Christen, seid wachsam – auch hinsichtlich der Gefahr einer Weltregierung

Von Prof. Dr. Dr. Daniel von Wachter

Christen haben es eigentlich leichter als andere, sich nicht durch die herrschende Stimmung, sondern durch die Vernunft leiten zu lassen.

Aus der christlichen Lehre wissen sie, daß der Mensch – oder auch böse Geister oder der Teufel – zu großer Lüge und Bosheit fähig ist. Sie wissen, daß der Mensch nicht nur gute Absichten hat, sondern böse Neigungen hat. Jesus und die Bibel haben die Christen gewarnt, daß Gott viel Böses zuläßt und daß sie wachsam sein müssen, um die Lüge zu erkennen und nicht verführt zu  werden.

Auch vor einer antichristlichen Weltregierung warnt die Bibel (vgl. Off. 13,8; 2. Thess. 2).

Christen wissen also, daß es durchaus große, bösartige Verschwörungen geben kann, die einem Nichtchristen unvorstellbar erscheinen mögen. Christen wissen, daß „Machthaber und Könige“ (Mk 13,9) und der „Fürst dieser Welt“ (Joh 12,31; 14,30) viel Böses tun können.

Daher werden Christen nicht blauäugig annehmen, daß Regierungen stets das Gute für die Bürger wollen. Das sollte es den Christen leichter machen, Lügen zu erkennen, Gruppendruck zu widerstehen und Propaganda zu durchschauen.

Sehen wir uns einige Bibelstellen dazu an. In der Endzeitrede warnte Jesus die Jünger und, so nehme ich an, auch die Christen späterer Generationen, daß sie auf „Wehen“ gefaßt sein sollen, bevor der Sohn des Menschen, das ist Jesus Christus, wiederkommen wird.

Unruhen, Christenverfolgung, Trübsal, Greuel der Verwüstung. Viele werden verführt werden, viele Christen werden vom Glauben abfallen. Jesus will mit dieser Rede die Christen nicht nur über Zukünftiges informieren, sondern er will sie warnen, vorbereiten und ermahnen. Er will ihr Handeln beeinflussen. „Sehet euch vor!“ (Mk13,23); „Sehet zu, wachet und betet; denn ihr wißt nicht, wann es Zeit ist“ (33); „Wachet, auf daß nicht der Herr, wenn er plötzlich kommt, euch schlafend findet“ (35f).

Die Rede darf also nicht fatalistisch gedeutet werden. Es ist nicht so, daß alles kommt, wie es muß, und wir nichts tun können. Insbesondere ob Christen verführt werden und ob sie vom Glauben abfallen, hängt davon ab, ob sie wachsam sind. Es hängt davon ab, ob sie sich bemühen, wachsam zu sein.

Diese Ermahnung und Warnung gilt für Christen nicht nur ab einer bestimmten Häufigkeit von Erdbeben, sondern allezeit. Also auch jetzt in der Coronakrise, egal, ob Christus in einem Monat oder in tausend Jahren wiederkommen wird.

Angewandt auf die Coronakrise heißt das erstens, daß die Gefahr der Täuschung und der Verführung besteht, und zweitens, daß wir mit Leid, Christenverfolgung und vielen anderen bösen Taten rechnen sollen.

Die Offenbarung des Johannes malt im 13. Kapitel die Szene der „zwei Tiere“. Vom ersten Tier heißt es: „Die ganze Erde sah verwundert dem Tier nach, und sie beteten den Drachen an“ (Vers 3f). „Ihm wurde ein Maul gegeben, zu reden große Dinge und Lästerungen, und ihm wurde Macht gegeben, zweiundvierzig Monate lang zu wirken“ (5).

Gott erlaubte ihm, „Krieg gegen die Heiligen“ – gemeint sind die Christen – zu führen „und sie zu überwinden. „Und ihm wurde Macht gegeben über alle Stämme und Sprachen und Völkerschaften.“ – Alle, „deren Namen nicht geschrieben sind in dem Lebensbuch des Lammes“ (8), beten es an.

Dann wird in die Szenenbeschreibung eine Ermahnung eingeworfen: „Hat jemand Ohren, der höre!“ Das zweite Tier macht, daß die Menschen das erste Tier anbeten. (12) „Es tut große Zeichen“ und „verführt, die auf Erden wohnen“ (14).

Auch bewirkt es, daß alle „sich ein Malzeichen geben“ (16), „und daß niemand kaufen oder verkaufen kann, er habe denn das Malzeichen“ (17).

Mir scheint, es wäre nicht richtig zu behaupten, daß durch Offenbarung 13 Gottes Wort sagt, daß es eine Weltregierung geben wird, in der nur Menschen kaufen und verkaufen können, die ein bestimmtes Merkmal haben.

Denn Offenbarung 13 wird  –  wie die anderen Szenen der Offenbarung  – nur eingeleitet mit „Und ich sah“. Es wird nicht gesagt, daß es feststeht, daß es eine antichristliche Weltregierung geben wird. Aber auf alle Fälle warnt Offb 13 die Menschen vor dieser Gefahr, damit sie darauf gefaßt sind und sich vor der Verführung hüten, und vielleicht auch, damit sie etwas tun, um eine Weltregierung zu verhindern.

Für die Coronakrise heißt das, daß es für Christen falsch und irrational wäre, die Möglichkeit, daß jemand eine antichristliche Weltregierung aufbauen möchte, als absurd abzutun.

Wenn diese Möglichkeit aufgrund der Indizien unwahrscheinlich ist, dann sollten Christen nicht meinen, daß sie durch Offb 13 wüßten, daß jetzt eine Weltregierung komme.

Aber sie sollten wachsam sein – wie es z.B. die katholischen Verfasser des Aufrufs „Veritas liberabit vos https://veritasliberabitvos.info/aufruf/“, zu denen auch Kardinal Gerhard Müller gehört, vorgemacht haben – und nicht einfach der Regierung und dem Fernseher glauben, daß der Lockdown der Gesundheit diene.

Unser Autor Daniel von Wachter ist evangelischer Christ und Philosoph; er ist Direktor der Internationalen Akademie für Philosophie im Fürstentum Liechtenstein.

