Rheine: Professor Paul Cullen sprach über gentechnische Chancen und Irrwege

Von Felizitas Küble

Im Rahmen der kirchlich-ökumenischen „Woche für das Leben“ veranstaltete die Aktion Lebensrecht für alle (ALfA) gemeinsam mit den Christdemokraten für das Leben (CDL) am Dienstag (7. Mai) einen Vortragsabend mit dem Bioethik-Experten und Molekularbiologen Prof. Dr. Paul Cullen zum Thema „Vom Retortenbaby zum Mischwesen. Irrungen und Wirrungen in der Reproduktionsmedizin.“

Der Münsteraner Mediziner engagiert sich als Vorsitzender der „Ärzte für das Leben“ deutschlandweit für den Respekt vor der Unanstastbarkeit der Menschenwürde vor und nach der Geburt. Dabei informiert er kompetent und auch für Laien verständlich über die Chancen und Gefahren der modernen Reproduktionsmedizin. 

Cordula Mohr (siehe Foto) eröffnete als Vorsitzende des ALFA-Regionalverbands Nordmünsterland die Abendveranstaltung im gut besuchten Pfarrheim St. Antonius in Rheine und bedankte sich besonders bei Pfarrer Meinolf Winzeler, der selber anwesend war, für die Verfügungstellung des Pfarrsaales.

Es gehe bei dem Vortrag darum, so erklärte sie, wie wir „mit unserem Menschsein und mit der Schöpfungsordnung Gottes verantwortlich umgehen können“. Es bringe unabsehbare Gefahren und Risiken mit sich, sich hierbei auf ein „Spiel mit dem Feuer“ einzulassen.

Dr. Cullen (siehe Fotos) sprach in seinem Vortrag, der durch Info-Grafiken und Schaubilder auf der Leinwand illustriert wurde, ein breites Spektrum brisanter bioethischer Herausforderungen an. Als „Startschuss“ des gentechnischen Neulands in der Fortpflanzungsmedizin bezeichnete er die Geburt des ersten „Retortenbabys“ am 25. Juli 1978 in Nordengland.

Nach wie vor seien Großbritannien  – und inzwischen auch China – weltweit die Vorreiterstaaten für „revolutionäre“ Verfahren.  Der Redner schilderte die Problematik der neuesten Gen-Schere  – CRISP/cas9 genannt  – über das „Sozial Egg Freezing“  – auf Zeit eingefrorene Eizellen, etwa um Karrierewünsche nicht vor dem Kinderkriegen stören zu lassen  –  bis hin zu Auswüchsen in Richtung „Designer-Baby“ oder gar Tier-Mensch-Mischwesen, sogenannte „Chimären“.

Der Medizinprofessor sieht nicht im gentechnischen Fortschritt als solchem das Problem, sondern in seiner Anwendung jenseits von Lebensrecht und Menschenwürde, etwa hinsichtlich der vorgeburtlichen Diagnostik im Dienste von Selektion und Abtreibung oder der vielen überzähligen Embryonen infolge künstlicher Befruchtung, die hierzulande aufgrund des Embryonenschutzgesetzes zwar „nur“ eingefroren, in manch anderen Teilen der Welt aber vernichtet würden.

Zudem wisse man nicht, wie lange das Embryonenschutzgesetz in Deutschland aufrechterhalten werde. Kritisch äußerte sich Dr. Cullen auch über vielfach übertriebenen Erwartungen an die Reagenzglas-Befruchtung (In Vitro Fertilisation), denn fünf von sechs betroffenen Frauen, die sich der zermürbenden IVF-Behandlung unterziehen, bringen kein Kind zur Welt.

Der Referent erwähnte zudem die gesundheitlichen Risiken sowohl für die Mutter wie für das IVF-Kind auch hinsichtlich späterer Langzeitfolgen.

Aus Sicht des Arztes sollte sich die Reproduktionsmedizin, die sich auf künstliche Methoden fixiere, stärker mit den natürlichen Chancen und Lösungen bei unerfülltem Kinderwunsch befassen.

Auf eine Nachfrage in der Diskussionsrunde hin bestätigte er, dass die Natürliche Empfängnisregelung (NER) eine stärkere Wertschätzung erfahren sollte, da sie nicht allein die Geburten reguliere, sondern auch den Zeitpunkt des Eisprungs genauer eingrenzen und damit die Chancen einer Befruchtung erhöhen könne.

