Zeit der Tränen, aber GOTT ist bei uns!

Von Ursula Zöller

Unsere Straßen sind wie leergefegt, Kindergärten und Schulen geschlossen und in den Kirchen werden plötzlich kaum noch Gottesdienste gefeiert: Pandemie! Und das öffentliche Leben kommt zum Erliegen.

Natürlich bleiben wir alle einigermaßen gelassen und doch blutet vielen von uns das Herz, wenn wir erfahren, was nun überall geschieht: Da sollen Großeltern nicht mehr besucht werden!

BILD: Ursula Zöller (links) und Susanne Wenzel gründeten die „Neue kath. Frauenbewegung“ (NKF)

Wie mag es aber vor allem vielen alten Menschen in den Seniorenheimen gehen, die nicht verstehen können, warum sie ihre Lieben nicht mehr sehen? Wie schlimm ist es für Kranke, wenn sie vergeblich auf einen Besuch warten und umgekehrt, wie soll man es ertragen, dass man in der großen Not von Krankheit und Einsamkeit kaum mehr zu denen kommen darf, die gerade jetzt ein tröstendes Wort und eine Umarmung nötig hätten?

In seiner Predigt in der fast menschenleeren Kapelle im Stift Heiligenkreuz sprach Pater Wallner während der Montagsmesse davon, dass man in Italien Sterbenden im Krankenhaus nun manchmal nur noch ein Handy reichen könne, damit sie sich so von den Liebsten daheim verabschieden. Letzte Anrufe mit sicher oft kaum noch hörbarer, ersterbender Stimme.

Das ist ebenso unerträglich wie die Tatsache, dass dort nun Ärzte darüber entscheiden müssen, wem sie noch helfen und wen sie sterben lassen, weil es einfach nicht genug Betten und Beatmungsgeräte gibt. Und was macht Corona mit Schwestern, Pflegern und Ärzten, die bis zur völligen Erschöpfung arbeiten und dennoch oft nicht helfen können.

Dabei schien in unseren fortschrittlichen Industrienationen doch eigentlich alles recht gut geregelt.

Was soll aus den Menschen in den Slums in Afrika, den Lagern in Syrien, der Türkei, in Lybien und Griechenland werden, wenn sich auch dort das so oft tödliche Virus ausbreitet? Dort, wo es kaum Hilfe für sie geben kann!

Zeit der Tränen: Zum ersten mal in meinem Leben habe ich Tränen in den Augen eines Priesters  gesehen, weil er die Heilige Messe fast ohne Gläubige feiern musste und zum ersten mal und am selben Tag erfuhr ich von einem Geistlichen, der ganz alleine in der Kapelle während der Heiligen Messe für die Gemeinde am Bildschirm ein Lied singen wollte, es mehrmals versuchte und dann weinend aufgeben musste. Wie könnte man nicht mit ihm weinen!

Es ist der Tag übrigens auch, an dem verkündet wird, dass es im Vatikan keine Ostermessen geben wird und an dem in Deutschland der Gottesdienstbesuch verboten wird.

Zeit der Tränen, Zeit auch der Umkehr?

Eine Zeit jedenfalls, in der wir in unserer Isolation zuhause Gott suchen könnten, in der wir IHN, Maria und Josef um Hilfe für die ganze Welt anflehen könnten. Karl Borromäus, den Patron gegen die Seuchen, könnten wir bitten, den Schutzpatron der Deutschen, St. Michael, um Fürsprache bei Gott ersuchen. 

Tage der Tränen. Und doch sang Pater Wallner in dieser Montagsmesse am Schluß das Lied, das Dietrich Bonhoeffer vor seiner Hinrichtung gedichtet hat: Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Gott ist bei uns!

Unsere Autorin Ursula Zöller aus Aschaffenburg gründete die NKF – hier geht es zum Portal: https://frauenundkirche.wordpress.com/


Bistum Regensburg erläßt Regelungen zum Umgang mit staatlichen Corona-Vorgaben

Nach den heute veröffentlichten Regelungen der bayerischen Staatsregierung werden im Bereich der Diözese Regensburg die geplanten Firmungen ab sofort bis auf Weiteres ausgesetzt. Dies gab Generalvikar Michael Fuchs heute den Pfarreien bekannt.

Außerdem erhielten die Pfarreien eine Reihe von Anordnungen und Empfehlungen zum Umgang mit den staatlichen Vorgaben bezüglich der Höchstgrenze von 100 Teilnehmenden bei Gottesdiensten und Veranstaltungen. Dadurch will die Diözese zur Verlangsamung der Virusausbreitung und zum Schutz der gefährdeten Personengruppe beitragen.

BILD: Solch eine prallvolle Kirche  – wie hier der Regensburger Dom – ist derzeit leider nicht mehr möglich.

Vorgesehen ist, dass die Pfarrer zum Gebet in diesem Anliegen aufrufen und die Pfarreien die Kirchen weit offen ‐ und das sakramentale Leben möglichst aufrechterhalten, nicht unbedingt nötige Veranstaltungen jedoch absagen.

Die Sonntagsgottesdienste finden weiterhin statt, aber in reduzierter Form. Die Gläubigen werden auf die Möglichkeit von TV‐Gottesdiensten und auf das Streaming‐Angebot aus dem Dom (www.bistum‐regensburg.de) hingewiesen.

Die bekannten Hygiene‐Regeln wurden nochmals in Erinnerung gerufen.

Generalvikar Fuchs bittet, „mit Gottvertrauen und Kreativität“ auf die aktuellen Herausforderungen zu reagieren. Für die Osterliturgie und die Erstkommunion werden die Pfarreien zu einem späteren Zeitpunkt informiert. „Sicher wird einiges nicht so stattfinden können, wie wir es gewohnt sind. Aber selbstverständlich feiern wir – wenn auch mit einigen Änderungen ‐ auch in diesem Jahr Ostern, das höchste Fest der Christenheit,“ bekräftigt Fuchs.

