Aerosol-Physiker: „Leute, raus aus dem Haus!“

Dr. Gerhard Scheuch ist einer der weltweit führenden Aerosol-Experten. Der Physiker wird ungehalten, wenn es um das Thema „Ausgangssperre“ geht. „Dieser Begriff suggeriert, dass es draußen gefährlich ist, aber genau das Gegenteil ist der Fall“. Corona sei ein Innenraumproblem.

An der frischen Luft sei die Infektionsrate mit unter einem Prozent verschwindend gering. Deshalb hält er auch nichts von der 15-Kilometer-Regelung, die greift, wenn eine Inzidenz von 200 überschritten ist. Er kann nicht verstehen, dass winterliche Ausflugsziele wie Winterberg oder der Hoherodskopf gesperrt werden. „Die Gefahr, dass sich Menschen draußen mit dem Coronavirus infizieren, ist extrem unwahrscheinlich.“

Scheuch wird nicht müde, sein Mantra „die Leute müssen an die frische Luft“ zu wiederholen.

Er ist enttäuscht darüber, dass das Positionspapier der deutschen Aerosol-Gesellschaft von der Regierung anscheinend nicht zur Kenntnis genommen wurde. Auch sei kein einziger Aerosol-Experte in den entscheidenden Gremien vertreten. „Es wird nur auf Virologen und Mediziner gehört“, kritisiert Scheuch.

Quelle und vollständige Nachricht hier: https://www.op-marburg.de/Landkreis/Ostkreis/Die-Leute-muessen-an-die-frische-Luft

HINWEIS. Wir haben bereits Anfang April vorigen Jahres gegen den dummen Dauerspruch „Wir bleiben zuhause“ angeschrieben: https://charismatismus.wordpress.com/2020/04/07/neues-deutsches-mantra-wir-bleiben-daheim-aber-nein-sich-regen-bringt-segen/


Am Nasenring der Kirchenveränderer

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern – also der Zusammenschluss der Diözesanräte – behandelte am 13./14. November die „Erfahrungen von Frauen in der Kirche“.

Das Impulsreferat hielt die Ordensschwester Sara Thiel. Ihre Ordensgemeinschaft gehört zu den „Niederbronner Erlöserschwestern“. Ihr Thema beim Landeskomitee der Katholiken war „Verletzungsgeschichten von Frauen in der Kirche“.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Am Ende steht ein eindeutiges Votum: Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern „fordert die volle Gleichberechtigung von Frauen“.

Man kann die Position der Kirche zur Frage der geweihten Ämter für Frauen von verschiedenen Seiten aufzurollen versuchen, auch von der emotionalen Seite.

Der CDU-Politiker Kurt Biedenkopf sprach 1973 mit Blick auf die 68er Kulturrevolution von einer „Revolution neuer Art: Es ist die Revolution der Gesellschaft durch Sprache… Sie besetzt Begriffe und damit die Information der freien Gesellschaft“. – Was den 68ern weithin gelungen ist, wird heute innerkirchlich versucht.

Die Ordensschwester Sara Thiel predigt, wie sie selber sagt,

„regelmäßig auch an Hochfesten, im Gottesdienst, ‚aber immer unter dem Damoklesschwert, dass es offiziell nicht erlaubt ist‘“.

Diese Nonne kennt also die römische „Instruktion zu einigen Fragen über die Mitarbeit der Laien am Dienst der Priester“ vom 15. August 1997. Dort heißt es:

„Daher muss die Homilie während der Eucharistiefeier dem geistlichen Amtsträger, Priester oder Diakon, vorbehalten sein. Ausgeschlossen sind Laien, auch wenn sie in irgendwelchen Gemeinschaften oder Vereinigungen Aufgaben als Pastoralassistenten oder Katecheten erfüllen… Deshalb ist nicht einmal der Diözesanbischof bevollmächtigt, von der Norm des Canons zu dispensieren.“ (Artikel 3, S. 21)

„Bei der Frauenfrage gehe es“ – nach Sr. Thiel – „nicht um Pragmatismus, sondern um eine theologische Grundsatzentscheidung, nämlich die, dass Frauen wie Männer Gottes Ebenbild seien.“

Was Johannes Paul II. am 22. Mai 1994 erneut in Erinnerung gerufen hat, nämlich: „Damit also jeder Zweifel bzgl. der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich Kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken, dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben,“ interessiert offensichtlich diese Ordensfrau nicht.

