Die Attacke von Kardinal Marx gegen Kardinal Pell kann sich als Eigentor erweisen

Mathias von Gersdorff

Großes Staunen gab es über den ersten Absatz des dritten Berichtes der deutschen Sprachgruppe; er lautet:  

„Mit großer Betroffenheit und Trauer haben wir die öffentlichen Äußerungen einzelner Synodenväter zu Personen, Inhalt und Verlauf der Synode wahrgenommen. Dies widerspricht dem Geist des Zusammengehens, dem Geist der Synode und ihren elementaren Regeln. Die gebrauchten Bilder und Vergleiche sind nicht nur undifferenziert und falsch, sondern verletzend. Wir distanzieren uns entschieden.“Leipzig2014f

Das Geheimnis, wer wohl damit gemeint sei, lüftete sich bei der Pressekonferenz am 21. Oktober: Kurdienkardinal George Pell aus Australien. Dieser habe angeblich zwei Fraktionen ausgemacht, die „Kasperianer“ und die „Ratzingerianer“.

FOTO: Unser Autor Mathias v. Gersdorff bei einem Interview auf der Leipziger Buchmesse

Dieser Vorfall im Pressesaal des Vatikans ist wahrlich neu. Zum ersten Mal griff ein Kardinal in solcher Schärfe einen anderen an.

Was den Münchner Erzbischof dazu bewogen hat, ist nicht ganz einfach zu verstehen. Seit Monaten wird diskutiert, inwiefern sich Kardinal Walter Kasper mit seinen Vorschlägen hinsichtlich Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene durchsetzen würde. Inzwischen haben 17 Kardinäle und eine noch größere Zahl von Bischöfen und Theologen Stellungnahmen gegen die Thesen Kaspers abgegeben.

Kaspers Vorstöße sind alles andere als neu. Schon 1993 äußerte er sich in diesem Sinne in einem Hirtenbrief, den er zusammen mit Bischof Karl Lehmann und Bischof Oskar Saier verfasst hatte.
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Damals erhielt Walter Kasper vom Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, ein Schreiben, das ihn auf die Irrtümer in seinem Hirtenbrief hinwies. Kasper musste seine Vorschläge zum Umgang mit den wiederverheirateten Geschiedenen zurückziehen. 

Doch Anfang 2014 wiederholte Kardinal Kasper mehr oder weniger dieselben These von 1993. Kein Wunder, dass viele ihm unverbesserliche Hartnäckigkeit vorwerfen. Auf die Einwände, die in der Folge erschienen, ging er nicht ein.

Den Vorwurf des Starrsinns übertragen viele nun auf Kardinal Reinhard Marx. Dieser verhält sich fast wie ein Jünger Kaspers. Auch ihm scheinen die Einwände der Kardinäle, Bischöfe und Theologen gleichgültig zu sein. Ist es unter diesen Umständen wirklich so abwegig, von „Kasperianern“ und „Ratzingerianern“ zu sprechen?

Eigentlich war Kardinal Pells Äußerung noch recht moderat. Man könnte die erwähnten Vorgänge auch als Vergeltungsaktion von Kasper & Co. gegen Ratzingers Theologie interpretieren.

Kardinal Marx unternimmt seit über einem Jahr eine weltweite Propagandakampagne, um Kaspers Thesen in die Kirche einzuführen; doch diese widersprechen der katholischen Ehelehre und Sexualethik – und sie stoßen auf heftigen Widerstand, vor allem in Osteuropa, USA und Afrika. Dadurch beschädigt der Münchner Erzbischof zudem den Ruf der katholischen Kirche in Deutschland. Nun ärgert er sich öffentlich, wenn jemand indirekt auf diesen Umstand aufmerksam macht.

Sollte Kardinal Marx auch nach der Synode weiter auf Biegen und Brechen seine Kasperschen Vorstellungen durchsetzen wollen, wird er wohl noch mehr Widerstand heraufbeschwören.

Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ in Frankfurt sowie die Webseite „Kultur und Medien online“

INTERVIEW mit M. von Gersdorff auf Bonifatius-TV über die Synode: http://www.bonifatius.tv/home/interview-mit-mathias-von-gersdorff_5256.aspx

Die Kirche ist kein emotionaler „Event“ und eine Synode keine kitschige Seifenoper

Mathias von Gersdorff

In den letzten Tagen der in Rom laufenden Familiensynode mehrten sich Stimmen aus dem progressistischen Lager, die erklärten, das Wichtigste am Ganzen seien nicht unbedingt die Texte, die am Ende veröffentlicht werden, sondern vielmehr das Ereignis an sich.  0653a-bildungsplan-demo-1-2-1448b12b252812529

In der Tat: Aus dem Linkskatholizismus ist seit längerem zu hören, die Synode sei nicht das Ende, sondern der Anfang eines Prozesses, der schließlich die Kirche tiefgreifend verändern könne.

Diese „Reform“ solle nicht bloß anhand einer Debatte rund um inhaltliche Themen geschehen, sondern durch die Einführung eines Stils, den einige Modernisten als „synodalen Stil“ oder „synodalen Prozess“ bezeichnen.

Während der vatikanischen Synode konnte man bereits einige Beispiele dieses neuen Stils kosten.

Besondere mediale Aufmerksamkeit erhielt der Fall einer Kommunion, in der ein Kind seinem Stiefvater (einem wiederverheirateten Geschiedene) einen Teil der Hostie gab. Medien, aber auch etliche Kirchenleute, zeigten sich zu Tränen gerührt  –  ein Sieg des Sentimentalismus über Glaube und Vernunft.

Wer diese Methode bis zur Perfektion beherrscht, ist der Wiener Kardinal Christoph Schönborn (siehe Foto). Er plädiert offen für die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion. Doch nicht nur das: Auch außereheliche Partnerschaften sollen eine neue Bewertung durch die Kirche erfahren, denn in ihnen „sei auch Gutes vorhanden“. SCHÖNBORN Foto von Josef Failer

Nach Kardinals Schönborns Auffassung sind diese Partnerschaften Vorstufen zur sakramentalen Ehe und müssen deshalb entsprechend gewürdigt werden.

Seine Ansichten hat der Erzbischof von Wien in Interviews mehrmals verteidigt. Zuletzt geschah dies in einem Gespräch mit Andrea Tornielli für „Vatican Insider“, einem Internetportal, das der italienischen „Stampa“ gehört und sich auf kirchliche Nachrichten spezialisiert hat.

Kardinal Schönborns Taktik besteht im Aufzählen vieler Einzelfälle
– von gescheiterten Ehen,
– von alleinerziehenden Müttern, die einen geschiedenen Mann heirateten,
– von Zivilehen zwischen Geschiedenen, aus denen Kinder hervorgingen.

Eine Leserschaft, deren Emotionalität anhand von Fernsehserien, Soap-Operas und Ähnlichem geprägt wurde, wird von Kardinal Schönborns Aufzählung gerührt sein und ihm gerne recht geben: Ja, diese Partnerschaften sind doch prima!

Doch was der Wiener Kardinal in Wahrheit vorschlägt, ist eine Anpassung der katholischen Lehre an die emotionale Welt rührseliger Vorabend-Serien.

Braucht man eine solche Kirche?

Die Progressisten meinen: Ja! Sie glauben tatsächlich, dass eine Kirche, die sich nicht mehr am Lehramt, sondern an der Jugendpostille „Bravo“, an Serien wie „Gute Zeiten – schlechte Zeiten“ und an sonstigem Kitsch orientiert, zukunftsfähig sei.P1020947 - Kopie

Offensichtlich irren sie sich. Welcher wirklich seriös denkende Mensch wird sich schon für eine Kirche interessieren, die sich auf ein solch niedriges, rein gefühlsorientiertes Niveau herablässt?

Nein, die wirklich aufrichtig suchenden Menschen sehnen sich nach etwas ganz anderem  –  und zwar nach einer Kirche, die unbeirrbar die Wahrheit in ihrer Ganzheit verkündet, egal, wie hart dies zu scheinen mag. Die Menschen sehnen sich nach einer prinzipientreuen und hierarchischen Kirche, die auch in der Lage ist, unangenehme Wahrheiten zu verkündigen. Kurz: Eine Kirche, die sagt, dass nur im Kreuz Christi das Heil zu finden ist.

