Der Vatikan droht den vier fragestellenden Kardinälen mit Repressalien

Von Dr. David Berger

Das gab es in dieser Dimension noch nie: Pio Vito Pinto, der Vorsitzender des obersten katholischen Gerichtshofes, der Römischen Rota, hat gleich mehreren Kardinälen angedroht, dass man ihnen die Kardinalswürde entziehen könnte. pressefotoberger11

Der Grund: Sie hatten sich kritisch zu einem dogmatisch tatsächlich höchst zweifelhaften Rundschreiben (Amoris Laetitia) von Papst Franziskus geäußert.

Mit dabei sind – nach den Informationen mehrerer Nachrichtenagenturen – Kardinäle, die unter dem Vorgänger von Papst Franziskus, Papst Benedikt XVI., als besonders lehramtstreu galten, u. a. die deutschen Kardinäle Joachim Meisner (Köln) und Walter Brandmüller, ein international bekannter Kirchenhistoriker und persönlicher Freund Papst Benedikts XVI.

Zusammen mit den Kardinälen Burke (Malta/USA) und Caffarra (Italien) hatten diese Kichenfürsten einen besorgten Brief an Papst Franziskus gerichtet und ihn gebeten, in der umstrittenen Enzklika angedeutete Pläne, nach denen auch wiederverheiratete Geschiedene die Hl. Eucharistie empfangen können, nicht zu verwirklichen.

Nun will man sie offensichtlich mundtot machen, um die der Ehelehre der Kirche widersprechenden Pläne ungestört und unter dem Jubel der kirchenfernen Medien umsetzen zu können. Wie bereits bei den unter Paul VI. durchgeführten Veränderungen der kirchlichen Praxis, zeigt sich nun auch unter Franziskus:

Die sich selbst als Reformer und Liberale verstehenden Kirchenmänner, die die kirchliche Disziplin an wichtigen Stellen auflösen möchten, gehen gegen ihre Kritiker mit schärfsten disziplinarischen Mitteln vor.

Oder wie es der vor kurzem verstorbene Philosoph Walter Hoeres formulierte: Die heftigsten Toleranzprediger sind fast immer die intolerantesten Menschen.

Quelle und vollständiger Text hier: http://philosophia-perennis.com/2016/11/30/vatikan-droht-kardinal-meisner-mit-entzug-der-kardinalswuerde/

Ergänzender Artikel hierzu aus kirchenrechtlicher Sicht: http://www.kathnews.de/kann-der-deken-der-rota-die-kardinalwuerde-entziehen

Weiterer Beitrag über KARDINAL MÜLLER in dieser Causa: http://www.katholisches.info/2016/12/02/glaubenspraefekt-mueller-steigt-zu-amoris-laetitia-in-den-ring-und-spricht-klartext/


Kardinal Müller bekräftigt die kirchliche Lehre zur Unauflöslichkeit der Ehe

Wie die katholische Zeitung „Die Tagespost“ (DT) in ihrer Ausgabe vom 2. Mai 2016 berichtet, hat sich der Präfekt der Glaubenskongregation zur aktuellen kirchlichen Debatte um die Ehe und das jüngste Papstschreiben „Amoris Laetitia“ geäußert. 0022

Unter dem Titel „Kardinal Müller: Papst hält an der Lehre seiner Vorgänger fest“ schreibt Guido Horst, beim Kommunion-Empfang bleibe die pastorale Praxis wie bisher, nämlich keine Änderung bei den geschiedenen Wiederverheirateten. Dies stellt der oberste Glaubenswächter der katholischen Kirche klar, nachdem manche Auslegungen des nachsynodalen Schreibens von Franziskus zur Verwirrungen geführt haben.

Der Glaubenspräfekt betonte bei einem Vortrag im spanischen Oviedo, daß die klaren Aussagen der Papst-Vorgänger  – inbesondere in „Familiaris consortio“  und „Sacramentum caritatis“ –  uneingeschränkt weiter gelten.

