Kardinal Müller: Gläubige sollen kirchlichen Medjugorje-Entscheid abwarten

Wie das erscheinungsbewegte Nachrichtenportal „Kath.net“ am 17.11.2016 berichtet, hat Glaubenspräfekt Gerhard Müller die Gläubigen aufgefordert, in puncto Medjugorje auf eine Entscheidung der Weltkirche – also des Vatikan – zu warten.

Die erwähnte Erscheinungssstätte befindet sich in Bosnien-Herzegowina; dort ist seit 1981 von weit über 40.000 Marienvisionen die Rede, welche sich an ein halbes Dutzend Seher/innen gerichtet haben sollen. Bischof Gerhard Ludwig Müller Internet

Kurienkardinal Müller (siehe Foto) stellte kürzlich in einem Interview klar, daß die katholische Marienverehrung „nicht an Erscheinungen und Offenbarungen“ hänge. Vielmehr beruhe der kirchliche Marienglaube in ihrer Jungfräulichkeit und Gottesmutterschaft, ihrer makellosen Empfängnis und ihrer Aufnahme in den Himmel mit Leib und Seele.  

Wie man sich vorstellen kann, herrscht in den Leserkommentaren auf „kath.net“ nicht gerade eitel Freude über diese Aussagen des Präfekten der Glaubenskongregation, der sich bereits in der Vergangenheit eher skeptisch zur Causa Medjugorje geäußert hat.

Ein Leser schreibt dort ganz klar, seine Marienverehrung hänge sehr wohl an Medjugorje, weil er sich dort bekehrt habe – andere Leser bringen zwar Einwände gegen Müllers Feststellung, akzeptieren sie aber unterm Strich doch mehr oder weniger.

Ein Medjugorje-Pilger stimmt ihm freilich direkt zu: „Was Kardinal Müller meint, ist sicherlich auch, dass man seinen Glauben nicht (praktisch) nur an Medjugorje festmachen soll. Ich war selbst etwa 1987 dort und habe ambivalentes erlebt, ebenso ging es meiner Mutter. Seitdem freut es mich zwar, zu hören, wie viele dort zum Glauben gefunden haben, halte mich aber ansonsten an das Bewährte – gerade in diesen unruhigen Zeiten…“

Foto: Bistum Regensburg


Vatikan: Kardinal Gerhard Müller weist Anschuldigungen der „Bild“-Zeitung zurück

Kardinal Gerhard Müller ist erneut Berichten über eine angebliche schwarze Kasse in der von ihm geleiteten Glaubenskongregation entgegengetreten.

AL-0005In einem Interview mit dem Münchner Magazin „Focus“ wies er die am 9. Dezember von der „Bild“-Zeitung verbreitete Story als „Nonsens“ und „Verbreitung von dümmlichen Gerüchten“ zurück. Dabei deutete der Glaubenspräfekt an, dass der Urheber nach seiner Einschätzung „eher nicht“ im Vatikan, sondern in Deutschland zu suchen sei.

„Bild“ hatte ohne nähere Quellen- und Zeitangaben über eine angebliche Razzia in der Kurienbehörde berichtet, bei der im Büro von Müllers damaligem Verwaltungsleiter 20.000 Euro Bargeld hinter einer Würstchendose gefunden und beschlagnahmt worden seien. Daraufhin seien auch Ermittlungen gegen den Kardinal selbst eingeleitet worden.

Weder gegen ihn noch gegen seinen Mitarbeiter werde ermittelt, stellte Kardinal Müller klar.

Auch „die ganze Saga vom Luxusleben der Kardinäle“ sei auf gut bayerisch „ein großer Schmarrn“, sagte der frühere Regensburger Bischof. Abgesehen von seiner Privatbibliothek „wie sie jeder deutsche Universitätsprofessor hat“, pflege er keinen anderen Lebensstil als seine Eltern. Müllers Vater war Fließbandarbeiter bei Opel, seine Mutter Hausfrau.

Quelle und vollständiger Bericht von Radio Vatikan hier: http://de.radiovaticana.va/news/2015/12/18/kardinal_m%C3%BCller_bezeichnet_schwarzgeld-story_als_%E2%80%9Enonsens%E2%80%9C/1195253

Foto: Bistum Regensburg


Glaubenskongregation: Gerhard Kardinal Müller erläutert biblische und kirchliche Gründe für das unauflösliche Eheband

Zur Unauflöslichkeit der Ehe AL-0015

und zur Debatte um die zivil Wiederverheirateten und die Sakramente

von

Erzbischof Gerhard Ludwig Müller

Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre

Die Diskussion über die Problematik der Gläubigen, die nach einer Scheidung eine neue zivile Verbindung eingegangen sind, ist nicht neu. Von der Kirche wurde sie immer mit großem Ernst und in helfender Absicht für die betroffenen Menschen geführt. Denn die Ehe ist ein besonders tief in die persönlichen, sozialen und geschichtlichen Gegebenheiten eines Menschen hinabreichendes Sakrament.

