Schutz der Familie? – Der Auftrag unseres GG wird seit über 60 Jahren nicht erfüllt

Von Dr. Johannes Resch

Der ehemalige Sozialrichter Dr. Jürgen Borchert, der sich ein Leben lang wissenschaftlich und beruflich mit dem deutschen Rentenrecht befasst hat, charakterisierte die „große Rentenreform von 1957“ so:

„Während Kinderlose, deren Renten realwirtschaftlich ausnahmslos von den Kindern anderer Leute aufzubringen sind, so die großen Gewinner der Reform waren, wurden vor allem die Mütter durch das neue System um ihre originären und genuinen Ansprüche auf Altersunterhalt geprellt.“

Zu ergänzen ist allerdings, dass nicht nur die Mütter, sondern auch die Väter „geprellt“ wurden, da sie in der Regel die Benachteiligung der Mütter mittragen. Weiter ist festzustellen, dass jede Benachteiligung von Eltern sich über kurz oder lang auch zum Nachteil ihrer Kinder auswirkt. Es geht also nicht um eine „Hetze gegen Kinderlose“, sondern um die Zukunft unserer Gesellschaft.

Wenige Jahre nach dieser „Reform“ stürzten die Geburtenzahlen ab. Es kann als sicher gelten, dass die psychologischen Ursachen hierfür zumindest zum großen Teil in der erfolgten Umverteilung finanzieller Mittel zum Nachteil der Eltern lagen. Das mag den meisten Eltern nicht bewusst geworden sein, wurde aber sicher beim Vergleich mit kinderlosen Nachbarn und Arbeitskollegen gespürt.

Um die Hintergründe zu verschleiern, wird oft von Politik und „Mainstream-Medien“ eine „Förderung der Familie“ konstruiert, indem der Familie zufließende Beträge gezählt oder sogar erst erfunden werden, aber die den Familien entzogenen Beträge unbeachtet bleiben.

Der Hintergrund ist einfach zu erklären:

In der klassischen Familie sorgten die Eltern für ihre Kinder und wurden dafür im Alter oder bei Krankheit wieder von ihren erwachsenen Kindern versorgt. Dieser familiäre Generationenvertrag wurde durch unsere Sozialgesetzgebung zerstört, indem der Rentenanspruch gegenüber den Kindern von der Kindererziehung gelöst und an Erwerbsarbeit gebunden wurde.

Seitdem gilt der Grundsatz: Eltern investieren, „Nur-Erwerbstätige“ profitieren.

Von diesem Zeitpunkt an hatten die Eltern gegenüber ihren eigenen Kindern weniger Ansprüche als ihre kinderlosen Nachbarn. Erst diese Enteignung der Eltern zerstörte die wirtschaftlichen Grundlagen der Familie und beschädigte damit massiv auch deren ideelle Basis.

So weit so schlecht. Aber das ist mit dem laut GG geforderten „besonderen Schutz der Familie“ nicht vereinbar.

Der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts und spätere Bundespräsident, Roman Herzog, äußerte sich dazu so:

„Es kann nicht sein, dass ein Ehepaar — bei dem nur der eine ein Leben lang ein Gehalt oder einen Lohn einsteckt — Kinder aufzieht und am Ende nur eine Rente bekommt. — Auf der anderen Seite verdienen zwei Ehepartner zwei Renten. Und die Kinder des Paares, das nur eine Rente bekommt, verdienen diese beiden Renten mit. Das ist ein glatter Verfassungsverstoß“.

Aber wie kann es sein, dass eine — fast die ganze Bevölkerung betreffende — verfassungswidrige Gesetzgebung über Jahrzehnte Bestand hat, ohne dass es nennenswerte politische Initiativen gibt, das zu ändern?

Bemühungen, die vom Bundesverfassungsgericht (BVerfG) ausgingen, hat es durchaus gegeben. So wurde im Urteil zur Pflegeversicherung vom 3. April 2001 die Benachteiligung der Eltern ausdrücklich gerügt und der Gesetzgeber beauftragt, neben der Pflegeversicherung auch die gesetzliche Kranken- und Rentenversicherung zu überprüfen und Benachteiligungen der Eltern abzubauen.

Aber diese Aufträge wurden von der Politik ignoriert und das BVerfG hat keine eigenen Zwangsmittel, sie durchzusetzen.

Ginge es hier um die Rechte von Konzernen statt um Grundrechte der Eltern, wären die Forderungen des GG sicher schon durchgesetzt worden.

