Dr. Philipp Küble über Sündhaftigkeit, Gehorsam und Gewissensfreiheit in der Kirche

Der konservative Theologe Dr. Philipp Küble veröffentlichte 1969 seine Dissertation (Doktorarbeit) über „Glaube als christliche Existenz“ (siehe Foto). Der oberschwäbische Schriftsteller stand der traditionsbewegten Richtung in der katholischen Kirche nahe, ohne sich jedoch von ihr vereinnahmen zu lassen. Stets behielt er seinen eigenständigen und teils auch kritischen Standpunkt.

Dr. Küble, der heute im Ruhestand lebt, war ein Pionier des katholischen Rundfunks und Kassetten-Apostolats schon in den 70er Jahren. Zudem brachte er jahrzehntelang alle zwei Wochen die Zeitschrift „VOX FIDEI – Stimme des Glaubens“ heraus.

Bei allem Konservatismus war er gegenüber einem vernünftigen Fortschritt sehr aufgeschlossen, auch in puncto Computertechnik, die er früh in seiner Redaktion einsetzte. Er wollte gerne die Glaubenstradition mit den modernen Medien verbinden.

Zurück zu seinem Buch „Glaube als christliche Existenz“. Es behandelt auch das heute – angesichts der innerkirchlichen Sexskandale vor allem in den USA – viel diskutierte Thema nach den Sünden innerhalb der Christenheit, nach dem Sinn und den Grenzen des Gehorsams in der Kirche und dem Respekt vor der Gewissensfreiheit des einzelnen Gläubigen.

Wir veröffentlichen hierzu einige nachdenkenswerte Auszüge aus seinem wissenschaftlichen und gleichwohl verständlich verfaßten Werk (S. 242 ff):

„Ohne Christus bedeutet die Kirche nichts“

Die Kirche ist die Fortführung des Lebens und Werkes Christi. Christus ist ihr Haupt und lenkt und belebt sie durch seinen Geist. Sie ist auf innigste mit ihm vereinigt, ohne ihn bedeutet sie nichts.

Ihr Anspruch und ihr Sendungsbewußtsein erregt bei dem außenstehenden Ungläubigen oft Ärgernis. Ihr missionarischer Eifer ist ihm verdächtig oder geht ihm auf die Nerven. Den Ärgernis-Charakter hat die Kirche nicht nur für jene, die draußen sind, sondern auch im Inneren für die Glieder der Kirche selber.

Zudem führt die Sünde in der Kirche, die menschliche Unzulänglichkeit, die Umtriebe des Teufels in ihr zu manchen Fehlentscheidungen, nicht hinsichtlich der geoffenbarten Lehre, wohl aber in der praktischen Verwirklichung des innerkirchlichen Lebens und der konkreten Verwirklichung des Auftrags Christi.

Ungeheuere Prüfungen durch die Kirche

Dem einzelnen kann der ganze Lebensweg durch bestimmte kirchliche Entscheidungen verbaut werden. Das Leben in der Kirche bringt unter Umständen ungeheuere Prüfungen mit sich. Nun fragt  sich, kann ein in den wichtigsten Lebensfragen ungerecht Behandelter ehrlicherweise in der Kirche bleiben? Muß er an ihr zerbrechen und scheitern oder gibt es vielleicht eine positive Lösung?

Wenn ein Betroffener um die Sündhaftigkeit der Kirche weiß und sich darauf eingestellt hat, braucht es für ihn nicht zu einer Krise kommen.

Leider wird in der Verkündigung oft so getan, als ob es in der Kirche kein Unrecht, keine Skandale und dergleichen geben könnte, wenigstens nicht häufig und in unserer Nähe, vielleicht in früheren Zeiten; man bekennt sich zwar vor Gott öffentlich als Sünder, in seinem Amt hüllt man sich aber in das Gewand der Unfehlbarkeit und Selbstgerechtigkeit.

Dies sollte man nicht tun, sondern eher die Gläubigen auf das Sündhafte in der Kirche vorbereiten, darauf hinweisen, um das Verständnis dafür zu wecken, die aus dem Glauben kommende Deutung zu geben und die richtige Haltung in solchen Dingen zu vermitteln.

Nicht am Unrecht in der Kirche „irre werden“

Wer die Armseligkeit der Kirche als ein ihr anhaftendes, notwendiges Merkmal kennt, der regt sich nicht auf, wenn der kirchliche Vorgesetzte ihn nicht recht versteht, wenn ein Priester Ärgernis erregt, ein Bischof abfällt.

Warum sollten für den Gläubigen in der Kirche die mit der christlichen Existenz notwendig verbundenen Prüfungen nicht auch von den Vorgesetzten kommen?

Wer also von seiten der Kirche „Unrecht“ leidet, braucht an ihr nicht irre werden, nicht an ihr zerbrechen oder sich gegen sie erheben.

Vom Sinn und den Grenzen des Gehorsams

Freilich darf man sich hier nicht in einen allzu abwegigen Infantilismus (kindliche Haltung) verirren, wie es nur zu häufig geschieht, wenn Vorgesetzte ihren Untergebenen weismachen wollen, die Untergebenen müßten nur gehorsam sein, dann würde für sie alles zu reichsten Quelle des Segens werden.

Über den Segen, die Würde und die Bedeutung des im Glauben geübten Gehorsams bedarf es keiner besonderen Erklärung; eher muß der Gefahr entgegengearbeitet werden, durch falsche Interpretation und Begründung den Verdacht zu erwecken, das Gewissen der Untergebenen manipulieren zu wollen, die fehlende persönliche Autorität und Fähigkeit zu verdecken und auszugleichen mit dem Appell an den Gehorsam, das übertragene oder erreichte Amt möglichst sorglos und ohne Schwierigkeiten innezuhaben.

Die logische Folge einer angemaßten göttlichen Autorität wäre dann die, daß keine Entscheidung einer Amtsperson sachlich gerechtfertigt sein müßte.

In dieser Logik könnte ein verantwortungsloser und unfähiger Amtsträger eine dauernde Quelle des Segens für seine Untergebenen sein. Die Unsinnigkeit einer solchen, mit der Würde der anvertrauten Untergebenen – gleichgültig, ob Kind oder Erwachsener – schamlos spielenden Auffassung ist nur allzu deutlich.

„Kampf und Auseinandersetzung sind Wesenselemente der Kirche“

Zwei Dinge seien noch hervorgehoben:

Niemals hat ein Vorgesetzter das Recht, Unrecht zu tun. Wie Pilatus muß er auf jeden Fall sein Tun voll verantworten. Die Untergebenen können  nicht alle Heilige sein – und auch die Heiligen sind nicht jederzeit jeder Prüfung gewachsen. Ein Befehl muß also die Situation des einzelnen berücksichtigen und sachlich begründet und gerechtfertigt sein.

Unbeschadet des Gehorsams hat der Untergebene bei unüberwindlichen Schwierigkeiten das Recht, auf falsche Voraussetzungen einer Entscheidung hinzuweisen, Mißstände anzuprangern, wenn Aussicht auf Beseitigung derselben gegeben ist. Kampf und Auseinandersetzung sind Wesenselemente der Kirche, Zeichen ihres Lebens, sie dienen der Besserung kirchlicher Verhältnisse (vgl. Paulus – Petrus: Gal 2,11).

Die unbequemen Kritiker haben in der Kirche durchaus ihren Platz und eine wichtige Funktion, sie zu hören ist nicht nur Klugheit, sondern Pflicht.

Wer in echter Sorge um die Kirche im Glauben an Christus und in Liebe zu ihm bestimmte Dinge bessern will, verdient ebenfalls höchstes Lob.

HINWEIS: Das Buch „Glaube als christliche Existenz“ von Dr. Philipp Küble umfaßt 272 Seiten und kann zum Sonderpreis von 7,50 Euro bei uns bestellt werden: felizitas.kueble@web.de / Tel. 0251-616768

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CHRISTUS hat eine ewige Erlösung bewirkt

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Hebr 9,11 – 15:

Christus ist gekommen als Hoherpriester der künftigen Güter; und durch das erhabenere und vollkommenere Zelt, das nicht von Menschenhand gemacht, das heißt nicht von dieser Welt ist, so ist ER ein für allemal in das Heiligtum hineingegangen, nicht mit dem Blut von Böcken und jungen Stieren, sondern mit seinem eigenen Blut, und so hat ER eine ewige Erlösung bewirkt.

Denn wenn schon das Blut von Böcken und Stieren und die Asche einer Kuh die Unreinen, die damit besprengt werden, so heiligt, dass sie leiblich rein werden, wieviel mehr wird das Blut Christi, der sich selbst kraft ewigen Geistes Gott als makelloses Opfer dargebracht hat, unser Gewissen von toten Werken reinigen, damit wir dem lebendigen Gott dienen.

