Kardinal Müller: JA zum Kreuz im Staat

Wie der Bayerische Rundfunk und die „Frankenpost“ heute melden, hat sich Kardinal Gerhard Müller eindeutig für die Kreuz-Initiative des bayerischen Ministerpräsidenten ausgesprochen.

Damit widerspricht der frühere Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregationr zugleich Kardinal Reinhard Marx, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz.

Dessen Kritik am Kreuz-Entscheid des Freistaats Bayern hat nicht allein bei katholischen Gläubigen, sondern vielfach auch im evangelischen Spektrum für Verwunderung gesorgt, besonders in evangelikalen Kreisen.

Kardinal Müller hingegen erklärte, das Kreuz symbolisiere die christlichen Grundlagen Bayerns und Deutschlands. Darauf könnten sich alle Menschen einigen, die hierher kommen. Das sagte der ehemalige Regensburger Bischof am heutigen Freitag in Rom gegenüber dem Bayerischen Rundfunk.

Er fügte hinzu: „Egal, von wem diese Initiative kommt: Ich kann sie eigentlich nur unterstützten. Also mir sind die Politiker lieber, die die Kreuze aufhängen, als diejenigen, die Kreuze abhängen.“

Außerdem erklärte der Kirchenmann: „Ich möchte mich natürlich nicht in die Diskussion einmischen. Manche sagen, das habe politische Gründe. Das ist ja zunächst noch nichts Schlechtes.“

Foto: Bistum Regensburg

 

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Kirchenskandal in Münster: Bischöfliche Unklarheiten um Segnung einer „Homo-Ehe“

In der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift „Theologisches“ (Nr. 1-2/2018) erschien ein Artikel von Felizitas Küble (siehe Foto), der besonders aktuell ist angesichts der kürzlichen Vorschläge von Bischof Bode (Osnabrück) und Erzbischof Marx (München), in der katholischen Kirche eine Segnung von homosexuellen Paaren generell oder in Einzelfällen einzuführen.

Wir veröffentlichen den Text aus dem „Theologischen“, der sich mit ähnlichen Vorgängen im Bistum Münster befaßt, hier in voller Länge:

Seit dem 1. Oktober 2017 ist in der Bundesrepublik Deutschland die sogenannte „Ehe für alle“ staatlich eingeführt. Damit können bislang schon gesetzlich eingetragene „gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften“ der Ehe zwischen Mann und Frau komplett gleichgestellt werden  –  samt einem uneingeschränkten Adoptionsrecht inklusive.

Das klassische Alleinstellungsmerkmal der herkömmlichen Ehe wird auf diese Weise erstmalig  in der Geschichte der Menschheit von staatlicher Seite her zerstört und damit zugleich die tragenden Fundamente der traditionellen Familie untergraben. Es handelt sich hierbei um einen geradezu irrwitzigen Aufstand gegen die Gesetze der Natur und gegen die Schöpfungsordnung Gottes, welche die menschliche Sexualität mit dem Sinngehalt gegenseitiger Ergänzung und mit der Fortpflanzung verbindet.

Infolge dieser rasanten Entwicklung wächst der Druck auf die Christenheit nach einer Segnung oder gar kirchlichen „Trauung“ homosexueller Beziehungen. In den meisten evangelischen Landeskirchen in Deutschland (nämlich in 16 von 20) wird eine öffentliche Segensfeier erlaubt, in einigen Landeskirchen der EKD ist sogar eine „Eheschließung“ möglich.

Die evangelikalen, also theologisch konservativen Strömungen im Protestantismus lehnen derartige Zeremonien durchweg ab, darunter auch die weltweite Evangelische Allianz. Neben der katholischen Kirche sprechen sich auch die orthodoxen und altorientalischen Konfessionen gegen eine Segnung oder gar Trauung gleichgeschlechtlicher Beziehungen aus.

Als im Jahre 2008 eine kirchliche Segensfeier für eine eingetragene homosexuelle Partnerschaft im Wetzlarer Dom stattfand, wurde der betreffende Priester durch den damaligen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst von seinem Amt als Bezirksdekan abberufen.

Während sich entsprechend der vatikanischen Linie sowohl die Deutsche wie die Schweizer Bischofskonferenz gegen eine Segnung lesbischer oder schwuler Lebensgemeinschaften wendet, fordert das Laiengremium „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ im Mai 2015 die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare  – und dies sogar in einem einstimmigen Beschluss.

Eine derartige Entschließung wirkt von katholischer Seite her noch absonderlicher als von protestantischer, weil die Ehe unter Getauften in der Kirche Christi seit jeher als heiliges Sakrament gewürdigt wird, so dass die Ehe nicht „nur“ zur Schöpfungsordnung Gottes gehört, sondern sogar Bestandteil der Heils- und Erlösungsordnung ist.

Daher sind kirchliche Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare katholischerseits grundsätzlich nicht gestattet.

Umso mehr reibt man sich die Augen, was die Internet-Ausgabe der „Rheinischen Post“ (RP-online) zu berichten weiß. Schon der Titel des Artikels vom 16. September 2017 klingt äußerst gewöhnungsbedürftig: „Emmericher Bürgermeister heiratet  – Männer-Paar feiert Vermählung in Kirche.“ – Und zwar wohlgemerkt in einem katholischen Gotteshaus – genauer: in der Kirche St. Johannes im kleinen Deichdörfchen Bislich, die zur Pfarrgemeinde St. Nikolaus in Wesel gehört.

Selbst die „Rheinische Post“ wundert sich – und das will etwas heißen: „Schon in der Stadt wäre solch ein Gottesdienst ungewöhnlich – auf dem Dorf ist er es erst recht.“

Der Bericht von Sebastian Peters bemerkt einleitend:

„Der Emmericher Bürgermeister Peter Hinze (SPD) heiratet seinen Lebensgefährten Hubertus Pooth aus Wesel-Bislich. Auch in der katholischen Kirche Bislich wird gefeiert. Pfarrer Sühling will „um den Segen Gottes für Menschen bitten, die in Beziehungen leben“.“

Auch wenn jene geplante Segensfeier im Rahmen eines Wortgottesdienstes laut Aussagen von Pfarrer Stefan Sühling selbstverständlich keine gültige bzw. sakramentale „Vermählung“ darstelle, so ist auch eine amtliche Segenshandlung für gleichgeschlechtliche Partner – mögen sie nun zivil „verheiratet“ sein oder nicht –  ein schwerwiegender Verstoß gegen das biblische und moraltheologische Nein zu  gleichgeschlechtlichen Handlungen bzw. entsprechenden sexuellen Beziehungen.