Aber Familien haben in unserer Gesellschaft keine vergleichbare Lobby, zumal die Interessen der Kinder bei Wahlen gar nicht abgebildet werden und damit Familien von vornherein weniger Einfluss haben, als ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. Wegen der zeitlichen Überforderung durch Erziehungs- und Erwerbsarbeit wird ihnen auch auf politischer Ebene die Vertretung ihrer Interessen erschwert.

Woran soll sich der Staat aber orientieren, um den Schutzauftrag des GG zu erfüllen?

Wie bereits erwähnt, ist jeder Eingriff, der zu einer Umverteilung zulasten der Familien führt, mit diesem Schutzauftrag unvereinbar. Der Ausgangspunkt kann nur der „natürliche“ Zustand sein, wie er vor den Eingriffen des Gesetzgebers ins soziale Geschehen bestand. Damals waren sowohl die Kosten der Kinder als auch deren wirtschaftlicher Nutzen in Form der Versorgung bei Krankheit und Alter eine Angelegenheit der Eltern.

Der Auftrag des Grundgesetzes kann es nur sein, ein Gleichgewicht zwischen den Leistungen der Familien für die Gesamtgesellschaft und den Leistungen dieser Gesellschaft für die Familien zu schaffen. Das ist keine Finanzierungsfrage, sondern eine Verteilungsfrage zwischen Familien und Gesellschaft.

Der Umfang der Rückverteilung kann weder durch Juristen noch durch Politiker bestimmt werden, sondern nur durch sachbezogene Berechnungen von Sozioökonomen.

Eine Symbolpolitik wie etwa bei der Pflegeversicherung durch Anhebung des Beitragssatzes um 0,25 Prozent für Erwerbstätige ohne Kinder oder im Rentenrecht durch Anerkennung von 2 bis 3 Erziehungsjahren erfüllen diesen Auftrag nicht. So müsste etwa ein Elternteil selbst bei drei Erziehungsjahren 15 Kinder erziehen, um eine „Standardrente“  – Rente bei 45 Erwerbsjahren mit Durchschnittsverdienst  – zu erhalten. Dabei hätte diese Mutter –  oder der Vater –  für die Erziehungsarbeit nicht einmal einen Lohn erhalten wie Erwerbstätige, die bei weit geringerer Arbeitsleistung eine „Standardrente“ erhalten.

Mit einer Begutachtung zum erforderlichen Umfang der Korrektur sollten unabhängige Wissenschaftler beauftragt werden, die sich nur der Wirklichkeit und keiner politischen Richtung verpflichtet fühlen.

Die Aufgabe der Politik wäre es dagegen festzulegen, auf welche Weise das Gleichgewicht zwischen Familien und Gesellschaft wieder herzustellen ist. Die Rechtsprechung hätte dann darüber zu urteilen, ob der Umfang der gesetzlichen Maßnahmen ausreicht, um den vom Grundgesetz geforderten „Schutz der Familie“ zu erfüllen.

Quelle mit FORTSETZUNG und Fußnoten des Beitrags von Dr. Resch hier: https://www.rubikon.news/artikel/gewollte-armut-2


Sind Männer vom Aussterben bedroht?

Dieser Artikel ist ein Vorab-Auszug aus dem bald im Scivias-Verlag erscheinenden Buch “Globale Chemisierung” von Dr. Edith Breburda:

Oft hören wir Frauen über die abnehmende Männlichkeit der Männer klagen. Ahnen sie, dass es an den weiblichen Hormonen liegen könnte, die  –  ungeachtet, ob Tier oder Mensch  –  männliche Wesen feminisieren? 

Dr. Edith Breburda

Dr. med. E. Breburda

Männer sind im Gegensatz zu Frauen mit Testosteron ausgestattet. Einige Geschöpfe, meist im fortgeschrittenen Alter, ziehen es zusätzlich vor, anabole Ergänzungen zu konsumieren. Eventuell tun sie das, um der Damenwelt wenigstens mit einem gut aussehenden Körper zu imponieren. Schließlich will man der erheblich jüngeren „Trophäenfrau “ gefallen.

Testosteron hat jedoch eine gewisse Tendenz zur Umwandlung in Östrogen, womit das Hormon für das Muskelwachstum nutzlos wird.

Vielleicht stammt Eva ja doch von Adam ab?  –  Zumindest von der hormonellen Perspektive aus wird uns dieser Gedanke sympathisch.

Östrogene Ressourcen nehmen immer mehr zu. Das Hormon Östrogen ist auch in Pflanzen wie Soja und Hopfen (Bier) enthalten. Dem männlichen Körper ist die Quelle für das „Östrogen-intake“ letztendlich egal.