Und darum ist ER der Mittler eines neuen Bundes; sein Tod hat die Erlösung von den im ersten Bund begangenen Übertretungen bewirkt, damit die Berufenen das verheißene ewige Erbe erhalten.

 


Heute fand der dreitägige Kirchentag der SELK seinen feierlichen Abschluß

Mit einem festlichen Gottesdienst endete am heutigen Mittag im Messe-Congress-Center in Erfurt der 9. Lutherische Kirchentag der theologischen konservativen SELK (Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche). Die Konferenz hatte am Freitag begonnen und unter dem Thema „Salz der Erde. Licht der Welt. Lutherische Kirche in unserer Zeit“ gestanden.

Der Gottesdienst griff inhaltlich aus dem Motto des Kirchentages das Bild vom „Licht der Welt“ auf. SELK-Bischof Hans-Jörg Voigt erläuterte in der Predigt diesen Zuspruch Christi an die Gläubigen.

Das Bild von der Wirksamkeit des Lichtes zeige, dass der christliche Glaube „extrovertiert“ sei, also darauf ausgerichtet, sich zu zeigen und hilfreich einzubringen. Allerdings sei nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, was tatsächlich ein „gutes Werk“ sei: „Wir leben in einer verunsichernden, verstörenden Welt“, so der leitende Geistliche.

Wie können wir angesichts der Herausforderungen dieser Zeit und Welt zur Klarheit kommen? Grundsätzlich gelte, dem eigenen Gewissen zu folgen. Doch dürfe man nicht vergessen, dass auch das Gewissen der Sünde unterliege und darum irren könne. 

Es sei darum unabdingbar, das Gewissen an Gottes Wort auszurichten: „Lasst uns wieder verstärkt zur Heiligen Schrift zurückkehren, die Bibel lesen, die das Gewissen schärft“, so der Bischof: „Lasst uns in Demut und Achtsamkeit nach Gott fragen, dann folgen die guten Werke.“ 

Allerdings entstehe mit diesem Hinweis „keine neue Last.“ Der Mensch bleibe auf seinen Wegen, Licht zu sein, gute Werke zu tun, nicht auf sich allein gestellt. Es sei wie bei der Wohnzimmerlampe, die nur leuchten könne, wenn der Stecker in der Steckdose stecke: So könnten auch Gläubige nur als „Licht der Welt“ wirken, wenn sie angeschlossen seien an die Energie, die ihnen von Jesus Christus selbst zukomme.

Diese Verbindung sei grundlegend in der Taufe gelegt und lebe in der Beziehung zu Christus: Sein Wort schärfe die Gewissen, seine Kraft ermögliche es, als Licht der Welt Gutes zu wirken.

Quelle: SELK-Pressemeldung – Webseite: http://www.selk.de/


Engagiertes Plädoyer für die Mundkommunion

Rezension von Thomas May

Buchdaten: Wilhelm Schallinger. Das Lamm in Menschenhand. Geleitwort: Bischof Dr. Athanasius Schnei­der. – Patrimonium Verlag 2016, 2. Auflage 2017, 135 Seiten, kartoniert, ISBN-10: 3864170699 / ISBN-13: 978-3864170690. – 14,80 €

Das jetzt in 2. Auflage erschienene, 135 Seiten „starke“ Buch mit dem doppelsinnigen Titel „Das Lamm in Menschenhand“ des 1941 im ober­bayerischen Traunstein geborenen Priesters Wilhelm Schallinger ist gleich in mehrfacher Hinsicht eine kostbare Rarität auf dem katholischen Büchermarkt.

Thema ist die historisch be­deutsame Zulassung der Handkommunion in Deutschland durch Papst Paul VI. ab dem Jahr 1969, die nicht nur aus Sicht des Autors erheblich zum Schwund des katholischen Glaubens und zum anhaltenden Niedergang der katholischen Kirche beigetragen hat. Kaplan Schallinger positioniert sich bereits früh, im Herbst 1974, in einem persönlichen Ge­wissensentscheid gegen die Handkommunion, die er – selbst unter massivem Gegen­druck seitens der kirchli­chen Oberen und einzelner Gläubiger – bis auf den heutigen Tag nicht mehr austeilen wird.

Gründe gegen die Handkommunion

Schallinger präsentiert die Gründe für seinen ablehnenden Gewissensentscheid einleuchtend und nach­vollziehbar. Die Handkommunion hat „zu einer verheerenden Ehrfurchts- und Glaubenslosigkeit hin­sichtlich der realen Gegenwart des Herrn in der Eucharistie geführt“ (S. 24); ihre illegale Einführung in Holland zuvor ging „bereits mit der offenen Leugnung der wirklichen Gegenwart Jesu in der Eucharis­tie“ (S. 25) einher.

Demzu­folge kann die Handkommunion beiderlei sein: Folgeerscheinung eines schon vorhandenen Unglaubens wie auch Ursache des nachfolgenden, oft unmerklich schleichenden Verlustes der Ehrfurcht und des Glaubens. Der Autor verweist auf den mit der Handkommunion erst ermöglich­ten, unbestreitbaren massenhaften Hostienfre­vel einschließlich Hostienraub, der im Fall eines ungläubi­gen Kommunikaten, der sich bei einer Papstmesse in Rom die Hostie in die Hand hatte geben lassen und sie später zur Versteigerung im Internet anbot, weltweites Aufsehen erregte (vgl. S. 112).

Auch aus seiner seelsorglichen Praxis als Kaplan weiß Schallinger Beispiele des missbräuchlichen Um­gangs mit dem Leib Christi zu nennen, wobei keineswegs immer böse Absicht im Spiel ist, sondern auch Unbedarft­heit, Gedankenlosigkeit oder Ungeschicklichkeit zugrunde liegen kann: „…Das Böse liegt … in der fortdau­ernden Fahrlässigkeit, daß der am Boden zertreten werden kann, der nach der kla­ren Lehre der Kirche auch im kleinsten Partikel anwesend ist, ‚mit Leib und Blut, mit seiner Seele und seiner Gottheit‘ (Konzil v. Trient)“ (S. 27 f.). 

Die Abwärtslinie setzt sich fort in der verderblichen Um­deutung des realen Leibes Christi zum (heili­gen) Brot, das – wie der Geistliche aus Gesprächen vor al­lem mit Jugendlichen erfährt – „nur [noch als] ein an Jesus erinnerndes Zeichen der Einheit im Gottes­volk“ (S. 25) verstanden wird, oder noch eine Spur „entkern­ter“: „Die Hostie in der Hand als Symbol der Weltverbrüderung“ (S. 109). Hier ist das Zerstörungsprogramm der Freimaurerloge, wie es 1968 in der Pariser Zeitschrift „L’Humanisme“ bzw. 1976 in der französischen Zeitschrift „Vers demain“ fixiert worden war, an sein Ziel gekommen (S. 26f.).

Aufgrund dieses negativen Befundes und seiner persönlichen Erfahrungen kommt Schallinger zu dem Schluss: Die Frage der Handkommunion ist nicht eine Frage der Form, sondern eine Frage des Glau­bens. Fol­gerichtig fordert er die Rückkehr zur ehrfürchtigen knienden Mundkommunion (während heute manche genau umgekehrt die Mundkommunion für nicht mehr zeitgemäß halten).

Bei aller Würdigung der Argumente des Autors erscheint der folgende Einwand angebracht:

Die Fülle des „be­lastenden Materials“ gegen die Praxis der Hand­kommunion ist so überwältigend, dass es schon deshalb nicht er­forderlich gewesen wäre, zum zusätzlichen „Be­weis“ der Verunehrung des Allerheiligst­en „Privatoffenba­rungen“ geltend zu machen, welche von der Kir­che nicht aner­kannt sind (Pierina Gilli, Franziska Sen­ninger, Prof. Albert Drexel, Marguerite in Belgien; vgl. den Abschnitt „Stimmen des Him­mels in der Wüste“, vgl. S. 33–36).

Für Schallinger persönlich mögen Visionen oder Einsprechungen von aus seiner Sicht begnadeten Perso­nen eine wichtige Bestätigung und Bestärkung seines „Son­derweges“ gewe­sen sein; andererseits büßt seine Veröffentlichung da­durch vom Standpunkt der katholischen Glau­benslehre aus an Seriosität und Nüchternheit ein.

Theologisch unzureichend gebildete oder für Schwär­merei anfällige Leser, die sich auf diesen Punkt ka­prizieren, könnten sich bestätigt fühlen und somit durch umstrittene Privatoffenbarungen spirituell leicht in ein irreführendes Fahrwasser geraten. Aller­dings nehmen diese kritikwürdigen Passagen insgesamt kei­nen bestim­menden Platz in Schallingers Ge­samtargumentation ein.