Zugleich stellte der Mediziner klar, dass der gentechnische Fortschritt neben bedrohlichen Entwicklungen bei richtiger Anwendung auch therapeutische Erfolge ermöglicht. So sei etwa die Genschere  – eine Art „Zerschneiden“ der DNA – in der Tier- und Pflanzenzucht sinnvoll einsetzbar. Positiv zu werten seien auch die Möglichkeiten einer Gen-Therapie für das ungeborene Kind im Mutterleib, was „Heilung statt Abtreibung“ ermögliche.

Grundsätzlich sei der Mensch – auch als Embryo – kein Verbrauchsgegenstand und das menschliche Genom keine Spielwiese für verantwortungslose Experimente.

Bei der ausführlichen Fragerunde nach dem Vortrag Cullens, der mit großem Beifall bedacht wurde,  zeigte sich das rege Interesse der Zuhörer und das breite Themenspektrum, das von der Bevölkerungsentwicklung über die Frage nach der politischen Interessenvertretung für den Lebensschutz bis hin zur Sorge um die Zukunft all der eingefrorenen Embryonen reichte.

DIESER TAGUNGSBERICHT von Felizitas Küble wurde am 10. Mai fast vollständig in der „Münsterländischen Volkszeitung“ veröffentlicht – diese Tageszeitung gehört zur Pressegruppe der „Westfälischen Nachrichten“

 


Japans Forschung mit Mensch-Tier-Wesen

Eine Gesetzesänderung der japanischen Regierung soll Wissenschaftlern die Forschung mit Mensch-Tier-Wesen erleichtern. Das berichtet das Internetportal „Forschung und Wissen“. 

Bislang mussten Wissenschaftler in Japan Tiere, in die sie menschliche Zellen einbrachten, binnen 14 Tagen töten. Inzwischen vertrete das Wissenschaftsministerium jedoch die Ansicht, „dass das Risiko, bei der Forschung ein Mischwesen mit tierischen und menschlichen Elementen zu schaffen, technisch bei null liegt.“ 

Die Gesetzesänderung soll Forschungen voranbringen, bei denen Wissenschaftler menschliche Organe in Tieren züchten wollen. Die Forscher hoffen, die so gezüchteten Organe in der Transplantationsmedizin einsetzen zu können.

Wie das Portal schreibt, wollten japanische Wissenschaftler schon bald einen Schweine-Embryo erschaffen, in dessen Körper sich eine menschliche Bauchspeicheldrüse heranbilden soll.

Quelle: ALfA-Newsletter

HINWEIS: Genau über diese Thematik und Problematik  – Mischwesen-Experimente in der Gentechnik  – spricht Professor Dr. med. Paul Cullen morgen in Rheine. Näheres hier: https://charismatismus.wordpress.com/2019/04/16/rheine-alfa-und-cdl-veranstalten-am-7-mai-einen-vortragsabend-mit-prof-paul-cullen/


Rheine: ALfA und CDL veranstalten am 7. Mai einen Vortragsabend mit Prof. Paul Cullen

Von Felizitas Küble

Prof. Dr. Paul Cullen aus Münster ist Vorsitzender der Ärzte für das Leben eV.  –  Der engagierte Lebensrechtler und Bioethik-Experte spricht deutschlandweit über aktuelle Herausforderungen, Experimente und Gefahren der sog. Reproduktionsmedizin, Gentechnik und Biomedizin.

Am Dienstag, den 7. Mai 2019 hält der Arzt in Rheine (nördliches Münsterland) einen Vortrag zu dem brisanten Thema „Vom Retortenbaby zum Mischwesen.“ – Es geht bei der ebenso aktuellen wie fundierten Rede um „Irrungen und Wirrungen in der Reproduktionsmedizin“.

BILD: Prof. Cullen und Cordula Mohr, die Veranstalterin des Vortragsabends in Rheine und langjährige Autorin des CHRISTLICHEN FORUM

Die Veranstaltung, die vom Regionalverband Nordmünsterland der ALfA (Aktion Lebensrecht für alle) und der CDL (Christdemokraten für das Leben) in NRW organisiert wird, beginnt um 19.30 Uhr im Pfarrheim St. Antonius in der Osnabrückerstr. 34 in 48429 Rheine.

Nach der Rede Cullens können die Besucher sich gerne mit Fragen und Diskussionsbeiträgen zu Wort melden.