Sr. Thiel hat die üblichen drei Ordensgelübde versprochen, dazu gehört auch der Gehorsam. Wie glaubwürdig ist sie? Sara Thiel vertritt die Niederbronner Schwestern in der Initiative „Ordensfrauen für Menschenwürde.“ Diese setzt sich für die Zulassung von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern und Funktionen ein (Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt, Nr. 47, 22.11.2020, S. 11).

Die von Sara Thiel genannten Verletzungen lassen sich übrigens auch für Männer finden und belegen. Tatsächlich geht es bei der Frauenfrage nicht um Verletzungen, sondern um eine Machtfrage. Wird die Strategie geschickt wie bei diesem Treffen des Landeskomitees eingefädelt, z.B. mit dem Vorwurf der Verletzung oder Ungleichbehandlung von Frauen, lassen sich Gremien und Einzelpersonen am Nasenring vorführen.

Können von solchen Gremien wirksame Initiativen zur Neuevangelisierung erwartet werden?


Wirklich „synodal“ oder wichtigtuerisch?

Presse-Erklärung des ZpV (Zusammenschluß papsttreuer Vereinigungen):

Seit Luther gehört die Vorstellung synodaler Prozesse in der Kirche anscheinend zum Allgemeingut. Der von Jesus Christus offenbarte Glaubensschatz gelangte so in die Verfügungsgewalt von (Landes-)Kirchen, die als Recht mißbrauchen, das geoffenbarte Wort Gottes nach Belieben zu verändern, d.h. den zeitgeistdienenden Vorstellungen zu unterwerfen.

Das Wort des hl. Paulus: „Macht euch nicht mit dieser Welt gemein“ wird selbstherrlich umgemünzt in: „Ändert Gottes Wort, damit ihr in der Gesellschaft ankommt“.

Dieses Ankommenwollen ist auch in der katholischen Kirche mittlerweile so weit verbreitet, daß ein biblisch orientiertes Zitat keine Chance mehr hat, gehört und beachtet zu werden. Hat Luther denn nicht gesagt, daß nur gilt, was in der Bibel steht?

Der Name „synodaler“ Weg ist kirchenrechtlich und praktisch gesehen eine irreführende, ja hochstaplerische Bezeichnung. Viel mehr ist es statt eines Weges ein unfruchtbarer Kreisverkehr: jeder Beteiligte glaubt, wo seine Nase gerade hinzeigt, sei vorne. Nach dem Motto: „Wenn keiner mehr weiter weiß, bildet man einen Arbeitskreis“.  – „Wir wissen ja nicht genau, was wir wollen, aber das mit aller Kraft“.

Der synodale Weg ist Beschäftigungstherapie für Funktionäre, Konjunktur für Projekte zur Neu-Erfindung des Rades und für Wichtigtuer, die schon längst Geklärtes ohne Kenntnis der einschlägigen und verbindlichen Dokumente – einschließlich der Bibel –  wieder in Frage stellen, für Gremienfetischisten und Zeitdiebe – während „normale“ Christen ihre Berufung in Familie und Beruf wahrnehmen und für unfruchtbares Geschwätz keine Zeit haben.

Ein aufwendiges Unternehmen auf Kosten der Kirchensteuerzahler, die dies aus Überzeugung rundweg ablehnen, zumal einige Diözesen bereits Verwirrung und Frust nach mehrjährigen „Pastoralgesprächen“ verzeichnen.

Zu den Beteiligten dieses „Weges“ gehören, soweit öffentlich bekannt, auch Personen, die nach CIC § 194 usw. ihre kirchlichen Rechte „ipso iure“ verloren haben, etwa Menschen, die vom katholischen Glauben oder von der Gemeinschaft der Kirche öffentlich abgefallen sind, ohne dass der verantwortliche Bischof Maßnahmen ergriffen hätte und öffentliche Anschuldigungen vorliegen. Diese Menschen können in obigem Kontext nicht wirksam beraten!

Deshalb erklären wir: Sollten derartige Leugner von gültigen und verbindlichen Lehren über Glauben und Sitte irgendwie an synodalen Beschlüssen beteiligt sein, werden wir deren Gültigkeit mit allen verfügbaren rechtlichen Mitteln anfechten.

