Sind das echte (Ober-)Hirten? – Vor dem Kreuz fliehen und die Herde im Stich lassen

Von Thomas May

Dieses Jahr erleben wir in der Karwoche das Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus unter veränderten Vorzeichen, die zur vertiefenden Meditation anregen.

Vor allem haben viele unserer deutschen (Ober-)Hirten den „Karfreitag“ nicht begriffen. Sie fliehen vom „Kreuz“ und lassen die ihnen anvertraute „Herde“ im Stich; aus Furcht vor dem Virus verbarrikadieren sie sich hinter verschlossenen Türen.

Sie werden einen Teufel tun und „ihre“ Juristen losschicken, um gegen das generelle Verbot der Gottesdienste vorzugehen!

Im Grunde sind sie heilfroh, dass die Bundesregierung diese heikle, grundgesetzwidrige Maßnahme festgeschrieben hat – so können sie sich bedeckt halten.

Als Beispiele für die innere religiöse Verwahrlosung des deutschen Episkopats mögen der Zeitgeist- und Wohlstandsbischof Kardinal Reinhard Marx und sein Kollege, der oberste protestantische Amtskirchenatheist Bedford-Strom, gelten, denen schon vor dreieinhalb Jahren am Tempelberg in Jerusalem der Hahn krähte. Von bitteren Tränen öffentlicher Reue wurde allerdings nichts bekannt. (Dank Dorothee Sölle wissen wir, wie der gottlose Gottesglaube des „modernen“ Menschen funktioniert.)

In der Begründung der Verwaltungsgerichte, die bisher Klagen wie die des Philipp-Neri-Instituts in Berlin abgewiesen haben, kommen unter anderem auch deren theologische Minderbemittlung und fachliche Überforderung zum Ausdruck: Die Gläubigen könnten schließlich ersatzweise an Online-Gottesdiensten, von manchen wegen ihrer Entleertheit auch „Geistermessen“ genannt, „teilnehmen“, heißt es.

Dass ihnen durch die vereinten Kräfte von Staat und Kirche faktisch der wahre Leib Christi in der Eucharistie verweigert wird, liegt nicht nur außerhalb des Fassungsvermögens von Juristen, sondern scheint auch Kirchenvertretern glaubensfremd geworden oder zumindest nicht von Belang zu sein.

Unser Autor Thomas May aus Sendenhorst (Münsterland) ist Religionspädagoge und Publizist


Münster: Warum Bischof Genns Hirtenwort zur Fastenzeit enttäuschend ist

Von Felizitas Küble

Der Oberhirte von Münster, Dr. Felix Genn, hat zur österlichen Bußzeit einen Hirtenbrief herausgebracht, der am 1. Fastensonntag in allen Sonntags- und Vorabend-Messen des Bistums verlesen wurde.

Daß darin nichts von der Corona-Krise erwähnt wird, kann man dem Bischof wohl nicht ankreiden, da er seine Stellungnahme bereits am 2. Februar verfaßt hat, somit vier Wochen vor der öffentlichen Verlesung in den Kirchen seiner Diözese. (Wir wollen freilich davon absehen, daß unser CHRISTLICHES FORUM schon am 24. Januar über das Corona-Problem informiert hat: https://charismatismus.wordpress.com/2020/01/24/universitaetsmedizin-mainz-zum-corona-virus/)

BILD: In manchen Kirchen wurde Bischof Genn bei der Verlesung seines Hirtenworts auf einer großen Leinwand präsentiert

Das Bischofswort enttäuscht vielmehr aus anderen Gründen – einige seien hier aufgeführt:

1. Als „geistliche Übungen“ der Fastenzeit erwähnt er das Gebet, das Fasten und das Geben. Und was ist mit der Beichte? Diese kommt im gesamten Hirtenwort nicht ein einziges Mal vor.

2. Stattdessen erweckt es den irreführenden Eindruck, als sei der „Synodale Weg“ eine Folge der Missbrauchskrise: Durch den daraus entstandenen „Vertrauensverlust“ in die Kirche hätten die deutschen Bischöfe sich für den Synodalen Prozess entschieden. Was hat aber das eine mit dem anderen zu tun?

Soll etwas dieser Synodale Prozess eine gründliche Aufarbeitung der Missbrauchstaten und ihrer häufigen bischöflichen Vertuschung ersetzen oder zumindest aus dem Fokus rücken?