Alle Interessenten sind herzlich zu dieser interessanten Veranstaltung eingeladen.

Weitere Infos zum Thema und zum Referenten finden Sie unter https//www.mischwesen.net


Auf dem (Irr-)Weg zum Designerbaby

Vor unabsehbaren Folgen durch die zunehmende Akzeptanz von pränatalen Gentests hat der Präsident des Berufsverbandes der niedergelassenen Pränatalmediziner, Professor Dr. med. Alexander Scharf, gewarnt. Das berichtet die evangelische Nachrichtenagentur IDEA unter Berufung auf einen Bericht der „Welt am Sonntag“ vom 7. April.

Der Test auf Trisomie sei nur ein Türöffner. Die Suche nach den „falschen“ Genen beginne erst.

„Denkbare Szenarien wären zum Beispiel die Anlage zu Stoffwechselstörungen wie Hypercholesterinämie, Bluthochdruck oder Zucker. Auch die Neigung zu Fettleibigkeit, Krebs und Rheuma ließe sich bald untersuchen. „Denkt man das zu Ende, ist man schnell beim Designerbaby“, wird Dr. Scharf zitiert.

Quelle: ALfA-Newsletter


Die Folgen genetischer Veränderungen im Erbgut von Tieren durch CRISPR etc.

Von Dr. med. Edith Breburda

Angefangen hat es damit, unsere Pflanzen genetisch zu verändern. Wir inserierten Gene von anderen Spezies, die erstrebenswerte Eigenschaften hatten, um mithilfe von genetischer Manipulation die Welt auch weiterhin ernähren zu können. Dass es auch anders geht, interessierte dabei nicht.

Doch damit hörten die Innovationen nicht auf. Mittlerweile experimentieren Wissenschaftler mit neuen Gen-Editierungs-Technologien, wie CRISPR/cas9, um das eigene Erbgut eines Organismus neu zu gestalten.

Anhand der neuen Technologien werden z.B. Rinder dahingehend manipuliert, dass sie toleranter gegen warme Temperaturen werden. Wir haben uns daran gewöhnt, riesige Rinderherden im semiariden Klima von Arizona bzw. Kalifornien anzutreffen. Jetzt wäre es möglich, Kühe in den Tropen weiden zu lassen. Ziegen dienen der Erzeugung von Kaschmirwolle; Hasen und Schweine besitzen eine bessere Marmorierung der Muskulatur.

Nebenwirkungen, die unweigerlich bei einem genetischen Editieren auftreten, wie z.B. eine längere Zungenmuskulatur in Hasen, nimmt man dafür in Kauf.

In Schweinen eliminierte man Myostatin, ein Gen, welches das Muskelwachstum limitiert. Ohne Myostatin werden so keine Wachstumsgrenzen mehr gesetzt. Doch zum Erstaunen der Wissenschaftler hatten nun 20 Prozent der so behandelten Tiere plötzlich einen zusätzlichen Wirbelkörper entwickelt.

Aber fragen wir uns ehrlich, würden wir einen Hamburger von einem Rind essen, mit dessen Erbsubstanz im Labor herumexperimentiert wurde? Die Technologien werden bereits angewendet, um das Erbgut der Kartoffel oder des Lachses zu optimieren.

Mithilfe von molekularen Scheren alteriert man auf präzise Weise das Erbgut von Mais oder Sojapflanzen. Man hat es auf ihr Fettsäureprofil abgesehen. Kartoffeln werden nicht mehr so schnell schlecht; die Haltbarkeitsdauer nimmt zu, und wenn man sie braten will, produzieren sie keine krebserzeugenden Stoffe mehr.

Sicher haben wir von genetisch hergestellten Lachsen gehört, die zweimal so schnell wie sonst wachsen. Fünf Tonnen dieses Frankenfisches wurden 2017 allein in Kanada verkauft. Keines der Lebensmittel wurde als genetisch verändert gekennzeichnet.

Abgesehen davon versprach Monsanto 1999, niemals ihre sterilen Terminator GMO Pflanzen zu kommerzialisieren. Das Gegenteil war dann sehr schnell der Fall: Bauern verpflichteten sich, das Saatgut nur für eine Aussaat zu gebrauchen. Noch heute kritisieren viele diese Vorgehensweise.