Aufgrund der zunehmenden Zahl der Betroffenen in Ländern alter christlicher Tradition handelt es sich um ein pastorales Problem von großer Tragweite. Heute fragen sich durchaus gläubige Menschen ernsthaft: Kann die Kirche die wiederverheirateten geschiedenen Gläubigen nicht unter bestimmten Bedingungen zu den Sakramenten zulassen? BILD0222

Sind ihr in dieser Angelegenheit für immer die Hände gebunden? Haben die Theologen wirklich schon alle diesbezügliche Implikationen und Konsequenzen frei gelegt?

Diese Fragen müssen im Einklang mit der katholischen Lehre über die Ehe erörtert werden. Eine verantwortungsvolle Pastoral setzt eine Theologie voraus, die sich „dem sich offenbarenden Gott mit Verstand und Willen voll unterwirft und seiner Offenbarung willig zustimmt“ (II. Vatikanisches Konzil, Konstitution Dei verbum, Nr. 5).

Um die authentische Lehre der Kirche verständlich zu machen, müssen wir vom Wort Gottes ausgehen, das in der Heiligen Schrift enthalten, in der kirchlichen Tradition ausgelegt und vom Lehramt verbindlich interpretiert wird.

Das Zeugnis der Heiligen Schrift

Es ist nicht unproblematisch, unsere Frage unvermittelt in das Alte Testament hineinzutragen, weil damals die Ehe noch nicht als Sakrament betrachtet wurde. Das Wort Gottes im Alten Bund ist aber insofern für uns von Bedeutung, als Jesus in dieser Tradition steht und von ihr her argumentiert. ???????

Im Dekalog steht das Gebot „Du sollst nicht die Ehe brechen!“ (Ex 20,14), an anderer Stelle wird eine Ehescheidung aber als möglich angesehen. Mose bestimmt nach Dtn 24,1-4, dass ein Mann seiner Frau eine Scheidungsurkunde ausstellen und sie aus seinem Haus entlassen kann, wenn sie nicht mehr sein Wohlgefallen findet. Im Anschluss daran können Mann und Frau eine neue Ehe eingehen.

Neben dem Zugeständnis der Scheidung findet sich im Alten Testament aber auch ein gewisses Unbehagen gegenüber dieser Praxis. Wie das Ideal der Monogamie, so ist auch das Ideal der Unauflöslichkeit in dem Vergleich enthalten, den die Propheten zwischen dem Bund Jahwes mit Israel und dem Ehebund anstellen.

Der Prophet Maleachi bringt dies deutlich zum Ausdruck: „Handle nicht treulos an der Frau deiner Jugend…, mit der du einen Bund geschlossen hast“ (Mal 2,14-15).

Vor allem Kontroversen mit den Pharisäern waren für Jesus Anlass, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Er distanzierte sich ausdrücklich von der alttestamentlichen Scheidungspraxis, die Mose gestattet hatte, weil die Menschen „so hartherzig“ waren, und verwies auf den ursprünglichen Willen Gottes:

„Am Anfang der Schöpfung… hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen“ (Mk 10,5-9; vgl. Mt 19,4-9; Lk 16,18). 1511

Die katholische Kirche hat sich in Lehre und Praxis stets auf diese Worte Jesu über die Unauflöslichkeit der Ehe bezogen. Das Band, das die beiden Ehepartner innerlich miteinander verbindet, ist von Gott selbst gestiftet. Es bezeichnet eine Wirklichkeit, die von Gott kommt und deshalb nicht mehr in der Verfügung der Menschen steht.

Heute meinen einige Exegeten, diese Herrenworte seien schon in apostolischer Zeit mit einer gewissen Flexibilität angewandt worden: und zwar bei porneia/Unzucht (vgl. Mt 5,32; 19,9) und im Fall der Trennung zwischen einem christlichen und einem nicht christlichen Partner (vgl. 1 Kor 7,12-15).

Die Unzuchtsklauseln wurden freilich in der Exegese von Anfang an kontrovers diskutiert. Viele sind der Überzeugung, dass es sich dabei nicht um Ausnahmen von der Unauflöslichkeit der Ehe, sondern um ungültige eheliche Verbindungen handle. Jedenfalls kann die Kirche ihre Lehre und Praxis nicht auf umstrittene exegetische Hypothesen aufbauen. Sie muss sich an die klare Lehre Christi halten.

Paulus verkündet das Verbot der Scheidung als ausdrücklichen Willen Christi:

„Den Verheirateten gebiete nicht ich, sondern der Herr: Die Frau soll sich vom Mann nicht trennen – wenn sie sich aber trennt, so bleibe sie unverheiratet oder versöhne sich wieder mit dem Mann –, und der Mann darf die Frau nicht verstoßen“ (1 Kor 7,10-11).

Zugleich lässt er auf Grund eigener Autorität zu, dass sich ein Nichtchrist von seinem christlich gewordenen Partner trennen kann. In diesem Fall ist der Christ „nicht gebunden“, unverheiratet zu bleiben (1 Kor 7,12-16).

Ausgehend von dieser Stelle erkannte die Kirche, dass nur die Ehe zwischen einem getauften Mann und einer getauften Frau  Sakrament im eigentlichen Sinn ist und nur für diese die unbedingte Unauflöslichkeit gilt. Die Ehe von Ungetauften ist zwar auf die Unauflöslichkeit hingeordnet, kann aber unter Umständen – eines höheren Gutes wegen – aufgelöst werden (Privilegium Paulinum). BILD0230

Es handelt sich hier also nicht um eine Ausnahme vom Herrenwort. Die Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe, der Ehe im Raum des Christusmysteriums, bleibt gewahrt.

