Hanau: Gedenkgottesdienst mit Würdigung von Pater Lothar Groppe SJ

Die katholische Pfarrgemeinde St. Josef in Hanau hat in einem weiteren Gedenkgottesdienst für den verstorbenen Jesuitenpater Lothar Groppe gebetet und sein Glaubensleben gewürdigt.

Von Hans-Michael Müller und Dr. Tobias Angert, zwei engagierten Katholiken und Freunden des Geistlichen, wurde ein Nachruf angefertigt, der in der Kirche zum Mitnehmen ausliegt.

Er geht vor allem auf die vielfältigen Beziehungen des Paters und seines Vaters  – Generalleutnant Theodor Groppe  –  zu Hanau ein.

General Groppe war ein mutiger Judenretter und Widerständler in der NS-Diktatur; sein Sohn Lothar Groppe (siehe Foto) ein einsatzfreudiger Seelsorger, Vortragsredner, Pädagoge und Autor.

Der Text dieses Nachrufs lautet:

Pater Lothar Groppe, jüngster Sohn des mit seiner Familie von 1936 bis 1954 in Hanau lebenden Widerstandskämpfers Generalleutnant Theodor Groppe, ist am 17. November 2019 in einem Altersheim des Jesuitenordens in Berlin-Kladow gestorben. Er wurde 92 Jahre alt.

Lothar Groppe war der St. Josefskirche sehr verbunden, wohnte er doch mit seinen Eltern viele Jahre in der Engelhardstraße. Gemeinsam mit den bereits verstorbenen Ge-meindemitgliedern Josef (Seppl) Fuchs und Paul Angert ministrierte er in der Kirche St. Josef.

Seine Verbindung zu Hanau und zu Hanauer Familien währte über viele Jahrzehnte. Immer wieder besuchte er „sein Hanau“ und übernahm – nach seiner Pensionierung – bereitwillig Urlaubsvertretungen in Hanau und Bruchköbel.

Von 1963 bis Ende 1971 war Pater Groppe als Dozent an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg tätig. Jahrzehntelang war er der Militärseelsorge in Deutschland und Österreich sehr verbunden.

BILD: Pater Lothar Groppe vor der im Jahre 2011 in Hanau errichteten Theodor-Groppe-Straße (Foto: H.-M. Müller)

Der Leitende Militärdekan Joachim Simon vom Katholischen Militärbischofsamt, der einige Jahre als Kaplan in Hanau wirkte, würdigte bei der Beisetzung in Berlin den engagierten Jesuiten als ein Vorbild für viele Soldaten und Offiziere, der ihnen eine christlich-ethische Orientierung gegeben habe.

Pater Lothar Groppe SJ leitete einige Jahre die Deutsche Sektion von Radio Vatikan in Rom.

Am 7.9.2018 konnte er seine 70jährige Zugehörigkeit zum Orden der Jesuiten und sein 60jähriges Priesterjubiläum feiern.

Groppes Vater, von den Nazis „Schwarzer General“, in dem damals „braunen“ Hanau gar „katholischer Hund“ genannt, ging in der NS-Zeit mit seiner Generalsuniform in die Kirche St. Josef. Das war ein starkes und mutiges Zeichen und sorgte dafür, dass er deswegen mehrfach angezeigt und von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) verhört wurde.

Die Gestapo holte auch den jungen Lothar Groppe zu Hause ab und brachte ihn zum Verhör in das „Braune Haus“ an der Nussallee, die Infanteriekaserne am Freiheitsplatz (heute Finanzamt) oder nach Darmstadt. Der Junge sollte nicht nur seinen Vater belasten, sondern hatte in der Schule einmal an eine Tafel geschrieben: „Hitler ist ein Verbrecher!“

BILD: General Groppe neben Stauffenberg auf dem Titelblatt der Berliner Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT

Als Junge musste Lothar Groppe auch miterleben, wie die Nazis seinen Vater am Freiheitsplatz in Generalsuniform Schützengräben ausheben ließen, um ihn zu demütigen. Später wurde Vater Groppe zeitweise als Luftschutzwart bei der Firma Heraeus eingesetzt.

Der „Schwarze General“ hat sich mehrfach sehr mutig nationalsozialistischen Befehlen widersetzt. Als Generalleutnant und Divisionskommandeur am Westwall verhinderte er durch seinen Schießbefehl gegen Judenverfolger eine von der NSDAP betriebene „spontane Volkskundgebung gegen die Juden“. Das ist eines der wenigen bekannten Beispiele dafür, dass hochrangige deutsche Soldaten mit Waffengewalt Juden vor Pogromen geschützt haben.

