 

Ich danke euch, dass ihr so zahlreich zu dieser letzten Generalaudienz meines Pontifikats gekommen seid.

Ich danke euch von Herzen! Ich bin wirklich gerührt! Ich sehe eine lebendige Kirche! Und ich denke, dass wir auch dem Schöpfer danken sollten für das schöne Wetter, dass er uns an diesem Wintertag schenkt.

Wie der Apostel Paulus im Bibeltext, den wir soeben gehört haben, so fühle auch ich in meinem Herzen das Bedürfnis, Gott zu danken, der seine Kirche führt und wachsen lässt, der sein Wort aussät und dadurch den Glauben seines Volkes stärkt.

„In diesem Augenblick weitet sich meine Seele…“

In diesem Augenblick weitet sich meine Seele, um die über die ganze Welt verstreute Kirche zu umgreifen; und ich danke Gott für all das, was ich in diesen Jahren meines Amtes als Nachfolger Petri erfahren durfte: über den Glauben in unseren Herrn Jesus Christus; über die Liebe, die wirklich durch den Leib Christi strömt und ihn lebendig macht, und über die Hoffnung, die uns den Blick auf das Leben in seiner höchsten Erfüllung, auf die himmlische Heimat richten lässt.

Ich spüre, dass ich alle in mein Gebet einschließen kann, in einer Gegenwart, die die Gegenwart Gottes ist, in der ich alle Begegnungen, alle Reisen, alle Pastoralbesuche vereinen kann. Ich vereine in meinem Gebet alles und alle, um sie dem HERRN anzuvertrauen: damit wir in aller Weisheit und Einsicht, die der Geist schenkt, den Willen des HERRN ganz erkennen und damit wir ein Leben führen, das des HERRN und seiner Liebe würdig ist, indem wir Frucht bringen in jeder Art von guten Werken (vgl. Kol 1,9-10).

Foto: Radio VatikanIn diesem Augenblick erfüllt mich ein großes Vertrauen, denn ich weiß, wir alle wissen, dass das Wort der Wahrheit des Evangeliums die Kraft der Kirche und ihr Leben ist. Das Evangelium reinigt und erneuert, trägt Frucht, überall dort, wo die Gemeinschaft der Gläubigen ihm zuhört, die Gnade Gottes in der Wahrheit empfängt und in der Nächstenliebe lebt. Das ist meine Hoffnung, meine Freude.

Als ich vor knapp acht Jahren, am 19. April 2005, JA dazu gesagt habe, das Amt des Nachfolgers Petri anzunehmen, erfüllte mich eine Gewissheit, die mich seitdem begleitet: Die Gewissheit, dass die Kirche ihr Leben aus dem Wort Gottes schöpft.

„HERR, warum verlangst du das von mir?“

Wie ich schon mehrmals erzählt habe, hallten damals in meinem Herzen die Worte wider:

HERR, warum verlangst du das von mir? Und was erwartest du von mir? Es ist eine schwere Last, die du auf meine Schulter legst, doch wenn du es von mir verlangst, werde ich meine Netze auf dein Wort hin auswerfen in der Gewissheit, dass du mich führen wirst.

Acht Jahre später kann ich sagen: Der HERR hat mich wahrlich geführt und ist mir immer nahe gewesen; ich habe seine Nähe täglich spüren können. Diese Jahre waren ein Stück Weg der Kirche, auf dem es Zeiten der Freude und des Lichts gegeben hat, aber auch schwierige Momente.

Ich bin mir vorgekommen wie Petrus mit den Jüngern im Boot auf dem See von Galiläa: Der HERR hat uns viele sonnige Tage mit sanfter Brise geschenkt, Tage, an denen der Fang reich war; es hat auch Tage gegeben, an denen das Wasser unruhig und der Wind ungünstig waren und der HERR, wie so oft in der Geschichte der Kirche, zu schlafen schien.

„Das Schiff der Kirche gehört nicht mir, sondern dem HERRN“

Aber immer habe ich gewusst, dass der HERR mit im Boot ist, und immer habe ich gewusst, dass das Schiff der Kirche nicht mir gehört, auch nicht uns gehört, sondern dem HERRN, der es nie sinken lassen wird. ER ist es, der dieses Schiff lenkt, natürlich auch mittels der Menschen, die er dazu auserwählt, denn so hat ER es gewollt.