Bonn, 3. Dezember 2019, Fest des hl. Franziskus Xaverius
V.i.S.d.P. Reinhard Dörner, Vorsitzender


Beckingen: Pfarrei-Gremien setzen sich für den Verbleib von Pfarrer Eckert ein

Kürzlich haben wir in unserem CHRISTLICHEN FORUM über aktuelle Vorgänge in der saarländischen Pfarreiengemeinschaft Beckingen im Bistum Trier berichtet.

Bischof Stephan Ackermann möchte den  – offenbar eher konservativ orientierten  –  Pfarrer Christoph Eckert gegen dessen Willen versetzen, also zwangsversetzen.

Zugleich will der Bischof den kanonisch (kirchenrechtlich) installierten Pfarrer quasi seiner Leitungsvollmachten berauben und ihnborMedia1742201 zum Hilfsgeistlichen degradieren, obgleich seitens des Priesters keinerlei Verstöße gegen kirchliches oder weltliches Recht vorliegen.

Da Pfr. Eckert einer Versetzung widersprach, leitete der Bischof ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn ein.

Das rabiate Vorgehen des Trierer Oberhirten wirkt umso befremdlicher, als der Geistliche in seinen Pfarreien ebenso erfolgreich wie beliebt ist  –  und zudem noch im Dezember 2013 in sein Amt als leitender Pfarrer eines Verbunds mehrerer Kirchengemeinden eingesetzt wurde.

Auf einer Gemeindeversammlung in Beckingen wurden am 14. August diverse Solidaritätsaktionen für Pastor Eckert beschlossen – siehe hier: http://www.pg-beckingen.de/2014/08/14/unser-pfarrer-soll-bleiben-gemeinde-wird-aktiv/

Auch der Saarländische Rundfunk berichtete darüber: http://www.sr-online.de/sronline/nachrichten/panorama/zuspruch_fuer_beckinger_pfarrer100.html

Hier sprechen Gemeindemitglieder sich öffentlich per Video für den Verbleib ihres Pfarrers aus: https://www.youtube.com/watch?v=OEs1zwC96tY

Die Vertreter der Pfarrei-Gremien haben inzwischen zudem folgende Erklärung für ihren Pfarrer veröffentlicht:

STELLUNGNAHME zugunsten von Pfr. Christoph Eckert:

„Der Bischof von Trier, Dr. Stephan Ackermann, hat gegen unseren Pfarrer ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet. Logo Christustag

Nach offiziellen Verlautbarungen des Bistums wird dieses Verfahren damit begründet, dass Pfarrer Eckert dem Wunsch des Bischofs, die Pfarrstelle zu wechseln nicht nachkommt.

Der Wechsel, so das Bistum, sei aus pastoralen Gründen erforderlich. Zudem sei es ein normaler Vorgang, da Pfarrer Eckert schon länger als 10 Jahre in Beckingen seinen Dienst verrichte.

„Kirchenrecht: Kein Wechsel nach 10 Jahren“

Dieser Aussage widersprechen wir. Eine solche Regel, Wechsel nach 10 Jahren, ist im allgemeinen Kirchenrecht nicht vorgesehen. Pfarrer werden auf unbestimmte Zeit ernannt. Auch im Bistum Trier ist eine solche Praxis nicht grundsätzlich üblich.

Foto: E. Gründler

Foto: E. Gründler

Noch im Dezember 2013 wurde Pfarrer Eckert, im Zuge des Ausbaus der Pfarreigemeinschaft Beckingen, in den Pfarreien St. Mauritius Haustadt und St.Andreas/Himmelfahrt Reimsbach als Pfarrer eingeführt.

Diesen Gemeinden steht jetzt nach wenigen Monaten ein neuer Wechsel bevor, wenn der Bischof seinen harten Kurs beibehält. Das ist für die Gläubigen vor Ort inakzeptabel.

„Keine Gespräche mit den Gremien geführt“

Das Bistum führt pastorale Gründe für die Versetzung an. Man hat diesen ungewöhnlich harten Weg des Amtsenthebungsverfahrens eingeschlagen ohne auch nur einmal mit den gewählten Vertretern in den Gremien der Pfarreigemeinschaft über die Situation vor Ort zu reden.

„Die Ehrenamtsförderung ist ein Feld, in das wir besonders investieren wollen. Ohne die Ehrenamtlichen hat die Kirche keine Zukunft“, betont unser Bischof auf der Internetseite des Bistums Trier.