Darüber hinaus ist ein solches Vorgehen auch pastoral unverantwortlich, denn es sorgt für Ärgernis unter Gläubigen, stiftet Verwirrung und begünstigt die verirrte Ansicht, wonach die sog. „Ehe für alle“ eigentlich eine gute oder zumindest akzeptable Angelegenheit sei, die einen kirchlichen Segen wohl verdiene.

Diese ohnehin schon skandalöse Causa erhält dadurch noch eine besondere „Spitze“, dass es sich bei dem betreffenden Geistlichen Stefan Sühling um einen Domkapitular des Bistums Münster handelt:

Dieser Priester war zunächst ab 2004 Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Generalvikariat von Bischof Dr. Felix Genn (siehe Foto).

Ab 2010 kam er als Pfarrer nach Wesel. Im selben Jahr wurde er vom Münsteraner Oberhirten zum nichtresidierenden Domkapitular am Hohen Dom zu Münster ernannt und damit besonders gewürdigt.

Mit anderen Worten: Pfarrer Sühling war und ist ein hochrangiger Würdenträger und gehört als Domkapitular zur obersten kirchlichen Elite des Bistums.

Nachdem der erwähnte Zeitungsbericht sowie WDR-Sendungen und mehrfache „grelle“ Artikel in der BILD-Zeitung in katholischen Kreisen für Unruhe sorgten und z.B. auf diversen Internetseiten zu Protesten führte, zog die Bistumsleitung in Münster gleichsam die Notbremse.

Bischof Dr. Felix Genn untersagte die geplante Segensfeier, wobei Bistumssprecher Stephan Kronenburg gegenüber dem evangelischen epd-Pressedienst zeitgeistbeflissen erklärte: „Es geht dem Bistum nicht darum, eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft herabzuwürdigen.“

Es sei aber in der Öffentlichkeit der Eindruck aufgekommen, als werde eine „homosexuelle Hochzeit“ gefeiert. Im bischöflichen Ordinariat habe es kritische Anfragen dazu gegeben. Das Bistum wolle verdeutlichen, dass es „einen Unterschied“ zwischen dem Ehe-Sakrament und einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft gebe.

Der Bischof von Münster ist mit dieser Maßnahme immerhin seiner Hirtenpflicht nachgekommen. Die Begründung seines Sprechers wirkt allerdings gewunden und an den Haaren herbeigezogen, zumal von vornherein klar war, dass jene geplante Segnung keine sakramentale Eheschließung sein sollte. Dass dies auf homosexueller Ebene kirchlich ohnehin nicht möglich ist, versteht sich am Rande.

Nicht in erster Linie wegen einer angeblich möglichen „Verwechslungsgefahr“ ist eine Segensfeier für gleichgeschlechtliche Paare unerlaubt, sondern weil praktizierte Homosexualität nicht der göttlichen Schöpfungsordnung entspricht und den Geboten Gottes widerspricht. Dies durch einen kirchlichen Segen zu würdigen, wäre widersinnig.

Nachdem sich der bischöfliche Pressesprecher von Anfang an in diesem Falle nicht eindeutig ausgedrückt hatte, sorgte er einige Tage später für einen weiteren „Knall“:

Laut einem Bericht der „Rheinischen Post“ bzw. RP-online vom 28. September erklärte Kronenberg, der von Pfarrer Sühling geplante Segen für jene homosexuelle Partnerschaft sei an sich völlig korrekt gewesen: „Kronenburg betonte noch einmal, dass Sühling richtig gehandelt habe und die geplante Form für das gleichgeschlechtliche Paar eigentlich angemessen gewesen sei.“

Zudem teilte der Bistumssprecher der Zeitung mit, dass sich „Bischof Felix Genn nach der Berichterstattung dazu gezwungen gesehen habe, den Wortgottesdienst abzusagen“.

Man beachte: Der Oberhirte von Münster sah sich offenbar nicht etwa aufgrund inhaltlicher Gesichtspunkte veranlasst, eine solche Segnung zu unterbinden, sondern lediglich „nach der Berichterstattung“ hierüber. –  Mit anderen Worten: Ohne öffentlichen Druck wäre offenbar kein Verbot erfolgt, glaubt man den Worten des Bischofssprechers. Ein Skandal sondergleichen!

Dies umso mehr, als Bürgermeister Hinze durchaus zu verstehen gab, dass es ihm mit seinem Segenswunsch um ein „politisches“ Signal ging, nicht so sehr um ein religiöses Anliegen. Wollte der SPD-Kommunalpolitiker die Kirche quasi „vorführen“? Falls ja, ist ihm dies leider allzu gut gelungen.

Die „Rheinische Post“ vom 28. September berichtet, er habe den geplanten Wortgottesdienst als „politische Botschaft“ verstanden; sie zitiert ihn zudem wie folgt: „Wenn es nicht möglich ist, Kirche von oben zu ändern, dann ist es ist aber dennoch wichtig, an der Basis ein Zeichen zu setzen, dass wir in anderen Zeiten leben als vor 20 Jahren.“

Dass das bischöfliche Verbot der Segensfeier allein dem wachsenden Druck zu verdanken ist, hat Domkapitular Sühling selber bestätigt. Der vorhin erwähnten Tageszeitung sagte er unumwunden: „Die Öffentlichkeit, die in dieser Sache entstanden ist, hat es mir nicht möglich gemacht, diesen Wortgottesdienst zu begehen. Das bedauere ich.“

Derweil geht die kontroverse Debatte über Emmerich hinaus weiter. Die „Ruhr-Nachrichten“ haben bei einigen Pfarrern in Selm (ebenfalls im Bistum Münster gelegen) nachgefragt und die Ergebnisse am 2. Oktober 2017 in einem Bericht veröffentlicht:

Der katholische Dechant Claus Themann gab sich recht zeitgeistlich: „Würden Paare anfragen, so ist es angemessen mit ihnen über ihren Glauben zu sprechen, ihre Wünsche. Und ich bin mir sicher, dann findet sich auch ein gemeinsamer Weg.“   –  Ähnlich reagierte der evangelische Pfarrer Lothar Sonntag, was wenig erstaunt, zumal protestantische Kirchenleitungen seit langem eine Segnung von Homo-Paaren befürworten.

Pater Gregor Pahl, katholischer Pfarrer in der altehrwürdigen, romanischen Klosterkirche in Cappenberg, zeigt hingegen eine klare, heutzutage schon als mutig einzustufende Haltung: „Ich würde und könnte einer solchen Bitte auch nicht entsprechen.“

Er erinnerte die Zeitung daran, dass die Katholische Bischofskonferenz eine Segnung gleichgeschlechtlicher Partner ablehnt.

Selbst wenn klar sei, dass es sich hierbei nicht um eine eigentliche Eheschließung handle, könne eine Segensfeier zu Verwirrung und Streit unter Gläubigen führen.

