Joseph von Eichendorff: OSTER-Gedicht

OSTERN

Vom Münster Trauerglocken klingen,
vom Tal ein Jauchzen schallt herauf.
Zur Ruh’ sie dort dem Toten singen,
die Lerchen jubeln: Wache auf!
Mit Erde sie ihn still bedecken,

Das Grün aus allen Gräbern bricht,
die Ströme hell durchs Land sich strecken,
der Wald ernst wie in Träumen spricht,
und bei den Klängen, Jauchzen, Trauern,
so weit ins Land man schauen mag,

Es ist ein tiefes Frühlingsschauern
als wie ein Auferstehungstag.

Joseph von Eichendorff


Aufschlußreiche Gräber aus spätantiker Merowingerzeit bei Theißen entdeckt

Seit Mitte April 2017 führt das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Sachsen-Anhalt im Zuge des Neubaus der Ortsumfahrung der B91 östlich von Theißen archäologische Ausgrabungen durch.

Auf einer Gesamtfläche von 29.000 m2 werden zwischen den Ortschaften Theißen und Nonnewitz sechs Fundstellen ausgegraben. Das 13-köpfige Ausgrabungsteam konnte bisher knapp 800 Befunde dokumentieren und etwa 10.000 Funde bergen.

Nach der Entdeckung des slawischen und bronzezeitlichen Siedlungs- sowie Bestattungsplatzes weisen die neuesten Untersuchungsergebnisse auf eine vielfältige und kontinuierliche Besiedlungsgeschichte der Region hin.

So wurde nun auf der Fundstelle 4 ein Friedhof aus der Merowingerzeit (6. Jh.) aufgedeckt. Er umfasst etwa 15 Gräber, darunter auch mindestens drei Niederlegungen von Pferden.

BILD: Der »Krieger« mit dem Schwert auf seiner linken und Überresten einer Lanze auf der rechten Seite. (Foto: Klaus Bentele)

Wie zu dieser Zeit üblich, wurden die Verstorbenen in gestreckter Lage, auf dem Rücken und mit dem Kopf nach Westen liegend, bestattet. Fibeln, Anhänger oder Perlen aus Bronze und Glas liefern Informationen zu Tracht und Bräuchen der Zeit. Den Männerbestattungen wurden häufig Waffen beigelegt.

Der Erhaltungszustand der Knochen ist schlecht. Dennoch brachten die Untersuchungen auch einige rätselhafte Befunde ans Tageslicht.

Besonders ragt die Bestattung eines »Kriegers« hervor (siehe Foto). Allein seine Größe von fast zwei Metern unterscheidet ihn von den anderen Verstorbenen. In seinem linken Arm hält er ein eisernes Schwert. An seiner rechten Seite befinden sich die Überreste einer Lanze. Seine Kleidung wurde gegürtet und mit einer Fibel geschlossen.

Abergläubisch motivierte Gräber von  „Wiedergängern“?

Eine weitere Bestattung gibt mehr Rätsel auf, als sie Antworten liefert. Der Bestattete liegt auf dem Bauch mit dem Gesicht nach unten. Im Gegensatz zu den restlichen Bestattungen ist dieses Skelett mit dem Kopf nach Osten ausgerichtet. Die Hände sind vor dem Becken positioniert und waren wahrscheinlich gebunden.

Hervorzuheben ist eine knapp 50 cm lange »Stange« aus Eisen auf Rücken und Kopf des Bestatteten. Allerdings berührt sie den Schädel nicht, sondern liegt knapp über ihm. Aufgrund der unüblichen Körperlage handelt es sich nicht um eine reguläre Bestattung, könnte aber eine sog. Wiedergänger-Niederlegung darstellen.

BILD: Vermutlich ein „Wiedergänger“  – mit dem Gesicht nach unten und  mit einer Eisenstange durch die Brust fixiert (Foto: Klaus Bentele)

Derartige Wiedergängervorstellungen, denen zufolge die Rückkehr mancher Verstorbener als den Lebenden übel gesinnte Untote befürchtet wurde, waren im Frühmittelalter vor allem im slawischen Besiedlungsraum verbreitet, sind aber auch dem germanischen Gedankengut nicht fremd.

Die Bauchlage mit dem Gesicht nach unten sollte verhindern, dass der Tote zu einem Wiedergänger wurde, indem die Seele nicht aus dem Grab entweichen konnte beziehungsweise in die falsche Richtung geleitet wurde.

Im Falle der Bestattung von Theißen könnte der eiserne Gegenstand im Bereich des Rückens als eine zusätzliche Vorkehrung gedient haben, um das »Wiederkommen« zu verhindern. Es ist nicht auszuschließen, dass der Verstorbene mit Hilfe des durch die Brust getriebenen Gegenstands in der Erde fixiert wurde, die Eisenstange jedoch später zur Seite fiel.

Quelle für Text und Fotos: http://www.lda-lsa.de/aktuelles/meldung/datum/2017/10/11/merowingerzeitliche_graeber_bei_theissen_entdeckt/

 


Mons Vaticanus – antiker Friedhof der Christen und des hl. Petrus

Nicht nur der heilige Petrus fand seine letzte Ruhe am Mons Vaticanus, dem Vatikanhügel: Tausende von Männern und Frauen des Altertums sind auf dem antiken Friedhof beigesetzt, der heute unter dem Vatikanstaat liegt.

Rund ums Petrusgrab, also genau unter der Petersbasilika, stapeln sich  die Gräber fast übereinander –  schließlich wollten die frühen Christen möglichst in der Nähe des Apostels begraben sein.

Doch ein paar hundert Meter entfernt davon ruhen die sonstigen Bürger des alten Rom bis heute  fast ungestört.