Laut DT „weist Kardinal Müller mit Entschiedenheit darauf hin, dass dort, wo sich Amoris laetitia auf Situationen im Allgemeinen beziehe, nicht aber ganz konkrete Umstände in den Blick nehme“, sehr wohl die „bisherigen Aussagen des kirchlichen Lehramtes zu diesen konkreten Fällen nach wie vor gültig“ seien  – und dies gelte „eindeutig für den Kommunionempfang der wiederverheirateten Geschiedenen“.

Die Betroffenen dürfen, so erklärte der Glaubenspräfekt die kirchliche Position, nur dann die Eucharistie empfangen, wenn sie ihre neue Verbindung aufgeben oder in ihr „als Bruder und Schwester leben“, also  enthaltsam bleiben.

Diese beständigen Normen der Kirche, wie sie in FC Nr. 84 („Familiaris consortio“ von Joh. Paul II. ) und in SC Nr. 29 („Sacramentum caritatis“ von Benedikt XVI.) verdeutlicht würden, habe Papst Franziskus mit seinem jüngsten Schreiben keineswegs außer Kraft gesetzt, auch nicht durch die dortige Fußnote 351, die lediglich eine allgemeine Situationsbeschreibung beinhalte. 

Kardinal Müller erläuterte zudem: „Der Grundsatz ist, dass niemand ein Sakrament  –  die Eucharistie  –  wirklich empfangen wollen kann, ohne gleichzeitig den Willen zu haben, den anderen Sakramenten, darunter dem Ehesakrament, gemäß zu leben. Wer auf eine dem Eheband entgegengesetzte Art und Weise lebt, widersetzt sich dem sichtbaren Zeichen des Ehesakraments.

Was seine Existenz im Leib betrifft, macht er sich zum ,Gegenzeichen‘ der Unauflöslichkeit, auch wenn ihn subjektiv keine Schuld trifft. Gerade deshalb, weil sich sein Leben im Leib dem Zeichen entgegenstellt, kann er nicht zum höchsten eucharistischen Zeichen gehören, in dem sich die menschgewordene Liebe Jesu manifestiert, indem er die Kommunion empfängt. Würde ihn die Kirche zur Kommunion zulassen, so würde sie das begehen, was Thomas von Aquin ,Falschheit in den sakramentalen Zeichen‘ nennt.“

Vollständiger DT-Bericht hier: http://www.die-tagespost.de/politik/Kardinal-Mueller-Papst-haelt-an-der-Lehre-seiner-Vorgaenger-fest;art315,169182

Foto: Bistum Regensburg


„Amoris Laetitia“: Werden Priester in schwere Gewissenskonflikte getrieben?

Mathias von GersdorffPodium5

Nach der Veröffentlichung des päpstlichen Schreibens „Amoris Laetitia“ hat sich die Mehrheit der Priester und Theologen, die dem sog. konservativen Lager zugeordnet werden, mit der Frage beschäftigt, ob es sich hierbei um einen Bruch mit der Tradition und dem römisch-katholischen Lehramt handelt. 

Die herrschende Meinung ist, dass sich nichts verändert habe und Papst Franziskus nichts an der Lehre der Kirche hinsichtlich Ehe und Sexualmoral ändern wolle. Auch hinsichtlich der Frage, ob wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zugelassen seien, sei alles beim alten.

Diese Einschätzung von „Amoris Laetitia“ steht in Kontrast mit Aussagen diverser Bischofskonferenzen sowie hoher Prälaten wie etwa Kardinal Walter Kasper. Dieser  – ein enger Vertrauter des Papstes – behauptete in einem Interview, Franziskus habe den wiederverheirateten Geschiedenen die Tür zum Tisch des HERRN geöffnet.

Deshalb ist es erstaunlich, dass sich kein Vertreter des sog. „konservativen Lagers“ die Frage gestellt hat, was nun passiert, wenn sie von den deutschen Bischöfen de facto gezwungen werden, gegen ihr Gewissen wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zuzulassen (Im Falle der Beichte würde die Erteilung der Absolution eine Simulation des Sakramentes bedeuten, die zur automatischen Exkommunikation des Priesters führt).