Ergänzend sei darauf hingewiesen, dass Kardinal Joseph Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation am 3. Juni 2003 eine Stellungnahme zu gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften abgab. Unter dem Titel „Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen“ wird eine kirchliche Akzeptanz eheähnlicher, gleichgeschlechtlicher Partnerschaften abgelehnt.

Die Gläubigen, besonders katholische Politiker, werden zum Widerstand gegen deren Legalisierung aufgerufen. Die vatikanische Klarstellung führte erwartungsgemäß zu Protesten bei Grünen, SPD und FDP.

Der damalige stellv. CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach wies hingegen darauf hin, dass die katholische Kirche lediglich ihre bisherige Lehre bekräftigt habe; er gehe davon aus, dass „jeder katholische Abgeordnete“ die vatikanischen Worte „bei seiner Entscheidungsfindung berücksichtigen“ werde.

In der Erklärung der Glaubenskongregation wird erläutert, dass die christlich geforderte „Achtung gegenüber homosexuellen Personen in keiner Weise zur Billigung des homosexuellen Verhaltens oder zur rechtlichen Anerkennung der homosexuellen Lebensgemeinschaften“ führen dürfe. Es geht hierbei um eine grundsätzliche Unterscheidung von Person und Sache gemäß dem Leitwort des hl. Augustinus: „Hasse den Irrtum, aber liebe den Irrenden.“

Felizitas Küble aus Münster, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags und des Christoferuswerks, Mail: felizitas.kueble@web.de

 


Karl Lwanga und seine Gefährten als Leitbild für die Treue zu Gottes Geboten

Die Märtyrer widerstanden den sexuellen Forderungen des Königs

Nach der Einführung der der sog. „Ehe für alle“ durch den Dt. Bundestag kommt in unserer Kirche immer mehr die Forderung auf, homosexuelle Partnerschaften auch kirchlich durch eine Segenshandlung anzuerkennen.

Jüngst machte in dieser Hinsicht Bischof Bode von Osnabrück solch einen Vorstoß. Die Frage, die sich dem gläubigen Katholiken stellt, ist folgende: Kann man denn Handlungen segnen, die nach der Lehre des Katechismus in objektiver Hinsicht immer als schwer sündhaft anzusehen sind? Ich meine, dass man angesichts des Weltkatechismus nur zu einer Lösung kommen kann: NEIN.

Karl Lwanga (* 1865 in Bulimu in Uganda; † 3. Juni 1886 in Namugongo) war ein ugandischer Märtyrer. Er und seine Gefährten werden in der katholischen und anglikanischen Kirche als Heilige verehrt. Die evangelisch-lutherische Kirche von Amerika betrachtet sie als denkwürdige Glaubenszeugen.

Das Kalenderblatt der Erzabtei Beuron schreibt:

Karl wurde 1865 in Bulimu (Uganda) geboren, 1885 getauft. In der Christenverfolgung des Königs Mwanga wurden er und zwölf Freunde, Pagen am Königshof, lebendig verbrannt, weil sie sich den perversen Wünschen des Königs widersetzten. Karl wurde 1934 zum Patron der Katholischen Aktion der Jugend Afrikas erklärt. 1964 wurde er zusammen mit seinen zwölf Freunden und weiteren afrikanischen Märtyrern heiliggesprochen.

Hier ist von der Gegenwehr gegen die „perversen Wünsche des Königs“ die Rede. Das Martyrologium Romanum spricht von „obszönen Forderungen“ des Herrschers. Gemeint sind damit homosexuelle Begierden des damals 20jährigen Königs. Weil die Gruppe der jungen Männer um Karl Lwanga sich diesen Wünschen des Königs nicht beugte, mussten sie den qualvollen Martertod erleiden.

Genau diese Märtyrergeschichte hatte die vatikanische Glaubenskongregation vor Augen, als sie im Jahr 2003 genau am Gedenktag dieser Heiligen ihre Erklärung über gleichgeschlechtliche Partnerschaften veröffentlichte.

DIES ist ein AUSZUG aus dem ausführlichen Artikel von Dr. Markus Büning, der in CATHWALK veröffentlicht wurde: https://www.thecathwalk.de/2018/01/17/schaut-auf-karl-lwanga-und-seine-gefaehrten/#_ftn1

Foto: Evita Gründler


Kardinal Müller wünscht, daß die Kirche Beschwerden von Gläubigen ernstnimmt

Der ehem. Regensburger Bischof Gerhard L. Müller, der im Juli dieses Jahres zwischen Tür und Angel vom Papst als Präfekt der Glaubenskongegration abgelöst wurde, will keineswegs die Speerspitze einer Anti-Papst-Bewegung werden, wie er kürzlich erneut betont hat. Andererseits hält er es für wichtig, daß die Kirche offen mit ernsthaften Beschwerden umgeht.

Wie der Bayerische Rundfunk am 27. November berichtet, warnte der Würdenträger in einem Interview mit einer italienischen Tageszeitung vor einer Spaltung in der katholischen Kirche. Er sieht die Gefahr, daß traditionsorientierte Katholiken sich enttäuscht von der Kirche abtrennen. 

Die Kirchenleitung müsse „diejenigen anhören, die ernste Fragen oder berechtigte Beschwerden haben, nicht sie ignorieren oder, schlimmer noch, demütigen“, betont der Kardinal, der als einstiger Theologieprofessor eine vielbeachtete „Katholische Dogmatik“ verfaßte. 

Der Gelehrte aus Regensburg setzt in einigen Punkten deutlich andere Akzente als der Pontifex.

Anders als Franziskus betrachtet er z.B. die Kirche nicht nur und nicht in erster Linie als „Feldlazarett“. Auch hinsichtlich Ehe und Familie betont er stärker als der Papst die katholische Sitten- und Sakramentenlehre. 

Die Nichtverlängerung seiner Amtszeit durch Franziskus führt Müller auf eine Diffamierungskampagne zurück. Er sei bei Papst Franziskus von anonymen Zuträgern verleumdet worden, „die besser einen Seelenklempner aufgesucht hätten“, erklärte der Kardinal.


Der Erzbischof von Brindisi begründet seine Maßnahmen gegen Visionär Mario D´Ignazio

Vatikan unterstützt Erzbischof Caliandro

Am 15. März 2015 veröffentlichte Domenico CALIANDRO, der Erzbischof des Bistums Brindisi-Ostuni in Süd-Italien, ein Dokument, das aus zwei Teilen besteht:

Zunächst aus einem DEKRET das die kirchlichen Maßnahmen gegen den „Seher“ Mario D´Ignazio (siehe Foto) und seine Mitarbeiter aufzählt, darunter das Interdikt (Ausschluß vom Sakramentenempfang). Außerdem werden die Gläubigen davor gewarnt, diesen Visionär aus Brindisi moralisch oder finanziell zu unterstützen.