Angesichts dieser Vorgehensweise klingen diese Worte in unseren Ohren wie Hohn.

„Pfarrer ist kooperativ und kompetent“

In allen Gremien der Pfarreien, im pastoralen Alltag und insbesondere im Umgang mit der Jugend haben wir den Pfarrer als kooperativen und kompetenten Seelsorger kennen und schätzen gelernt.

Er ist den Menschen zugewandt und stets für unsere Sorgen und Fragen ansprechbar. Die schwierigen Aufgaben des kirchlichen Strukturwandels können und wollen wir mit diesem Pfarrer gerne angehen.

Als ehrenamtlich Tätige aus allen Gemeinden der Pfarreigemienschaft Beckingen sprechen uns im Auftrag der Gläubigen unserer Pfarreien dafür aus, dass unser Pfarrer Christof Eckert weiterhin in Beckingen seinen Dienst verrichten darf.

„Nicht über unsere Köpfe hinweg entscheiden“

Wir wehren uns dagegen, dass über unsere Köpfe hinweg entschieden wird und uns jeglicher Dialog vom Bischof verweigert werden soll.

Zur Klärung der Situation sind wir gerne bereit, nach Trier zu reisen, um mit unserem Bischof ins Gespräch zu kommen.

Wir sind der Überzeugung, dass er ein offenes Ohr für die Anliegen der Ehrenamtlichen haben sollte, die ihm nach eigenen Worten so wichtig sind.“

Quelle hinsichtlich der Gremien-Erklärung: http://katholon.de/?p=7210


Schweizer kath. Bischof Charles Morerod bemängelt Überfülle an Gremien, Räten und Kommissionen in der Kirche

Gut ein Jahr nach seiner Bischofsweihe hat der Oberhirte des westschweizerischen Bistums Lausanne, Genf und Fribourg (Freiburg), der Dominikaner Charles Morerod, eine kurze Botschaft veröffentlicht, in der er das Ausufern eines (an)wachsenden Gremien-Katholizismus kritisiert.  

Anlaß für seine Stellungnahme ist ein kirchlicher Künstler-Wettbewerb für das Gestalten einer grauen Mauer im Innenhof des Bischofssitzes (das Foto zeigt den Bischof vor dieser Mauer). Eingeladen sind alle Künstler(innen) unabhängig von Herkunft und Religion.

Hier folgt die Stellungnahme des Bischofs mit dem Titel „Raus aus den Mauern“  im vollen Wortlaut:eveque-mur-3ff0ce6f

Bischofs-Botschaft: „RAUS AUS DEN MAUERN“

Ein Jahr ist es nun her, dass ich zum Bischof geweiht wurde. Ich war gekommen, weil ich mein Leben Gott geweiht habe, aber meine Begeisterung für diese neue Aufgabe hielt sich in Grenzen.

Aber das, was ich gefunden habe, ist viel schöner, als ich es mir je vorstellen konnte: So viele Menschen, die den Glauben mit Freude und Enthusiasmus leben und weitergeben, ohne Probleme zu verstecken. So viele Menschen halfen mir beim Sprung ins kalte Wasser. Ich bin meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr dankbar für das mir entgegengebrachte Vertrauen und die gute Zusammenarbeit.

Eine Gemeinschaft von Menschen zu unterstützen, in deren Herzen Gott auf vielerlei Weise wirkt, ist eine wunderbare Aufgabe und ich bin glücklich, dass sie mir übertragen wurde.

Meine Sorge ist die Last unserer Strukturen

Wenn ich eine Sorge ausdrücken darf, die mich umtreibt, dann ist das die Last unserer Strukturen. Ich bin Mitglied von 24 verschiedenen Kommissionen und Räten (acht davon ökumenisch), mit oft unverständlichen Bezeichnungen. Wenn das nur mich beträfe, würde es mich nicht weiter beunruhigen; aber in verschiedenem Masse sind sehr viele davon betroffen. Es ist gut, dass es Beratungsorgane gibt.