Generalleutnant Groppe wagte es auch, Himmlers Befehl, deutsche Frauen auch außerhalb der Ehe zu schwängern, um den zu erwartenden Blutzoll im Krieg abzumildern, scharf zu kritisieren. Das war einmalig!

Daraufhin wurde er umgehend unehrenhaft aus dem Heer entfernt und auf Befehl Himmlers 1944 mit dem Ziel der Liquidierung zunächst ins Gestapo-Gefängnis in Darmstadt, von dort Anfang 1945 in die Festungshaftanstalt nach Küstrin gebracht, wo er mit Zustimmung Hitlers umgebracht werden sollte.

BILD: Letztes Buch von P. Lothar Groppe über die Wiener Hilfsstelle für Judenchristen

Nur knapp entging Theodor Groppe Dank mutiger Hilfe von Nazigegnern der Hinrichtung und kam 1945 – von französischen und amerikanischen Militärs hoch geachtet – zurück in das zerbombte Hanau. 1954 zog es ihn dann in seine Geburtsstadt Trier, wo er sich intensiv der deutsch-französischen Aussöhnung widmete.

Seinem Sohn Lothar hat Vater Groppe mit auf den Weg gegeben: „Niemals aufgeben, sich nicht mit dem billigen Gerede: „Es hat ja doch keinen Zweck“ aus Auftrag und Verantwortung stehlen, sondern alles in der eigenen Kraft Stehende tun und fest auf Gott vertrauen!“

Das hat Pater Lothar Groppe immer befolgt und sich auch dann zu Wort gemeldet, wenn es galt, sich mutig, unbequem und deutlich bewusst gegen den Zeitgeist zu artikulieren. Folgerichtig verstand er sich sehr gut mit Erzbischof Johannes Dyba, über den er in dem Erinnerungsband „Der Löwe von Fulda“ entsprechend berichtete.

Groppes Vater wurde im Hanauer Lamboygebiet auf einstimmigen Beschluss der Hanauer Stadtverordnetenversammlung mit einer nach ihm benannten Straße geehrt (siehe 2. Foto).

Pater Lothar Groppe war ein weit über die Grenzen Deutschlands hinaus anerkannter Redner, Lehrer, Zeitzeuge und Autor. Er ist der deutsche Jesuit, der die meisten Veröffentlichungen zu religiösen, geschichtlichen und politischen Themen geschrieben hat.

Sein jüngstes Werk ist das 2016 erschienene Buch: „Kirchlicher Einsatz für verfolgte Juden im Dritten Reich – Die Erzbischöfliche Hilfsstelle für nichtarische Katholiken in Wien“.

Die Katholische Kirche in Hanau und in Deutschland verliert mit Lothar Groppe einen unerschrocken mutigen Bekenner und Verteidiger des Glaubens.

Er möge in Frieden ruhen!

HIER ergänzend unser eigener Nachruf auf Pater Groppe: https://charismatismus.wordpress.com/2019/11/17/wir-trauern-um-pater-lothar-groppe-sj/


Pater Lothar Groppe ist seit 60 Jahren Priester

Von Felizitas Küble

Der weithin bekannte Jesuitenpater und Schriftsteller Lothar Groppe erreichte gestern (30. Juli) das gesegnete Alter von 92 Jahren; heute  – am 31. Juli 2019  –  feiert der Geistliche in Berlin sein 60-jähriges Priesterjubiläum.

Der glaubensstarke Gottesmann hat noch vor drei Jahren ein fundiertes Sachbuch veröffentlicht, das sich vor allem mit der Rettung von Juden und „nichtarischen Katholiken“ in Wien befaßt.

Der Titel lautet: „Kirchlicher Einsatz für Juden im Dritten Reich“. (Näheres hier: https://charismatismus.wordpress.com/2016/09/28/wie-jesuitenpater-ludger-born-und-sr-verena-buben-bedrohte-juden-retteten/)

Lothar Groppe kam am 30. Juli 1927 im westfälischen Münster als Sohn des späteren Generalleutnants Theodor Groppe zur Welt. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Westfalen, Ostpreußen, Oberschlesien, Pommern, Hessen und Bayern.

Nach Kriegseinsatz studierte er Rechtswissenschaft und trat am 7. September 1948 in die „Gesellschaft Jesu“ ein. Es folgte das Lizenziat der Philosophie, am 31. Juli 1959 empfing er die Priesterweihe.