Vorgeschichte der Handkommunion

Ein weiteres Verdienst des Autors ist es, dass er die heute nur noch wenig bekannte Vorgeschichte der Hand­kommunion, die näheren Umstände ihrer zunächst regional begrenzten Einführung, ihre kritische Bewertung durch hohe Repräsentanten der Kirche und schließlich ihren Siegeslauf zur Sprache bringt und mit Dokumen­ten belegt.

­Die Erlaubnis der Handkommunion musste Papst Paul VI. abgerungen werden. Die damaligen Kar­dinäle Juli­us Döpfner (München-Freising) und Lorenz Jäger (Paderborn) konnten trotz dreimaligen Vor­sprechens beim Heiligen Vater in dieser Frage ihn zunächst nicht zur Zustimmung bewegen (vgl. S. 38, FN 4).

Das Ergebnis der Umfrage an die Bischöfe der Weltkirche vom 12. März 1969, in welcher der Papst seine Sorge um „Ver­minderung der dem Heiligsten Sakrament schuldigen Ehrfurcht, ja Entwei­hung und Verfälschung der Glau­benslehre“ (zit. S. 26) zum Ausdruck brachte, war eindeutig: Eine über­wältigende Mehrheit von 1233 Bischö­fen (bei 56 Zustim­mungen und 315 Zustimmungen unter Vorbe­halt) lehnte die Einführung der Handkommuni­on ab.

Dennoch gab der unter Druck gesetzte Papst schließlich nach und erlaubte im Juni 1969 die Handkom­munion in Deutschland (später in weiteren Ländern), die schon „vorwegnehmend“ praktiziert worden war, un­ter der Auf­lage, dass „jede Gefahr der Ehrfurchtslosigkeit gegenüber der Eucharistie vermie­den we­rde[..­.]“ (z­it. S.­ 25). ­

Dass d­iese Anforder­ung n­icht e­rfüllt­ wurde­, wie ­nicht ­nur Ka­plan S­challi­nger i­n sein­er seelsorgli­chen ­Praxis­ bald erfahr­en mus­ste, i­st der­ entsc­heiden­de Aus­löser ­für se­ine Ge­wissen­sentsc­hei­du­ng, di­e Hand­kommunion ni­cht me­hr aus­zuteil­en.­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­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Die Handkommunion nach ihrer Einführung

Hochinteressant sind in diesem Zusammenhang die vom Autor angeführten späteren Bewertungen hoher Wür­denträger, vor allem derer, welche die Einführung der Handkommunion ursprünglich befürwortet hatten. Kar­dinal Carmel Heenan von Westminster ordnet 1972 die Beendigung der Handkommunion für England an, nachdem er sich noch kurz zuvor für sie eingesetzt hatte (vgl. S. 28).

Vom Mainzer Bischof Hermann Volk, dem Vorgänger Kardinal Lehmanns auf dem Bischofsstuhl, ist der Satz überliefert: „Ich leide sehr darunter, dass ich zur Handkommunion meine Zustimmung gegeben habe“ (zit. S. 57).

Gera­dezu einen Offenbarungseid leistet der Münchner Kardinal Döpfner: „Der mit ihm befreundete Univer­sitätsprofessor Richard Egenter [ka­tholischer Moraltheologe an der Ludwig-Maximilians-Universität München 1945–1968; T. M.] bezeugt seine Äußerung: ‚Zwei Jahre habe ich um die Handkommunion gekämpft. Ich würde es nicht mehr tun, weil ich die Folgen sehe. Aber nun weiß ich keinen Weg, das wieder rückgängig zu machen!’“ (zit. S. 38).

Ein fei­nes De­tail, das die grundsätzliche Frage nach der Ratlosigkeit und Verantwortung von Bischöfen aufwirft, die Irrwe­ge in ihrer Diözese oder in der Kirche durchaus erkannt haben mögen, aber keinen Weg zurück mehr wissen und sie weiter in den Abgrund treiben lassen.

Gegenläufige Entwicklung: Johannes Paul II. und Benedikt XVI.

Im Weiteren macht Schallinger auf die gegensätzliche persönliche Entwicklung aufmerksam, welche die bei­den Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. in der Frage der Handkommunion genommen ha­ben.

Der Pole ist nach seiner Wahl zum Pontifex zunächst Hoffnungsträger derjenigen Priester und Gläubigen, die sich eine Rücknahme der Handkommunion wünschen.

Bei seinen Apostolischen Reisen ignoriert er die Praxis der Handkommunion in Ländern, wo sie üblich geworden ist; der Frau des fran­zösischen Staatspräsidenten reicht er bei einer Messe in Notre-Dame im Mai 1980 trotz deren ausge­streckter Hände die Mundkommunion (vgl. S. 61); bei seinem Deutschlandbesuch im November 1980 wird in Köln und Osnabrück auf seine persönliche Ablehnung der Handkommunion zunächst Rücksicht genommen, doch in Mainz legt man ihn schlicht herein, indem er durch provokative Jugendliche gegen seine Überzeugung zur Spendung der Handkommunion genö­tigt wird (vgl. S. 62, 109) – der „Bann“ ist gebrochen.

In der Folge rückt Papst Johannes Paul II., der noch in sei­nem Gründonnerstagsbrief 1980 „Über das Geheimnis und die Verehrung der heiligsten Eucharistie“ ent­schieden gegen die Praxis der Handkommunion Stellung bezogen hatte (vgl. S. 48f.), auch verbal in relativie­renden Äußerungen da­von ab; damit entzieht er „Widerständlern aus Gewissensgründen“ wie Kaplan Schal­linger „jeglichen kirchenrechtlichen und moralischen Schutz“ (S. 110).

Gegenläufig ist die Entwicklung bei Kardinal Ratzinger/Papst Benedikt XVI.:

Während der Erzbischof von München und Freising den widerborstigen Jungpriester anfangs noch streng ins Gebet nimmt, sei­nen „Starr­sinn“, seine „Rechthaberei“ in Sachen Handkommunion tadelt (S. 43ff.) und den Einsatz sei­ner ungeteilten Arbeitskraft als Priester anmahnt, beginnt er langsam „zurückzurudern“, als der Unbeug­same mit Verweis auf den erwähnten Gründonnerstagsbrief des neuen Papstes frische Argumente für die erneute Bekräftigung seines ablehnenden Gewissensentscheids geltend machen kann.

Als Präfekt der Glaubenskongregation hat Joseph Ratzinger dann seine ursprüngliche Befürwortung der Handkommuni­on revidiert. Sein kniender Mundkom­munionempfang in dieser Zeit ist durch P. Fidelis Stöckl O.R.C. bezeugt (vgl. S. 115).

Mit seinem Motupro­prio „Summorum Pontificum“ vom 7. Juli 2007 rehabilitiert Benedikt XVI. die Tridentinische Messe und da­mit die kniende Mundkommunion. Ab dem Fronleich­namsfest und dem Weltjugendtag in Sydney 2008 spen­det das Oberhaupt der katholischen Kirche das Allerheiligste nur noch in dieser Form. Welch glänzende Bestä­tigung und nachträgliche Rechtfertigung (vielleicht auch Genugtuung) für den Priester Wilhelm Schallinger, der schon als „kleiner“ Kaplan auf der gottgefälligen Spur war und sie gehalten hat!

GOTT mehr gehorchen als den Menschen

Schallingers 1974 getroffene, unwiderrufliche Gewissensentscheidung, den Gläubigen keine Kommuni­on mehr in die Hand zu spenden, ist nicht nur der roten Faden, der das Buch durchzieht. Sie bestimmt auch seine „gesamte priesterliche Existenz und Zukunft“ (S. 23).

In dieser schwierigen Zeit, die er als „vierzigjährige Wüstenwanderung“ erlebt, muss er seinen wechselnden Oberhirten Rede und Antwort stehen: Kardi­nal Döpfner, Kardinal Ratzinger und Kardinal Wetter. Zu deren Ehre sei gesagt, dass sie schließlich alle drei die strikte Weigerung ihres Mitbruders respektieren und nach Möglichkeit mit ihrer Autorität schützen, wobei der liberale ehemalige Moderator des Zweiten Vatikanischen Konzils menschlich gesehen am besten abschnei­det.

Die umfangreichen Schriftwechsel zwischen Vorgesetzten und Untergebenem, die im Wortlaut wiederge­geben sind, erweisen sich als unschätzbare Zeitdo­kumente, welche die Heftigkeit, den Ernst, die Leidenschaft des damaligen Ringens um die angemessene Form des Kommunionempfangs widerspiegeln – eine wissen­schaftlich noch auszuwertende Fundgrube.

Hierbei ist dem „kleinen“ Kaplan nicht selten eine argumentative Überlegenheit zu bescheinigen. Letzt­lich ist die ihn bindende Gewissensentscheidung durch keine Macht der Welt umzustoßen, wenn er mit Blick auf die bei der Handkommunion auf den Boden fallenden und zertretenen Partikel schreibt:

„Für mich gilt darum ana­log zum Zweiten Gebot: Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren – Du sollst den Leib des Herrn nicht ver­unehren! Im Bereich eines göttlichen Gebotes aber hat eine gegenteilige Forderung keinerlei Verbindlich­keit. ‚Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen!‘ (Apg 5,29)“ (Brief an Ratzinger vom 1. Mai 1980, S. 48).

