Israel würdigt Judenretter Josef und Maria Otten als „Gerechte unter den Völkern“

In Düsseldorf sind am vergangenen Montag Josef und Maria Otten posthum (nach ihrem Tod) als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt worden. Die Auszeichnung von Yad Vashem fand im Rahmen einer Festveranstaltung statt, bei der das 70-jährige Bestehen des Staates Israel gefeiert wurde. 

BILD: Der Enkelsohn der Geehrten, Günther Otten, mit Botschafter J. Issacharoff (Foto: Landtag NRW)

Emanuel Nooitrust war Jude und mit der Christin Emma Schaaf verheiratet. Die beiden lebten in Essen und hatten drei Kinder. Emanuel Nooitrust hatte im Ersten Weltkrieg als Soldat für Deutschland gekämpft. Er wurde verwundet und kehrte mit Auszeichnung aus dem Krieg zurück.

Da er mit einer „Arierin“ verheiratet war, war Emanuel Nooitrust während des NS-Regimes zunächst vor der Deportation geschützt. Doch im Sommer 1944 erhielt auch er den Deportationsbefehl. In seiner Not wandte er sich an seine Nichte Bertchen, die Tochter seines Bruders Salomon.

Bertchen fragte ihre Schwägerin Maria und deren Mann Josef Otten in Düsseldorf, ob sie Emanuel verstecken können. Das Ehepaar Otten entschied, dem verfolgten Juden Nooitrust zu helfen. Neun Monate lang versteckten sie ihn im Keller ihres Hauses und versorgten ihn mit Lebensmitteln. Sie riskierten ihr eigenes Leben, um ihn zu retten. Mit Hilfe des Ehepaars Otten konnte Nooitrust den Holocaust überleben. 

Nach dem Ende des Krieges schrieb der Gerettete eine Erklärung:
„Ich, Emanuel Israel Nooitrust, geboren am 19. März 1885 in Essen, bestätige hiermit, dass Herr Josef Otten aus Düsseldorf (der Schwager meiner Nichte) mich neun Monate versteckt gehalten hat, als die Gestapo mich ins KZ schaffen wollte. Auch hat er mich in der Lebensunterhaltung unterstützt, da ich keine Lebensmittelkarte erhielt.“ 

Günther Otten, der die Auszeichnung stellvertretend für seine 1959 und 1979 verstorbenen Großeltern Maria und Josef Otten entgegennahm, sagte bei der Ehrung:

„Dass einmal meinen Großeltern nach so vielen Jahren diese Ehrung und Aufmerksamkeit zuteil werden würde, hätten sie zu ihren Lebzeiten nie zu träumen gewagt. Meinen Großeltern war sicher nicht bewusst, dass ihr Handeln als stille Aufforderung verstanden werden kann, sich einzumischen, wenn Menschlichkeit gefordert ist. Liebe Großeltern, das habt ihr gut gemacht. Für mich seid ihr ein Vorbild.“

Emanuel Nooitrusts Urenkelin Alexandra Nooitrust nahm ebenfalls an der Ehrung teil.

Quelle und vollständige Meldung hier: http://embassies.gov.il/berlin/NewsAndEvents/Pages/Gerechte-unter-den-Volkern-geehrt-Otten.aspx
 

 

 

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Yas Vashem: Arthur und Paula Schmidt als „Gerechte unter den Völkern“ gewürdigt

Am vergangenen Mittwoch (14.3.) fand in Yad Vashem in Jerusalem die posthume (nach dem Tod erfolgte) Ehrung des deutschen Ehepaars Arthur und Paula Schmidt als Gerechte unter den Völkern statt, die während des Nationalsozialismus sieben Kinder einer jüdischen Familie versteckten und ihnen so das Leben retteten.

An der Ehrung nahmen u.a. der Enkel des Paars, Arthur Schmidt,  stellvertretend für die geretteten Kinder, Ginger Lane, sowie der deutsche Botschafter in Israel, Dr. Clemens von Goetze teil (siehe Foto).

Im Jahr 1925 konvertierte der Deutsche Alexander Weber zum Judentum und heiratete im Jahr darauf die ungarische Jüdin Lina Banda. Das Ehepaar zog nach Berlin, wo es seine sieben Kinder großzog.