Notwendig sind allein solche guten Hirten, die den Mut aufbringen, gegen den Widerstand der Welt für eine solch konsequente Kirche einzustehen.

Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ in Frankfurt und veröffentlicht seine kirchenpolitischen und zeit(geist)kritischen Beiträge hier: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.it/

Fotos: M.v. Gersdorff, J. Failer, Archiv


Der Philosoph Robert Spaemann warnt vor Schlupfwegen jenseits der Lehre Christi

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Der deutsche Philosoph Robert Spaemann rät von einer Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion ab. In einem Aufsatz im neuen „Vatican-Magazin“ äußert sich Prof. Dr. Spaemann zu einer der auf der vatikanischen Bischofssynode besprochenen Fragen. BILD0235
Er weist darauf hin, dass die katholische Kirche „die einzige Institution der Welt“ sei, „die das vor Gott gegebene (Ehe-) Versprechen“ und die durch dieses Versprechen „entstandene Entität als ein neues Rechtssubjekt ernst nimmt“. Dieses Versprechen könne „niemand, kein Papst, kein Standesamt und auch nicht die Ehepartner selbst“ wieder für nichtig erklären.

Die Kirche hätte aus Spaemanns Sicht „allen Grund, in der Nachfolge Jesu mit Stolz dem Zeitgeist die Stirn zu bieten, statt nach Schlupfwegen Ausschau zu halten, die die Botschaft verwässern“.

Wiederverheiratete Geschiedene wieder zur Eucharistie zuzulassen, wäre so, „als hätte Jesus zur Ehebrecherin gesagt: ‚Ich will dich nicht verurteilen. Sündige fröhlich weiter. Mit der Zeit wird auf deine Beziehung Gottes Segen herabkommen.’“

Natürlich müsse man „Mitchristen in solchen Situationen beistehen, ihnen mit Empathie begegnen“, schreibt der Philosoph. „Die Spendung der Eucharistie aber ohne Reue oder ohne Beseitigung der irregulären Situation wäre eine Versündigung gegen das Sakrament“.

Quelle: http://www.kathnews.de/dem-zeitgeist-die-stirn-bieten

Gemälde: Evita Gründler


Berlin: Erzbischof Koch setzt auf „Reformen“

Koch: Outing des Priesters Chamsara ist „etwas unpassend“

Wie der RBB (Rundfunk Berlin Brandenburg) in einer Pressemitteilung berichtet, plädiert der neue Berliner Erzbischof Heiner Koch in einem RBB-Interview dafür, geschieden Wiederverheiratete in einzelnen Fällen zur hl. Kommunion zuzulassen. Damit übernimmt er in dieser Causa die Position der deutschen Kardinäle Marx, Lehmann und Kasper. flyerstralsund2

In der Presse-Erklärung heißt es weiter, Koch wolle eine „billige Anpassung“ der Kirche vermeiden, aber andererseits wisse er „aus eigener Erfahrung“, dass es viele Menschen gebe, „die eine tiefe Sehnsucht nach der Eucharistie haben, nach der Gemeinschaft, und die wieder auf den Weg kommen wollen. Ich bin dafür, dass wir für Einzelfälle, ohne die Regel außer Kraft zu setzen, wirklich das Tor öffnen.“ 

Zudem sagte der katholische Oberhirte, dass es homosexuelle Menschen gebe, das „ist so  –  und das ist gut so“. –  Damit greift er die bekannte Formulierung des Berliner SPD-Bürgermeisters Wowereit auf, der erklärt hatte: „Ich bin schwul – und das ist gut so.“

Hingegen heißt es im Katholischen Weltkatechismus und weiteren vatikanischen Stellungnahmen, die homosexuelle Neigung als solche sei „objektiv ungeordnet„, wenngleich sie (ohne entsprechende Handlungen) subjektiv keine Sünde sei.