Damit beherzigt er einen Leitsatz des 1943 von den Nazis hingerichteten und 2007 von Papst Benedikt XVI. seliggesprochenen österreichischen Widerstands­kämpfers Franz Jägerstätter, dem der Autor das Schluss­kapitel widmet (S. 124–132).

Lebhaft schildert Schallinger Pflichttermine mit den Vorgesetzten: seine Befind­lichkeiten, Versuchungen, seine Ratlosig­keit, das Hadern mit seiner Verwegenheit bis hin zur Taktlosigkeit (vgl. S. 48), seine Stoßgebete, seinen inneren Kampf um Gehorsam gegenüber dem Erzbischof oder einer „göttlichen Macht“ (S. 38).

Der Preis des Gewissens

Der Preis, den der Geistliche Schallinger für das unbeirrbare Festhalten an seinem Gewissensentscheid zahlen muss, ist sehr hoch: Es kostet ihn praktisch jede Möglichkeit einer innerkirchlichen „Karriere“; er sieht sich an den Rand gedrängt, verfemt, ins Zwielicht gesetzt, lächerlich gemacht, von einem Mon­signore sogar als irren­hausreif abgefertigt (vgl. S. 114).

Dankbar ist er, dass er 14 Jahre als Lang­zeit-Hilfspriester in der Wallfahrts­pfarrei St. Maria-Thalkirchen am Münchner Tierpark wirken kann. Der Diözesanleitung und den „Herren Prä­laten des Erzbischöflichen Ordinariats“ (S. 57) ein Dorn im Auge, darf er schließlich ab 1993 im Dekanat Ra­mersdorf/Perlach bei München zelebrieren und wird als Aus­hilfe, besonders bei Begräbnisfeiern, eingesetzt.

Heute feiert er die tägliche heilige Messe nur noch in seiner kleinen Hauskapelle. Geblieben ist ihm die „Ge­betsgemeinschaft Mariensäule“, mit der er seit über 45 Jahren jeden Samstag an der Münchner Mariensäule den Rosenkranz betet.

Von Anfang an ist es ihm verwehrt, Pfarrer zu werden, weil „er sich für den Fall der Übernahme einer Pfarrei bereit erklären muß, Gläubigen, die die Handkommunion wünschen, diese nicht zu verweigern…“ (Brief Rat­zingers an den Oberregierungsrat Schlebusch vom 28. Juli 1979, zit. S. 55), erst recht, als er sich auch gegen die „Spendung der Handkommunion durch eine andere beauftragte Person in seinen Gottesdiensten“ sperrt (Antwortschreiben des Stellvertretenden Generalvikars Haringer an einen Gebetsteilnehmer vom 20. Septem­ber 1993, zit. S. 86), womit wohl Laienkommunionhelfer ge­meint sind.

In diesem Zusammenhang wird ihm vom Ordinariatsvertreter entgegengehalten, auch die Gläubigen träfen eine „Gewissensentscheidung“ zwi­schen Hand- und Mundkommunion, die es zu re­spektieren gelte (vgl. S. 79). Diese Behauptung ist allerdings theologisch unhaltbar.

Kein Geringerer als der damalige Glaubenspräfekt Kardinal Šeper, bei dem Kaplan Schallinger im Rah­men seiner von 243 deutschen Priestern unterschriebenen Petition zur Abschaffung der Handkommuni­on im deut­schen Sprachraum vorstellig wird (die nach einem erfolgversprechenden Auftakt vom Glau­benspräfekten noch im selben Jahr aus unbekannt gebliebenen Gründen zurückgewiesen wurde), erklärt am 2. April 1979 im Ge­spräch mit ihm:

„Ich glaube, daß hier für die Priester eine echte Gewissensfrage besteht. Nicht begreife ich je­doch, wenn die Gläubigen eine daraus machen. Niemand kann wohl sein Gewissen anführen, das ihm gebietet [!], Handkommunion zu verlangen“ (zit. S. 79 u. S. 97).

Dieser punktgenaue Satz beleuchtet wie nebenbei den Missstand, wie oberflächlich und leichtfertig heutzutage innerhalb der Kirche das „Gewissen“ oft in Anspruch genommen wird, wo es im Grunde doch eher um Unwilligkeit, Bequemlichkeit oder Mitläufertum geht.

Hand- oder Mundkommunion: eine Abwägung

Seit der Einführung der Handkommunion in Deutschland durch Papst Paul VI. ist fast ein halbes Jahr­hundert vergangen. Die heftigen Auseinandersetzungen um diese folgenschwere „Reform“ vor allem in den 70er und 80er Jahren können heute die meisten Katholiken nicht mehr nachvollziehen.

Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass vielfach Gespür und Wertschätzung für das Heilige, das Allerheiligste gelitten haben oder verloren­gegangen sind, von der auch „normalen“ Gläubigen fremd gewordenen Anbetung Gottes ganz zu schweigen. Damit verknüpft ist die weitverbreitete Leugnung der Realpräsenz Jesu Christi unter der Gestalt des Brotes durch Laien wie durch Kleriker oder die indifferente Ansicht, „dass das nicht so wichtig ist“.

Wer in der Hos­tie nur noch ein Stück profanes Brot sieht, tut sich leichter, es einfach so in die Hand zu nehmen. Warum sollte man ehrfürchtig sein?

Jenseits manch merkwürdigen, unangemessen anmutenden Gebarens (vom schlendernden Gang bis zu hinter dem Rücken verschränkten Händen beim Anstehen) vor dem Kommunionempfang ist  festzuhal­ten und anzuerkennen, dass zahlreiche Gläubige die Handkommunion ehrfürchtig und würdig empfan­gen.

Das daraus abgeleitete Argu­ment, die Form des Empfangs sei nicht entscheidend, auf die innere Haltung komme es an, greift jedoch zu kurz. Der schwerwiegende und letztlich durchschlagende Ein­wand, dass trotz Umsicht bei der Spendung in die Hand Partikel herunterfallen und verlorengehen kön­nen, in denen der Heiland gegenwärtig ist, kann nicht ent­kräftet werden.

Dagegen ist man bei der Mund­kommunion mit Patene auf der „sicheren Seite“, die zudem dem Ausdruck und der Haltung des Empfan­gens näherkommt; wer das nicht mehr „zeitgemäß“ findet, sollte vielleicht in sich gehen und sein per­sönliches Verhältnis zu Gott/Christus überprüfen oder grundsätzlich das der Kreatur zu ihrem Schöpfer reflektieren (Partner? Auf Augenhöhe?).

Außerdem darf der Zusammenhang zwischen äußerer Form und innerer Haltung nicht unbeachtet bleiben: Der Empfang der Hostie in die Hand verleitet viel eher zu mangelnder Ehrfurcht als die Mundkommunion, weil bei Ersterem nicht unterschieden wird von der Art, „wie man gewöhnlich Nahrung berührt und sie sich dem Munde selbst zuführt“ (so Weihbi­schof Atha­nasius Schneider im Geleitwort S. 12), also eine heilsame Differenzierung entfällt.

Zurückzuweisen ist das Argument, wer sowieso entschlossen sei, die Hostie zu missbrauchen, benötige dazu nicht die äußere Form der Handkommunion, also könne man diese auch zulassen. Nach derselben Logik könn­te man einem Hauseigentümer anraten, künftig auf jedwede Sicherungsmaßnahmen zu ver­zichten, da ein zum Einbruch bereiter Täter ohnehin einen Weg finden werde, ins Haus zu gelangen.

Auch die gern herangezoge­ne, dem Cyrill von Jerusalem (313 – 386 n. Chr.) zugeschriebene mystagogische Ka­techese, die Anweisungen zum richtigen Empfang der Handkommunion enthält, erweist sich bei näherer Betrachtung als wenig brauchbar, weil die Si­tuation der frühen Kirche nicht einfach auf die heutige übertragbar ist; schon Cyrill, der die „Hal­tung der An­betung und Ehrfurcht“ sichergestellt wissen will, warnt, wie Papst Paul VI. Jahrhunderte später, vor der glei­chen Gefahr des Partikelverlustes: „Denn was du zugrunde gehen läßt, sollst du so betrachten, als ginge eines deiner Glieder verloren“ (zit. S. 28).