Indirekt gibt Bischof Genn freilich selber zu, daß es bei diesem Synodalen Weg um etwas ganz Anderes als die Missbrauchsproblematik geht, wenn er erklärt, man wolle hierbei Antworten suchen auf Fragen, „die seit vielen Jahren in der Diskusson sind“ – eben: die altbekannten Reformforderungen nämlich!

Dann schlägt er den Gläubigen das „gemeinsame Gebet zum Synodalen Weg“ vor und empfiehlt sogar das Fasten als „leibhaftigen Ausdruck“ der „inneren Anteilnahme“ – am Synodalen Weg und Gebet wohlgemerkt. Damit vereinnahmt der Bischof die traditionellen Fastenübungen der Gläubigen für sein eigenes Plädoyer zugunsten dieses Synodalen Prozesses.

3. Sodann erläutert der Münsteraner Oberhirte, der Heilige Geist sei „bei diesen Überlegungen anwesend“. Wir sollten diesem Geist „zutrauen“, daß er uns führe und auch „mit Lösungen überraschen“ könne, die wir jetzt noch „gar nicht erahnen“ – und so werde dieser Synodale Weg „Früchte des Geistes“ tragen.

Wie dürfen wir das verstehen?

Sollte der Heilige Geist der Kirche Christi nach 2000 Jahren sozusagen ein neues Licht aufsetzen? Benötigt ER hierfür zudem einen von deutschen Bischöfen angestoßenen „Synodalen Prozess“ mit Mehrheitsprinzip bei Abstimmungen? Soll der Heilige Geist das absegnen, was der Herren eigener Geist sich ausgedacht hat – als „Überraschung“ für das gläubige Kirchenvolk?

4. Merkwürdig erscheint auch folgende „Logik“ des Bischofs:

So wie wir auf die anderen Menschen hören, können wir uns auch innerlich ganz dem Wort Gottes, das uns in der Verkündigung in den Texten der Heiligen Schrift entgegenkommt, einlassen. Bringen wir die unterschiedlichen Wirklichkeiten unseres Lebens mit dem Wort Gottes ins Gespräch, so werden wir fähig, sie als Zeichen Gottes in die-ser Welt und in dieser Zeit zu deuten.“

Wir sollen also „sie“ (!)  – nämlich die „unterschiedlichen Wirklichkeiten unseres Lebens“  – als „Zeichen Gottes in dieser Welt“ deuten. Wohlgemerkt: Nicht „es“ (das Wort Gottes!), sondern „sie“, diese Wirklichkeiten nämlich!

5. Im Hirtenbrief kommt nicht nur das Bußsakrament nicht vor, auch die Gebote Gottes werden nirgends erwähnt. Stattdessen heißt es, eine „Fastenübung“ könne in dem „Verzicht“ bestehen, „unter Druck zu schnellen Lösungen zu kommen“, weil dies danebengehen könne.

Weiter: „Wir werden erst sehen können, ob eine Entscheidung richtig ist, wenn daraus Friede, Trost, tiefe ruhe und Zuversicht erwachsen.“ – Das sind sicherlich erfreuliche Empfindungen, aber der eigentliche Maßstab sind nicht unsere Gefühle und Gemütsstimmungen, sondern der Vergleich unserer Taten mit den Geboten Gottes und der Botschaft Christi.

Quelle für die Zitate: https://www.bistum-muenster.de/fileadmin/user_upload/Website/Downloads/Aktuelles/Publikationen/Kirchliches-Amtsblatt/2020/2020-02_Amtsblatt_Nr._2_Beilage.pdf


Berlin: Institut St. Philipp Neri will eine Gottesdiensterlaubnis per Gericht erreichen

Das Institut St. Philipp Neri in Berlin ist eine „Gesellschaft päpstlichen Rechts“, was bedeutet, daß sie nicht dem Ortsbischof, sondern allein dem Vatikan unterstellt ist. Das Institut feiert die heilige Messe seit Jahrzehnten im traditionellen Ritus.

Wie ihr Gründer und Leiter, Propst Dr. Gerald Goesche (siehe Foto), am 27. März 2020 auf seiner Homepage mitteilt, möchte er hinsichtlich der Instituts-Kirche St. Afra eine gerichtliche Erlaubnis zum Gottesdienst einholen.