Der katholische Oberhirte beruft sich darauf, daß die Vatikanische Glaubenskongregation (damals geleitet von Kardinal Gerhard Müller) ihn zu diesen Schritten bevollmächtigt hat.

Sowohl das römische Dikasterium wie auch der Erzbischof erklären, daß die „mystischen Erfahrungen“ Marios nicht authentisch (echt) sind und daher zur Verwirrung im Kirchenvolk führen, weshalb Strafen verhängt werden.

Der zweite Teil des Dokumentes ist eine ERLÄUTERUNG; sie begründet ausführlich die bischöflichen Maßnahmen.

Hier geht es zunächst zum Original-DEKRET des Erzbischofs (auf italienisch): http://www.diocesibrindisiostuni.it/dichiarate-non-autentiche-le-esperienze-mistiche-del-sig-mario-dignazio/

Siehe hierzu die Übersetzung in unserem CF: https://charismatismus.wordpress.com/2017/11/09/dekret-des-erzbischofs-von-brindisi-verhaengt-kirchliche-massnahmen-gegen-seher-mario/

Da eine amtliche Übersetzung der Texte ins Deutsche nicht vorliegt, haben wir in unserem Freundeskreis eine qualifizierte Übersetzung der erzbischöflichen Erläuterungen erhalten.

Ergänzend zu dem bereits veröffentlichen Dekret erfolgt hier die Übersetzung der bischöflichen Begründung:

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ERLÄUTERUNG der Maßnahmen gegen Herrn Mario D’Ignazio und  jene seiner Tätigkeiten, die im Bezug zu seinen pseudomystischen Erfahrungen stehen.

VORBEMERKUNG:

Am 15. März 2015 hat der Erzbischof von Brindisi-Ostuni, Monsignore Domenico Caliandro, ein Dekret erlassen, mit dem sich die katholische Kirche im Rahmen ihres Verantwortungsbereiches entschieden hat, alle Initiativen und Tätigkeiten mit Bezug zu den pseudomystischen Erfahrungen zu beenden.

Diese Maßnahme ist die Schlussfolgerung eines langen Weges, der 2010 begann mit der Sammlung von Informationen durch den damaligen Erzbischof Rocco Talucci, die der Glaubenskongregation übermittelt wurden. Das ist das Organ des Heiligen Stuhls, das für diese Angelegenheiten zuständig ist.

Im Laufe der letzten drei Jahre seiner bischöflichen Aufgabe hat Monsignore Rocco Talucci dreimal öffentlich Stellung genommen zu den Ereignissen im Viertel Santa Teresa in Brindisi , und zwar am 3. Mai 2010, 18. März 2011, 17. Januar 2012.

Von diesen Stellungnahmen sind die letzten zwei ausgestellt auf der Grundlage der erteilten Hinweise der römischen Kongregation, haben den juristischen Wert von tatsächlichen Dekreten, insoweit sie klare Hinweise und detaillierte Maßnahmen enthalten, denen alle Beteiligten gewissenhaft folgen mussten.

Seit der Entscheidung Mons. Rocco Taluccis wurden diese systematisch und ständig missachtet. Eine schlaue Propaganda in den Medien machte das Phänomen  des Mario D’Ignazio  immer bekannter.

Der Nachfolger des Bischofs Mons. Talucci, Monsignore Domenico Caliandro, war besorgt über die Zunahme dieser eklatanten Phänomene, die nicht im Einklang mit den Prinzipien einer authentischen christlichen Spiritualität des Evangeliums stehen, wie sie die heiligen Männer und Frauen vorgelebt haben; er war besorgt über das Leben der Gläubigen, die in immer zahlreicheren Gruppen aus anderen italienischen Diözesen und auch aus dem Ausland dahin kamen; er sah sich im Einklang mit den Pflichten seines bischöflichen Mandats veranlasst, eine zusätzliche und genauere kirchenrechtliche Untersuchung durchzuführen. 

Am Ende der diözesanen Ermittlung, durchgeführt nach den gegenwärtigen Verfahrensvorschriften, wurde das Ergebnis der Glaubenskongregation zugestellt.

Bischof Mons. Domenico Caliandro hat vom Heiligen Stuhl die Anweisung bekommen, wie gegen die pseudomystische Erfahrung des Herrn D’Ignazio vorzugehen sei.

Das Dekret des Erzbischofs vom 15. März 2015 hält die entsprechende juristische Form ein und diese Hinweise sind von nun an verbindlich. Von jetzt an stellt sich Herr D’Ignazio, wenn er weitermacht, mit denjenigen, die ihn weiter begleiten, außerhalb der kirchlichen Gemeinschaft.

FRAGEN und ANTWORTEN:

Dies vorausgesetzt, möchten wir mit dieser Erklärung eine Antwort auf präzise Fragen geben, die das Dekret betreffen. Für ein besseres Verständnis und seine Annahme zum Wohl der Kirche im allgemeinen und der einzelnen Gläubigen im konkreten.

Zunächst erklärt das Dekret, dass die mystischen Erfahrungen des Herrn Mario  D’Ignazio nicht authentisch sind. Was heißt das?

Einerseits heißt das, dass diese Erfahrungen falsch sind. Andererseits heißt das, dass die kirchliche Autorität sich mit diesem Dekret nicht zu den Gründen äußern will, die Herrn Mario D’Ignazio zu seinen mystischen Erfahrungen gebracht haben, um damit zu vermeiden, dass der Pseudo-Seher und seine Mitarbeiter die moralische Verantwortung vor Gott für das, was in den vergangenen Jahren bis zur Gegenwart passiert ist, tragen.

Heißt das, dass es der Kirche egal ist, was in all diesen Jahren geschehen ist?
Ist es vielleicht gleichgültig, wenn Menschen schuldig oder unschuldig werden durch Taten, die in sich sehr schwerwiegend sind?

Keineswegs. Wenn Erfahrungen wie die, die sich Herr Mario D’Ignazio zuschreibt (Ekstasen, Erscheinungen, Lokutionen, übernatürliche Mitteilungen …) und Phänomene wie die, die in und um ihn im Laufe dieser Jahre stattgefunden haben (Stigmatisierungen, Bluttränen, Schwitzen von Ölen, Erscheinungen von Hostien…), nicht von Gott kommen, dann kann die einzige Ursache der Betrug des Menschen und/oder der Betrug des Teufels sein.

Es ist offensichtlich, dass es der Kirche sehr wichtig ist, zu wissen, was die Ursache der Geschehnisse all dieser Jahre ist. Es kann ihr auch wegen der möglichen moralischen Verantwortung für ihre Kinder nicht gleichgültig sein.

