Warum macht Papst Franziskus die liturgische Vielfalt von Benedikt XVI. zunichte?

Von Dr. David Berger

Es war eines der Hauptanliegen von Papst Benedikt XVI.: der klassischen Liturgie, der Messe „aller Zeiten“ erneut einen besonderen Platz in der katholischen Kirche und ihrer lebendigen Tradition zu geben.

Mit dem Apostolischen Schreiben „Summorum Pontificum“ rückte Benedikt XVI. die klassische Liturgie als außerordentliche Form gleichberechtigt neben die neue (reformierte, ordentliche) Form der Messe.

Jeder katholische Priester hatte nun das Recht, auch die „alte“ Messe in lateinischer Sprache zu feiern, ohne zuvor seinen Bischof um Erlaubnis bitten zu müssen. Besonders junge Katholiken fanden so in der „alten“ lateinischen Liturgie eine neue geistliche Heimat. Zahlreiche Priesterberufungen wurden im Lebensraum dieses wunderbaren Kultus geweckt.

Doch mit mit einem heute veröffentlichten Motu Proprio schafft Franziskus das Apostolischen Schreiben „Summorum Pontificum“ von Benedikt XVI. de facto ab. Und legt den „reformierten“ Messritus, der mit einem bislang einzigartigen Rückgang der Gottesdienstbesucher einherging, als „einzige Ausdrucksweise“ des Römischen Ritus fest.

An die Stelle der Freiheit rücken nun Verbote und Drohungen an alle, die nichts anderes wollen als katholisch zu bleiben. Eine der Gründe: ein tiefes Misstrauen gegenüber der Tradition und den Priestern, das Bergoglio antreibt.

Kath.net schreibt dazu:

„Der von seinem Vorgänger Benedikt XVI. 2007 umfangreicher erlaubte außerordentliche Ritus darf mit sofortiger Wirkung nur noch mit Erlaubnis des Ortsbischofs gefeiert werden. Allein der Ortsbischof dürfe für seine Diözese den Gebrauch des von Papst Johannes XXIII. 1962 veröffentlichten Messbuchs gestatten, heißt es in dem aktuellen Erlass „Traditionis custodes“ (Hüter der Tradition).

Der Bischof allein bestimme auch Orte, Zeiten und Priester, die mit Gläubigen die Eucharistiefeier nach dem alten Ritus feiern wollten…Damit ist de facto das Apostolischen Schreiben Summorum Pontificum von Benedikt XVI. Geschichte.

Mit der Abschaffung von „Summorum Pontificum“ schlägt Franziskus nicht nur seinem Vorgänger – bildlich gesprochen – ins Gesicht. Er setzt auch sein Zerstörungswerk der Catholica fort… Möchte er die katholische Kirche als traditionelle Hüterin des Wahren, Guten und Schönen mit in den zerstörerischen Strudel des Great Reset treiben?

Quelle und vollständiger Artikel hier: https://philosophia-perennis.com/2021/07/16/franziskus-so-schlaegt-er-papst-benedikt-xvi-ins-gesicht/


Der Gesang gehört zum Gottesdienst

Von Dr. Heinz-Lothar Barth

Mit Bestürzung las ich, daß fast die Hälfte der Bürger den Gesang ohne Maske im Gottesdienst ablehnt. Es ist also der Bundesregierung durch ihre stetigen Panikkampagnen gelungen, sehr viele Menschen radikal zu verängstigen und ihnen so ein vernünftiges Urteilsvermögen  zu rauben.

In einem SPIEGEL(!)-Interview (Nr. 8/2021) betonte der Wiener Liturgiewissenschaftler Prof. Hans-Jürgen Feulner, daß nach neueren Studien das Singen nicht mehr Aerosole verbreitet als lautes Sprechen.

Daß die Gemeinde singen soll, führt uns unser HERR im Abendmahlsgeschehen, dem Prototyp jedes christlichen Gottesdienstes, selbst vor Augen. In Mk 14,26 heißt es: „hymnēsantes“ – „hymno dicto“ – „nach dem Lobgesang“.