Diese Möglichkeit ist gar nicht so abwegig. Die Deutsche Bischofskonferenz hat nämlich gleich nach Erscheinen von „Amoris Laetitia“ erklärt:

„Diese prinzipielle Einsicht hat weitreichende Konsequenzen für den pastoralen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Es reicht eben nicht für ein Urteil, einfach festzustellen, dass eine zweite zivile Verbindung im Widerspruch zur ersten, sakramentalen Ehe und damit im Widerspruch zur objektiven Norm steht. RadioVatikan

Es ist vielmehr notwendig, in jedem einzelnen Fall die besondere Lebenssituation der Betroffenen zu betrachten. Angesichts dieser Überlegungen ist es nur konsequent, dass der Papst keine generelle Regelung zur Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur sakramentalen Kommunion gibt. Nur im Blick auf die jeweilige Lebensgeschichte und Realität lässt sich gemeinsam mit den betroffenen Personen klären, ob und wie in ihrer Situation Schuld vorliegt, die einem Empfang der Eucharistie entgegensteht.

Dabei ist die Frage einer Zulassung zu den Sakramenten der Versöhnung und der Kommunion immer im Kontext der Biographie eines Menschen und seiner Bemühungen um ein christliches Leben zu beantworten. Auf beide zuletzt genannten Aspekte weist der Papst explizit hin (vgl. Fußnoten 336 und 351).“

Offensichtlich schließt die Bischofskonferenz nicht aus, entsprechende Richtlinien zu erlassen, die verbindlich werden sollen. Auf den Umstand, dass sich die Seelsorger nach den Richtlinien der jeweiligen Bischöfe zu richten hätten, hat auch Kardinal Lorenzo Baldisseri auf der Präsentation des päpstlichen Schreibens am 8. April 2016 in Rom hingewiesen.

„Amoris Laetitia“ sieht ebenfalls konkrete Schritte in der Pastoral vor:

„Daher darf ein Hirte sich nicht damit zufrieden geben, gegenüber denen, die in „irregulären“ Situationen leben, nur moralische Gesetze anzuwenden, als seien es Felsblöcke, die man auf das Leben von Menschen wirft. Das ist der Fall der verschlossenen Herzen, die sich sogar hinter der Lehre der Kirche zu verstecken pflegen, » um sich auf den Stuhl des Mose zu setzen und – manchmal von oben herab und mit Oberflächlichkeit über die schwierigen Fälle und die verletzten Familien zu richten «“ SCHÖNBORN Foto von Josef Failer

Sollte die Deutsche Bischofskonferenz also Pfarrer und sonstige Seelsorger anweisen, wiederverheirateten Geschiedenen (wenn auch in Einzelfällen) die Kommunion zu erteilen, stünden die konservativen Priester vor einer schweren Gewissensentscheidung. Im Grunde sähen sie sich gezwungen, ein Sakrileg, also eine besonders schwere Sünde, zu begehen.

Sie könnten sich natürlich nach Rom wenden, doch nichts deutet darauf hin, dass sie von dort Hilfe erhalten würden. Der Papst selbst hat nach der Veröffentlichung nicht verlauten lassen, dass er sich erneut zu dieser Frage äußern wird. In einem Interview erklärte er, Kardinal Schönborn (siehe Foto) hätte „Amoris Laetitia“ richtig interpretiert. Der Wiener Kardinal gehört aber zu jener Fraktion, die sich am meisten für die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion eingesetzt hat.

Den Seelsorgern, die in der Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene ein Sakrileg sehen, wird es nichts nützen, dass etliche Theologen in den letzten Wochen Stellungnahmen geschrieben haben, die eine Änderung in der Lehre der Kirche ausschließen. Sie stünden vor der Alternative, ein Sakrileg zu begehen oder offenen Widerstand gegen ihren Bischof zu leisten.