Im Einzelnen schreibt er folgendes:

Wir werden allerdings versuchen, beim Verwaltungsgericht Berlin eine einstweilige Anordnung zu erwirken, die es uns ermöglicht, weiterhin Gottesdienste mit bis zu 50 Gläubigen zu feiern.

Die Kirche St. Afra mit Markierungen an den Kniebänken für den nötigen Sicherheitsabstand zwischen den Gläubigen. 

Nach unserer Auffassung ist das ausnahmslose Verbot sämtlicher öffentlichen Gottesdienste unverhältnismäßig, weil die Gesundheit der Gläubigen in unserer Kirche – vor allem durch Markierung von Sitzplätzen im richtigen Abstand – deutlich effektiver zu gewährleisten ist als in vielen Supermärkten, welche ja geöffnet bleiben.

Auf dem Hintergrund dieser Tatsache halten wir die gegebene schwere Einschränkung des Grundrechts auf Religionsfreiheit für nicht akzeptabel.

Zu bedenken ist auch, daß – um es weltlich auszudrücken – die psychologischen Beeinträchtigungen für die Gläubige sehr schwerwiegend sind. So scheint auch die Verhältnismäßigkeit der möglichen leiblichen Folgen des Coronavirus und der seelischen Belastungen durch den Gottesdienstentzug (vor allem an den österlichen Tagen!) mehr als fragwürdig.“

Quelle und FORTSETZUNG der Stellungnahme von Dr. Goesche hier: http://www.institut-philipp-neri.de/index.php

PETITION gegen das Verbot von Gottesdiensten: https://www.openpetition.de/petition/online/grosse-kirchen-keine-gottesdienste-verbot-von-gottesdiensten-in-der-kirche-muss-aufgehoben-werden


Regensburg: HIRTENBRIEF an die Gläubigen von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer

Wortlaut des Hirtenbriefs „Ostern unter den Beschränkungen der Corona-Krise“ von Bischof Voderholzer, Oberhirte des Bistums Regensburg:

Liebe Kinder, liebe jugendliche und erwachsene Schwestern und Brüder im HERRN! 

1. Schon zum zweiten Mal wende ich mich in dieser Fastenzeit auf diesem Wege an Sie. Aber die rasante Entwicklung, die die Coronakrise in den letzten Wochen genommen hat mit ihren gewaltigen Auswirkungen auch auf das kirchliche Leben, drängt mich, als Bischof zu Ihnen zu sprechen.

Erstmals in der Geschichte der Kirche wird es nicht möglich sein, unser höchstes Fest, das Fest der Auferstehung Christi, in leibhaftiger Gemeinschaft zu feiern. Niemand hätte sich das noch vor vier Wochen vorstellen können!

2. Bevor ich ein paar Hilfen anspreche, wie wir in dieser Situation trotzdem Ostern feiern können, will ich mich zuallererst an die von Ihnen wenden, die erkrankt sind, unter strenger Quarantäne stehen oder gar um ihr Leben bangen. Unsere Gedanken und Gebete sind bei Ihnen. Seien Sie gewiss: Der HERR, der sein Leben für uns am Kreuz hingegeben hat, ist bei Ihnen. Er verlässt Sie nicht!

Mit der Kirche beten wir für Sie: Der HERR nehme von Ihnen alle geistigen und körperlichen Schmerzen. In seinem Erbarmen richte ER Sie auf und mache Sie gesund an Leib und Seele. 
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3. Ein ebenso großes Anliegen ist es mir, einen tief empfundenen Dank aussprechen:

– Allen, die in den Krankenhäusern, Altenheimen, Sozialstationen, Laboren und sonstigen Einrichtungen unter Einsatz all ihrer Kräfte kranken Menschen beistehen, Not lindern, Diagnosen stellen und mit Hochdruck an der Entwicklung eines Impfstoffes arbeiten.

– Allen, die in der Politik, in der Wirtschaft und in den vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen täglich neuen Herausforderungen begegnen, die ohne Beispiel sind und wo besonnene und gut überlegte Entscheidungen von oft großer Tragweite gefällt werden müssen.

– Als Bischof ist es mir ein besonderes Anliegen, auch den Pfarrern und den pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den vielen Frauen und Männern in den Pfarreien zu danken. Ich habe viel telefoniert und im Internet recherchiert, auch viele Rückmeldungen und Emails bekommen.