Wichtig sei in dieser Zeit auch, den Blick auf die Kranken, die Armen und auf ältere Menschen zu richten. Fuchs: „Auch wenn wir die körperliche Nähe zu den Menschen in Not reduzieren müssen, können wir sie anrufen, ihnen etwas bringen, uns um sie sorgen.“ Die caritativen Dienste der Pfarreien sollten möglichst erhalten bleiben.

Das vollständige Bistums-Schreiben an die Pfarrer können Sie hier nachlesen: https://www.bistum-regensburg.de/news/hinweise-an-die-seelsorger-im-bistum-regensburg-aufgrund-der-aktuellen-lage-zur-ausbreitung-des-corona-virus-7321/

.


Eindrucksvolles Buch über die Heldenfrau Nina Gräfin von Stauffenberg

Besprechung von Cordula Mohr

Als mir dieses Porträt-Buch geschenkt wurde, freute ich mich sehr, mehr über die Frau des berühmten Volkshelden und Widerstandskämpfers Claus von Stauffenberg zu erfahren. Es stellte sich heraus, daß auch seine Ehefrau Nina ein tapferes Herz und einen starken Charakter besaß. 

Die bewegende Biographie mit dem Titel „Nina Schenk von Stauffenberg“ stammt aus der Feder ihrer Tochter Konstanze von Schulthess.

Es muss eine einzigartige Begegnung zwischen Claus von Stauffenberg und Nina Freiin von Lerchenfeld gewesen sein, denn Nina war erst 17 Jahre und Claus 22 Jahre alt. Besonders die tiefen Gespräche verband sie miteinander.

Anfangs dachte man, Claus habe den Kontakt zur Familie Lerchenfeld wegen der gemeinsamen Pferde-Begeisterung und Reitliebhaberei des Vaters Lerchenfeld gesucht. Dann stellte sich heraus: Claus und Nina trafen sich häufig und es ging bald schon um eine Verlobung.

Ninas Vater war grundsätzlich einverstanden, wollte jedoch wegen des jungen Alters seiner Tochter  zuwarten, damit sie sich noch anders entscheiden könnte, falls doch Zweifel in ihr aufkommen. Dies war jedoch nicht der Fall. Trotzdem warteten die Verlobten bis zum 21. Lebensjahr Ninas. Vorher durfte nicht geheiratet werden, wobei auch die damaligen Vorschriften des Militärs eine Rolle spielten.

Claus war schon früh dem George-Kreis beigetreten; um den romantisch-idealistischen Dichter Stefan George bildete sich eine Schar von Verehrern und geistig suchenden Menschen.

Die Autorin stellt in dem Buch klar, dass ihr Vater Claus von Stauffenberg nie ein begeisterter Anhänger der Nationalsozialisten gewesen ist. Als Angehöriger der Reichswehr (später der Wehrmacht) war er jedoch staatstreu eingestellt und von daher dem NS-Regime zunächst loyal gegenübergestanden. Diese besondere Situation im Spannungsfeld von „Pflicht“ und Neigung wird von gewissen Büchern über den militärischen Widerstand gegen Hitler oft ignoriert.

Stauffenberg war ein sehr disziplinierter Mann, der Herz und Verstand dem Militär zur Verfügung gestellt hat. Häufig trug er seine Uniform, zumal er immer auf Abruf bereit sein musste.

Nina war durch Briefe, die sie aus Vorsicht bzw. Angst vor Repressalien wieder verbrannte, in das Vorhaben ihres Mannes und der anderen Widerständler (Attentatspläne) eingeweiht. Alle Beteiligten werden in dem Buch namentlich aufgezählt.

Am 21. Juli 1944 musste Nina von Stauffenberg ihren Kindern sagen, dass ihr Vater hingerichtet worden ist, nachdem die „Operation Walküre“ tragisch gescheitert war. Es ist ihr umso schwerer gefallen, als sie damals in „anderen Umständen“ war.

In der eindrucksvollen Biografie wird deutlich beschrieben, was Nina und Claus besprochen haben, wenn dieser verhängnisvolle Fall eintritt: sie solle bei Verhören sagen, sie habe von nichts gewusst – und dabei stark bleiben.

Sie wurde von der Gestapo abgeholt, weil es schon zu spät war, um zu fliehen. Die Nachricht vom gescheiterten Attentat erreichte sie zu spät. Sie wurde in das Frauengefängnis Ravensbrück gebracht. Ihre Kinder kamen in ein Heim. Sie hatte ihren Kinden vorsichtshalber noch mitteilen können, dass ihr Vater sich „geirrt“ habe  –  und das sollen sie auch den anderen Leuten so sagen.
 
In den Verhören beteuerte sie, von den Plänen des Mannes nichts gewusst zu haben; sie kam in Einzelhaft.

Die Verwandschaft kam vielfach in Sippenhaft und wurde auf verschiedene Gefängnisse verteilt. Nahe Verwandte wussten nicht, wie ihnen geschah, als sie festgenommen wurden.
Nur die Kinder der Attentäter durften zusammenbleiben, bekamen aber im Heim neue Nachnamen, ohne ihre eigentlichen Namen zu vergessen. Später erfuhren sie, dass sie teils Verwandte waren, als z.B. das älteste der Kinder nachts fragte: Wie ist euer richtiger Name?

Nina hatte noch etwas Glück, denn ihre Schwägerin Litta konnte Briefe und Essen ins Gefängnis bringen. Ohne diese beherzte Frau  –  sie war von Beruf Testpilotin   –  wäre Ninas Haft und die der anderen Familienmitglieder weitaus schwieriger verlaufen. 