Doch ihre Vielzahl führt dazu, dass wir uns immer in den gleichen Zirkeln aufhalten. Dabei bräuchten wir auch Zeit, uns über diese engen Kreise hinaus zu bewegen. Ich träume manchmal von einem Bibelwort aus der Apostelgeschichte (15,28): „Der Heilige Geist und wir selbst haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge…“ Gut, vielleicht sollte ich eine Kommission zur
Reduktion der Strukturen einsetzen ☺

Ich sagte es bereits: Die Gemeinschaft der Gläubigen zu unterstützen ist eine wunderbare Herausforderung. Aber es gibt noch eine andere und noch schönere Aufgabe: diese Gemeinschaft jenen anzubieten, die sie noch nicht kennen. Vor zwei Monaten eröffnete Papst Benedikt XVI das Jahr des Glaubens. Täglich dürfen wir uns freuen, diesen Glauben auch ausserhalb unserer eigenen Kreise zu bezeugen. Manchmal sollten wir unsere „Ghettos“ verlassen. Bringen wir Gott auch jenseits dieser Mauern ins Spiel.

Zur Verdeutlichung dieses Appells, die Kirche aus ihren Mauern zu befreien, eröffne ich einen Wettbewerb zum Thema „Raus aus den Mauern“. Er lädt alle interessierten Künstlerinnen und Künstler ein, ob katholisch oder nicht, hierzu eine Arbeit auf einer Mauer zu realisieren, und zwar der Mauer des Innenhofs des Bischofssitzes.

Weitere Informationen zu diesem Projekt finden Sie auf unserer Homepage http://www.diocese-lgf.ch/de/medien/wettbewerb.html.

Ihnen allen wünsche ich einen guten Advent.
Freiburg, 11. Dezember 2012
Charles Morerod
Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg

Quelle:
Bischöfliches Ordinariat Lausanne, Genf und Freiburg
Rue de Lausanne 86, Postfach 512, CH–1701 Freiburg
Mail: info@diocese-lgf.ch  –  HP: http://www.diocese-lgf.ch

Dilemma des PRIESTERs heute: zermürbt zwischen Bischof und Rätesystem

Unter dem Titel „Kriminaltango – Der deutsche Klerus und sein Totentanz“ veröffentlichte Pfarrer Dr. Guido Rodheudt (siehe Foto) im „Vatican-Magazin“  (Nr. 1/2012) einen klarsichtigen Artikel über die besorgniserregende Situation der Priester heute.

Wir veröffentlichen hier diese treffsichere Analyse:

Monsignore Mühlich und Bischof Hemmelrath sind das, was sich ein klischeeorientiertes Fernsehpublikum von Bischöfen und ihren Sekretären wünschen.  Pfarrer Dr. Guido Rodheudt

Der Bischof ist ergraut und erhaben, in jedem Fall realitätsfremd, und sein Sekretär ist ein Intrigant. Beide Hauptrollen sind diesbezüglich in der deutschen Krimiserie „Pfarrer Guido Braun“ treffsicher besetzt.

So wie alle Bischöfe und Sekretäre in den Fernsehserien, von „Father Brown“ über „Don Camillo“ bis hin zu jenem auf Usedom exilierten bayerischen Pfarrer, unnachahmlich dargestellt von Ottfried Fischer, dessen bloße Erscheinung schon jede nordlichternde Brise bischöflicher Strafandrohungen gemütsberuhigt hinwegbarockisiert.

So wie hier sind die auf der Schleimspur den Bischöfen liebedienernden Sekretäre die regelmäßigen Antipoden der priesterlichen Protagonisten. Letztere zeichnen sich vor allem durch zwei Dinge aus: sie sind unkonventionell in ihrer Wahrnehmung und methodisch unorthodox.

Von Bischöfen und ihrem Umfeld

Heute würde man sagen: in ihnen verbinden sich Führungsfreude, Methodenklarheit und Realitätssinn. Deswegen werden sie von den Sekretären auch nicht gemocht. Denn diese sind mit sich selbst und mit den von ihnen erdachten Strukturen beschäftigt. Sie flüstern ihren Oberhirten gerne Halbwahrheiten zu und versuchen, den wackeren geistlichen Sympathieträgern die Wasser der bischöflichen Zuneigung abzugraben, sobald die Bischöfe altersmilde werden und in ihrer rügenden Machtpose einzuknicken drohen.

Am Ende des inszenierten David-Goliath-Ringens siegt dann jedoch letztlich der listige Nonkonforme. Einmal wegen der mangelnden Spannkraft seiner Gegner, meist auch wegen ihrer Dummheit, in jedem Fall aber wegen der Beharrlichkeit der detektivisch oder sonstwie ungewöhnlich selbständig arbeitenden Priester.