Hinsichtlich des polnischen Priesters Krzystof Chamsara, der sich am Tag vor der Eröffnung der Familiensynode im Vatikan als homosexuell aktiv outete, erklärte Koch: „Wenn einer im Dienst des Ganzen steht, und so ein demonstratives, vielleicht sogar politisches Zeichen setzt, dann ist das zumindest in seinen Dienstfunktionen etwas unpassend und nicht gerade förderlich gewesen.“

Das ganze Interview siehe hier: https://www.inforadio.de/programm/schema/sendungen/int/201510/05/225943.html


Konservative Familien-Petition an Papst Franziskus knackt 500.000er Marke

Mathias von Gersdorff

Bei der „Ergebenen Bitte an Papst Franziskus“ wurde bereits am 21. August 2015 die Marke von weltweit 500.000 Unterschriften übersprungen.

Dies ist vor allem der Popularität dieser Aktion auf den Philippinen zu verdanken. Dort erfuhrt die „Ergebene Bitte“ starke Unterstützung durch Bischöfe und Kirchenvolk.

Inzwischen haben schonetwa 130 Bischöfe, darunter etliche Kardinäle, die Petition an Papst Franziskus unterzeichnet.

Auch die mediale Aufmerksamkeit ist aufgrund der hohen Zahl an Unterschriften gestiegen. In Deutschland berichteten der Bayerische Rundfunk, die „Welt“, die „Zeit“ usw. –  In Österreich schrieb u.a. der ORF (Österreichische Rundfunk), die „Presse“ und die „Katholische Presseagentur“ darüber.

Gegenwärtig werden sehr viele Unterschriften in Afrika gesammelt, zumal dort etliche Bischöfe die Aktion unterstützen.

In dem Appell äußern sich die Unterzeichner besorgt über Angriffe auf die katholische Lehre zur Ehe und Sexualethik. Die Initiative wurde im Hinblick auf die Familiensynode im Oktober 2015 organisiert.

U.a. wird in dem Aufruf bedauert, dass auch aus dem Inneren der Kirche dem katholischen Standpunkt über Ehe und Familie widersprochen wird:

„Tatsächlich konnten wir eine allgemeine Ratlosigkeit feststellen, aufgrund der Möglichkeit, dass im Schoße der Kirche eine Bresche aufgerissen wurde, die eine Duldung des Ehebruchs erlauben würde: Durch die Zulassung zur Eucharistie von geschiedenen – wiederverheirateten Paaren  und die Annahme homosexueller Partnerschaften wird ein Zustand erzeugt, der kategorisch verurteilt werden muss, da er im Widerspruch zu den Geboten Gottes und dem Naturgesetz steht.“
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Statistische Infos zur Petition siehe hier: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/2015/08/ergebene-bitte-statistiken-und.html
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Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Frankfurter Aktion „Kinder in Gefahr“ und die Webseite „Kultur und Medien online“

Themenwechsel bei kath. Modernisten: Homosexualität wird zentrales Anliegen

Mathias von Gersdorff

Nachdem Kardinal Walter Kasper in seiner „Rede vor dem Konsistorium“ Anfang 2014 vorschlug, unter gewissen Bedingungen wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zuzulassen, begann eine heftige Debatte über die Themen Ehe, Familie und Sexualmoral, die bis heute andauert. 0653a-bildungsplan-demo-1-2-1448b12b252812529

Obwohl Kardinal Kasper in seiner Rede nur auf die Problematik der wiederverheirateten Geschiedenen einging, kamen danach weitere „Modethemen“ in die Diskussion: Homosexualität, „Vielfalt der Familienformen“, künstliche Verhütungsmittel usw. – Also die ganze Palette aus der Agenda der sexuellen Revolution.

Im Zentrum der theologischen Debatte stand allerdings stets die Causa der wiederverheiratet Geschiedenen.

Die theologischen Konzepte und Vorschläge modernistischer Theologen und Kirchenleute blieben nicht unwidersprochen. Viele Kardinäle, Bischöfe und Theologen machten sich auf, die katholische Lehre über die Ehe zu verteidigen.