Nina von Stauffenberg war von einem starken Gottvertrauen beseelt. In der Einzelhaft betete sie und versprach dem Himmel, wenn sie alle ihre Kinder wiedersehen dürfe, werde sie zur Ehre Gottes eine Wallfahrt unternehmen. Das Versprechen erfüllte sie als evangelische Christin  – ihr verstorbener Mann Claus war katholisch  –  nach dem Krieg gemeinsam mit den Kindern.
 
Nina von Stauffenberg brachte Tochter Konstanze in einem Hospital zur Welt, wo sie sich länger aufhalten durfte. Die Einzelhaft wurde unterbrochen. Sie konnte sich in diesem Krankenhaus etwas erholen, da das Personal ihr freundlich gesonnen war.

Schon bald ging es dem Kriegsende zu und Nina wurde mit ihrem kleinen Kind von einem Gestapo-Mann durch ganz Deutschland gefahren. Es ging ständig durch neue Städte, der Säugling wurde kränklich. Sie berichtet von ihrer endgültigen Erklärung an ihren unfreiwilligen Begleiter, zu keiner Weiterreise bereit und fähig zu sein.  

Der Gestapomann, der trotz seines „Amtes“ kein fanatischer Nazi war, erkannte das unsägliche Chaos und Elend der letzten Kriegstage und „quittierte“ seinen Dienst selbst. Nina schrieb ihm noch einen Zettel, damit er nicht in den Verdacht geriet, ein „Deserteur“ zu sein.

In bewegender Weise wird beschrieben, wie manche Angehörige und ihre Kinder sich wiedergefunden haben. Einige enge Verwandte haben die Haft nicht überlebt. Besonders traurig machte es Nina, als sie vom Tod ihrer Schwägerin Litta hörte; sie kam bei einem amerikanischen Angriff ums Leben. Die Witwen der Attentäter haben alle nie wieder geheiratet.

Es war für Nina eine traumatische Erfahrung, dass ihr geliebter Claus hingerichtet wurde.

Das Portät dieser bemerkenswerten Frau ist spannend zu lesen und klärt über so manche Fragen um die Familie Stauffenberg auf.

Besonders eindrucksvoll erscheint mir auch, wie die Tochter beim Sterben ihrer Mutter Nina im Jahre 2006 tagelang mitanwesend war. Sie beschreibt das tiefe Gemüt der Mutter; sie habe ohne Bitterkeit von dieser Welt Abschied genommen.

Dieses Buch dient der Aufklärung über unsere deutsche Geschichte. Mir wurde dadurch klar: Der Widerstand gegen Hitler war hierzulande stärker, als man allgemein denkt.

Diese Biographie ist sehr empfehlenswert und aufschlußreich. Das Buch bietet zudem anschauliche Bilder der Familie und passende Beschreibungen dazu.

Vielleicht eignet sich als Abschluß Ninas Gedicht, das sie kurz nach der Verhaftung im Gefängnis Ravensbrück verfaßte. Manchmal findet man diese Verse auch in Todesanzeigen. Somit ist das geistige Vermächtnis dieser tapferen und gläubigen Frau nicht ganz unbekannt:

Du bist bei mir.
Wenn auch Dein Leib verging.
Und immer ist`s, als ob
Dein Arm mich noch umfing.

Dein Auge strahlt mir zu
Im Wachen und im Traum.
Dein Mund neigt sich zu mir,
Dein Flüstern schwingt im Raum.

„Geliebtes Kind, sei stark“,
Sei Erbe mir!
Wo du auch immer bist,
Ich bin bei Dir!

.


Gedicht: „Es muß d o c h FRÜHLING werden!“

Hoffnung

Und dräut der Winter noch so sehr
Mit trotzigen Gebärden,
Und streut er Eis und Schnee umher,
Es muß  d o c h  Frühling werden.

Und drängen Nebel noch so dicht
Sich vor den Blick der Sonne,
Sie wecket doch mit ihrem Licht
Einmal die Welt zur Wonne.

Blast nur ihr Stürme, blast mit Macht,
Mir soll darob nicht bangen,
Auf leisen Sohlen über Nacht
Kommt doch der Lenz gegangen.

Da wacht die Erde grünend auf,
Weiß nicht, wie ihr geschehen,
Lacht in den sonnigen Himmel hinauf,
Und möcht´ vor Lust vergehen.

Sie flicht sich blühende Kränze ins Haar
Und schmückt sich mit Rosen und Ähren,
Und läßt die Brünnlein rieseln klar,
Als wären es Freudenzähren.

Drum still! Und wie es frieren mag,
O Herz, gib dich zufrieden;
Es ist ein großer Maientag
Der ganzen Welt beschieden.

Und wenn dir oft auch bangt und graut,
Als sei die Höll’ auf Erden,
Nur unverzagt auf Gott vertraut!
Es muß d o c h Frühling werden!

Von Emanuel Geibel (1815 – 1884)

.


HERR, sammle meine Tränen in einem Krug!

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche:
Psalm 56 (55), 2-3 ff.
.
Sei mir gnädig, Gott, denn Menschen stellen mir nach;
meine Feinde bedrängen mich Tag für Tag.
Täglich stellen meine Gegner mir nach;
ja, es sind viele, die mich voll Hochmut bekämpfen.
.
Mein Elend ist aufgezeichnet bei dir.
Sammle meine Tränen in einem Krug,
zeichne sie auf in deinem Buch!
Dann weichen die Feinde zurück
an dem Tag, da ich rufe.
.
Ich habe erkannt:
Mir steht Gott zur Seite.
Ich preise sein Wort,
ich rühme das Wort des HERRN.
.
Ich vertraue auf Gott und fürchte mich nicht.
Was können Menschen mir antun?
Ich schulde dir die Erfüllung meiner Gelübde, o Gott;
ich will dir Dankopfer weihen.
.

