Papst kritisiert „synodalen Prozeß“ deutscher Bischöfe: Die Situation ist dramatisch

Gedanken zum Brief des Papstes „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ von Michael Fuchs, Generalvikar des Bistums Regensburg

Papst Franziskus schreibt den Katholiken in Deutschland einen Brief. Er, der soviel Wert auf die eigene Kraft der Ortskirche legt und die Subsidiarität und Synodalität betont, sieht siciMA00584401h als Hirte und Vater gezwungen, das Wort zu ergreifen.

Herausgekommen ist ein mahnendes und gleichzeitig ermutigendes Wort, ein Appell mit großem Ernst.

BILD: Generalvikar Fuchs trifft sich mit Sternsingern 

Hintergrund sind die Entwicklungen in der katholischen Kirche in Deutschland in den letzten Jahren und vor allem Monaten, verschiedene Protestaktionen und -schreiben, die aktuellen Planungen für den sogenannten „Synodalen Weg“ (Brief, Abschnitt 3) und die damit einhergehenden Forderungen und Erwartungen.

Ihre Richtungen und ihre Heftigkeit dürften den Heiligen Vater zu diesem Wort gedrängt haben.

Dabei hat Franziskus keine Details angegriffen oder Einzelheiten bewertet. Die Kirchenkrise in Deutschland geht viel tiefer, daher musste auch der Brief grundsätzlicher ansetzen.

Papst Franziskus knüpft dabei mehrfach an seine Ansprache beim Ad-limina-Besuch der deutschen Bischöfe am 20. November 2015 an (siehe z.B. Eingangsworte) und will im Zusammenhang mit jener Ansprache gelesen und verstanden werden. (vgl. https://w2.vatican.va/content/francesco/de/speeches/2015/november/documents/papa-francesco_20151120_adlimina-rep-fed-germania.html)

Hier wie dort sieht der Papst – nachdem er die großen Errungenschaften in Deutschland gelobt hat – die äußeren Merkmale der jetzigen Krise deutlich:

Weniger Katholiken besuchen die Sonntagsmesse oder gehen zur Beichte. Die Glaubenssubstanz bei vielen ist vertrocknet und die Priester werden weniger. Er verspricht uns seine Nähe und Unterstützung in unseren Bemühungen, diese Krise zu überwinden und neue Wege zu finden, und will uns Mut machen.

Doch dann benennt er einige Tendenzen in der deutschen Suche nach Lösungen, die ihm große Sorge bereiten.

„Zerstückelung“ der Kirche

Da ist zunächst die Sorge, dass sich die Kirche in Deutschland von der Weltkirche loslöst und von der umfassenden („katholischen“) Gemeinschaft des Glaubens trennt – die Sorge um einer „Zerstückelung“ der Kirche.

So fordert Papst Franziskus, „sich gemeinsam auf den Weg zu begeben mit der ganzen Kirche“ (3) und spricht die „communio [Gemeinschaft] unter allen Teilkirchen in der Weltkirche“ an (Anm. 7).

Er weist darauf hin, „gerade in diesen Zeiten starker Fragmentierung und Polarisierung sicherzustellen, dass der Sensus Ecclesiae auch tatsächlich in jeder Entscheidung lebt“ und dass die „Teilkirchen in und aus der Weltkirche leben und erblühen; falls sie von der Weltkirche getrennt wären, würden sie sich schwächen, verderben und sterben. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, die Gemeinschaft mit dem ganzen Leib der Kirche immer lebendig und wirksam zu erhalten“ (9), in dem „Wissen, dass wir wesentlich Teil eines größeren Leibes sind“ (ebd.).

Der Papst warnt weiter – mit Verweis auf ein Buch Papst Benedikts XVI. – vor der „Versuchung der Förderer des Gnostizismus“, die „versucht haben, immer etwas Neues und Anderes zu sagen als das, was das Wort Gottes ihnen geschenkt hat. (…) Gemeint ist damit derjenige, der voraus sein will, der Fortgeschrittene, der vorgibt über das ´kirchliche Wir´ hinauszugehen“ (ebd.). 