Im Wohnhaus der Familie befand sich ein Laden des Bauern Arthur Schmidt, der dort das Obst und Gemüse von seinem Bauernhof in Worin in Brandenburg verkaufte.

Im März 1943 wurde Familie Weber verhaftet. Alexander und die Kinder wurden im Sommer freigelassen. Als Alexander Weber ein Versteck für seine Kinder suchte, boten Arthur Schmidt und seine Frau Paula an, sie auf ihrem Bauernhof unterzubringen. Fast zwei Jahre lang kümmerten sie sich um die sieben Kinder und teilten ihr Essen mit ihnen. Nur der Bürgermeister von Worin kannte ihre wahre Identität.

Lina Weber wurde im Dezember 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Nach dem Krieg zogen die Kinder der Familie Weber in die USA, wohin ihr Vater ihnen später folgte.

Quelle (Text/Foto): Yad Vashem


Israel ehrt Naturwissenschaftlerin Elisabeth Schiemann als „Gerechte unter den Völkern“

Am Dienstag ist in einer Yad Vashem-Feierstunde die Genetikerin Elisabeth Schiemann als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt worden. 

Die gemeinsame Veranstaltung der Max-Planck-Gesellschaft und der Botschaft fand im Harnack-Haus, der Tagungsstätte der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin, statt. Es waren über 30 Angehörige von Elisabeth Schiemann zu der Ehrungszeremonie gekommen.

Die Gäste wurden vom Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, Prof. Dr. Martin Stratmann, und Botschafter Jeremy Issacharoff begrüßt.

In einer anschließenden Laudatio wurde die Geehrte gewürdigt, bevor Botschafter Jeremy Issacharoff die Yad Vashem-Medaille und die dazugehörige Urkunde an vier Großneffen und –nichten der Geehrten übergab.

Der aus Großbritannien angereiste Sir Konrad Schiemann sprach im Namen der Familie. Er sagte: „Wie wohl jeder, dem sich die Frage nie gestellt hat: ‘Tue ich meine Pflicht – selbst wenn es mich das Leben kostet?‘, fühle ich eine gewisse Ehrfurcht in Erinnerung an jemanden, der diese Frage bejaht hat und das getan hat was sie als Pflicht empfand.“ 

Und er fügte hinzu: „Die ersten 30 Jahre nach ihrem Tode wusste ich gar nicht, was meine Großtante für die verfolgten Juden getan hat. Sie hat selber mit mir nie darüber gesprochen. So hat die ganze Familie große Freude daran, dass ihre Taten nun öffentlich anerkannt sind. Dass man in Jerusalem, nach allem was geschehen ist, Yad Vashem gegründet hat, ist wohl nicht erstaunlich. Was aber atemraubend erstaunlich ist, dass Juden es als Pflicht sahen, selbst die Deutschen zu ehren die sich so benommen hatten wie Tante Elisabeth.“

Elisabeth Schiemann (1881-1972) gehört zu den herausragenden Naturwissenschaftlerinnen. Sie forschte als Botanikerin und Genetikerin u. a. an der Max-Planck-Gesellschaft und deren Vorläufereinrichtung, der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft.

Während des Nationalsozialismus engagierte sie sich in der Bekennenden Kirche Berlin-Dahlem und forderte unermüdlich, wenn auch weitgehend ohne Erfolg, eine deutliche Stellungnahme gegen die staatliche Judenverfolgung. Da sie keinen Hehl aus ihrer Ablehnung der nationalsozialistischen Ideologie und Politik machte, wurde sie 1940 von der Universität Berlin entlassen.

Mit Elisabeth Schiemanns Hilfe konnten die jüdischen Schwestern Valerie und Andrea Wolffenstein (geb. 1891 und 1897) der drohenden Deportation und Ermordung entgehen, indem sie in den Untergrund gingen. Andrea Wolffenstein versteckte sich Anfang 1943 für zwei Monate in der Wohnung von Elisabeth Schiemann und ihrer Schwester Gertrud. 