P. Groppe wirkte jahrzehntelang als Krankenhausseelsorger in Bad Pyrmont und als Schriftsteller, zeitweise auch als Gemeindepfarrer in Österreich, als Dozent und Militärdekan an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg sowie als Leiter der deutschen Sektion von Radio Vatikan.

BILDER: Titelfotos zweier Bücher von Pater Groppe: „Theodor Groppe – der Schwarze General“ und „Kirchlicher Einsatz für verfolgte Juden im Dritten Reich“

Von 1973 bis 1987 hielt er Vorlesungen und Seminare für die österreichischen Generalstabs-Lehrgänge.

Der Geistliche ist nicht nur Sohn des Widerstandskämpfers Theodor Groppe, sondern hat selber als Schuljunge von 12 Jahren deutlich gegen Hitler Stellung bezogen. Er war mehrfach „Gast“ der Gestapo. Nach dem Krieg wurde er von der Besatzungsmacht als „politischer Verfolgter“ anerkannt.

Sein Vater Theodor Groppe war Generalleutnant und Divisionskommandeur am Westwall. Man nannte ihn wegen seiner grundkatholischen Haltung den „Schwarzen General“. Im 1. Weltkrieg erhielt er zahlreiche Tapferkeitsauszeichnungen, darunter den höchsten Orden Pour le Mérite, der nur 687 mal vergeben wurde. (Im Vergleich dazu wurden im 2. Weltkrieg 6 bis 8 Millionen „Eiserne Kreuze“ verliehen.)

In der Stadt Hanau, wo Theodor Groppe einige Zeit gewirkt hatte, wurde eine Straße nach ihm benannt (siehe Foto).

Die Tugend der Tapferkeit liegt anscheinend in der Familie Groppe. Auch der Vater des „Schwarzen Generals“ war Offizier und wurde dann Verleger. Im Kulturkampf druckte er die verbotenen Hirtenbriefe des Bischofs von Trier und wurde wegen „Majestätsbeleidigung“ zu zwei Jahren Gefängnis und hoher Geldstrafe verurteilt. Die Gefängnisstrafe wurde in Festungshaft verwandelt, weil er Offizier war.

Weil Theodor Groppe den NS-Schergen widerstand, insbesondere SS-Reichsführer Himmler widersprach, wurde er 1942 militärisch degradiert, aus der Wehrmacht ausgestoßen und im August 1944 von der Gestapo verhaftet. Durch Flucht aus der Festung Küstrin entging er der geplanten Hinrichtung und konnte die Kriegszeit überleben.

Der mutige General verhinderte durch seinen Schießbefehl gegen Judenverfolger eine von der NSDAP befohlene „Volkskundgebung gegen die Juden“. Vor allem bei Juden im Saarland war er als „Retter“ bekannt und bewundert.

Sein Sohn Lothar hielt sich auch selber an die geradlinige und unbeugsame Art seines Vaters. Er widerstand dem braunen ebenso wie später dem roten Zeitgeist und orientierte sich klar an christlichen Prinzipien und der katholischen Glaubenslehre. Seine Predigten und Vorträge waren gehaltvoll, mitreißend, präzise und bodenständig.

Der schwungvolle Pater publizierte jahrzehntelang in dutzenden Zeitungen und Zeitschriften von „Theologisches“ über die „Junge Freiheit“ oder die „Preußische Allgemeine Zeitung“ bis zu „Soldat im Volk“ oder Schriften des BdV (Bund der Vertriebenen).

Seine klare katholische Ausrichtung hinderte ihn keineswegs daran, eine vernünftige Ökumene mit theologisch konservativen Protestanten zu pflegen. So schrieb er z.B. regelmäßig für die Zeitschrift „Erneuerung und Abwehr“ der Evangelischen Notgemeinschaft und hielt Reden vor evangelikalen Initiativen. 

Bis heute steht der Geistliche im freundschaftlichen Kontakt mit evangelischen Christen. So half ihm z.B. der Unternehmensexperte und Publizist Dr. Bernd F. Pelz (siehe Foto) sachkundig beim Lektorat und der Erstellung des Groppe-Buches über „Kirchlichen Einsatz für Juden im Dritten Reich“. Außerdem unterstütze Dr. Pelz seinen priesterlichen Freund tatkräftig bei mehreren Umzügen.

Pater Groppe SJ gehörte zu dem vom deutschen Juden Gerhard Löwenthal („ZDF-Magazin“) mitgegründeten „Konservativen Büro“ in Bielefeld. 