Die im Text erwähnte Stelle aus dem Zweiten Johannesbrief (2 Joh 9) ist hier aufschlussreich: „Jeder, der darüber hinausgeht und nicht in der Lehre Christi bleibt, hat Gott nicht.“

Es gebe eine „Versuchung durch den Vater der Lüge (…), der (…) letztendlich den Leib des heiligen und treuen Volkes Gottes zerstückelt“ (10). Dem stellt Papst Franziskus eine ganzheitliche Sicht von Synodalität entgegen und legt diese dar.

Offensichtlich ist dem Heiligen Vater nicht verborgen geblieben, dass einige Forderungen der Initiatoren des „Synodalen Prozesses“ (wie der „Synodale Weg“ oft auch genannt wird) über die katholischen Glaubensgrundlagen, wie sie weltweit verbindlich gelten, hinausgehen oder diese nicht genügend berücksichtigen.

Damit würden sie den gemeinsamen Weg und die umfassende Gemeinschaft der Kirche mindestens gefährden. Die Wortwahl des Papstes ist hier ungewöhnlich deutlich.

„Verweltlichte Geisteshaltung“

Ein zweiter Themenkreis in dem päpstlichen Brief betrifft die Versuchung, nur eine „Reform von Strukturen, Organisationen und Verwaltung“ anzustreben, „eine Art neuen Pelagianismus“ (5), vor dem Papst Franziskus schon 2015 die Deutschen Bischöfe beim Ad-limina-Besuch gewarnt hatte. Der Pelagianismus, der von der Kirche im fünften Jahrhundert verworfen wurde, behauptete, es brauche keine Erlösung durch Christus von den Sünden, der Mensch sei aus sich heraus stark und gut.

2015 wies der Papst schon in diesem Zusammenhang auf die Versuchung hin, „unser Vertrauen auf die Verwaltung zu setzen, auf den perfekten Apparat“. Franziskus warnt in seinem Brief vor einer „Verweltlichung und verweltlichter Geisteshaltung“ (5).

„Gott befreie uns von einer weltlichen Kirche unter spirituellen oder pastoralen Drapierungen! Diese erstickende Weltlichkeit erfährt Heilung, wenn man die reine Luft des Heiligen Geistes kostet, der uns davon befreit, um uns selbst zu kreisen, verborgen in einem religiösen Anschein über gottloser Leere.“ (Anm. 13)

Vielmehr brauche es einen „theologalen Blickwinkel“: „Das Evangelium der Gnade (…) sei das Licht und der Führer. (…) Sooft eine kirchliche Gemeinschaft versucht hat, alleine aus ihren Problemen herauszukommen, (…) endete das darin, die Übel, die man überwinden wollte, noch zu vermehren“ (6).

„Ohne ´Treue der Kirche gegenüber ihrer eigenen Berufung´ wird jegliche neue Struktur in kurzer Zeit verderben.“ (ebd.) Daher soll die Kirche nicht einfach auf „äußere Fakten und Notwendigkeiten antworten“, „isoliert vom Geheimnis der Kirche“ (ebd.).

Vieles in Deutschland hat in letzter Zeit beim Papst wohl den Eindruck eines aktivistischen Machens eines politikähnlichen Vereins hinterlassen, einer „frommen Nicht-Regierungs-Organisation“, wie er in anderen Zusammenhängen häufig formulierte. Und einige kirchliche Äußerungen scheinen dieses Machen immer wieder neu zu fordern – ohne Rücksicht auf Voraussetzungen des Glaubens und im Widerspruch zum gläubigen Beschenkt-Werden.

Spannung und Ungleichgewichte statt Anpassung

Papst Franziskus spricht in seinem Brief mehrfach von „Spannung“ und „Anpassung“. Er warnt davor, dass man das kirchliche Leben „der derzeitigen Logik oder jener einer bestimmten Gruppe anpasst“ (5) oder eine „Ordnung findet, die dann die Spannungen beendet, die unserem Mensch-Sein zu eigen sind und die das Evangelium hervorrufen will“ (ebd.).