Wir danken dem Professor für seine freundliche Abdrucksgenehmigung. Den vollständigen Text seines Aufsatzes lesen Sie hier: https://kirche-und-corona.de/auf-dass-er-euch-nicht-schlafend-finde/

Weiteres von ihm zum Thema auf http://www.von-wachter.de/cov/

 


Sommerfest in Haus Assen mit klassischer Liturgie und feierlicher Prozession

Von Felizitas Küble

Das Haus Assen ist ein imposantes Wasserschloß in Ostwestfalen (Lippetal), das unter der Trägerschaft des SJM-Ordens (Diener Jesu und Mariens) steht: https://www.haus-assen.de/home.html

Seit Jahren werden dort Exerzitien, Seminare und Tagungen für jung und alt sowie Freizeiten für Familien durchgeführt – in Coronazeiten wurden die Angebote natürlich stark eingeschränkt.

Haus Assen liegt sehr reizvoll und idyllisch am Rande einer Waldlandschaft. Die religiöse Ausrichtung der SJM-Patres ist theologisch konservativ und hält sich treu an die kirchliche Lehre. Gefeiert wird dort eine ehrfurchtsvolle Liturgie, teils im alten, teils im neuen Ritus, aber immer solide und volksnah zugleich.

Das diesjährige Sommerfest am 28. Juni fand „virusbedingt“ in einer abgespeckten Version statt, die sonst übliche Freiluft-Theateraufführung blieb aus, aber die feierliche heilige Messe am Vormittag mit darauffolgender Prozession zog viele Menschen an, darunter vor allem Familien und Jugendliche aus der KPE (Kath. Pfadfinderschaft Europas).

Danach konnten sich die Teilnehmer auf der großflächigen Wiese mit jeweils großem Abstand niederlassen, ihre Decken ausbreiten und ihr mitgebrachtes Essen verspeisen.

Das Sommerfest wird jährlich stets an einem Sonntag Ende Juni oder Anfang Juli veranstaltet, denn das Patrizonium der Schloßkapelle gilt der „Heimsuchung Mariens“, dem kirchlichen Fest vom 2. Juli.

Der entsprechende Abschnitt aus dem Lukas-Evangelium, der vom Besuch Mariens bei ihrer Verwandten Elisabeth berichtet, wurde verlesen und zugleich darüber gepredigt. Pater Roland Schindele – er ist Hausleiter von Schloß Assen  – sprach über die Bedeutung dieser Bibelperikope unter dem Gesichtspunkt des göttlichen Segens für die Menschen.

So wie sich einst Abraham auf Gottes Geheiß hin auf den Weg machte und dadurch zum zukünftigen Segensträger für Israel und die Welt erwählt wurde („in Dir sollen gesegnet werden alle Völker auf Erden“), gilt diese Verheißung für die Mutter unseres HERRN noch stärker, denn sie war sogar Christusträgerin, trug sie doch den göttlichen Erlöser in ihrem Leib, als sie sich auf den beschwerlichen Weg zu Elisabeth und Zacharias machte.

Pater Schindele erläuterte, auf diese Weise sei das Fest Maria Heimsuchung gleichsam ein „Muttertag“ im direkten und im geistlichen Sinne, zumal alle Menschen ihr Dasein vor allem ihrer Mutter verdanken.

Der Geistliche rief die Männer, ob jung oder alt, dazu auf, allen Mädchen und Frauen mit Ehrfurcht und Ritterlichkeit zu begegnen. Die Frauen wiederum sollen Gott dankbar sein für ihre Möglichkeit der Mutterschaft, denn der Allmächtige habe ihnen damit eine heilige Aufgabe anvertraut, etwas ganz Großes.

BILD: Prozession um das Wasserschloß mit Geistlichen, Pfadfindern und Familien

Durch die christliche Ehe und Familie könnten Männer und Frauen zum Segensträger für Kirche und Welt werden. Der heilige Kirchenvater Augustinus von Hippo habe dies auf den Punkt gebracht und gesagt: Gebt mir betende Mütter und ich rette die Welt.

Der Besuch der Gottesmutter bei ihrer Cousine Elisabeth verweise vor allem auf zwei Eigenschaften der Madonna: Ihre Demut und ihre Nächstenliebe. Aus Demut habe sie ihrer betagten Verwandten dienen wollen, aus Nächstenliebe habe sie sich trotz eigener Schwangerschaft „eilends“ auf den Weg über das Gebirge gemacht, alle damit verbundenen Mühen und Beschwerden tatkräftig und ohne jedes Zögern auf sich genommen.

So habe sie ihr Wort „Ich bin die Magd des HERRN“ zur Tat werden  lassen, denn ohne Werke sei der Glaube nur ein „leeres Gerede“.

Nachdem Maria das göttliche Kind in ihrem Mutterleib zu ihren Verwandten bringt, wird Elisabeth – so heißt es im Evangelium  – vom „Heiligen Geist erfüllt“ und preist Maria als die „Gesegnete unter den Frauen“ und als „Mutter meines HERRN“ – und (an)erkennt sie damit als Gottesmutter.

Dies gilt analog – in entsprechender Weise – auch für uns Gläubige: Wir sollen durch unser Apostolat Christus zu den Menschen bringen – und mit IHM auch zugleich den Heiligen Geist und seine Gaben. So werden wir mit Gottes Hilfe zum „Christopherus“, zum Christusträger – und damit auch zu Segensträgern, ja gleichsam zu einer „Monstranz“ für den Ewigen selbst.

Nach der heiligen Messe im überlieferten Ritus wurde eine feierliche Prozession zur Anbetung des Altarsakramentes und zu Ehren der Madonna durchgeführt. Der andächtige Gebetszug um das Wasserschloß und zurück zum Freiluft-Altar begann mit dem eucharistischen Lied: „Das Heil der Welt, Herr Jesus Christ, wahrhaftig hier zugegen ist…“ 

Zum Abschluß sangen die Gläubigen das grandiose „Te Deum“ (Großer Gott, wir loben dich) und das ergreifende Lied „Segne Du, Maria, segne mich, dein Kind….“. Die Sakramentsprozession mit dem Priester und dem Allerheiligsten unter dem „Himmel“, der von vier Männern getragen wurde, wurde als eine eindrucksvolle Ergänzung und Vertiefung der vorherigen Festmesse empfunden.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Jugendverlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Die heutige Ansprache Bischof Rudolf Voderholzers zum Besuch von Benedikt XVI.

Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Der letzte Tag des Kurzbesuches von Papa em. Benedikt XVI. begann noch einmal überraschend, dann aber doch wieder nicht. Benedikt hatte entschieden, vor dem Abflug noch einmal in der Luzengasse vorbeizufahren und ein allerletztes Mal den Bruder zu treffen. So schließt sich der Kreis. Die erste und letzte Begegnung ist die am Krankenbett des altersschwach im Bett liegenden Bruders.

Am Flughafen wurden wir bereits erwartet von Ministerpräsident Söder und Staatsminister Florian Hermann, der auch schon bei der Begrüßung gekommen war. Viele Medien waren vertreten. Der Ministerpräsident sprach von einer großen Ehre für Bayern und einer großen Freude.

Benedikt XVI. hat sich ganz herzlich bedankt für den Empfang und die große Wertschätzung, die durch die Anwesenheit des Ministerpräsidenten zum Ausdruck komme.

Ich habe ihm dann zum Schluss noch einmal Gottes Segen für einen guten Flug gewünscht und ihm versprochen, dass wir gut auf seinen Bruder schauen werden.

Mit diesem Abschied endete ein unvorhergesehener, auf die Schnelle von jetzt auf gleich zu planender, für alle Beteiligten herausfordernder, aber letztlich hervorragend verlaufener, hoch emotionaler Besuch.

Ich darf Ihnen sagen, dass ich natürlich sehr erleichtert bin, und dass es mich freut, dass die Begegnung, ein Herzenswunsch der beiden Brüder, für beide sehr aufbauend und ganz offenkundig auch stärkend war.

BILD: Kruzifix im Regensburger Dom St. Peter

Benedikt XVI., der seit 2013 emeritierte Papst, war 5 Tage in Regensburg. Ein Mann besucht seinen schwerkranken und hochbetagten Bruder, bewegt von der Sorge, ihn nicht mehr lebend auf dieser Welt anzutreffen.

Er besucht seine Heimat, die Grabstätte seiner Eltern, sein Haus, mit dem ihn eine Lebenssehnsucht verbindet und wo er eigentlich seinen Lebensabend hatte verbringen wollen, er hat das Institut Papst Benedikt besucht, in dem sein Theologisches Werk umfassend dokumentiert und die Gesamtausgabe vorbereitet wird, und wir haben am Wolfgangs-Schrein im Regensburger Dom gebetet – es hat sich so gefügt, dass der spontane Besuch mit dem Beginn der Wolfgangs-Woche, der diözesanen Festwoche in der Vorbereitung auf die Priesterweihe zusammenfiel.

Es sollte ein rein privater Besuch werden ohne offizielles oder diplomatisches Protokoll, was natürlich bei einem Mann der Öffentlichkeit nur schwer zu realisieren ist.

So kam es immerhin zu einer Begegnung mit dem Apostolischen Nuntius, dem Vertreter von Papst Franziskus in Deutschland. Dieser Besuch, der nicht von extern, sondern von intern sozusagen kam, war ein Zeichen des Wohlwollens und der Unterstützung von Papst Franziskus.

Ich habe Benedikt in meiner Predigt vom gestrigen Sonntag einen Jahrhunderttheologen und den größten Prediger auf dem Stuhl Petri seit Leo und Gregor, den beiden „Großen“, genannt.

Unzählige Menschen haben sich ergreifen lassen von seinem Wort und finden nach wie vor in seinen Werken Ermutigung und Stärkung im Glauben.

Aus der Feder Joseph Ratzingers / Papst Benedikts stammen internationale Bestseller mit Millionenauflagen. Ich nenne nur seine 1968 erstmals erschienene „Einführung in das Christentum“ und seine „Jesus-Trilogie“. Er hat Millionen junger Menschen bewegt, etliche Hunderttausende allein zum Beispiel auf dem Kölner Weltjugendtag. Er sprach gerade die Zweifler an, die Menschen, die auf der Suche sind nach einer sinnerfüllten Existenz, die sich gleichzeitig den Herausforderungen der Vernunft und des Glaubens stellt. Er beeinflusste maßgeblich die zentralen Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils, die der Kirche von heute und morgen den Weg weisen.

Sein theologisches Werk ist in vieler Hinsicht prophetisch und in seiner Tiefe ein epochales Zeugnis menschlicher Größe, Würde und Glaubenskraft.

Er war Oberhaupt von 1,3 Milliarden Katholiken aller Völker und Nationen. Immer aber war er ein Brückenbauer, ein Pontifex, der in seiner stillen, ja demütigen Art Menschen gewinnen konnte, die Begegnung mit Christus zu suchen.

In den vergangenen fünf Tagen nun haben wir diesen Mann in seiner Gebrechlichkeit, in seiner Altersschwäche und seiner Endlichkeit erlebt. Er spricht mit leiser, ja fast flüsternder Stimme; und die Artikulation bereitet ihm sichtlich Mühe. Seine Gedanken aber sind völlig klar; sein Gedächtnis, seine Kombinationsgabe phänomenal. Für praktisch alle alltäglichen Lebensvollzüge ist er auf die Hilfe anderer angewiesen. Es gehört viel Mut, aber auch Demut dazu, sich so in die Hände anderer Menschen zu begeben; und sich auch in der Öffentlichkeit zu zeigen. Dabei war ihm klar, dass man ihn nicht würde ganz verbergen können. Unser Anliegen war es, Sie alle zu bitten, die Privatsphäre zu achten.

Seine verbliebene Kraft musste er vollständig mobilisieren, um Abschied zu nehmen. Benedikt XVI. begegnete uns in all seiner gealterten Schwäche und wir durften dabei erfahren und miterleben, was bei aller menschlichen Größe und Schaffenskraft am Ende aller Tage wirklich wichtig ist.