Die Kreativität, die ich beobachte im Umgang mit dieser außergewöhnlichen Situation, der Ideenreichtum und auch die Leidenschaft, trotz oder gerade in dieser so belastenden Situation für die Menschen da zu sein und das kirchliche Leben aufrecht zu erhalten, das Evangelium zu verkünden und Gottes Zuwendung zu vermitteln, all das bewegt mich sehr und ich bin stolz auf Sie alle! Vergelt‘s Gott Ihnen allen!

Und ich bitte Sie, nicht nachzulassen, gerade im Blick auf die besonders bedürftigen: alte, kranke, demente, behinderte Menschen.

– Ich danke schließlich von Herzen allen kirchlichen Mitarbeitern, die jetzt die durch Freistellung vom Dienst geschenkte Zeit nützen, sich ehrenamtlich einzubringen in den zahlreichen Initiativen der Sorge um Schülerinnen und Schüler, kranke, behinderte und alte Menschen.

4. Die durch die Corona-Pandemie verursachte Situation unterscheidet sich von den bisher bekannten Krisen wie Kriegszeiten oder Naturkatastrophen. Die jetzige Krise betrifft die gesamte Menschheit, die sich gerade in dieser Bedrohung als Einheit erfährt. Und sie unterscheidet sich dadurch, dass ein Heilmittel, ja das größte und wichtigste Heilmittel, nur sehr eingeschränkt verfügbar ist: die konkret und auch leiblich erfahrbare Gemeinschaft untereinander.

Kirchlich fehlen uns die Feier der gottmenschlichen Gemeinschaft in der Versammlung der Schwestern und Brüder und auch die Feier der Versöhnung in der Beichte sehr.

Statt Ihnen zurufen zu können: Kommt zusammen, unterstützt Euch, greift Euch unter die Arme, ja nehmt Euch in die Arme – muss ich Ihnen mit allen Fachleuten den bitteren Rat geben: Vermeiden Sie die körperlichen Kontakte und menschliche Nähe, gehen Sie sich so gut wie möglich aus dem Weg.

Das ist deshalb so schlimm, weil wir Menschen auf die Gemeinschaft hin angelegt sind. Soziale Kontakte zu reduzieren betrifft das Menschsein im Kern. Da gibt es nichts zu beschönigen! Jeder und jede, die darunter leidet, empfindet vollkommen richtig.

Aber die Vernunft und die christliche Nächstenliebe zwingen uns zu dieser Maßnahme. Denn so können wir mithelfen, die Ausbreitung der Krankheit zu verlangsamen, der gegenüber wir so hilflos sind, weil es noch keinen Impfstoff gibt und kein adäquates Medikament. Die Nachrichten, die uns aus Italien, aus Spanien und auch aus den USA erreichen, müssen uns eine dringende Warnung sein und ein Appell, dem Rat der Experten und den Weisungen der Regierung zu folgen.

Aber, liebe Schwestern und Brüder, wir lassen uns nicht unterkriegen! Wir bleiben eine Gemeinschaft, wir bleiben in Kontakt  –  untereinander und mit unserem HERRN. Und: Wir werden Ostern feiern, wenn auch ein wenig anders, als wir es gewohnt sind und es eigentlich vorgesehen ist.

5. Die Oster-Liturgie wird heuer im kleinsten Kreis begangen. Der Bischof feiert mit seinen engsten Mitarbeitern im Dom, die Pfarrer in ihren Pfarrkirchen mit den engsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Wir dürfen auf das Prinzip „Stellvertretung“ vertrauen! Der Bischof und die Priester feiern ja nicht für sich und privat. In dieser Situation wird uns besonders bewusst: Ins Gebet der Kirche sind immer alle eingeschlossen, insbesondere sind wir im gemeinsamen Leib Christi in der Tiefe miteinander verbunden.

Ich weiß, dass all dies niemals ein wirklicher Ersatz sein kann. Aber es ist doch immerhin eine Notlösung, von der wir hoffen und beten, dass sie bald wieder abgelöst wird von der gemeinschaftlichen Feier.

Gebe Gott, dass die uns jetzt auferlegten Beschränkungen die Sehnsucht nach der gottesdienstlichen Gemeinschaft und nach dem Brot des Himmels wachsen lasse.