„Wir dürfen nicht vergessen, dass es Spannungen und Ungleichgewichte gibt, die den Geschmack des Evangeliums haben, die beizubehalten sind, weil sie neues Leben verheißen.“ (ebd.) Die Evangelisierung sei „keine ´Retusche´, die die Kirche an den Zeitgeist anpasst, sie aber ihre Originalität und ihre prophetische Sendung verlieren lässt“ (7). Es gehe darum, „die Zeichen der Zeit zu erkennen, was nicht gleichbedeutend ist mit einem bloßen Anpassen an den Zeitgeist (vgl. Röm 12,2)“ (8).

Vieles, was im Vorfeld des Synodalen Prozesses geäußert wurde, ist geprägt von der Angst, den Anschluss an die plurale Welt nicht zu verlieren, und der Absicht, die Kluft zwischen Kirche und Lebenswirklichkeit zu schließen. Dieser Argumentation entzieht Papst Franziskus deutlich den Boden.

Vorrang der Evangelisierung zurückgewinnen

Stattdessen „ist es (…) notwendig, den Primat der Evangelisierung zurückzugewinnen (…), denn die Kirche, Trägerin der Evangelisierung, beginnt damit, sich selbst zu evangelisieren“ (7).

Es soll „unser Hauptaugenmerk sein (…), unseren Brüdern und Schwestern zu begegnen, besonders jenen, die an den Schwellen unserer Kirchentüren, auf den Straßen, in den Gefängnissen, in den Krankenhäusern, auf den Plätzen und in den Städten zu finden sind. Der Herr drückte sich klar aus: ´Sucht aber zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit´ (Mt 6,33).“ (8).

„Die Heiligkeit ´von nebenan´ (…) das ist die Heiligkeit, die die Kirche vor jeder ideologischen, pseudo-wissenschaftlichen und manipulativen Reduktion schützt und immer bewahrt hat.“ (ebd.)

Als Grundhaltung verlangt der Papst dazu die „Haltung der Wachsamkeit und Bekehrung“ (12), eine „Haltung der Entäußerung“ (ebd.), und er verweist auf die „wahren geistlichen Heilmittel (Gebet, Buße und Anbetung)“ (ebd.).

Prägend sollte dabei die Freude sein: „Die Evangelisierung führt uns dazu, die Freude am Evangelium wiederzugewinnen, die Freude, Christen zu sein.“ (7)

Haben wir also in Deutschland den Primat der Evangelisierung und in Verbissenheit und Protesthaltung die Freude am Glauben verloren? Papst Franziskus legt ausführlich dar, was er unter Evangelisierung und Zugehen auf die Armen versteht, und kritisiert jegliche Verkürzung auf Anpassungen, Verwaltungsreformen und Einigelungs-Tendenzen. Er ruft damit auf, größer zu denken, aus dem eigenen Haus herauszugehen und die Frohbotschaft weiterzutragen in Wort und Tat.

Konflikte nicht mit Abstimmungen niederringen

Der Papst nimmt in seinem Brief nicht zu formal-technischen Details des Synodalen Prozesses (Statut, Abstimmungsregeln, usw.) Stellung, aber folgende Worte stimmen nachdenklich:

„Die synodale Sichtweise hebt weder Gegensätze oder Verwirrungen auf, noch werden durch sie Konflikte Beschlüssen eines ´guten Konsenses´, die den Glauben kompromittieren, Ergebnissen von Volkszählungen oder Erhebungen, die sich zu diesem oder jenem Thema ergeben, untergeordnet.“

Es gehe vielmehr um die „Zentralität der Evangelisierung und dem Sensus Ecclesiae als bestimmende Elemente unserer kirchlichen DNA“ (11).

Fünfmal gebraucht übrigens Franziskus im Brief den Begriff des „Sensus Ecclesiae“ („Kirchensinn“), den er umfassend versteht, und vermeidet den Begriff des „Sensus fidelium“ („Gläubigensinn“), der zwar theologisch und kirchlich fundiert ist, aber bisweilen als Gruppensinn oder Mehrheitsmeinung missverstanden wird.

Ein synodales Miteinander und der Sensus Ecclesiae bedeutet für Papst Franziskus offensichtlich mehr, als durch Abstimmungen und Beschlüsse oder durch Umfragen Konflikte gleichsam technisch niederzuringen oder sich auf Scheinkompromisse zu verlassen, „die den Glauben kompromittieren“.

Sind die Inhalte des Briefes überraschend?