Da ist zunächst die Liebe, die ein Mensch von seinen Eltern erfährt. Sie baut ihn auf, sie ermutigt seinen Weg, sie entfaltet die Kraft, einem Lebensweg die Richtung zu schenken. Sie trägt ihn auch noch, wenn das Ende in Sicht ist. Ich habe gestern in der Predigt anlässlich der Feier der Ehejubiläen und im Blick auf die Priesterweihe nächsten Samstag gesagt: Die Liebe der Eltern ist das erste Sakrament im Leben eines Menschen, auch und gerade eines Priesters, sogar eines Papstes. Diese Liebe ist ein Abbild der Liebe Gottes, von der sie sich empfängt und die sie den Kindern überliefert.

Es ist die dankbare Erinnerung an diese grundlegende Erfahrung, die Benedikt XVI. an das Grab von Mutter und Vater in Ziegetsdorf führten. Zur Erinnerung: Die Geschwister Ratzinger hatten 1974 beschlossen, ihre Eltern vom Friedhof in Traunstein, wo sie ja zunächst begraben wurden – der Vater starb 1959, die Mutter 1963 – nach Ziegetsdorf überführen zu lassen, damit die Familie sozusagen beisammen ist. 1991 wurde in diesem Grab dann auch die ältere Schwester begraben, zu deren Tod der damalige Kardinal Ratzinger, zu seinem großen Schmerz, nicht rechtzeitig gekommen war.

All das zeigt aber, wie sehr für ihn Regensburg irdische Heimat darstellt. Heimat wird konstituiert vor allem durch Beziehung. Die Liebe zur Heimat steht dabei nicht im Widerspruch zur Hoffnung, Mutter und Vater in der Ewigkeit Gottes wiederzusehen.

Es ist diese Zuneigung, die Benedikt zu dieser Reise bewogen und die ihn an das Krankenbett seines Bruders geführt hat. Man kann nur jedem eine solche Zuneigung wünschen, ein so brüderliches Miteinander, wie sie sich in der Beziehung der Geschwister Ratzinger bezeugt. Sie lebt von Treue, Vertrauen, Selbstlosigkeit und einem tragfähigen Fundament: im Falle der Brüder Ratzinger ist das der gemeinsame, lebendige Glaube an Christus, den Gottessohn.

Neunmal trafen die beiden Brüder zusammen. Jede dieser Begegnung hat ihnen ganz offenkundig Lebenskraft, frischem Mut und Freude vermittelt. Neunmal fanden sie zueinander mit wenigen Worten, mit den vertrauten Gesten und vor allem im Gebet. Bis auf heute wurde an jedem Tag am Krankenbett – im kleinsten Kreis – die Eucharistie gefeiert. Am Freitag, zum Herz-Jesu-Fest, durfte ich der Messe vorstehen. Man spürt: das ist die Quelle, von woher die beiden leben.

Benedikts Reise war vielleicht auch ein Abschied von seiner bayerischen Heimat. Heimat ist der Horizont der ersten Erinnerungen und der Ort, mit dem sich die tragenden Beziehungen eines Menschen verbinden. Es war zu spüren, wie sehr Benedikt aufblühte, wenn er die vertraute Landschaft, die vertrauten Gassen und Wege und vor allem die Menschen durch die Scheiben seines Transportautos sah. Ich glaube, am liebsten wäre er wie früher von Pentling mit dem Fahrrad in die Regensburger Altstadt gefahren und gerne hätte er sich zu den jungen Menschen auf den Bismarckplatz gesetzt, um zuzuhören, mitzulachen und um ein wenig zu ratschen. 

Benedikts Reise war auch ein geistlicher Weg. In meinem Erleben schloss sich ein Kreis, als wir am Sonntag zusammen am Schrein des Heiligen Wolfgangs im Regensburger Dom beteten. Wir beteten eine Fürbittlitanei zum Heiligen Wolfgang, dann das Vater Unser, ein Ave Maria, sangen das Te Deum und das Salve Regina.

BILD: Frühere Prozession zum Regensburger Dom

Ich bat Benedikt um seinen Segen für die Gläubigen und die Kirche in Regensburg, den er bereitwillig spendete. Getragen war das gemeinsame Beten von der Hoffnung und dem Glauben, geborgen zu sein in Gott. Einem Gott, der uns die Türen des Himmels offenhält. Der uns einen Platz in der ewigen Heimat bereithält. In dem unser Leben seinen Sinn und seine Fülle gewinnt. Und der uns mit Gnade und Barmherzigkeit betrachtet.

Manche sahen in Benedikts Besuch ein historisches Ereignis. Andere zuckten vielleicht mit den Schultern, weil sie Christus und seiner Kirche wenig Bedeutung beimessen. In meinen Augen war der Besuch vor allem eine Reise der Menschlichkeit. Ein Mann, mit dem man Großes verbinden kann, begegnete uns als gebrechlicher, ja hilfloser Mensch, dessen verbliebene Lebenskraft gerade mal ausreicht, das Wesentliche auf dieser Welt im Blick zu halten.

Mich hat dieses Erlebnis sehr bewegt – ich brauche selber jetzt erst einmal ein wenig Abstand. Es hat mich ja ganz unvermittelt und unvorbereitet getroffen. Meine erste Reaktion auf die Ankündigung von Erzbischof Gänswein war: wir werden alles in unserer Macht stehend tun, um dem Papa emerito diesen Wunsch zu ermöglichen, und es war mir und allen meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Ehre, dem emeritierten Papst zu Diensten zu stehen.

Ich danke allen Mitarbeitern in der Ordinariats-Konferenz, im Domkapitel und im Priesterseminar unter Leitung von Regens Msgr. Martin Priller, die in kürzester Zeit die Beherbergung organisierten – nicht nur für Benedikt selbst sondern auch für die Menschen, die ihn begleiteten und für die Polizisten, die die Verantwortung für die unmittelbare Sicherheit trugen. Ich danke dem Caritas-Direktor Diakon Weißmann, der ja nicht nur Theologe sondern auch ausgebildeter Krankenpfleger ist, für die hervorragende Arbeit im Hintergrund.