Die Erfahrungen, die wir in den letzten Tagen mit den Internet- und Fernsehübertragungen gemacht haben, sind sehr ermutigend. Viele Tausende von Schwestern und Brüdern haben mithilfe der Technik an der Gebetsgemeinschaft teilnehmen können. Ich danke allen, die die technische Übertragung möglich machen! Und ich bitte Sie, diese Möglichkeiten jetzt in den kommenden Tagen der Karwoche und der Osterzeit noch verstärkt zu nützen. 

Wir versuchen, auf der Homepage des Bistums und in den Zeitungen alle wichtigen Informationen dazu bereit zu stellen. Ich bitte Sie, sich dort auf dem Laufenden zu halten. Helfen Sie denen, die, aus welchen Gründen auch immer, vom Informationsfluss abgeschnitten sind.

Ich bitte Sie herzlich, stehen Sie gerade den älteren Menschen bei, die vielleicht keinen Computer und so auch keinen Zugang zum Internet haben. Unterstützen Sie sie, damit sie die Möglichkeiten ausschöpfen können, die Rundfunk und Fernsehen bieten.

Ich weiß, dass vielen in diesen Tagen das Programm von Radio Horeb zum Segen gereicht. Helfen Sie zusammen, dass alle die entsprechenden Sender finden.

6. Darüber hinaus gibt es viele Möglichkeiten, in den eigenen vier Wänden „Hauskirche“ zu gestalten. Das Gotteslob, mit dem man schon bei den im Fernsehen und im Internet übertragenen Messfeiern mitsingen kann, enthält etliche Andachten und Gebete für den einzelnen oder die Hausgemeinschaft: Kreuzwegandachten, Passionsandachten, Osterandachten.

Wir werden Ihnen zusätzlich Vorlagen für Hausgottesdienste zur Verfügung stellen.

Die Regensburger Sonntagsbibel, die mittlerweile in vielen Haushalten ihren festen Platz hat, enthält alle Schrifttexte aller österlichen Gottesdienste. Die reiche Bebilderung gerade der Passionsberichte am Palmsonntag und am Karfreitag lädt zur Betrachtung und zum verweilenden Gebet ein. Auch die Sonntagszeitung ist uns hier eine große Hilfe!

Ich verweise auch auf die alte Tradition, daheim einen Hausaltar zu gestalten: ein Kreuz, ein Bild, die aufgeschlagene Bibel, Blumen, Kerzen. Gerade im Monat Mai war es in vielen Häusern üblich, einen Mai-Altar zu bauen, und ich lade ein, diese Traditionen lebendig zu halten oder wiederzubeleben.

Und wie wir an Weihnachten eine Weihnachtskrippe aufstellen, so gibt es auch die Möglichkeit, eine Passions- oder Osterkrippe zu bauen. Auf unserer Homepage und auch auf „Jahreskrippen.de“ finden Sie dazu Anregungen!

7. Dazu kommen die vielen Elemente des Brauchtums, die die Liturgie traditionell begleiten und uns in dieser Situation noch hilfreicher sind als sonst.

Die heuer in Heimarbeit (und nicht in froher Runde) gestalteten Palmbuschen, die in den Kirchen gesegnet werden, sollen wie immer unsere Kreuze schmücken, Christus, dem König der Könige, huldigen und den Segen in den Stall und auf die Felder tragen.

Die Osterkerze wird auch im Jahr 2020 die Kirche erhellen und uns Christus nahe bringen als das Licht, das die tiefste Finsternis erhellt, sogar Licht bringt in die Dunkelheit von Grab und Tod. Auch zuhause darf das österliche Licht brennen. Viele haben schon immer ihre Osterkerze selbst verziert mit Auferstehungsmotiven; eine gute Möglichkeit, sich gerade auch dieses Jahr auf Ostern vorzubereiten!

Bereiten Sie auch heuer einen Speisenkorb vor zum Ostersonntag. Der Segen aus dem Dom und aus der Pfarrkirche kann von Ihnen aufgenommen werden in einer häuslichen Feier zum Osterfrühstück, wofür wir Ihnen auch eine Vorlage vorbereiten.