Von großer Bedeutung für die biblische Grundlegung des sakramentalen Eheverständnisses ist der Epheserbrief, in dem es heißt: „Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat“ (Eph 5,25).

Und etwas weiter schreibt der Apostel: „Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sein. Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche“ (Eph 5,31-32).

Die christliche Ehe ist ein wirksames Zeichen des Bundes zwischen Christus und der Kirche. Weil sie die Gnade dieses Bundes bezeichnet und mitteilt, ist die Ehe zwischen Getauften ein Sakrament.

Das Zeugnis der kirchlichen Tradition

Für die Herausbildung der kirchlichen Position bilden sodann die Kirchenväter und die Konzilien wichtige Zeugnisse. Für die Väter sind die biblischen Weisungen bindend. Sie lehnen die staatlichen Ehescheidungsgesetze als mit der Forderung Jesu unvereinbar ab. Die Kirche der Väter hat Ehescheidung und Wiederheirat zurückgewiesen, und zwar aus Gehorsam gegenüber dem Evangelium. In dieser Frage ist das Zeugnis der Väter eindeutig. IMG_1468 (2)

In der Väterzeit wurden geschiedene Gläubige, die zivil wieder geheiratet haben, auch nicht nach einer Bußzeit zu den Sakramenten zugelassen. Einige Vätertexte lassen wohl erkennen, dass Missbräuche nicht immer rigoros zurückgewiesen wurden und hin und wieder für sehr seltene Grenzfälle pastorale Lösungen gesucht wurden.

In manchen Gegenden kam es später, vor allem aufgrund der zunehmenden Verflechtung von Staat und Kirche, zu größeren Kompromissen. Im Osten setzte sich diese Entwicklung weiter fort und führte, besonders nach der Trennung von der Cathedra Petri, zu einer immer liberaleren Praxis.

Heute gibt es in den orthodoxen Kirchen eine Vielzahl von Scheidungsgründen, die zumeist mit dem Verweis auf die Oikonomia, die pastorale Nachsicht in schwierigen Einzelfällen, gerechtfertigt werden, und den Weg zu einer Zweit- und Drittehe mit Bußcharakter öffnen.

Mit dem Willen Gottes, wie er in den Worten Jesu über die Unauflöslichkeit der Ehe eindeutig zum Ausdruck kommt, ist diese Praxis nicht zu vereinbaren. Sie stellt jedoch ein nicht zu unterschätzendes ökumenisches Problem dar.

Im Westen wirkte die Gregorianische Reform den Liberalisierungstendenzen entgegen und stellte die ursprüngliche Auffassung der Schrift und der Väter wieder her. Die katholische Kirche hat die absolute Unauflöslichkeit der Ehe selbst um den Preis großer Opfer und Leiden verteidigt.

Das Schisma einer vom Nachfolger Petri abgelösten „Kirche von England“ erfolgte nicht aufgrund von Lehrdifferenzen, sondern weil der Papst dem Drängen von König Heinrich VIII. nach Auflösung seiner Ehe aus Gehorsam gegenüber dem Wort Jesu nicht nachkommen konnte.

Das Konzil von Trient hat die Lehre von der Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe bestätigt und erklärt, dass diese der Lehre des Evangeliums entspricht (vgl. DH 1807).  

Manchmal wird behauptet, dass die Kirche die orientalische Praxis faktisch toleriert habe. Das trifft aber nicht zu. Die Kanonisten sprachen immer wieder von einer missbräuchlichen Praxis. Und es gibt Zeugnisse, dass Gruppen orthodoxer Christen, die katholisch wurden, ein Glaubensbekenntnis mit einem ausdrücklichen Verweis auf die Unmöglichkeit von Zweit- und Drittehen zu unterzeichnen hatten.

Das Zweite Vatikanische Konzil hat in der Pastoralkonstitution Gaudium et spes über die „Kirche in der Welt von heute“ eine theologisch und spirituell tiefe Lehre über die Ehe vorgelegt.

Es hält klar und deutlich an der Unauflöslichkeit der Ehe fest. Die Ehe wird verstanden als umfassende leib-geistige Lebens- und Liebesgemeinschaft von Mann und Frau, die sich gegenseitig als Personen schenken und annehmen.

Durch den personal freien Akt des wechselseitigen Ja-Wortes wird eine nach göttlicher Ordnung feste Institution begründet, die auf das Wohl der Gatten und der Nachkommenschaft hingeordnet ist und nicht mehr menschlicher Willkür unterliegt:

„Diese innige Vereinigung als gegenseitiges Sich-Schenken zweier Personen wie auch das Wohl der Kinder verlangen die unbedingte Treue der Gatten und fordern ihre unauflösliche Einheit“ (Nr. 48).

Durch das Sakrament schenkt Gott den Gatten eine besondere Gnade: 120505288_BV_July und Mike

„Wie nämlich Gott einst durch den Bund der Liebe und Treue seinem Volk entgegenkam, so begegnet nun der Erlöser der Menschen und der Bräutigam der Kirche durch das Sakrament der Ehe den christlichen Gatten. Er bleibt fernerhin bei ihnen, damit die Gatten sich in gegenseitiger Hingabe und ständiger Treue lieben, so wie er selbst die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat“ (ebd.).