Das ist und war schon immer eine Gewissheit, die durch nichts verdunkelt werden kann. Und das ist der Grund, weshalb mein Herz heute voller Dankbarkeit gegenüber Gott ist, der es seiner Kirche und auch mir persönlich nie an seinem Trost, seinem Licht und seiner Liebe hat fehlen lassen.

Wir befinden uns im „Jahr des Glaubens“, das ich eben deshalb gewollt habe, um unseren Glauben an Gott in einer Zeit, die ihn immer mehr scheint an den Rand drängen zu wollen, wieder zu stärken.

„Wir wollen uns wie Kinder den Armen Gottes anvertrauen“

Ich möchte uns alle auffordern, unser festes Vertrauen an Gott zu erneuern und uns wie Kinder den Armen Gottes anzuvertrauen in der Gewissheit, dass diese Arme uns immer stützen und es uns ermöglichen werden, jeden Tag unseren Weg zu gehen, auch dann, wenn er schwierig wird.

Ich möchte, dass jeder sich von jenem Gott geliebt weiß, der seinen Sohn für uns hingab und uns seine grenzenlose Liebe gezeigt hat. Ich möchte, dass jeder die Freude spürt, Christ zu sein.

Ein schönes Gebet, das man jeden Morgen beten sollte, lautet: „Mein Gott, ich bete dich an, und ich liebe dich aus ganzem Herzen. Ich danke dir, dass Du mich erschaffen hast, dass ich Christ sein darf…“.

Ja, wir wollen dankbar sein, dass wir die Gabe des Glaubens empfangen haben; sie ist die größte aller Gaben, und niemand kann sie uns nehmen! Lasst uns dem HERRN täglich dafür danken, im Gebet und durch ein konsequent christliches Leben. Gott liebt uns; er erwartet aber auch, dass wir ihn lieben!

Aber nicht Gott alleine will ich heute danken. Ein Papst ist nicht allein am Steuer des Schiffleins Petri, auch wenn er die erste Verantwortung trägt. Ich habe mich nie allein gefühlt mit der Freude und der Last des Petrusamtes; der HERR hat mir viele Menschen zur Seite gestellt, die mir auf großherzige Weise und voller Liebe zu Gott und zur Kirche geholfen haben und nahe waren.

Dazu zählt an erster Stelle ihr, meine Herren Kardinäle, meine geliebten Brüder. Eure Weisheit, euer Rat, eure Freundschaft waren immer kostbar für mich. Dasselbe gilt für meine Mitarbeiter, angefangen bei meinem Staatssekretär, der mich in diesen Jahren treu begleitet hat; das Staatssekretariat und die ganze römische Kurie, wie auch für alle, die mit den unterschiedlichsten Aufgaben für den Heiligen Stuhl arbeiten.

Zahlreich sind die Gesichter, die nie öffentlich auftreten, die im Schatten wirken, aber gerade in der Stille, in ihrer täglichen Hingabe, mit ihrem Glauben und ihrer Demut eine sichere und feste Stütze für mich gewesen sind.

Ein besonderer Gedanke geht an die Kirche von Rom, an meine Diözese! Auch meine Brüder im Bischofs- und Priesteramt bleiben unvergessen, genau wie die geweihten Menschen und das gesamte Volk Gottes:

„Ich trage euch mit dem Herzen eines Vaters im Gebet“

Bei den Pastoralreisen, den vielen Begegnungen, den Audienzen, den Reisen konnte ich die Liebe und die Zuneigung unzähliger Menschen spüren; und auch ich habe zu allen und zu jedem einzelnen jene pastorale Liebe empfunden, die im Herzen jedes Seelsorgers lebt, besonders im Herzen des römischen Bischofs, des Nachfolgers Petri. Jeden Tag habe ich einen jeden von euch im Gebet getragen, mit dem Herzen eines Vaters.

Ich wünsche mir, dass mein Gruß und mein Dank alle erreiche: Das Herz eines Papstes weitet sich, um die ganze Welt zu umfassen. Ich danke auch dem diplomatischen Korps beim Heiligen Stuhl, der die große Familie der Nationen der Welt vertritt. Dabei denke ich auch an alle, die für eine bessere Verständigung arbeiten, und danke ihnen für ihren wichtigen Einsatz.