Zu den österlichen Zeichen gehört nicht zuletzt das gesegnete Osterwasser, das uns an die Taufe erinnert und an das göttliche Leben. Im Dom werden wir es in kleinen Gefäßen abfüllen und zum Mitnehmen bereitlegen. Ich weiß, dass es viele Pfarreien auch so handhaben. Besprengen Sie die Gräber mit dem Osterwasser und verbinden Sie damit das Gebet für die Verstorbenen.

8. Ein Wort an alle, die sich gewünscht hätten, dass die Kirche mehr auf ihre Rechte und die Freiheit der Religionsausübung pocht: Sie haben insofern Recht, als die Kirche nicht nur systemrelevant, sondern sogar heilsrelevant ist!

Und auch insofern, als die Eucharistie als „Arznei der Unsterblichkeit“ (Ignatius von Antiochien) noch wichtiger ist als alle anderen Medikamente.

Aber der Staat stellt doch nicht das Christsein unter Strafe, wie einst das römische Reich in den Zeiten der Christenverfolgung, als die Christen als Staatsfeinde angesehen wurden, weil sie den Staatskult ablehnten. Im Jahr 304 ließen sich tatsächlich die Märtyrer von Abitene lieber verhaften und totschlagen, als auf die gemeinsame Feier der Eucharistie zu verzichten. 

Aber das ist überhaupt nicht vergleichbar. Ich distanziere mich ausdrücklich von allen Verschwörungstheorien und danke unseren verantwortlichen Politikern für ihr entschlossenes Handeln. Nur gemeinsam und im oben beschriebenen Sinn werden wir diese Krise meistern und auch dieses Jahr Ostern feiern.

Und ich vertraue auch darauf, dass die Verantwortlichen Maß und Ziel kennen. Nicht dass wir zwar vom Corona-Virus verschont bleiben, dafür aber an Verarmung oder Vereinsamung und gebrochenem Herzen sterben.

9. Die Zeit wird freilich auch kommen, da wir in uns gehen und uns werden fragen müssen, was wir aus dieser epochalen Krise lernen.

Schon jetzt erfahren wir schmerzhaft, wie hinfällig und gefährdet unser Leben ist, wie sehr wir angewiesen sind auf Gottes Segen und die Kraft von oben. Sicherheiten werden uns aus der Hand geschlagen und Allmachts-Phantasien zertrümmert.

Vielleicht werden tatsächlich dem Land die Sabbate ersetzt, die ihm vom Kult schier grenzenlosen Wachstums geraubt worden waren (vgl. 2 Chr 36,21).

Der Sabbat steht dabei nicht nur für eine Unterbrechung des profanen Geschäftsbetriebs, sondern zu allererst für eine bewusste Hinordnung auf Gott. Aber diesen Fragen werden wir uns verstärkt zuwenden müssen, wenn wir das Tal der Tränen durchschritten haben.

10. Liebe Schwestern und Brüder, in früheren Zeiten haben Menschen in großer Not eine Wallfahrt gelobt als Bußwerk. Selbst dies ist uns jetzt verwehrt. Aber ich lade Sie ein, ein Gebetsanliegen, eine Bitte oder einen Dank, an den Verein der Regensburger Fußwallfahrt nach Altötting zu senden.

Wir wollen den Anliegenrucksack füllen und unser Gebet auch dieses Jahr zum Herzen Bayerns nach Altötting tragen; und wenn es nur eine Gruppe von zwei Pilgern stellvertretend für alle ist. 

11. Wenn die Pandemie dann aber überstanden ist, werden wir ein großes Fest feiern und eine diözesane Dankwallfahrt begehen, zu der ich jetzt schon herzlich einlade! Alle Details werden geklärt und bekanntgegeben, sobald die Zeit dafür gekommen ist.

Auf die Fürsprache der Gottesmutter Maria, der Heiligen und Seligen unseres Bistums sowie aller Heiligen segne und bewahre Sie und Euch alle vor aller Krankheit der dreifaltige Gott, der + Vater und der + Sohn und der + Heilige Geist.

Regensburg am Hochfest der Verkündigung des HERRN, 25. März 2020
+ Rudolf, Bischof von Regensburg

Quelle: https://www.bistum-regensburg.de/fileadmin/redakteur/News/PDF/2020_-_Hirtenwort_-_Corona_-_Langfasssung.pdf

 


Priester in Italien und Deutschland gehen mit der Monstranz segnend durch die Straßen

Von Dr. David Berger

Viele gläubige Katholiken leiden unter der Absage öffentlicher Gottesdienstfeiern – besonders auch an Ostern: vor allem der fast unmöglich gewordene physische Empfang der Eucharistie ist für zahlreiche Gläubige ein schweres Opfer.