Nicht für den, der die Äußerungen des Papstes zu den Themen, die im Synodalen Prozess bearbeitet und beschlossen werden sollen, verfolgt hat. Und nicht für den, der dem Papst zu Grundsatzfragen der Erneuerung und Evangelisierung zuhört.

Über die Weihe von Frauen zum Diakonat hat er mehrfach Zurückhaltung angemahnt, auch nach mehreren Studien: „Ich kann kein sakramentales Dekret machen ohne eine theologische, historische Grundlage“, erwiderte er den Forderern (vgl. Domradio.de, 19.5.2019).

2016 wurde er auf dem Rückflug von Schweden gefragt, ob er sich die Priesterweihe von Frauen vorstellen könnte. Seine Antwort war klar: Er bezog sich auf seinen Vorgänger Johannes Paul II., der mit seinem Nein das letzte Wort gesprochen habe. „Und das bleibt.“

Auf eine Rückfrage der Journalistin hat Papst Franziskus auf die petrinische und marianische Dimension der Kirche verwiesen und diese kurz dargelegt. (http://w2.vatican.va/content/francesco/de/speeches/2016/november/documents/papa-francesco_20161101_svezia-conferenza-stampa.html)

Vielleicht sind manchen noch seine verschiedenen Äußerungen zu den Zulassungsbedingungen für die Priesterweihe im Gedächtnis. So schließt er die Auflösung des allgemeinen Zölibats ausdrücklich aus: 

„Mir kommt der Satz des heiligen Paul VI. in den Sinn: ´Ich gebe lieber mein Leben, als das Zölibatsgesetz zu ändern.´ Das kam mir in den Sinn, und ich möchte es sagen, denn das ist ein mutiger Satz, in einer schwierigeren Zeit als dieser, die Jahre um 1968/70 herum … Ich persönlich meine, dass der Zölibat ein Geschenk für die Kirche ist. Zweitens bin ich nicht damit einverstanden, den optionalen Zölibat zu erlauben, nein. Nur für die entlegensten Orte bliebe manche Möglichkeit…“ (Rückflug von Panama, 27.1.2019). Für das Amazonas-Gebiet wird bekanntlich eine solche Ausnahme diskutiert.

BILD: Priesterweihe durch Bischof Rudolf Voderholzer (Regensburg)

Außerdem hat der Heilige Vater mehrfach homosexuelle Männer in Priesterseminaren problematisiert und eine entsprechende Regelung der zuständigen Kongregation bekräftigt, was in Deutschland zu wochenlangen, heftigen Diskussionen geführt hat.

Das Schreiben „Maschio e femmina li creó“ („Als Mann und Frau schuf er sie“) zur Gender-Problematik, das die Bildungskongregation vor kurzem veröffentlichte, bekam bisher in der deutschen Kirchenöffentlichkeit auch überwiegend Häme und Kritik.

Was bedeutet dies für den „Synodalen Prozess“?

Sicher kann es nach diesem Brief des Papstes kein „Weiter so“ geben, weder in Inhalt noch in Form. Eigentlich drängt der Brief auf eine komplette Neufassung eines solchen Prozesses, der auf Evangelisierung und geistliche Erneuerung ausgerichtet sein soll und auf „die Menschen am Rande“; einen Prozess, der nicht „macht“ oder „anpasst“, sondern auf Gott setzt, der erneuern und bekehren kann und uns die Freude des Evangeliums schenkt; und einen Prozess, der in allen Belangen mit der Gemeinschaft der katholischen Kirche geht, die Zeit und Raum umfasst.

Beim Ad-limina-Besuch schrieb uns Papst Franziskus ins Stammbuch – und damit könnte man vielleicht seinen Brief zusammenfassen:

„Das Gebot der Stunde ist die pastorale Neuausrichtung, also ´dafür zu sorgen, dass die Strukturen der Kirche alle missionarischer werden, dass die gewöhnliche Seelsorge in all ihren Bereichen expansiver und offener ist, dass sie die in der Seelsorge Tätigen in eine ständige Haltung des ‚Aufbruchs‘ versetzt und so die positive Antwort all derer begünstigt, denen Jesus seine Freundschaft anbietet´ (Evangelii gaudium, 27)“.