Aber die Kirche ist Mutter und hat im Vergleich zu anderen menschlichen Institutionen auch ein Forum Internum, in dem sie handeln und untersuchen, richten und heilen kann. Und wenn sie nicht durch irgendwelche Umstände gezwungen ist, zieht die Kirche es vor, die „Probleme“ ihrer Kinder in einer Weise zu lösen, in der die Barmherzigkeit und die Wahrheit sich besser treffen und Gerechtigkeit und Frieden sich leichter umarmen können.

Deshalb zieht es die Autorität der Kirche vor, indem sie für die Falschheit der mystischen Erfahrungen des Herrn Mario D’Ignazio bürgt, eine Urteilsbildung über die Beweggründe, die vorhin erwähnt wurden, und die Verantwortung des Pseudo-Sehers sowie seiner Mitarbeiter „zu vernachlässigen“, damit es Mario  D’Ignazio  erleichtert wird, das Forum Internum in Anspruch zu nehmen, das dazu dient, die eigenen Fehler zu bessern und einen Weg des wahren Glaubens und der Liebe zu gehen.

Zusammen mit dem Urteil über die fehlende Echtheit der mystischen Erfahrungen nennt das Dekret fünf Punkte, welche die Autorität der Kirche als notwendig betrachtet, um die Gläubigen zurück zur normalen christlichen Lebenspraxis zu führen. Was ist der allgemeine Sinn all dieser Anordnungen?

Zunächst ist es nicht banal zu sagen, dass es sich um Anordnungen handelt, die für alle katholischen Gläubigen getroffen werden, und alle diejenigen, die im Fall des Herrn Mario D’Ignazio mit seinen pseudomystischen Erfahrungen im Zusammenhang stehen und daran beteiligt sind, seien sie Priester, Ordensleute oder einfache Laien. Wer sind die Gläubigen? Es spielt keine Rolle, ob es Priester, Ordensleute oder Laien sind.

Alle diese Personen haben sich durch Beharrlichkeit in ihrer Taufe, in der Ordensprofess oder im geweihten Stand von sich aus unter die mütterliche Autorität der Kirche gestellt. Der Herr Jesus Christus hat der kirchlichen Autorität die Aufgabe erteilt, ihren Schafen und Lämmern den richtigen Weg zu zeigen, der zu Gott führt, sie auf diesem Weg zu begleiten, aufzupassen, damit sie sich nicht aufhalten oder sich verlaufen, und sie schließlich zu suchen, wenn sie sich verirrt haben.

Denn es ist nicht überflüssig, zu unterstreichen, dass das in dem Dekret genannte Wort „normale Praxis“ des christlichen Lebens nicht im Widerspruch zu der „außerordentlichen Praxis“ steht, als ob es verboten wäre, außerordentliche Gnaden von Gott zu bekommen und sie zu benutzen, um ihm zu dienen und ihn zu lieben; vielmehr ist eine nicht authentische Praxis verboten, wenn sie vom bösen Willen des Menschen oder durch die Schläue des Teufels verfälscht wurde.

Zwischen den verschiedenen Anordnungen, die das Dekret erteilt, ist eine, die offenbar wenig verstanden wird, die man Interdikt nennt. Anscheinend verwechseln viele diese mit einem Verbot. Um was handelt es sich?

Es stimmt, dass gerade diese Anordnung am wenigsten verstanden wird. Aber in Wirklichkeit ist sie wichtigste von allen.

Die Rede über sie findet sich in Punkt 1 und Punkt 4 des Dekrets. Wenn Herr Mario D’Ignazio weiter Werbung betreibt mit seinen pseudomystischen Erfahrungen  –  unabhängig davon: mit welchen Mitteln  – wird er mit der Strafe des Interdikts belegt. Dies ist eine besonders schwerwiegende Strafe in der Strafordnung der katholischen Kirche.

Gleichzeitig werden alle Gläubigen, die die Werke von Herrn Mario D’Ignazio unterstützen, mit derselben kanonischen Strafe bedacht, vor allem seine engsten Mitarbeiter.

Zu diesem Punkt müsste eine besondere Aufmerksamkeit auf jene Priester und Ordensleute gelegt werden, die weiterhin Pilgerfahrten organisieren oder sich in C. da Santa Teresa zusammen mit dem Pseudo-Seher fotografieren lassen. Wenn sie sich so benehmen, wären sie die Ersten, gegen die diese Sanktionen verhängt werden, und das aus offensichtlichen Gründen.

Übrigens muss man wissen, dass das Dekret genau sagt, dass das Interdikt latae sententiae wirken wird. Das bedeutet, dass diese Sanktionen sofort  in dem Augenblick eintreten, sobald Herr D’Ignazio und seine Mitarbeiter bewusst und willentlich den Anordnungen des Dekretes, in denen die Strafe des Interdikts genannt wird, zuwider handeln, ohne dass seitens der Kirche eine weitere Strafmaßnahme getroffen werden müsste.

Warum ist die kanonische Strafe des Interdikts eine besonders schwerwiegende Sanktion?

Das Interdikt hat die gleiche Wirkung wie eine Exkommunikation auf der wichtigsten Ebene des christlichen Lebens, d.h. auf der liturgischen Ebene, dem Kultus. Dadurch wird die Teilnahme an der Feier der Sakramente und/oder Sakramentalien sowie der Empfang der Sakramente verboten. Denn die Liturgie ist Quelle und Gipfel des christlichen Lebens und die Sakramente sind die normalen Mittel, durch die wir erreicht und von Jesus „berührt“, von ihm gerettet werden und durch ihn im Leben der Gnade innerhalb seiner Kirche, die sein Leib ist, wachsen.

Ist die kanonische Strafe des Interdikts also eine bloße Strafe der Kirche?

Nein, denn die Kirche erlegt diese Strafe als eine Medizin auf. In der juristischen Ordnung der Kirche ist das Interdikt sowie die Exkommunikation und Suspendierung eine medizinische Strafe. Als kanonische Strafe zielt das Interdikt darauf ab, die schwerwiegende Situation, in welcher sich der Betroffene befindet, für ihn verständlich zu machen und ihm so zu helfen, den Weg der Bekehrung und der Heiligkeit wiederzufinden.

Aber was für einen Sinn hat es, im Fall des Mario D’Ignazio eine so schwerwiegende kanonische Sanktion zu verhängen? Hat man nicht gesagt, dass die Autorität der Kirche mit diesem Dekret über die Ursachen der Erfahrunge von Mario D’Ignazio hinweggehen und so die moralische Verantwortung des Pseudo-Sehers und seiner Mitarbeiter vor Gott mindern wollte?