Der nächste große Schritt ist es nun, im Erbgut des Tieres selber herumzubasteln. Bereits bei genetisch veränderten Lebensmitteln (GMO-Food), bei denen ein nicht zum Erbgut gehörendes Gen mit dem von einer anderen Spezies ausgebessert wurde, ist mit unvorhergesehenen Risiken für die Tiere selber und für diejenigen zu rechnen, denen GMO-Food als Nahrung dient.

BILDER: Zwei der bioethischen Bücher von Dr. Breburda: „Reproduktive Freiheit“ und „Verheißungen der neuesten Biotechnologien“

Wir haben zweifelsohne große Fortschritte bei der Sequenzierung und Kartierung der Genome ganzer Organismen gemacht. Trotzdem wissen wir nicht, inwieweit einzelnen Gene eine Rolle spielen, wenn sie miteinander interagieren. Falls wir also Änderungen an Genen vornehmen, selbst wenn diese auf den Punkt genau limitiert sein sollten, hat dieser Vorgang oft überraschende und unbeabsichtigte Folgen.

Eine davon sind die in Schweinen auftretenden Skelettveränderungen. Derartige Mutationen erweitern zwar unser Verständnis, inwieweit myostatin Gene skeletomuskuläre Modifikationen hervorrufen, und wir könnten damit herausfinden, was wir in Zukunft anders machen sollten, dennoch war es nicht unser Ziel, einen extra WirbelkörpCoverbilder zu erzeugen.[1]

Und genau darin liegt das Problem. Man sollte annehmen, dass wir in puncto Geneditierung aus der Versuchs- und Irrtumsphase heraus sind, wenn wir diese Technologie bereits in Pflanzen, Tieren und auch dem Menschen anwenden.

Es geht doch darum, eine exakte Wissenschaft zu betreiben. Vor allem dann, wenn wir derart in das Genom eines Organismus eingreifen. Dieser Meinung ist zumindest Lisa Moses, Tier-Ethikexpertin der Harvard Medical School. Sie äußerte sich gegenüber dem Wall Stree Journal [2] im Dezember 2018 wie folgt:

„Wir Menschen haben eine sehr lange Geschichte, in die fein aufeinander abgestimmten Abläufe der Natur einzugreifen. Wir machen in unserer Überheblichkeit nicht mal mehr vor dem Erbgut selbst halt. Eigentlich pfuschen wir herum, ohne die mit unserem Handeln verbundenen Konsequenzen zu kennen. Wir behaupten dann noch, wir würden wissen, was wir tun und können unbeabsichtigte Nebeneffekte genauestens abschätzen, obwohl wir schon lange die Kontrolle verloren haben.“

Das wirklich Besorgniserregende ist, dass wir nicht nur den Muskelanteil der Schlachttiere beeinflussen, sondern auch Gene herausschneiden, um bei Schweinen Krankheiten – wie dem Porcine reproductive und respiratorische Syndrome Virus – vorzubeugen. Das PRRS-Virus wird von Wildschweinen übertragen und ist mittlerweile in den USA und Europa verbreitet.

Zum ersten Mal trat es 1985 in Iowa auf. 1986 wurde es in Minnesota entdeckt und war dann von 1988 – 1989 in Ostdeutschland zu finden. In Masttierbetrieben verbreitet sich das potentiell tödliche Virus schnell.

Forscher hoffen, die Krankheit besiegen zu können, indem sie ein Stück des Erbgutes – mithilfe von CRISPR/cas9 – eliminieren. Dass es sich dabei um einen permanenten Eingriff handelt, der weitervererbt wird, nimmt man gerne – um des Profites willen – hin.

Die Australierin Alison Van Eenennaam hat ihr Labor an der Universität von Davis, Kalifornien. Sie arbeitet an einem Projekt, welches vom amerikanischen Landwirtschaftsministerium gefördert wird. Sie nennt es „Boys Only“. In ihrem Labor will sie einen Zuchtbullen herstellen, der nur männliche Nachkommen erzeugen kann. Und falls es sich doch um Samenzellen mit zwei X- Chromosomen handelt, hat er ein aus Bullenhautzellen hergestelltes SRY Gen in seinem Erbgut, der den weiblichen Embryo veranlasst, männlich zu werden.