Quelle: Bistum Regensburg


Bistum Regensburg nimmt Stellung zur beendeten Protestaktion der Asylgruppe

Pressemitteilung des Bistums Regensburg:

Heute Nachmittag ist die Protestaktion, die vor 35 Tagen im Regensburger Dom mit 50 Personen begann und dann im Pfarrheim St. Emmeram fortgesetzt wurde, ohne polizeiliche Zwangsmaßnahmen zu Ende gegangen.

Die zuletzt 16 Personen haben das Pfarrheim verlassen und sind auf dem Weg zu den Behörden, die das Weitere klären. Damit steht das Pfarrheim für die pfarrliche Nutzung wieder zur Verfügung, die notwendigen Wiederherstellungsarbeiten können beginnen.  Asylverfahren-100_03

Die Verantwortlichen des Bistums zeigen sich erleichtert über den Ausgang. Es bleibt jedoch eine gewisse Nachdenklichkeit, erklärt Generalvikar Michael Fuchs:

„Uns war von Anfang an wichtig, dass Menschen, die in Not zu uns kommen und um Hilfe bitten, nicht im Stich gelassen werden. Das wollen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten so beihalten, auch wenn die letzten Wochen uns dabei deutlich Grenzen vor Augen geführt haben.“

Das umfassende Engagement vieler Frauen und Männer in den unterschiedlichen Bereichen unserer Diözese zum Wohl von Flüchtlingen aus Kriegs- und Krisengebieten bleibt ungeschmälert. Dies gilt auch für den Ausnahmefall, in Extremfällen für eine bestimmte Zeit bei einem Pfarrer um Kirchenasyl zu bitten.

Auch die Sorge, die Diözese werde zukünftig mehr Kirchen aus Angst vor Wiederholungsfällen zusperren, ist unbegründet. „Unsere Kirchen bleiben offen für alle Menschen, die beten wollen, die Stille suchen oder unsere Kirchen bewundern“, betont der Generalvikar.

„Kirchen nicht als Protestbühnen missbrauchen“

Freilich darf es nicht Schule machen, durch das gewaltsame Eindringen in offene kirchliche Räume staatliche Regelungen umgehen zu wollen oder Kirchen als Protestbühne zu missbrauchen. Die Kirche ist nicht der Staat, der Protest im Dom und im Pfarrheim hat sich daher von Anfang an an den falschen Adressaten gewandt und die falschen Mittel gebraucht.

An die Initiatoren der Aktion appelliert Generalvikar Fuchs:

„Wer Änderungen im Asylrecht herbeiführen möchte, muss sich in einem demokratischen Staat im argumentativen Diskurs um Mehrheiten mühen. Eine gewaltsame Abkürzung darf es nicht geben; sie wird auch künftig nicht geduldet, weil sie die Religionsfreiheit und die demokratischen Grundregeln gleichermaßen verletzt.“paragraph_300x3001

Im Rückblick auf die fünf Wochen war es den Verantwortlichen des Bistums wichtig, die Betroffenen zunächst anzuhören, im Gespräch mit ihnen ihre Identität und Lage zu klären und im Kontakt mit den Behörden Möglichkeiten einer Lösung herauszufinden. Dabei ergab sich ein differenziertes, bisweilen auch komplexes Bild, und die Grenzen einer Unterstützung wurden immer deutlicher.

Nach dem Umzug von den Vorräumen des Doms in das größere Pfarrheim zog die erste Teilgruppe (14 Personen) in ihre Regensburger Gemeinschaftsunterkünfte zurück. Gleichzeitig wurde deutlich, dass fünf weitere Flüchtlinge aus Hamburg schon im Dom  –  entgegen den Abmachungen  –  nachträglich eingeschleust worden waren. Im Laufe der Wochen hatten sich einige Personen auch ausländerrechtlich wesentlich verschlechtert, weil sie außerhalb der staatlichen Unterkünfte beispielsweise Antragsfristen versäumten.

Selbstmordabsichten und Androhungen

Nach drei Wochen folgten erste Androhungen und Gefährdungen seitens der Gruppe im Pfarrheim. Es begann mit einem Hungerstreik und mündete schließlich in mehrfach geäußerte Selbsttötungsabsichten, die auch Kinder miteinschlossen.