Mitte Mai 1943 erhielten die Schwestern Wolffenstein durch den Helferkreis der Dahlemer Bekenntnisgemeinde gefälschte Papiere und verließen Berlin. In verschiedenen Verstecken gelang es ihnen, bis zum Kriegsende in der Illegalität zu überleben. Auch nach dem Ende des Krieges blieben die Schwestern Wolffenstein und die Schwestern Schiemann in Kontakt.

Als die Berliner Universität im Januar 1946 offiziell eröffnet wurde, war Elisabeth Schiemann unter den neu berufenen Professoren. 1953 war sie die erste Wissenschaftlerin, die in der Max-Planck-Gesellschaft zum wissenschaftlichen Mitglied ernannt wurde. Sie starb im Januar 1972 in Berlin.

Eine der wichtigsten Aufgaben von Yad Vashem ist es, Nichtjuden, die ihr Leben aufs Spiel setzten, um Juden zu retten, die Dankbarkeit des Staates Israel und des jüdischen Volkes zu übermitteln. Sie werden als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt. Bis heute haben 26.513 Männer und Frauen diesen Titel erhalten. Darunter sind 601 Deutsche.

Quelle: http://newsletter.israel.de/i/gguYQga3MKRa6Yf-5YU7g5uKGQb3EHx0

Erstes Foto: Ruthe Zuntz


Drei Deutsche wurden von Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ gewürdigt

Am vergangenen Dienstag hat in der israelischen Botschaft in Berlin eine Yad Vashem-Feierstunde für die „Gerechten unter den Völkern“ stattgefunden. Geehrt wurden Reinhold und Charlotte Großmann sowie Hedwig Koslowski. 

Auf den Tag genau 75 Jahre zuvor, am 21. November 1942, hatte das Berliner Ehepaar Reinhold und Charlotte Großmann die von Deportation und Ermordung bedrohte Jüdin Gertrude Sandmann bei sich aufgenommen.

BILD: Der israelische Botschafter Jeremy Issacharoff mit Klaus-Dieter, Andreas und Julius Hain (dem Enkel, Ur-Enkel und Ur-Ur-Enkel der Gerechten Reinhold und Charlotte Großmann)

Weil Reinhold und Charlotte Großmann und Hedwig Koslowski sich entschieden, Gertrude Sandmann zu helfen, und sie unter Gefährdung ihres eigenen Lebens von November 1942 bis April 1945 versteckten und versorgten, konnte sie die Shoa überleben. Ihre Lebensretter sind nun von der Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vashem in den Kreis der „Gerechten unter den Völkern“ aufgenommen worden.

Bei der Feierstunde in der Botschaft überreichte Botschafter Jeremy Issacharoff die Yad Vashem-Urkunde und die Medaille an den Enkel und den Urenkel von Reinhold und Charlotte Großmann. Mit Enkel Klaus-Dieter Hain (Sohn von Sonja Hain, geb. Großmann), Ur-Enkel Andreas Hain und Ur-Ur-Enkel Julius Hain waren drei Generationen der Familie vertreten.

Die Rettungsgeschichte:

Als sie im November 1942 von der Deportation bedroht ist, trifft die Malerin und Grafikerin Gertrude Sandmann eine mutige Entscheidung: Sie beschließt, unterzutauchen. Sie verlässt ihre Wohnung, ohne ihren persönlichen Besitz mitzunehmen. Als Täuschungsmanöver lässt sie dort einen Abschiedsbrief zurück, in dem sie ihren angeblichen Selbstmord ankündigt.

Seit 1927 ist Gertrude Sandmann mit der Kunstgewerblerin Hedwig Kozlowski liiert. Ihre Lebensgefährtin wird von der Gestapo verhört, als diese den Abschiedsbrief findet. Doch Hedwig Koslowski hält den Verhören stand. Sie ist es gewesen, die bei Freunden ein Versteck für die Untergetauchte gefunden hat.

Am 21. November 1942 nimmt das Ehepaar Charlotte und Reinhold Großmann die verfolgte Jüdin in ihrer Wohnung in Berlin-Treptow auf. Anderthalb Jahre versteckt sich Gertrude Sandmann danach in der Wohnung im Zimmer der 11-jährigen Tochter Sonja und wird von der Familie und von Hedwig Koslowski mit allem Lebensnotwendigen versorgt.