Auf das früheste Gemeindeleben bezogen, hören wir vom gemeinsamen Gesang in Eph 5,19 und Kol 3,16. Reichlich Material für die folgenden Jahrhunderte läßt sich Rainer Schwindts Buch „Der Gesang der Engel“ (Herder 2018) entnehmen.

Was die angebliche Notwendigkeit betrifft, immer noch Masken zu tragen, erinnere man sich an die Auskunft der „Experten“: „Sie waren erst schädlich, dann überflüssig, schließlich nützlich und heute sind sie unbedingt notwendig“, so Fritz Söllner, Professor für Volkswirtschaftslehre, in der Jungen Freiheit vom 9.6.2020.

Und der Gebrauch von Gesichtbedeckungen trat ja als Problem wohl nicht erst 2020 auf, so daß man anfangs hätte unsicher sein können; man betrachte nur China. Es geht hier aber heute eben um „Symbolik“!

In der Vergangenheit haben die Kirchenleitungen es gegenüber dem Staat, der nach Art. 4 GG und Konkordatsrecht gar nicht in ihre kultischen Freiheiten eingreifen darf, weitgehend an Starkmut fehlen lassen, wie Dr. Josef Heinskill und ich in unserem Buch „Die Coronakrise“ (Wil/Schweiz 2021) dokumentiert haben.

Man sollte umkehren, die Gläubigen sachlich und vernunftgemäß über das, was wirklich not tut, informieren und so Gott wieder uneingeschränkt die Ehre geben.

Unser Autor Dr. Heinz-Lothar Barth ist Publizist und lehrte Alte Sprachen an der Universität Bonn


Jubiläum 10+1 der Autobahnkirche RUHR

„Fürchtet euch nicht!“: So lautete die Antwort des ehemaligen Bundestagspräsidenten Prof. Dr. Norbert Lammert auf die Frage von Superintendent Michael Otto, Pfarrer der gastgebenden Epiphanias-Gemeinde der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) in Bochum:

Welche Botschaft würden Sie auf ein Banner an einer Autobahnbrücke schreiben und den Menschen von heute mit auf den Weg geben?“

Diese biblische Botschaft prägte den ökumenischen Gottesdienst zum nachgeholten Jubiläum „10+1“ der Autobahnkirche RUHR (Epiphanias-Kirche Bochum der SELK) am 30. Mai 2021.

Die etwas über 30 Teilnehmenden spürten, dass die Kirche mit ihrer Botschaft gerade auch in den Zeiten der Corona-Pandemie tröstliche Worte sagen kann. Dazu trug auch die musikalische Ausgestaltung durch die Harfenmusik von Louise Augoyard (Bochum) bei.

Die Choräle und Lieder wurden von Magdalene Nabring (Epiphanias-Gemeinde Bochum) coronabedingt vorgesungen, einzelne Strophen von der Gemeinde aber auch gesprochen. In den Fürbitten legte Notfallseelsorger Pfarrer i.R. Hajo Witte (Bochum) die Nöte der Menschen in Gottes Hände, damit sie wieder aufatmen können.

In einer E-Mail tags darauf resümierte eine Teilnehmerin: „Das war gestern ein wirklich schöner Gottesdienst, vielen Dank dafür. Die Musik war wunderschön und hat die Seele berührt nach der langen Gottesdienst-Fastenzeit.

Der Gottesdienst wurde aufgenommen und ist mit einem Gruß des Mitinitiators der Autobahnkirche RUHR Pfarrer i.R. Andreas Volke (Essen) sowie einem Nachklang mit Bildern von der Kirche an der A 40 unter dem Link https://youtu.be/nSmKgQpOo0Y zu sehen.


So habe ich Fronleichnam in Haus Assen erlebt

Von Dominik Terhorst

Nachdem im letzten Jahr in meiner Gemeinde keine Fronleichnamsprozession angeboten worden war, hatte ich doch wenigstens in diesem Jahr wegen sinkender Coronazahlen darauf gehofft.