Gottvertrauen schenkt „Fitness für die Seele“

Von Dr. Edith Breburda

Voller Erwartung geht man ins Fitness-Center, denn man muss schließlich etwas für seine Gesundheit tun. Doch dann steht man in voller Montur –  in Schwimmflossen, mit Schwimmbrille, Wasserflasche usw. bestückt – am Poolrand, nur um zu sehen, dass alle Bahnen besetzt sind. Was tun?

Für den Bruchteil einer Sekunde analysiert man die Szene. Ist da jemand, der langsamer schwimmt und eventuell das kühle Nass verlassen will?

Aber nein, dort die Dame gleich in der ersten Reihe schwimmt ja gar nicht, sie watet nur herum. Dazu muss sie eigentlich keine Bahn besetzten. Doch, sie hat Deinen sehnsüchtigen Blick wahrgenommen und lacht Dir zu.

„Ich bin gleich fertig“, ruft sie über den Schwimmbadrand. Solange kann man sich ja schon mal ins Wasser begeben und eventuell um sie herumschwimmen. Doch nach kurzer Zeit hat man plötzlich keine Lust mehr. Sonst schwimmt man natürlich immer brav 25 Min – aber heute, nein, heute macht man ein Ausnahme. Man packt seine Sachen und geht in den Jacuzzi  bzw. Whirlpool.

„Sieben Minuten“ –  sagt die Dame plötzlich vorwurfsvoll neben einem: „Ich habe Sie beobachtet. Sie sind ganze sieben Minuten geschwommen.“ –  Betreten, nach einer Ausrede suchend, befindet man sich plötzlich in einem hintergründigen Gespräch mit der Frau.

Sie war schon auf der Tretmühle, sagte sie stolz, was dich noch mehr beschämt. Es hängt ja eigentlich alles mit der Einstellung zusammen. Es ist so einfach, zuzunehmen. Die Schokolade schmeckt so gut. Aber das alles wieder herunter zu fasten, ist schon eine andere Sache.

Sie isst nur noch vegetarisch. Kein Fleisch – sie muss ihren Körper entgiften. „Und Vitamin B 12?“, versucht man einzuwenden. Vegetarier haben zu wenig Vitamin B 12. Weil die Frau eine dunkle Hautfarbe hat und noch dazu mit mittlerweile hochrotem Kopf im heißen Wasser des Jaccuzi sitzt, ist es nicht so leicht, zu sehen, inwieweit sie schon unter einer perniziösen Anämie leidet.

Sie sei Autorin, habe ein Buch geschrieben und illustriert. In einem Atemzug klärt sie dich über den Inhalt des Buches auf. Es sei ihr selbst passiert. Ihre Mutter war gestorben und Männer hätten kein Verständnis für eine trauernde Frau.

Doch der Einzige, der Anteil nahm, war ihr Professor am Kolleg. Er half ihr wie einem kleinen Vogel, der einen Flügel gebrochen hatte, wieder zu fliegen.

Sie spricht in Metaphern, was es sehr angenehm macht, ihr zuzuhören. Etwas anderes kann man nicht tun, denn man hat keine Chance, auch nur ein Wort dazwischen zu werfen.

Mittlerweile sind wir beide wieder in der Umkleide angekommen. Sie käme ja nur hierher, weil sie ihre Stelle verloren hatte. Aber sie braucht Arbeit, weil sie ihre Familie ernähren muss. Als sie gefeuert wurde – wegen Umständen, die sie mir zum Glück nicht mitteilt, sonst würde es ja zu lange dauern –  wusste sie nicht, was sie machen sollte.

„Jetzt falle nicht in Panik“, sagte sie sich. „Das nutzt nichts, man kann nichts daran ändern. Ich fahre jetzt ins Fitness-Center und reagiere mich auf der Tretmühle ab. Man muss positiv denken. Wenn ich panisch werde, ist es so, als ob ich auf einem Schaukelstuhl sitze. Ich komme keinen Schritt weiter, sondern bleibe auf der Stelle sitzen.

Ich ging zu meiner Facebook-Seite und kündete meinen Freunden an, dass ich Gott für die neue Stelle danke, die er für mich bereithält. Ich habe einen mächtigen Gott, der Wunder tut“, unterstreicht sie. „Er hält die ganze Welt in seiner Hand, steht in der Bibel. Die Erde ist sein Fußhocker. Meinst Du nicht, er schaut von da oben auf mich herab und sagt, meine vielgeliebte Tochter, ich habe Dich erschaffen, weil Dein Leben einen Sinn hat.

Gott kann Berge versetzten. Doch wenn ich vor einem Berg stehe, habe ich natürlich Angst, weil ich so klein bin. Aber weiß nicht Gott genau, was ich brauche? Er ist mein Schöpfer und ich muss nur auf die richtige Zeit warten.

Es ist wie bei einem Kind, das zu seinen Eltern läuft und ein Fahrrad wünscht. Und wenn die Eltern erklären, dass sie kein Geld hätten, dann kommt das Kind jeden Tag und sagt: Mama, ich liebe Dich und ich danke Dir, dass Du mir ein Fahrrad schenken willst, sobald Du dies tun kannst. Was machen dann die Eltern? Wir müssen positiv denken und ganz auf Gott vertrauen.“

Vielleicht redet sie so viel vom Fahrrad, weil sie sich gerade auf dem Fitnessrad abgestrampelt hatte. „Ich wache jeden Morgen auf und danke Gott, dass er mich erschaffen hat und er mir heute alles gibt, was ich brauche.“

Am Dienstag fängt ihre neue Arbeit an. Sie bekam sie, sobald sie auf Facebook verkündet hatte, dass sie Gott für die neue Stelle danke  – und das war 20 Min., bevor sie völlig unerwartet ein Telefoninterview erhielt. Sie sei Christin und all ihre Weisheiten ständen in der Bibel, die sie in ihrer Kirche lesen.