Durch das Sakrament enthält die Unauflöslichkeit der Ehe einen neuen, tieferen Sinn: Sie wird zum Bild der beständigen Liebe Gottes zu seinem Volk und der unwiderruflichen Treue Christi zu seiner Kirche.

Man kann die Ehe nur im Kontext des Christusmysteriums als Sakrament verstehen und leben. Wenn man die Ehe säkularisiert oder als bloß natürliche Wirklichkeit betrachtet, bleibt  der Zugang zur Sakramentalität verborgen.

Die sakramentale Ehe gehört der Ordnung der Gnade an, sie ist hinein genommen in die endgültige Liebesgemeinschaft Christi mit seiner Kirche. Christen sind gerufen, ihre Ehe im eschatologischen Horizont der Ankunft des Reiches Gottes in Jesus Christus, dem Fleisch gewordenen Wort Gottes, zu leben.

Das Zeugnis des Lehramts in der Gegenwart

Das bis heute grundlegende Apostolische Schreiben Familiaris consortio, das Johannes Paul II. am 22. November 1981 im Anschluss an die Bischofssynode über die christliche Familie in der Welt von heute veröffentlichte, bestätigt nachdrücklich die dogmatische Ehelehre der Kirche.

Es bemüht sich aber pastoral auch in der Sorge um die  zivil wiederverheirateten Gläubigen, die in einer kirchlich gültigen Ehe noch gebunden sind.   Der Papst zeigt ein hohes Maß an Sorge und Zuwendung.

Die Nr. 84 „Wiederverheiratet Geschiedene“ enthält folgende Grundaussagen:

  1. Die Seelsorger sind aus Liebe zur Wahrheit verpflichtet, „die verschiedenen Situationen gut zu unterscheiden“. Man darf nicht alles und alle gleich bewerten. media-444757-2
  2. Die Seelsorger und die Gemeinden sind gehalten, den betroffenen Gläubigen in „fürsorgender Liebe“ beizustehen. Auch sie gehören zur Kirche, haben Anspruch auf Seelsorge und sollen am Leben der Kirche teilnehmen.
  3. Die Zulassung zur Eucharistie kann ihnen allerdings nicht gewährt werden. Dafür wird ein doppelter Grund genannt:
  4. a) „ihr Lebensstand und ihre Lebensverhältnisse stehen in objektivem Widerspruch zu jenem Bund der Liebe zwischen Christus und der Kirche, den die Eucharistie sichtbar und gegenwärtig macht“;
  5. b) „ließe man solche Menschen zur Eucharistie zu, bewirkte dies bei den Gläubigen hinsichtlich der Lehre der Kirche über die Unauflöslichkeit der Ehe Irrtum und Verwirrung“. Eine Versöhnung im Bußsakrament, die den Weg zum Eucharistieempfang öffnet, kann es nur geben bei Reue über das Geschehene und „Bereitschaft zu einem Leben, das nicht mehr im Widerspruch zur Unauflöslichkeit der Ehe steht“. Das heißt konkret: Wenn die neue Verbindung aus ernsthaften Gründen, etwa wegen der Erziehung der Kinder, nicht gelöst werden kann, müssen sich die beiden Partner „verpflichten, völlig enthaltsam zu leben“.
  6. Den Geistlichen wird aus inner sakramententheologischen und nicht  aus legalistischen Zwang ausdrücklich verboten, für Geschiedene, die zivil wieder heiraten, „irgendwelche liturgische Handlungen vorzunehmen“, solange eben die erste sakramental gültige Ehe noch besteht..

Das Schreiben der Glaubenskongregation über den Kommunionempfang von wiederverheirateten geschiedenen Gläubigen vom 14. September 1994 bekräftigt, dass die Praxis der Kirche in dieser Frage „nicht aufgrund der verschiedenen Situationen modifiziert werden kann“ (Nr. 5).

Zudem stellt es klar, dass die betroffenen Gläubigen nicht auf der Basis ihrer eigenen Gewissensüberzeugung zur heiligen Kommunion hinzutreten dürfen: „Im Falle, dass sie dies für möglich hielten, haben die Hirten und Beichtväter… die ernste Pflicht, sie zu ermahnen, dass ein solches Gewissensurteil in offenem Gegensatz zur Lehre der Kirche steht“ (Nr. 6).

Falls Zweifel über die Gültigkeit einer zerbrochenen Ehe bestehen, müssen diese durch die dafür kompetenten Ehegerichte überprüft werden (vgl. Nr. 9). Von fundamentaler Bedeutung bleibt, „in fürsorgender Liebe alles zu tun, was die Gläubigen, die sich in einer irregulären ehelichen Situation befinden, in der Liebe zu Christus und zur Kirche bestärken kann.