Da Gertrude Sandmann nicht entdeckt werden darf, kann sie bei Luftangriffen nicht wie die übrigen Hausbewohner in den Keller gehen. Im Juni 1944, als die Angriffe der Alliierten auf Berlin immer massiver werden, beschließt sie, das Versteck zu wechseln.

Hedwig Koslowski bringt ihre Lebensgefährtin in eine kleine Laube in Biesdorf, die eine Freundin ihr überlassen hat. Als es in der unbeheizten Laube im Oktober 1944 schließlich zu kalt wird, nimmt Koslowski Sandmann in ihrer eigenen Wohnung in Schöneberg auf. Bis zur Befreiung im April 1945 bleibt Gertrude Sandmann in dem Versteck.

Nach der Befreiung bleibt die Überlebende in Berlin, wo sie wieder als Malerin und Grafikerin arbeitet. Sie stirbt 1981 im Alter von 88 Jahren.

Quelle (Text/Foto): http://newsletter.israel.de/i/PwkkRvLo2vK1GUmiWZye0WPMXMmc84va


ISRAEL ehrte in München drei Deutsche als „Gerechte unter den Völkern“

Am Dienstag sind in München im Rahmen einer Feierstunde posthum (nach dem Tod) drei „Gerechte unter den Völkern“ geehrt worden. 

Die Ausgezeichneten sind Alois und Maria Elsner sowie Kreszentia Hummel:

Alois und Maria Elsner hatten die meist jüdischen Insassen in nationalsozialistischen Arbeitslagern heimlich mit Nahrungsmitteln, Medikamenten und Kleidung versorgt.

Charlotte Knobloch wurde durch eine gläubige Katholikin gerettet

Die katholische Kreszentia Hummel hatte das jüdische Mädchen Charlotte Neuland  – später Knobloch  –  als ihre Tochter ausgegeben und ihr so das Leben gerettet.

Charlotte Knobloch, heute schon seit langen Jahren Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, begrüßte zunächst die Gäste.

BILD: Familienangehörige der Geeehrten – rechts der israelische Botschafter Issacharoff und Charlotte Knobloch (Foto: Julian Wagner) 

Weitere Grußworte sprachen der bayerische Innenminister Joachim Hermann, Botschafter Jeremy Issacharoff und Harry Habermann, Vorstandsmitglied des Freundeskreises von Yad Vashem in Deutschland.

Seit dem Gründungsjahr 1953 bewahrt Yad Vashem als lebendiges Denkmal des jüdischen Volkes für den Holocaust die Erinnerung an die Vergangenheit und vermittelt ihre Bedeutung an kommende Generationen.

Seit 54 Jahren ehrt Yad Vashem jene Menschen, die während des Zweiten Weltkrieges Juden retteten, mit dem Ehrentitel „Gerechte/r unter den Völkern“. Dies ist die höchste Auszeichnung, die der Staat Israel an Nichtjuden vergibt.

Die „Gerechten unter den Völkern“ erhalten von Yad Vashem eine Ehrenurkunde und eine Medaille. Diese wurden von Botschafter Issacharoff an Mitglieder der Familien der Ausgezeichneten überreicht. Für Frau Hummel nahm deren Neffe Johann Graf die Auszeichnung entgegen. Für das Ehepaar Elsner war es deren Sohn Alois Elsner.

Die Rettungsgeschichten der Ausgezeichneten:

Alois und Maria Elsner:
Der Landsberger Alois Elsner wurde im Mai 1943 u. a. wegen „mangelnder Disziplin“ aus der NSDAP ausgeschlossen. Als Kaminkehrermeister war er auch zuständig für die Reinigung der Kamine in den Fabriken in den Kauferinger Arbeitslagern, die die Nazis ab 1944 als Nebenlager des Konzentrationslagers Dachau eingerichtet hatten. So wurde er Zeuge der unmenschlichen Behandlung der meist jüdischen Gefangenen und begann mit Hilfe seiner Frau Maria, die Insassen heimlich mit Nahrungsmitteln, Medikamenten und Kleidung zu versorgen. Nach Kriegsende erhielt das Ehepaar Elsner zahlreiche Briefe, in denen sich ehemalige Zwangsarbeiter für die lebensrettende Hilfe bedankten.