Was für einen Glaube hat diese Frau, denke ich mir. Ich hätte nicht gedacht, ihn im Fitness-Center zu finden, wo man eigentlich mehr um das körperliche Wohl besorgt ist. Doch an diesem Tag war es gut, nur sieben Minuten zu schwimmen, sonst hätte ich einen seelischen Zuspruch verpasst.


„Mein Wille geschehe“ als Hintergrundmotiv eines magisch/charismatischen „Glaubens“

Von Felizitas Küble

Die Hinwendung zu überirdischen Mächten und Gewalten ist so alt wie die Menschheit, denn als Geschöpfe Gottes sind wir „unheilbar religiös“ – und das ist zunächst auch gut so.

Allerdings gelangt die „gefallene“ menschliche Natur, wenn ihr nicht von Gottes Selbstoffenbarung der richtige Weg gewiesen wird, allzu leicht in innere Gefahren und Irrtümer  – auch und gerade in religiöser Hinsicht. Vielfache Verirrungen in paganen (heidnischen) Religionen  – womit nicht allein z.B. die grausamen „Menschenopfer“ gemeint sind – sprechen hierzu eine klare Sprache.

Der Mensch ist stets in Gefahr, sich in seiner „Re-ligio“ (Rückbindung an Übernatürliches, „Göttliches“) vor allem an eigenen Wünschen und Interessen zu orientieren. So entstand und entsteht das magische Denken und Fühlen, das die „höheren Mächte“ für eigene Anliegen vereinnahmen möchte, gleichsam die „Gottheiten“ als Erfüllungsgehilfen in eigener Sache betrachten.

Um sie entsprechend „gnädig“ und geneigt zu stimmen, werden bestimmte Rituale und Formeln angewandt, damit die unsichtbaren, übersinnlichen Gewalten „richtig“ funktionieren. Diese Aberglaubenshaltung ist von Angst und vom Wunsch zugleich bestimmt, einer Furcht vor der möglichen Willkür dieser numinosen Mächte, zugleich das Verlangen nach Erfüllung der eigenen Sehnsüchte.

„Höhere Mächte“ in den (eigenen) Dienst nehmen

Hinter dieser paganen Mentalität steckt letztlich der Grundsatz: „Mein Wille geschehe!“ – Das ist auch das Fundament jeder Magie, nicht etwa nur der schwarzen, sondern auch der weißen Magie: Während sich die schwarze Variante direkt an satanische Mächte wendet, gibt die weiße Magie vor, sich dem „Himmel“ zuzuwenden und nur das „Gute“ zu wollen, nämlich beispielsweise Heilungen oder sonstige Hilfe in allerlei menschlichen Nöten.

Doch ob schwarze oder weiße Magie: Die „Adressaten“ scheinen zwar gegensätzlich zu sein (Hölle/Himmel), doch die Grundhaltung ist letztlich dieselbe, nämlich der Versuch, die übernatürlichen Mächte in den Dienst eigener Interessen zu stellen.

Selbst wenn es sich dabei um „positive“ Anliegen handelt, nicht etwa um Schadens-Wünsche gegen andere (wie bisweilen in der „schwarzen“ Magie), so heiligt der Zweck nicht die Mittel:

Der wahre Gott ist nicht unser Glücks-Automat, ER bietet keine umfassende Wunscherfüllung, denn die Gnade des Allmächtigen ist unverfügbar. Der Schöpfer steht  ü b e r  dem Menschen, seinem Geschöpf  – und nicht umgekehrt. Wir sollen IHM und seinem Willen zu Diensten sein, nicht ER uns und unseren Wünschen.

Christus hat diesen Grundgedanken des wahren Glaubens im Vaterunser gleichsam für alle Zeiten festgehalten: „Dein Wille geschehe!“ – Aber unser Erlöser hat uns diese Hinwendung zum himmlischen Vater nicht allein in Worten verkündet, sondern auch selber in Taten gelebt – selbst in seinen schweren Stunden auf dem Ölberg vor seinem Leiden.

Dort bat er zwar in der Todesangst seiner menschlichen Natur darum, daß dieser Kelch an ihm vorübergehen möge, doch zugleich sprach ER vertrauensvoll und unerschütterlich: „Nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!“

Die Gnade des Höchsten ist unverfügbar

Der springende Punkt einer wahren christlichen Haltung ist das Bewußtsein, daß wir uns in unseren Anliegen und Sorgen gerne bittend an Gott wenden dürfen, ja sollen, aber zugleich wissen, daß Gott und seine Gnade(n) unverfügbar sind, daß der Höchste nicht unser Erfüllungsgehilfe ist, sondern wir seine Gehilfen sein sollen, um als „unnütze Knechte“ mit Gottes Hilfe am Reiche Christi mitzuwirken.

Dabei heiligt der vermeintlich gute oder jedenfalls verständlich erscheinende Zweck keineswegs die Mittel – und hier gilt durchaus nicht pauschal das  – nur auf den ersten Blick einleuchtende  –  Prinzip: „Wer heilt, hat recht!“

Diese Warnung richtet sich nicht allein an alt-neuheidnische Vorstellungen, an (nichtchristliche) esoterische Gruppen, an eine randständig okkulte Szene, sondern sehr wohl auch an Christen.

Allzu leicht wird  – oftmals eher unbewußt  – der Weg vom Glauben zum Aberglauben überschritten, wenn magisches Denken die religiöse Haltung prägt. Derartige Denkweisen können auch im „christlichen“ Gewande einhergehen, dies ist dann sogar verführerischer als eine direkt erkennbare „Zauberei“ und Magie in Heidentum und Okkultismus.

Seit jeher geistern durch die Christenheit gewisse archaische, schon im Altertum wirksame Motive des Aberglaubens, die sich jeweils in einem neuen Kostüm präsentieren.