Den großen und weitgehend ehrenamtlich geleisteten Dienst der Malteser, die den Fahrdienst bewerkstelligten, habe ich bewundert ebenso wie die so flexible, freundliche und zutiefst professionelle Arbeit der Polizei. Ich bitte Sie, diesen meinen Dank, auch im Namen von Benedikt XVI. und von Erzbischof Gänswein, unbedingt öffentlich zum Ausdruck zu bringen.

Nicht zuletzt möchte ich diesen Dank auch Ihnen, den Journalistinnen und Journalisten aussprechen. Sie haben zurückhaltend berichtet und mit diesem Dienst wesentlich dazu beigetragen, dass diese im Kern private Reise auch eine private bleiben konnte, und doch ein bewegendes Ereignis wurde für viele Regensburgerinnen und Regensburger, für die ganze Region und, wie ich von verschiedenen Seiten mitgeteilt bekomme, für die Christenheit sogar weltweit.

Vielen Dank!

Dieser Text ist das Redemanuskript Bischof Voderholzers für sein Statement im Rahmen einer kleinen Pressekonferenz im Innenhof des Bischöflichen Ordinariats am 22.6. 2020. Während des Vortrags ergänzte er das geschriebene Wort um einige Anmerkungen. Die Tondatei können Sie sich hier anhören: https://www.bistum-regensburg.de/news/update-2006-1700-uhr-papst-emeritus-benedikt-xvi-in-regensburg-7519/


Kevelaer: Bischof Bätzing kritisiert Selbstmord-Urteil des Bundesverfassungsgerichts

„Für die Heiligkeit des Lebens eintreten“

Die Pilgerzeit in Kevelaer am Niederrhein ist am Freitag mit einem Pontifkalamt durch den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, eröffnet worden.

Angesichts der Corona-Pandemie und ersten Lockerungen für Gottesdienste war die Eröffnung der Wallfahrt in Kevelaer eine der ersten öffentlichen, größeren Eucharistiefeiern in Deutschland. 150 Gläubige nahmen in der Basilika daran teil.

In seiner Predigt kritisierte Bätzing das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 26. Februar 2020, mit dem die geschäftsmäßige Beihilfe zum Selbstmord für rechtens erklärt wurde. Das erschüttere ihn und stelle einen „tiefen Einschnitt in die Rechtskultur und die ethischen Grundwerte unseres Landes“ dar.

BILD: Zwi Pilgerinnen bei der Gnadenkapelle im Marienwallfahrtsort Kevelaer

„Galt bislang das Recht des Lebens als oberstes Prinzip und der Schutz des Lebens als vornehmste Pflicht des Staates, so wird nun die autonome Selbstbestimmung des Menschen darüber gestellt und die Selbsttötung sozusagen zum Inbegriff der Autonomie des Menschen, die von Staat und Gesellschaft zu respektieren sei“.

Das Urteil fordere Gläubige heraus, „ganz entschieden für die Heiligkeit und Unverfügbarkeit des Lebens einzutreten, für das Lebensrecht der Schwachen, Kranken, Leidenden und Sterbenden. Sie haben Lebensanspruch und Lebensrecht bis zum letzten Atemzug“.

Bischof Bätzing betonte, dass auch das Recht auf Selbstbestimmung des Einzelnen ein hohes Gut sei. Dem Respekt vor dem menschlichen Leiden und vor freien Entscheidungen werde dadurch viel eher entsprochen, wenn menschenwürdiges Leben bis zum Ende und damit menschenwürdiges Sterben möglich blieben. „Darum werden wir unseren Einsatz für die Palliativmedizin und die Hospizarbeit verstärken und gegen allen ökonomischen Kostendruck dafür öffentlich eintreten“, betonte Bischof Bätzing.

Quelle: https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2020-05/kevelaer-wallfahrt-corona-virus-baetzing-suizidbeihilfe-kritik.html

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

 


Bistum Regensburg: Erste öffentliche Messfeier am 4. Mai um 0,05 Uhr in Eschenbach

Die Freude über die wiedererlangte Möglichkeit, mit den Gläubigen Gottesdienst in der Öffentlichkeit zu feiern, ist derart groß, dass der erste Gottesdienst im Bistum Regensburg gleich am Montag um 5 Minuten nach Mitternach beginnt: in Eschenbach in der Oberpfalz.

Bereits in der Nacht des Montag, 4. Mai, um 0.05 Uhr feiert Dekan Thomas Jeschner in der Pfarrkirche St. Laurentius Eschenbach den ersten Gottesdienst mit zugelassener Öffentlichkeit. Dies war seit Sonntag, 15. März, nicht mehr möglich gewesen.

BILD: Dekan Jeschner feiert den ersten Gottesdienst mit Öffentlichkeit in Bayern

Sieben Wochen lang wurden keine Gottesdienste mit der physischen Präsenz der Öffentlichkeit und der Gläubigen mehr gefeiert. Ab dem Augenblick, da dies wieder möglich ist, wird es im Bistum Regensburg unmittelbar vollzogen.

Dekan Jeschner erklärte, insbesondere bei den Gläubigen sei die Vorfreude im Vorfeld des Gottesdienstes enorm zu spüren:

„In die Dunkelheit, in die wir uns wochenlang versetzt gefühlt haben, gehen wir hinein und feiern genau hier, in der hell erleuchteten Kirche unseren öffentlichen Gottesdienst.“

Jetzt wird das erlebt, was bei der Auferstehungsfeier an Ostern bedauerlicherweise ohne die gläubigen Gottesdienstbesucher gefeiert wurde.

Die Vorbereitungen der hl. Messe entsprechen den Vorgaben des Bistums. Insbesondere die Spendung der heiligsten Kommunion sei hier von großer Bedeutung, erklärte der Dekan. Es wird die Orgel gespielt werden, gesungen werden soll etwas leiser als in früheren Zeiten. Ohnehin werden die anwesenden Gläubigen Masken tragen.

Worauf sich Pfarrer Jeschner am meisten freut? „Auf die Begegnung mit den Gläubigen zusammen im Gottesdienst.“ –  Zunehmend war gefragt worden, erklärt Jeschner: „Wann feiern wir wieder Gottesdienst?“ Diesem Wunsch lässt sich jetzt wieder freudig nachkommen, stellte er froh fest.