Kreszentia Hummel:
Um seine Tochter vor der drohenden Deportation zu retten, suchte der jüdische Münchner Rechtsanwalt Siegfried Neuland im Jahr 1942 ein sicheres Versteck für sie auf dem Land. Ein ehemaliges Dienstmädchen der Familie, Kreszentia Hummel, willigte ein, die zehnjährige Charlotte Neuland (heute Knobloch) auf dem Bauernhof ihrer Familie in Franken aufzunehmen. Obwohl sie aus einer sehr gläubigen katholischen Familie stammte, gab sie das Mädchen als ihr eigenes uneheliches Kind aus. Kreszentia Hummel versorgte Charlotte Neuland bis zum Ende des Krieges und rettete so ihr Leben.

Charlotte Knobloch sagte in ihrem Grußwort über Kreszentia Hummel: „Ich weiß […], dass ihr diese Auszeichnung gar nicht recht wäre. Sie brauchte diese Auszeichnung nicht, aber unsere Welt braucht sie.“

Quelle: Botschaft des Staates Israel

 

 

 


Israel: Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ehrt drei „Gerechte unter den Völkern“

Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat Alfred und Margaretha Michels, Tony Grossmann, Manfred und Lili Pollatz sowie Max Nagler posthum (nach ihrem Tod) in den Kreis der „Gerechten unter den Völkern“ aufgenommen.

Diese drei Frauen und drei Männer aus Deutschland haben während der Zeit des Holocaust ihr Leben riskiert, um Juden zu retten. von links nach rechts: Ministerpräsident Stephan Weil, Regina Dlugay (Tochter von Tony Grossmann), Angelika Hoffmann (Enkeltochter von Alfred und Margaretha Michels), Günter Nagler (Sohn von Max Nagler), Botschafter Yakov Hadas-Handelsman, der Überlebende Michael Arzewski und seine Schwester Cecylia, Dr. Cordula Tollmien (Urgroßnichte von Manfred und Lili Pollatz)

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil lud am 13. März 2017 gemeinsam mit dem israelischen Botschafter Hadas-Handelsman zu einer Feierstunde in Hannover ein.

Über zweihundert Gäste, darunter rund 100 Schüler/innen aus dem gesamten Bundesland, hörten die bewegenden Rettungsgeschichten und erlebten mit, wie der israelische Botschafter dem Sohn, der Tochter, der Enkelin und der Urgroßnichte der sechs „Gerechten unter den Völkern“ eine Yad Vashem-Medaille und eine Ehrenurkunde überreichte (siehe Foto).

Hier folgen drei der sechs Rettungsgeschichten:

• Alfred und Margaretha Michels
Um der Deportation und Ermordung zu entgehen, versteckte sich die Berliner Jüdin Hermine Czarlinski vom Frühjahr 1943 bis zur Befreiung im April 1945 bei ihrer Jugendfreundin Margaretha Michels und deren Ehemann Alfred in Magdeburg. Das Ehepaar Michels nahm die Verfolgte rund zwei Jahre lang in seinem Haus auf, versorgte sie mit allem Lebensnotwendigen und rettete ihr somit das Leben.

• Tony Grossmann
Nach dem Beginn der Deportationen der Berliner Juden in die Vernichtungslager ging die jüdische Ärztin Dr. Ilse Kassel mit ihrer 1937 geborenen Tochter Edith in den Untergrund. Sie flüchteten im Sommer 1942 zu Ilses ehemaliger Patientin Tony Grossmann auf deren Hof in der Nähe von Landsberg an der Warthe. Rund eineinhalb Jahre versteckte und versorgte Tony Grossmann die beiden, doch dann gelang es der Gestapo im September 1943, die Untergetauchten aufzuspüren. Ilse sah keinen Ausweg und beging Selbstmord. Ihre kleine Tochter Edith wurde in Auschwitz ermordet. Tony Grossmann wurde zur „Umerziehung“ für mehrere Wochen in einem Konzentrationslager inhaftiert.