Nicht nur im ländlichen „Volksglauben“ finden sich magisch anmutende Gewohnheiten und „Bräuche“, auch Stadtbewohner bleiben vor paganen Versuchungen nicht verschont, wenngleich sich diese Mentalität dort eher in einer esoterisch-„modernen“ Verhüllung präsentiert, etwa per „Wunscherfüllung durch das Universum“, fernöstlicher Meditation, Spiritismus, mit Astrologie und „Chanelling“ etc.

Besprechungen, Gebetsheilungen und „Sympathie“

Auf dem Lande sind es hingegen eher althergebrachte Forme(l)n, die sich bis heute erhalten haben, vor allem das sogenannte „Besprechen“, auch „Sympathie“ genannt.

Der Ausdruck „Sympathie“ entsteht durch die esoterische Vorstellung, wonach die makrobiologische Welt – das Universum –  mit der mikrobiologischen Welt des Menschen in direkter Beziehung steht, also harmoniert, sich entspricht, gleichsam „sympathisiert“. (Natürlich gibt es durchaus manche Zusammenhänge der Schöpfung im großen wie im kleinen, aber eben keine unmittelbare bzw. umfassende „Entsprechung“  beider Dimensionen.) 

Das Spektrum solchen „Besprechens“ reicht von Fernwirkungs-Formeln für kranke Tiere im Stall über das sogenannte „Brand löschen“ oder Warzen entfernen mit astrologischem Hintergrund bis hin zu Hexenwahn und Angst vor dem „bösen Blick“.

Man spricht in diesem Kontext auch von „Gebetsheilung“, wobei dieser Ausdruck irreführend ist, denn es wird zwar Heilung erwartet (und nicht selten trifft sie ein), aber dem Wunscherfüllungs-Automatismus liegt kein wirkliches Bittgebet im christlichen Sinne zugrunde, sondern eine bestimmte, oft als geheimnisvoll gehandelte „Formel“, die als „wirksam“ angesehen wird, die man in keinem seriösen Gebetbuch findet (schon eher in alten „Zauberbüchern“), die aber meist auf althergebrachten mündlichen Überlieferungen beruht.

Die dabei verwendeten  Sprüche muten oft banal bis absurd an, sie ergeben selten einen vernünftigen theologischen Sinn (was aber wohl gerade der „Sinn“ sein soll) – und die Angelegenheit wird auch dadurch nicht besser (im Gegenteil: noch bedenklicher!), daß die entsprechenden Verslein im Namen „Jesu“ oder noch öfter in den „drei höchsten Namen“ (trinitarische Formel) begonnen oder abgeschlossen werden.

2. Gebot: „Du sollst den Namen Gottes nicht mißbrauchen!“

Das ist – objektiv betrachtet – eine Vereinnahmung des dreieinigen Gottes zu abergläubischen Zwecken, mag es den Betreffenden auch subjektiv nicht bewußt sein, so daß ihnen die nötige Erkenntnis abgeht. Rein von der Sachlage her entspricht eine solche Einstellung aber jedenfalls nicht dem 1. und 2. Gebot Gottes (Keine anderen Götter, kein Mißbrauch des Namens Gottes).

Manchmal findet man derartige „Heilformeln“ sogar mitten in fromm-christlich erscheinenden Webseiten, z.B. hier: http://gebetbuch.com/gebete/heilgebete-besprechen

Dort heißt es z.B.: „Brand geh in den See, geh in den Sand und tu nimmer weh.“ – Der „Brand“ (Verbrennungen an der Haut) wird gleichsam mit einem beschwörenden Spruch fortgeschickt. Eine andere Formel  – hier gegen Schuppenflechte –  lautet: Die Asche und die Flechte, die flogen übers Meer, die Asche, die kam wieder, die Flechte nimmermehr.“

Sodann gibt es etliche Heilungs-Sprüchlein, die damit beginnen: „Die hl. drei Könige zogen durchs Land…“ – oder: „Unser Herr Jesus zog durch das Land…“ – oder wie hier eine Formel gegen Herpes auf dem erwähnten Besprechungs-Blog: „Die Mutter Gottes zog übers Land, drei Rosen in der Hand, die erste weiß, die zweite rot, die dritte war der Tod, ganze Herpes Familie.“  – Oft werden solche Verse (leider!) mit dem „Ehre sei…“ beendet – oder wie HIER mit der trinitarischen Formel:

„Verstocke, verstumme, du frische Wunde,
wachse zusammen, Fleisch und Bein;
Dass es hart werde wie ein Stein.
Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Manchmal werden auch die Heiligen „bemüht“, vor allem volkstümlich bekannte wie Laurentius – so etwa hier  – Quelle: http://www.heilungmitliebe.de/Brandloeschen%2020161130.pdf – das folgende Beispiel:
„Heiliger Laurentius mit Deinem Rost,
gib` mir die Gnade und den Trost,
daß ich kann heilen mit meiner Hand
diesen Brand !
Gott Vater (Verbrennung über die betroffene Stelle „wegblasen“)
Gott Sohn (Verbrennung über die betroffene Stelle „wegblasen“)
Gott heiliger Geist (Verbrennung über die betroffene Stelle „wegblasen“). Amen“

Der wahre Gott hat es gewiß nicht nötig, sich einer bestimmten magischen „Formel“ des Menschen zu unterwerfen, bei deren Anwendung er gehorsam „funktioniert“ und als Befehlsempfänger und Wunscherfüller fungiert.

Der wahre Gläubige ist zum Kreuzweg bereit

Gewiß erhalten  – so GOTT will  –  bisweilen auch im rechten Geist gesprochene Gebete von Christen ihre Erfüllung, denn dem Allmächtigen sind keine Grenzen gesetzt. Nicht ohne Grund sagt der gläubige Volksmund: „Der liebe Gott tut nichts als Fügen.“

Aber der wirkliche Gläubige weiß, daß seine Bitten unter der Voraussetzung stehen: „Dein Wille geschehe!“ –  Er weiß sich mit Christus auf dem Ölberg im Geiste verbunden und ist auch zum „Kreuzweg“ bereit, denn unser Leben im Diesseits ist kein Paradies und kein idyllischer Rosengarten, sondern unsere Bewährungsprobe für die Ewigkeit.