Man ist vor allem an einem größeren Muskelwachstum interessiert. Deshalb sollen weibliche Tiere phänotypisch einem Bullen gleichen. All inklusive sozusagen, nur dass die Male-like Tiere keine Samenzellen produzieren können, was sie nicht automatisch zum Ochsen machen, weil diese  – durch eine manuelle Kastration bedingt – keine Samenzellen mehr herstellen können. Die so erzeugten Tiere produzieren ein besseres Fleisch, wachsen schneller und sorgen für einen erhöhten Umsatz – und all das in kürzester Zeit.

Die Genetikerin Allison sieht die unvorstellbaren Vorteile, welche uns CRISPR in der Tierzucht bieten. Durch sie erhalten wir größere und bessere landwirtschaftliche Nutztiere.

Das Geschlecht ihrer Terminator-Tiere umzuändern, ist nur der Anfang. Jeder, der mit der Genetikerin zu tun hat, wird unweigerlich ihre Ansicht über die Sicherheit von Monsantos  Sojabohnen – und all den anderen Errungenschaften moderner Biotechnologien – zu hören bekommen. [3]

Andere Biotechfirmen haben sich auf Gene spezialisiert, die für das Hornwachstum verantwortlich sind. Ohne sie hätten Jungtiere weniger zu leiden, weil wir nicht mehr ihre Hörner entfernen müssen. Dass ein Kalb selten Schmerz empfindet, wenn nicht vaskularisiertes Gewebe – wie Hörner- abgetrennt wird, ist dabei nicht relevant. Oder leiden wir, wenn wir uns unsere Nägel schneiden?

„Wir zeigen die bessere Seite der gentechnischen Manipulationen“, behauptet Tammy Lee, Geschäftsführer von Recombinetics gegenüber der New York Post [4].

Kälber ohne Hörner, um nicht zu sagen – die hornlosen Hornochsen – sind zur Zeit auf dem Gelände der Universität von Kalifornien in Davis zu bewundern. Auch plant man, Gene zu editieren, die verhindern, dass Schweine geschlechtsreif werden. Dann wäre auch die inhumane Kastration von Ebern – die zudem ohne Schmerzmittel stattfindet, damit der Ebergeruch nicht auf das Fleisch übergeht –  hinfällig.

Aber eigentlich kastriert man Mastschweine schon im Ferkelalter. Dass wir einen Eber kastrieren und dann der Tierarzt die Hoden verspeist, gehört eigentlich ins tiefste Mittelalter,  Zumindest liegt es so weit zurück, als dieser Beruf noch eine Männerdomäne war.

Fest steht, Recombinetics (eine US-Firma, die Gentechnik in der Viehzucht vorantriebt) möchte nicht die Akzeptanz ihrer Verfahren schmälern. So pocht sie darauf, ihre Ware nicht kennzeichnen zu müssen, damit niemand ihr Herstellungsverfahren in Frage stellt. „Nur dann kann man Genforschung nutzen, um größere Gewinne zu erzielen“, behauptet sie.

Eine Geneditierung wird momentan nicht vom US-Landwirtschaftsamt (USDA) reguliert. Natürlich kann man so eine Nahrung nicht als ein organisch hergestelltes Lebensmittel bezeichnen. Im März 2018 entschied sich das Amt, gar keine Kennzeichnung anzubringen. Nicht einmal der Aufdruck CRISPR-Edited ist notwendig, weil sonst eine Innovation des Lebensmittels gefährdet sein könnte.

Und man will doch nicht hinter die Forschung anderer Länder zurückfallen. Es handelt sich dabei um ein Argument, welches immer beeindruckt. Die USA benutzte es in allen reproduktiven Techniken, die mit der Verbesserung von Pflanzen, Tieren und Menschen sowie deren Embryonen zu tun hatte.

Viele sehen CRISPR als ein Verfahren an, dass unsere Lebensmittelherstellung revolutionieren wird. Dies liegt vor allem an der lockeren Regulierung, der adäquaten Zugänglichkeit und den schnellen Resultaten, die wir mit der Anwendung von einer Geneditierung haben.