Ähnlich wie der  –  ebenfalls NS-verfolgte  –  Löwenthal setzte sich Groppe stets für einen gesunden Patriotismus und entschieden für die deutsche Wiedervereinigung ein; zudem würdigte er die Heimatvertriebenen aus den Ostgebieten und erinnerte immer wieder an ihr tragisches Schicksal, was oftmals wütende Schmähkritik von links hervorrief.

Der Geistliche hatte guten Kontakt mit Erzbischof Johannes Dyba, dem am 23. Juli 2000 plötzlich verstorbenen Oberhirten von Fulda. Im Dyba-Gedenkband „Der Löwe von Fulda“ aus dem KOMM-MIT-Verlag (siehe Foto) ist ein fundierter Beitrag von Pater Groppe enthalten. Darin würdigt er den unerschrockenen Bischof von Fulda sowohl als Bischof wie auch als Mensch und Mitbruder.

Pater Groppe wirkte von 1982 bis 2007 als Krankenhauspfarrer in Bad Pyrmont. Einige Zeit später war er als Seelsorger an einer Mutter-Kind-Klinik in Timmendorfer Strand tätig. Seit August 2015 lebt der unbeugsame Geistliche im Seniorenheim des Jesuitenordens in Berlin-Kladow.

Seine Freunde sowie unser Christoferuswerk und KOMM-MIT-Verlag wünschen ihm ein frohes Priesterjubiläum und Gottes reichen Segen!


Pater Lothar Groppe ist seit 70 Jahren Jesuit

Von Hans-Michael Müller

Pater Lothar Groppe, 1927 in Münster / Westfalen geboren, ist der jüngste Sohn des Widerstandskämpfers Generalleutnant Theodor Groppe, der wegen seiner klar-katholischen Ausrichtung auch als der „Schwarze General“ bekannt war.  

Pater Groppe (siehe Foto) feiert am morgigen 7. September 2018 seine 70-jährige Zugehörigkeit zum Jesuitenorden. Aus diesem Anlass wird in der St. Elisabeth-Kirche in Hanau-Kesselstadt eine heilige Messe für den 91-jährigen Geistlichen zelebriert. Sein Vater, General Groppe, lebte mit seiner Familie von 1936 bis 1954 in Hanau am Main.

Pater Groppe ist jener deutsche Jesuit, der wohl die meisten Texte und Publikationen zu religiösen, geschichtlichen und politischen Themen geschrieben hat. Sein letztes Buch, das er mit 89 Jahren verfaßte, trägt den Titel: „Kirchlicher Einsatz für verfolgte Juden im Dritten Reich“.

Groppes mit dem Orden „Pour le Mérite“ ausgezeichneter Vater hat sich nationalsozialistischen Befehlen ständig sehr mutig widersetzt. So hat er z. B. durch einen Schießbefehl gegen Judenmörder viele Juden vor staatlich geplanten Pogromen geschützt. 

Der tapfere General kritisierte zudem scharf Himmlers „Befehl an Angehörige der SS und Polizei in der Heimat“, dass sie „zur Fortpflanzung des deutschen Blutes um zum Ausgleich des Blutzolls an der Front“ außerehelich „mit deutsche Frauen und Mädeln guten Blutes zum Wohl Deutschlands Kinder zeugen“ sollten. Einen solchen Protest hat sonst niemand gewagt.

BILD: Biographie über General Groppe, den Vater des Jesuitenpaters Lothar Groppe

Daraufhin wurde er umgehend unehrenhaft aus dem Heer entfernt und auf Befehl Himmlers 1944 mit dem Ziel der Liquidierung zunächst ins Gestapo-Gefängnis in Darmstadt, Anfang 1945 in Festungshaft in Küstrin gebracht, wo er auf mehrfache Anordnung und mit Zustimmung Hitlers (Himmler: „Was, die Hunde leben noch?!“) hingerichtet werden sollte.

Nur knapp entging Theodor Groppe Dank mutiger Hilfe von Nazigegnern, z. T. aber auch unerklärlicher Hilfe sogar von „gestandenen Nazis“ der Hinrichtung und kam nach abenteuerlicher Flucht vor der Gestapo und nach seiner Rettung durch französische Soldaten am Bodensee 1945 zurück in die zerbombte Stadt Hanau.

1954 zog es ihn dann in seine Geburtsstadt Trier, wo er sich bis zu seinem Tode u. a. intensiv der deutsch-französichen Aussöhnung widmete.