Ein Verbleib im Pfarrheim war nicht mehr verantwortbar  –  und wir haben die Gruppe in aller Deutlichkeit zum Verlassen des Pfarrheims aufgefordert. Daraufhin hatten sich 12 weitere Personen in ihre ursprünglichen Unterkünfte begeben. 039_36A - Kopie

Weitere langwierige Verhandlungen blieben ergebnislos, so dass als letztes Mittel schließlich eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch nötig wurde. Gleichzeitig sah sich das Bistum gezwungen, auch die Unterstützung und Verpflegung der Gruppe einzustellen. Dies bewegte acht weitere Personen zum Auszug aus dem Pfarrheim.

Die verbleibenden 16 Personen wurden heute durch die Polizei und Vertreter der Ausländerbehörde Regensburg ohne Zwangsmaßnahmen dazu gebracht, das Pfarrheim zu verlassen.

Dank an Polizei und Behörden

Das Bistum dankt der Regierung der Oberpfalz mit der Ausländerbehörde und dem Gesundheitsamt, dem Polizeipräsidium Oberpfalz, der Polizeiinspektion Süd und der Stadt Regensburg für die gute, fast tägliche gegenseitige Beratung in der Vorgehensweise in diesen Wochen, sowie dem Gerl-Sicherheitsdienst für die geleistete Arbeit vor Ort.

Weiter dankt sie allen kirchlichen Helferinnen und Helfern, den Dommesnern und Herrn Martin Braun, Pfarrer Roman Gerl und der Pfarrei St. Emmeram, Herrn Michael Eibl als Verhandlungsführer, dem Malteser-Hilfsdienst mit Dr. Rainer Tichy und anderen für vielfältige Dienste, dem Diözesancaritasverband mit ihren Referenten und Asylsozialberatern sowie der Bischöflichen Administration. Und wir danken den Anwohnern am Wiesmeierweg für ihre Geduld.


Berlin: Erfolgreicher „Marsch für das Leben“ mit mehr als 5000 Teilnehmern

Nach polizeilichen Schätzungen nahmen in diesem Jahr mindestens 5000 Personen am Marsch für das Leben in Berlin teil. Damit stieg die Zahl der Teilnehmer wiederum im Vergleich zum Vorjahr (2013: 4500 Teilnehmer). PICT0129

Der Vorsitzende des Bundesverbandes Lebensrecht, Martin Lohmann, freut sich über diese Steigerung:

„Die Pro-Life-Bewegung ist im Aufwind  –  national wie international. Auch und gerade unter jüngeren Menschen wächst die Sensibilität für das Leben. Dies belegen die zahlreichen jugendlichen Teilnehmer beim diesjährigen Schweigemarsch  –  ein eindrucksvolles und friedliches Zeugnis für das Leben!“

Der Marsch für das Leben ging mit einem ökumenischen Gottesdienst vor dem Berliner Dom zu Ende. Durch den Gottesdienst führt der evangelische Pfarrer Axel Nehlsen.

Die Predigt hält in diesem Jahr der Generalvikar des Bistums Regensburg, Prälat Michael Fuchs, der ausdrücklich als Vertreter von Bischof Rudolf Voderholzer erschienen war. Er unterstrich die Bedeutung des Lebensrechts für eine humane Gesellschaft und dankte den Teilnehmern des Marsches für ihr mutiges Zeugnis.

In seinem Schlußwort dankte Lohmann den zahlreichen Teilnehmern für ihr persönliches Zeugnis:

„5000 Menschen sind heute auf die Straße gegangen und haben gleichsam mit ihren Füßen für das Leben abgestimmt. Ich danke allen Teilnehmern für ihr Zeugnis! Die Proteste gegen unsere Freiheitsbewegung sind letztlich nur eine starke Bestätigung dafür, dass wir einen Friedensmarsch für das Leben nötig haben.

Wir sagen Ja zum menschlichen Leben, zur Würde jedes einzelnen Menschen, von Anfang an bis zu seinem natürlichen Ende! Wir wollen keinen Suizid auf Wunsch, keinen verordneten oder vorgeschriebenen Selbstmord im Alter oder bei Krankheit. Wir sind für alle Menschen, für das Leben aller Menschen!“