In Deutschland haben nun einige Priester eine traditionelle Idee aus Italien aufgenommen, um den Menschen dennoch die Eucharistie nahe zu bringen.

Viele gläubige Katholiken vermissen in der derzeitigen Krise – über die Entbehrungen, die fast alle in Kauf nehmen müssen, um sich und ihre Mitmenschen zu schützen – vor allem die Tröstungen der Kirche im öffentlichen Gottesdienst.

Im Unterschied zu den protestantischen Denominationen spielt hier die Teilnahme an der Liturgie und der Empfang der Sakramente – von der Ohrenbeichte bis zum Empfang des Altarsakramentes – eine zentrale Rolle.

Dass vermutlich auch die öffentlichen Gottesdienstfeiern zum höchsten christlichen Fest  –  dem Osterfest –  ausfallen sollen, ist beispiellos (selbst Ostern 1945 in den letzten Kriegstagen wurden sie in Deutschland nicht ausgesetzt) und für gläubige Katholiken besonders schmerzhaft.

Vielen Priestern ist diese schlimme Lage bewusst und die ersten Geistlichen greifen nun auch in Deutschland auf eine Idee zurück, die meines Wissens in dieser Krise zum ersten Mal der Bischof von Crema (Oberitalien) durchgeführt hat:

Daniele Gianotti ging am vorletzten Sonntag mit dem Allerheiligsten durch die fast menschenleere Straßen seiner Bischofsstadt und spendete dort den eucharistischen Segen… Ein beeindruckendes Szenario:

Und so setzen die katholischen Geistlichen von Grevenbroich diese Idee um:

Quelle: https://philosophia-perennis.com/2020/03/23/corona-priester-tragen-den-eucharistischen-christus-segnend-durch-die-leeren-strassen/

ERGÄNZENDER ARTIKEL über Messe und Beichte in den USA auf öffentlichen Plätzen: https://charismatismus.wordpress.com/2020/03/23/priester-in-italien-und-deutschland-gehen-mit-der-monstranz-segnend-durch-die-strassen/


Priester-Seelsorge in Zeiten von Corona

Von Dr. Gero P. Weishaupt (Kirchenrechtler)

Die Corona-Pandemie verlangt eine angepasste Weise der Sakramentenspendung. Hier folgen einige kurze Hinweise für die Priester in Bezug auf die heilige Eucharistie, die Beichte und die Krankensalbung.

Eucharistie

Öffentliche Gottesdienste sind verboten. Die Bischöfe haben mit dem Verbot zugleich implizit oder explizit die Gläubigen von der Sonntagsplicht dispensiert. Falls auch am Ostersonntag keine öffentlichen Messen stattfinden können, sind die Gläubigen außerdem von der Verpflichtung der jährlichen Osterkommunion entbunden (dispensiert).

Die Gläubigen sollten in der Seelsorge nun vermehrt auf die alte Tradition des eucharistischen Fastens, auf die geistliche Kommunion und auf die Messübertragungen in Radio, Fernsehen und Internet hingewiesen werden. Es empfiehlt sich, dabei die biblischen Texte und die Eigentexte der Messe (Proprientexte) ins Internet zu stellen. So können die Gläubigen sie lesen, meditieren und beten, sofern sie nicht schon über Texte in Print-Ausgaben zuhause verfügen.

Beichte

Für die Beichte ist die physische Anwesenheit sowohl des Priesters als auch des Beichtenden für die Gültigkeit erforderlich. Beichte über Telefon, Internet etc. ist nicht möglich und ungültig.

Anders als bei einem Sakramentale wie dem über die Medien gesendeten päpstlichen Segen „Urbi et Orbi“ setzt der Empfang eines Sakramentes die physische Anwesenheit von Spender und Empfänger voraus. Nur beim Ehesakrament gibt es in besonderen Fällen davon eine Ausnahme (Eheschließung durch Stellvertreter: can. 1071 § 1 n. 1; sie erfordert die gesonderte Erlaubnis des Ortsordinarius: can. 1071 § 1).