Die Europäische Union möchte dennoch, dass geneditierte Lebensmittel genauso gekennzeichnet werden wie genetisch modifizierte Organismen. Jaydee Hanson, Sprecher des Zentrums für Lebensmittelsicherheit, bemerkt dazu:

„Dies ist die neue Art der Gentechnik, unabhängig davon, ob sie es als transgen [GMO] oder eine Gen-Editierung bezeichnen. Es muss angemessen reguliert werden. Wir sagen nicht, dass die Herstellung gestoppt werden sollte. – Der Verbraucher sollte wissen, wie die Wahre produziert wurde.“

Niemand kennt die gesundheitlichen Auswirkungen des Verzehrs von geneditierten Lebensmitteln. In einem Interview mit GM-Watch erklärte der in London ansässige Molekulargenetiker Michael Antoniou:

„Durch eine genetische Bearbeitung können signifikante Veränderungen, sowohl im landwirtschaftlichen als auch im medizinischen Bereich auftreten. Dies macht langfristige Sicherheits- und Toxizitätsstudien unabdingbar.

Viele der durch Genomeditierung hervorgerufenen Off-Target-Mutationen werden wahrscheinlich hinsichtlich eventueller Auswirkungen auf die Genfunktion gutartig sein. Einige jedoch nicht. Entscheidend ist, dass ihre Wirkung in einem bereits vermarkteten pflanzlichen oder tierischen Endprodukt vorhanden sein kann.

Hinzu kommt, dass Veränderungen aufgrund einer Genom-Editing-Technik vererbt werden. Wir erkennen sie somit nicht sofort. Es ist daher immer noch erforderlich, langfristige Toxizitätsstudien in etablierten Tiermodellsystemen durchzuführen. Solange diese Studien nicht vorliegen, ist die Behauptung, eine Genomeditierung sei sicher, präzise und vorhersehbar, schlichtweg falsch.“

Inzwischen wissen wir von vielen CRISPR-bedingten Off-Target-Mutationen, die wahrscheinlich Krebs verursachen. Daran beteiligt ist mit großer Wahrscheinlichkeit das sogenannte p53 Gen, welches durch die Methode geschädigt werden kann und für die Entstehung von Eierstock-, Darm-, Lungen-, Pankreas-, Magen-, Brust-, und Leberkrebs verantwortlich ist.

Das Argument für den Gebrauch von geneditierten Lebensmitteln lautet, dass sie keine fremden Gene eingebaut haben, sondern es sich nur um eine Anpassung in der bereits vorhandene DNA handelt. Aber ist ein Stück Fleisch von einem so mutierten Schwein – mit zusätzlichen Muskeln und Wirbeln – dasselbe wie Fleisch von einem Wildschwein?

Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) schlug vor, Tiere mit editierter oder manipulierter DNA als Arzneimittel zu klassifizieren, was zweifelsohne zu einem Rückschlag des gesamten geneditierenden Verfahrens führen würde. Dennoch befinden wir uns in einer komplett neuen Welt, welche die Nahrungsmittelproduktion vollkommen verwandelt hat.

So schulden wir es dem Verbraucher, darüber informiert zu sein, was er auf seinem Teller hat. Nur dann kann er eine fundierte Entscheidung treffen, ob er genetisch–editierte  Lebensmittel konsumieren möchte. Ohne ein Etikett mischen sich solch hergestellte Lebensmittel, wenn sie denn auf den Markt kommen, direkt in die Lebensmittelkette. So ist es zumindest bei GMO-Produkten der Fall gewesen.

Weil eine genetische Veränderung dauerhaft ist und an neue Generationen weitergegeben wird, ist große Vorsicht geboten.

Während solche technologischen Fortschritte durchaus erforscht werden sollen, sollte dies trotzdem mit einer vollständigen Transparenz gegenüber dem Verbraucher geschehen. Auch muss man wissen, dass, falls alterierte DNA in unser Ökosystem gelangt, die Folgen katastrophal sein werden. [5]

So gesehen kann sich heute jeder ein relativ billiges CRISPR-Kid kaufen und damit z.B. von seinem Garten aus unsere Bienen (Pollinatoren) steril machen, auch wenn man eigentlich vorhatte, Zika-Viren tragende Mücken außer Gefecht zu setzen.

Dies alles ist kein Science-Fiction, sondern Realität. Wir sind vor allem in diese Lage gekommen, weil die Bioethik einer schnell voranschreitenden Biotechnologie hinterherhinkt und so keine Gesetzesvorgaben oder eine moralische Autorität vorhanden sind, die uns Einhalt in unserem Tun gebieten.

