Prominente über den Euthanasiefall Julius S.: „Keiner darf den lieben Gott spielen“

Die BILD-Zeitung bringt in ihrer Printausgabe vom 13. November auf Seite 3 eine Rundfrage unter bekannten Persönlichkeiten: „Darf man seinen todkranken Partner erlösen?“ – Eigentlich hätte es statt dem schönfärberischen Wort „erlösen“ (fehlt nur noch der NS-„Gnadentod„) eindeutig „töten“ heißen müssen.

Die meisten der befragten Promis (Prominenten) reagieren erfreulicherweise negativ.

Auslöser des Artikels war der Fall des 91-jährigen Rentners S., der seine 90-jährige demente Frau – die sich nicht einmal im Sterbeprozeß befand – mit einem Kissen erstickt hatte. Danach wollte er sich selber töten, was ihm aber mißlang. Er wurde sehr milde (anscheinend auch seines hohen Alters wegen) zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro und zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Sängerin Marianne lehnt klar ab: „Man darf niemanden töten,auch nicht aus Liebe. Das ist ein grausamer Mord,der nicht geht.“

Ähnlich äußert sich Schlagerstar Heino: „Natürlich darf man das nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man den Menschen, den man am meisten liebt, umbringt – auch wenn das angeblich aus Liebe geschieht.
Wenn meine Hannelore so krank wäre, würde ich sie pflegen bis ans Ende meiner Kräfte.“

Fußballtrainer-Legende Christoph Daum erklärt: „Jeder Mensch hat ein Selbstbestimmungsrecht. Aber keiner darf den lieben Gott spielen, über Leben und Tod anderer entscheiden.“ – Er schränkt seine Ablehnung dann aber ein: „Nur mit ärztlicher und psychologischer Betreuung sollte Sterbehilfe geleistet werden.“


Niederlande: Tödliche Euthanasie für schwerstkranke Säuglinge

In den Niederlanden wird seit Jahren aktive Sterbehilfe bei todkranken Babys praktiziert. Da dies unter Kinderärzten und Juristen zu kontroversen Diskussionen führte, hat die Ärzteorganisation KNMG Mitte Juni verbindliche Richtlinien herausgegeben.

Einem Bericht des „Deutschen Ärzteblatts“  zufolge ist es im Nachbarland künftig legal, die Behandlung Neugeborener mit geringer Lebenserwartung nicht nur einzustellen, sondern auch den Tod durch die Gabe von Muskelrelaxanzien (Medikamente zur Entspannung der Muskeln) herbeizuführen. _DSC0161

Dadurch sollen den Kindern unnötige Qualen erspart bleiben. Entsprechende Fälle müssten einer eigens dafür eingerichteten Kommission gemeldet werden. Ein Leitfaden solle betroffenen Eltern helfen, die Entscheidung des Arztes nachzuvollziehen.

Von den jährlich rund 175.000 Neugeborenen in den Niederlanden sterben etwa 650. Die Hälfte sind Frühgeburten ohne reelle Lebenserwartungen, die anderen haben schwere Anomalien der Lungen, des Herzens oder des Gehirns. 2002 hatten die Niederlande als erstes Land die Euthanasie legalisiert. Dem niederländischen Statistikamt zufolge steigt die Zahl der Fälle von aktiver Sterbehilfe. Im Jahr 2010 waren 3800 Personen betroffen (2,8 Prozent aller Todesfälle). Fünf Jahre zuvor lag der Anteil bei 1,7 Prozent (2.300 Fälle).

Lebensrechtler protestieren

Deutsche Lebensrechtsverbände üben scharfe Kritik an den niederländischen Richtlinien. „Der Schwachsinn vom „Gnadentod“ greift immer weiter um sich“, kommentierte der Generalsekretär der Dt. Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart), die Entwicklung. Sie sei eine Konsequenz der „tödlichen Logik“, dass Menschen mit Behinderungen kein würdiges Leben führen können.

Da man sie im Mutterleib töten dürfe, sei die Bereitschaft naheliegend, ihnen auch nach der Geburt das Leben zu nehmen. „Macht man sich einmal auf den Weg sogenannter Kompromisse, gibt es offenbar kein Halten mehr“, sagte Steeb der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA; er ist auch Leiter des „Treffens christlicher Lebensrechtsgruppen“.

Quelle: http://www.idea.de

Siehe hierzu auch den Weckruf unseres Autors Mathias von Gersdorff: https://charismatismus.wordpress.com/2013/06/25/sauglings-euthanasie-in-holland-eroffnet-neue-phase-im-kampf-fur-das-lebensrecht/

Foto: CDL, M. Löhr