Damit verbunden besteht eine steigende Tendenz, dass sie mit Leichtigkeit in unseren Stoffwechsel gelangen. Meist als Östrogenanaloga:

Das sind Substanzen, die physiologisch die Rolle des Östrogens einnehmen. Sie werden auch als Xeonohormone bezeichnet. Sie besetzen Östrogenrezeptoren in menschlichen Körper und kurbeln die Stoffwechselvorgänge an, die man dem Hormon zuschreibt.

Gestörtes Hormongleichgewicht

Damit gelangt das Hormongleichgewicht aus der Balance. Man nennt sie auch endokrine Disruptoren, weil sie das endokrine System, d.h. unser Hormonsystem, empfindlich stören können.

Über Verhütungsmittel, genauer gesagt Ethinylestradiol, welche nicht aus den Kläranlagen herausgefiltert werden können und so recycelt werden, haben wir alle gehört. Seltener spricht man über Bisphenol-A, kurz BPA, einer Substanz, die vor allem über Plastikverpackungen in unsere Lebensmittel gelangt.

BPA ist mittlerweile fast allgegenwärtig in unserer Umwelt vorhanden: Man findet es in petrochemischen Produkten, Kosmetika, Zahnpasten, Pestiziden, Reinigungsmitteln, Lösungsmitteln, Klebstoffen, Emulgatoren usw. Sie beinhalten alle Östrogenanaloga in Form von BPA.

BPA ist in den schwimmenden Müllhalden auf den grossen USA-Binnenseen und in den Weltmeeren vorhanden. Derartige Müllinseln werden wegen ihrer grossen Fläche bereits als 6. Kontinent bezeichnet.

Auch in Pansen-Mägen von „heiligen“ indischen Kühen hat man BPA-haltige Plastiktüten gefunden. 65 kg Plastikmaterial hat man einer Kuh 2010 in Neu Delhi herausoperiert. Die Tiere, die frei in den Strassen grosser Städte herumirren, ernähren sich vom Müll, wobei sie die Plastikbeutelverpackungen gleich mit herunterschlingen [1]

BPA wird mit Diabetes, Übergewicht, Entwicklungsstörungen, Krebs, Herz-Kreislauf-Beschwerden, verfrühter Pubertät, reduzierter Reproduktionsleistung, hormonbedingtem Brust-, Hoden- oder Prostatakrebs, Lern- und Gedächtnis-Schwierigkeiten in Verbindung gebracht.

Plastikprodukte, die BPA-frei, sind werden deshalb bevorzugt. Diese haben jedoch noch mehr Östrogen, heißt es in einer Studie der Universität von Texas. Wissenschaftler des „National Institute of Environmental Health Science“ (Nationales Institut der Umwelt-Gesundheits-Wissenschaften) sind der Meinung, man solle Plastik ohne Östrogen herstellen.

Für die „US Food and Drug Administration“ FDA (Lebensmittel- und Arzneimittel-Verwaltung) bestehen kaum Bedenken gegenüber Bispenol A. –  Die FDA ist nur etwas besorgt über eventuelle Effekte, die BPA auf die Gehirnentwicklung von Ungeborenen und Kindern haben könnte. [2].

Eine wissenschaftliche Studie untersuchte Schwangere mit einem hohen BPA-Gehalt im Urin. Geborene Mädchen waren hyperaktiv, depressiv und überängstlich. Jungen waren nicht  betroffen, hieß es. Man erklärt sich das durch die hormonellen Unterschiede, welche zwischen den Geschlechtern bestehen. Es wird angenommen, dass BPA die Östrogengehalte erhöht, wodurch die normale Gehirnentwicklung im weiblichen Ungeborenen unterbunden wird [3].

Im April 2013 setzte der US-Bundestaat Kalifornien BPA auf eine Liste für gefährliche Chemikalien. BPA wird für Geburtsfehler und eingeschränkte Fruchtbarkeit verantwortlich gemacht [4]. Vor allem bei Jungen ist dieser Tatbestand besonders ausgeprägt.

Es werden weniger Jungen als Mädchen geboren

Eine Studie ergab, dass zur Zeit erschreckend weniger Jungen als Mädchen geboren werden. Jungen hatten mehr Probleme in der Schule, ihre Zeugungskraft und Fruchtbarkeit ging im späteren Alter zurück und sie erkrankten vermehrt an Hodenkrebs. Das alles wird Umweltgiften zugeschrieben, denen die Kinder bereits vor der Geburt ausgesetzt sind [5].