Nur so wird es ihnen möglich sein, die Botschaft von der christlichen Ehe uneingeschränkt anzuerkennen und die Not ihrer Situation aus dem Glauben zu bestehen. Die Pastoral wird alle Kräfte einsetzen müssen, um glaubhaft zu machen, dass es nicht um Diskriminierung geht, sondern einzig um uneingeschränkte Treue zum Willen Christi, der uns die Unauflöslichkeit der Ehe als Gabe des Schöpfers zurückgegeben und neu anvertraut hat“ (Nr. 10).

FORTSETZUNG dieses Beitrags von Glaubenspräfekt Müller siehe hier: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/muller/rc_con_cfaith_20131023_divorziati-risposati-sacramenti_ge.html#top

Erstveröffentlichung im Osservatore Romano (Vatikanzeitung) vom 23.10.2013

1. Foto: Bistum Regensburg / Gemälde: Evita Gründler


ZEITgeistiger ZEIT-Artikel über Ehe, Unfehlbarkeit und Kardinals-Kontroversen

Von Felizitas Küble

Unter dem Titel „Konservative fürchten um das Ehesakrament“ veröffentlichte ZEIT-online am gestrigen Sonntag, den 23.2.2014, einen Artikel von Wolfgang Thielmann zur aktuellen innerkirchlichen Debatte über Ehe, Familie, „Reformen“ und Zeitgeist.

Foto: Radio Vatikan

Foto: Radio Vatikan

Dabei verteilt der Autor reichlich „Spekulatius“ bzw. Vermutungen darüber, wie der Papst (siehe Foto) angeblich denkt, etwa über einen bislang unveröffentlichten Vortrag des als liberal geltenden Kurien-Kardinals Kasper, der  „mit höchstem Lob von Franziskus“ bedacht worden sei  –  Belege hierfür werden nicht erwähnt.

Unter Konservativen gehe nun die Angst um, mutmaßt Thielmann, daß Franziskus in dieser Causa nicht auf Seiten von Kardinal Gerhard L. Müller, sondern auf Seiten Kaspers stehe:

„Den Papst darf man nicht kritisieren. Denn er kann unfehlbar entscheiden. Jedenfalls müssen Katholiken das glauben. Und die Unfehlbarkeit färbt ab auf alles, was er sagt.“

„Setzen, nachbüffeln!“ kann man da nur sagen, denn kein einziger Satz ist hier zutreffend:

1. Den Papst darf selbstverständlich jeder Katholik kritisieren, auch der Frommste im Kirchenvolk.

2. Der Papst „kann“ zwar unfehlbar entscheiden, aber durchaus nicht willkürlich: Der Papst handelt nämlich nur dann unfehlbar, wenn er verbindlich und feierlich („ex cathedra“) ein Dogma für die ganze Weltkirche verkündet; dieses wiederum muß mit der kirchlichen Lehre und Tradition vereinbar sein, kann also nicht päpstlicher Willkür oder Laune entstammen. Petrischlüssel

3. Wie „häufig“ Päpste jene Unfehlbarkeit in Anspruch nehmen, zeigt sich daran, daß in den letzten 150 Jahren sage und schreibe zwei Dogmen verkündet wurden.

4. Unsinnig ist auch die steile Behauptung, wonach das Amts-Charisma der Unfehlbarkeit „auf alles abfärbt“, was ein Papst sagt. Der ZEIT-Redakteur präsentiert hier  –  sei es bewußt oder mangels Sachkenntnis  –  ein Zerrbild der kirchlichen Lehre über die päpstliche Unfehlbarkeit.

Thielmann erwähnt sodann einen früheren reformerischen Vorstoß Walter Kaspers gemeinsam mit zwei anderen Oberhirten in puncto Sakramentenpastoral bei geschieden-„Wiederverheirateten“  –  und fügt hinzu:

„Doch der Chef der Glaubenskongregation im Vatikan fegte die Initiative der drei Bischöfe vom Tisch. Er hieß Joseph Ratzinger.“

Ja, Kardinal Ratzinger blieb unbeugsam  – und das war auch gut so!

Der ZEIT-Autor fährt fort:

„Der heutige Chef der Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig Müller, wurde gerade zum Kardinal erhoben. Was Ehe und Familie angeht, denkt er genau wie sein Vorvorgänger Ratzinger. (…) Im November noch wies er den Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch zurecht. Der hatte zugelassen, dass in seinem Bistum der Vorschlag verbreitet wurde, die zweite Ehe wenigstens zu segnen. Müller sah darin einen Verstoß gegen katholische Lehre.“

Natürlich widerspräche eine derartige kirchliche „Segnung“ den klaren Worten Christi, wonach es einen Ehebruch darstellt, nach Scheidung einer gültigen Ehe erneut zu heiraten, weil damit die eheliche Treue und die Unauflöslichkeit der Ehe unterlaufen wird, die in der katholischen Kirche immerhin zu den sieben heiligen Sakramenten zählt.

Die Kirche besitzt durchaus kein „Verfügungsrecht“ über die von Gott verkündeten Gebote und über die von Christus gegründeten Sakramente.

Mit „Reformen“, die der Ehelehre der Heiligen Schrift widersprechen, würde die Kirche eine WILLKÜR-Herrschaft etablieren: Nicht mehr der Wille Gottes wäre dann maßgebend, sondern die vielfältigen Wünsche diverser Zeitgeistlicher. Doch an die Gebote des Ewigen hat sich auch und gerade die Kirche selber zu halten  – und daran festzuhalten.