Quellenangaben:
[1] Qian L et al.: Targetd mutations in myostatin by zinc-finger nuclease in double-muscled phenotype in Meishan pigs. Scientific Reports, 25. Sept 32015
[2] Rana P. und Craymer L.: Big Tongues and extra vertebrae: The unintended conseauences of anima gene editing. The Wall Street Journal, 14. December 2018
[3] Rosenblum A.: Meet the woman using CRISPR to breed all-male terminator Cattle. Gen editing can change an anima’s sex. MIT Technology Review, 10 Jan. 2018
[4] Assoc. Press. Gene-editing could create bigger, better farm animals. New York Post, 15. November 2018
[5] Mercola J.: Genetic Editing of Animals has horrible side effects. Mercola, 12. März 2019

Unsere Autorin Dr. med. Edith Breburda ist Schrifstellerin, Bioethik-Expertin und Veterinär-Medizinerin (Tierärztin); sie lebt in den USA.
Ediths Homepage:http://scivias-publisher.blogspot.com/

CRISPR/Cas9: EuGH schützt Verbraucher vor Gentechnik – aber auch Embryonen?

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat am Mittwoch entschieden, dass auch neue Verfahren aus der Genom-Intervention wie die Genschere CRISPR/Cas9 unter die EU-Freisetzungsrichtlinie über die absichtliche Freisetzung genetisch veränderter Organismen in die Umwelt fallen.

Bislang waren Methoden, bei denen kein fremdes Erbgut in den Organismus eingebracht wurde, von der europäischen Regelung ausgenommen. Dies galt aber vor allem für Chemikalien oder radioaktives Material, da zur Zeit der Festlegung der Richtlinie noch keine Verfahren wie CRISPR/Cas9 verfügbar waren.

Pressesprecherin Susanne Wenzel (siehe Foto: Mitte) von den Christdemokraten für das Leben (CDL) erklärt dazu:

„Der EuGH hat in sein richtungsweisendes Urteil unter anderem damit begründet, dass die Risiken für Mensch und Umwelt derzeit nicht absehbar seien. Europaweit hatten Umweltorganisationen angemahnt, dass es für die genmanipulierten Pflanzen bislang keine „umfassenden individuellen Risikobewertungen“ gibt und die Folgen dieser Genmanipulation nicht absehbar sind.

Das Urteil wurde allgemein als ein deutliches „Bekenntnis zum Schutz der Umwelt und der menschlichen Gesundheit“ gewürdigt. Aber auch die deutschen Ministerien für Umwelt und Landwirtschaft erklärten in Stellungnahmen zur Gerichtsentscheidung, es dürfe keine „Einführung der Gentechnik durch die Hintertür“ geben und dass „der gesundheitliche Verbraucherschutz immer an erster Stelle“ stehe.

Nun muss auch Obst und Gemüse, das aus den mit CRISPR/Cas9 manipulierten Pflanzen gezogen wurde, im Handel entsprechend gekennzeichnet werden. Nach Experteneinschätzung führt dies in Deutschland zur Unverkäuflichkeit der veränderten Produkte, da die Verbraucher hierzulande genmanipulierte Lebensmittel ablehnen.

Mit CRISPR/Cas9 kann aber nicht nur die DNA bei Pflanzen und Tieren verändert werden, sondern auch das Genom des Menschen. Mittels Genschere erzeugte Manipulationen sind vererbbar auf die nächste und die kommenden Generationen. Auch beim Menschen sind die Risiken und möglichen Schäden noch nicht absehbar, wie erst Studien kürzlich zeigten. Die Heilsversprechen von CRISPR/Cas9 sind schlicht unseriös.

Genmanipulationen am Mais oder bei Lebensmitteln und Tieren empören die Menschen völlig zu Recht und führen zu wütenden Protesten. Bei Manipulationen am menschlichen Genom aber geht es um den Menschen selbst und die nächsten Generationen! Wo bleiben hier Empörung und Protest?

Es hat den Anschein, als stehe der Verbraucherschutz höher als der Schutz des Menschen. Wird es künftig auch eine Kennzeichnungspflicht für Menschen geben, deren DNA manipuliert wurde?

Während in Deutschland derartige Geninterventionen durch § 5 Embryonenschutzgesetz verboten sind, wird weltweit und in Europa vor allem in England durchaus eifrig an Embryonen mit CRISPR/Cas9 geforscht. Pro Versuch werden dabei 20 bis 30 Embryonen „verbraucht“, das heißt getötet.