Die Kanadische Nationale Zeitung „The Globe and Mail“ berichtete bereits im Dezember 2008 darüber. In dem Artikel zeigen sich Wissenschaftler äusserst beunruhigt über ein unausgewogenes Geschlechterverhältnis.

Dr. Devra Davis von der Pittsburgh Universität in den USA schreibt von 262.000 Buben, die in Japan und in den USA zwischen 1970 bis 2000 nicht geboren worden sind. In Kanada beobachtet man dieses Ungleichgewicht besonders in Gebieten, in denen Öl gefördert wird, vor allem in Sarnia, Ontario. 1990 wurden in Aamjiwnaang so wenig Jungen geboren wie sonst nirgendwo in der Welt. 60% der geborenen Buben weisen zudem eine anatomisch abnormale Harnröhrenöffnung auf. Man bezeichnet diese angeborene Entwicklungsstörung medizinisch als Hypospadie. Andere Länder beobachten ähnliche Gegebenheiten.

Von 1983 bis 2005 stieg in Kanada bei jungen Männern im Alter von 22 bis 44 Jahren die Ersterkrankungsrate von Hodenkrebs um 54%. Der Testosteronspiegel der in den USA lebenden Männer verringerte sich hingegen um 20% in den letzten 20 Jahren. Diese physiologischen Bedingungen bewirken eine Gonadenverkleinerung.  

Auch bei Tieren wurden diese Beobachtungen gemacht: Chemische Substanzen, die der Mensch zum Einsatz bringt, lassen Amphibien verweiblichen.

Chemisch bedingte Verweiblichungstendenzen 

Eine schwedische Studie ergab, dass sich männliche Kaulquappen unter dem Einfluss von Umwelt-Östrogenanaloga zu weiblichen Tieren entwickelten. Eine vorhergehende, ähnliche Studie, die in den USA durchgeführt wurde, beschrieb, wie ein Pestizid, welches östrogenähnliche Substanzen enthielt, männliche Frösche in weibliche umwandelte. Das geschah unter dem Einfluss einer einzigen Substanz!

In der freien Natur sind mittlerweile viele solcher Komponente vorhanden. Umweltgifte aus Industrie, Pestiziden, Kosmetika, Verhütungsmitteln addieren sich in ihrer Wirkung. 

Dr. Theo Colborn, Zoologe der Universität von Florida, äussert in seinem Buch „Our Stolen Future“ den Verdacht, dass endokrine Disruptoren wie BPA die Gehirnentwicklung vor allem bei ungeborenen Jungen beeinträchtigen. Jungen leiden zwei- bis viermal häufiger als Mädchen an Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivitätsstörungen. Dies sei der Grund, warum in den USA 65% Frauen an den Universitäten eingeschrieben sind, währenddessen es nur noch 35% männliche Studenten gibt.

Ein Überschuss an Xenohormonen  –  d.h. an Östrogen  –  bewirkt ein Abfallen des Testosterons und der Schilddrüsenhormone, schreibt Dr. Theo Colborn. Dieser Cocktail hindert die normale Entwicklung des fetalen Gehirns und der Geschlechtsorgane bei Jungen. Wir werden demzufolge bereits intrauterin durch  Umweltgifte belastet.

Eine geringere Spermienzahl weisen auch Farmer auf. Man vermutet dahinter den vermehrten Kontakt zu Pestiziden, dem die Farmer ausgesetzt sind. Dr. Colborn fragt sich, ob Männer vom Aussterben bedroht sind, wenn die Entwicklung der Feminisierung durch Umwelthormone so weitergeht [6].

Edith Breburda aus dem US-Bundesstaat Wisconsin ist Veterinär-Medizinerin; hier gehts zu ihrer Webseite: http://scivias-publisher.blogspot.com/

Weitere Bücher von Dr. Breburda: https://www.amazon.com/author/breburda


[1] Karuna Society for Animals and Nature. Karuna takes a lead in anti-plastic bag campaign for the animals. 2011 http://www.karunacociety.org/?page_id=180
[2] Koch W.: Study: Most plastic products trigger estrogen effect. USA Today, May 7, 2011
[3] Park A.: BPA Exposure in pregnant woman may affect daughters‘ behavior. Time, Environmental Health, Oct. 24, 2011
[4] Lifsher M.: California adds BPA plastics chemical to warnings list. Los Angeles Times, April 12, 2013
[5] Alter L.: Are boys disappearing because of Gender Bender Chemicals? treehugger, September 22, 2008
[6] Morrone S.: Humanity at Risk: Are the males going first? Canada’s National Newspaper. September 20, 2008