Felizitas Küble leitet das Christoferuswerk und den KOMM-MIT-Jugendverlag in Münster


Realsatire aus Regensburg: Anonyme Unterstellungen und kleinbürgerliche Neidkomplexe schüren Stimmung gegen Erzbischof Müller

Der „Mittelbayerischen Zeitung“ gefiel es am heutigen Dienstag, einen Online-Artikel zu veröffentlichen, in dem es von süffisanten Spitzen und Spitzfindigkeiten gegen Erzbischof Gerhard Ludwig Müller nur so wimmelt und stichelt.

Ausgangspunkt des Zeitungsberichts ist ein der dortigen Redaktion vorliegender, wohlgemerkt anonymer Brief eines, wie die MZ munter drauflosbehauptet, „offenbar gut informierten Müller-Kritikers“ –  oh?

Hm  – woher weiß das Blatt dies denn angesichts eines anonymen Briefes?

Foto: Bischöfl. Presseamt Regensburg

Foto: Bischöfl. Presseamt Regensburg

Statt ein feiges Denunzianten-Schreiben im Papierkorb zu entsorgen, gelangt es zur Ehre eines großen Berichtes in der MZ.

Aufgrund eines einzigen anonymen Briefs wird zudem der Eindruck erweckt, als stände eine ganze Armada dahinter, heißt es doch schon im Titel des reißerischen Artikels: „Erzbischof Müller bewegt weiter die Gemüter“

Erst denkt sich der brave Leser: Das ist doch prima, der frühere Regensburger Bischof ist in seinem Bistum nach wie vor unvergessen, umso besser…

Pustekuchen, gleich im nächsten Satz heißt es nämlich:

„Spekulationen um finanzielle Zuwendungen: Anonyme Kritiker werfen Regensburgs ehemaligen Bischof Gerhard Ludwig Müller vor, ein „Nimmersatt“ zu sein.“

Der Chef der Glaubenskongregation in den heiligen Hallen des Vatikan ist ein „Nimmersatt“  – wer hätte das gar gedacht?

Und wie merkwürdig, daß aus einem einzigen anonymen Schreiben nun aus dem Nichts heraus von „Kritikern“ die Rede ist  – hat der Denunziatenbrief etwa eine wundersame Papiervermehrung erfahren?

Ist der oberste Glaubenshüter der katholischen Weltkirche womöglich ein „Nimmersatt“?

Dazu veröffentlichte das mittelbayerische Käse…äh…Regionalblatt „passend“ ein Foto des Erzbischofs, auf dem er leicht angenervt nach oben schaut, als ob er befürchten müsse, schon bereits als hoffnungsloser „Bruder Nimmersatt“ entlarvt zu sein…

Ein anonymer Brief ist freilich ein Ereignis, das eine echt seriöse „Qualitätszeitung“ dazu veranlaßt, der Bistumsleitung einen geradezu inquisitorischen Fragenkatalog vorzulegen, sei es auf direkte Art oder indirekt herausgefordert durch die Vorwürfe in ihrer „Berichterstattung“.

Allerdings muß die MZ auch vermelden: „Das Bistum Regensburg betont jedoch: Alles läuft korrekt.“  – Eben, was soll also das künstlich aufgebauschte Theater?

MZ-Redakteurin Christine Schröpf weiß gleichwohl Schlimmes aus der anonymen Briefweisheit zu berichten, wie der Glaubenshüter aus Rom nämlich das bayerische Bistum schröpft und schröpft, nämlich bittschön:

„Zwei Mallersdorfer Schwestern kümmerten sich auch in Rom weiter gratis um den Haushalt des Erzbischofs.“

Ein unglaublicher Skandal: Wenn das mal keine unlauterte Vorteils(an)nahme ist, dann heiß ich Christine!

Offenbar macht die Korruption auch vor vatikanischen Amtsstuben nicht halt, sie dringt gar in die Küche der Kurie ein   –  und versalzt der Kirche noch die (Medien-)Suppe!

Damit nicht genug der heimlichen Müller-Sünden aus dem anonym gewonnenen  „Beichtzettel“ der Redaktionsstube:

„Im Regensburger Priesterseminar sei für [Müllers] Aufenthalte eine ständige Wohnung reserviert.“

Jetzt halten wir uns an der Stuhllehne fest:

Angesichts dessen, daß die meisten Priesterseminare   –  Gott sei es geklagt – ohnehin fest leer stehen, wagt es die Bistumsleitung, den hohen Besuch aus Rom nicht etwa unter einer Brücke oder im Mehrbettzimmer einer Jugendherberge übernachten zu lassen, sondern in den gewiß doch höchst luxuriösen Zimmern eines Priesterseminars.

Wie gut, daß es die Mittelbayerische Zeitung gibt, die uns über solche innerkirchlichen Skandale –  noch dazu jene direkt aus dem Rom, dem Zentrum der Weltkirche!  – aufklärt und nicht müde wird, auch die kleinbürgerlichsten Neidkomplexe gebührend zu berücksichtigen.

