Grüner Star: Neues Wissen zur Früherkennung

Gewebshormon Angiotensin II spielt wichtige Rolle bei der Entstehung der tückischen Augenkrankheit

Weltweit ist der Grüne Star (Glaukom) die zweithäufigste Erblindungsursache. Er kann, wird er früh erkannt, gut behandelt werden. Doch das Tückische ist: Der Grüne Star verläuft lange ohne Symptome; man merkt also als Betroffener nichts davon, bis es für Hilfe zu spät ist und man erblindet.

Eine Studie der Universitätsmedizin Mainz zur Pathogenese und Pathophysiologie des Glaukoms legt nun neue Erkenntnisse vor: Eine Rolle bei der Entstehung der Augenkrankheit spielt dabei das Gewebshormon Angiotensin II.

BILD: Augen-Untersuchung (Foto: Uni Mainz / Markus Schmidt)

Diese Erkenntnis der Mainzer Wissenschaftler könnte zukünftig Diagnose und Therapie eines Glaukoms beeinflussen. Detaillierte Ergebnisse der Studie sind im Fachmagazin Redox Biology veröffentlicht.

Unter Glaukomen wird eine Gruppe von Augenkrankheiten verstanden, die in späten Stadien die Nervenzellen der Netzhaut (Retina) und des Sehnervs schädigen können. Die Folge sind Gesichtsfeldausfälle und im schlimmsten Fall die Erblindung der erkrankten Person.

Die Ursachen für die Entstehung des Glaukoms sind vielfältig und die Symptome sehr unterschiedlich. Obwohl der erhöhte Augeninnendruck nach wie vor zu den wichtigsten Risikofaktoren gehört, ist dieser als alleiniger diagnostischer oder prognostischer Faktor unzureichend: Bei ca. 30 Prozent aller Patienten, die bereits einen Glaukomschaden entwickelt haben, konnte niemals ein erhöhter Augeninnendruck gemessen werden.

Bei der Entwicklung eines Glaukoms scheinen in jedem Falle auch vaskuläre Umstände bedeutsam zu sein, die mit der Durchblutung des Auges zusammenhängen. Denn das Sehorgan ist metabolisch sehr aktiv.

Trotz seiner geringen Größe weist es einen wesentlich höheren Energiestoffwechsel als beispielsweise das Gehirn auf. Viele Untersuchungen haben gezeigt, dass Anomalien in der Regulation des Blutflusses mit der Entstehung eines Glaukoms assoziiert sind.

Eines der wichtigsten blutflussregulierenden Systeme ist das Renin-Angiotensin-System (RAS), das bei geringem Blutvolumen über die Freisetzung des Gewebshormons Angiotensin II den Blutdruck erhöht. Eine von der Augenklinik der Universitätsmedizin Mainz in der Zeitschrift Redox Biology veröffentlichte Studie an aus Mäusen isolierten Mikrogefäßen und Retinagewebe bringt nun anhand optimierter Messmethoden Licht ins Dunkel.

Prof. Dr. Norbert Pfeiffer sieht in dem neu etablierten Modell eine hervorragende Ergänzung der bisher vor allem auf die Untersuchungen des Augeninnendrucks fokussierten Glaukom-Modelle an der Augenklinik.

„Dieses neue in vitro-Modell bildet weitere Facetten der Erkrankung ab, an der deutschlandweit über eine halbe Million Menschen leiden und die eine der häufigsten Erblindungsursachen ist. Anhand des Modelles können wir nun verschiedene Erkrankungsursachen erforschen und versuchen, neue Therapien zur Behandlung des Glaukoms, vor allem des Normaldruck-Glaukoms, zu entwickeln“, sagt Prof. Pfeiffer.

Quelle: Pressemeldung der Universitätsmedizin Mainz


Harvard-Studie: Starker Kaffeegenuß begünstigt die Entwicklung eines „Grauen Star“ (Glaukom)

Bei Menschen, die täglich mindestens drei Tassen Kaffee trinken, erhöht sich das Risiko, ein Glaukom zu entwickeln. Vor allem Frauen sind betroffen, wie eine breit angelegte Studie der Universität Harvard gezeigt hat.

Bei der Entwicklung von Grünem Star spielt der ausgeprägte Kaffeekonsum anscheinend eine wesentliche Rolle. Das sogenannte Pseudoexfoliations-Syndrom, eine Sonderform des Glaukoms, trat den Wissenschaftler zufolge bei Personen, die mindestens drei Tassen Kaffee pro Tag tranken, um 34 Prozent häufiger auf als bei enthaltsamen Probanden.

Frauen mit einer entsprechenden erblichen Veranlagung und Kaffeevorliebe waren mit 66 Prozent am häufigsten von der Erkrankung betroffen. Das Interessante hierbei ist, dass offenbar nur Kaffee für eine Förderung des Pseudoexfoliations-Syndrom verantwortlich zu sein schien. Andere koffeinhaltige Getränke zeigten diese Auswirkung nicht.

Bereits vorab hatten die Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Grünem Star vermutet. Grund zu der Annahme lieferten frühere Untersuchungen, nach denen Erkrankungen an dem Pseudoexfoliations-Syndrom in Skandinavien besonders häufig auftreten. In Schweden, Dänemark und Norwegen wird vergleichsweise viel Kaffee getrunken.

An der Studie hatten 79.000 Frauen und 42.000 Männer aus den USA teilgenommen. Die Frauen hatten sich seit 1980 und die Männer seit 1986 bis zum Abschluss der Studie im Jahr 2008 regelmäßigen Augenuntersuchungen unterzogen. Alle Probanden hatten zum Zeitpunkt des Untersuchungsbeginns keine Anzeichen von Grünem Star. Anhand von Fragebögen ermittelte das Forscherteam Angaben zu Koffeinkonsum und Krankheitsgeschichte. Die Studie wurde im Fachjournal „Investigative Ophthalmology and Visual Science“ veröffentlicht.

Quelle: http://www.apotheke-adhoc.de