Unser Autor Mathias von Gersdorff aus Frankfurt ist katholischer Publizist und Leiter der Aktion „Kinder in Gefahr“; er schreibt regelmäßig hier: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/


Kardinal Kasper stößt Debatte um Kommunion für geschieden Wiederverheiratete erneut an

Mathias von Gersdorff

Wie zu erwarten war, gab es in der vergangenen Woche viele Stellungnahmen und Kommentare zur Familiensynode, die am 25. Oktober 2015 endete. Die meisten beschäftigten sich mit dem Schlussbericht, der „Relatio finalis“, die am 24. Oktober der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Foto T. Schirrmacher

Die größte Aufmerksamkeit erhielten die Paragraphen 84, 85 und 86. In diesen geht es um die „wiederverheirateten Geschiedenen“, wohl das wichtigste Reizthema vor und während der Synode.

In der Diskussion um diese Paragraphen geht es vor allem um die Frage, ob laut Schlussbericht die wiederverheirateten Geschiedenen in gewissen Fällen die Kommunion empfangen dürfen. Die „Relatio finalis“ ist wohlgemerkt kein lehramtliches Dokument mit irgendeiner Verbindlichkeit.

Der Bericht ist lediglich ein Schreiben mit Empfehlungen an den Papst. Dieser kann den Text in der Art und Weise verwenden, wie er es für richtig hält.

BILD: Die Kardinäle Gerhard Müller und Walter Kasper im Gespräch (Foto: Dr. Thomas Schirrmacher)

Die Stellungnahmen zu den umstrittenen Paragraphen 84, 85 und 86 fielen recht unterschiedlich aus. 

Kardinal George Pell meinte in einem Interview mit dem Vatikanisten Edward Pentin, aus dem Schlussbericht ließe sich keine Zulassung der wiederverheirateten Geschiedenen zum Tisch des HERRN ableiten. Das Dokument müsse im Rahmen der katholischen Ehe- und Sexuallehre gelesen werden, weshalb die Kommunion für diese Fälle ausgeschlossen ist. 

Kardinal Raymond Leo Burke dagegen meinte, der Text sei undeutlich und sogar missverständlich. Insbesondere was die Unauflöslichkeit der Ehe betrifft, also ein wesentliches Element der katholischen Lehre, sei das Dokument defizitär.

Die Delegierten der Deutschen Bischofskonferenzen, Kardinal Marx, Erzbischof Koch und Bischof Bode, äußerten sich in eher vorsichtiger Form. Sie sagten, die Tür für die Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen sei durch die Synode nicht völlig geschlossen worden.

Die Stellungnahmen bewegen sich im Allgemeinen zwischen diesen drei Positionen. 

Inmitten dieser Debatte gibt der deutsche Kardinal Walter Kasper – seit bald zwei Jahren die Ikone des Progressismus in dieser theologischen Auseinandersetzung – eine Stellungnahme ab, die aufhorchen lässt:

„(Die Synode) öffnete sozusagen die Tür für die Zulassung in Einzelfällen der wiederverheiratet Geschiedenen zu den Sakramenten; sie durchschreitet diese Tür jedoch nicht“. (Rede zum 75. Geburtstag von Bischoff Mussinghoff)

Unwillkürlich stellt man sich die Frage, wieso diese Tür offen ist und wieso man sie nicht durchschreiten darf?

Falls der deutsche Kardinal es ernst meinte, ist die einzig mögliche Antwort auf diese Frage: Der Schlussbericht verlegt die Entscheidung über die Zulassung zur Kommunion ins „forum internum“, also ins Gespräch des Betroffenen mit dem Beichtvater. Der objektive Zustand (also die Tatsache, dass man nach der Scheidung wieder geheiratet hat), erscheint nebensächlich.

Was Kaspers Intention betrifft, so kann seine Stellungnahme als Einladung an die progressistischen Theologen gedeutet werden, aktiv zu werden. Sie sollen nun in die Debatte einsteigen und diese Interpretation der „Relatio finalis“ argumentativ verteidigen. 