Angesichts dieser haus….äh.…vatikangemachten Affäre, bei der es immerhin um den drittmächtigsten Mann der katholischen Kirche geht, dürfen wir der Qualitätspresse in deutschen und bayerischen Landen immer wieder von neuem dankbar sein, daß sie sich sogar um den Computer aus der Schreibstube des Herrn Erzbischofs kümmert und daher zu vermelden weiß:

„Büromöbel und Computer…Die Vorwürfe werden heftig diskutiert“

„Handgefertigte Büromöbel und einen Computer habe er nach Rom mitgenommen. Müller wird deshalb als „Nimmersatt“ tituliert. Die Vorwürfe haben inzwischen Kreise gezogen  –  und werden heftig diskutiert.“

Himmel, Garn und Zwirn  –  das ist ja „heftig“, das kann doch nicht wahr sein, dieser nimmersatte Müller hat zwar keine Brillanten mit nach Rom genommen, er hat auch  –  das beruhigt die „Gemüter“ zu Regensburg vielleicht etwas   – keine silbernen Löffel geklaut, aber einen wahrhaftigen Computer samt „handgefertigten“ Einrichtungsgegenständen in die vatikanische Kurie eingebracht: das muß man sich mal auf der berühmten Zunge zergehen lassen!

Nachdem Frau Schröpf das Sündenregister des Glaubenspräfekten fein säuberlich abgespult hat, folgt die Zwischenüberschrift: „Bistumssprecher verwundert“

Zur nicht geringen „Verwunderung“ über dieses ebenso unseriöse wie lächerliche  Zeitungsgebaren besteht gewiß aller Anlaß  – oder hatte die Redakteurin etwa erwartet, der Pressesprecher der Diözese Regensburg breche hierüber in Jubel aus?

Weiter heißt es: 

„Bistumssprecher Clemens Neck bestätigte im Großen und Ganzen den Sachverhalt  –  wunderte sich aber über böse Untertöne.“

Der kirchliche Pressesprecher hat sich noch zurückhaltend ausgedrückt, denn der infame Artikel der MZ ist eine einzige hinterhältige Unverschämtheit.

Einige Klarstellungen des Bistumssprechers werden sodann erwähnt, zB. folgende: „Im Priesterseminar stünden Müller für Besuche zwei kleine Gästezimmer zur Verfügung.“ 

Sodann: „Seine Regensburger Computer „teilweise seit vielen Jahren im Gebrauch“ seien ihm überlassen worden. „Ein Schreibtisch, eine Schrankwand und eine Sitzungstisch-Gruppe“ wurden ihm laut Neck leihweise zur Verfügung gestellt worden. „Die Möbelstücke sind alle rund zehn Jahre alt.“

Die detaillierten Antworten des Pressesprechers „zu den Finanzfragen“ werden aber nicht im Artikel selber veröffentlicht; man findet sie online nur über einen minimalen, kaum sichtbaren, weiterführenden Link, so daß die Richtigstellungen von Clemens Neck wohl nur von den wenigsten Lesern des dreisten Artikels wahrgenommen werden können: Necks Klarstellungen

Die Mittelbayerische Zeitung ist bei Licht betrachtet blamiert bis obenhin, hat dies aber in ihrer kleingeistigen Beschränktheit und ihren oberspießigen Neidkomplexen wohl immer noch nicht „gecheckt“.

Womöglich beglückt sie ihre werte Leserschaft auch weiterhin mit gezielten Indiskretionen anoymer Schreiberlinge, die anderswo – nämlich in seriösen Redaktionen  –  wir wissen schon…im Abfallkorb landen, dem einzig angemessenen Aufenthaltsort solcher Schmierstücke.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


VATIKAN: Glaubenspräfekt Gerhard L. Müller über Heimweh nach Regensburg, Rückgrat gegenüber dem Zeitgeist, Laien in der Politik, Frauen in der Kirche und „kreuz.net“

Die Mittelbayerische Zeitung (MZ) veröffentlichte am heutigen Abend (14.12.) auf ihrem Web-Portal ein ausführliches Interview mit Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, dem Präfekten der römischen Glaubenskongregation und früheren Oberhirten des Bistums Regensburg.

MZ-Mitarbeiterin Christine Schröpf stellte dem Kurien-Erzbischof eine Reihe von Fragen, wobei die erste lautete: „Seit fünf Monaten leben und arbeiten Sie nun im Vatikan. Sind Sie schon ein echter Römer?“

Hierauf antwortete der Glaubenspräfekt: 

„Meine Wohnung wird erst nächste Woche fertig. Erst wenn ich dort eingezogen bin, bin ich richtig angekommen. Noch lebe ich im Gästehaus der Deutschen Bischofskonferenz im Provisorium auf etwa 50 Quadratmetern. Es ist dort etwas spartanisch: Ich habe keinen Schreibtisch, kein Telefon, keinen Fernseher. Und ich schlafe in einem Bett, das von der Länge gerade mal so zu meiner Größe passt.“

Zudem erklärte der Erzbischof, er habe durchaus Heimweh nach Regensburg („ja, das kann man sagen“), zugleich sei er gut im Bilde, was dort passiert, wobei er sich durch das Internet informiere.