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Unter Anlegung des Maßstabes, dass das Aller-Heiligs­te das Aller-Höchste ist, lässt sich kein zwingendes Argument zugunsten der Handkommunion vorbrin­gen. Weihbi­schof Schneider führt aus:

„Alle Menschen verteidigen gewissenhaft und mit größter Vor­sicht die eigenen Wertgegenstände und kostbaren Schätze. Unser Herr Jesus Christus unter der Gestalt der kleinen konsekrierten Hostie ist mehr wert als alle Schätze auf dieser Erde. Wir müssen folglich die Heilige Kommunion aufs Höchste schützen und verteidigen. … Jeder, der an unseren Eucharistischen Herrn wahrhaft glaubt und Ihn brennend liebt, darf sich nicht an den Zustand der Handkommunion gewöhnen und muss alles, was in seiner Kraft steht, unternehmen, um diesem elenden Zustand abzuhelfen“ (S. 12f.).

In diesem Zusammenhang ist es allerdings unerlässlich, eine wichtige Unterscheidung anzumahnen. Es ist das eine, die Einführung der Handkommunion mit ihren schädlichen Folgen für eine Katastrophe zu halten und, wie Weihbischof Schneider, Abhilfe des „elenden Zustand[es]“ zu verlangen; ein anderes ist es, noch weitergehend die Praxis der Handkommunion grundsätzlich als „gottwidrig“ zu brandmarken, wie Schallinger es tut (S. 22 u. Rückseitentext).

Hier ist Widerspruch anzumelden. Mit dieser Zuspit­zung schießt der Geistliche im Eifer für die Mundkommunion übers Ziel hinaus und erweist seinem An­liegen auch keinen guten Dienst. Wie schwerwiegend und erschütternd die beschriebenen Folgen auch sein mögen – die Handkommunion an sich ist mitnichten gegen Gott gerichtet, andernfalls wäre die Möglichkeit ihres würdigen, gottesfürchtigen Empfangs von vornherein ausgeschlossen. Dem ist aber keineswegs so.

An diesem Punkt scheint der Autor den Pfad seiner eigenen Argumentation zu verlassen: Er selbst rekurriert wiederholt auf die inakzeptablen negativen Begleitumstände der Handkommunion, welche die sittliche Verwerflichkeit erst hervorrufen, wenn er beispielsweise die „fortdauernde […] Fahr­lässigkeit“ (S. 27) im Umgang mit der geweihten Hostie anprangert, womit ja keine Zwangsläufigkeit festgeschrieben, sondern eine korrigierbare „innere Einstellung des Täters gegenüber dem von ihm verwirklichten Tatbestand“ (Wikipedia, Stichwort „Fahrlässigkeit“) impliziert ist.

Angemerkt sei auch noch, dass Ausübung von „moralischem“ Druck auf die Kommunikanten in dieser Frage kon­traproduktiv wirkt.

Auf dem Weg zur Mundkommunion

Wie Weihbischof Schneider kann freilich nur einer aus der Tiefe seines Glaubens sprechen und Korrek­turen anmahnen. Statt peripherer und meist wenig zielführender „Strukturdebatten“ in der Kirche ist die Frage des angemessenen, Gott geschul­deten Kommunionempfangs tatsächlich ein Feld, auf dem sich konkret Ursachen und Folgen des Niedergangs der nachkonziliaren katholischen Kirche in Deutschland nachweisen – und beheben! – lassen.

Es wäre an der Zeit, dass kirchliche Würdenträger, insbesondere Bischöfe, die Konsequenzen aus den schon frühzeitig nach Einführung der Handkommunion erkannten schlimmen Folgen der Sakrilege, des Verlustes von Partikeln, der Verminderung der Ehrfurcht und der Verfälschung des Glaubens ziehen, zur Mundkommunion zurücklenken und das gläubige Volk auf die­sem Weg „mitnehmen“.

Ein erster Schritt wäre die Wiedereinführung von Kom­munionbänken oder zu­mindest (beweglichen) Kniebänken, um dem bei passender Gelegenheit gern für mün­dig erklärten Laien tatsächlich die kniende Mundkommunion stressfrei zu ermöglichen, statt ihn zu bevormun­den und zur stehenden Handkommunion zu nötigen. In Kirchen, wo Reste von Kniegelegenheiten erhalten ge­blieben sind, zeigt sich schon heute durchaus nicht selten, dass diese zum Kommunionempfang auch genutzt werden. Flankierend könnten Priester einen wesentlichen Beitrag leisten, indem sie den Gläubigen emp­fehlen, die kniende Mundkommunion zu praktizieren.

Auch die außerordentliche Spendung der Kommunion durch Laien wäre zu überden­ken, gemäß den Worten Papst Johannes Pauls II.: „Die heili­gen Gestalten zu berühren und mit eigenen Händen auszuteilen, ist ein Vorrecht der Geweihten…“ (Gründonnerstagsbrief 1980, zit. S. 49). Eine exklusive Han­d-Habung schärft grundsätzlich den ehr­fürchtigen Sinn des Volkes Gottes für das Allerheiligste.

Es ist das große Verdienst des Münchner Kurats Wilhelm Schallinger, dass er mit seinem Buch in leicht ver­ständlicher Sprache und dokumentarisch vielfältig belegt eine entscheidende, auf breiter Basis dis­kussionswürdige Ursache für die Erosion der deutschen Kirche nach dem Zweiten Vatikanum ins Be­wusstsein hebt, die viele nicht (mehr) auf dem „Schirm“ haben.

Sein mutiges Glaubenszeugnis des Wi­derstands gegen den inner­kirchlichen Zeitgeist und dessen mächtige Repräsentanten, sein geduldiges, auf Gott vertrauendes Verharren in der Wahrheit, seine persönlichen Opfer, insbesondere der Verzicht auf eine „Karriere“ als Preis für den unbe­irrbar durchgehaltenen Gewissensentscheid, fordern zu Hoch­achtung, Dank und Unterstützung seiner „Sache“ heraus: nach je eigenem Vermögen und Platz in der Kirche die Praxis der Handkommunion einzudämmen, um schließlich die vollständige Rückkehr zur Mundkommunion zu erwirken.

Unser Autor Thomas May ist katholischer Religionspädagoge und lebt in Sendenhorst (Münsterland).  –  Erstveröffentlichung dieses Beitrags in der Zeitschrift „Theologisches“ (Nr. 1 – 2/2018)


Bischof Algermissen: Die „Sterbehilfe“-Debatte zeigt, wes Geistes Kinder wir sind

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Die folgende Stellungnahme von Bischof Heinz Josef Algermissen, dem Oberhirten des Bistums Fulda, veröffentlichen wir mit seiner freundlichen Genehmigung:

Die Diskussion um die Beihilfe zum Suizid hat uns die letzten Monate begleitet und wird sich wohl in diesem Jahr zuspitzen, zumal Gerichtsurteile und politische wie ethische

Foto Leupolt – Bistum Fulda

Aussagen bestimmte Vorverständnisse bis hin zur Ideologisierung vermuten lassen.

Der Diskussionsprozess im Kontext dieses Problems berührt höchst bedeutsame existentielle Fragen des menschlichen Lebens. Es wäre ein Unding, würden wir sie an Politiker und Parteien abgeben. Ganz im Gegenteil ist es notwendig, vom christlichen Glauben her Orientierung und Position zu finden, denn das Sterben ist die letzte große Lebensaufgabe, die der Mensch zu bewältigen hat.

Im Grundsätzlichen einmütig haben sich Vertreter beider großer Kirchen in der Debatte engagiert zu Wort gemeldet. Ihre Position lässt sich auf eine einfache Formel bringen: Jede Hilfe beim Sterben, keine Hilfe zum Sterben.

Das allgemein eingeforderte Sterben in Würde kann doch nur bedeuten, Art und Weise des Sterbens würdevoll zu gestalten. Entsprechend erfreulich ist der in den letzten Jahren zunehmend allgemeine politische Konsens, den palliativ-medizinischen Bereich in Deutschland entschieden ausbauen zu wollen und dadurch die helfende Zuwendung zum schwerkranken und sterbenden Menschen zu fördern.

Vor allem misstraut die katholische Kirche dem offenbar weit verbreiteten Wunsch nach einem selbstbestimmten Sterben, dem Wunsch, über den Zeitpunkt des eigenen Todes entscheiden zu können. Einfache Appelle wie „mein Tod gehört mir“ oder „Selbstbestimmung bis zuletzt“ sind plakativ und helfen nicht weiter.

Dahinter steckt oft nicht nur die Angst vor einem schmerzvollen, womöglich von der Intensivmedizin sinnlos hinausgezögerten Sterbeprozess. Stimmen aus Theologie und Kirche beklagen, dass hinter diesem Wunsch häufig auch ein falsches Autonomieverständnis steht, demnach man um jeden Preis verhindern möchte, anderen zur Last zu fallen, von anderen in der Endphase seines Lebens abhängig zu werden. 

Weil das Leben indes ein Geschenk Gottes ist, hat kein Mensch das Recht, über seinen eigenen Tod zu verfügen. Das von Gott geschenkte Leben lässt sich nicht einfach zurückgeben.