Die Ohrenbeichte kann in einem Beichtstuhl stattfinden, sofern der direkte Kontakt mit dem Pönitenten durch ein durch Schutzschild oder ähnliches ausgeschlossen ist. Ein offenes Gitter ist ungeignet (in einem solchen Beichtstuhl darf die Beichte nicht stattfinden).

In einem Beichtzimmer ist das Bußsakrament möglich, wenn eine Abstand von zwei Metern zwischen Spender und Empfänger garantiert ist und wenn sicher ist, dass weder der Spender noch der Empfänger Corona-Symptome aufweist. Bei Coronapatienten hingegen sollte ein größerer Abstand gewahrt und Schutzmaske getragen werden. Dabei ist immer darauf zu achten, dass das Beichtgeheimnis gewahrt wird, also niemand die Beichte mithören kann.

Wo kein Bußsakrament möglich ist, sollen die Gläubigen auf die Möglichkeit, vollkommene Reue zu wecken, hingewiesen werden. Für diese Sündenvergebung ist der feste Vorsatz erforderlich, bei Ende der Notlage so schnell wie möglich die sakramentale Beichte abzulegen.

Krankensalbung

Auch die Krankensalbung ist bei Corona möglich. Can. 1000 § 2 des Kirchenrechts sagt: „Der Spender vollziehe die Salbung mit eigener Hand, wenn nicht ein schwerwiegender Grund (nisi gravis ratio) den Gebrauch eines Instrumentes rät.“ –  Ein schwerwiegender Grund ist eine ansteckende Krankheit. Es wäre allerdings dem Priester dringend anzuraten, bei mit Corona Infizierten eine Schutzmaske zu tragen.

Quelle: https://www.kathnews.de/hinweise-fuer-die-priester-in-zeiten-von-corona


Was sich an der Kirchen-Kollekte ändern sollte

Von Felizitas Küble

Zur Zeit werden zahlreiche Empfehlungen über Schutzmaßnahmen vor CORONA in Gottesdiensten diskutiert und teils auch bereits von Bischöfen veröffentlicht; hierbei wird z.B. vielfach von der Mundkommunion abgeraten.  

Hingegen spielt das Thema Kollekte in der Debatte kaum eine Rolle.

Dabei dürfte klar sein, daß ein Herumreichen des Klingelbeutels durch die Bankreihen (wo man hinfassen, hineinhusten und niesen kann)  denkbar ungünstig ist – aber genau dies ist nach wie vor der übliche „Gang“ der Dinge bzw. Kollekte.

Unsere Autorin und Medizinerin Dr. Edith Breburda aus den USA schickte uns dieses Bild, das sie kürzlich in einer hl. Messe fotografierte:

Es zeigt die Situation der Gabenbereitung, oben sieht man den Priester betend am Altar. Auf der ersten Altarstufe stehen ein Junge und ein Mädchen (Kinder sind selten Corona-infiziert), die ein großes Kollektenkörbchen hinhalten. Diese Aufgabe könnte auch ein Meßdiener übernehmen.

Die Gläubigen gehen nach vorne, um ihre Spende einzuwerfen. Ähnlich sah das Brauchtum auch in der frühen Kirche aus.

Diese Vorgehensweise ist in Corona-Zeiten natürlich besser  – und in den USA unabhängig davon vielfach üblich. Diese Methode ist allgemein auch hygienischer (bei erkälteten oder gar grippekranken Kirchbesuchern usw).

Eine weitere Lösung wären die früheren Kollektenbeutel – meist aus rotem Samtstoff –  an einem langen Stil bzw. schmalen Stange aus Holz oder Metall. Ein Ministrant reicht diesen Beutel von Kirchenbank zu Kirchenbank weiter. Die Stange kann zudem hinterher leichter gereinigt werden als ein Holzkörbchen.

Der Klingelbeutel sollte am besten erst zum Schluß der Messe durch die Reihen gelangen, damit sich die Gläubigen vor dem Kommunionempfang nicht die Hände mit Geld beschmutzen.

Zudem könnte man den Kollektenkorb auf einen kleinen Tisch zwischen die Bankreihen oder ganz hinten im Gotteshaus aufstellen, so daß die Leute dort hingehen und ihre Gaben einlegen.

Vermutlich wird man in Zukunft auch stärker zu Überweisungen bzw. Online-Spenden auffordern.