Zuletzt möchte ich mich auch von Herzen bei den zahlreichen Menschen auf der ganzen Welt bedanken, die mir in den vergangenen Wochen ein Zeichen ihrer Aufmerksamkeit, ihrer Freundschaft und ihres Gebets haben zukommen lassen.

„Der Papst ist nie allein – und er gehört allen!“

Es stimmt, der Papst ist nie allein; das habe ich in diesen Tagen noch einmal auf so tiefe Weise erfahren, dass es mein Herz rührt. Der Papst gehört allen  –  und zahlreiche Menschen fühlen sich ihm nah. Es stimmt, dass ich von den Großen der Welt Briefe erhalte: von Staatsoberhäuptern, religiösen Würdenträgern, Vertretern der Welt der Kultur und so weiter.

Aber ich erhalte auch zahlreiche Briefe von einfachen Menschen, die mir einfach nur deshalb schreiben, weil sie in ihren Herzen das Bedürfnis dazu spüren. Sie geben mir einen Beweis ihrer Liebe, die daher kommt, dass wir mit Jesus Christus in der Kirche vereint sind.

Diese Menschen schreiben mir nicht so, wie man etwa an einen Fürsten schreiben würde oder an einen Mächtigen, den man nicht kennt. Sie schreiben mir wie Brüder und Schwestern, wie Söhne und Töchter, wie einem Familienangehörigen, den man gern hat.

„Die Kirche ist keine Organisation, sie ist ein lebendiger Leib in Christus“

Hier erfahren wir, was die Kirche ist: keine Organisation, kein Verein, der religiöse oder humanitäre Ziele verfolgt, sondern ein lebendiger Leib, eine Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern, die im Leib Christi vereint sind.

Die Kirche so zu erleben, ihre Wahrheit und Liebe fast mit Händen fassen zu können, ist ein Grund zu großer Freude, besonders in Zeiten, wo alle von ihrem Niedergang sprechen. Heute sehen wir, wie lebendig die Kirche ist!

In den vergangenen Monaten habe ich gespürt, wie meine Kräfte nachlassen, und ich habe Gott im Gebet eindringlich gebeten, mich zu erleuchten und mir zu helfen, einen Entschluss zu fassen, der das Beste, nicht für mich, sondern für das Wohl der Kirche ist.

Ich habe mich für diesen Schritt entschieden, im vollen Bewusstsein seines Ernstes und seiner Neuartigkeit, doch in tiefem Frieden des Geistes. Die Kirche lieben bedeutet auch den Mut besitzen, schwere Entscheidungen zu treffen, indem man immer das Wohl der Kirche und nicht sich selbst vor Augen hat.

Erlaubt mir, in Gedanken noch einmal zu jenem 19. April 2005 zurückzukehren. Von jenem Augenblick an bin ich immer und für immer mit der Arbeit für den HERRN beschäftigt gewesen. Immer: Wer das Amt des Nachfolgers Petri annimmt, hat kein Privatleben mehr. Er gehört immer und ganz der Kirche, das heißt allen. Seinem Leben wird sozusagen die Privatsphäre völlig entzogen.

„Der Papst fühlt sich geborgen in der Umarmung der Gemeinschaft“

Ich habe dabei erfahren, und ich erfahre es auch jetzt wieder, dass man sein Leben genau dann empfängt, wenn man es seinen Brüdern schenkt. Ich sagte vorhin, dass viele Menschen, die den HERRN lieben, auch den Nachfolger Petri lieben. Der Papst hat wirklich unzählige Brüder und Schwestern, Söhne und Töchter in der ganzen Welt; er fühlt sich geborgen in dieser Umarmung der Gemeinschaft, eben weil er nicht mehr sich selbst gehört, sondern allen und weil alle ihm gehören.

„Immer“ bedeutet auch „für immer“  –  es gibt keine Rückkehr zum Privatleben. Meine Entscheidung, auf die aktive Ausübung meines Amtes zu verzichten, kann daran nichts ändern. Ich ziehe mich nicht ins Privatleben zurück, kehre nicht zu Reisen, Begegnungen, Konferenzen und ähnlichem zurück.

„Ich verlasse nicht das Kreuz, sondern bleibe beim HERRN“

Ich verlasse das Kreuz nicht, sondern bleibe auf eine neue Weise beim gekreuzigten Herrn. Ich trage nicht mehr das Amt und die Verantwortung der Führung der Kirche, aber im Dienst und im Gebet bleibe ich sozusagen im Hof des heiligen Petrus.

