Predigt von Kardinal Gerhard Müller beim Kongreß „Freude am Glauben“ in Fulda

Vom 25. bis 27. Juli 2014 fand in Fulda der alljährliche Kongreß „Freude am Glauben“ statt. Er wird vom theologisch konservativen „Forum Deutscher Katholiken“ veranstaltet.014_11

Die Eröffnungsmesse zelebrierte der Glaubenspräfekt aus Rom in Gemeinschaft mit Bischof Algermissen (Fulda) und zahlreichen Priestern aus nah und fern, von denen wir einige seit langem persönlich kennen und schätzen, darunter den saarländischen Ordensprälaten Edmund Dillinger und den bayerischen Konvertiten-Priester Peter Kemmether.

Unser Christoferuswerk, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt, war auf dem Glaubenskongreß mit einem Infostand vertreten.

Wir haben auch am Festhochamt teilgenommen und dabei diese fotografischen Eindrücke festgehalten. Das erste Bild zeigt den Glaubenspräfekten beim Einzug in den prachtvollen Fuldaer Dom.

Gerhard Kardinal Müller hielt bei diesem Pontifikalamt eine eindringliche und gehaltvolle Predigt, die hier in den wesentlichen Auszügen wiedergegeben wird:019_16 - Kopie

“Liebe Brüder und Schwestern!

Wenn uns heilige Liturgie ein Apostelfest feiern lässt, werden wir an die grundlegende Bedeutung der zwölf von Jesus erwählten Apostel erinnert.

Die Kirche ist nicht eine von Menschen ersonnene und nach menschlichem Kalkül organisierte Gesellschaft. Sie ist in Christus das Volk Gottes als die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.

FOTO: Der Glaubenspräfekt bei seiner Begrüßungsansprache

Das Passwort zum Verständnis der Kirche lautet nicht “angepasst an die Welt”, sondern passend zum universalen Heilswillen Gottes in Jesus Christus, dem Sohn Gottes, der das Sakrament des Heils für die Welt ist (vgl. Lumen gentium 1; 48).

Die gläubigen Christen sind, wie es im Brief an die Epheser heißt, “Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes. Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Schlussstein ist Christus Jesus selbst. Durch ihn wird der ganze Bau zusammen gehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn. Durch ihn werdet ihr im Geist zu einer Wohnung Gottes erbaut” (Eph 2,19ff).

Die Kirche ist apostolisch, weil sie am Glaubensbekenntnis und an der Lehre der Apostel festhält und weil sie über die Nachfolger der Apostel im Bischofsamt lebendig-organisch mit ihrem Ursprung in der geschichtlichen Offenbarung Gottes in Christus verbunden bleib026_23t.

Der heilige Apostel Jakobus der Ältere, der erste Märtyrer unter den zwölf Aposteln, wird in Santiago de Compostela verehrt. Millionen von Pilgern aus ganz Europa waren und sind unterwegs auf dem beschwerlichen und gefährlichen Weg zum finis terrae, um auf das Zeugnis der Apostel hin in Gott das Ziel ihres Lebens, das finis vitae, zu finden.

FOTO: Kardinal Müller während seiner Predigt in Fulda

Jakobus war mit seinem Bruder Johannes und mit Petrus Zeuge der Verklärung und des Gebetes Christi am Ölberg. Im Kreis aller Apostel sah er den auferstandenen und verklärten HERRN, der ihnen an Ostern erschien.

In der Kraft des Heiligen Geistes, der auf die Apostel und die ganze Kirche an Pfingsten ausgegossen wurde, vernahm und befolgte er den Auftrag Christi, zu allen Menschen zu gehen, ihnen das Evangelium zu verkünden und sie durch die Taufe zu Jüngern zu machen.

Von seinem Schicksal und Tod erfahren wir dann in der Apostelgeschichte: “Um jene Zeit ließ der König Herodes einige aus der Kirche verhaften und foltern. Jakobus, den Bruder des Johannes, ließ er mit dem Schwert hinrichten” (Apg 12,1ff).

Petrusamt als Prinzip kirchlicher Einheit

Im Anschluss daran heißt es, dass Herodes auch Petrus verhaften ließ, als er sah, dass die Verfolgung der Kirche und der Mord an einem Apostel Christi bei den Gegnern Schadenfreude ausgelöst hatte. Aber Petrus wurde durch Gottes Eingreifen wunderbar errettet. 012_9

Die göttliche Vorsehung führte ihn nach Rom, wo er “Gott durch seinen Tod verherrlichen sollte” (Joh 21,19), wie es ihm der auferstandene HERR vorhergesagt hatte. 

So gehört zur apostolischen Gestalt der Kirche die Verbindung mit der römischen Kirche und ihrem Bischof, dem Nachfolger des Apostels Petrus.

Auf diese Weise bleibt die Vielheit der Kirchen mit ihren Bischöfen an der Spitze nicht ohne das konkrete Prinzip und Fundament ihrer sichtbaren universalen, das heißt katholischen Einheit und Gemeinschaft.