Quelle: Bistum Regensburg  –  Fotos: Robert Dotzauer


Vatikan: Kurienkardinal Becciu verurteilt Polizeieingriff bei unerlaubter Meßfeier

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Keiner staatlichen Autorität in Italien steht es zu, einen Gottesdienst zu unterbrechen. Mit diesen Worten hat der italienische Kurienkardinal Angelo Becciu einen Priester verteidigt, der in Norditalien die hl. Messe mit rund 15 Gläubigen feierte und dafür bestraft wurde.

„Wenn der Zelebrant sich einer Übertretung schuldig gemacht hat, soll er nachher und nicht währenddessen belangt werden“, schrieb der Kardinal auf Twitter. In Italien ist das Feiern von Gottesdiensten mit Gläubigen wegen der Corona-Pandemie seit Wochen nicht erlaubt.

In dem Dorf Gallignano im Bistum Cremona verwies der Pfarrer Lino Viola dennoch nicht die wenigen Gläubigen vom Platz, die sich zur Feier der Messe eingefunden hatten. Die Carabinieri schritten während der Messe ein, doch der Pfarrer zelebrierte weiter. Sowohl der Priester als auch die anwesenden Gläubigen erhielten eine Geldstrafe.

Das Bistum drückte sein Bedauern über den Vorfall aus und hielt fest, der Pfarrer habe die staatlichen und kirchlichen Vorgaben nicht beachtet. Die anhaltende Trennung vom Altarsakrament sei allerdings schmerzhaft für viele Priester und Gläubige.

Quelle und volle Meldung hier: https://www.vaticannews.va/de/vatikan/news/2020-04/kardinal-becciu-priester-cremona-verbotene-messe-corona.html


Union: Gottesdienste unter Auflagen zulassen

Im Zusammenhang mit ersten vorsichtigen Lockerungen der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie wird auch über die Zulässigkeit der Feier von Gottesdiensten in Kirchen, Moscheen oder Synagogen diskutiert.

Dazu erklärt der kirchenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hermann Gröhe:

„In Gemeinschaft gefeierte Gottesdienste sind wesentlicher Ausdruck der Religionsfreiheit und für viele Gläubige Quelle von Hoffnung und Kraft in schwierigen Zeiten. Sie tun den Gläubigen und damit auch unserem Land gut!

Ich hoffe sehr, dass die Gespräche zwischen den Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie den Verantwortlichen auf Länder- und Bundesebene zur Verständigung darüber führen werden, dass in Kirchen, Moscheen und Synagogen zeitnah wieder öffentliche Gottesdienste gefeiert werden dürfen.

Selbstverständlich müssen im Vorfeld verbindliche Vorgaben zur Gewährleistung des Gesundheits- und Infektionsschutzes verabredet werden. Hier sind auch die Kirchen und Religionsgemeinschaften gefragt, konkrete Vorschläge zu machen, wie bei der Feier von Gottesdiensten auf die Einhaltung des Mindestabstands geachtet sowie die Möglichkeit der Handhygiene sichergestellt werden kann. Gegebenenfalls sollte auch das verpflichtende Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in Betracht gezogen werden.“


Spezielle Prioritäten von Kardinal Dr. Reinhard Marx in Corona-Zeiten und danach

Von Reinhard Wenner

Im Blog „Katholisches.de“ ist am Gründonnerstag, dem 9. April 2020, ein Interview von KNA-Redakteur Renzikowski mit Kardinal Reinhard Marx, dem Erzbischof von München und Freising, veröffentlicht worden.

Das Interview ist nicht nur interessant, weil der Kardinal seine Ansicht zur Bedeutung der Eucharistiefeier im Leben der Kirche während der Corona-Pandemie mitteilt, sondern auch wegen der Prioritäten für künftige kirchliche Aktivitäten.

Die größte Aufgabe der katholischen Kirche sieht der Erzbischof derzeit nicht darin, trotz der Corona-Pandemie das sakramentale Leben für die Katholiken zu gewährleisten, sondern dass „wir andere schützen“. Der „Gottesdienst“ gilt gegenüber diesem „Menschendienst“ zur Zeit als nachrangig.

Unklar ist, warum Kardinal Marx eine Entweder-Oder-Situation sieht und die derzeitigen staatlichen Einschränkungen der Glaubensfreiheit als „sehr gut begründet“ akzeptiert. Die Grundsätze, die beim Einkauf von Lebensmitteln gelten, lassen sich meines Erachtens auch auf die Teilnahme an gottesdienstlichen Feiern anwenden: Sicherheitsabstände einhalten, keine Begrüßung per Händedruck oder Umarmung, ggf. noch Mund- und Nasenschutz tragen. Außerdem könnte in den Eucharistiefeiern auf Gesang verzichtet werden.

Kardinal Marx aber hält den Hinweis auf „Sicherheitsabstände“ beim Einkauf von Lebensmitteln im Hinblick auf Gottesdienste für „etwas merkwürdig“. Er meint: „Dann müsste man die Zahl der betreffenden Gottesdienstbesucher beschränken und all das auch kontrollieren“.

Aber ist das Prinzip „alle oder keiner“ für die Frage nach der Zulassung zur Eucharistiefeier angemessen?

Wenn das ein legitimes Kriterium wäre, dürfte man z.B. Leute, die am Corona-Virus erkrankt sind, nur dann an ein Sauerstoffgerät anschließen, wenn für alle Corona-Erkrankten ein Sauerstoffgerät zur Verfügung steht.

Die Frage nach einer Erhöhung der Zahl sonntäglicher Eucharistiefeiern wird nicht angesprochen.

Außerdem: Warum soll das, was in Hunderten von Lebensmittelgeschäften und in Baumärkten möglich ist, in den einzelnen Kirchen nicht machbar sein? Sind Priester, Pastoral- und Gemeindereferenten, Pfarrgemeinderäte, Kirchenvorstände, Vorstände kirchlicher Vereinigungen nicht fähig oder nicht willens, entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen und auf die Einhaltung zu achten?