Diese geradezu tugendhafte Ausdauer wird gespeist aus dem Willen, sich von nichts und niemandem aus der Ruhe dessen bringen zu lassen, der weiß, daß er auf dem rechten Weg ist.

Besuche im Bischofshaus, zu denen die Camillos, Browns oder Brauns recht regelmäßig geladen werden, sind zwar immer irgendwie unangenehm, aber letztlich gehen die Zitierten siegreich aus ihnen hervor.

Insofern sind die Begegnungen mit ihren Bischöfen nicht repräsentativ für die realen Erfahrungen im deutschen Klerus.

Unter die Räder der Demokratie geraten

Denn die Zeit ist über die Klischees der romanhaften Priestergestalten hinweg gegangen. Die blasierten Bischöfe und ihre schleimigen Sekretäre sind anderen Phänotypen gewichen. Auch die Don Camillos und Father Browns existieren nur noch zwischen den Buchdeckeln. Die Zeiten und die Kirche in ihnen sind anders geworden.

Das Selbstverständliche im Amtsverständnis des Priesters ist unter die Räder der Demokratie geraten. Deswegen ist auch der Abweichler odKIGer der Nonkonformist nicht mehr unmittelbar auszumachen.

Schon im Priesterseminar weist man den Alumnen keinen eindeutigen Ort mehr zu. Sind sie nun wirklich herausgenommen aus der Masse der Gläubigen, etwas zu tun, was sie ohne Berufung und Weihe nicht tun könnten? Gibt es noch den alten Quantensprung zwischen Laien und Priestern, der durch Handauflegung und Gebet des Bischofs aus einem Mann jemanden macht, der schier unglaublich und zutiefst Heiliges zu tun vermag, obwohl er dazu völlig unwürdig ist? Braucht man noch einen Mittler, dessen ganze Kraft nicht seine Kraft ist? Die Antwort lautet: nein!

Denn dort, wo einst magisch anmutende Vollzüge die Sorge um den ewigen Tod der Seele zu nehmen vermochten, sind heute diese Fragen mit einer allumfassenden Heilsgewißheit beantwortet. Man braucht weder Medizinmann noch Priester, man braucht Psychologen und Lebensbegleiter.

Infolgedessen entspricht auch der deutsche Bischof keineswegs dem Stereotyp des gutmütigen Großvaters oder des virilen Würdenträgers. Er ist Top-Beamter.

Und sein serviler Sekretär ist ein mit den Wassern des Managers gewaschener Smartphonebenutzer. Er regiert zwar immer noch hinter den Kulissen, allerdings nicht mehr durch Einflüsterungen, sondern mittels Statistiken.

Er ist auch eigentlich gar keine Person mehr, sondern ein Stab, ein Team von Kirchenverwaltern, die ihre Regierungsgeschäfte mittels Beraterfirmen absichern. Was für Aldi gut ist, ist für die Kirche billig. „

Zusammenlegung jetzt!“ – wie sich doch die alte Stammheimparole wandeln kann! Das Heil liegt in den Strukturen. Sie werden es richten, sie sind die Form für die neue Kirche und ihres Allgemeinen Priestertums.

Statt trotz des Mangels den Priestern als Hirten vergrößerte Pfarreien zuzuordnen, soll der Priester Teamspieler in den Pastoralräumen sein. Das Team besteht aus einer Gruppe von aus- und fortgebildeten Angehörigen des „pastoralen Personals“.

Im Neu-Sprech der Strukturarchitekten der Bischöflichen Ordinariate sind damit Priester, Diakone und Laien im hauptamtlichen Pastoralen Dienst gemeint. Hinzu kommt im Team – je nach Härtegrad der Strukturreform in einem Bistum – ein Anteil von ehrenamtlichen Laien, die als gewählte Vertreter aus den Pfarreien (neu: „Gemeinden“) auch zur „Mitarbeit in der Seelsorge“ oder gar „in der Leitung“ berufen sind.

Damit ist das synodale Equipment für den Einsatz im „Seelsorgebezirk“, im „Pastoralraum“, in der „Gemeinschaft der Gemeinden“ oder in der Megafusionspfarrei bestellt.