Freilich finden wir allerlei Aberglaubensweisen nicht nur in „Volksbräuchen“ und ländlichen Gewohnheiten, sondern gerade auch in neueren Bewegungen, dort freilich besser verpackt, noch stärker christlich garniert oder gar „biblisch“ begründet.

Dies gilt beispielsweise für die protestantische Sondergruppe der Adventisten. Auf einer entsprechenden Webseite heißt es kurzerhand, wir sollten als Gläubige die Verheißungen Gottes „in Anspruch nehmen“ – und schon klappt es mit der Gebetserhörung, die im Grunde keine ist, denn es ging ja gar kein eigentliches Bittgebet voraus, sondern man erwartet von oben schlichtweg die Einhaltung der vermeintlichen „Zusagen“. 

Das ist eine verstiegene Form des „Glaubens“, die letztlich Gott auf die Probe stellen und seine Erfüllung gleichsam herbeizwingen möchte. Davor hat schon Christus gewarnt, als er vom Satan in der Wüste versucht wurde: „Du sollst den HERRN, Deinen Gott, nicht versuchen!“

Jene maßlose Haltung, vom Himmel ständige Gebetserhörungen zu erwarten, gibt es auch und gerade in der Charismatischen Bewegung – und das beileibe nicht allein bei den Verkündern eines sog. „Wohlstandsevangeliums“.

Natürlich präsentiert sich diese Mentalität dort in einem speziellen Gewande, meist bezogen auf den Heiligen Geist und seine „Segnungen“, die man natürlich „in Anspruch nehmen“ sollte; bei der protestantischen Pfingstbewegung gerne garniert mit Hinweis auf „biblische Verheißungen“, die teils direkt so verstanden werden, als ob sich jedes Bittgebet erübrigt, denn was Gott doch ohnehin zugesagt habe, brauche man nicht mehr eigens zu erflehen. 

Gottes Verheißungen „in Anspruch nehmen“…?

Man spricht in der Religionswissenschaft diesbezüglich von einer Spiritualität der Anamnese (Vergegenwärtigung), wonach wir die Heilsversprechen des Himmels nicht etwa erbitten, sondern „proklamieren“, ausrufen, als gleichsam „schon geschehen“ betrachten sollen. Gebet und „Segnung“ werden direkt verknüpft, beides als hier und heute gegenwärtig angesehen. Aus dem Gebet wird eine „Verkündigung“, Gottes Zusagen gilt es zu proklamieren….

Ein bezeichnendes Beispiel hierfür sei mit dieser schwarmgeistigen Webseite erwähnt: http://mediathek.jule-pape.de/

Hier werden vor allem Texte der bekannten evangelischen Pfingstpredigern und Fernseh-„Evangelistin“ Joyce Meyer aus den USA präsentiert, ergänzt u.a. mit Ausführungen des katholischen Charismatikers Dr. Johannes Hartl (Gebetshaus Augsburg, MEHR-Konferenz). In ökumenischer Eintracht scheint man sich weitgehend einig zu sein, was „Gottes Verheißungen“ anbelangt.

So heißt es z.B. hier (http://mediathek.jule-pape.de/david-gotts-verheissungen-fuer-uns-in-anspruch-nehmen/Joyce Meyer, Hartl) ganz typisch:

„Alles, was Gott versprochen hat, ist ein Ausdruck Seines Herzens und Seines Willens, ganz gleich, ob es Heilung, Segen oder Wegweisung ist….Gebet bedeutet, Gottes höchste Bereitschaft in Anspruch zu nehmen….Die Tatsache, dass Er uns überhaupt Verheißungen gegeben hat, ist Beweis genug für Seine Bereitschaft. Manche Menschen sagen: „Ich weiß nicht, ob es Gottes Wille ist, mich zu heilen….“ Was sagt Gott in Seiner Verheißung? Das sollte das Ende der Diskussion sein.“

Vonwegen  – damit fängt die Diskussion erst richtig an, denn eines ist klar:

Eine Spiritualität, die sich gleichsam am Kreuz vorbeimogelt, bei der nicht die Nachfolge Christi, sondern die „Segnungen“ von oben im Vordergrund stehen, gefällt zwar unseren allzumenschlichen Bedürfnissen, entspricht aber nicht dem „schmalen Weg“, der zur ewigen Glückseligkeit führt.

Dabei bietet der „breite Weg“ teils nicht nur Esoterisches, sondern allerlei fromm wirkende Glaubensformeln oder „wundersame“ Phänomene (charismatisches Handauflegen, „Ruhen im Geist“ und dergl.), erscheint aber jedenfalls attraktiver als ein bescheides Bittgebet an Gott und die Bereitschaft, notfalls auch in Krankheit und Leiden auszuharren. Diese Gesinnung der Opferbereitschaft bedeutet aber wahres Gottvertrauen, nicht das irrgeistige Proklamieren und Reklamieren von „Verheißungen“. 

Gilt das Vaterunser allein für damalige Juden?

Eine anders geartete Variante dieser Art einer vermeintlich hochfliegenden „Frömmigkeit“ finden sich in der protestantischen „Brüderbewegung“ (nicht zu verwechseln mit den evang.“Brüdergemeinden“ der Herrenhuter Richtung), die sich auf den evangelischen Exegeten John Nelson Darby und seine Lehre von den verschiedenen „Haushaltungen“ (Heils-Dimensionen) Gottes beruft.