Den Auftrag der Kirche, das „Evangelium zu verkünden“, sieht Kardinal Marx durch die modernen Medien gut gewährleistet. Die Verkündigung (Mt 28,20) ist aber nur ein Teil des Auftrages Jesu. Hinzu kommt Jesu Wort im Abendmahlssaal: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ (Lk 22,19).

Wie kann der Verkündigungsdienst gelingen, wenn Eucharistiefeiern zumindest vorübergehend als nachrangig angesehen werden und den Laien die Teilnahme an den Eucharistiefeiern verweigert wird? Wenn Jesu Wort gilt: „Ohne mich könnt ihr nichts tun“ (Joh 15,5), sollte an der Eucharistiefeier mit Kommunionempfang auch in Pandemiezeiten festgehalten werden.

Kardinal Marx weiß der Pandemie sogar Positives abzugewinnen: „Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen offener für unsere Botschaft werden.“

Jesus Christus hat mit seiner Botschaft vom Reich Gottes auch ohne Pandemie Aufmerksamkeit erlangt.

Auf die Frage, wo wir in keinem Fall so weitermachen können wie bisher, nennt Kardinal Marx das Gesundheitswesen, die Klima-Debatte, den entfesselten globalen Kapitalismus. Er fordert „eine neue, wirklich nachhaltige Ordnung, die möglichst allen Menschen nützt“.

Die katholische Kirche in Deutschland muss sich bei diesen Themen nicht zurückhalten. Aber vorrangig sollte sie sich gegen das himmelschreiende Unrecht der Abtreibungen wenden.

Über 42 Millionen Kinder werden nämlich jährlich weltweit vor der Geburt getötet. Vom vorrangigen Einsatz für die Ungeborenen aber ist keine Rede. Kardinal Marx spricht auch nicht das Thema „Ehe für alle“ an – als wenn es keine Schöpfungswahrheiten gäbe. Er schweigt zu all dem, was mit „Gender“ umschrieben wird. Die weltweiten Christenverfolgungen erwähnt er ebenfalls nicht, auch nicht die Kriege.

Kardinal Marx meint in dem Interview weiter, die Kirche müsse ihre Sendung neu begreifen. Sie dürfe „sich nicht in eine museale Vergangenheit zurückziehen“ und manchmal nicht „so sehr an alten Vorstellungen und Traditionen hängen“.

Und welche Kriterien sind maßgeblich? Das Neue ist nicht per se das Bessere, das Alte nicht per se der Feind des Neuen. Das Alte ist nur der Feind des schlechten Neuen. An schlechtem Neuen aber besteht in der katholischen Kirche derzeit kein Mangel.

Ein Blick auf so manchen Wildwuchs in der Messliturgie zeigt das. Und wenn es richtig ist, dass die Weise des Betens dem Inhalt des Glaubens entspricht (lex orandi – lex credendi), sollten einige Zelebranten mal wieder den Katechismus studieren. Außerdem wäre auch einigen vom „Bodenpersonal Gottes“ dringend zu empfehlen, wieder alle Gebote des Dekalogs zu befolgen.

Kardinal Marx verweist im Oster-Interview zweimal auf Papst Franziskus, erwähnt aber nicht, dass der Papst als Souverän des Vatikanstaates an die italienischen Gesetze nicht gebunden ist und damit auch nicht an die Vorschriften, die der italienische Staat zur Eindämmung der Corona-Pandemie erlassen hat.

Meines Erachtens hätten der Papst und die anderen Kleriker im Vatikan zusammen mit der Schweizer Garde etlichen Katholiken die Teilnahme an der Kar- und Osterliturgie ermöglichen können, ohne jemanden gesundheitlich zu gefährden. Papst Franziskus hätte für Kardinal Marx und für alle Pfarreien in Deutschland ein Ideengeber sein können.


Münster: Die heilige Corona im Paulus-Dom

Von Felizitas Küble

Über die heilige Corona, eine frühchristliche Märtyrerin, die interessanterweise seit jeher als Schutzpatronin „gegen Seuchen“ angerufen wird, hat unser CHRISTLICHES FORUM bereits vor ca. fünf Wochen berichtet: https://charismatismus.wordpress.com/2020/03/07/die-heilige-corona-war-eine-maertyrerin-2-jahrh/
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Nun ist eine ansprechende Figur der hl. Corona unlängst im St.-Paulus-Dom von Münster in Westfalen aufgestellt worden (siehe Foto).
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Dompropst Kurt Schulte, dem die ansprechende Statue gehört, erhielt sie einst von der Familie Hellraeth aus Rees. Frau Clara Hellraeth war kirchlich sehr aktiv und im Jahre 1916 sogar eine Mitbegründerin der Caritas für das Bistum Münster. Anläßlich der Corona-Krise kam der Geistliche auf die Idee, diese Heiligenfigur zur Verehrung in der Bischofskirche aufzustellen.
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Die Heilige ist natürlich nicht der Namensgeber für das verderbliche Virus. Corona (lat.) heißt einfach „Krone“ –  und das Virus erhielt diesen Namen aufgrund seines Aufbaus bzw. „kronenförmigen“ Aussehens.
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Inzwischen ist die Corona-Statue vom Altarraum des Domes nach ganz hinten in der Kirche verlegt worden – mit einem Betschemel davor.
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Diese Lösung ist besser, weil die Gläubigen die Heiligenfigur nun genauer anschauen können. Vorher war sie meterweit entfernt. In der Nähe der Statue liegen Infozettel mit einer Lebensbeschreibung der heiligen Corona aus.
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Einführung einer Kommunionspendung mit Pinzette könnte viele Probleme lösen