Wie geht es nun dem Priester? Er ist zweifelsohne (noch) da. Aber er ist weder eine persona sacra, noch ein mit Leitungsvollmachten ausgestatteter Mystagoge. Seine Verantwortung ist ihm entzogen. Er braucht sich weder über die Seelen, noch um sein Auskommen zu sorgen. Alles ist synodal abgestützt, gremial verkorkt und kirchensteuerlich ausgestopft.

Profilklau bei den geweihten Priestern

Es braucht für den Priester keine besondere Kleidung, kein anderes Leben. Wenn überhaupt, ist er der vorbildhafte Gutmensch. So wie Jesus, der uns die Regeln gezeigt hat, durch deren Beachtung man Konflikte vermeidet oder löst, Ungerechtigkeiten beseitigt und gewaltfrei leben kann. Diese Regeln sind jederzeit auf die Zeit übertragbar und anpaßbar.

Im Sinne Jesu ist deswegen im Jahre 1911 Pünktlichkeit und Anstand und einhundert Jahre später Mülltrennung und Kauf von fair gehandelten Produkten angesagt. Um das zu gewährleisten, sitzen alle in einem Boot.

Gegenwärtige Pastoralkonzepte in den deutschen Diözesen überschlagen sich zuweilen mit der Beteuerung, daß das Entscheidende für die Kirche der Zukunft, die Teilnahme aller Gläubigen am Allgemeinen Priestertum sei. So habe es das Zweite Vaticanum, Haupt und Mutter aller Konzilien, vermeldet.

Daß jedoch nach der dort formulierten Auffassung die Gläubigen „ihr Priestertum im Empfang der Sakramente, im Gebet, in der Danksagung, im Zeugnis eines heiligen Lebens, durch Selbstverleugnung und tätige Liebe“ (II. Vat. LG 10) und nicht durch Profilklau bei den Angehörigen des Weiheamtes ausüben, ist mittlerweile im Nebel der Deutungsgeschichte des Pastoralkonzils verschwunden.

Also muß sich die Wirklichkeit priesterlicher Existenz mit dem Umstand abfinden, daß es den Priester in der klassischen Sicht nicht mehr braucht. Wenn, dann braucht es ihn als „Moderator“, als „Vorsteher“ oder als „Koordinator“, aber es braucht ihn nicht mehr als Hirten („pastor“) und schon einmal gar nicht als Vicarius Christi.

Denn damit man „am Ort auch künftig Menschendienst und Gotteslob praktizieren kann“ (Leitlinien der Pastoral im Bistum Aachen, S. 5), ist die persona sacra nur von mittelbarer Bedeutung. Wer will, kann auch ohne Priester selig werden.

Dies belegen die vielfach ohne wirkliche Not flächendeckend praktizierten Wortgottesfeiern, die – je nach Landstrich und Reformeifer des Bischofs – schon mindestens einer Generation den Wert und den Sinn der Hl. Messe und damit die Sehnsucht nach dem für sie konstitutiven Priester aberzogen haben.

Folglich schwindet auch das Bewußtsein für den Wert des Priestertums. An seine Stelle tritt anderes hauptamtliches „Pastoralpersonal“ aus Laien. Sie können und tun (fast) alles, was der Priester tut: Reden, Erziehen, Predigen, Beerdigen, Gremien leiten, Prozesse initiieren. Denn: „Alle in der Kirche haben Anteil am Heiligen, Lehren und Leiten“ (Leitlinien der Pastoral im Bistum Aachen, S. 8).

Aha! Also ist der Priesterberuf nur noch etwas Zeremonielles? Nein, auch hier haben die Laien nachgerüstet: sie dürfen Gottesdienste feiern und andere paraliturgische Funktionen ausüben. Wozu sehnt sich die Feuerwehr denn dann noch nach einem Priester zum Segnen des neuen Einsatzfahrzeugs, wenn die Mitarbeiterin in der Notfallseelsorge es auch kann?

Und wozu machen sich immer noch eine Reihe unverdrossene junge Männer auf den Weg zur Priesterweihe, die sie am Ende mit hohen Ansprüchen und Einschränkungen beglückt, wenn deren einzige Begründung, nämlich einen zum zentralen Kult, zur kirchlichen Verkündigung und zur Leitung der Gläubigen notwendigen Amtsträger zu erschaffen und auszurüsten, in der Wirklichkeit des kirchlichen Alltags durchgängig bestritten wird?