BILD: Bischof Algermissen auf dem Kongreß „Freude am Glauben“ vor unserem Infostand im Gespräch  (Foto: Felizitas Küble)

Das geschenkte Leben bis zu seinem Ende zu leben und auch das Sterben zu leben, ist vielmehr Ausdruck der wahren Selbstbestimmung des Menschen. Und so kann es der „Katechismus der Katholischen Kirche“ (in Nr. 2277) auf den Punkt bringen:

„Eine Handlung oder eine Unterlassung, die von sich aus oder der Absicht nach den Tod herbeiführt, um dem Schmerz ein Ende zu machen, ist ein Mord, ein schweres Vergehen gegen die Menschenwürde und gegen die Achtung, die man dem lebendigen Gott, dem Schöpfer, schuldet.“

Tatsächlich gibt es ethische Grundeinstellungen, die für die katholische Kirche nicht verhandelbar sind und niemals sein werden. Andernfalls würde sie dem „Evangelium des Lebens“ untreu.

In Diskussionen höre ich mitunter den Einwand, durch Gesetze, Normen und Weisungen werde der Mensch von außen gelenkt und fremdbestimmt. Das Gegenteil ist der Fall. Denn der Mensch hat seine einzigartige Würde, die unser Grundgesetz „unantastbar“ nennt, weil er Abbild Gottes ist. Nur in lebendiger Beziehung zu seinem Urbild vermag sich das Abbild wirklich zu entfalten, kommt das Gewissen zu seiner vollen Würde und Bedeutung.

Das Gesetz im Inneren des Gewissens, von dem das Zweite Vatikanische Konzil spricht, wird durch die Stimme Gottes nicht verfremdet, sondern entfaltet und gedeutet.

Als Christinnen und Christen sind wir dazu berufen, Zeuginnen und Zeugen Jesu Christi zu sein, der sich als „Weg, Wahrheit und Leben“ (Joh 14, 6) mitgeteilt hat. Es ist unsere Berufung, den Menschen zu helfen, sich Gott zu öffnen, seinen Ruf zu vernehmen und seiner Botschaft zu folgen. Damit wir dieser Berufung gerecht werden können, bedürfen wir zunächst selbst der Stärkung und Schärfung unseres eigenen Gewissens, auf dass wir uns im Diskurs dieser Gesellschaft deutlich und eindeutig verhalten sowie helfende Zuwendung anbieten.

Und wir brauchen viele katholische Christinnen und Christen, die sich in der Politik engagieren und ihre Grundüberzeugung in die Debatten einbringen, profiliert, klar und unmissverständlich.

In der andauernden Auseinandersetzung über die „Sterbehilfe“ können wir zeigen, welch Geistes Kinder wir sind.


Antwort an die CDU-Politikerin Benning zu ihrer Erklärung pro „Ehe für alle“

Sybille Benning (siehe Foto: Wahlplakat) ist CDU-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Münster; sie gehört zur Minderheit jener Unions-Parlamentarier, die zugunsten der Homo-Ehe bzw. sog. „Ehe für alle“ abstimmten, was dem CDU-Parteiprogramm widerspricht.

Freilich gibt es in unserem Land kein „imperatives Mandat“: Das heißt, daß der Abgeordnete laut GG „allein seinem Gewissen verantwortlich“ ist und nicht den Beschlüssen seiner Partei unterworfen  – und das ist sicherlich grundsätzlich auch gut so.

Diese rein formale Ebene beantwortet aber nicht die inhaltliche Frage, wie Vertreter einer Partei mit dem hohen „C“ ihr Einverständnis mit der rotgrünen Forderung nach Einführung der Homo-Ehe begründen. Ganz abgesehen von den verfassungsrechtlichen Bedenken, denn das Grundgesetz (GG) bekennt sich in Art. 6 zum besonderen Schutz von Ehe und Familie –  was sich selbstverständlich auf die klassische Ehe von Mann und Frau bezieht.

Frau Benning hat ihr  –  von der Parteilinie abweichendes  –  Abstimmungsverhalten mit einer öffentlichen „Erklärung“ vom 30. Juni 2017 erläutert: http://sybille-benning.strehse.eu/files/blog/150/attachments/Persoliche_Erklarung__Offnung_der_staatlichen_Ehe_59576aa4e42c1.pdf

Der katholische Religionspädagoge Thomas May (siehe Foto) reagierte auf diese Stellungnahme mit einem kritischen Brief an die CDU-Abgeordnete. Frau Benning hat bislang auf sein Schreiben nicht reagiert. Wir veröffentlichen hier den vollständigen Brief unseres Gastautors aus Münster: 

Sehr geehrte Frau Benning,

leider haben Sie bei der Abstimmung des Deutschen Bundestages über den Gesetzentwurf zur „Ehe für alle“ am 30. Juni mit Ja votiert und damit ein für das Gemeinwohl schädliches Vorhaben mit weitreichenden Folgen befördert, obwohl zahlreiche Bürger – wie auch ich – mit persönlichen Zu­schriften Sie von diesem Schritt abzuhalten versucht haben.

In Ihrer „Persönlichen Erklärung zum Entwurf eines Gesetzes zur Einführung des Rechts auf Ehe­schließung für Personen gleichen Geschlechts“ vom 30. Juni haben Sie Ihre Entscheidung zu recht­fertigen versucht und „Respekt“ für sie eingefordert.

Weder überzeugt Ersteres  –  noch verdient sie Letzteres.

Im Gegenteil: Begründung und Argumentation sind auf ganzer Linie missraten, sodass man gar nicht weiß, wo zuerst zu einer Entgegnung ansetzen. Erschwe­rend treten Mängel grundsätzlicher Art zutage, vor allem wenn Sie Ihre Religionszuge­hörigkeit ins Spiel bringen. Ich be­schränke mich auf die markantesten Punkte.

Erstens: Ihr Unverständnis der zivilen Ehe

Sie unterscheiden – im Ansatz zutreffend – zwischen Ehe (von Mann und Frau) als Sakrament und zivi­ler Ehe (gemäß Grundgesetz). Während jene auch nach der Entscheidung des Bundestages für Sie zweifelsfrei fortbestehe – es ist wirklich rührend, dass Sie ein Sakrament der katholischen Kir­che nicht in Frage stellen, das überhaupt nicht zur Debatte stand und über das zu befinden Ihnen gar nicht zusteht – , halten Sie es für nicht vertretbar, „dieses katholische Verständnis von Ehe gesetzlich für alle vor[zu]schreiben“. Man muss kurz innehalten, um Ihre pseudotolerant verpackte Themaver­fehlung zu begreifen, die Ihnen als Parlamentarierin ein schlechtes Zeugnis aus­stellt.

Offenkundig haben Sie ein Problem mit der Begrifflichkeit. Bei der zivilen Eheschlie­ßung ist es noch nie darum gegangen, den ehewilligen Partnern das katholische Eheverständnis von Mann und Frau vorzuschreiben. Genau deshalb wird ja zwischen ziviler und kirchlicher Eheschlie­ßung unter­schieden.

Auch dem Begriff der zivilen Ehe ist die Ausschließlichkeit der Verbindung von Mann und Frau seit jeher eigen, sie ist vor- und überkonfessionell, wie die vielhundertjährige Ge­schichte aller großen Kulturen der Welt –  auch nichtchristlicher – bezeugt. Der Ehe an sich ist von Natur, vom Wesen her die Zweigeschlechtlichkeit „eingeschrieben“.

Deshalb haben auch der deutsche Gesetzgeber und die deutsche Rechtsprechung die zivile Ehe im­mer als ausschließliche Verbindung von Mann und Frau behandelt  – und für die Väter und Mütter des Grundgesetzes lag das abenteuerliche Konstrukt einer gleichgeschlechtlichen „Ehe“ so außerhalb je­der Vorstellbarkeit, dass sie eine Definition der zivilen Ehe als ausschließliche Verbindung von Mann und Frau nicht für notwendig erachteten.

In diesem Sinn versteht das Bundesverfassungsge­richt die zivile Ehe bis heute; im Urteil des Ersten Senats vom 17. Juli 2002 heißt es: „Allerdings kann die [zivile] Ehe nur mit einem Partner des jeweils an­deren Geschlechts geschlossen werden, da ihr als Wesensmerkmal die Verschiedengeschlechtlichkeit der Partner inne­wohnt“. Ich hoffe, dass hiermit das korrekte Verständ­nis der zivilen Ehe sichergestellt ist.

Zweitens: Ihre irreführende Fokussierung auf „Verantwortung“

„Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung“ (Art 6 GG), sind also rechtlich privilegiert. Ihre Beschränkung auf einen Mann, eine Frau und nach Möglichkeit leib­liche Kinder ist der Erkenntnis geschuldet, dass in dieser Verbindung (als Familie) gezeugte Kinder am ehesten beschützt aufwachsen und dem Staat an einer Förderung des Nachwuchses zu seinem Selbsterhalt gelegen sein muss.