Ja, das gilt für die vergangenen Jahre bis zur Veröffentlichung des Dekretes, aber nicht für die Gegenwart und Zukunft, weil man die volle Sicherheit hat, dass die mystischen Erfahrungen des Herrn Mario D’Ignazio nicht authentisch, d.h. falsche, pseudo-mystische Erfahrungen sind. Deswegen ist der Schaden, den er sich selbst wie auch dem Glauben und dem christlichen Leben derjenigen, die das annehmen, zufügt, schwerwiegend.

Wieso würden die pseudo-mystischen Erfahrungen dem Glauben und dem Leben von christlichen Personen Schaden zufügen?

Weil sie einen Aberglauben der falschen Verehrung fördern. Für die katholische Moraltheologie beinhaltet der Aberglauben eines falschen Kultus u. a. eine unerlaubte Einführung falscher Reliquien zur Verehrung, das Predigen und Veröffentlichen von  falschen Wundern und ein Vorgeben von falschen Offenbarungen und ähnlichen Dingen.

Diese Art von Aberglauben ist eine tödliche Sünde ex  genere suo (eigener Art), weil Gott, die erste Wahrheit, schwerwiegend beleidigt und verachtet wird und dadurch eine Praxis des religiösen Lebens auf der Falschheit begründet wird.

Abgesehen von dieser allgemeinen Betrachtung kommt hinzu, dass es  unter den verschiedenen Phänomenen, die um Herrn Mario D’Ignazio stattfinden, eines gibt, das besonders beunruhigend ist wegen der ständigen Wiederholung und der großen Publizität, die ihm durch den Pseudo-Seher und seine Entourage gegeben wird, insbesondere durch Fotografien  und Kommentare, die im Internet verbreitet werden.

Dieses Phänomen ist das Sich-Materialisieren der Eucharistie. Wegen der Art, mit der man aussagt, dass das stattfindet, widerspricht dies fundamental der Logik des katholischen Glaubens; das fügt den Gläubigen, die daran glauben, großen Schaden zu, sei es, weil dies zur Anbetung von etwas führt, das keine Eucharistie ist (Sünde der Idolatrie), sei es, weil hierdurch der Glaube an die bestehende wesentliche Beziehung zwischen dem amtlichen Priestertum und der realen Gegenwart Christi im heiligsten Sakrament erschüttert wird.

SCHLUSSFOLGERUNG

Nach der Beantwortung mancher legitimer Fragen können wir schließen, dass die Kirche alles, was in ihrer Macht stand und steht, getan hat, sei es unter dem Gesichtspunkt der Bewertung dieses Falles, sei es in der Wahl der Maßnahmen.

Herr Mario D’Ignazio ist verwarnt worden und mit ihm alle, die ihm geglaubt haben, darunter sicher viele Gutgläubige. Wer Ohren hat zu hören, kann jetzt verstehen.

In diesen Zusammenhängen könnte es allen nützlich sein, wieder den Brief des großen Bischofs und Märtyrers, des hl. Ignatius, Nachfolger des hl. Petrus in Antiochien, zur Hand zu nehmen:

Es lohnt sich, voranzuschreiten entsprechend der Meinung des Bischofs, so wie es bereits geschieht(Brief an die Epheser). Es ist notwendig, nichts ohne  den Bischof zu tun – wie ihr es ja schon einhaltet – und euch auch dem Priester (Presbyter) zu unterwerfen, wie bereits die Apostel sich Christus, unserer Hoffnung, unterworfen haben, und in ihm lebend, werden wir uns wieder treffen“. (Brief an die Christen in Tralle); „Bleibt mit dem Bischof, damit auch Gott mit euch sei“ (Brief an Polykarp).

Zur Beruhigung derjenigen, die mit Einfachheit und ehrlichen Absichten gehandelt haben, rufen wir in Erinnerung, dass an der Bewertung und Entscheidung über den Fall des Mario D’Ignazio nicht nur der Erzbischof von Brindisi-Ostuni  –  zunächst in der Person des Bischofs Rocco Talucci und danach in der Person des Domenico Caliandro  – beteiligt waren, sondern (und jetzt wollen wir das mitteilen) der Papst selbst durch das Organ, das ihn vertritt, das heißt die Glaubenskongregation.

Ein wahrer, treuer Katholik, der in seinem Gewissen nicht mit dem Handeln seines Bischofs einverstanden wäre und sich von diesem als schwer geschädigt betrachten würde, sollte zwar den Respekt gegenüber dem Bischof wahren, es wäre jedoch selbstverständlich, dass er sich an den Papst wenden könnte.

Im Falle des Herrn Mario D’Ignazio, der nie den Eindruck erweckte, dass er sich an den Papst wenden wolle, hat stattdessen der Bischof von Brindisi-Ostuni den Heiligen Stuhl angerufen, der ihm geantwortet hat. Wer sich gegen das Dekret des Bischofs vom 15. März 2015 stellt, muss sich daher bewusst sein, dass er sich gegen Papst Franziskus stellt, mit dem der Bischof von Brindisi -Ostuni in voller Einheit steht.

Aus dem Brief des Hl. Ignatius von Antiochien an die Christen von Philadelphia:  

„Als Kinder des Lichtes der Wahrheit fliehet die Spaltung und die schlimmen Lehren; wo immer der Hirte ist, dorthin folget wie die Schafe … Hütet euch vor den schlimmen Pflanzen, die Jesus Christus nicht anbaut, weil sie keine Pflanzung des Vaters sind …  Denn alle, die Gott und Jesus Christus angehören, stehen auf Seiten des Bischofs; und alle, die Buße tun und zur Einheit der Kirche kommen, auch diese werden Gott angehören, damit sie das Leben haben gemäß Jesus Christus.

Lasset euch nicht irreführen, meine Brüder; wer einem Abtrünnigen folgt, wird das Reich Gottes nicht erben; wer in einer falschen Lehre dahinwandelt, der hat keinen Anteil am Leiden Christi.  Bemüht euch, nur eine Eucharistie zu feiern; denn es ist nur ein Fleisch unseres Herrn Jesu Christi, und nur ein Kelch zur Einigung mit seinem Blute, nur ein Altar, wie nur ein Bischof ist in Verbindung mit dem Presbyterium und Diakonen, meinen Mitknechten, auf daß, was immer ihr tut,  geschehe gemäß dem Willen Gottes … Ich rief in ihrer Mitte, ich sprach mit lauter Stimme, mit Gottes Stimme: Haltet euch an den Bischof, das Presbyterium und die Diakone!“

Brindisi, den 15.3.2015


Zuckerbrot und Peitsche: Visionär Mario aus Brindisi bietet „heiliges Öl“ gegen Dämonen

Von Felizitas Küble

Die Falschmystik (bestehend aus außersinnlichen und irrgeistigen Vorgängen) gibt sich immer wieder durch bestimmte Merkmale zu erkennen, entlarvt sich gleichsam selber. (Näheres hierzu in unseren über hundert Artikeln über Kennzeichen der Falschprophetie: https://charismatismus.wordpress.com/category/kennzeichen-der-falschmystik/).