FOTO: Petrus-Statue im Fuldaer Dom: Der von Christus zum „Felsen“ bestimmte Apostel und seine Nachfolger sind sichtbare Gestalten der kirchlichen Einheit

Mit dem Zeugnis ihres Blutes besiegelten die Apostel das Zeugnis des Wortes. Die Kirche bleibt nicht auf der Ebene von Ideen und Idealen, gleichsam unberührt von der Not der Endlichkeit, des Leidens und des Todes.

Aufgrund der Inkarnation ist sie ge-erdet im wahrsten Sinn des Wortes. Das Kreuz Christi steht fest auf Golgata und nur in IHM gibt es die Überwindung von Sünde und Tod und aller Diabolik von Lüge und Mord. (…)

„Von der Logik Gottes leiten lassen“

Die Gottesherrschaft ist das Gegenteil der Weltherrschaft des Teufels und aller seiner Genossen, der Tyrannen, Ausbeuter, Menschenhändler, der Verführer zum Abfall von Gott, vom Glauben, vom Sittengesetz und all der Spötter auf die Gottes- und Nächstenliebe.

Wer in Glaube, Hoffnung und Liebe als Christ dem HERRN nachfolgt, wer als Priester und Bischof den Dienst des Hirten in der Kirche ausübt, muss sich von der Logik Gottes und nicht von der Vernunft der Welt und ihren Maßstäben leiten lassen.

Das Reich Gott kommt in diese Welt und verwandelt den Egoismus der Menschen in Liebe und Hingabe für andere, wenn wir 031_28Jesus gleich werden, “der gekommen ist, um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele” (Mt 20,28).

FOTOs: Der Kardinal in Konzelebration mit vielen Priestern am Altar

In den Augen der Menschen sind die Apostel Christi Toren. Sie erobern die Welt nicht mit Geld, Propaganda und imperialer Gewalt. Ihre Macht ist ganz anderer Art, weil sich der HERR in der Schwachheit und Leidensbereitschaft der Seinen als der Starke erweist.

Das Evangelium wird deshalb nicht mit den überwältigenden und betörenden Insignien irdischer Macht und messbarer Effizienz verkündet.

Wir stehen entschieden zur Freiheit der Glaubens, die mit Zwang nicht vereinbar ist. Wir möchten den Menschen mit großer Ehrfurcht vor ihrem Gewissen helfen, dass sie freiwillig Gott über alles lieben und den Nächsten lieben wie sich selbst.030_27

Statt mit Raketen und Panzern, mit raffinierter Rhetorik und Manipulation, statt mit Eisen und Stahl kommen wir Apostel mit den zerbrechlichen Gefäßen unserer Gebrechlichkeit und Schwäche.

„Das Übermaß der Kraft kommt von Gott“

Aber in der Schwachheit der Kirche ist “der Schatz der Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi” erhalten. “So wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt” (2 Kor 4,7).

Und wie aktuell sind die Worte des Apostels Paulus angesichts der weltweiten Christenverfolgung:

“Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum, wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind dennoch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet. Wohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird” (2 Kor 4,8-10).

Kirche ist kein Sozialkonzern von Gutmenschen

Aber warum ziehen wir uns nicht in eine verweltlichtes Christsein zurück, verwandeln die Kirche in einen humanitären Sozialkonzern, verbergen die Glaubens- und Sittenlehre ins Kleingedruckte und präsentieren uns als smarte Gutmenschen, die niemanden stören?

Warum geben wir uns nicht ein neues Outfit, um endlich als aufgeklärt, neuzeitlich, menschennah und dialogbereit willkommen geheißen zu werden im Club der Ton angebenden und Platz anweisenden Meinungsführer dieser Welt? 005_2

Ja, die Antwort ist einfach. Weil der Geist Gottes sich nicht in die engen Schubladen des weltlichen Denkens, des Denkens ohne Gott zwingen lässt.

Wir wollen lieber mit Maria unter dem Kreuz stehen als mit den Spöttern an ihm vorbeigehen!

BILD: eines unserer Plakate pro Kirche an unserem Infostand beim Glaubenskongreß in Fulda

Wir sind davon überzeugt, dass Menschen niemals Menschen retten können. Der HERR allein ist unser Erlöser. Daran glauben wir wie die Apostel, das verkünden wir freimütig wie die Apostel.(…)

Krise des Menschen, Krise des Glaubens und Krise der Kirche ist sicher eine Kategorie zur Situationsbeschreibung der globalisierten Welt von heute.

Sind Verkaufsstrategen und Werbeagenturen die Lösung?

Aber biblisch meint Krise auch Zeit der Unterscheidung, der Neugewinnung der Urteilsmaßstäbe für unsere Überzeugungen und Handlungen, der klaren Abgrenzung der Lüge von der Wahrheit und des Bösen vom Guten.