Doch beim Durchblättern unserer Kirchenzeitung, die zumindest noch einen Überblick über die angebotenen Gottesdienste in der Umgebung gibt, wurde ich leider eines Besseren belehrt.

Weit und breit keine Fronleichnamsprozession vorgesehen.

Manche Gemeinden veranstalteten noch nicht einmal (OpenAir)-Gottesdienste als Ersatz, sondern „verlegten“ die Feier auf das darauffolgende Wochenende, wo eh schon Eucharistiefeiern stattfinden.

Eine Nachbargemeinde ersetzte aus Angst vor Schlechtwetter einen Tag vorher den OpenAir-Gottesdienst gegen einen Gottesdienst in der Kirche, wo die Gläubigen nicht singen durften.

Wo ist denn da das Gottvertrauen?

In meiner Gemeinde wurde die Fronleichnamsprozession gegen sogenannte Sternmärsche ersetzt, d.h. die Gläubigen trafen sich an verschiedenen Stellen im Ort und zogen von dort zum OpenAir-Gottesdienst.

Sicherlich ein nettes Beisammensein, aber wo waren dabei die Priester, die das Allerheiligste ehrfurchtsvolldurch den Ort tragen?

Man schien fast vergessen zu haben, weswegen man eigentlich Fronleichnam feiert.

Weil in den letzten Jahren in meiner Gemeinde nur modernere Lieder gesungen wurden, gegen die ich grundsätzlich nichts habe, die aber nicht die Fronleichnamsklassiker „Kommt her ihr Kreaturen all'“ und „Deinem Heiland, deinem Lehrer“ verdrängen dürfen, habe ich mich zusammen mit meiner Mutter nach Haus Assen bei Lippetal begeben.

Von dieser Feier bin ich nicht enttäuscht worden.

Nach der feierlichen Messe im alten Ritus folgte die Prozession, selbstverständlich mit dem Allerheiligsten, und mit vier Stationsaltären, die feierlich mit Blumenteppichen geschmückt waren. Blumenmädchen verschönerten zudem den Weg mit den Blüten der vielfältigsten Pflanzen.

BILD: Blumengeschmückter Stationsaltar an Haus Assen (Foto: D. Terhorst)

Bei dieser Prozession waren sehr viele junge Menschen dabei, wie der Priester auch am Ende betont hat. Es besteht also noch Hoffnung, dass es junge Menschen gibt, die der wahren Lehre der katholischen Kirche weiterhin folgen und das nicht den Älteren oder Alten überlassen.

U.a. sang ein Chor, bestehend aus jungen Damen aus dem Kreis der Gläubigen, das Lied „Wo in feierlicher Stille“, das meine Mutter das letzte Mal vor über 60 Jahren bei ihrer Erstkommunion gehört hat.

Kleine Kinder, die verhältnismäßig still waren, Jugendliche und junge Erwachsene, die sich ehrfurchtsvoll verhalten haben, kein Geklatsche nach den Dankesworten durch den Priester etc., habe ich als früher Dreißiger noch nie so erlebt.

Es war sehr empfehlenswert und ich plane zukünftig häufiger an Gottesdiensten des Hauses Assens teilzunehmen.

Wahrhaft eine Oase des Glaubens, wo man einmal erfreulicherweise nichts von den kirchenkritischen und sakrilegen Themen, die in letzter Zeit die Medien und Predigten vieler Gemeindepfarrer bestimmen, gehört hat.

Hinweis der Redaktion: Haus Assen ist ein imposantes Wasserschloß in Lippetal, das in der Trägerschaft des SJM-Ordens (Diener/Servi Jesu und Mariens) steht. Näheres hier: https://www.haus-assen.de/home.html     


Peter Hahne kritisiert Rosa-Luxemburg-Gottesdienst in Hamburger evgl. Gemeinde

Das langjährige Mitglied des Rates der EKD, Peter Hahne (siehe Foto), hat den sog. Themen-Gottesdienst einer Hamburger Gemeinde zum 150. Geburtstag von Rosa Luxemburg scharf kritisiert.