Die Interviewerin stellte zudem einige Fragen hinsichtlich des noch amtierenden Diözesan-Administrators Dr. Wilhelm Gegenfurtner, der unlängst mit öffentlichen Seitenhieben gegen Erzbischof Müller von sich reden machte:

„In der PresseClub-Runde forderte Gegenfurtner von einem neuen Bischof unter anderem „Herzenswärme“ und „Rückgrat gegenüber Rom“. Verstehen Sie das als persönlichen Vorwurf gegen Sie, herzenskalt und rückgratlos zu sein?“

Darauf folgte die knappe, aber treffliche Antwort des Erzbischofs:

„Es ist immer gut, wenn sich jeder selbst diese Frage in einer gesunden Gewissenserforschung stellt. Und das Urteil über Andere dem lieben Gott überlässt.“

Ein Bischof soll Rückgrat gegenüber dem Zeitgeist zeigen

Auf die Frage „Hat der Auftritt Gegenfurtners das Verfahren der Bischofsernennung in Regensburg beschleunigt?“, reagierte der Erzbischof mit einer klaren Ansage: 

„Es ging sowieso schon schnell. Ein Bischof muss übrigens gegenüber dem Zeitgeist Rückgrat haben und dem Druck standhalten, der auf die Kirche ausgeübt wird, von der Wahrheit des Evangeliums abzuweichen.“

Zudem wollte die Journalistin gerne wissen: „Überschattet die aktuelle Debatte im Bistum Regensburg den Amtsantritt des neuen Bischofs Rudolf Voderholzer?“

„Ich glaube, die künstliche und überflüssige Aufregung ist schon wieder ein bisschen verflogen. Das kann nicht sein, dass einem neuen Bischof die Bahnen seines Episkopats vorgezeichnet werden.

Rudolf Vorholzer spielt theologisch in einer höheren Liga als selbsternannte Ratgeber und hat zum Bischofsamt sehr reflektierte Gedanken. Er möchte wie ich dem Bischofsideal des Zweiten Vatikanums entsprechen.“

Zum Dauerbrenner „Laien in der Kirche“ erläuterte der römische Glaubenspräfekt:

„Wer nicht an Macht, sondern an die Mitverantwortung denkt, wiederholt nicht diese Leier von der angeblichen Nichtbeteiligung der katholischen Laien am kirchlichen Leben. Laien noch stärker in die Kirche einzubinden, geht eigentlich gar nicht mehr.

Im Bistum Regensburg haben wir die größten Vereine und Verbände bundesweit in allen Sparten  –  fast 300 000 Gläubige sind dort organisiert. Wir haben 14.000 Pfarrgemeinderatsmitglieder, davon sind mindestens die Hälfte Frauen.

An den kirchlichen Schulen gibt es zumeist Direktorinnen. Überall sind die Frauen voll und ganz präsent. Im Ordinariat gibt es mit Maria Luise Öfele eine Ordinariatsrätin  –  sie ist auf dieser Ebene den Domkapitularen gleichgestellt.“

Der Erzbischof bemängelte sodann, daßwir nicht genug überzeugte Katholiken haben, die auf allen Ebenen in der Politik tätig sind.“

„Der politische Atheismus ist die größte Gefahr“

Er fügte hinzu:  „Wir überlassen das Feld oft anderen ideologischen Gruppierungen und wundern uns dann, wenn die Kirche plötzlich zurückgeschoben wird und Gläubige als geduldete Minderheit betrachtet werden.

Unsere ganze Kultur ist vom Christentum geprägt. Wenn wir diese Wurzeln verlieren, enden wir nicht einem neutralen Feld, sondern im Negativen und Abgründigen. Das haben wir schon zwei Mal durchbuchstabiert in Deutschland. Die größte Gefahr für Deutschland und Europa ist der politische Atheismus und aggressive Säkularismus.“

Abschließend stellte Christine Schröpf  folgende aktuelle Frage:

Muss die Kirche weiter nach den Hintermännern  den anonymen Schmähportals kreuz.net forschen? Wissen Sie, wer im Bistum Regensburg bei kreuz.net mitmischte?“

„Wahrscheinlich niemand. Aber wie soll man nachforschen? Es ist ja anonym. Wer will wissen , ob die überhaupt katholisch sind im Sinne des katholischen Glaubens und der Moral. Der Papst und die Bischöfe  –  auch ich persönlich  –  sind immer wieder scharf angegriffen worden.

Da stand zwar ,katholisch‘ drauf, aber das kann jeder hinschreiben. Das sind keine katholischen Fundamentalisten  –  das wäre ein Widerspruch in sich  –  sondern irgendwelche Extremisten, die nicht argumentieren, sondern nur diffamieren können.

Ein anständiger Mensch sagt über andere nichts Negatives, ohne dass er seinen Namen preis gibt und damit dafür Verantwortung übernimmt. Das ist ein Nachteil unseres Internets und müsste entsprechend gesetzlich geregelt werden. Aber auch die Öffentlichkeit muss kritisch reagieren und darf Anonymes nicht ernst nehmen  –  genauso wie man anonyme Briefe in den Papierkorb wirft.“

Quelle und vollständiges Interview hier: http://www.mittelbayerische.de/index.cfm?pid=10009&lid=0&cid=0&tid=0&pk=860444

Foto: Bischöfliches Presseamt Regensburg