Der heilige Benedikt, dessen Namen ich als Papst trage, wird mir darin ein großes Vorbild sein. Er hat uns den Weg zu einem Leben gewiesen, dass aktiv und passiv ganz dem Werk Gottes gehört.

Ich danke euch allen und jedem Einzelnen auch für den Respekt und das Verständnis, mit der ihr diese so wichtige Entscheidung aufgenommen habt. Ich werde die Kirche weiterhin in Gebet und Meditation begleiten, mit derselben Hingabe an den HERRN und seine Braut, die ich bis heute jeden Tag zu bewahren versucht habe und in der ich weiterhin vorhabe zu leben.

Ich bitte euch, vor Gott meiner zu gedenken, und vor allem bitte ich euch auch, für die Kardinäle zu beten, die vor einer so schwierigen Aufgabe stehen, und für den neuen Nachfolger des Apostels Petrus: Möge der HERR ihn mit dem Licht und der Kraft seines Geistes begleiten.

Wir bitten um die mütterliche Fürsprache der Jungfrau Maria, der Mutter Gottes und der Kirche, damit sie jeden von uns und die gesamte Kirche begleiten möge; ihr vertrauen wir uns in tiefer Zuversicht an.

„GOTT leitet und stützt seine Kirche“

Liebe Freunde! Gott leitet seine Kirche und stützt sie immer, gerade auch in den schwierigen Augenblicken. Lasst uns diese Sicht des Glaubens nie verlieren; sie ist die einzig richtige Vorstellung vom Gang der Kirche und der Welt.

In unserem Herzen, im Herzen jedes Einzelnen von uns, möge immer die freudige Gewissheit leben, dass der HERR uns beisteht, uns nicht verlässt, uns mit seiner Liebe umgibt. Danke!

Nach dieser Ansprache grüßte der Papst die deutschsprachigen Pilger in deutscher Sprache:

Ein herzliches „Vergelt’s Gott“ sage ich allen Brüdern und Schwestern deutscher Sprache  –  euch, liebe Freunde, die ihr zu dieser letzten Generalaudienz meines Pontifikats gekommen seid, und allen zuhause. Und ich danke der Traunsteiner Blaskapelle, dass sie uns die Bayernhymne so schön gespielt hat.

Der HERR trägt die Kirche immer, ER leitet sie auch in schwierigen Zeiten. Diese Sicht dürfen wir nie verlieren. Wir dürfen stets gewiss sein, der HERR ist uns nahe und umfängt uns mit seiner Liebe. Im Gebet bleiben wir, liebe Freunde, einander nahe, und im Gebet ist der HERR uns nahe. So grüße ich euch alle von ganzem Herzen. Der HERR segne euch und die Kirche in unseren Landen.

Übersetzung: http://www.zenit.org

Fotos: Kopten ohne Grenzen, Radio Vatikan


Papst Benedikt und die Bayernhymne: GOTT mit Dir, Du Papst aus Bayern…

Über Deinem treuen Wirken walte seine Segenshand…

Der bayerische Politiker Alois Glück berichtete kürzlich, daß er Papst Benedikt seit langem als nüchternen, vernunftorientierten Theologen kennt.

Aber auch ein bodenständiger Mann, ein hochgebildeter Geistlicher wie Joseph Ratzinger kennt Momente der inneren Rührung, wie CSU-Mann Glück  erzählt: 

Foto: Bistum Regensburg

Foto: Bistum Regensburg

„Wenn die Bayernhymne erklingt, dann ist er richtig ergriffen. Diese erstaunliche Bandbreite: hier der brillante Kopf und dann der Mann, der ganz emotional im Brauchtum verwurzelt ist. Das ist bei Joseph Ratzinger kein Widerspruch.“

Hohe Geistesklarheit und tiefe Ergriffenheit ergänzen sich durchaus!