Quelle und vollständiger Text des Artikels hier: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/2015/11/kardinal-kasper-stot-debatte-um.html

 


Warum sich die Medien kaum für das eigentliche Synodenthema interessieren

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Papst Benedikt XVI. hat in seinem Abschiedsgespräch mit den Priestern der Diözese Rom u.a. über seine Erfahrungen mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und dem Unterschied des Konzilsablaufs in der Aula und dem, was die Medien daraus gemacht haben, gesprochen. Ähnliches kann man über die Bischofssynode 2014 und 2015 berichten. 0000009699_3

Die Medien versuchten die Deutungshoheit über die Synode zu erringen, um ihre kirchenpolitischen Ziele zu erreichen. Die restriktive Informationspolitik in der zweiten Sitzungsperiode erschwerte das sichtlich.

Das Synodenthema „Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“ ist bedeutsam für eine humane Zukunft der Menschen; es gäbe Stoff für eine Fülle von Artikeln.

BILD: Unser Autor, Prof. Dr. H. Gindert, organisiert jährlich den Kongreß „Freude am Glauben“

Was die Medienvertreter aus Deutschland primär interessierte, waren die Gleichsetzung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe und der Kommunionempfang geschiedener Wiederverheirateter. Schwester Lucia von den Fatima-Seherkindern hat einmal gegenüber Kardinal Caffara von Bologna geäußert: „Der Endkampf wird um die Familie gehen“.

Das Synodenthema selber interessierte die Medien kaum. Worum es bei der Frage im Kern geht, nämlich um das Wort Christi „Was Gott verbunden hat, darf der Mensch nicht trennen“, wurde vernebelt.

Die Ehelehre der katholischen Kirche wurde zur „gegenwärtigen Disziplin“ bzw. zur „Doktrin“ heruntergemacht. Jene, die sich für das Wort Gottes einsetzen, wurden als „konservative-traditionalistische Bewahrer“ apostrophiert, die im Gegensatz zu den Reformen standen, die der Kirche ein „menschenfreundlicheres Antlitz verpassen“ wollten. 0018

Da war es gut, dass sich Bischöfe von Osteuropa und insbesondere aus Afrika Belehrungen von einigen stromlinienförmig angepassten Bischöfen an den Zeitgeist mit einer desolaten pastoralen Situation in ihren Diözesen bereits im Vorfeld der Synode verbaten.

Ein aufschlussreiches Wort der „Reformer“ war u.a. „Was soll eine Synode bewirken, die das wiederholt, was bisher immer schon gesagt wurde“. Vielleicht sollten diese Herren einmal darüber nachdenken, dass die 10 Gebote seit den Zeiten Moses oder das Vater-Unser seit Jesus Christus immer wieder neu gesprochen und überdacht wird.

Die Strategie der Medien beackerte in der öffentlichen Meinung einen gut bestellten Boden. Der Bildungsstand über die christliche Ehe ist aufgrund des vielfachen Versagens in der Weitergabe des Glaubens in Elternhaus, Religionsunterricht, Predigt und Katechese so parterre, dass die Medien durchaus auf Resonanz stießen.

Die „Herde“ ist in diesem Sinne gut konditioniert. Und die Medien verstehen sich auf ihr Handwerk. Zu Wort kommen jene, die ihre Ziele vertreten.

Ein Beispiel: Zur Familiensynode wurden auch Ehepaare eingeladen. In den Medien kamen die angepassten zu Wort. So wurde ein deutsches Ehepaar als „bodenständige Berater der Bischöfe“ vorgestellt, die „Tacheles gerade über Sexualität“ redeten. (Augsburger Allgemeine Zeitung, AZ vom 22.10.15) abtei-ettal-startseite_01

Es waren jene, die, wie der Verfasser meinte, „in den zölibatären Klerikerkreisen den Praxis-Check einspeisten“. Er Professor für Moraltheologie, sie Gymnasiallehrerin. Ihr Statement: „Wiederverheiratete geschiedene Christen dürften nicht von ihrem Versagen her betrachtet werden. Dies drohe nämlich den Blick für die ‚großen Potentiale kirchlicher Versöhnung und sittlicher Verantwortung‘ zu verstellen“.