Eine ganze Reihe von Büchern und sonstigen Texten sind seitdem veröffentlicht worden. Die afrikanischen Bischöfe haben schon zwei Treffen organisiert, in welchen sie Widerstand gegen eine Schleifung der katholischen Lehre zu diesem Thema angekündigt haben. Inzwischen haben ca. 500.000 Personen die „Ergebene Bitte an Papst Franziskus“  –  im Grunde ein Bekenntnis zur klassischen Lehre der Kirche – unterschrieben. 0c0cc-bitte-an-papst-franziskus-300x234

Möglicherweise rechnen sich die Linkskatholiken wenige Chancen aus, im Oktober etwas in der Frage der wiederverheiratet Geschiedenen erreichen zu können.

Das könnte der Grund sein, wieso sie sich seit einigen Wochen verstärkt einem anderen Thema widmen: der moraltheologischen Neubewertung von Homosexualität.

Ein Vortrag von Bischof Vitus Huonder (Chur) Ende Juli 2015 beim Kongress „Freude am Glauben“, in welchem er Stellen aus dem Alten Testament (Buch Levitikus) zitierte, lieferte einen willkommenen Anlass für reformkatholische Kreise, in der Öffentlichkeit für ihre Sicht der Homosexualität zu werben.

Die wichtigste Stellungnahme ist wohl eine Anweisung von Bischof Marcus Büchel (Sankt Gallen) an die Seelsorger, in welcher er behauptet, es sei eigentlich unerheblich, ob man homo- oder heterosexuell sei. Von Bedeutung sei lediglich, dass man verantwortungsvoll mit der Sexualität umgeht. Radio Vatikan

Ähnlichlautende Aussagen hörte man in den letzten Wochen zuhauf. Und bald erscheint bei Herder das 448 Seiten lange Sammelband „“Wer bin ich, ihn zu verurteilen?“ – Homosexualität und katholische Kirche“: „Der Band prüft die biblische Grundlage der Beurteilung der Homosexualität und befragt die eigene Tradition kritisch“, so die Verlagsbeschreibung.

Was streben diese Linkskatholiken wohl an?

Bei der Synode könnten sie versuchen, einen Kuhhandel durchzusetzen: Keine Kompromisse in der Frage der wiederverheirateten Geschiedenen. Doch im Gegenzug dafür beispielsweise eine „Pastoral gegen die Ausgrenzung von Homosexuellen“, eine Art „katholischer Aktionsplan gegen Homophobie“ oder Ähnliches ausrufen.

Dabei würde man sich strikt auf den pastoralen Bereich beschränken und nicht (direkt) die Sexualmoral angreifen. Beim religiös und theologisch schlecht ausgebildeten Volk (also die überwiegende Mehrheit der Menschen, auch der Katholiken) sähe das aber wie eine Schleifung der kirchlichen Morallehre zu diesem Thema aus.

Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Frankfurter Aktion „Kinder in Gefahr“ und die Webseite „Kultur und Medien online“


Überflüssiges Rauschen im Blätterwald wegen jüngster Papst-Äußerungen

Klare Sache: Geschieden-Wiederverheirate sind „nicht exkommuniziert“

In einigen Medien gibt es wieder einmal Wirbel und Sensationsgetuschel um Aussagen von Papst Franziskus im Vorfeld der römischen Bischofssynode über Ehe und Familie. Anscheinend wird jetzt erst recht jede Äußerung von ihm auf die Goldwaage gelegt. flyerstralsund2

Allerdings ist es überflüssig bis lächerlich, wenn im reformerischen Spektrum der Eindruck erweckt wird, als habe der Pontifex etwas Neues geliefert mit seiner Bemerkung, die geschieden-wiederverheirateten Katholiken seien „nicht exkommuniziert“. Umgekehrt ist es genauso unangebracht, wenn sich traditionelle Stimmen über diese Aussage von Franziskus empören.

Was soll an dieser schlichten Tatsache aufregend sein?

Seit Jahrzehnten weisen Päpste (auch Benedikt) bisweilen darauf hin, daß der erwähnte Personenkreis durchaus nicht exkommunziert ist  –  mit anderen Worten: er ist nicht aus der kirchlichen „Communio“ (Gemeinschaft) ausgeschlossen, sondern „nur“ vom Sakramentenempfang. Wenn jemand nicht zum Tisch des HERRN darf, bedeutet dies aber noch lange keine Exkommunikation.