Seinem Sohn Lothar hat Vater Groppe mit auf den Weg gegeben: „Niemals aufgeben, sich nicht mit dem billigen Gerede `Es hat ja doch keinen Zweck´ aus Auftrag und Verantwortung stehlen, sondern alles in der eigenen Kraft Stehende tun und fest auf Gott vertrauen!“

Das hat Pater Lothar Groppe geradlinig befolgt und sich auch dann zu Wort gemeldet, wenn es galt, sich unbequem und deutlich gegen den Zeitgeist zu artikulieren. Sein Vater wurde in Hanau auf einstimmigen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung mit einer nach ihm benannten Straße geehrt.

Pater Lothar Groppe  ist weit über die Grenzen Deutschlands hinaus ein besonders in glaubenstreuen Kreisen hochgeschätzter Redner und Autor. Er lebt heute zurückgezogen in einem Jesuiten-Heim in Berlin-Kladow.

Weiterer Artikel zu P. Groppe: https://charismatismus.wordpress.com/2018/07/30/pater-lothar-groppe-wird-heute-91-jahre-alt/


Fakten zu Kirchenhaß und Christenverfolgung im Spanischen Bürgerkrieg

Der seit Jahrzehnten  – nicht zuletzt wegen seiner Beiträge zu militärgeschichtlichen Fragen  –  bekannte Jesuitenpater Lothar Groppe SJ schrieb am 2.1.2014 einen Leserbrief an die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (FAS).

Darin informierte er über die Opfer der kommunistischen Katholikenverfolgung zur Zeit des Spanischen Bürgerkriegs.marin

Der katholische Geistliche  –  er ist ein Sohn des in der Nazi-Diktatur verfolgten Generalleutnants und Widerständlers Theodor Groppe (siehe Foto)  –  reagierte damit auf einen FAS-Artikel mit dem Titel „Franco ging über ins Bewußtsein der Menschen“ vom 29.12.2013. 

Wir dokumentieren den vollen Wortlaut der Stellungnahme von Pater Groppe (siehe Foto): 

„Bei den Fragen von Yvonne Staat zu Georg Pichlers  Buch „Gegenwart der Vergangenheit“ fällt auf, dass sie doch recht einseitig gestellt sind. Im Deutschen gibt es den schönen Spruch: „Eines Mannes Rede ist keines Mannes Rede, man muß sie hören alle beede.“ DSC_0517

Als juahrzehntelanger Leser verschiedener Tageszeitungen fiel mir auf, dass es üblich war und ist, von der Franco-Diktatur zu sprechen. Von Stalin- oder Tito-Diktatur ist normalerweise nie die Rede. Als 21-maliger „Gast“ der Gestapo bin ich wohl kaum als Neo-Nazi einzustufen.

Frau Staat ist wahrscheinlich nicht bekannt, dass durch die „demokratischen“ und sicher edlen Rotspanier 12 Bischöfe (das „Lexikon für Theologie und Kirche“ spricht von 11 Bischöfen), 5255 Pfarrer, 2492 Mönche, 283 Nonnen und 294 Novizen erschossen, zu Tode gefoltert oder auf andere Weise ermordet wurden.

Der Erzbischof von Valladolid, Antonio Garcia Y Garcia, urteilte am 3.1.1947: „Die nationale Erhebung war in ihrem Wesen und in ihren grundsätzlichen Linien und in ihrer Gesamtheit eine legitime und völlig gerechte Erhebung zur Verteidigung der Religion und des Vaterlandes.“

Im Juli 1977 hielt ich in Sigüenza Vorträge und zelebrierte auch in der dortigen Kathedrale. Der Bischof von Sigüenza wurde im Bürgerkrieg ermordet und die dortigen Geistlichen sprachen von 12 ermordeten Bischöfen. Bleiben wir bei 11 Bischöfen.

Kein Kenner der damaligen Situation ist sich im unklaren, dass der Sieg der Roten zur Bolschewisierung Spaniens und wohl auch Frankreichs geführt hätte. Das übrige Europa hätte sich kaum der Bolschewisierung von West und Ost erwehren können.

Es ist unbestreitbar, dass es auf beiden Seiten zu Grausamkeiten und fürchterlichen Exzessen gekommen ist, was in Bürgerkriegen nahezu immer geschieht. Ein Vetter meiner Mutter wurde im Ruhrkampf gefesselt in die Ruhr gestürzt, nachdem man ihm vorher noch die Hände abgehackt hatte.

Wer nicht ideologisch verzurrt ist, sucht nicht Fehler und Verbrechen nur auf einer Seite, wie dies bei „Spätgeborenen“ nicht selten geschieht.“

Foto: Dr. Bernd F. Pelz