Eines dieser typischen Zeichen fehlgeleiteter oder betrügerischer Seher/innen ist das Lehr- und Anwendungs-Prinzip von „Zuckerbrot und Peitsche“:

Einerseits wird viel Sentimentalität, unechte Gefühligkeit und Kitsch sowie scheinbare Glaubensinnigkeit in Wort und Bild verbreitet, werden liebliche Töne geschwungen und fromme bis verstiegene Anmutungen geboten.

Neben diesen Anwandlungen der Marke „rosa Wolke“ zeigt sich zugleich die entgegengesetzte, düstere Seite der Pseudo-Mystik:

Hinter jeder Ecke wird ein Dämon vermutet, die kirchliche Lehre von der Existenz unreiner Geister wird bis zur Panikmache überbetont. Der Glaube verliert seinen frohen, mutmachenden, erhellenden Charakter; er kippt ins Fanatische, gerät in eine bedenkliche Schieflage, was bei sensiblen Gemütern außerdem zu Psycho-Schäden führen kann, von seelsorglichen Problemen ganz zu schweigen.

Diese „Achterbahn der Gefühle“ wird durch eine (un)geistliche Sensationsgier bzw. gefährliche religiöse Neugier weiter gesteigert, so daß der Glaube zum Aberglauben entartet. Was dabei herauskommt, könnte zum Lachen animieren, allerdings ist dafür wiederum das Thema zu ernst und die Auswirkungen sind allzu verhängnisvoll.

Das Kennzeichen „Zuckerbrot und Peitsche“ beherrscht auch der selbsternannte „Seher“ Mario D´ Ignazio aus Brindisi in Süditalien sehr gekonnt  – vielleicht gar zynisch? Jedenfalls kennt er die Ansichten, Gefühlszustände und Enttäuschungen von konservativen Gläubigen über Mißstände in der Kirche bis zum letzten Komma. 

Entsprechend verkündet er seine „Himmelsbotschaften“ und Höllendrohungen, er hält seine Vorträge genau nach dem Muster dessen, was die frommen Gäste von ihm erwarten: Immer feste druff auf die böse Welt, die „Falsche Kirche“ (davon sprach Mario gleich mehrfach), die Freimaurer (mit oder ohne Schurz,  mit oder ohne Mitra….), Satanisten, Modernisten etc.

Um nicht mistverstanden zu werden: Solche Gegner des Evangeliums (und noch etliche weitere) existieren tatsächlich   – und natürlich gibt es faule Früchte und Früchtchen auch innerhalb der Kirche. Nur: Die getroffene Auswahl des „Sehers“ entspricht allzu genau gewissen Klischees seiner Zuhörerschaft  – kalkuliert er dies ganz kühl mit ein?

Zugleich bietet der „begnadete“, gar stigmatisierte (angeblich mit den „Wundmalen Christi“ gezeichnete) junge Wundermann eine direkt von „oben“ stammende und angeblich besonders wirksame Abhilfe und Lösung, er preist gleichsam ein „Amulett“ gegen das Böse  – und den Bösen an:

Nämlich sein „heiliges Öl“, bei dem es sich um nicht weniger als die „Öltränen“ der Madonna handelt, wie er seiner Fangemeinde versichert. Angeblich gewinnt er dieses Kampfmittel gegen die Hölle aus einer Fatima-Marienstatue, die in seinem „gesegneten Garten“ zu Brindisi aufgestellt ist.

Diese Story erzählte der junge Seher in Turnschuhen, Fünf-Tage-Bart und legerer Kleidung am vergangenen Samstag vor ca. zweihundert Gläubigen in Münster.

Wer meint, der Saal sei darob in schallendes Gelächter oder zumindest in schmunzelnde Ironie ausgebrochen, sieht sich enttäuscht:

Von drei oder vier Ausnahmen abgesehen gingen alle Anwesenden (es waren vorwiegend Frauen) nach vorne und ließen sich von einem Geistlichen in Soutane (schwarzes Priesterkleid) dieses „heilige Öl“ auf die Stirne zeichnen  – offenbar mit einem Kreuzzeichen verbunden   siehe hierzu das erste und zweite Bild. 

Diese „Salbung“ mit den Öltränen der „Himmelsmutter“ wurde von Visionär Mario von seinem Vortragstisch aus (siehe 2. Foto) wortreich unterstützt.

Vor allem bei dämonischen Anfechtungen und Störungen ab Mitternacht wirke dieses Wunder-Öl wie eine geistliche (oder doch wohl eher magische?) Siegeswaffe, ließ er die (aber)gläubige Schar wissen.

Auch sonst wurden dem Wunder(wahn)witz keine Grenzen gesetzt: immerhin bot Mario eine Live-Erscheinung gleich zu Beginn der Versammlung. (Näheres hierzu in unserer ersten Reportage: https://charismatismus.wordpress.com/2017/10/28/muenster-seher-mario-dignazio-aus-brindisi-praesentierte-eine-live-erscheinung/)

Der Info-Tisch quoll über von mirakulösen Bildern und „Wunder-Fotos“ am Himmel und auf Erden.

Unser drittes Foto zeigt, wie ein Mario-Fan dem Seher eines dieser Bilder überreicht  – und er es danach stolz der staunenden Gemeinde präsentiert.

Wer nun glaubt, dieser kaum noch zu übertreffende Unfug würde von der katholischen Kirche toleriert oder gar unterstützt, kann beruhigt werden:

Der für Mario D´ Ignazio zuständige Erzbischof von Brindisi-Ostuni weist die „Erscheinungen“ und „Botschaften“ dieses Sehers nicht nur zurück, sondern hat vor über zwei Jahren sogar strenge Kirchenstrafen über ihn und sein Team verhängt, vor allem das Interdikt: der „salbungsvolle“ Mann darf also keine Sakramente empfangen, auch nicht zum Tisch des HERRN gehen.

Dabei wird der katholische Oberhirte in seiner Haltung von der vatikanischen Glaubenskongretation ausdrücklich unterstützt. (Wir berichten darüber noch in einem eigenen Artikel.)

Alles kein Problem für Mario, den Begnadeten: Er erwähnte in seinen Ansprachen natürlich nichts von dieser kirchlichen Ablehnung, erzählte aber der anhänglichen Schar, die Gottesmutter selber (!) spende ihm die heilige Kommunion und lege ihm die Hostie in den Mund, denn sie wünsche die Mundkommunion.