Auch das Getöse, eine solche Äußerung zum jetzigen Zeitpunkt sei gleichsam ein reformerisches „Signal“ an die Familiensynode, ist unsinnig, weil der Papst lediglich auf etwas hinweist, was einen Neuigkeitswert von 0,0% aufweist. Nur Personen (ob von links oder von rechts), die sich theologisch und kirchenrechtlich wenig auskennen, beginnen jetzt mit ihren oberschlauen Spekulationen.

Weiterführende Infos hier: https://charismatismus.wordpress.com/2015/02/17/wegweisender-sammelband-zum-dauerbrenner-ehe-und-kommunion/


ZdK-Präsident Alois Glück will sich in die Vorbereitung zur Familiensynode „einklinken“

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

„Auf der Zielgeraden“ will der Präsident  des ZdK (Zentralkomitee der dt. Katholiken), Alois Glück, noch „ein paar dringliche Aufgaben“ erledigen.

Dazu gehört ein Beitrag des ZdK „Zur Familiensynode im Herbst“.  Auf die Interviewfrage von Christoph Renzikowski/KNA  „Wie sieht ihr Beitrag dazu aus?“, antwortete Glück:

„Die Deutsche Bischofskonferenz wird vor der nächsten Synode im Herbst eine weitere Stellungna0000009699_3hme abgeben. In diesen Prozess wollen wir uns einklinken.

Der Zugang von wiederverheiratet Geschiedenen zu den Sakramenten ist ein wichtiges Thema, auf das aber nicht alles verengt werden darf.

Dennoch haben wir uns darüber gefreut, dass die deutschen Bischöfe mit einer Mehrheit von über zwei Drittel für einen Weg votieren, der den Vorschlag von Kardinal Walter Kasper sehr ähnlich ist“. (Konradsblatt 4/2015)

FOTO: Prof. Gindert veranstaltet jährlich den Kongreß „Freude am Glauben“

Die Position des ZdK und der ihm angeschlossenen Verbände wie BDKJ, kfd und Katholischer deutscher Frauenbund zur Frage der geschiedenen Wiederverheirateten ist bekannt. Sie wurde uns schon mehrfach präsentiert: es ist die Zulassung zu den Sakramenten.

Wie das Einklinken des ZdK in die „Stellungnahme“ der Bischöfe aussieht und mit welchen Verbündeten das ZdK zusammenarbeiten wird, kann man spekulieren.

Als Partner bietet sich u.a. die sog. „Kirchenvolksbewegung – Wir sind Kirche“ an. Sie wird manchmal „tot gesagt“. Wir sollten sie nicht unterschätzen. Sie hat nicht nur in der Zeitschrift „Publik-Forum“ ein Instrument an der Hand, sie wird außerdem von allen Mainstreammedien unterstützt.

Mit deren Hilfe hat „Wir sind Kirche“ beim Kirchenvolksbegehren 1995 in Deutschland 1,8 Mio. (!) Unterschriften für ihre antikirchlichen Forderungen gesammelt.120505288_BV_July und Mike

Der Journalist, Buchautor und engagierte Kämpfer der Lebensrechtsbewegung, Mathias von Gersdorff, hat am 20. Januar 2015 in der Kolumne „Linkskatholiken planen Sturm auf die Familiensynode“ u.a. geschrieben: 

„Wegen der durch Kardinal Kasper neu entflammten Diskussion über eine mögliche kirchliche Neubewertung von wiederverheirateten geschiedenen Katholiken kamen alle Themen von „Wir sind Kirche“ auf den Tisch. Lange Zeit war von dieser sogenannten ‚Basisbewegung‘ kaum etwas zu hören. In gewisser Weise hat Kardinal Kasper sie wieder aus der Versenkung geholt.