Unsere Antwort auf die Säkularisierung des Denkens, die Entchristlichung und die Aushöhlung der kulturellen und ethischen Identität Europas, die Entfremdung vieler Getaufter von Gott, vom Evangelium und von der Kirche ist nicht der Rückzug und schon gar nicht die Resignation.

Wir brauchen auch nicht Werbe-Agenten oder Verkaufs-Strategen anzuheuern, große Programme zu erfinden oder uns einen Maßnahmenkatalog auszudenken.

Es ist viel einfacher  –  und zugleich viel fordernder. Jesus hat bei der Berufung von Simon und Andreas, von Jakobus und Johannes gesagt: „Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten IHM“ (Mt 4,19).“

Quelle und vollständiger Wortlaut der Predigt hier: http://www.fuldaerzeitung.de/artikelansicht/artikel/2793679/kardinal-muller-eroffnet-14-kongress-freude-am-glauben  /

Fotos: Felizitas Küble


FOTO-Impressionen vom Kongreß „Freude am Glauben“ in Aschaffenburg

KOMM-MIT-Verlag und Christoferuswerk mit Infoständen vertreten

Unser Christoferuswerk  –  das diese Web-Zeitschrift CHRISTLICHES FORUM betreibt  – und der katholische Jugendverlag KOMM-MIT aus Münster waren jeweils mit einem Infostand auf dem Kongreß “Freude am Glauben” Mitte September 2012 in Aschaffenburg vertreten.

Zu KOMM-MIT gehört auch der ECCLESIA-Plakatdienst, der bereits über 1500 verschiedene Plakate herausgebracht hat. 

An der dreitägigen katholischen Großveranstaltung nahmen weit über 1000 Gläubige teil, darunter auch evangelikale Christen (also theologisch konservative Protestanten).

Unser Infostand mit Plakaten

Auf unserer Stellwand waren die großformativen Poster unseres ECCLESIA-Plakatdienstes zu sehen. Er erscheint bereits seit 66 Jahren und ist dies der einzige katholische Plakatdienst in Deutschland.

Einige Poster zeigen den  –  von vielen Gläubigen hochverehrten  –  Erzbischof Johannes Dyba aus Fulda, der am 23. Juli 2000 völlig unerwartet verstarb.

Seit Jahren plakatieren wir unsere Infostände beim Glaubenskongreß mit unseren Dyba-Postern.

Auf unserem FOTO sehen wir unsere KOMM-MIT-Freundin Cordula Mohr, eine engagierte Lebensrechtlerin und Familienmutter, die öfter frohgelaunt an unseren Ständen mitgeholfen hat.

Viele Kongreß-Teilnehmer unterschrieben begeistert unsere Petition für eine Seligsprechung dieses tapferen Bischofs und “Löwen von Fulda”. 

Zu den Unterzeichnern pro Dyba gehört auch der bekannte Dominikanerpater Prof. Dr. Wolfgang Ockenfels, der zudem in seiner Rede auf der Kongreß-Kundgebung öffentlich für eine Seligsprechung dieses unerschrockenen Erzbischofs eintrat.   SOS-CHRW

Großes Interesse fand an unserem Christoferus-Stand auch dieser SOS-Aufkleber mit dem Spruch: „Bei Lebensgefahr ruft einen katholischen Priester!“     – Die Aufkleber-Idee stammt vom berühmten Straßenprediger Pater Johannes Leppich, der sie uns schon in den 80er Jahren persönlich zur Ausführung anvertraut hat.

Der Kongreß war für uns und viele KOMM-MiT-Freunde wieder sehr interessant, anregend und vielseitig.  Wir haben uns besonders gefreut, wieder so viele liebe Mitstreiter, Ferienhelfer, frühere Verlags-Praktikanten und gute Bekannte begrüßen zu können!

Cordula und Almut 2011 an unserem Stand 

Am Samstagabend (15.9.) gab es eine eindrucksvolle, von glaubensfroher Andacht geprägte Lichterprozession durch die Altstadt Aschaffenburgs, an der über tausend Gläubige singend und betend teilnahmen.

Unser Foto zeigt vier einsatzfreudige Mädels, die eine Statue „Madonna mit Christuskind“ vom Kongreßzentrum zum Prozessionsplatz tragen.

Ebenfalls am Samstag gab es eine feierlich gestaltete Jugendmesse mit Bischof Dr. Gregor Maria Hanke, der mit einer Reihe Priestern am Altar konzelebrierte, darunter der Konvertit Peter Kemmether (ein früherer evangelischer Pastor) aus dem Bistum Regensburg.

Die Predigt des Eichstätter Bischofs war glaubenstief und gehaltvoll:

Er wies darin auf die treue und starkmütige Haltung der Gottesmutter unter dem Kreuz hin und empfahl ihre Glaubenskraft und ihr unerschütterliches Vertrauen auf den Ewigen als Vorbild für uns alle. 

Text und Fotos: Felizitas Küble, Münster