Sie fokussieren jedoch anhand des Eherechts auf den „Grundgedanke[n] dauerhafter Verantwortung füreinander“, der sich Ihrer Meinung nach „auch auf gleichgeschlechtliche Paare anwenden“ lasse.  Dauerhafte Verantwortung füreinander konstituiert aber noch keine Ehe. 

Vielmehr ist dieses Kriteri­um zu deren Begriffsbestimmung unzureichend, sogar gefährlich, wenn man es konsequent entfal­tet. Sei­ne Untauglichkeit erhellt der daraus folgende Satz: „Ehe ist da, wo dauerhafte Verantwortung für­einander übernommen wird“ (ähnlich dem ebenfalls zu kurz gedachten Satz: „Familie ist da, wo Kinder sind“).

Erst die Zweigeschlechtlichkeit der Partner, welche die Realisierung des Fortpflan-zungsauftrags auf natürlichem Wege ermöglicht, macht die Ehe zur Ehe. Nicht unerheblich kommt es mit dem im Bundestag verabschiedeten Gesetz zu einer schädlichen Erweiterung des bis­her gel­tenden Ehebegriffs, die Sie mit Ihrem Votum mitzuverantworten haben.

Drittens: Ihre widersinnige Schlussfolgerung

Sachlich korrekt verweisen Sie darauf, dass „die rechtlichen Regelungen von Ehe und Lebenspart­nerschaft aneinander bereits angeglichen“ sind. Daraus ziehen Sie den Schluss, dass es „keinen Grund [gibt], diese Beziehung anders zu nennen“, also auch die Lebenspartnerschaft als Ehe zu be­zeichnen. Das ist völlig unlogisch.

Die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts war – nicht zuletzt um der gesellschaftlichen Befriedung willen – in der Vergangenheit darum bemüht, einerseits den besonderen Charakter und Schutz der Ehe und Familie zu gewährleisten, anderseits aber gleichgeschlechtliche Partner zu ge­setzlich geregelten Rechten kommen zu lassen.

Dieser Maxime diente die begriffliche Unterschei­dung von verschiedengeschlechtlicher Ehe und dem neu eingeführten Rechtsinstitut der gleichge­schlechtlichen Lebenspartnerschaft. In dem erwähnten Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 17. Juli 2002 heißt es: „Gleichgeschlechtlichen Paaren bleibt auch nach dem LPartDisBG die Ehe ver­schlossen. Ihnen wird für eine dauerhafte Bindung als Rechtsinstitut allein die eingetragene Le­benspartnerschaft eröffnet“.

Nachdem nun, wie Sie sagen, „in der materiellen Ausgestaltung der bisherigen eingetragenen Le­benspartnerschaft keinerlei Unterschied zur zivilen (!) Ehe mehr besteht“, also weitestgehende Rechtsgleichheit hergestellt ist, gibt es überhaupt keine Notwendigkeit (mehr), auch noch den Na­men zu ändern (abgesehen davon, dass dies aufgrund einander ausschließender Wesensmerkmale unmöglich ist, ebenso wenig wie man „Stuhl“ in „Tisch“ umbenennen kann) – es hat sich er­übrigt.

Spätestens an diesem Punkt hätten Sie stutzig werden müssen. Was soll die „Ehe für alle“ denn nun bezwecken? Rechtliche Gleichstellung oder doch mehr?

Hier enthüllt sich der ideologische Kern: Es geht letztlich nicht, zumindest nicht erschöpfend, um rechtliche Angleichung, son­dern darum, den klassischen Ehebegriff zu „kapern“ – mit weitreichenden Ab­sichten und Fol­gen.

Sie schwadronieren vom „konservativen Wert“ dauerhafter Verantwortung und merken gar nicht, wie Sie sich zur „nützlichen Idiotin“, zur Erfüllungsgehilfin der neomarxistischen Gender-Agenda machen lassen, deren erklärtes Ziel es (unter anderem) ist, die traditionelle bürgerliche Ehe und Fa­milie zu untergraben und abzuschaffen.

Zu den Gender-Strategien gehört die „Dekonstruktion“ der „Zwangsheteronor­mativität“, und mit der soeben beschlossenen Erweiterung des Ehebegriffs im Sinne der „sexuellen Vielfalt“ gelingt sie vortrefflich. Ideologisch umdefinierte Begriffe, eine neue, die Wirklichkeit verfälschende Sprache, ein neues, deformiertes Bewusstsein, eine neue, Glo­bal-Governance-gesteuerte totalitäre Gesellschaft, in der alle „binären Relationen“ ausgelöscht sind – die Mitwirkung an dieser Agenda macht Ihr Votum zugunsten der „Ehe für alle“ besonders bit­ter und ver­werflich.

Und natür­lich wird – entgegen Ihrer Behauptung – mit dem neu installierten Ehe­begriff der „besondere Schutz von Ehe und Familie gemäß Artikel 6 des Grundgesetzes“ relati­viert und die eheliche Insti­tution herabgewürdigt.

Viertens: Ihre Missachtung des Katholischen

„Für mich als Katholikin…“ – an dieser Stelle Ihrer „Persönlichen Erklärung“ muss man tief durch­atmen. Sie haben tatsächlich die Dreistigkeit, sogar Ihre katholische Konfessionszugehörigkeit in die Waagschale zu werfen. Dabei kommt man nicht umhin, Ihnen beträchtliche Unkenntnis der Glau­bensgrundlagen und Prinzipien Ihrer Religion zu bescheinigen.

Es hilft nicht, wenn Sie sich auf die „christliche Ehe“ als „Sakrament“ beschränken wollen und die zivile Ehe für die Homo-Erweiterung preisgeben. Sakramentale Ehe und profane bzw. zivile Ehe sind aufeinander bezogen.

„Es gibt nach katholischem Verständnis neben der sakramentalen Ehe auch die Naturehe. Die christliche Ehe setzt sie voraus und baut auf ihr auf. Auch sie wird zwischen Mann und Frau in der Offenheit auf Nachwuchs geschlossen… Katholiken können deshalb die na­türliche Ehe nicht aufgeben und sich auf das Sakrament zurückziehen, weil sie damit auch letzteres beschädigen würden“ (Oliver Maksan in der „Deutschen Tagespost“ vom 30. Juni). Damit bricht Ihre Argumentation zusammen.

Eine „Homo-Ehe“ liegt außerhalb ka­tholischer Vorstellung. Papst Fran­ziskus betont in seinem Nachapostolischen Schreiben „Amoris laetitia“, dass es „keiner­lei Funda­ment dafür [gibt], zwi­schen den homosexu­ellen Lebensgemein­schaften und dem Plan Got­tes über Ehe und Familie Analo­gien herzustellen“ (Nr. 251).

Nach katholischem Verständnis ist die Ehe heilig, während gleichge­schlechtliche Beziehungen dem natürlichen Sittengesetz widersprechen und sich auf das soziale Ge­füge nachteilig auswirken. Homosexuelle Handlungen „entspringen nicht ei­ner wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu bil­ligen“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2357).

Daher ist ein wie auch immer bemühtes „katholisches“ Votum zugunsten der „Ehe für alle“ ausgeschlossen. Auch kön­nen Sie sich nicht eben mal von Ih­rer katho­lischen Kon­fession ver­abschieden, im Bundestag für die „Ehe für alle“ stim­men  –  und hinterher sind Sie wieder katholisch.

Sofern Sie nicht nur nominell katholisch sein wollen, ist es Ih­nen prinzi­piell auferlegt, in jeder Si­tuation, bei jeder Entscheidung katholisch zu sein. Ka­tholischsein ist un­teilbar. Dass Sie mit Ihrer Sicht zu allen Verlautbarungen der in der ka­tholischen Kirche maßgeblich Ver­antwortlichen (Papst, Bischöfe, Prä­sident des ZdK…) im Gegensatz ste­hen, unterstreicht die Untrag­barkeit Ihres ka­tholisch nicht zu rechtfertigenden Abstimmungsverhalt­ens.

Fünftens: Die sittliche Verwerflichkeit Ihres Votums

Ihre antikatholische Fehlentscheidung hat sittliche Relevanz. Dies scheint Ihnen nicht bewusst zu sein: Die katholische Kirche legt Politikern für ihre parlamentarische Arbeit verbindliche Maß­stäbe vor. Im Fall der rechtlichen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften bzw. der Homo-Ehe hat sich der Präfekt der Glau­benskongregation, Joseph Kardinal Ratzinger, schon 2003 sehr präzi­se geäußert:

„Die rechtliche Anerken­nung homosexueller Lebensgemeinschaften oder de­ren Gleichsetzung mit der Ehe würde bedeuten, nicht nur ein abwegiges Verhalten zu billigen und zu ei­nem Modell in der gegenwärtigen Gesell­schaft zu machen, sondern auch grundlegende Werte zu verdunkeln, die zum gemeinsamen Erbe der Menschheit gehören. Die Kirche kann nicht anders, als diese Werte zu verteidigen, für das Wohl der Menschen und der ganzen Gesellschaft“  (Quelle: „Erwä­gungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Aner­kennung der Lebensgemeinschaften zwischen ho­mosexuellen Personen“, Nr. 11).