Es wäre interessant, was auf so gestelzte Phrasen ein katholischer Denker wie Robert Spaemann in seiner klaren Diktion antworten würde. Aber solche Katholiken werden wohlweislich nicht befragt. Der Verfasser des Artikels meint, er könne das Gewicht des „bodenständigen“ Synodenberaters verstärken, wenn er ihn als ehemaligen Geschäftsführer der bischöflichen Studienförderung Cusanus-Werk und als Generalsekretär von „Missio“ Aachen mit Erfahrungen von der Würzburger Synode (1972 bis 1975) präsentierte.

Vom Cusanus-Werk ist bekannt, dass es auch von Annette Schavan geleitet wurde und Oskar Lafontaine zu seinen renommierten Schülern zählte. Von „Missio“ Aachen weiß man, dass sie viel für Entwicklungshilfe tut. Die Beschlüsse der Würzburger Synode wurden, wohl nicht ohne Grund, von Rom nie anerkannt.

Die römische Bischofssynode nahm nicht den von vielen Medien erhofften Verlauf. Bezeichnend ist die Überschrift über einen Artikel der Augsburger Zeitung vom 22.10.15 mit „Viel Lärm um nichts“. Es heißt: „Die Bischofssynode zeigt, dass die katholische Kirche auf der Stelle tritt…“. christus

Der Ärger des Verfassers ist spürbar: „Die am Sonntag zu Ende gehende Synode als Beratungsgremium sollte das Forum für diesen Wandel sein. Der Plan ging nicht auf. Die Bewahrer haben sich durchgesetzt… Die Kluft zwischen Wirklichkeit und Lehramt wurde offenbar… Die von Franziskus und den Reformern erhofften Öffnungen blieben jedoch aus…

Dass einige Diskussionsgruppen nun die Berufung einer Kommission zur Klärung dieser Frage oder gar ein ökumenisches Konzil vorschlagen, zeigt, dass die Kirche auf der Stelle tritt. Weniger der offizielle Titel der Synode ‚Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute‘ wäre ein passendes Motto für die Versammlung gewesen, sondern ‚viel Lärm um nichts‘. Die katholische Kirche ist heute etwa so klug wie vor zwei Jahren“.

Der Autor versucht nun zu retten, was nicht zu retten ist. Er versucht, den Papst zu instrumentalisieren und schreibt:

„Franziskus’s Ziel war es, einen Prozess anzustoßen, an dessen Ende die katholische Kirche in einem anderen Licht erscheint… Man darf aber den Papst nicht unterschätzen. Franziskus lässt sich auch durch Widerstände nicht beirren. Außerdem verfügt der Papst über ein Instrument, das… als ‚Big Bazooka‘ bezeichnet wird, also als durchschlagende Waffe… Die Bazooka des Papstes heißt Dezentralisierung“.

Die Dezentralisierung bringt der Artikelschreiber dann in Verbindung mit Homosexualität und wiederverheiratete Geschiedene. Nun sind beide Fragen in der katholischen Kirche für die gesamte Weltkirche klar geregelt, so dass sie nicht in der Ortskirche A freihändig anders gehandhabt werden können als in der Ortskirche B. Die „durchschlagende Waffe Bazooka“ erinnert ein wenig an die im Führerbunker versprochenen Wunderwaffen von 1945. Das Ende ist bekannt.

Unser Autor Prof. Dr. Hubert Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“ und die Monatszeitschrift DER FELS


Familiensynode in Rom: Niederlage für die Thesen der Kardinäle Kasper, Marx & Co.

Mathias von Gersdorff

Gestern Abend veröffentlichte der Vatikan den Schlussbericht der Familiensynode, über den am selben Tag abgestimmt wurde. Alle 94 Punkte erhielten die notwendige 2/3- Mehrheit.0653a-bildungsplan-demo-1-2-1448b12b252812529

Diese „Relatio finale“ ist kein lehramtliches Dokument, sondern ein Empfehlungsschreiben der Synodenväter an den Papst. Dieser kann den Text in der Art und Weise verwenden, wie er es für richtig hält. Er könnte den Schlussbericht also auch komplett ignorieren, wovon allerdings nicht auszugehen ist.

Der Text ist sehr lang und komplex. Er behandelt die mannigfaltigen Probleme moderner Familien auf der ganzen Welt. Eine richtige Einschätzung bedarf also einer ruhigen Lektüre und eines sorgfältigen Studiums.