Bei Darbysten wird nicht der charismatische, sondern ein kurios-biblizistischer Ansatz bemüht:

Die Gläubigen befänden sich im Geiste bereits in den „himmlischen Örtern“, die Bittgebete aus dem Vaterunser hätten nur für die damaligen Juden gegolten, ab dem Kreuzestod Christi lebe man bereits in der Dimension der erfüllten Verheißungen. Es gehe daher um eine „Inanspruchnahme“ der Heilsereignisse und ihrer Früchte bzw. Segnungen. (Näheres dazu in dem theologisch-biographischen Buch „Endlich zuhause – mein Weg zur Kirche“ – über die Konversion eines Historikers und Ex-Darbysten).

Gregg Braden: Gebet ist Emotion plus Gefühl gleich Erfüllung….

Damit nicht genug, werden in „christlich“-gnostischen Strömungen weitere „theologische“ Formen einer verstiegenen Position präsentiert, neuerdings z.B. hier:

https://www.pravda-tv.com/2018/04/von-der-kirche-unterdruecktes-wissen-altes-manuskript-besagt-menschen-haben-uebernatuerliche-kraefte/

Der Autor Gregg Braden lehrt demnach eine „fünfte Art des Betens“, die nicht mehr auf der üblichen kirchlichen Bittgebets-Logik basiert, sondern vielmehr „auf Gefühl gegründet“ sei. Das mute, so heißt es dort, „geradezu revolutionär“ an. Dabei wird  – wie so oft in der Esoterik  – die Quantenphysik bemüht und im eigenen „feinstofflichen“ Sinne ausgelegt. Auf dieser „energetischen“ Grundlage (nach dem Motto: Alles ist letztlich nur Energie) wird gesagt:

„Die jeweilige Emotion bestimmt das Motiv unseres Gebets. Man kann sie auch als das Verlangen beschreiben, mit dem unsere Vorstellungskraft nach einer Lösung sucht. Aus der Verbindung von Gedanke und Emotion entsteht das Gefühl. Wenn uns diese drei Anteile des Gebets vollkommen bewusst sind, können wir eine wahrhaft kraftvolle Vision entwickeln, die als eine Veränderung unserer Realität Gestalt annehmen kann.“

Es heißt dann weiter, Unser „Herzenswunsch wird in dieser Form des Gebets zu einer verkörperten Bewusstheit“  – und man könne sich leicht vorstellen, „wie intensiv Massengebete sein können, die auf diese Weise abgehalten werden, zum Beispiel auch über das Internet!“

Angeblich sei das „Massengebet“ jene Technologie, die „das (kollektive) Bewusstsein berührt.“ – Wenn man also „das Gebet als ein Gefühl“ ansehe, gehe es nicht mehr um unklare Fragen der Gebetserhörung, sondern das gewünschte Ergebnis sei „bereits geschaffen worden“.

Unsere Auflistung verschiedener Formen des (Aber-)Glaubens ist keineswegs vollständig, sondern sollte nur schlagwortartig einige Bereiche und Beispiele aufzeigen und zugleich grundsätzliche Haltungen einer wahrhaft christlichen Frömmigkeit  begründen, wie Christus sie uns vorgelebt hat, gipfelnd in dem vertrauensvollen Gebet unseres HERRN: „Nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!“

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

 


Piloten-Heldin Jo Schults: Starke Nerven und Gottvertauen auch in 9000 m Höhe

Nachdem ein Triebwerk der «Southwest Airlines» auf einer Höhe von 9000 Metern explodierte, gelang der Pilotin Tammie Jo Shults (siehe Foto) eine Notlandung. Nun wird die frühere F-18-Pilotin als Heldin gefeiert.

Die überzeugte Christin rettete mit ihrem Manöver 148 Menschen das Leben.

Umgehend nach der Explosion leitete Tammie Jo Shults einen Sturzflug ein. Innerhalb weniger Minuten konnte sie die Boeing 737-700 auf eine Höhe von 3000 Metern bringen. Die Maschine, die von New York nach Dallas unterwegs war, landete auf dem Flughafen in Philadelphia.

Die Funksprüche zeigen, wie ruhig sie in der heiklen Lage blieb. Sie sagte, dass sie die Geschwindigkeit drosseln müsse, weil ein Teil des Flugzeuges fehle und sie bestellte Ärzte an die Landebahn. Die 56-Jährige landete in vorheriger Zeit als Navy-Pilotin mit F-18-Jets auf Flugzeugträgern. 

Tammie Jo Shults war eine der ersten F-18-Pilotinnen und wurde Navy-Instruktorin, bevor sie zu Southwest wechselte. Die überzeugte Christin  ist Ehefrau und Mutter zweier Kinder.

Quelle und vollständiger Bericht hier: http://www.jesus.ch/themen/people/erlebt/326668-die_heldin_von_flug_1380_zaehlt_auf_gott.html


PLAKAT für GEBET und GOTTVERTRAUEN

POSTER unseres ECCLESIA-Plakatdienstes (KOMM-MIT-Verlag in Münster):

Dieses PLAKAT kann bei uns bestellt werden. Es ist im großen Din-A-2-Format erschienen (60 x 40 cm) und kostet 3 € inkl. Versandkosten, 4 Stück nur 6 € inkl. Porto. – Per Tel. 0251-616768 oder Mail: felizitas.kueble@web.de

Foto: Dr. Edith Breburda


HERR, wie zahlreich sind meine Bedränger!

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Ps 3,2-7:

HERR, wie zahlreich sind meine Bedränger;
so viele stehen gegen mich auf.
Viele gibt es, die von mir sagen:
„Er findet keine Hilfe bei Gott.“

Du aber, HERR, bist ein Schild für mich,
du bist meine Ehre und richtest mich auf.
Ich habe laut zum HERRN gerufen;
da erhörte er mich von seinem heiligen Berg.

Ich lege mich nieder und schlafe ein,
ich wache wieder auf, denn der HERR beschützt mich.
Viele Tausende von Kriegern fürchte ich nicht,
wenn sie mich ringsum belagern.