Aus Sicht der CDL ist es nicht nur wünschenswert, sondern sogar dringend geboten, dass derartige Eingriffe in die menschliche DNA generell untersagt und den Forschern hier klare ethische und rechtliche Grenzen aufgezeigt werden.“

Die CDL im Internet: www.cdl-online.de


Konstanz: Protest vor Gendiagnostikfirma gegen „Rasterfahndung“ nach Behinderten

Von Susanne Wenzel

Vor dem Gebäude der LifeCodexx AG in Konstanz haben am vergangenen Sonntag (16.7.) erneut über hundert Menschen demonstriert. Organisiert wurde diese Protestaktion von den Christdemokraten für das Leben (CDL) gemeinsam mit der Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA).

LifeCodexx hat unter dem Namen PraenaTest einen Bluttest für Schwangere entwickelt, mit dem neben Chromosomenstörungen wie Trisomie 21 (Down-Syndrom) oder anderen auch das Geschlecht des erwarteten Babys festgestellt werden kann. Weit über 90 Prozent der mittels dieser Blutuntersuchung getesteten Schwangerschaften enden – wie zum Beispiel bei Trisomie 21 – in einer Abtreibung.

Neben dem CDU-Bundestagsabgeordneten Hubert Hüppe (siehe Foto), der auch stellv. Bundesvorsitzender der CDL ist, war auch Prof. Dr. Holm Schneider, Leiter der Molekularen Pädiatrie am Universitätsklinikum Erlangen, nach Konstanz gekommen, um zu den Teilnehmern der Kundgebung zu sprechen.

Beide Redner betonten, es sei ein Skandal, dass in Deutschland wieder eine Selektion von Behinderten stattfinde.

Hüppe, von 2009 – 2013 Behindertenbeauftragter der Bundesregierung, stellte heraus, dass in der Gesellschaft leider weiter grundsätzlich falsche Vorstellungen über das Leben von und mit behinderten Menschen vorherrschen.

Ausdrücklich warnte Hüppe davor, den Bluttest zur Regelleistung der Krankenkassen zu machen. Die Kassen würden damit eine Untersuchung finanzieren, die keinerlei therapeutische Möglichkeit eröffne, sondern „deren einzige Folge die Aussonderung von Menschen mit Behinderung ist. Das müssen wir politisch verhindern“, sagte der Bundestagsabgeordnete.

Professor Schneider wies darauf hin, dass es in der Gesellschaft und bei den Verbänden einen wachsenden Widerstand gebe, weil die dem Angebot des Tests zugrunde liegende schwerste Diskriminierung behinderter Menschen mit deren Todesfolge abgelehnt werde: „Es ist nicht die Aufgabe der Krankenkasse oder des Staates, Betroffene ausfindig zu machen, um sie zu beseitigen.“

Vielmehr müsse sich der Staat müsse hinter die Schwachen stellen und diese schützen. Professor Schneider forderte, die Pränataldiagnostik auf die Feststellung solcher Sachverhalte zu begrenzen, die entweder vorgeburtlich oder direkt nach der Geburt behandelt werden können.

An der Kundgebung nahmen auch Menschen mit Down-Syndrom teil. „Auch wenn ich nicht genauso bin wie andere junge Menschen, macht mir das Leben viel Spaß und ich genieße es jeden Tag aufs Neue“, erzählte Conny Albert, die Mitarbeiterin der bayerischen Verkehrspolizei ist: „Dass ich ein Chromosom mehr habe, sieht man mir an. Aber weder meine Kollegen noch meine Familie würden auf die Idee kommen, mich auszusortieren.“ 

Zum Schluss der Kundgebung wies Rechtsanwalt Josef Dichgans, Landesvorsitzender der CDL-Baden-Württemberg, darauf hin, dass es für die Opfer des Unrechts keinen Unterschied mache, ob der Staat ihre Rechte wie in der Diktatur selbst verletze oder ob er die Verletzung dieser Rechte nur zulasse:

„Der Rechtsstaat hat die Pflicht, die Schwachen und deren Leben zu schützen. Tut er das nicht, verdient er es nicht, hier Rechtsstaat genannt zu werden. Das Recht und das Grundgesetz erkennen das Lebensrecht auch des ungeborenen Menschen ohne jeden Zweifel an“, so Dichgans.

Die Protestaktionen vor der Firma, die führender Anbieter dieser Gentests ist, sollen fortgesetzt werden.

Susanne Wenzel, die Autorin dieses Berichts, ist Pressesprecherin der CDL: www.cdl-online.de