Was die Agenda der „reformerischen“ deutschen Delegation anbelangt, kann jetzt schon gesagt werden, dass die deutsche Vertretung (Kardinal Marx, Erzbischof Koch und Bischof Bode) einen kräftigen Dämpfer erhalten hat.

Wie hier schon mehrfach ausgeführt wurde, gehörte die Delegation der Deutschen Bischofskonferenz klar zum progressistischen Flügel und brachte eine markant liberale Agenda im Gepäck mit nach Rom; sie erreichte aber wenig. Die Vorschläge von Kardinal Walter Kasper wurden im Schlussbericht praktisch nicht berücksichtigt, wenngleich einige Medien das Gegenteil behaupten.

Vor allem enthält das Dokument keine generelle Aussage zur Frage der Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur hl. Kommunion.  Foto T. Schirrmacher

Das wichtigste Ziel der deutschen Seite war von vornherein, eine allgemeine und möglichst liberale Regel in der Frage der Zulassung dieser Personen zu den Sakramenten der Buße und der Eucharistie zu finden.

Doch ob wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zugelassen werden dürfen, ist im Text direkt nicht erwähnt.

Allerdings übernimmt der Schlussbericht den Vorschlag der deutschen Sprachgruppe, den Themenbereich „gescheiterte Ehen“ dem „forum internum“ zu überlassen (§ 84 ff). Das bedeutet, dass diese Betroffenen ihre konkrete Situation mit dem Beichtvater und ggf. mit dem Ortsbischof besprechen sollen.

BILD: Die Kardinäle Müller (Glaubenspräfekt) und Kasper unterhalten sich in der Synoden-Pause (Foto: © Thomas Schirrmacher)

Rein theoretisch  –  das ist der Knackpunkt  –  existiert die Möglichkeit, dass jemand, der fortlaufend in schwerer Sünde lebt, sich subjektiv nicht in dieser Situation sieht. Dann könnten  –  weiter rein theoretisch gesprochen  –  solche Personen eventuell zu den Sakramenten zugelassen werden. Aus der „Relatio finale“ folgt das aber nicht unmittelbar. Das müsste so (hinein-)interpretiert werden.

Diesen Umstand könnten modernistische Bischöfe zum Anlass nehmen, eine sehr liberale Praxis zuzulassen (was vielerorts in Deutschland ohnehin schon der Fall ist). Das wäre allerdings entsprechend der „Relatio finale“ ein klarer Missbrauch des Konzepts „forum internum“.

Es geht also letztendlich um die Auslegung. Es ist davon auszugehen, dass in nächster Zeit manches zu diesem Thema publiziert wird. 

Die Paragraphen, die diesen Sachverhalt behandeln, sind lang, kompliziert und mit vielen Zitaten aus dem Kirchenrecht bespickt. Die Mitglieder des Redaktionskomitees wollten wohl verhindern, dass man ihnen vorwirft, sie hätten eine laxe Disziplin in der Spendung der Sakramente gefördert.

Die Frage der Homosexualität wurde nur am Rande behandelt. Es gab schlichtweg kein entsprechendes Klima, um dieses Thema zu erörtern. 

Wie die deutschen Bischöfe nun reagieren, muss abgewartet werden. Eigentlich können sie gar nichts unternehmen, solange sich der Papst nicht äußert. Auf der Pressekonferenz der deutschen und österreichischen Teilnehmer am 24. Oktober jedenfalls vermittelten Marx, Koch und Bode nicht den Eindruck, dass sie nun auf Biegen und Brechen herumtricksen würden, um doch noch ihre Agenda durchsetzen zu können.