• Manfred und Lili Pollatz
Als Quäker emigrierten Lili und Manfred Pollatz im Jahr 1934 mit ihren vier Kindern von Dresden nach Haarlem in die Niederlande. Dort unterhielten sie eine private Schule und eine Pension für jüdische und nichtjüdische Kinder von Emigranten. Nach der NS-Besetzung der Niederlande versteckte das Ehepaar Pollatz jüdische Säuglinge und Kleinkinder in der Pension. Die Nazis schöpften Verdacht, dass dort illegal Juden versteckt wurden. Bei mehreren Durchsuchungen wurden jüdische Kinder abgeholt und Manfred Pollatz wurde verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Nachdem sein Sohn Karl-Heinz eingewilligt hatte, als Arzt an der Ostfront zu dienen, wurde er nach einem Jahr Haft entlassen. Karl-Heinz Pollatz fiel jedoch an der Front.

Quelle: Israelische Botschaft in Berlin


Israel ehrt Judenretterin Mathilde Böckelmann als „Gerechte unter den Völkern“

Die Lebensretterin Mathilde Böckelmann (1907 – 1978) ist von der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem posthum (nach ihrem Tod) als „Gerechte unter den Völkern“ anerkannt worden.

Bei einer Feierstunde in Greifswald am 23. November nahm Böckelmanns Tochter Christa Heptner von Botschafter Yakov Hadas-Handelsman die Yad Vashem-Urkunde und die Medaille entgegen. Mathilde Böckelmanns Name wird zudem auf der Ehrenwand im „Garten der Gerechten unter den Völkern“ in Yad Vashem verewigt.

BILD: Die Angehörigen von M. Böckelmann mit der Überlebenden Miriam Brudermann, dem israelischen Botschafter und Ministerpräsident Sellering (Foto: Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommern)

Zu dieser ersten Yad Vashem-Feierstunde für eine „Gerechte unter den Völkern“ in Mecklenburg-Vorpommern hatten Ministerpräsident Erwin Sellering und der israelische Botschafter gemeinsam eingeladen. Die Ehrung fand im F.-L.-Jahn-Gymnasium im Beisein von rund 200 Schüler/innen statt.

Der israelische Botschafter sagte: „Die Tage, an denen wir die „Gerechten unter den Völkern“ ehren, sind besondere Tage. Wir erinnern daran, dass es in den dunkelsten Stunden des jüdischen Volkes Menschen gab, die alles riskierten – ihren Besitz und sogar ihr Leben – um andere Menschen zu retten. Die Erinnerung an diese Menschen wach zu halten und ‚danke‘ zu sagen, ist das mindeste, was wir Israelis, was wir Juden, heute tun können.“

Miriam Bruderman, die heute 86-jährige Gerettete, war eigens aus Israel zu der Ehrung angereist. Am Tag zuvor war die Überlebende zum ersten Mal der Tochter ihrer Retterin, Christa Heptner, begegnet. Die beiden trafen am Ort der Rettung, in Pustow bei Greifswald, zusammen.  deutschland-israel-flag

Die jüdische Familie Fernbach kam im Jahr 1940 aus der Eifel nach Berlin. Als im Herbst 1941 die Verfolgung der Juden in ein neues Stadium eintrat und die Deportationen in die Ghettos und Vernichtungslager begannen, ging die Familie in den Untergrund.

Vater Moses überlebte dank gefälschter Ausweisdokumente in Magdeburg, Mutter Lina überlebte in verschiedenen Verstecken in Berlin. Die 1930 geborene Tochter Miriam versteckte sich zwei Jahre lang in Berlin-Kaulsdorf bei Erich und Maria Glaser. Sie musste auf deren Hof arbeiten, und für ihren Unterhalt musste ihre Familie bezahlen. Nachdem die Luftangriffe auf Berlin immer massiver wurden, suchten Bekannte der Familie Fernbach für Miriam ein neues Versteck außerhalb der Stadt.

Und so nahm Mathilde Böckelmann die verfolgte Miriam Fernbach Anfang Januar 1945 bis zum Ende des Krieges auf ihrem Hof in Pustow in der Nähe von Greifswald auf. Sie gefährdete ihr eigenes Leben und das ihrer Familie, um das ihr unbekannte 15-jährige Mädchen zu retten. So konnte Miriam den Nazi-Terror überleben.

Quelle: Israelische Botschaft in Berlin