Daher verlangt der Glaubenspräfekt vom „ka­tholischen Politiker“ ein hohes Maß an Verant­wortung:

„Wird der gesetzgebenden Versammlung … ein Gesetzentwurf zu Gunsten der rechtlichen Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaf­ten vorgelegt, hat der katholische Parlamentarier die sittliche Pflicht, klar und öffentlich seinen Wi­derspruch zu äußern und gegen den Gesetzentwurf zu votieren. Die eigene Stimme einem für das Ge­meinwohl der Gesellschaft so schädlichen Geset­zestext zu geben, ist eine schwerwiegend unsitt­liche Handlung“ (ebenda Nr. 10).

Diese Bewertung gilt umso mehr für die Zu­stimmung zu einem Gesetzentwurf, der die Homo-Ehe mit der Ehe gleichstellt. Ihr Votum zu­gunsten der „Ehe für alle“ am 30. Juni ist daher als schwer­wiegend unsittlich anzusehen.

Dies erklärt auch, warum ich Ihrer Entscheidung keinen Respekt entgegenbringen kann, sondern sie scharf missbillige. Für einen Katholiken gibt es keinen Respekt vor Unsittlichkeit und Sünde. Auf Ihr Gewissen können Sie sich nicht berufen, selbst wenn, wie Sie geltend zu machen versuchen, „die Entscheidung ausdrücklich als Gewissensentscheidung anerkannt ist“.

Wer soll diese Entschei­dung als „Gewissensentscheidung“ anerkannt haben? Ausdrücklich? Mit welcher Befugnis für wen? Abgesehen davon, dass bei dieser Abstimmung vielfach eher eine (auf Leugnung des Essentialis­mus und einer positivistisch verengten Weltanschauung beruhende) intellektuelle Fehl­leistung vor­liegt (die ins Kapitel „Postmoderne Geistesverirrungen“ gehört), ist das Gewissen nach katholi­schem Verständnis keineswegs das Organ der Selbstbestimmung des Einzelnen, die keiner äu­ßeren Norm unterliegt, wie Sie fälschlich anzunehmen scheinen.

Der Gewissensentscheid des katholi­schen Christen ist an das (schon erwähnte) Sittengesetz gebunden; im Sittengesetz findet das Ge­wissen die Norm für sein Handeln, aber es erfindet sie nicht.

Da die Zweigeschlechtlichkeit des Menschen für die Vernunft erkennbar in der Schöpfungsordnung grundgelegt ist und aus­schließlich Mann und Frau, als Abbild Gottes, bipolar und komplementär als „ein Fleisch“ auf die Ehe hinge­ordnet sind, kann es für Katholi­ken keine legitime konträre „Gewissensentscheidung“ geben, wel­che gleichge­schlechtlichen Bezie­hungen den Status der Ehe zuspricht.

Aufgrund Ihres Votums zugunsten der „Ehe für alle“ sind Sie für mich keine wählbare Wahlkreis­kandidatin bei der Bundestagswahl im September. Dies sehen zahlreiche Gläubige in den katholi­schen Pfarrgemeinden Münsters ebenso. Nach der Devise „Keine katholische Stimme für Sybille Benning!“ werde ich mit ihnen zusammen an der „Basis“ Überzeugungsarbeit leisten.

Bei der Ehe geht es schließ­lich um „Eingemachtes“. Wir wollen geistig wache, charakterfeste Abgeordnete im Deutschen Bun­destag, die in ihrem Reden und Handeln als glaubenskonforme Katholiken wahr­nehmbar sind. Da­bei ist es unerheblich, ob Ihre politischen Hauptkonkurrenten, die wir für noch un­geeigneter halten, einen Vorteil daraus ziehen oder nicht. Eine Alternative gibt es immer.

Wie die Auseinandersetzung um die „Ehe für alle“ künftig vor dem Bundesverfassungsgericht und/oder im Deutschen Bundestag auch weitergehen mag – mit Joseph Kardinal Ratzinger tei­len wir die Zuversicht:

„Keine Ideologie kann dem menschlichen Geist die Gewissheit nehmen, dass es eine Ehe nur zwischen zwei Personen verschiedenen Geschlechts gibt, die durch die gegen­seitige personale Hingabe, die ihnen eigen und ausschließlich ist, nach der Gemeinschaft ihrer Per­sonen streben“ (ebenda Nr. 2).

Mit freundlichen Grüßen
Thomas May


Dannenberg: Chefarzt-Beschluß gegen Abtreibung verdient höchste Anerkennung

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Mechthild Löhr, Bundesvorsitzende der Christdemokraten für das Leben (CDL), erklärt zur Ablehnung von Abtreibungen durch den Chefarzt Thomas Börner in der Capio-Elbe-Jeetzel-Klinick, Dannenberg: baby_hand_abtreibg_cdl11_a4357ad790
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„Mit seiner Entscheidung, keine Abtreibungen mehr durchzuführen, hat Chefarzt Thomas Börner gezeigt, daß er sich als Arzt und Christ ernsthaft seinem Gewissen und dem hippokratischen Eid verpflichtet sieht und das tatsächlich brutale Geschehen der Abtreibung eines lebensfähigen Kindes nicht als normale „Gesundheitsdienstleistung“ anerkennen kann.
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Das Recht auf Leben ist das zentrale Grundrecht unserer Rechtsordnung, das allen anderen Menschenrechten voran steht. Eine Abtreibung bedeutet immer, daß dieses Recht mißachtet und ein menschliches Leben aktiv und willentlich beendet wird.
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Jeder Rechtsstaat ist daran zu messen, wie sehr er sich für den Schutz jedes menschlichen Lebens wirklich einsetzt.
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Wenn heute mindestens jede sechste Schwangerschaft mit einer Abtreibung beendet wird, zeigt dies überdeutlich, daß hier gesellschaftlich und politisch sehr dringender Handlungsbedarf besteht. Medizin und Kliniken sollten grundsätzlich dem Lebenserhalt verpflichtet sein und nicht der Tötung Ungeborener.
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Wer als Schwangere zur Geburtsvorbereitung eine gynäkologische Klinik aufsucht, sollte wissen, ob im Nachbarzimmer vielleicht parallel abgetrieben wird. Es bleibt ein Skandal, wenn diese Abtreibungen in aller Regel auch noch von der Krankenkasse, d.h. von den Beiträgen aller Versicherten bzw. später von allen Steuerzahlern unfreiwillig bezahlt werden. Leben.usa
Unsere Rechtsordnung kennt kein angebliches „Recht auf Abtreibung“, auch wenn inzwischen, angesichts der Gleichgültigkeit des Gesetzgebers und der Gesellschaft, gegenüber den bleibend hohen Abtreibungszahlen dieser Eindruck vorzuherrschen scheint. Aktuelle Umfragen (INSA 10/2016) zeigen aber, daß immerhin mehr als 40 Prozent aller Bürger Abtreibungen grundsätzlich ablehnen.
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Eine Abtreibung bleibt rechtlich eine unter bestimmten Bedingungen geduldete Straftat. Als Christdemokraten für das Leben (CDL) danken wir daher sowohl dem Chefarzt als auch dem Klinikchef Markus Fröhling, daß sie sich in ihrer Klinik dem Wohl der Frauen und Mütter und nicht der Beendigung des Lebens der Ungeborenen verpflichtet sehen.
 
Viele Frauen besuchen, wie internationale Untersuchungen zeigen, zudem den Ort einer Abtreibung und die entsprechende Praxis oder Klinik danach nicht wieder, weil dies sie psychisch zu sehr belastet. Auch darin ist erkennbar, daß Abtreibungen zwar „Alltag“ geworden sind, dennoch ein Tötungstabu für die Beteiligten nicht ohne Folgen überschritten wird.
Ärzten, Hebammen und Kliniken, die aus christlichen oder anderen Motiven heraus die aktive Durchführung von Abtreibungen ablehnen, verdienen höchsten Respekt und Anerkennung, denn sie zeigen, daß sie sich wirklich unerschrocken und selbstlos für das Leben jedes Menschen glaubwürdig einsetzen wollen. Hoffentlich findet dieses positive Beispiel viele weitere entschiedene Nachahmer!“
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Zur weiteren Info: http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/dannenberg-capio-konzern-widerruft-chefarzt-anordnung-zu-abtreibungen-a-1133581.html
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Christdemokraten für das Leben e.V., Kantstr. 18 in 48356 Nordwalde
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