Unser Autor Mathias von Gersdorff ist katholischer Publizist und Buchautor; er leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ in Frankfurt und die Internetseite „Kultur und Medien online“

WEITERER KOMMENTAR aus einer katholischen Frauen-Weblog: http://beiboot-petri.blogspot.de/2015/10/klarstellungen.html


Die Attacke von Kardinal Marx gegen Kardinal Pell kann sich als Eigentor erweisen

Mathias von Gersdorff

Großes Staunen gab es über den ersten Absatz des dritten Berichtes der deutschen Sprachgruppe; er lautet:  

„Mit großer Betroffenheit und Trauer haben wir die öffentlichen Äußerungen einzelner Synodenväter zu Personen, Inhalt und Verlauf der Synode wahrgenommen. Dies widerspricht dem Geist des Zusammengehens, dem Geist der Synode und ihren elementaren Regeln. Die gebrauchten Bilder und Vergleiche sind nicht nur undifferenziert und falsch, sondern verletzend. Wir distanzieren uns entschieden.“Leipzig2014f

Das Geheimnis, wer wohl damit gemeint sei, lüftete sich bei der Pressekonferenz am 21. Oktober: Kurdienkardinal George Pell aus Australien. Dieser habe angeblich zwei Fraktionen ausgemacht, die „Kasperianer“ und die „Ratzingerianer“.

FOTO: Unser Autor Mathias v. Gersdorff bei einem Interview auf der Leipziger Buchmesse

Dieser Vorfall im Pressesaal des Vatikans ist wahrlich neu. Zum ersten Mal griff ein Kardinal in solcher Schärfe einen anderen an.

Was den Münchner Erzbischof dazu bewogen hat, ist nicht ganz einfach zu verstehen. Seit Monaten wird diskutiert, inwiefern sich Kardinal Walter Kasper mit seinen Vorschlägen hinsichtlich Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene durchsetzen würde. Inzwischen haben 17 Kardinäle und eine noch größere Zahl von Bischöfen und Theologen Stellungnahmen gegen die Thesen Kaspers abgegeben.

Kaspers Vorstöße sind alles andere als neu. Schon 1993 äußerte er sich in diesem Sinne in einem Hirtenbrief, den er zusammen mit Bischof Karl Lehmann und Bischof Oskar Saier verfasst hatte.
per ebay
Damals erhielt Walter Kasper vom Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, ein Schreiben, das ihn auf die Irrtümer in seinem Hirtenbrief hinwies. Kasper musste seine Vorschläge zum Umgang mit den wiederverheirateten Geschiedenen zurückziehen. 

Doch Anfang 2014 wiederholte Kardinal Kasper mehr oder weniger dieselben These von 1993. Kein Wunder, dass viele ihm unverbesserliche Hartnäckigkeit vorwerfen. Auf die Einwände, die in der Folge erschienen, ging er nicht ein.

Den Vorwurf des Starrsinns übertragen viele nun auf Kardinal Reinhard Marx. Dieser verhält sich fast wie ein Jünger Kaspers. Auch ihm scheinen die Einwände der Kardinäle, Bischöfe und Theologen gleichgültig zu sein. Ist es unter diesen Umständen wirklich so abwegig, von „Kasperianern“ und „Ratzingerianern“ zu sprechen?

Eigentlich war Kardinal Pells Äußerung noch recht moderat. Man könnte die erwähnten Vorgänge auch als Vergeltungsaktion von Kasper & Co. gegen Ratzingers Theologie interpretieren.

Kardinal Marx unternimmt seit über einem Jahr eine weltweite Propagandakampagne, um Kaspers Thesen in die Kirche einzuführen; doch diese widersprechen der katholischen Ehelehre und Sexualethik – und sie stoßen auf heftigen Widerstand, vor allem in Osteuropa, USA und Afrika. Dadurch beschädigt der Münchner Erzbischof zudem den Ruf der katholischen Kirche in Deutschland. Nun ärgert er sich öffentlich, wenn jemand indirekt auf diesen Umstand aufmerksam macht.

Sollte Kardinal Marx auch nach der Synode weiter auf Biegen und Brechen seine Kasperschen Vorstellungen durchsetzen wollen, wird er wohl noch mehr Widerstand heraufbeschwören.

Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ in Frankfurt sowie die Webseite „Kultur und Medien online“

INTERVIEW mit M. von Gersdorff auf Bonifatius-TV über die Synode: http://www.bonifatius.tv/home/interview-mit-mathias-von-gersdorff_5256.aspx