Benedikts Verbundenheit mit dieser frommen Hmyne zeigte sich auch anläßlich seiner Abschiedsrede beim Bayern-Besuch am 14. September 2006 auf dem Münchner Flughafen; er beendete seine Ansprache mit der ersten Strophe des Bayernliedes:

„Mit den Worten unserer Hymne, die auch ein Gebet sind, möchte ich meiner Heimat gern noch einen Segenswunsch hinterlassen: „Gott mit dir, du Land der Bayern, deutsche Erde, Vaterland! / Über deinen weiten Gauen ruhe seine Segenshand! / Er behüte deine Fluren, schirme deiner Städte Bau / und erhalte dir die Farben seines Himmels Weiß und Blau!“   –   Allen ein herzlichen „Vergelt‘s Gott!“ und „Auf Wiedersehen!“, so Gott will.

Am vergangenen Sonntag versammelten sich rd. 200.000 Menschen auf dem Petersplatz, darunter viele Pilger aus Deutschland, zumal aus Bayern. Die Landsleute des Papstes sangen begeistert ihre Bayernhymne,  unterstützt durch zünftige Blasmusikkapellen.

Zur Generalaudienz am heutigen Mittwoch  –  der letzten von Benedikt XVI.  – kamen noch mehr Gläubige: etwa eine Viertelmillion Menschen befanden sich bei großartiger Stimmung und strahlendem „Papstwetter“ auf dem Petersplatz und jubelten dem Pontifex ein letztes Mal zu. Unter den Pilgern weilte auch der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer.

Dutzende Gebirgsschützen und viele schmucke Trachtler in ihren farbenfrohen Gewändern überbrachten Papst Benedikt ihre Grüße aus der Heimat. Auch diesmal waren zahlreiche weiß-blaue Flaggen wieder unübersehbar.

Foto: Kopten ohne Grenzen

Foto: Kopten ohne Grenzen

Eine Blaskapelle aus Traunstein, wo Joseph Ratzinger einst zur Schule ging, spielte die Bayern-Hymne. Dieses Lied paßte zweifellos gut zum kirchlichen Anlaß, ist es doch von einer stark religiösen „Note“ getragen und beginnt mit den Worten: „Gott mit dir, du Land der  Bayern…“

Im kath. Blog BEIBOOT PETRI sehen wir ein Video dieser bewegenden Ereignisse aus der Ewigen Stadt: http://beiboot-petri.blogspot.de/2013/02/die-bayernhymne-auf-dem-petersplatz.html

Hier folgen zunächst die Schlußworte der heutigen (letzten!) Benedikt-Ansprache an die deutschsprachigen Pilger  –  danach veröffentlichen wir abschließend den wunderbaren Text der Bayernhymne:

„Ein herzliches „Vergelt’s Gott“ sage ich allen Brüdern und Schwestern deutscher Sprache  –  euch, liebe Freunde, die ihr zu dieser letzten Generalaudienz meines Pontifikats gekommen seid  –  und allen zuhause.

Gott leitet die Kirche. Der HERR trägt sie immer, gerade auch in schwierigen Zeiten. Diese Sicht aus dem Glauben wollen wir nie verlieren. Wir dürfen stets gewiß sein, daß der HERR uns nahe ist, uns nicht verläßt und uns stets mit seiner Liebe umfängt. Im Gebet bleiben wir miteinander verbunden. Von Herzen segne ich euch alle.“

Die BAYERNHYMNE

Text: Michael Öchsner (1816-1893)
Musik: Max Kunz (1812-1875)

 Gott mit dir, du Land der Bayern, Heimaterde, Vaterland!
Über deinen weiten Gauen walte seine Segenshand!
Er behüte deine Fluren, schirme deiner Städte Bau
Und erhalte dir die Farben deines Himmels, Weiß und Blau!

Gott mit dir, dem Bayernvolke, daß wir uns’rer Väter wert,
Fest in Eintracht und in Frieden bauen uns’res Glückes Herd!
Daß mit Deutschlands Bruderstämmen einig uns ein jeder schau
Und den alten Ruhm bewähre unser Banner weiß und blau!

Gott mit uns, dem Bayernvolke, wenn wir, unsrer Väter wert,
Stets in Eintracht und in Frieden bauen unsres Glückes Herd;
Daß vom Alpenland zum Maine jeder Stamm sich fest vertrau‘
Und die Herzen freudig eine unser Banner, weiß und blau!

Gott mit uns und Gott mit allen, die der Menschen heilig Recht
Treu beschützen und bewahren von Geschlechte zu Geschlecht.
Frohe Arbeit, frohes Feiern, reiche Ernten jedem Gau,
Gott mit dir, du Land der Bayern unterm Himmel weiß und blau!