„Hier zeigt sich geballt das ganze Elend der heutigen Kirche: Es wird eine Ideologie gefeiert, die Millionen von Christen auf dem Gewissen hat. Die Geschichte der DDR ist in den Köpfen dieser Ideologie-Theologen bereits ausgeblendet. Aber erst recht die kommunistischen Rosa-Luxemburg-Diktaturen des vorigen Jahrhunderts mit ihren Gulags und Guillotinen für Christen“, sagte der frühere ZDF-Moderator am Freitag der Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT.

Der Gottesdienst am kommenden Sonntag in der Auferstehungskirche in Hamburg-Lurup ist auf der Internetseite der Gemeinde mit dem Titel angekündigt: „Mensch sein ist vor allem die Hauptsache“. Zwar sei Luxemburg eine Sozialistin gewesen. Doch mit dem Gottesdienst wolle man eine „bedeutende Frau“ ehren, „die uns heute noch Inspiration sein kann“. Bei Luxemburg habe es sich um eine „feinsinnige Frau“ gehandelt, die „unbeirrt“ ihren eigenen Weg gegangen sei.

Für Hahne ist nicht nachvollziehbar, warum die EKD „zu solch dümmlichem Unfug“ schweige, „der die letzten Wohlmeinenden und Gutgläubigen aus den Kirchen vertreibt“.

Rosa Luxemburg war Mitbegründerin der Kommunistischen Partei Deutschlands. Nach dem Ausbruch der Novemberrevolution 1918 gründete sie den Spartakusbund. In dessen Programm, das Luxemburg verfaßt hatte, hieß es: „Auf, Proletarier! Zum Kampf! Es gilt eine Welt zu erobern und gegen eine Welt anzukämpfen. In diesem letzten Klassenkampf der Weltgeschichte um die höchsten Ziele der Menschheit gilt dem Feinde das Wort: Daumen aufs Auge und Knie auf die Brust.“

Quelle und vollständige Meldung hier: https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2021/gottesdienst-fuer-rosa-luxemburg/


Die Wurzel europäischer Identität ist christlich

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

„Sind die islamistischen Anschläge in Frankreich und Österreich Angriffe auf Europas christliche Identität?“ lautet eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA, durchgeführt im Auftrag der Tagespost zwischen 6. bis 9. November bei 2030 Personen.

Nach dem Ergebnis der Befragung sind 56% der Deutschen der Meinung, dass die „islamistischen Anschläge auf Europas christliche Identität zielen“. Von den katholisch Befragten bejahen dies 61%, aber 13% teilen diese Meinung nicht, 17% wissen keine Antwort.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Die befragten Protestanten sind sogar zu 69% der Meinung, dass die islamistischen Anschläge auf die christliche Identität Europas abzielen. Nach der Partei-Affinität teilen diese Sicht 78% der AfD-Wähler, 71% der Unionswähler, 66% der FDP-Wähler, 57% der SPD-Wähler. Linke und Grüne teilen diese Ansicht mit der relativen Mehrheit von 49% und 46%.

Was lässt sich daraus schlussfolgern? Und was ergibt sich hieraus für das politische Handeln, die Kulturpolitik und auch für die Kirchen?

Interessant ist insgesamt die hohe Zustimmung, die in den Antworten zum Ausdruck kommt. Sie liegt bspw. über der Zahl der Deutschen, die sich als „Christen“ bezeichnen (54%) und weit höher als die der praktizierenden Christen, gemessen an der Teilnahme am sonntäglichen Gottesdienst. Diese beträgt bei Katholiken rund 9%, bei Protestanten ca. 3%. Wer die Identität als bedroht empfindet, gibt damit zu verstehen, dass er sich geschützt haben will.

Was heißt Identität?

Wikipedia definiert Identität so: „Identität ist die Gesamtheit der Eigentümlichkeiten, die eine Entität, einen Gegenstand oder ein Objekt kennzeichnen und als Individuum von Anderen unterscheiden. In ähnlichem Sinn wird der Begriff auch zur Charakterisierung von Personen verwendet.“

Die Bedrohten sehen durch den aggressiven Islamismus ihre kulturelle Gesamtheit gefährdet, wie sie sich bspw. im Verfassungsverständnis mit der menschlichen Würde, den Grundfreiheiten und Rechten ausdrückt. Dazu gehört nach deutschem Verständnis die Trennung von staatlicher Gewalt und Religion. Im Islam bilden sie eine Einheit.

Nach der INSA-Umfrage ergeben sich interessante Unterschiede im Gefühl der Bedrohung zwischen den Altersstufen. Die 18-29-jährigen sehen die christliche Identität nur zu einem knappen Drittel (32%) bedroht, während das Empfinden der Bedrohung bei den über 60-jährigen auf über 71% ansteigt.

Woran mag das liegen?

Zweifellos wollen auch die Jüngeren die Vorteile genießen, die ihnen unsere verfassungsmäßigen Rechte einräumen. Diese haben ihren Ursprung in der christlichen Kultur. Vielleicht halten die Jüngeren diese Rechte für selbstverständlich, weil sie noch nie eine Einschränkung ihrer Rechte hinnehmen mussten, oder weil ihnen die vom Christentum herrührenden Rechte aufgrund der zunehmenden Säkularisierung unserer Gesellschaft nie bewusst gemacht wurden. Sie halten die bestehende kulturelle Identität auch ohne Christentum für gesichert.

Ist das wirklich so?

Der frühere Präsident des italienischen Senats, Marcello Pera, ein bekennender Atheist, und der Kurienkardinal Joseph Ratzinger sind in einem Dialog der Frage nachgegangen, ob der Relativismus und die moralische Beliebigkeit einen demokratischen Staat und eine freie Gesellschaft bedrohen (in dem Buch „Ohne Wurzeln – Der Relativismus und die Krise der europäischen Kultur“, St. Ulrich Verlag, 2005)

Kann eine freie und menschliche Kultur ohne Verankerung im Christentum gesichert werden?

Joseph Ratzinger konzediert in diesem Dialog: „Der Katholik darf nicht auf dem Weg über die Gesetzgebung Wertordnungen auferlegen, die allein in Glauben zu erkennen und zu vollziehen sind. Er darf nur das anmahnen, was zu den, der Vernunft zugänglichen Grundlagen der Humanität gehört und daher für den Aufbau einer guten Rechtsordnung wesentlich ist“.

Aber „was ist denn dieses der gemeinsamen Vernunft aller Menschen zugängliche minimum morale?!

„Deswegen“ so Ratzinger weiter, „ist es sehr wichtig, eine philosophische Ethik zu entwickeln, die zwar mit der Glaubensethik in Harmonie steht, aber doch ihren eigenen Bereich und ihre denkerische Stringenz haben muss. Die Vernünftigkeit des Arguments sollte den Graben… aufheben und eine Ethik der Vernunft begründen.“

Ratzinger exemplifiziert seine These am „Problem des Personseins vom Augenblick der Empfängnis an.“ Er erinnert daran, „dass nach den Erkenntnissen der modernen Genetik schon vom ersten Augenblick an, eine feste Struktur dieses Lebewesens vorliegt: ein Mensch nämlich und zwar dieses konkreten menschlichen Individuums, das schon mit all seinen genau umschriebenen charakteristischen Merkmalen ausgestattet ist… Ein menschliches Individuum ist gegeben… wie sollte ein menschliches Inidviduum nicht eine menschliche Person sein?“

Daraus ergibt sich die ethische Schlussfolgerung: „Jedes menschliche Wesen muss – als Person – vom ersten Augenblick seines Daseins an geachtet werden… dann bedeutet die Autorisierung zur Tötung des Embryo, dass der Staat die Gleichheit Aller vor dem Gesetz leugnet. Die Frage des Lebensrechts Aller, die Menschen sind, ist für uns nicht eine Frage der Glaubensethik, sondern der Ethik der Vernunft“, so Ratzinger.

Nun ist der Kurienkardinal ein Realist und fügt in seinem Dialog an:

„In letzter Zeit fällt mir immer mehr auf, dass der Relativismus – je mehr er zu allgemein angenommenen Denkform wird – zur Intoleranz tendiert und in einen neuen Dogmatismus umschlägt. Die Political Correctness… will die Herrschaft des Denkens und des Sprechens aufrichten“.

Jeder, der schon an einer Demo für das Leben teilgenommen hat, kann bestätigen, dass solche Veranstaltungen nur mehr möglich sind, wenn sie von einem großen Polizeiaufgebot geschützt werden. Der Relativismus kann also zu einer Gefahr für eine humane Gesellschaft werden.

Unsere christliche Identität ist auch von innen her gefährdet, weil dieses Europa „die Überzeugung von seinen eigenen Prinzipien und der Glaube an die eigenen Werte, ohne die man keine wirkliche Verfassung erstellen kann“ (Marcello Pera) nicht mehr hat.

Pera stimmt im Dialog mit Ratzinger dessen Feststellung zu, dass der Westen „sich selbst nicht mehr mag“, dass Europa „von innen leer geworden, gleichsam gelähmt zu sein scheint“ und dass es einen „nur als pathologisch zu bezeichnenden Selbsthass des Abendlandes“ gibt, der „nur noch das Grausame und Zerstörerische sieht.“

Auch diese Etikettierung wird stärker für die jüngeren Jahrgänge zutreffen und sie ist zugleich eine Anfrage an die Unterrichtsfächer, die Geschichte und Kultur zum Inhalt haben. Sie ist gleichzeitig eine Aufgabe, das zu ändern.

Die christliche Identität ist nicht in erster Linie durch islamistische Terroristen gefährdet, sondern durch die Unwissenheit über die christliche Religion. Wie soll die christliche Identität für die Zukunft gesichert werden, wenn jene welche sie als bedroht empfinden, nicht mehr wissen, was der Inhalt des Christentums ist.

Wenn es durch Neuevangelisierung nicht gelingt, das christliche Lebensmodell als eine lebbare Alternative zu den immer leerer werdenden Vergnügungen, die die Freizeitgesellschaft bietet (Ratzinger) als faszinierend zu zeigen, dann hat die christliche Identität keine Zukunft.

Wir können aber nicht warten, bis der Staat das richtet. Mutige kreative Minderheiten sind gefragt, die das Evangelium Christi wie in der Zeit der ersten Jahrhunderte zu den Menschen bringen, auch zu den Moslems bei uns. Denn alle Menschen haben das Recht Jesus Christus kennenzulernen.


Nur 20% würden Weihnachtsmesse vermissen

Jeder fünfte Deutsche (20 Prozent) würde den Besuch des Weihnachtsgottesdienstes vermissen, sollte er wegen der Corona-Situation nicht möglich sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des INSA-Instituts, die im Auftrag der „Tagespost“ durchgeführt wurde.

Gleichzeitig gaben 65 Prozent der Befragten an, dass sie den Besuch des Weihnachtsgottesdienstes nicht vermissen würden. 8 Prozent wissen nicht, wie sie dazu stehen.
Im Westen ist der Anteil derjenigen, die den Besuch des Weihnachtsgottesdienstes vermissen würden, etwas höher als im Osten (21 zu 18 Prozent).

29 Prozent der Katholiken und 31 Prozent der Protestanten gaben an, den Weihnachtsgottesdienst zu vermissen, sollte ein Besuch nicht möglich sein.

Am höchsten ist der Anteil derjenigen, die den Weihnachtsgottesdienst vermissen würden, unter freikirchlich-evangelischen Befragten (40 Prozent).

Quelle: Pressemeldung der Tagespost


Schwester Jordana: Gottesdienste und Priester sind nett, aber eigentlich überflüssig

Von Felizitas Küble

Bei manchen katholischen Nonnen kann man sein blaues Wunder erleben. Ob es die Ordensfrauen von Dinklage sind, die sich voll und ganz mit der progressiven Aktion „Maria 2.0“ solidarisieren – oder etwa die Dominikanerin Jordana, die als Kinderdorfmutter tätig ist und zudem jahrelang Sprecherin beim „Wort zum Sonntag“ war. Ab und zu schreibt sie auch Bücher, darunter den Titel „Ente zu verschenken“ (siehe Foto).

Schwester Jordana mag eine freundliche Frau mit einer angenehmen Stimme sein, doch deshalb muß noch lange nicht alles richtig sein, was sie dem Radio- und Fernsehpublikum mitteilt.

Nehmen wir die Kirchensendung auf WDR 3 um 7,50 Uhr am heutigen Dienstag, dem 4. August. Schwester Jordana wird in dieser Woche Tag für Tag ausgestrahlt.

Unter dem etwas sperrigen Titel „Sichtbar oder unnütz?“ plauderte die Nonne über die Gespräche mit ihrer schwedischen Freundin Helene, die dort wegen der Coronakrise für ältere und kranke Menschen einkauft. 

Dabei macht Helene aus der Not eine Tugend, indem sie erklärt, es sei „gar nicht so schlecht“, daß die Kirchen verschlossen seien. Denn draußen in der Welt erfahre sie Dankbarkeit und Freude für ihre guten Werke: „Das ist mehr, als wir sonst bekommen, wenn wir einen Gottesdienst anbieten.“

Stellt sich nur die Frage, ob es etwa allein auf den emotionalen Lohn ankommt – oder doch noch auf etwas anderes wie z.B. die Ehre Gottes?

Sr. Jordana bekräftigt sodann, Helenes Darstellung sei „unser Bild von Kirche heute“:

„Wozu brauchen wir noch zu viel Formalität und Feierlichkeit. Ja, manchmal ist es schön sie zu erleben. Bei besonderen Festen zum Beispiel: da mag auch ich die Gottesdienste mit allem Drum und Dran. Aber die Krise hat mir gezeigt, dass  man auch ohne große Kirche eine Feier sehr spirituell und dicht feiern kann.“

Danach erzählt die Ordensfrau von ihrer stimmungsvollen Kinderdorf-Osterfeier mit Osterfeuer, Fladenbrot usw.

Zwar sei es schön, in vollen Kirchen zu singen und zu beten: „Aber bitte, erhalten wir uns auch die Kreativität, Glauben zu leben und sichtbar zu machen. In neuen Formen. Über das Internet, in häuslicher Gemeinschaft, im Garten, im Autokino oder wo auch immer. Von mir aus auch ohne Priester, die wird es sowieso immer weniger geben.“

Bei ihrer Freundin in Schweden sei das alles schon „viel sichtbarer als bei uns“  – eine Glaubensgemeinschaft „ohne Hierarchie, ohne Diskriminierung“.

Merken wir uns das als frühmorgendliches Wort zum Dienstag: Gottesdienste und Priester sind zu feierlichen Anlässen wohl eine schöne Dekoration, aber eigentlich entbehrlich – und ohne „Hierarchie“ läuft sowieso alles viel „kreativer“.


Corona: Frankfurter Baptisten alle genesen

Weil eine evangelische Baptistengemeinde offenbar gegen Corona-Regeln verstoßen hatte, infizierten sich über 200 Personen mit dem Virus. Mittlerweile sind alle wieder gesund.

Die Gemeinde ließ die Erforschung des Corona-Ausbruchs durch Wissenschaftler zu, juristische Konsequenzen hat der Fall für sie keine.

Ende Mai waren rund 200 Mitglieder einer Baptistengemeinde in Frankfurt positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Die Tageszeitung Die Welt berichtet, dass die an Covid-19 erkrankten Personen genesen seien. Wegen des Verstoßes gegen die Corona-Regeln droht der Gemeinde aber keine Strafe.

Am 10. Mai war nach einem Gottesdienst in der Baptistengemeinde, die mehrheitlich von Russlanddeutschen besucht wird, bei mehr als 200 Gemeindemitgliedern aus sieben umliegenden Landkreisen das Corona-Virus nachgewiesen worden. Wie die FAZ berichtet, droht der Gemeinde keine Strafe wegen Missachtung der Hygieneregeln und der Landesverordnungen zur Eindämmung der Pandemie.

Dem FAZ-Bericht zufolge hat die Stadt auf rechtliche Schritte gegen den Trägerverein der Gemeinde verzichtet, obwohl sich in der Gemeinde rund 180 Teilnehmer zum Gottesdienst getroffen hatten zu einem Zeitpunkt, als das Land maximal 100 Teilnehmer bei Zusammenkünften erlaubt hatte.

Quelle und Fortsetzung der Meledung hier: https://www.pro-medienmagazin.de/index.php?id=95254


Coronakrise bietet Chancen für Korrekturen

Von Monika Rheinschmitt

Die Vertiefung unserer Kenntnisse über Glauben und Liturgie sowie eine intensivere Gebetspraxis sind Möglichkeiten, die Schäden zu begrenzen, die durch den weltweiten „Shutdown“ als Reaktion auf die Verbreitung des Corona-Virus entstanden und weiterhin akkumulieren.

In fast 2000 Jahren Kirchengeschichte gab es trotz aller Verfolgungen, Kriege und Seuchen noch nie einen derartigen Rückgang des kirchlichen Lebens.

Viel zu schnell galten öffentlich zugängliche Meßfeiern und die Sakramentenspendung als nicht „systemrelevant“ und darum verzichtbar.

In den kommenden Monaten werden weder in der Politik noch in der Wirtschaft noch in der Kirche die „früheren (= vor Corona) Zustände“ wieder eintreten. Das muß nicht immer von Nachteil sein, sondern bietet auch Gelegenheit zu Korrekturen.

Die katholische Kirche sollte sich wieder auf ihr „Kerngeschäft“ konzentrieren: die Verkündigung der Erlösung durch Tod und Auferstehung Jesu Christi sowie Beistand und Trost für Menschen in Notlagen, was nicht nur „satt, sauber und ein Dach über dem Kopf“ bedeutet, sondern auch die geistliche Ebene umfaßt.

Zum „Kernthema“ der Kirche gehört ganz zentral auch die angemessene Gottesverehrung in der ehrfürchtigsten und feierlichsten Art und Weise, die uns möglich ist.

Durch das Angewiesensein auf Livestream-Gottesdienste/Meßfeiern boten die zurückliegenden Wochen viel Anschauungsmaterial.

Dabei wurde deutlich, daß an vielen Orten Meßfeiern im klassischen römischen Ritus in diesem Geist zelebriert wurden: Als gesungenes Amt mit vier Ministranten oder auch als levitiertes Hochamt, mit Choralschola für das Ordinarium und die Proprien sowie manchmal einem mehrstimmigen Chor für Zwischenstücke – alles zur größeren Ehre Gottes und zum Trost für die Gläubigen an den Bildschirmen.

Aber auch in nicht übertragenen heiligen Messen wird dem Allerhöchsten das Ihm genehme Opfer dargebracht. Der Priester ist nicht alleine, sondern in der Gemeinschaft der Engel und Heiligen sowie der Gläubigen, die mit ihm verbunden sind, auch wenn sie nicht physisch anwesend sein können.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Vorwort von „Dominus vobiscum“ Nr. 20 (Mai 2020) – Die Zeitschrift kann hier bestellt werden: Telefon: 0711 8387877 oder Mail: PMT.Stuttgart@t-online.de
Im Internet sind frühere Ausgaben verfügbar: https://www.pro-missa-tridentina.org/medien/index.htm