Stefan Kempis von Radio Vatikan berichtet:

Oben: eine Tankstelle, ein Parkplatz, eine Mensa, ein Supermarkt, alles Teil des Vatikanstädtchens.  –  Untendrunter: eine andere Welt. Gräber aus der Zeit vor 2000 Jahren, wie kleine Häuschen längs einer Straße angelegt: die ältesten von 23 vor Christus, die „jüngsten“ aus dem Jahr 337.

„Die Ausgrabungsstätte Santa Rosa gehört zu einem viel größeren Bereich: Wir sind hier an der via triumphalis, die am Vatikanhügel entlangführte, und zu beiden Seiten gibt es Gräber. Teil einer Nekropole, die sehr wichtig ist, weil sie außerordentlich gut erhalten ist.“

Giandomenico Spínola ist Archäologe; in der Oberwelt leitet er die Antiken-Abteilung der Vatikanischen Museen. Aber sein Herz schlägt hier unten, in der Unterwelt des Vatikans.

„Schon in den dreißiger Jahren wurde hier gebuddelt“, erzählt er. Immer wieder gab es weitere Grabungen, 2004 setzte man dann den Spaten an, um  aus vielen verschiedenen archäologischen Zonen eine einzige zu machen. Wiedervereinigung unter Tage, auf fünfhundert Quadratmetern. Vierzig Grabhäuschen stehen hier, insgesamt zweihundert Grablegen zählten die Experten.

„Die Bedeutung dieser Ausgrabungen hat vor allem damit zu tun, dass in Rom die Monumentalgräber sehr gut erhalten sind: Das Mausoleum des Hadrian, das Grab der Cecilia Metella an der Via Appia. Das waren die Grablegen von römischen Kaisern oder von reichen Privatleuten. In unserer Nekropole hingegen findet man vor allem Verstorbene aus dem einfachen Volk. Und dazu gibt es in der Regel kaum schriftliche Quellen; hier lernen wir nun die Bestattungsgewohnheiten der mittleren und einfachen Bevölkerung kennen, der Sklaven und der Freigelassenen.“

Nicht nur in Rom  –  in ganz Mittelitalien gibt es keinen zweiten Friedhof dieser Zeit, auf dem sich Gräber von Menschen aus allen möglichen Schichten und Milieus finden.

In mehrfacher Hinsicht hatte die Nekropole von Santa Rosa Glück: Alles ausgräberische Interesse konzentrierte sich lange auf den prominenten Petrus, nicht auf die Unbekannten am Friedhofsrand.

Die von der Schweizergarde bewachten Vatikanmauern schreckten Grabräuber ab, wie sie anderswo in Rom und Latium bis heute gängig sind.

„Und dann hat auch noch ein Erdrutsch dafür gesorgt, dass diese Gräber ausgesprochen gut erhalten blieben: Wir haben wirklich alle Kultobjekte und alles, was die Römer damals für die Bestattungsriten verwendet haben, genau so gefunden, wie es vor zweitausend Jahren hiergelassen wurde!“

Wenn Giandomenico Spínola tun könnte, was er wollte, dann würde er überall graben: unter der ganzen Vatikanstadt. Er ist sich  sicher, daß er da fündig würde.

„Unter einem Großteil des heutigen Vatikans könnten wir mit dem Spaten in der Hand Spuren dieser Nekropole finden: Sie bedeckte ja praktisch den ganzen Teil des Hügels an der Seite des heutigen Stadtviertels Prati. Es ist also ein riesiges Gräberfeld. Das wissen wir, weil wir letztes Jahr eine Grabung mit den modernsten stratografischen Methoden durchführen konnten  –  dadurch haben wir viel substanziellere Daten über das archäologische Areal gewonnen.”

Stratografie ist die Untersuchung verschiedener Schichten. Wie eine Zwiebel läßt sich das unterirdische Rom heute noch schälen, immer ältere Schichten  treten dabei zutage.

Rom wurde nicht an einem Tag erbaut; wann immer es in Trümmer sank, wurde einfach oben auf den Trümmern neugebaut. Die Nekropole Santa Rosa unter dem Vatikan läßt sich besichtigen:

„Wir haben einen Besucherweg auf Laufstegen angelegt. Jeder, der kommt, kann die Nekropole von oben besuchen, man ist da außerordentlich nah dran.  Außerdem haben wir 11 Touchscreen aufgebaut; über sie kann der Besucher eine Rekonstruktion der Gräber sehen oder auch eine 3-D-Aufnahme, um sozusagen in die Gräber hineinzugehen und sich virtuell in ihnen umzusehen.“

Wer die Inschriften liest, dem treten Namen aus der Antike entgegen: Publius Cesilius Vittorinus zum Beispiel. Das war ein Römer aus dem 3. Jahrhundert, dessen Sarkophag ein Halbrelief ziert. Oder die Familie der Passiener, die in der Zeit des Nero und unter der Dynastie der Flavier lebte  –  zwei Altäre in ihrem Grabraum zeugen davon.

Einige Inschriften geben an, woher der Verstorbene kam, welchen Beruf er hatte. Einer war Briefträger, ein anderer kümmerte sich bei den Pferderennen im Zirkus um die Tiere, ein dritter war im Theater des Pompeius  –  das lag dort, wo heute der Campo de Fiori“ ist – für das Bühnenbild mitzuständig. Alcimus hieß dieser Mann, den ein etwas unbeholfenes Relief auf seiner Grabstele zeigt, Sklave des Nero und Zeitgenosse des Petrus: Zweitausend Jahre nach seinem Tod hat er für uns jetzt wieder ein Gesicht.

Quelle (Text/Foto): Radio Vatikan