Von Felizitas Küble

Bekanntlich wird die hl. Kommunion bei den Orthodoxen und teils auch in altorientalischen Kirchen mit einem „liturgischen Löffelchen“ direkt in den Mund gespendet – und zwar unter beiden Gestalten (meist wird die hl. Hostie vorher in den Kelch getaucht).
Auch bei den christlichen Kopten empfangen die Gläubigen den eucharistischen HERRN grundsätzlich in Form der Mundkommunion, die immer von einem Geistlichen ausgeteilt wird (siehe unsere Fotos aus einer Koptenmesse in Münster mit Bischof Anba Damian).
Dasselbe gilt grundsätzlich für die syrisch-orthodoxe Kirche: „Der Laie erhält die Kommunion vom Priester mit der Hand in den Mund dargereicht.(1)
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Insofern wird dies bei den Kopten und christlichen Syrern gleich bzw. ähnlich wie früher in der hl. Messe bzw. im überlieferten Ritus der kath. Kirche gehandhabt.
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Nicht nur angesichts der Corona-Krise, sondern auch wegen der alljährlich wiederkehrenden Grippewelle im Winter wäre zudem die Einführung einer neuen Regelung in der katholischen Kirche ernsthaft zu überlegen, nämlich die Spendung der hl. Kommunion mit Hilfe einer Pinzette.
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Das bedeutet, daß der Priester oder Diakon den Gläubigen die hl. Hostie mit einer – natürlich sterilen – Pinzette in den Mund legt. Dem stände nichts im Wege: weder theologisch noch liturgisch und auch nicht kanonisch. (Ich habe bereits vor etlichen Wochen einen promovierten Kirchenrechtler dazu befragt).
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Vor allem wäre dies eine besonders hygienische Lösung, weitaus mehr als die größtenteils übliche Handkommunion (eigentlich genau genommen eine „Fingerkommunion“): Dort sind die Hände des Spenders und des Empfängers mitbeteiligt, vor allem Daumen und Finger der rechten Hand.
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Zwar könnten sich beide Personen vorher die Hände desinfizieren, doch dieser Vorgang wäre nicht nur weitaus umständlicher als die Pinzetten-Lösung, sondern auch im Vergleich dazu weniger sicher. Nach meiner Einschätzung würde es zudem würdiger aussehen, wenn der Priester jeweils eine Pinzette verwendet, statt jedesmal nach einer Kommunionspendung eigens seine Hände zu desinfizieren.
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Nun könnte eine Pinzette im ungünstigsten Falle den Mund des Kommunikanten berühren. Daher sollte man für jeden Gläubigen eine eigene Pinzette verwenden oder sie jedesmal danach desinfizieren (immer noch einfacher als bei den Händen). Ein Ministrant könnte dem Priester in einer Schale die entsprechende Zahl von Pinzetten hinhalten.
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Natürlich sollten die Leute die Mundkommunion sowieso richtig praktizieren, indem sie nicht etwa ihre Zunge herausstrecken. Schon der große Heilige und Bischof Franz von Sales schrieb in seiner „Philothea“ im 21. Kapitel („Von der Weise, recht zu kommunizieren“), man solle nur „mäßig den Mund öffnen“ – und den Kopf erheben, soweit es nötig ist – und die Zunge allenfalls „ganz wenig herauslegen“, also nicht etwa herausstrecken.
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Eine bessere Möglichkeit wäre es wohl auf Dauer, wenn jeder Katholik seine eigene Pinzette mitbringt, vielleicht in ein weißes Tüchlein verhüllt und in einem kleinen Behälter aufbewahrt – und sie dann am Tisch des HERRN dem Priester darreicht.
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Der Ministrant hält bei der Kommunionspendung eine Patene darunter (die eigentlich sowieso liturgisch vorgeschrieben ist), damit die hl. Hostie bei einem versehentlichen Herunterfallen aufgefangen wird und zudem keine Partikel auf den Boden fallen.
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Vielleicht könnte man langfristig eigene Kirchen-Pinzetten einführen – mit einem christlichen Symbol (Kreuz, Fisch, Christuszeichen-Monogramm) versehen.
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Sowohl theologisch wie „virologisch“ ist das Knien beim Kommunionempfang angesagt. Auf „gleicher Augenhöhe“ ist die Ansteckungsgefahr größer. Das „Amen“ des Empfängers sollte vielleicht besser entfallen (in der „alten“ Messe ist es ohnehin nicht üblich). Gerade beim Sprechen kann es zu Infektionen kommen.

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BILD: Unten auf dem Foto sehen wir eine Würfelzucker-Zange – evtl. eine Alternative zur Pinzette?
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Der Priester kann schon vor der hl. Wandlung darauf verzichten, die Oblaten wie bislang üblich mit der Hand zu berühren und in den Kelch zu legen – er kann hier bereits eine Pinzette einsetzen.
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Es wäre noch zu überlegen, ob man statt einer Pinzette vielleicht besser eine kleine, silberfarbene Zange verwendet – ähnlich einer Würfelzuckerzange. Hier könnte das Pro und Contra weiter diskutiert werden.
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Dazu ein Hinweis zum „liturgischen Löffel“ in den orthodoxen Kirchen:
Der Name des Kommunion-Löffelchens (λαβίς lavís) bedeutet wörtlich eine Zange; der eucharistische Löffel wurde schon im frühen Mittelalter wegen der Bibelstelle in Jes 6,6 so bezeichnet. Dort wird beschrieben, wie ein Engel mit einer Zange eine glühende Kohle nimmt und damit symbolträchtig (als Zeichen der Reinigung) die Lippen des Propheten Jesaja berührt.
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Sodann eine historische Anmerkung:
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Die Kommunionspendung mit einer Zange gab es früher schon in Seuchenzeiten: Der hl. Bischof Karl Borromäus hat persönlich Pestkranken die Kommunion gereicht, dabei eine Zange benutzt und sich danach desinfiziert (2).
Siehe zudem dieses Bild, das einen Priester zeigt, der einer erkrankten Frau mit einer Zange am langen Stil die hl. Hostie reicht. Dies geschah während der großen Pest 1720 in Marseille. Auf dem Foto sieht man oben weitere Zangen-Modelle.
(Quelle und größere Abbildung hier: https://mobile.twitter.com/sulovsk/status/1243566849889128449)
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Quellenhinweise:
(1) Siehe hier Seite 4: http://wwwuser.gwdg.de/~grabo/library/geraete.pdf  
(2) Federico A. Rossi di Marignano, Carlo Borromeo. Un uomo, una vita, un secolo, Mondadori, Milano 2010, 303f.
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Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt