Ägypten: Koptisches Forschungsinstitut warnt vor Irrtümern der Zeugen Jehovas

Das koptische Patriarchat richtet ein Forschungszentrum für Kirchenlehre im Stadtviertel Maadi in Kairo ein, das mit dem bereits existierenden Studien- und Beratungszentrum für Ehefrauen zusammenarbeiten soll.

Das neue Forschungszentrum soll nach dem hl. Athanasius, dem einstigen Bischof von Alexandria,benannt werden.

BILD: Feierlicher koptischer Gottesdienst in Münster (Clemens-Kirche)

Die Forschungseinrichtung wird dem Patriarchen Tawadros II. und dem Bischof der Diözese Maadi unterstellt sein und mit koptischen Theologen zusammenarbeiten.

Im April dieses Jahres hatte die bischöfliche Kommission für Glaubenslehre der koptischen Kirche die Gläubigen vor Aktivitäten der Zeugen Jehovas in Ägypten gewarnt.

In einer offiziellen Erklärung bekräftigt die Kommission, dass es sich bei den Zeugen Jehovas um eine Sekte aus den USA handelt, die im 19. Jahrhundert gegründet wurde und die Gottheit Christi sowie die Dreieinigkeit leugnet – und daher genau genommen nicht christlich ist.

Quelle: Fidesdienst

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Islam: Tägliches Gebet mit ständiger Abwehrhaltung gegenüber Andersgläubigen

Nur wenige wissen, was ein gläubiger Moslem täglich betet. Er betont nicht nur, was er glaubt, er erwähnt auch ständig, was er nicht glaubt und wogegen er ist: nämlich gegen alle „Ungläubigen“. burka

„Leite uns den rechten Pfad, den Pfad derer, denen Du gnädig bist, nicht derer, denen Du zürnst, und nicht derer, die in die Irre gehen.“

In die Irre gehen nach islamischer Auffassung Christen, Juden und alle Polytheisten.

„Wahrlich, der Mensch ist in einem Zustand des Verlusts, außer denjenigen, die glauben.“

Also sind alle außer den Muslimen in einem Zustand des Verlusts.

„Er ist Allah, der EINE, Allah, der Immerwährende, ER zeugt nicht.“

Das ist eine explizite Ablehnung des christlichen Dogmas von der Gottessohnschaft Jesu. Warum hat ein Moslem das nötig? Reicht ihm sein Glaube nicht? Muss er ausdrücklich Andersgläubige im täglichen Gebet herabwürdigen? 

Quelle und vollständiger Text von Adorján F. Kovács hier: http://www.freiewelt.net/blog/trumps-einreiseverbot-konsequent-und-nicht-antimuslimisch-10069971/


Bischof Voderholzer erinnert an Papst Silvester und die Bedeutung des Sonntags

Voller Wortlaut der Silvester-Predigt des Regensburger Bischofs Dr. Rudolf Voderholzer im Dom St. Peter am 31.12.2016:

Liebe Mitbrüder im Bischofs-, Priester- und Diakonenamt!
Liebe Schwestern und Brüder im Glauben an den Mensch gewordenen Gottessohn!

Der letzte Tag des Jahres trägt den Namen Silvester. Wohl den wenigsten, die mit diesem Tag vor allem Feuerwerk, ausgelassenes Feiern und Party bis in die frühen 141225_Dom erster Weihnachtsfeiertag 5Morgenstunden des 1. Januar verbinden, wird bewusst sein, dass sie damit den Namen eines Bischofs von Rom, den Namen eines Papstes im Munde führen. Es ist der Name des Papstes, der am 31. Dezember des Jahres 335 nach einer 19-jährigen Amtszeit in Rom starb und seit dem 5. Jahrhundert als Heiliger verehrt wird.

Im kirchlichen Bereich und Sprachgebrauch greifen wir schon öfter einmal auf die Heiligennamen zurück, wenn wir bestimmte Tage bezeichnen: Stefani für den 26. Dezember, Josefi für den 19. März oder Michaeli für den 29. September. Aber außerhalb von kirchlichen Kreisen muss man dann meistens schon erklären, dass wir mit dem Peter und Pauls-Tag den 29. Juni meinen.

Bei Silvester aber, so scheint mir, haben wir den einmaligen Fall, dass sich der Name des an diesem Tag verehrten Heiligen bis in die säkularste Welt hinein eingebürgert hat, mit der Folge freilich, dass es den allermeisten gar nicht bewusst ist, wo diese Bezeichnung herstammt. Allein dies ist schon bemerkenswert.

Silvester: Papst nach dem Ende der römischen Christenverfolgung

Darüber hinaus führt uns das Leben und Wirken des heiligen Silvester in eine für die Kirchengeschichte außerordentlich wichtige Zeitspanne. Silvester wurde Papst genau ein Jahr nach dem Erlass des Mailänder Edikts 313.

Mit ihm hatte Kaiser Konstantin, der gerade durch Ausschaltung seines letzten Konkurrenten die Macht an sich gerissen hatte und auf dem Wege war, das römische Reich noch einmal zu einen, dem Christentum den Status einer „erlaubten Religion“ zugesprochen und damit die Christenverfolgung im römischen Reich beendet.papst_letzter_tag_01

Auf die politische Entwicklung dürfte Papst Silvester, der noch die Zeiten der Verfolgung miterlebt hatte, wenig Einfluss genommen haben. Jedenfalls haben wir keine historischen Zeugnisse dafür. Zu unbedeutend und zu gering im Vergleich zum mächtigen Kaiser war der Bischof von Rom in dieser Zeit noch.

Aber Silvester wird Zeuge und Nutznießer verschiedenster Maßnahmen von Kaiser Konstantin zugunsten der Kirche. Er erlebt nicht nur den Bau der ersten päpstlichen Basilika auf dem Gelände der Laterani, sondern auch über dem Petrusgrab im Vatikan.

Der Sonntag als Ruhetag und Feiertag zugleich

Papst Silvester wird vor allem Zeuge der Einführung des Sonntags als staatlich geschützter Ruhetag. Im Jahr 321, es war das siebte Jahr des Pontifikates von Papst Silvester, hat Kaiser Konstantin die Sieben-Tage-Woche gesetzlich eingeführt und damit dem Abendland die vom jüdisch-christlichen Offenbarungsglauben her als göttlich begründete Zeitstruktur geschenkt.

Evangelische Kirche in Augsburg Eine Zeitstruktur, die, gleichermaßen am Rhythmus der Sonne und des Mondes Maß nehmend, der Ruhe und der Muße ihr Recht gibt und den Menschen schützt vor der Versklavung an die Arbeit. Ja, es ist Kaiser Konstantin in den Jahren des Pontifikats von Papst Silvester, der den Sonntag gesetzlich befreit von Lohn-Arbeit und Gerichtsterminen und ihn so positiv frei macht für die gottesdienstliche Versammlung am helllichten Tag und die Feier der Eucharistie nicht nur am Abend oder vor Sonnenaufgang.

Der Sonntag als erster Tag der Woche, der Tag der Auferstehung Jesu Christi, der bereits in neutestamentlicher Zeit die Vorzüge und Würden des Sabbats an sich gezogen hatte, wird somit der Urfeiertag des Abendlandes.

Das Konzil von Nizäa bestätigte die Gottheit Christi

In Silvesters Amtszeit fällt auch das erste Konzil von Nizäa 325. Der Bischof von Rom nahm nicht persönlich daran teil, war aber durch zwei Delegaten vertreten und unterstützte das Anliegen, gegen die Lehre des Arius von der wesenhaften Unterordnung des Logos unter den Vater die Gleichewigkeit und Göttlichkeit des Sohnes als Glauben der Kirche feierlich festzuhalten.krippe_weihnachten - Kopie

Konstantin, der die Reichseinheit durch die Uneinigkeit der Christen in Gefahr sah, war sehr an einer Einigung gelegen, und so dürfte er den Konzilsbeschluss durch die Einführung eines Festes bekräftigt haben – Weihnachten am 25. Dezember als Fest der Geburt, als Fest der Menschwerdung, Fest des „homoousios“.

Die angebliche Überformung eines heidnischen Festes des „Sol invictus“ als Ursprung des christlichen Weihnachtsfestes wird in der historischen Literatur mittlerweile längst als eine – wenn auch hartnäckig sich haltende – „Forschungslegende“ bezeichnet (vgl. die Studien von Martin Wallraff, Christus verus sol  –   und Hans Förster, Die Anfänge von Weihnachten und Epiphanias).

Es spricht vieles dafür, dass Kaiser Konstantin bald nach 325 das Weihnachtsfest am 25. Dezember neu eingeführt hat als Reaktion auf den Konzilsbeschluss von der Gleichwesentlichkeit des menschgewordenen Sohnes mit dem ewigen Vater. Möglicherweise hat er gleichzeitig, um dem nach wie vor ja auch zahlenmäßig starken Heidentum entgegenzukommen, gleichzeitig auch ein heidnisches Fest für den unbesiegbaren Sonnengott gestattet. Dass wir den 25. Dezember als genuin christliches Fest und den neben dem schon älteren 6. Januar als Weihnachtstag dem Kaiser Konstantin verdanken, scheint historisch ziemlich gesichert.

Kreuzigung als Todesstrafe verboten

Papst Silvester wird schließlich auch Zeuge des Verbotes der Kreuzigung als Todesstrafe. Diese bis dahin ja für die Menschen oft zu erlebende Grausamkeit wird – nicht zuletzt im Hinblick auf den Kreuzestod des von den Christen verehrten und als Erlöser bekannten Christus – geächtet.

Der berühmten Legende gemäß schrieb Konstantin auch seinen Sieg in der entscheidenden Schlacht an der Milvischen Brücke 312 schon dem Kreuz als Segensbringer zu. „In hoc signo vinces – in diesem Zeichen wirst Du siegen“, soll ihm am Vorabend der Schlacht in einer Vision verheißen worden sein. Die Ächtung der Kreuzigung als Vollzugsform der Todesstrafe war nun aber die Voraussetzung dafür, dass das Kreuz fortan als Erkennungszeichen der Christen, als Segenszeichen und Zeichen des Glaubens mehr und mehr in den öffentlichen Raum dringen konnte und das Fischsymbol in den Hintergrund drängte. Kreuzkuppel

Zusammen mit dem Glauben an den Mensch gewordenen Gottessohn steht das Kreuz auch für das sozial-caritative Engagement der Kirche. Als Kaiser Julian (den die Nachwelt den „Apostaten“ nannte), ein Neffe Konstantins, eine Generation später im Jahr 361 kurzzeitig das Rad der Geschichte noch einmal zurückdrehen und das Heidentum noch einmal beleben wollte, forderte er in einem Brief den Oberpriester Arsacios von Galatien auf, sich die Christen mit ihrem sozial-caritativen Tun zum Vorbild zu nehmen.

„Denn“, so der abtrünnige Nachfahre Konstantins als wahrhaft unverdächtiger Zeuge, „es ist eine Schmach, wenn von den Juden nicht ein einziger um Unterstützung nachsuchen muss, während die gottlosen Galiläer [gemeint sind die, die an den Galiläer Jesus den Christus glauben] neben den ihren auch noch die unsrigen ernähren, die unsrigen aber der Hilfe von unserer Seite offenbar entbehren müssen.“

Kaiser Julian, der die Christen zurückdrängen und das Heidentum wieder stark machen wollte – nach eineinhalb Jahren wurde sein Vorhaben durch seinen plötzlichen Tod bekanntlich jäh beendet – muss einräumen, dass sich die Christen um alle bedürftigen Menschen sorgen, unabhängig von Religion und Herkunft.

Ob überhaupt und wie stark Papst Silvester auf diese Entwicklungen Einfluss nehmen konnte, ist historisch schwer zu sagen. Kein Wunder ist es freilich, dass man in späterer Zeit den Einfluss des zeitgleich zu Kaiser Konstantin amtierenden Bischofs von Rom rückschauend zu vergrößern versuchte. Diesem Anliegen verdankt sich die Legende, die oft – nicht nur – aber besonders in Rom auf Bildern dargestellt ist, vor allem im alten Baptisterium neben der Lateranbasilika.

Die Fälschung „Konstantinische Schenkung“ markiert unselige Geschichte

Die frühmittelalterliche Legende besagt, dass Papst Silvester den Kaiser Konstantin durch das Bad der Taufe vom Aussatz „gereinigt“, also geheilt, habe. Somit käme Silvester entscheidender Anteil am Verhalten Konstantins zu. Als Zeichen der Dankbarkeit habe ihm der Kaiser das „Patrimonium Petri“ geschenkt, also den Grundstock für den Kirchenstaat.

Damit wurde zugleich die weltliche Herrschaft des Papstes legitimiert. Die später als Fälschung erkannte „Konstantinische Schenkung“ markiert freilich eine unselige Geschichte, die erst mit dem Ende des Kirchenstaates im 19. Jahrhundert ein Ende nahm. Radio Vatikan

Davon unabhängig, unabhängig auch von der Frage nach dem persönlichen Glauben Kaiser Konstantins und unabhängig von dem teils fürchterlichen machtpolitischen Gehabe dieses Mannes bleiben als die großen Gaben jener Jahre, in denen Kaiser Konstantin als mächtiger Kaiser, und Papst Silvester als noch kleiner Bischof von Rom amtierten:

1. der Sonntag als staatlich geschützter Ruhetag und wöchentliches Osterfest mit der Freiheit zur gottesdienstlichen Versammlung, dann
2. das Weihnachtsfest am 25. Dezember als Fest der Menschwerdung des mit dem Vater gleichwesentlichen Sohnes, und schließlich
3. das Kreuz in seiner verklärten Form als öffentlich nicht mehr nur toleriertes, sondern anerkanntes und verehrtes Zeichen des Segens und des zur Barmherzigkeit verpflichtenden Glaubens.

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Es wird seit geraumer Zeit viel vom christlichen Abendland gesprochen, und dies wird sich vermutlich im Zusammenhang der Wahlen im nächsten und übernächsten Jahr noch verstärken. Nicht alles, was gelegentlich als bedroht angesehen wird, ist wirklich Inbegriff, Gabe oder Frucht des christlichen Abendlandes.

Christentum durch innere Aushöhlung gefährdet

Die Lesung aus dem Ersten Johannesbrief, in der von der letzten Stunde die Rede ist, warnt vor dem Auftreten des Antichrist (1 Joh 2,18f.) und erinnert zugleich daran, dass der Glauben weniger von äußeren Angriffen her gefährdet ist als vielmehr durch innere Aushöhlung und Umdeutung aus den eigenen Reihen. Dies gilt auch für das christliche Abendland, das weniger durch die Überfremdung durch Zuwanderung, sondern durch die innere Schwachheit und geistige Auswanderung bedroht ist.  bild-jesus-oben

Bei den drei großen Erbstücken aus der Silvestrinisch-konstantinischen Zeit aber sind wir auf sicherem Boden, haben wir Kriterien an der Hand, die uns helfen bei der Unterscheidung der Geister. Dafür Licht und Orientierung zu geben, ist Aufgabe der amtlichen Vertreter der Kirche, nicht die Einmischung in die tagespolitische Debatte.

Das politische Tagesgeschäft ist Aufgabe der getauften und gefirmten Weltchristen in den Parteien und Verbänden, und ich möchte sie ausdrücklich dazu ermutigen. Die Bischöfe und Priester sollten nicht zu schnell bestimmte politische Positionen in den Rang von Glaubenssätzen erheben und andere zu Häresien erklären.

Vielfalt der Meinungen nicht verwerflich

Gerade in der gegenwärtigen Debatte bezüglich der Herausforderungen durch die großen Migrationsbewegungen ist eine Pluralität von Positionen nicht von vorneherein verwerflich. Diejenigen, die sie dann auch öffentlich verantworten müssen, sollten sie gut begründen können. Und wer sich dem christlichen Abendland verpflichtet fühlt, hat – nicht nur, aber doch vornehmlich – in den drei genannten Punkten sichere Anhaltspunkte:

Foto: IGFMDer Sonntag und seine Heiligung vor allem durch die gemeinsame Eucharistie als Feier von Tod und Auferstehung Jesu Christi. – Wo man sich um den Schutz des Sonntags vor weiterer Aushöhlung und vor seinem Verrat an Kommerz und Freizeitindustrie bemüht, und gleichzeitig mit aller Phantasie und Kreativität auch neue Formen der Sonntagskultur zur Einbettung der Eucharistie erkundet, darf man den Würdetitel des christlichen Abendlandes für sich in Anspruch nehmen.

Das Abendland lebt ferner von Weihnachten als Fest der Menschwerdung Gottes mit all seinen weitreichenden Konsequenzen:

Tief begründete Einheit aller Menschen, der einen Menschheitsfamilie mit der Verpflichtung weltweiter Solidarität; gesunde Skepsis gegenüber allen übertriebenen Formen von Nationalismus; andererseits Sensibilität für das kleine, bedrohte, hilfsbedürftige Leben; des ungeborenen und des hinfällig gewordenen; und ehrfurchtsvolle Zurückhaltung hinsichtlich von wissenschaftlichen Experimenten mit dem Erbgut des Menschen und bewusster Verzicht auf alle Verzwecklichung – das macht verantwortlich christlich-abendländisches Verhalten aus.

Kreuz als Zeichen des himmlischen Erbarmens

Zum Abendland gehört nicht zuletzt das Kreuz als das Erkennungszeichen der Christen, das Kreuz, das der Herr aus einem Zeichen der Grausamkeit in ein Zeichen der kreuz1erbarmenden Liebe Gottes verwandelt hat.

Wir sollten alles unternehmen, es in seiner Heilsbedeutung und den Glauben begründenden Kraft zur Geltung zu bringen; es nicht festlegen lassen auf die Instrumentalisierung zur kriegerischen Befreiung und Rückeroberung der heiligen Stätten in den Kreuzzügen; ihm in den Häusern und Wohnungen und in der Öffentlichkeit einen würdigen Ort geben; es demütig und gläubig tragen und zeigen als den einzigen Grund, dessen wir uns rühmen dürfen, wie der Apostel Paulus sagt (vgl. Gal 6,14); in seiner Kraft schließlich das Erbarmen weitertragen, das wir selbst im Kreuz empfangen haben.

Im Zeichen des Kreuzes, liebe Schwestern und Brüder, segnen wir am Schluss dieser Feier am Silvestertag 2016 das nun zu Ende gehende Jahr und erbitten wir den Segen für alle Tage und Wege des neuen Jahres 2017 nach Christi Geburt. Amen.

Quelle: http://www.bistum-regensburg.de/typo3conf/ext/mediathek_main/uploads/3/161231_Predigt_Silvester_2016.pdf


Die Auferstehung Christi und die moderne Naturwissenschaft

Von Inge M. Thürkauf

Auf den ersten Blick scheint die Gegenüberstellung von Auferstehung Christi und Naturwissenschaft provokant.

Wie soll ein Ereignis, das im Bereich der Transzendenz seine Erklärung findet, mit einer dem rein Irdischen zugewandten Wissenschaft in Verbindung zu bringen sein?

Und doch hat nichts den Glauben an die Realität der Auferstehung Christi so zerrüttet wie die zeitgenössische Erforschung der Natur. 0013

Durch die Macht und die Erfolge der Technik in den letzten hundert Jahren erlangte die moderne, sich als wertfrei verstehende Naturwissenschaft eine hohe Autorität.

Für nicht wenige ist sie eine Ersatzreligion geworden. Sie hat es zustande gebracht, daß ein wahrer Kahlschlag an Glaubenswahrheiten stattgefunden hat. Der Glaube an Gott wurde vom Glauben an die Wissenschaft verdrängt.

Dabei wird vergessen, daß nicht an die Wissenschaft, sondern in der Wissenschaft geglaubt werden soll, und zwar an den, der die Wissenschaft durch seine Geschöpfe überhaupt ermöglicht  –  an Gott.

Der Glaube der Kirche an Jesu Auferstehung 

Zentraler Inhalt der christlichen Lehre ist der Glaube an die wirkliche und leibhaftige Auferstehung des gekreuzigten Jesus. Aber gerade dieses „Heiligtum unseres Glaubens“ (2) wird nicht nur entweiht, sondern in der modernen Exegese sogar geleugnet, ungeachtet des Bekenntnisses ungezählter Heiligen, die sich ausnahmslos zum Ostergeheimnis bekannt haben.

Der hl. Augustinus nennt die Ostervigil die „Mutter aller Vigilien“ und spricht von der zweifache Auferstehung, die wir in der Osternacht feiern: die Auferstehung Christi, des Hauptes der Kirche, und die geistige Auferstehung der Glieder seines Leibes, der Gläubigen, in der Taufe oder in der Erneuerung der Taufe in der Osternacht. In der ganzen Liturgie der Osterfeier offenbart die Kirche die überschwengliche Liebe Gottes, der nicht gezögert hat, seinen eigenen Sohn zum Tod am Kreuze hinzugeben, um sein ungetreues Geschöpf zu erlösen.

Der hl. Paulus hat vor den Angriffen auf den Glauben gewarnt. In seinem ersten Brief an die Korinther weist er auf die Konsequenzen der Leugnung der Auferstehung hin, wenn er sagt: „Wenn aber Christus nicht auferstanden ist, so ist euer Glaube eitel; denn ihr seid dann noch in euren Sünden“ (15, 17), mit anderen Worten: das ganze Evangelium wäre somit unwahr. christus

Nun hat aber Jesus selbst seine Auferstehung als Zeichen und Siegel seiner messianischen und göttlichen Würde verstanden (Jo 2, 18 ff, Mt 12, 38). Wäre also seine Auferstehung eine reine Legende, so würde er schon längst als falscher Prophet entlarvt worden sein. Auch der hl. Chrysostomus mahnt:

„Ist Christus nicht auferstanden, so ist er nicht der wahre Messias, da dieser nach der heiligen Schrift auferstehen mußte. Ist er nicht der wahre Messias, so ist er nicht derjenige, welcher der heiligen Schrift gemäß für unsere Sünden genugtun mußte, also sind uns die Sünden noch nicht nachgelassen.“

Das würde bedeuten, daß alle, welche glauben in Christus erlöst zu sein, sich irren. Sie sterben in Sünden und sind daher verloren (1 Kor 15, 18). „Das Verdienst des Christen besteht eben nicht darin, zu glauben, daß Christus gestorben ist, sondern zu glauben, daß er von den Toten auferstanden ist.(3)

Der Unglaube der Mündigen

Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNC Emnid für das Nachrichtenmagazin FOCUS im April 2011 glauben 62 % der Deutschen nicht mehr an die Ostergeschichte, in Frankreich (nach einer Umfrage von PELERIN) einer von zehn, dafür haben sich 7 % für die Reinkarnation entschieden. Dieses Ergebnis würde letztlich bedeuten, daß sich ein großer Teil  –  was Europa betrifft  – von Jesus abgewandt hat.

Ein Blick auf „Das Jahrhundert ohne Gott“ (Alfred Müller-Armack), das mit dekadent oder verraten nur oberflächlich beschrieben werden kann, zeigt sich hier eine gefährliche Richtung in die selbst gewählte Verlorenheit, vor der Paulus gewarnt hat.

Geschichtliche Bestätigung des Todes Christi…

Jesu Tod am Kreuz unter Pontius Pilatus in Judäa ist durch nichtchristliche historische Aufzeichnungen schon früh beglaubigt worden. Zunächst von Flavius Josephus (37 – 100), Cornelius Tacitus (58 – 120), Lukian von Samosata (120 – 180), Maimonides (1135 – 1204), aber auch vom jüdischen Sanhedrin (der Hohe Rat in Jerusalem, die oberste jüdische, religiöse und politische Instanz und gleichzeitig das oberste Gericht).

…und seine Auferstehung  –  Hypothese ?

Hingegen wird der „freudvollste Tag der Weltgeschichte“, die Auferstehung des Herrn, sein einmaliger Sieg über Sünde und Tod von Anfang an in Zweifel gezogen. Aber, wie P. Gabriel in seinem Betrachtungsbuch „Geheimnis der Gottesfreundschaft“ schreibt, erfahren „nur die ehrlichen und geraden Seelen, die mit Liebe die Wahrheit suchen und, mehr noch, die Wahrheit tun“, die Freude der Auferstehung in ihrer ganzen Fülle. Allein der Unglaube jener, die von der Wahrheit abgeirrt sind, kann sich mit absurden Hypothesen gegen das Wunder der Auferstehung auflehnen. ???????

Angefangen bei der sogenannten Betrugshypothese. Sie steht schon im Evangelium, und gibt vor, die Jünger hätten den Leichnam Jesu gestohlen, während die Wachen schliefen, um dann behaupten zu können, Christus sei auferstanden. „O unglückselige Arglist“, ruft Augustinus empört, „schlafende Zeugen rufst du an ? Wahrlich, du selbst bist in Schlaf versunken.“

Dann die Verwechslungshypothese, die Scheintodhypothese, die Beseitigungshypothese, wo nicht die Apostel den Leichnam Jesu fortgeschafft haben sollen, sondern irgendjemand anders.

Einen anerkannten Rang nimmt der Erklärungsversuch einer Evolutionshypothese ein, die annimmt, „der Auferstehungsglaube sei eine ‚Verdichtung’ von damals gängigen religiösen Ideen und Erwartungen.“ (4)

Nicht die Auferstehung Jesu sei ein geschicht-liches Ereignis, geschichtlich sei nur der Glaube an die Auferstehung, also die Über-zeugung ohne jegliche Ursache sei geschichtlich. Es wird auf die alttestamentlichen Verheißungen und Erwartungen verwiesen, „auf die hellenistischen Mythen und Mysterien von den sterbenden und wiederauferstehenden Göttern sowie auf die spätjüdische Apokalyptik mit ihren Auferstehungs- und Entrückungsvorstellungen.“ (5)

Am hartnäckigsten hält sich die subjektive Visions- oder Halluzinationshypothese, eine moderne, psychologisch aufbereitete Version, die aus der liberal-protestantischen Theologie hervorgegangen ist und seit Mitte des 20. Jahrhunderts immer stärker auch die katholische Theologie durchdrungen hat, wonach die durch Christi Tod tief betrübten Jünger so verwirrt wurden, daß sie durch die Sinnestäuschungen ihrer überreizten Phantasie glaubten, Christus tatsächlich gesehen zu haben. bild-jesus-oben

Diese Annahme ist allein schon deshalb völlig irrig, weil die Jünger der Auferstehung Christi den größten Widerstand entgegengebracht haben. Die beiden Emmausjünger hatten ihre Zukunft auf ein anderes Ziel gesetzt. Sie hofften, daß „Christus Israel erlösen werde“ (Lk 24,21).

Doch als sie dies auf ihrem Weg zurück nach Emmaus erwogen, hatte die Erlösung bereits stattgefunden. Im Grunde hatten sie die Erlösung gar nicht realisiert, weil sie das Ereignis um Jesus nur auf das Irdische bezogen. So wanderten sie wieder nach Hause, und die andern Jünger kehrten zu ihrem Beruf zurück. Auch die frommen Frauen dachten nicht an die Auferstehung, als sie hingingen, den Leichnam Jesu zu salben, um ihn vor der Verwesung zu schützen.

Das Faktum der Auferstehung ihres HERRN zeigte sich später im Verhalten der Jünger, nachdem ihnen Jesus erschienen war.

Denn dieselben Männer, die flohen und am Glauben an den mächtigen Wundertäter Jesus zu zweifeln begannen, als sie erfuhren, wie qualvoll ihr Meister unter dem Gelächter der Menge am Kreuz verstarb, sie gründeten später die Kirche, wirkten die gleichen Wunderheilungen wie Jesus und waren stolz darauf, für ihn leiden und sterben zu dürfen, und zwar einzig aus der Gewißheit, daß auch sie wie ER einst auferstehen werden.

Diese Zuversicht hat sie geistig unbesiegbar gemacht. Grundlage für das Zeugnis von der Auferstehung Jesu ist daher nicht der Glaube daran, sondern die Tatsache seiner Auferstehung.

Thomas  –  der Naturwissenschaftler

Sowohl die Evangelien als auch die Apostelgeschichte berichten von der Begegnung Jesu mit seinen Jüngern, von seinen Unterweisungen an sie  –  und zwar nach seinem Tod am Kreuz. Besonders eindrücklich schildert das Johannesevangelium am Beispiel des Apostels Thomas die Bekehrung zum Glauben an die Auferstehung des Herrn. Bei der Erscheinung Jesu im Jüngerkreis am Abend des Auferstehungstages fehlte er. Gegenüber den begeisterten Berichten über das Wiedersehen mit ihrem Meister verhielt er sich ablehnend.

Er wolle zuerst mit seinen Händen forschen und das Mal der Nägel sehen und die Hand in Jesu Seite legen, bevor er sich auf „das Wagnis des Glaubens einlassen“ (6) könne. chrkn

So gesehen, war der hl. Thomas der Naturwissenschaftler unter den Aposteln, der nur glaubte, was er „sehen“ und „begreifen“ konnte. Doch Thomas, nachdem er den Herrn gesehen hatte, sank auf die Knie mit den Worten: „Mein Herr und mein Gott“ (Jo 20,28) und bekannte damit, daß Jesus Christus wahrer Mensch und wahrer Gott ist.

Thomas hat den Namen Gottes geheiligt, als Vorbild für die Wissenschaftler, die mit ihrer Forschung den Namen des Vaters nicht vergessen, sondern heiligen sollen. Stattdessen fordern sie Erklärungen, die es jedoch für den Glauben nicht geben kann.

Erkenntnistheoretisch ist die Auferstehung des Herrn mit den Wahrnehmungen jener verbunden, denen der Herr erschienen ist. Daher gibt es nur eines: entweder ist der Herr mir selber erschienen, oder ich glaube jenen, denen er schienen ist. Tertium non datur – ein Drittes gibt es nicht. Dasselbe gilt für die Wundertaten Christi: entweder war ich selber dabei als Jesus die Wunder wirkte, oder ich glaube jenen, die dabei-gewesen sind.

Die Widerfahrnisse der modernen Theologen

Trotz der von den Evangelien und der 2000jährigen Lehre der Kirche verkündeten Auferstehung Christi behauptet nach wie vor eine liberal-rationalistische Theologie, diese habe sich lediglich im Glaubenserlebnis der Jünger manifestiert, sie könne nicht als ein historisches Ereignis betrachtet werden. „Historisch läßt sich nur feststellen …. daß Menschen nach dem Tode Jesu ein ihnen geschehenes Widerfahrnis behaupteten, das sie als Sehen Jesu bezeichneten.“ (7)

Und dieses „Sehen“ führte dann zur Schlußfolgerung, Jesus sei auferstanden. Die Jünger hätten in ihrem Innern die Gewißheit erfahren, daß die „Sache Jesu“ weitergehe, d. h. daß der Meister ihnen nahe sei und in einer geistigen Weise unter ihnen weiterlebe. (8)

Ostern ist daher für die zeitgenössische Theologie nicht mehr das Zentraldatum des christlichen Glaubens, schon gar kein grundsätzlicher Neuanfang, sondern nur die Voraussetzung, daß die „Sache Jesu“ weitergeht. pic_526a50cce0863

Vordenker dieser Ideologie ist der evangelische Theologe Rudolf Bultmann, bekannt durch seine historisch-kritische Methode als Programm für die Entmythologisierung der Evangelien.

Seine zentrale These lautet: „Man kann „nicht elektrisches Licht und Radioapparate benutzen, in Krankheitsfällen modern medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben“ (9), weil „mit dem modernen Denken (d.h. mit der Denkweise der zeitgenössischen Naturwissenschaft, Anm. d. A.) die Kritik am neutestamentlichen Weltbild gegeben“ (10) sei.

Ebenso würde sich „durch die Kenntnis der Kräfte und Gesetze der Natur der Geister- und Dämonenglaube“ (11) erledigen. Der Auferstehungsglaube ist daher für Bultmann „nichts anderes“ als der Glaube an das Kreuz als Heilsereignis, d. h. an das eschatologische Geschehen des Kreuzes. (12) afc127c26a

In der Formulierung von der „Auferstehung“ hätte das „Sehen“ der Jünger seinen Niederschlag gefunden und schließlich auch seine Dogmatisierung durch das kirchliche Lehramt. Das Dogma entspreche somit nicht einer historischen Tatsache, es sei lediglich ein Bild, ein Symbol für einen geistigen Vorgang, ein „Interpretament des Sehens“, das sich in der Seele der Jünger abgespielt haben soll. Ein solches Interpretament könne man aber nicht verobjektivieren oder historisieren, es sei eine bloße Reflexionsaussage. (13)

Was soll man als suchender oder im Glauben wankender Mensch mit solchen „Interpretamenten“ anfangen, die im Vergleich zu den Texten der Liturgie, jener der Evangelien und der Schriften der Heiligen von einer erschütternden Dürftigkeit sind. Da wirft man doch am besten den ganzen Glauben über Bord. Ungezählte haben dies in den letzten Jahrzehnten getan. Wie schon erwähnt, weiß ein Großteil der Westeuropäer mit Ostern nichts mehr anzufangen.

Sind Wunder lediglich literarische Fiktionen ?

Nicht nur die Auferstehung Christi, auch seine Wundertaten werden angezweifelt, wenn nicht gar geleugnet. Wissenschaftsgläubige Theologen lehnen die Wunder ab, da sie meinen, eine Durchbrechung der Naturgesetze sei nicht möglich. (14)

So gerieten sie unter das Seziermesser einer aufgeklärten Theologie, die vor allem die Naturwunder zu bloßen literarischen Fiktionen reduziert hat.

In all diesen Fällen beruft man sich auf die Geisteshaltung der modernen Naturwissenschaft, weil der „neuzeitliche Wandel in der Erfahrung von Welt und Geschichte bezüglich der Wunder Jesu zu einer doppelten Problematik führt: zu einer historischen und zu einer naturwissenschaftlichen. Die historische Skepsis gegenüber den Wunderberichten verlangt deren sorgfältige Prüfung, das naturwissenschaftliche Denken fordert eine grundlegende Neubesinnung auf den Wunderbegriff überhaupt.“ (15)

Zweifellos ist dem modernen Menschen das mythische Weltbild abhandengekommen. Mit Hilfe der historisch-kritischen Methode wird versucht, der Theologie eine Sicherheit aufzuzwingen, die nur die exakten Naturwissenschaften erbringen können.

Die Antwort des Naturwissenschaftlers Bruno Vollmert auf die Wissenschaftsgläubig-keit modernistischer Theologen ist eindeutig: „Offenbarte Wahrheit und Wunder sind dem Experiment nicht zugänglich, und experimentell prüfbare Zustandsänderungen sind nicht Gegenstand des Glaubens.“ (16)

Die Wahrheit kann nicht veralten, so Max Thürkauf, und die Kirche ist der Wahrheit verpflichtet und darf sich nicht von einer Wissenschaft bedrängen lassen, „die ihren schnellen Fortschritt in der schnellen Veralterung ihrer Richtigkeiten sieht. Wissenschaftliche Theorien können mitsamt ihren Richtigkeiten veralten…. Die Wahrheit der Botschaft Christi ist zeitlos. Die Aufgabe der Theologen kann es nicht sein, das Christentum dem Zeitgeist anzupassen…. Vielmehr besteht (ihre Aufgabe) darin, die Evangelien in der Sprache von heute zu verkünden …, (d. h.) die Evangelien sollen in der Sprache, aber nicht im Geist von heute interpretiert werden.“ (17) kleines-rituale

Deutliche Worte kommen auch von Seiten des bekannten Philosophen Dietrich von Hildebrand. Er spricht von einer „Fetischisierung“ der Wissenschaft im Hinblick auf das Bestreben, aus der Wissenschaft eine Religion zu machen.

Sämtliche Bereiche des menschlichen Lebens sollen vom Standpunkt der Wissenschaft aus betrachtet werden. Es geht nicht mehr um die Wahrheit, sondern nur um das naturwissenschaftlich Beweisbare. Die Wissenschaft würde eine Art Götze, dem ohne Zögern alles übrige geopfert werde. “Es geht um eine Vergötterung der Naturwissenschaft und ihre Methoden…Nicht Wahrheit, sondern Wissenschaft ist das Idol.“ (18)

Die vergangenen Jahrhunderte haben uns gelehrt, daß sich die Wissenschaft ständig weiter entwickelt, sie kann uns daher von Natur aus niemals absolut sichere Erkenntnisse verbürgen, sondern nur wahrscheinliche, weil einmal gewonnene Ergebnisse durch neue ersetzt werden.

Für Kant hat die Physik Newtons noch als das Beispiel für Gewißheit bedeutet. Jedoch haben Newtons Theorien anderen Platz gemacht. „Die Frage, ob Wunder geschehen, ist eine Sache des gesunden Verstandes und der ganz normalen historischen Phantasie, nicht aber des abschließenden physikalischen Experiments. Die alberne Pedanterie, bei Berichten von übersinnlichen Erscheinungen auf ‚wissenschaftliche Rahmenbedingungen’ zu dringen, können wir uns getrost sparen.“ (19)

Das Haupterkenntniswerkzeug der modernen Naturwissenschaft

Etwas muß den Argumenten Bultmanns und seinen Epigonen zugestanden werden: sie scheinen die Diskrepanz zwischen der naturwissenschaftlichen Wirklichkeit und jener der Evangelien erahnt zu haben.

Doch setzten sie das Messer an der falschen Stelle an. Sie wollten die Evangelien beschneiden, sie hätten sich die Methoden der modernen Naturwissenschaft näher betrachten sollen. Diese können lediglich über die Meß- oder Machbarkeit der Dinge eine Aussage machen. Die Transzendenz, der metaphysische Gehalt oder gar die Heilsbotschaft der Evangelien ist einer solchen Wissenschaft verschlossen.

1) Die mechanistisch-deterministische Betrachtungsweise:

Die Ausführung lautet: Naturforscher, denke dir die Welt als einen Mecha-nismus…Diese Denkungsart ist für manche Bereiche der Welt mit mehr oder weniger Erfolg anwendbar. Ihre Anwendbarkeit wird jedoch dort problematisch, wo das Leben auftritt.

Und zwar ist die mechanistische Denkweise umso weniger anwendbar, je höher das Leben entwickelt ist. Wohl sind sogar beim Menschen Phänomene mechanistischer Art feststellbar, jedoch machen sie im Vergleich zur ganzen Wesenheit des Menschen einen verschwindend kleinen Teil aus.

2) Das systematisch-reproduzierbare Experiment:

Mit andern Worten: Naturforscher, nimm deine von deinem Geist gelenkten Hände und bringe den gedachten Mechanismus im Laboratorium hervor…Nur was auf solche Weise hervorgebracht werden kann, hat den Rang des in der modernen Naturwissenschaft Bewiesenen. Alles andere ist Hypothese oder bloße Spekulation. Das Experiment ist also ein zweischneidiges Schwert; es ist sowohl Erkenntniswerkzeug als auch Erkenntnisgrenze.

Systematisch-reproduzierbar bedeutet, daß das Experiment unabhängig von der Person des Experimentators in jedem entsprechend ausgerüsteten Laboratorium beliebig viele Male durchführbar sein muß. Das Haupterkenntniswerkzeug der modernen Naturwissenschaft verlangt einerseits den Ausschluß jeder menschlichen Individualität und steht andrerseits unter dem Sachzwang des reproduzierbaren Hervorbringenkönnens.

3) Das differentiell-kausale Prinzip:

Die Ausführung lautet: Naturforscher, wende die Mathematik als Werkzeug an (speziell die Differential- und Integralrechnung) und berechne sowohl den gedachten als auch den im Laboratorium hervorgebrachten, den gemachten Mechanismus. Bei dieser dritten Methode erweist es sich, daß ihre Wirksamkeit dort endet, wo das Leben beginnt. Je höher ein Lebewesen entwickelt ist, umso geringer ist der Anteil des Berechenbaren. Das Unberechenbarste, das es gibt, ist der Mensch. (20)

Dies ist die Methodentrilogie der modernen Naturwissenschaft, und wie die Erfolge der Technik zeigen, ist es möglich, mit diesen Methoden wirksame, und vor allem zweckmäßige Naturforschung zu betreiben.

Doch diese Naturforschung beschränkt sich nur auf Kopf und Hand, auf Denken und Experimentieren, was jedoch keinesfalls der Daseinstatsächlichkeit des Menschen entspricht, der eine Ganzheit von Kopf, Herz und Hand, von Denken, Fühlen und Handeln, von Geist, Seele und Körper ist.

Die Götter der Wissenschaft

Wie sehr die Welt den Machern der Technik huldigt und weniger den Denkern in der Wissenschaft, ist am Beispiel des Amerikaners Thomas Alva Edison zu erkennen.

„Edison ist als Erfindergenie wie ein Gott verehrt worden, weil die staunenden Massen sich nicht vorstellen konnten, daß ein Mensch solche Maschinen machen kann: die Wunder der Technik. Die Verehrung galt der Person, die Unbegreifliches hervorbringen konnte; man nannte ihn den ‚Zauberer von Menlo Park‘.

Der Schöpfer der Welt, der als Mensch gewordener Gott sich das Leben, das die Menschen ihm genommen hatten, wieder gegeben hat – wie müßten wir ihn verehren, wenn wir ihn als das erkennen würden, was er ist: Gott, der Schöpfer der Welt, die auch für den intelligentesten Wissenschaftler  –  falls er ein Realist ist  –  unermeßlich unbegreiflicher ist als alle Technik.

Er ist die Person, die alle Personen erschaffen hat, schafft und schaffen wird, auch Edison und alle Wissenschaftler und Techniker. Wie müßten wir diese Person verehren! Tun wir das ? Würden wir ihm wenigstens die Ehre geben, die wir einem berühmten Menschen geben.“ (21)

„Wunder sind Tatsachen“ (22)

Am Beispiel der spontanen Heilung des Benediktinerbruders Leo Schwager aus dem Benediktiner Kloster Uznach in der Schweiz, der am 30. April 1952 in Lourdes in Gegenwart einer großen Menschenmenge von einer Sekunde zur andern von „Multipler Sklerose im Endstadium“ geheilt wurde, soll gezeigt werden, daß es zweifellos spektakuläre Wunder gibt.  slider3-640x360

Nach Augenzeugenberichten wurde der schwer Gelähmte, der kaum einer Bewegung fähig war, beim eucharistischen Segen durch den Erzbischof von Lyon, Kardinal Gerlier, sozusagen aus dem Krankenwagen geschleudert. Der Kardinal war so erschrocken, daß er beinahe die Monstranz fallen ließ. Denn da lag der junge Benediktiner wie vom Blitz getroffen vor ihm und war vollkommen gesund.

Wie die Heilung genau zustande kam, hat niemand gesehen, es konnte nur die Tatsache konstatiert werden: Bruder Leo ist gesund und geht an der Seite des Schweizer Pilgerarztes, Dr. med. H. Jeger von Chur, frei und ohne Beschwerden zurück in seine Unterkunft. (23)

Um einen naturwissenschaftlichen Beweis dieser Heilung von Bruder Leo erbringen zu können, hätte der ganze Vorgang wiederholt werden müssen, und zwar als systematisch reproduzierbares Experiment (siehe oben). Bruder Leo, ein zweites Mal todkrank auf seinem Pritschenwagen, wäre nach dem Segen des Erzbischofs mit dem Allerheiligsten in der Monstranz gesund vor ihm gelegen. Um als wissenschaftlicher Beweis zu gelten, müßte dieser Vorgang beliebig mal wiederholt werden.

Und dennoch bliebe den Wissenschaftsgläubigen die Frage nach dem Wie der Heilung ungeklärt, denn daß es nicht der Herr im Heiligsten Sakrament gewesen sein kann, steht für sie fest. So bleibt auch hier nur  –  wie so oft  –  als letzte Erklärung nicht der Einbruch einer andern Welt in unsere Vergänglichkeit, sondern der „Gott“ Zufall.   media-444757-2

Trotz offensichtlicher wunderbarer Ereignisse finden nicht einmal die Veröffent-lichungen über Wunderberichte, die im Laufe der Kirchengeschichte bekannt wurden, Gnade bei den sich auf die historisch-kritische Methode berufenden Theologen.

„Man ist offensichtlich nicht einmal in der Lage, Wunder, die heute geschehen, zur Kenntnis zu nehmen, selbst wenn sie glaubhaft bezeugt und medizinisch nachgewiesen sind“ (24), klagt die evangelische Theologin Eta Linnemann.

Die Aussagen Bultmanns und seiner Epigonen sind nicht neu. Seitdem die neuzeitliche Naturwissenschaft ihren Siegeszug angetreten hat, finden natürliche Erklärungsgründe Zugang in die Theologie.

Pfarrer Richard Kocher geht in seiner Dissertationsschrift „Herausgeforderter Vorsehungsglaube“ diesen Fragen nach.

Er zitiert aus Darwins Autobiographie, wo dieser berichtet, wie er dazu kam, nicht mehr an das Christentum als eine göttliche Offenbarung zu glauben; dabei äußerte er sich auch zu den Wundern, die ihm umso unglaubhafter wurden, „je mehr wir von den feststehenden Naturgesetzen kennenlernen.“

Viele Ereignisse, die in früheren Zeiten als Wunder betrachtet wurden, würden sich heute ganz natürlich erklären lassen. Eines Tages, so Darwin, werde es möglich sein, alle Wunder auf naturwissenschaftlicher Basis zu erklären; alles wäre somit nur eine Frage der Zeit.“

Pfarrer Kocher kommentiert: „Was der Mensch früher von der Huld einer Gottheit erwartete oder von einem Wunder, ist im heutigen wissenschaftlich-technischen Zeitalter ‚machbar’ geworden.“

Als weiteres Beispiel nennt er den Physiker Carl Friedrich von Weizsäcker. Für ihn sind die technischen Errungenschaften ebenfalls Maßstab in der Beurteilung der Evangelien. Im ersten Band seines Werkes „Tragweite der Wissenschaft“ meint von Weizsäcker:

„Die äußerlich sichtbarsten Wunder, von denen religiöser Glaube berichtet hat, waren die Speisung der Hungrigen, die Heilung der Kranken und die Zerstörung menschlichen Lebens durch unbegreifliche Macht; die technisierte Landwirtschaft und das Transportwesen, die moderne Medizin und Kriegstechnik tun genau solche Wunder.“ (25)

Dr. Bernd F. Pelz

Das ist reine Wissenschaftsgläubigkeit oder wie mein Mann an einer Stelle sagte: Wissenschaftsaberglauben. (26)

Vom gesunden Menschenverstand aus gesehen ist es natürlich unhaltbar anzunehmen, daß Wunder irgendetwas mit elektrischem Licht oder mit Naturwissenschaft zu tun haben könnten.

Die Naturwissenschaft kann (siehe oben) mit ihren Methoden Wunder weder beweisen noch widerlegen, da ihr Erfahrungsbegriff ein anderer ist als jener der Theologie, die offen ist für die Wundertaten Gottes. Die Theologie rechnet sogar mit dieser Möglichkeit  –  oft gegen alle Hoffnung.

Worauf also beruhen dann die Wunder ?

Die Antwort ist so schlicht, daß sie den wissenschaftsgläubigen Theologen kaum zugemutet werden kann: denn die Wunder beruhen darauf, daß Gott die Welt aus dem Nichts erschaffen hat, und daher muß er die Welt  –  wie Walter Hoeres dies mit der ihm eigenen Anschaulichkeit in einem Vortrag geschildert hat  –  so lange über dem Nichts halten, wie sie existiert.

Er muß also im Innersten mit den Geschöpfen mitwirken. Darauf beruht nun die Möglichkeit, daß er jederzeit, wenn er es für angemessen hält, irdische Erscheinungen aufhalten kann. Damit ein Wunder geschehen kann, muß Gott mitwirken. Auch hier gilt: „Ohne mich könnt ihr nichts tun“ (Jo 15,5).

Auf der Logik des Schöpfungsgedankens also beruht die Möglichkeit der Wunder. „Diese Weisheit ist in der modernen Theologie verloren gegangen, der 2000jährigen Tradition der Kirche ist dies aber bekannt.“ (27)

Begriffliche Zweideutigkeiten in der Theologie

Dieser Kirche ist auch bekannt, daß begriffliche Zweideutigkeiten notgedrungen zu Verunsicherung im Glauben führen. Nun aber wird in der neuen Theologie mit Vorliebe nicht von der Auferstehung Christi, sondern von der Auferweckung gesprochen.

Das ist in sich nicht falsch. Von Auferweckung kann man sprechen, wenn dieser Begriff in Zusammenhang mit Gott-Vater genannt wird: „Gott hat ihn von den Toten auferweckt …“, wie der heilige Paulus in seinem Römerbrief schreibt (10,9).

Jesus ist wahrer Mensch und wahrer Gott. Als wahrer Mensch wurde er von Gott-Vater von den Toten auferweckt. Als wahrer Gott hingegen ist Jesus als Sieger über den Tod von den Toten  –  und zwar „aus eigener Kraft“  –  auferstanden. In diesem Sinne hat er auch seine Jünger über das, was an ihm geschehen wird, unterrichtet, daß er, nachdem er getötet worden sei, am dritten Tag wieder auferstehen werde (Mk 9,30). Und dies secundum carnem, nach dem Fleische, also in seiner Leibhaftigkeit.borMedia1742201

Trotzdem werden Stellen, die in der Vulgata eindeutig von Auferstehung sprechen (Si autem Christus non resurrexit …. – Wenn aber Christus nicht auferstanden ist“, 1 Kor 15,14) beim katholischen Theologen und heutigen Kardinal Walter Kasper mit Auferweckung übersetzt („Ist aber Christus nicht auferweckt worden …“).

Der folgende Vers 15 zeigt klar, daß die Vulgata ein eigenes Wort für Erweckung gebraucht: „…quoniam testimonium diximus adversum Deum quod suscitaverit Christus – weil wir wider Gott bezeugt haben, daß er (nämlich Gott-Vater) Christus auferweckt habe ….).

Auch die bekannte und wohl älteste Osterakklamation „surrexit Dominus vere  –  Der HERR ist wahrhaft auferstanden“ (Lk 24,34) erfährt eine irreführende Übersetzung, wenn wir lesen: „Wahrhaft ist auferweckt der Herr“.(28)

Warum diese Vermischung der Begriffe ? Soll vielleicht damit impliziert werden, daß Jesus doch nicht wahrer Gott ist, die zweite Person der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, sondern nur „der Mann von Nazareth“, der Revolutionär, der Prophet, dem man demnach auch keine Anbetung schuldet?

Das faktische Erliegen der eucharistischen Anbetung könnte diesen Schluß zulassen. Tatsache ist jedenfalls, daß diese Vermischung der Begriffe zu einer Verunsicherung im Glauben geführt hat und immer noch führt, wenn nicht gar zum Glaubensverlust.

Was der Begriff des Glaubens anbelangt, so hat er auch bei Walter Kasper eine Neuinterpretation erfahren.

Für ihn bedeutet der Glaube „nicht ein Fürwahrhalten von wunderbaren Tatsachen und von autoritativ vorgelegten Glaubenssätzen; er steht und fällt vielmehr damit, daß einer bereit ist, sich auf Gott als dem Grund und Ziel seiner Existenz einzulassen.“ (29) CapellaSistina

In seinem Buch „Einführung in den Glauben“ spricht er davon, daß Dogmen „durchaus einseitig, oberflächlich, rechthaberisch, dumm und voreilig sein“ (30) können. Es gehe bei den Dogmen „nicht um unfehlbare Sätze, sondern um eine unfehlbare ‚Sache‘. (31)

Die Botschaft Jesu ist keine „Sache“, sie ist ein unfaßbares Heilsgeschehen – ein Mysterium. Und die Dogmen führen uns in dieses Mysterium ein. Sie sind von bleibender Gültigkeit, weil der entscheidende Inhalt nicht von zeitgeistigen Theologen erfunden, sondern vom Heiligen Geist verbürgte Wahrheit ist, unabhängig von jeder historischen Situation.

Aber weil der Glaube, die Dogmen, naturwissenschaftlich nie bewiesen werden können, sind sie für die modernistischen Theologen auch nicht verbindlich.

Werfen wir einen kurzen Blick auf das Zeugnis des heiligen Paulus. Bei ihm lesen wir im Hebräerbrief, daß der Glaube nicht eine vage Meinung ist aufgrund einer persönlichen Erfahrung, sondern „eine Zuversicht dessen, was man hofft, eine feste Überzeugung von dem, was man nicht sieht“ (11, 1).

Er ist die Unterordnung von Verstand und Wille, und zwar wegen der Autorität des offenbarenden Gottes selbst, der weder sich täuschen noch täuschen kann. Daher kann man nicht von einer Evolution des Glaubens sprechen. Jesus selbst hat uns über diesen Punkt genau unterrichtet. Bei Johannes lesen wir (16,13): „Wenn jener aber kommt der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit einführen.“ media-401265-2

Der Kirchenvater Irenäus von Lyon (130 – 200), Schüler von Polykarp, und vom hl. Johannes zum Bischof von Smyrna bestellt, bestätigt dies, wenn er schreibt:

„Denn nachdem unser Herr von den Toten auferstanden war und sie (die Apostel) durch das Kommen des Heiligen Geistes mit Kraft von oben ausgerüstet wurden, da wurden sie mit Gewißheit über alles erfüllt und erhielten vollkommene Erkenntnis.“

Es ist Doktrin der Kirche, daß der Heilige Geist die Apostel in die ganze Heilswahrheit eingewiesen hat. Ein dynamisch-evolutionistisches Verständnis der Hinführung zur Wahrheit, das sich über Jahrtausende hingezogen hätte und bis heute noch weiter-geführt würde, ist undenkbar, auch wenn diese These von wissenschaftsgläubigen Theologen noch so vehement vertreten wird.

Eine klare Stellungnahme darüber erhalten wir vom 1. Vatikanischen Konzil, das erklärt: „Wer sagt, es könne geschehen, daß den von der Kirche vorgelegten Lehr-sätzen einmal entsprechend dem Fortschritt der Wissenschaft ein anderer Sinn zuzuschreiben sei als der, den die Kirche gemeint hat und meint: der sei mit dem Anathema belegt.“

Das bedeutet, daß die Kontinuität in der Entwicklung der Glaubenssätze gewahrt werden muß, damit zwischen früheren und späteren Lehren kein Bruch entsteht. Vor einigen Jahren zum Kurienkardinal ernannt, schreibt Walter Kasper hingegen in seinem schon erwähnten Buch „Einführung in den Glauben“:

„Dogmen unterliegen der Geschichtlichkeit alles menschlichen Sprechens und sind konkret wahr nur in Bezug auf den ihnen entsprechenden Kontext. Sie müssen deshalb immer wieder neu ausgelegt und in neue Situationen hinein übersetzt werden.“ (32)

Es ist nicht bekannt, daß diese Früchte der Wissenschaftsgläubigkeit zurückgenommen worden wären.

Vielsagende Zeugnisse

Hören wir dagegen einen anderen Kardinal, der seinen Äußerungen zufolge, eine tiefe Ahnung von den Zusammenhängen von Wissenschaft und Glaube gehabt haben muß. Es ist dies der Münchner Kardinal Faulhaber. In einem Gespräch mit Albert Einstein sagte dieser zu ihm: „Eminenz, ich achte die Religion, aber glauben tu‘ ich an die Mathematik. Bei Ihnen wird es wohl genau umgekehrt sein, wie ?“ 

Dr. Bernd F. Pelz

Foto: Dr. Bernd Pelz

Nein, soll Kardinal Faulhaber geantwortet haben, Religion einerseits und Mathematik andererseits sind mir nur verschiedene Ausdrucksformen derselben göttlichen Exaktheit.

Einstein soll über diese Aussage sehr verblüfft gewesen sein und gefragt haben: Gesetzt den Fall, die mathematische Forschung würde eines Tages ans Licht bringen, daß gewisse Erkenntnisse der Wissenschaft nicht mit dem Glauben der Religion in Einklang zu bringen sind. Was dann ?

Die Antwort des Kardinals: „Ich schätze die Mathematik so hoch ein, daß ich dies nicht als endgültig hinnehmen könnte. Und ich würde dann auf solche Leute wie Sie hoffen, die nicht ruhen werden, ehe sie den Rechenfehler gefunden haben.“ (33)

Eine höchst zutreffende und auch weise Antwort. Sie zeigt die richtige Haltung der Kirche zum Spannungsfeld Wissenschaft/Glaube und beweist, daß der Glaube keinen Grund hat, sich vor der Wissenschaft zu fürchten.

Aufschlußreich sind in diesem Zusammenhang die Äußerungen eines vom Buddhismus zur katholischen Religion konvertierten englischen Professors für indische und tibetische Philosophie an der Universität Bristol.

Auf die Frage, warum er ausgerechnet zum christlichen Gottesglauben gefunden habe  –  es hätte ja genauso gut der jüdische, islamische oder sonst eine Form des Monotheismus sein können  –  bekannte er, daß wie für den hl. Paulus so auch für ihn die Auferstehung Jesu das Fundament des christlichen Glaubens ist und die Leugner der Auferstehung bisher keine überzeugende Erklärung der neutestamentlichen Darstellungen vorgebracht hätten, im Gegenteil: die besseren Argumente sprechen nach wie vor dafür, die Auferstehung Jesu als historisch zu betrachten, und zwar im buchstäblichen Sinn.

Dieser ehemalige Buddhist war sogar der Meinung, daß man Jesus nach der Auferstehung hätte photographieren können. Daher führen all jene theologischen Positionen in die Irre, die meinen, „entmythologisieren“ zu müssen und in den Berichten vom leeren Grab nur eine bildliche Redeweise dafür sehen wollen, daß die „Sache Jesu“ weitergehen soll.  media-80458-2

Den Leugnern hält der ehemalige Buddhist einen Ausspruch des schon erwähnten hl. Polykarp von Smyrna entgegen, demzufolge der Leugner der Auferstehung als der „Erstgeborene des Satans“ zu gelten habe. (34)

Das ist sicher eine harte Sprache. Aber fragen wir uns doch einmal, welche Haltung Jesus selbst dem Unglauben gegenüber eingenommen hat?  – Wie hat er sich darüber geäußert, als er sah, daß die Jünger nur mit Mühe an seine Auferstehung glauben konnten. Beim hl. Markus (16, 14) im Evangelium zu Christ Himmelfahrt können wir es nachlesen:

„In jener Zeit, als die elf Jünger zu Tisch saßen, erschien ihnen Jesus. Er rügte ihren Unglauben und ihre Herzenshärte, da sie denen nicht geglaubt, die Ihn nach Seiner Auferstehung gesehen hatten.“

Hier haben wir eine klare Stellungnahme Jesu zum Unglauben der Jünger. Er rügt ihre Herzenshärte, und es ist erschütternd festzustellen, daß nach 2000 Jahren diese Herzenshärte immer noch bei seinen Jüngern zu finden ist.

Eine eher originelle Beweisführung ist vom verstorbenen juristischen Experten und internationalen Politiker Sir Lionel Luckhoo bekannt. Im „Guiness-Buch der Rekorde“ erscheint er für beispiellose 245 aufeinanderfolgende Freisprüche in Mordprozessen. Dieser Experte für Mordfälle bekräftigt sein Vertrauen in die prozessuale Beweiskraft der Auferstehung, als er schrieb:

„Ich habe mehr als 42 Jahre als Straf-verteidiger in unterschiedlichen Weltteilen verbracht und praktiziere den Beruf immer noch. Ich habe Glück gehabt, eine Reihe von Erfolgen in Gerichtsverfahren zu sichern, und ich sage ausdrücklich, daß der Beweis für die Auferstehung Jesu Christi so überwältigend ist, daß er zur Anerkennung anhand des Beweismaterials zwingt, das nicht den geringsten Platz für Zweifel läßt.“ (35)

Diese Zweifel, so sagt er, überläßt er den modernistischen Theologen.

Die Wahrheit des Wunders der Auferstehung Christi war bis zur Aufklärung eine selbstverständliche Tatsache. Durch die Ersatzreligion Naturwissenschaft begann man die Wunder zu bezweifeln.

Wenn man ein Wunder als ein Ereignis definiert, das physikalisch-chemisch nicht erklärbar ist, so besteht zwischen der Geburt des Lazarus und seiner Auferweckung (durch Christus) oder zwischen der alljährlichen Brotvermehrung auf den Kornfeldern und der Brotvermehrung des Herrn in der Wüste kein Unterschied.

Beide Wunder, das eine als Schöpfungstat Gottes, das andere als Eingriff Gottes in die Schöpfung, sind wissenschaftlich nicht erklärbar. Das Wunder der Brotvermehrung auf den Kornfeldern wird uns be media-358103-2wußt werden, wenn der Hunger in unseren verbetonierten Ländern einkehrt und keine Wissenschaft uns Brot zu geben vermag. (36)

Die Behauptung, der Zeitabstand von 30-40 Jahren zwischen dem Tod Christi und der Abfassung der Evangelien sei so groß, daß im Nachhinein nichts Sicheres über den genauen Hergang gesagt werden könne, ist ein gängiges Argument Doch dies kann auch auf andere historische Personen angewendet werden, z.B. auf Alexander den Großen.

Als seine Berichterstatter ihre Erinnerungen aufschrieben, lag Alexanders Tod weiter zurück als der Tod Jesu für die Evangelisten Matthäus und Markus. Überdies ist die Quellengeschichte zu Alexander problematischer als die zu Christus.

Erstens waren seine Berichterstatter Politiker, und die haben bekanntlich einen eigenen Stil, Geschichte zu schreiben.

Zweitens sind ihre Schriften gar nicht erhalten geblieben. Wir wissen nur durch den Schriftsteller Arrian von ihnen, und der lebte nochmals vier Jahrhunderte später. Es ist wohl nicht bekannt, daß jemals an der Echtheit der Existenz von Alexander d. Gr. gezweifelt worden wäre.

Weil die Evangelien mehr sind als eine gute Botschaft, „scheitern die Erklärungen der Alleserklärer“ immer wieder von neuem. Das hindert sie allerdings nicht, für sich jene Unfehlbarkeit zu beanspruchen, die sie dem Papst absprechen. Bernhard Shaw blökte als theologischer Laie, als er sagte, er halte die Evangelisten für glaubwürdiger als alle ihre theologischen Rezensenten. DSC_0722-2-3

„Wenn es sich so verhalten hätte wie die Entmythologisierungstheologen meinen, würde es diese Theologen gar nicht geben. Denn für diese dialektische Relativierung der Auferstehung des Herrn wäre niemand gestorben, und das heißt: es hätte keine Märtyrer und somit kein Christentum gegeben.

Der englische Kulturphilosoph C.S. Lewis hat sich zu diesen ‚Relativitätstheologien‘ in folgendem Sinn geäußert: Jetzt mußten wir armen Christen nahezu zweitausend Jahre glauben, Christus sei von den Toten wahrhaft auferstanden, bis uns endlich ein Herr Professor belehrt, daß das bloß als eine Metapher für das immer wiederkehrende Leben zu verstehen sei.“ (37)

Die Leugner der Auferstehung Christi beklagen ja ständig die mangelnden wissenschaftlichen Beweise. Für jene, die sich keiner Wahrheit verschließen, gibt es tatsächlich wissenschaftliche Erkenntnisse in Bezug auf die Historizität Jesu Christi, seines Leidens, seines Todes und seiner Auferstehung. Diese Beweise sind im Grabtuch von Turin zu finden, das man mit guten Gründen als das 5. Evangelium bezeichnen kann.

Die wissenschaftlichen Ergebnisse zeitigen eine überwältigende Fülle unbestreitbarer Tatsachen. Diese Erkenntnisse lassen die Unbelehrbarkeit der Grabtuchgegner immer grotesker erscheinen, die nach wie vor behaupten, es handle sich um eine „Fälschung“, schreibt der Rechtswissenschaftler Wolfgang Waldstein in seinem wertvollen Buch „Neueste Erkenntnisse über das Turiner Grabtuch“.

Unzählige inzwischen völlig zweifelsfrei festgestellte Tatsachen haben immer klarer gemacht, daß eine Fälschung vollkommen ausgeschlossen ist. Kein Fälscher der Welt hätte die auf dem Grabtuch feststellbaren „Informationen“ auf das Tuch bringen können.

Man kann sagen, daß Experten sämtlicher Wissenschaftszweige sich mit dem Grabtuch aus Turin beschäftigt haben, Ärzte, Hämatologen, Physiker, Ingenieure aus verschiedenen Sparten, Archäologen, Historiker, Kriminologen und Atomforscher. Aber da die Ergebnisse die heute verbreiteten Theorien der sogenannten Bibelwissenschaft klar widerlegen, dürfen sie nicht existieren. Frei nach Christian Morgenstern, daß nicht sein kann, was nicht sein darf.

Wer nach wie vor die Unechtheit des Grabtuches behaupten will, müßte eigentlich den Beweis erbringen, daß all die festgestellten Tatsachen in Wahrheit nicht existieren. So z.B. die 204 Pollen, die der Schweizer Spezialist für Mikro-Organismen, Dr. Max Frei identifizieren konnte. Ein Großteil dieser Pollen stammt aus dem Heiligen Land.

Die Herkunft des Tuches aus dem Hl. Land ist nicht nur durch Pollen bezeugt, sondern auch durch Blüten und Pflanzen, von denen die Pollen stammen. Dazu kommt, daß viele der Blüten auch gerade nur zu der Jahreszeit blühen, in der die Bestattung Christi stattgefunden hat. Sie konnten also nur zu dieser Zeit blühen da die bei Johannes 19,40 genannten wohlriechenden Kräuter dem Leichnam Jesu im Grabtuch beigegeben werden, so wie es bei den Juden beim Bestatten Brauch ist. IMG_0748

Die wissenschaftliche Arbeit dieser Experten ersetzt nicht den Glauben, aber wenn man vor diesem Grabtuch steht, erkennt man jenseits des Glaubens, was hier vorgefallen sein muß. Werner Bulst sagt mit Recht: „Der Glaube ist mehr als bloße Erkenntnis. Aber Erkenntnisse, wie sie über das Grabtuch gewonnen wurden, ermöglichen den Glauben.“ (38)

Und der weltbekannte englische Exeget, John A.T. Robinson, der durch seine sehr liberalen Bücher Aufsehen erregt hatte, sagte zum Abschluß seines Referates auf dem Turiner Kongreß 1976, wer von der Echtheit des Turiner Grabtuchs überzeugt sei, befinde sich in einer Situation, die jener der Jünger am Ostermorgen vergleichbar sei. (39)

Das dürfte einer der Gründe für die oft fanatische Opposition gegen das Turiner Grabtuch sein.

Wer Gelegenheit hatte, die Original-Sindone in Turin zu betrachten, war trotz der Schattenhaftigkeit des Abbildes des Gekreuzigten überzeugt, IHN gesehen zu haben.

Viele Forscher in den USA und Europa, auch der russische Forscher Dimitrij Kusnetzow sind übereinstimmend zu dem Ergebnis gekommen, daß ein Vorgang stattgefunden haben muß, bei dem sich die Struktur der Atome verändert hat. Er schreibt:

„Die Wissenschaftler konnten im Test durch Computer-Simulation nachweisen, daß der Körper im Grabtuch einen Vorgang durchgemacht hat, der ihn in einen neuen Raum versetzt hat. Die Struktur seiner Atome hat sich neu geordnet. Dieser Körper trat in eine „Super-Ordnung“ über. Dabei wurde viel Energie abgestrahlt, die das Bild auf dem Tuch erzeugt hat.“ (40) 0018

Obwohl diese Ergebnisse bereits mehrfach publiziert wurden, haben sich die Medien bisher nicht dafür interessiert. Sie ergötzen sich an ihren immer wieder neuen Meldungen von der „Fälschung des Turiner Grabtuchs“.

Es ist im Grunde eine Ironie, daß nun die modernsten Wissenschaften, auf die sich die zeitgenössischen Theologen immer beziehen, uns die Echtheit des Turiner Grabtuchs bestätigen, die wissenschaftsgläubigen Theologen hingegen das Ergebnis dieser von ihnen bewunderten Wissenschaft ablehnen. Wer nicht sehen und hören will, für den sind erwiesene Tatsachen unerträglich.

„Ein Naturwissenschaftler, der es mit seiner Wissenschaft ernst nimmt, der also nicht wissenschaftsgläubig ist, hat keine Mühe, an Wunder zu glauben. Wer aber bloß physikalisch-chemisch denkt, wird die Existenz von Wundern bestreiten, weil er mit diesem verengten Denken bloß weiß wie, aber nicht weiß, was Chemie und Physik sind. Das Was würde ihn zum Wer führen, zu Gott, der die Materie erschaffen hat – und den Menschen, der sie mit seinem Geist zu erforschen vermag.“ (41)

Anmerkungen:

1 Titel: Siehe: Max Thürkauf: Artikel „Die Auferstehung Christi und die Naturwissenschaft“, L’Osservatore Romano, vom 20. 4.1984.
2 Georg May: „Der Glaube in der nachkonziliaren Kirche“, Una Voce Korrespondenz, Heft 1-2 1983, S. 101.
3 Hl. Ambrosius in Franz Spirago: Kath. Volks-Katechismus, Lingen, Ems 1927, S. 140.
4 Walter Kasper: „Jesus der Christus“, Mainz 1974, S. 154.
5 dito
6 Emanuel Hirsch: „Das Wagnis des Glaubens“, Gesammelte Werke, Predigten und Andachten 1930-1964, Hartmut Spenner 2004.
7 W. Marxsen: „Die Auferstehung Jesu als historisches und als theologisches Problem, Gütersloh 1964, S. 16.
8 Vgl. dito, S. 16.
9 Rudolf Bultmann: „Neues Testament und Mythologie. Das Problem der Entmythologisierung der neutestamentlichen Verkündigung, hg. V. E. Jüngel, München 1986, S. 16.
10 dito, S. 15.  imm029_27A
11 dito S. 15.
12 Vgl. dito S. 46.
13 W. Marxens, S. 15.
14 Richard Kocher: „Herausgeforderter Vorsehungsglaube“ – Die Lehre von der Vorsehung im Horizont der gegenwärtigen Theologie, St. Ottilien 1999, 2. Aufl., S. 161.
15 Walter Kasper, S. 105.
16 Bruno Vollmert: „Das Molekül und das Leben“ – Vom makromolekularen Ursprung des Lebens und der Arten: Was Darwin nicht wissen konnte und Darwinisten nicht wissen wollen, Reinbek 1985, S. 182.
17 Max Thürkauf: „Wissen ist noch lange nicht Weisheit“ – Aphoristische Notizen eines Naturwissenschaftlers, Stein am Rhein, 2. Auflage 2008, S. 41.
18 Dietrich von Hildebrand: „Das trojanische Pferd in der Stadt Gottes“, Regensburg 1968, S. 171.
19 Gilberth Keith Chesterton: „Orthodoxie“ – Eine Handreichung für die Ungläubigen, Frankfurt am Main 2000, S. 281f.
20 Vgl. Max Thürkauf: „Die moralische Verantwortung der Naturwissenschaft gegenüber dem Leben“ – Gedanken zur sogenannten Wertfreiheit der Wissenschaft, Leutesdorf, 5. Aufl. 1994 und „Endzeit des Marxismus“, Stein am Rhein 1987, S. 38.
21 Max Thürkauf: „Die Spatzen pfeifen lassen“, Stein am Rhein 1992, S. 92.
22 Wilhelm Schamoni: „Wunder sind Tatsachen“, Stein am Rhein 1976.
23 Vgl. Ida Lüthold-Minder: „Ich wurde in Lourdes geheilt“ – Medizinisch und kirchlich anerkanntes Wunder, Stein am Rhein, 4. Aufl., 1987, S. 77ff.
24 Eta Linnemann: „Wissenschaft oder Meinung?“ – Anfragen und Alternativen, Stuttgart 1986, S.108.
25 Vgl. Richard Kocher S. 175, auch Anmerkung 74.
26 Aus: „Soldat in Zivil“ – Militärdienst, Militärdienstverweigerung, Zivildienst, Militärjustiz, Hrsg. Marc Häring und Max Gmür, 21 Beiträge verschiedener Autoren, Zürich 1970. Max Thürkauf: „Naturwissenschaftler, Maschinen und Soldaten“, S. 175.
27 Walter Hoeres: Vortrag zum Thema: „Ist die Existenz Gottes wissenschaftlich beweisbar?“ vom 15.10.2000.
28 Walter Kasper S. 147.
29 Walter Kasper: „Einführung in den Glauben“, Mainz, 3. Aufl. 1973, S. 65.
30 dito S. 148
31 dito S. 149.
32 Walter Kasper: 149.
33 Vision 2000, 3/2003, S. 12
34 Una Voce, Mai/Juni 2003, S. 180f.
35 http://www.gotquestions.org/why-believe-resurrection
36 Vgl. Max Thürkauf: „Die Auferstehung Christi…“
37 dito
38 Werner Bulst in Wolfgang Waldstein: Turiner Grabtuch“ Stein am Rhein, 2. Aufl., 2000, S. 67
39 Die Gedanken über das „Turiner Grabtuch“ sind dem Buch von Wolfgang Waldstein „Neueste Erkenntnisse über das Turiner Grabtuch“ – Auch Atomforschung erweist Echtheit, entnommen, Stein am Rhein, 2. Aufl., 2000, S. 67.
40 dito, S. 48.
41 Max Thürkauf „Die Auferstehung Christi ….“

 


Christus am Kreuz – verlassen von Gott?

Von Felizitas Küble

Vom Berliner Theologen Detlev Fleischhhammel stammt die „steile“ Aussage: Der einzige Mensch, der je wirklich von Gott verlassen gewesen ist, war Jesus Christus am Kreuz.

Bei der katholischen Gründerin der Fokolar-Bewegung, Chiara Lubich, war die Verehrung des „verlassenen Jesus“ sogar eine der beiden „Säulen“ ihrer speziellen Spiritualität (die zweite Säule war der ökumenische Einheitsgedanke). 

Die Gründerin dieser „geistlichen Gemeinschaft“ sprach von Christus fast immer als von dem „verlassenen Jesus“ oder „verlassenen Gekreuzigten“.

Über diese besondere Frömmigkeitsform gibt es ausführliche Literatur, zB. das Buch „Jesu Gottverlassenheit als Heilsereignis in der Spiritualität Chiara Lubichs.“

Frau Lubich starb am 14. März im hohen Alter von 87 Jahren in Rocca di Papa bei Rom; im selben Jahr feierte ihre Bewegung das 50-jährige Bestehen. 013_10A

Wie steht es nun wirklich mit der „Verlassenheit“ Christi in seiner Todesnot?

War unser Erlöser tatsächlich von seinem himmlischen Vater gleichsam im Stich gelassen, von IHM getrennt?

Es wäre ein Kurzschluß, dies zu schlußfolgern, zumal unser Heiland GOTT und MENSCH zugleich  ist – und seine göttliche Natur kann gar nicht „gottverlassen“ sein.

Jesu Ausruf am Kreuz stammt aus Psalm 22

Das Rätsel dieses Rufes Jesu löst sich, wenn wir bedenken, daß Christus hier den 22. Psalm aus dem Alten Testamentes sprach, einen sogenannten „Klagepsalm“, der mit den Worten beginnt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ 

BILD: Leidender Christus mit jüdischem Gebetsschal in der St.-Bernhard-Kirche von Münster

Doch diese leidvolle Stimmung weicht in diesem Gebet zunehmend einem großen Gottvertrauen, ja tiefster Dankbarkeit gegenüber dem himmlischen Vater. 

Im ersten Teil dieses eindringlichen Gebetes werden Nöte, Bedrängnisse und bittere Verfolgung beklagt. Doch schon bald dringt immer stärker der Lobpreis Gottes durch, begleitet von vertrauensvollen Bitten.

Im zweiten Teil steht der Dank im Mittelpunkt; gerühmt werden Gottes große Heilstaten, die er an Israel und den Völkern gewirkt hat bzw. noch vollbringen wird, wie es der Psalmist  im letzten Vers freudig ausruft; das erinnert uns an Christi weiteres Wort am Kreuz: „Es ist vollbracht.“  –  Dies entspricht inhaltlich dem Schlußsatz von Psalm 22. (In der Septuaginta  –  der griechischen Übersetzung des AT –  ist es der Psalm 21, weil dort eine andere Zählung gilt.)

Die vermeintliche „Gottverlassenheit“ ist also nur der Einstieg, der dann in Lob und Dank, in Vertrauen und Zuversicht einmündet.

Dieses Gebet ist ein „messianischer Psalm“

Es handelt sich bei diesem Gebet zudem um einen „messianischen Psalm“, der im Hinblick auf das Heilswirken Christi zu verstehen ist. Somit hat der Gekreuzigte durch seine Anrufung die messianische, auf IHN bezogene Bedeutung dieses Psalms bestätigt.

So heißt es dort in Vers 8 und 9: „Alle, die mich sehen, verspotten mich, sperren das Maul auf und schütteln den Kopf: Er klage es dem HERRN, der helfe ihm heraus und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.“ 

In Vers 17 ist davon die Rede, daß „die Rotte der Bösen mich umringt; sie haben meine Hände und Füße durchgraben“.

Die Vers 18 und 19 lauten: „Ich kann alle meine Knochen zählen; sie aber schauen zu und sehen auf mich herab. Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand“.

Es ist daher theologisch mißverständlich bis irreführend, von einer „Gottverlassenheit“ Jesu zu sprechen oder dies sogar durch spezielle Verehrungsformen in den Mittelpunkt einer neuen „Spiritualität“ zu rücken, wie dies durch die Gründerin der Fokolar-Bewegung geschah.

Felizitas Küble leitet den KOMM-MiT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster

Dieser Artikel wurde auch auf KATHNEWS veröffentlicht: http://www.kathnews.de/christus-am-kreuz-verlassen-von-gott

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

 


Korrektur an einem Sonder-Rosenkranz: Die Gottheit Christi wurde nicht geopfert

Von Felizitas Küble

Keine Frage: Der beste Rosenkranz ist nach wie vor der herkömmliche, klassische Rosenkranz, wie er dem katholischen Kirchenvolk seit Jahrhunderten bekannt und vertraut ist.   media-443490-2

Dieses Gebet vertieft uns durch Vater-Unser, Credo (Glaubensbekenntnis) und das betrachtende „Ave Maria“ mit dem Gruß des Engels vor allem in die Stationen des Lebens, Leidens und der Auferstehung Christi, wie sie in der Heiligen Schrift bezeugt werden.

Daher ist dieser klassische Rosenkranz eine kompakte „Kurzfassung des Glaubens“, weil er wesentliche Heilsgeheimnisse nahebringt und betend vertieft.

Freilich gibt es seit Jahrzehnten dutzende verschiedener „Extra-Rosenkränze“, die entweder auf Ideen frommer Seelen oder auf Visionen bzw. „übernatürliche Einsprechungen“ zurückgehen. Diese Sonder-Rosenkränze verdrängen leider in der Gebetspraxis vieler Katholiken immer stärker den überlieferten kirchlichen Rosenkranz.

Diese speziellen Rosenkränze sind oft kürzer als der herkömmliche (was durchaus auch ein Grund für ihre weite Verbreitung sein kann)  – und nicht selten enthalten diese Gebete theologisch mißverständliche bis irreführende Formulierungen.

Hierzu ein Beispiel, nämlich der sog. „Rosenkranz vom einladenden Herzen„. (Quelle siehe hier: http://www.herz-jesu-freitag.de/gebete/gebete-zum-heiligsten-herzen-jesu/rosenkranz-zum-goettlichen-herzen-jesu/rosenkranz-vom-einladenden-herzen-jesu.php) 

Die merkwürdige Anrufung „Komm Herr Jesus mit deinem Einladenden Herzen und nimm alle deine Gnadengeschenke in mir entgegen“ kann man noch „durchgehen“ lassen, obwohl sich der Sinn dieser Aussage wohl nicht ohne weiteres christuserschließt.

Bei den großen Perlen dieses Sonder-Rosenkranzes heißt es dann wörtlich:

„Ewiger Vater, ich opfere dir auf das einladende Herz deines geliebten Sohnes, seinen Leib, sein Blut, seine Seele und seine Gottheit für unsere Sünden und die Sünden der ganzen Welt.“

„Warnungs“-Botschaften mit ähnlichem „Gebet“

Ähnlich lesen wir in einer Anrufung aus der Serie der irrgeistigen Botschaften „Die Warnung“ einer anonym bleibenden, kirchlich abgelehnten irischen „Seherin“, die sich selber „Maria von der göttlichen Barmherzigkeit“ nennt:

Ich opfere dir auf den Leib und das Blut, die Seele und die Gottheit deines innig geliebten Sohnes zur Sühne für die Sünden der Welt und für die Rettung all deiner Kinder.“  (Quelle: http://www.dasbuchderwahrheit.de/download/siegel_8x.pdf)

Diese Formeln orientieren sich weitgehend an der entsprechenden Anrufung des Barmherzigkeits-Rosenkranzes der polnischen Sr. Faustyna Kowalska.

Zunächst vorweg: Christus ist selbstverständlich in seiner gesamten Person unser Opferlamm, unser Erlöser  – und zwar als Gottmensch („ganzer Christus“). Auch seinem göttlichen Wesen nach hat ER diesem Opfer zugestimmt und eben wegen seines Gottseins enthält dieses Heilsopfer einen unendlichen Wert.

Allerdings hat Jesus dieses Opfer durch seine leidensfähige menschliche Natur vollzogen bzw. dargebracht: Christus wurde in seinem Menschsein gekreuzigt. DSC06228

Christi Gottsein an sich kann nicht „geopfert“ werden. Wie sollte man Gott die Gottheit opfern? Welchen logischen und theo-logischen Sinn ergäbe dies?

Die Gottheit Jesu kann gar nicht Gegenstand des Opfers sein, denn opfern heißt, so schreibt der bewährte „Grüne Katechismus“, Gott eine „sichtbare Gabe darbringen“, um ihn als den höchsten HERRN zu ehren (S. 58).

Darum ist der ewige Sohn Gottes Mensch geworden, damit ER sich dem himmlischen Vater zum Opfer darbringen konnte für die Erlösung der Welt  –  und sein Leib ist die Opfergabe.

Daher spricht unser HERR in Joh 6,51: „Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch  –  ich gebe es hin für das Leben der Welt.“

Daß Christi Heilstat im Opfer seines Leibes bestand, bestätigt der hl. Petrus, denn in 1 Pt 3,18 heißt es: „…dem Fleisch nach wurde ER getötet, dem Geist nach lebendig gemacht.“  –  Ähnlich schreibt der Apostel in 1 Pt 4,1: „Da nun Christus für uns im Fleisch gelitten hat…“

In Kol 1,22 schreibt Paulus, Christus hat euch durch den Tod seines sterblichen Leibes versöhnt, um euch heilig, untadelig und schuldlos vor sich treten zu lassen.“ 

Im Brief an die Hebräer heißt es, daß wir „durch die Opfergabe des Leibes Christi ein für allemal geheiligt“ sind (Hebr 10,10). Zudem schreibt der Verfasser: Wir haben also die Zuversicht, Brüder, durch das Blut Jesu in das Heiligtum einzutreten. ER hat uns den neuen und lebendigen Weg erschlossen durch den Vorhang hindurch, das heißt durch sein Fleisch. (Hebr. 10,20)

Was natürlich nichts daran ändert, daß Jesu Heilstat gleichwohl in Wert und Bedeutung insofern ein „göttliches“ Opfer darstellt , insofern Christus eben GOTT(-Mensch) ist und der „Träger“ der Person Christi seine Gottheit ist (welche schon vor seiner Menschwerdung ewig existiert). Unser Heiland ist auch in seiner himmlischen Herrlichkeit Gott und Mensch zugleich (mit seinem verklärten Auferstehungsleib).

Christus in seiner PERSON ist unteilbar („ungetrennt“), wie die Kirche lehrt. Zugleich verkündet sie aber: Die beiden NATUREN unseres Erlösers (die menschliche und die göttliche) sind zugleich „unvermischt“. Wenngleich sie in seiner PERSON untrennbar verbunden sind, so sind die NATUREN als solche „unvermischt“, also voneinander zu unterscheiden.

Aber konkret „geopfert“ hat ER nicht seine Gottheit bzw. göttliche Natur, zumal sie nicht leidensfähig ist und ihrem Wesen nach nicht sterben kann. Der Sohn Gottes ist vielmehr Mensch geworden vor allem deshalb, um auf diese Weise sein Opfer vollziehen zu können.

„ER aber meinte den Tempel seines Leibes“

Erinnern wir uns an die in Joh 2,13 ff berichtete Tempelreinigung und dem dann folgenden Streitgespräch, bei dem Christus sagte: „Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten.“  – Als Widerspruch erfolgte, heißt es im NT: „Er aber meinte den Tempel seines Leibes.“ polskaweb

Für die Apostel war diese Aussage sehr einprägsam und wichtig, denn Johannes berichtet weiter: „Als ER von den Toten auferstanden war, erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.“

Eindeutig sind auch Jesu Worte bei Abendmahl: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.“   – „Das ist mein Blut, das für euch und für viele vergossen wird.“  – Unser HERR hat aber nicht gesagt: „Dies ist meine Gottheit, die für euch geopfert wird.“

Der Grundgedanke eines religiösen Opfers ist der kultische Verzicht auf eine Gabe zugunsten des Ewigen, der Ritus der Darbringung, gleichsam die „Vernichtung“ (wie Christus sagte: Die „Zerstörung“ seines Leibes, des wahren Tempels)  – doch Jesu Gottheit konnte und kann nicht zerstört werden; allein sein menschlicher Leib war also „opferfähig“.

Der Leib des HERRN konnte leiden und sterben

Im „Compendium der christlichen Lehre“, einem Katechismus des hl. Papst Pius X., heißt es in der deutschen Ausgabe auf S. 22 unter Punkt 47 auf die Frage „Ist Jesus Christus als Gott oder als Mensch gestorben?“:

„Jesus Christus ist als Mensch gestorben, denn als Gott konnte er weder leiden noch sterben.“chrkn

Im bewährten „Grundriß der Dogmatik“ von Ludwig Ott heißt es auf S. 273: „Christus war nach seiner menschlichen Natur zugleich Opferpriester und Opfergabe.“ 

Auf S. 257 wird im „Ott“ auf das Laterankonzil und das Konzil von Florenz hingewiesen, die jeweils die Leidensfähigkeit der menschlichen Natur Christi betonten  –  und dies auch gegen den Doketismus klarstellten, welcher irrlehrte, Jesus habe lediglich einen Scheinleib gehabt.

Im Catechismus romanus bzw. „Römischen Katechismus“ (jahrhundertelang  d e r  Leitkatechismus für die Weltkirche) heißt es im 1. Teil, 5. Hauptstück (4. Artikel) unter dem Titel „Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben“ im 2. Absatz wörtlich:

„Denn wenn auch die menschliche Natur mit der göttlichen Person vereinigt war, so fühlte sie [die menschliche Natur] trotz dieser Vereinigung um nichts weniger die Bitterkeit des Leidens, als wenn jene Vereinigung nicht bestanden hätte, da in der einen Person Jesu Christi die Eigentümlichkeiten jeder Natur, der göttlichen und der menschlichen, gewahrt bleiben und daher, was leidensfähig und sterblich war, leidensfähig und sterblich verblieb; wohingegen das, was leidensunfähig und unsterblich war, was wir als die Eigenschaften der göttlichen Natur erkennen, seine Eigentümlichkeiten beibehielt.“

Im 13. Abschnitt stellt der  –  auf dem Konzil von Trient initiierte   –  Römische Katechismus klar: „Denn Christus ließ die menschliche Natur, welche er angenommen hatte, alle Peinen empfinden, gerade so, als ob er Mensch, nicht auch zugleich Gott gewesen wäre.“

Im „Lehrbuch der Dogmatik“ wird auf  S. 228 f. erläutert, daß der ganze Gott-Mensch Christus zwar unser Erlöser und Heiland ist, unser „Opferlamm“, aber leiden und sterben konnte ER allein in seinem Menschsein (Quelle siehe HIER).

„Christus hatte einen leidensfähigen Körper“

In der bewährten, 1936 erschienenen Laiendogmatik „Die Lehre der Kirche“ von Prof. Dr. Johannes P. Junglas lesen wir auf S. 127: 

„Christus hatte einen leidensfähigen Körper, sonst hätte er uns nicht durch Leiden und Sterben erlösen können… Es ist ohne weiteres klar, daß Christus die menschliche Natur angenommen hat, um uns zu erlösen.“ 0018

Zudem heißt es in der messianischen Prophetie des AT vom „leidenden Gottesknecht“ (Jesaja 53,4): „ER hat unsere Krankheiten getragen und unsere Schmerzen auf sich genommen.“

Leidensfähig war freilich allein die menschliche Natur des HERRN; sie war sozusagen „Werkzeug“ der Erlösung. Deshalb sprechen Bibel und Liturgie davon, daß Christus „seinen Leib und sein Blut“ als Opfer darbrachte bzw. zur Sühne dahinhingab. Die Opfergabe war sein menschliches Leben, das er dahingab.

In diesem Sinne heißt es in einer Stellungnahme von Papst Leo I. hinsichtlich der göttlichen und menschlichen Natur Christi:

„Um die Schuld (…) zu tilgen, einte sich die unverletzliche Natur mit der leidensfähigen Natur, damit (…) ein und derselbe „Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus “ (1 Tim 2,5) aufgrund des einen sterben und des anderen nicht sterben könne….Der leidensunfähige Gott war sich nicht zu schade, leidensfähiger Mensch zu sein…“ (zitiert aus der Dogmensammlung „Denzinger“, S. 136 f.)

„ER hat sein eigenes Menschsein geopfert“

Der Hl. Hippolyt von Rom (3. Jahrh.), Priester und Märtyrer, schrieb in „Die Widerlegung aller Häresien, 10,33-34“ Folgendes über die menschliche Natur Christi:

„Um es recht verständlich zu machen, dass er sich nicht von uns unterscheidet, wollte er Müdigkeit ertragen und Hunger erfahren (Joh 4,6); er sperrte sich nicht dagegen, Durst zu leiden, suchte im Schlaf Erholung, verweigerte sich dem Leiden nicht, unterwarf sich dem Tod und sprach in aller Deutlichkeit von seiner Auferstehung. In alledem hat er sein eigenes Menschsein als Erstlingsgabe geopfert“.abtei-ettal-startseite_01

Nicht die Gottheit Christi, sondern der menschliche Leib des HERRN wurde auf Golgotha geopfert; daran erinnern auch die Priesterworte nach der Konsekration bzw. hl. Wandlung im 4. Hochgebet: „So bringen wir dir Seinen Leib und Sein Blut dar, das Opfer, das dir wohlgefällt und der ganzen Welt Heil bringt.“

Das Konzil von Trient erklärte außerdem in bezug auf das heilige Abendmahl unseres HERRN, daß Christus dort vorweg „seinen Leib und sein Blut“ dargebracht hat (von einer Opferung seiner „Gottheit“ ist auch hier nicht die Rede):

„So sagte Christus von sich, dass ER in Ewigkeit zum Priester bestellt sei nach der Ordnung des Melchisedech; ER brachte Gott dem Vater seinen Leib und sein Blut dar unter den Gestalten von Brot und Wein, reichte ihn den Aposteln, die er damals zu Priestern des Neuen Bundes bestellte…“ (DS 1740).

Der große Heilige und Kirchenlehrer Thomas von Aquin hat sich ausführlich mit dem Menschsein Christi als dem „Heilsorgan der Gottheit“ befaßt: Christi menschlicher Leib ist Werkzeug bzw. Instrument des Erlösungshandeln Gottes.

Die beiden Naturen in der Person Christi (die göttliche und die menschliche) sind weder getrent noch vermischt. Die Kirche betonte das „ungetrennt“ gegenüber den Nestorianern, welche die beiden Naturen Christi gleichsam „auseinanderdividieren“ wollten – und gegen die Irrlehren der Monophysiten verkündete das Lehramt,  daß beide Naturen in Christus unvermischt sind, also sehr wohl in ihrer jeweiligen Eigentümlichkeit zu beachten. (Vgl. hierzu die kirchliche Kritik an Sergius und Honorius).

Christus war unverletztlich in seiner Gottheit, aber sterblich in seiner Menschheit, seinem Menschsein (so erklärte es die 6. Kirchensynode von Toledo).

Die 11. Synode von Toledo (675 n. Chr.) verkündete in ihrem ausführlichen Glaubensbekenntnis: „Trotzdem hat Christus, ohne daß seine Gottheit versehrt worden wäre, für unsere Vergehen das Leiden ausgehalten…und übernahm den wahren Tod des Fleisches.“

Auch im Credo der Lateransynode (649 n. Chr.) heißt es über unseren Erlöser, er sei „leidensfähig im Fleisch und leidensunfähig in der Gottheit„.

Und Papst Pelagius I. erklärte in seinem Brief „Humani generis“ an König Childebert I. vom 3.2.557: „ER hat, so bekennen wir, unter Pontius Pilatus aus freiem Willen für unser Heil gelitten im Fleisch, wurde gekreuzigt im Fleisch, ist gestorben im Fleisch…“

Professor Georg May über das Heilsopfer

Lassen wir hierzu außerdem den Apostolischen Protonotar Prof. Dr. Georg May zu Wort kommen. Der bekannte Kirchenrechtler erklärt in einer Predigt (siehe HIER):

„Im religiösen Sinne ist Opfer die innere Hin­gabe und die äußere Weggabe von etwas, um Gott zu ehren.(…) 027_24

Im Römer­brief heißt es: „Diesen Chris­tus hat Gott hingestellt als Sühnemittel durch den Glauben in seinem Blute.“   –  Hier ist alles zusammengefaßt an Opfertheologie. (…)

Christus selbst sprach von seinem Opfer, indem er von „Hingabe des Lebens“ und „Blutvergießen“ gesprochen hat. An einer dich­ten Stelle im Markusevangelium heißt es: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösepreis für viele.“

Er war der Opferpriester nach seiner menschlichen Natur. Er war auch die Opfergabe. Seinen wunderbaren Leib hat er zum Opfer gegeben.

Soweit Professor May. Erinnert sei zudem an die Worte unseres HERRN bei seinem letzten Abendmahl: „Das ist mein Leib, der hingegeben wird für euch. Das ist das Blut meines Bundes, das vergossen wird zur Vergebung der Sünden für die vielen.“  

Wir vereinigen uns mit Christi Opfer

Was nun solche „Aufopferungsgebete“ wie das eingangs zitierte betrifft, so sind sie ohnehin mißverständlich („Ich opfere dir auf…“), zumal in den Formulierungen nicht auf die hl. Messe Bezug genommen wird, in welcher das Kreuzesopfer unseres HERRN auf sakramentale Weise zur Gegenwart wird.

Für das Kirchenvolk bzw. den einzelnen Gläubigen sollte zumindest dieser theologische Zusammenhang (hl. Messe und Priestertum) geklärt sein, wobei der Priester die Eucharistie stellvertretend bzw. „in persona Christi“ (an Christi Statt) zelebriert. Der eigentliche Opferpriester ist aber Christus selbst, der Priester ist gleichsam sein Werkzeug, er ist amtlicher Diener des Sakramentes. Der einzelne Katholik kann aber nicht „in persona Christi“ handeln.

Zudem stellt sich die Frage: Können wir als Glieder des Kirchenvolkes Christus dem ewigen Vater „opfern“, zumal Christus nicht unser „Eigentum“ ist, über das wir verfügen könnten? Wir können uns aber selber dem Höchsten gleichsam als Opfer darbringen, als geistiges Opfer (nicht als sakramentales), zB. durch die Nachfolge Christi, Einhaltung der göttlichen Gebote, Fasten usw.

Wir sollten uns also geistlich mit dem Opfer Christi vereinigen. Dies geschieht vor allem durch die rechte Mitfeier der hl. Messe, in welcher das Kreuzesopfer des HERRN auf sakramentale Weise zur Gegenwart wird und uns seine geistlichen Früchte zuteil werden.

ERGÄNZENDER Beitrag der „Ankerperlenfrau“: http://rosenkranzbeten.info/rosenkranzbeten/falsche-anleitung-zum-rosenkranzbeten/


 


Martas Gastmahl – eine szenische Betrachtung

Von Lucia Tentrop 

Lk 10, 38-42:Sie zogen zusammen weiter,  und ER kam in ein Dorf. Eine Frau namens Marta nahm ihn freundlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen, für ihn zu sorgen. Sie kam zu ihm und sagte: „HERR, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester mir die ganze Arbeit allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!“ –  Der HERR antwortete: „Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.“   header_buch

Wie passt es zu einem Menschen, der die göttliche Liebe personifiziert, seine fleißige Gastgeberin, die ihn freundlich eingeladen hat und rührend umsorgt, in Anwesenheit einer weiteren oder sogar mehrerer Person(en) so herunterzumachen, dass sie im Schatten einer wegen ihrer Untätigkeit zum leuchtenden Beispiel erhobenen Schwester als die Dumme dasteht?

Verkündet Jesus das Reich Gottes als eine fromme 2-Klassen-Gesellschaft, in welcher der gedankenlose Teil der Menschheit selber schuld ist, wenn er zur Erhaltung unserer Spezies für den denkenden Teil arbeitet?

Eine Predigt kann sich noch so sehr bemühen, die Abqualifizierung Martas und ihrer gastlichen Mühe abzumildern: Maria steht seit Jahrhunderten als von Gott bevorzugt und Marta als die Dumme da, während Jesus mich irritiert.

„Ich steige innerlich in diese Bibelszene ein“

In Unzufriedenheit über die mir lieblos erscheinende Wertung unseres Erlösers steige ich innerlich in diese Bibelszene ein, versetze mich in die Rolle der Marta und erlebe das Geschehen als mein eigenes:

Marta hat den berühmten Wanderprediger, der nach tagelangem Fußmarsch durch Hitze, Regen und Trockenheit mit seinen Anhängern in ihr Dorf kommt, freundlich in ihr Haus eingeladen, in dem sie mit ihrer Schwester Maria lebt.

Es ist naheliegend, dass außer Jesus auch seine Freunde nach anstrengendem Umherziehen eine erquickende Gastfreundschaft benötigen. Ferner nehme ich an, dass weitere im Haus oder in der Nachbarschaft  lebende Menschen Jesus erleben möchten. Darüber hinaus ist die Zubereitung eines biblischen Mahles   –  egal, wie viele Personen daran teilnehmen  –   mit Schlachten  und Rupfen verbunden.

Gemälde: Evita Gründler

Gemälde: Evita Gründler

Also gehe ich davon aus, dass Marta und Maria die für uns unvorstellbar aufwändige tägliche Hausarbeit normalerweise als ihre gemeinsame Aufgabe besorgen.

Diesmal aber nicht. Maria widmet sich direkt dem begehrten Prediger und verschafft sich die persönliche Nähe des Meisters, den Marta als Gast des Hauses gewonnen hat. Der Text erzeugt in mir die innere Vorstellung eines malerisch idyllischen Bildes:

Marta steht am Herd, um den verehrten Gast würdig und liebevoll zu versorgen. In einiger Entfernung sitzt Jesus. Zu seinen Füßen widmet sich Maria  –  die diesen Namen nicht zufällig tragen dürfte –  hingebungsvoll der Empfängnis seines göttlichen Wortes. Im Hintergrund der Bühne weitere Personen, die aber nicht erkennbar sind.

Der Name Marta bedeutet „die Bittere“

Die Szene beleuchtet nur Jesus, Marta und Maria. Nicht lange bleibt der Schein friedlich, denn auch die wandelbare Schlange spielt im Verlauf der Handlung eine Rolle. Ihr Auftritt ist nicht so deutlich wie im Paradies. Er findet im Innern der Marta statt, deren aus dem Hebräischen abgeleitete Name „die Bittere“ bedeutet.  

Es ist extrem unfair, wenn in einem partnerschaftlichen Arbeitsteam die Mitarbeiterin mit Beginn eines zeitgebunden repräsentativen Projekts unerwartet und ohne Rücksicht auf die nunmehr überforderte Kollegin in Urlaub fährt.

Weil Maria aber noch anwesend ist, könnte Marta ihr von der Schwester unabhängiges Ziel, Jesus durch ein Gastmahl zu beglücken, noch retten, z.B. durch ein sachliches Gespräch oder die Vereinfachung ihres Aufwands. Klugheit ist ein positiver Aspekt der Schlange. Was hindert Marta daran, ihn zu nutzen?

Vermutlich spürt sie als instinktsichere Frau die innige Verbindung, die Maria in ihrer Beziehung zu Jesus genießt.(…) Marta ist empört: „Das ist mir ja eine nette Schwester! Ich habe Jesus eingeladen  –  und sie nimmt ihn mir weg!“ 

Eine neidische Frau kann zum „Kain“ werden

Eine Frau, die einen Mann als rechtmäßigen Besitz und jede andere Frau als Rivalin empfindet, kann zum Kain werden.

Statt sich also in der Nähe einer tieferen seelischen Beziehung ihrer eigenen Innigkeit bewusst zu sein und ihre tätige Liebe als höchsten Selbstwert zu schützen, verfällt  Marta dem negativen Aspekt der „Schlange“, d.h. der von unbewusster Selbstherabsetzung begleiteten Angst der „Ewig zu kurz Gekommenen“, einem unzufriedenen, weil stets vergleichenden und verallgemeinernden Urtyp des Misserfolges: „Maria hat immer das Bessere, und ich bin immer benachteiligt. Das ist ungerecht.“

Statt dieses Denken einer gedankenlosen Masse selbstbewusst abzuwehren, gleitet sie unter der Leitung ihrer „Schlange“ noch tiefer in die Missstimmungen ihrer seelischen Unterwelt ab und wird giftig: „Wie komme ich denn dazu, mich hier doppelt abzurackern, damit meine vom Erfolg verwöhnte Schwester es sich auf meine Kosten bequem macht und das Leben genießt?“ 

Damit  gibt sie ihr ursprüngliches Ziel, Jesus zu beglücken, zugunsten einer egozentrischen Hingabe an seinen Kontrahenten auf. 

Innerer Ärger statt direkte Offenheit

Dass sie ihre Wut nicht offen an die Schwester adressiert,  sondern Jesus auf der christlichen Mitleidsschiene vorwurfsvoll für sich in die Pflicht zu nehmen versucht, entspricht der Unaufrichtigkeit ihrer „Schlange“. Sie gibt sich nicht zu erkennen.

Wie könnte sie sich oder gar der  als Rivalin empfundenen Maria  eingestehen, dass  sie nur neidisch ist und die Absicht hat, der Schwester   – ohne Rücksicht auf eigene Verluste  –  das Glück zu vermiesen?

Jesus durchschaut Martas innere Zwangslage und begegnet ihrer Hinterhältigkeit mit entlarvender Schärfe. Für unsere heutige Zeit vielleicht so: 

„Marta, Marta, bist du wirklich so dumm, wie du dich zeigst? Geht es dir mit deiner Beschwerde wirklich nur um Arbeitsbelastung und Sorge um mich? Selbstverständlich werde ich Dir nicht den Gefallen tun, deiner Schwester das Gute wegzunehmen, das du ihr nicht gönnst. Denn damit hast Du Dich gegen mich entschieden. Maria hat besser gewählt. Was interessiert mich also die Organisation Deines Haushalts?“

Fürsorge aus rivalisierender Absicht

Mit dieser Abfuhr hat Marta nicht gerechnet. War ihre tätige Sorge um Jesus nicht etwas zweifellos Gutes? Ja  –  aber nur solange diese Sorge reinen Herzens von Liebe getragen und das Gastmahl nicht unbemerkt in den Dienst negativer Zielsetzung geriet.

Die Zurückweisung ihrer Beschwerde ist verletzend, sogar vernichtend. Aus dem Mund der erkennenden Liebe aber ist sie heilsam. Denn in dieser Anbindung richtet sich die unaufrichtige „Schlange“ zur Wahrheit auf und wandelt sich zurück in den ursprünglich positiven Lebenstrieb.

Jesus re-flektiert im wörtlichen Sinne Martas „Schlange“. Er wirft sie ihr gleichsam an den Kopf zurück. Das nunmehr bewusste Erleiden ihres Minderwertigkeitsgefühls  ist ein Akt der Erlösung. Er gibt Marta die Chance, ihre latente Selbstabwertung zu begreifen und die kriecherische „Schlange“ zugunsten ihrer positiven Lebenskraft abzuwehren.

Christi Reaktion ist heilsam

Damit komme ich mit meiner Betrachtung zu dem Ergebnis, dass die Szene in Lk 10,38-42 der Bericht einer Heilung ist. In dieser Deutung  erscheint mir das bisher unverständliche Verhalten Jesu einleuchtend und sinnvoll. Sie bestätigt ihn als Heiland und Erlöser und gibt glaubwürdig seine Liebe zu erkennen.

Im Übrigen erinnert mich  Marta an Petrus, der sich sogar wörtlich den „Satan“ an den den Kopf werfen lassen musste (Mt 16,23). Marta ist die Frau, die Jesus  am Anfang der Geschichte zu sich eingeladen hat, ihn aufnimmt, wie die Bibel es nennt. Sie ist auch die Frau, die ihn erkannt hat und seine Gottheit anerkennt  –  am Grab des Lazarus vor dessen Auferweckung (Joh.11,27).

Damit erinnert sie nochmals an Petrus (Mt 16,16), aber auch an die Jünger Jakobus und Johannes, denen sich Jesus ebenfalls auf dem Berg der Verklärung offenbart (Mt 17,1-9). Maria erkennt ihn erst später  – an seinem Grab nach seiner Auferstehung.

Beiden Frauen offenbart Jesus sich auf unterschiedliche Weise. Beide erreichen auf unterschiedlichen Wegen das höchste  Ziel: die Erkenntnis Gottes im Menschen.

Lucia Tentrop, Wundtstraße 40-44 in 14057 Berlin, Tel.: 030-325-4611