‘Wir sind Kirche‘ beschränkt sich aber nicht nur darauf, Forderungen zu stellen und Arbeitspapiere zu redigieren. Sie will in allen Ebenen aktiv werden, um eine revolutionäre Kirche einzurichten. Eine Liste mit fast zwanzig ‚Aktionsmöglichkeiten Vorort‘ erklärt den Anhängern, wie sie die Ansichten der Bewegung bekannt machen können. Ein ‚Synoden-Fahrplan‘ erläutert die wichtigsten Etappen bis zur Synode und koordiniert die bundesweiten Aktivitäten, um die größtmögliche Wirkung zu erreichen.“

Was ist zu tun? Für Katholiken, die am Wort Christi „Was Gott verbunden hat, darf der Mensch nicht trennen“ und an der Ehe-Lehre der katholischen Kirche, die dieses Wort umsetzt, festhalten wollen, geht es jetzt darum, die Zeit bis zur Zusammenkunft der Bischöfe im Oktober 2015 in Rom nicht zu verschlafen.

Realistischerweise müssen wir davon ausgehen, dass die Mehrheit der Katholiken die Lehre der Kirche über Ehe und Familie nicht mehr kennt und deswegen manipulierbar ist. Damit stehen wir alle  –  nicht nur Bischöfe, Pfarrer, Religionslehrer, Pastoralassistenten, katholische Bildungseinrichtungen  –   in der Pflicht, das uns Mögliche zu tun, die Lehre der Kirche über Ehe und Familie in Erinnerung zu bringen.

Die aktuelle Diskussion zur Frage der geschiedenen Wiederverheirateten hat auch den Vorteil, Interesse für dieses Thema zu finden.

Unser Autor Prof. Dr. Hubert Gindert ist Herausgeber der Monatszeitschrift DER FELS und Leiter des „Forums Deutscher Katholiken“

 


Die „Süddeutsche Zeitung“ reibt sich wieder an ihrem alten Feindbild Benedikt

Von Felizitas Küble

Unter dem Titel „Äußerung von Benedikt XVI.  –  Der Dagegen-Papst“ geht man in der „Süddeutschen Zeitung“ mit neuem Eifer einer alten Lieblingsbeschäftigung nach: Dem genüßlichen Austeilen von Seitenhieben auf den einst als „Panzerkardinal“ gescholtenen und auch später als Papst viel kritisierten Joseph Ratzinger. 75743_14122011

Der Dagegen-Journalist Matthias Dobrinski nimmt es Benedikt XVI. in seinem Rundumschlag vom 17. November schwer übel, daß dieser sich an einem Leitsatz orientiert, der sonst in linksliberalen Kreisen so gerne zitiert wird: „Nur wer sich ändert, bleibt sich treu.“

Als Theologieprofessor Joseph Ratzinger sich 1972 zum Thema „Sakramentenempfang für geschieden Wiederverheiratete“ äußerte, vertrat er zum Teil „reformerische“ Ansätze, die er im Laufe der Jahrzehnte überwunden hat.

Es überrascht also wenig, daß der emeritierte Pontifex nicht mehr vollständig mit allem einverstanden ist, was er einst vor über 40 Jahren zu dieser derzeit vieldiskutierten Streitfrage publizierte  – und deshalb einiges davon korrigiert. Was sollte daran aufregend sein?

SZ: „Ein hochpolitisches Signal“

Für den SZ-Autor scheint es sich aber um einen fürchterlichen Sündenfall zu handeln:

„Papst Benedikt hat den Schluss eines von ihm 1972 verfassten Aufsatzes geändert und neu veröffentlicht. Damit greift der emeritierte Papst in die Debatte über den Umgang der Kirche mit Geschiedenen ein und bricht sein selbstauferlegtes Schweigen – ein hochpolitisches Signal.“
 
Das ehem. Oberhaupt der katholischen Weltkirche wird rabiat als wortbrüchig diffamiert. Hat er etwa jemals erklärt, er werde niemals auf Seite 600 im Band IV. seiner „gesammelten Werke“ ein Wort verändern?
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Zudem hat Benedikt bereits als Papst klargemacht, daß geschieden „Wiederverheiratete“ nicht zum Tisch des HERRN zugelassen sind, zB. auf dem Weltfamilientreffen vom 1. – 3. Juni 2012 in Madrid. Seine jetzige Position ist also nichts wirklich Neues, die (gekünstelte?) Medien-Aufregung insofern unbegründet.