Das mag sein (immerhin bin ich selber ebenfalls kein „Handkommunikant“), erklärt aber noch lange nicht, warum die Madonna bei Mario aus Brindisi höchstselbst den Leib des HERRN spendet. Doch daran schien die konservative Zuhörerschaft keinen Anstoß zu nehmen, obwohl doch gerade sie ansonsten (durchaus zu Recht) erklärt, daß geweihte PRIESTER für die Austeilung dieses Sakramentes zuständig sind.

Es gab also theologisch-spirituelle Widersprüche noch und nöcher, worauf es aber anscheinend gar nicht ankommt. Einmal mehr zeigt sich hier, daß die Wundersucht des Aberglaubens liebstes Kind ist.

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Jugendverlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Dokument: Die Glaubenskongregation zur „Frau aller Völker, die einst Maria war“

Jahrzehntelang haben sich die zuständigen Bischöfe in Holland gegen die Glaubwürdigkeit der „Marienerscheinungen“ von Amsterdam gestellt, ebenso der Vatikan mit der seinerzeit von Kardinal Joseph Ratzinger geleiteten Glaubenskongregation (dies geschah freilich auch bereits unter seinen Vorgängerpräfekten).

Dennoch trieb die Verehrung der „Frau aller Völker“ nicht nur in Europa, sondern weltweit reichliche Blüten bzw. Sumpfblüten.   

Trotz eindeutiger kirchlicher Ablehnungen hat der niederländische Bischof Punt im Jahre 2002 diese offensichtlich irrgeistige Privatoffenbarung approbiert (genehmigt).

Als Bischof Luis A. Tagle von Imus (Philippinen) am 25. Oktober 2004 bei der römischen Glaubenskongregation u.a. anfragte, was von der Verehrung dieser „Frau aller Völker“ zu halten ist, erhielt er am 20. Mai 2005 von der Glaubenskongregation (CONGREGATIO PRO DOCTRINA FIDEI  = CDF) bzw. Erzbischof Amato eine Antwort, in der kirchliche Besorgnis ausgedrückt wird hinsichtlich jenes bekannten Amsterdamer Gebets, das sich an die sogenannte „Frau aller Völker, die einst Maria war“ wendet. (Einen Monat vor der Briefabfassung war Kardinal Ratzinger zum Papst gewählt worden; sein Nachfolger als Glaubenspräfekt war Kardinal Levada, dessen Sekretär hieß Erzbischof Amato, der Verfasser des erwähnten Schreibens.)

Unsere holländische Gastautorin Hildegard Alles hat diesen Vorgang und seine irreführende Auslegung durch FaV-Anhänger bereits im CHRISTLICHEN FORUM geschildet: https://charismatismus.wordpress.com/2017/09/02/der-vatikan-und-die-anhaenger-der-frau-aller-voelker-die-einst-maria-war/

Wir dokumentieren hier zudem vollständig das Schreiben der Glaubenskongregation (soweit es die Causa Amsterdam betrifft) in einer deutschen Übersetzung von Hildegard Alles; eine autorisierte vatikanische Übersetzung liegt nicht vor. (Linien zur Hervorhebung von uns). Darunter setzen wir den englischen Originaltext:

Eure Exzellenz,

… Hinsichtlich der Verehrung der “Frau aller Völker“ und der Marienerscheinungen, die die verstorbene Seherin Ida Peerdeman erfahren hat, möchte ich Eurer Exzellenz mitteilen, dass, obwohl die genannten Erscheinungen von Seiner Exzellenz, Hochwürden  Joseph Maria Punt, Bischof von Haarlem (Holland) in einer Mitteilung vom 31. Mai 2002 gebilligt wurden, die Kongregation für die Glaubenslehre ihre Besorgnis ausgesprochen hat bezüglich  eines bestimmten Aspekts dieser Verehrung, wobei im öffentlichen Gebet die Heilige Jungfrau Maria angerufen wird als “Frau aller Völker“, „die einst Maria war”.

In der Tat, dieses  Dikasterium hat in einem Brief an Seine Exzellenz, Hochwürden François Bacqué, Apostolischer Nuntius in den Niederlanden, darauf hingewiesen, dass die marianische Verehrung genährt und entwickelt werden muss in Übereinstimmung mit den Anweisungen des Heiligen Vaters in „Redemptoris Mater“ und „Rosarium Virginis Mariae“ und nicht infolge von Privatoffenbarungen bzw. der Hervorhebung  eines ‘neuen’ Namens, wie ‘Frau aller Völker, die einst Maria war´.

Deshalb wird Eure Exzellenz gebeten, die oben genannten Ratschläge zu berücksichtigen und die Mitglieder der Katholischen Bischofskonferenz der Philippinen darüber zu informieren, dass die Glaubenskongregation keiner katholischen Gemeinschaft Christgläubiger erlaubt, zur  Gottesmutter zu beten unter dem Titel „Frau aller Völker“ mit dem Zusatz „die einst Maria war“. (…)

Ich nehme diese Gelegenheit wahr, um Ihnen meine aufrichtige Hochachtung auszusprechen und verbleibe mit brüderlichen guten Wünschen, 

Mit freundlichen Grüßen im Herrn
Angelo Amato, SDH, Titular-Erzbischof von Sila, Sekretär

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Englisch-sprachiger ORIGINAL-Text:

CONGREGATIO
PRO DOCTRINA FIDEI, 00120 Cita del Vaticana
20 May 2005
Prot. N. 511/93. 242/06 – 21006

Your Excellency,

…With regard to the devotion known as „Lady of all Nations“ and the Marian apparitions experienced by the late visionary Ida Peerdeman, I wish to advise your Excellency that although the said apparitions have received approval from His Excellency, the Most Reverend Joseph Maria Punt, Bishop of Haarlem (Holland), in his communication of 31 May 2002, the Congregation for the Doctrine of the Faith has expressed concern regarding one particular aspect of that devotion whereby official prayers invoke the Blessed Virgin Mary as „Lady of All Nations“ „who once was Mary“.

In fact, this Dicastery, in a letter to the His Excellency, The Most Reverend François Bacqué, Apostolic Nuncio to the Netherlands, has indicated that Marian devotion must be nourished and developed in accordance with the indications given by the Holy Father in „Redemptoris Mater“and „Rosarium Virginis Mariae“ and not according to private apparitions nor according to the emphasis on a „new“ name, such as „Lady of All Nations who once was Mary“.

Therefore, your Excellency is requested to take into consideration the above mentioned advisory and inform the members of Catholic Bishop’s Conference of the Philippines that the Congregation for the Doctrine of the Faith does not permit any Catholic community of Christ’s Faithful to pray to the Mother of God under the title of „Lady of All Nations“ with the added expression „who once was Mary“.

I take this opportunity to express my sincere respect and with fraternal good wishes,
I remain Yours cordially in the Lord
Angelo Amato, SDH, Titular Archbishop of Sila, Secretary