Doch aus Dobrinskis Sicht ist Benedikts Redigieren seines Aufsatzes von 1972  „hochpolitisch“, weil jene Korrektur in den Schlußabschnitten sich „nun liest wie eine Antwort auf seinen Mitbruder und Konkurrenten Walter Kasper.“

Doch selbst wenn die Kaffeesatz-Deutung des SZ-Autors zutreffend wäre, stellt sich die Frage: Na und?

Matthias Dobrinski kennt hier freilich keine Gnade, denn Benedikt hätte damit  –  so sein Vorwurf  –  das „Versprechen gebrochen, sich nicht mehr in die Kirchenpolitik einzumischen.“

Was heißt hier „Einmischung“?  – Es handelt sich lediglich um das Überarbeiten eigener Publikationen in wissenschaftlich aufbereiteten Sammelbänden   – dies ist beileibe nicht außergewöhnlich.

Und was heißt hier „Kirchenpolitik“?  –  Das Für und Wider eines Sakramentenempfangs für Gläubige in „irregulären“ Lebensverhältnissen ist ebenso wie die katholische Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe vor allem eine theologische und weniger eine kirchenpolitische Angelegenheit.

Daß freilich die „Süddeutsche Zeitung“ von dieser Causa inhaltlich ohnehin komplett überfordert ist, kann man gewiß nicht Benedikt XVI. anlasten.

Felizitas Küble leitet den KOMM-MiT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Ergänzender Artikel hierzu in diesem katholischen Frauen-Blog: http://beiboot-petri.blogspot.de/2014/11/ruhrend.html

Ebenso HIER: http://invenimus.blogspot.de/2014/11/benedikts-einwurf-zur-debatte.html


Die Glaubenskongregation über Sakramente für geschieden „Wiederverheiratete“

Die Kongregation für die Glaubenslehre, deren Präfekt der deutsche Kardinal Gerhard Müller (siehe Foto) ist, hat kürzlich erneut die kirchliche Lehre bekräftigt, wonach der Empfang der Sakramente für bußfertige, geschieden „wiederverheiratete“ Katholiken möglich ist, wenn sie sich ernsthaft um sexuelle Enthaltsamkeit bemühen, also gleichsam „wie Bruder und Schwester“ zusammenleben. 0012

Hier folgt die amtliche Antwort vom 22. Oktober 2014 auf die Frage eines französischen Priesters „Kann ein Beichtvater einem Beichtenden die Absolution erteilen, der nachdem er kirchlich geheiratet hatte, nach der Scheidung eine zweite Ehe eingegangen ist?“:
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„Wir können die wiederverheirateten Geschiedenen nicht a priori vom Prozess der Buße ausschließen, der zur sakramentale Versöhnung mit Gott führen würde und damit zur Eucharistie.
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Papst Johannes Paul II. hatte in der Apostolischen Exhortation „Familiaris Consortio (N. 84) solch eine Möglichkeit in den Blick genommen und ihre Voraussetzungen spezifiziert:
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„Die Versöhnung durch das Sakrament der Buße, die den Weg zur Eucharistie öffnen würde, kann nur denen gewährt werden, die bereuen, das Zeichen des feierlichen Bundes und die Treue zu Christus gebrochen zu haben und ernsthaft bereit sind, ein Leben zu führen, das nicht länger im Widerspruch zur Unauflöslichkeit der Ehe steht.  
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Das bedeutet in der Praxis, daß, wenn es ernsthafte Gründe  –  wie z.B. die Erziehung von Kindern  – gibt, deretwegen ein Mann und eine Frau die Verpflichtung zur Trennung nicht erfüllen können, sie die Pflicht haben, in völliger Enthaltsamkeit zu leben, das heißt, durch Abstinzenz von Akten, die verheirateten Paaren vorbehalten sind (s. auch Benedikt XVI „Sacramentum Caritatis“, N. 29).“
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Quelle: Katholische Weblog „Im Beiboot Petri“
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Foto: Bistum Regensburg