Eigentlich kaum zu verstehen. Aber hier sind wahrscheinlich die schismatischen Verwerfungen in der deutschen Nationalkirche noch nicht manifest genug, damit man diese Schizophrenie einsieht.

So weit nun die Auswirkungen der ins Strukturelle hinein mutierten Sekretärsallüren. Was aber ist mit den Bischöfen? Auch sie agieren gerne und vornehmlich als Konferenz. Da wo sich Bischof Hemmelrath hinter dem Schreibtisch verschanzt, verbergen sich die deutschen Oberhirten hinter Kommissionen und einem Ständigen Rat. Und dieser wiederum erfreut sich einer stabilen Dompteursgenossenschaft, die ihm sagt, wie die Welt funktioniert.

Egal ob in Bildung, Katechese, Jugendpastoral, Pfarreiseelsorge, Mißbrauchsdebatten, Neuevangelisierung, Liturgie, Strukturreformen, Kirchensteuerfragen oder beim Versuch einer scheinbar notwendigen Entwelt(bild)lichung sind sie selten dabei zu beobachten, wie sie aus eigenem Antrieb und mit der Glaubwürdigkeit des erfahrenen Hirten, der sich schon vor seiner Beförderung zum Oberhirten die Schwielen des mühsamen Hütens und Leitens zugezogen hat, das Heft für ihre Herde in die Hand nehmen. Statt dessen befleißigen sie sich der Arbeit von Pressesprechern, die die Sekretariatsentwürfe zur Zukunftsfähigkeit wie prosperierende Aktien feilbieten.

Wenn das Synodale das Sakramentale ablöst

Niemand weiß, wohin die Reise des Strukturwandels in Deutschland gehen wird. Aber man hat sich entschieden, die Leinen loszumachen und ins offene Meer hinauszusegeln.

Das einzige, was als Sicherheit bleibt, ist das Wissen um die Zeitgeistkompatibilität des Reformismus: streng demokratisch, synodal und antihierarchisch, optimistisch gegen jedes Strukturlamento und vor allem „zukunftsfähig“.

Dabei ist gerade das Letztere eine der gefährlichen Vermutungen, an denen schon viele Systeme gescheitert sind, die den Kern ihrer Botschaft vergessen oder verleugnet haben. Denn zukunftsfähig ist nur eine herkunftsgewisse Reform. Und das ist die Reform der Pastoralstrukturen in Deutschland am wenigsten.

Alles, was sie zu bieten hat, sind die nach dem Vorbild der Bildungsreform angestoßenen Evaluationsprozesse zur Analyse des Ist- Zustands. Darin stellt man fest: weniger Priester, weniger Gläubige, weniger gesellschaftliche Akzeptanz und vor allem: weniger Geld!

Woraufhin eine auf diese Faktenlage amorph reagierende Strukturdebatte anhebt, in der völlig unklar bleibt, was nun Kirche ist und was nicht, was folglich der Priester ist und was nicht und was die Aufgabe der Laien sein soll. Ende vom Lied sind allerorten bischöflich abgesegnete und mit dem ganz großen Tamtam partikularer Normen, Dekrete und Anordnungen aufgezogenen potemkinschen Kulissen einer „zukunftsfähigen“ Kirche vor dem Hintergrund einer sterbenden Volkskirche mit Pfarreien, die keine mehr sein können, weil sie zu aus fünfstelligen Seelenzahlen bestehenden Pastoraluniversen aufgeblasen wurden.

Zurück bleibt eine neue Kirche mit Priestern, die in diesen Räumen nur noch auf marginalen Umlaufbahnen vorbeischwirren, um „Eucharistie sicherzustellen“, Berufskatholiken, deren profilneurotische Amts- und Chefsesselbegierde mit allerlei neuen Erfindungen befriedigt wird, wenn man ihnen Jobs wie „Gemeindeleitung im Team“, „Koordinator in der Seelsorge“, „Wortgottesdienstleiter“ oder Mitgliedschaften in „Leitungsorganen“ wie dem Aachener Modell eines pastoralen Politbüros mit dem sowjetoiden und in schönstem DDR-Genitiv formulierten Namen „Rat der Gemeinschaft der Gemeinden “ anbietet.

All das entwickelt sich ungebremst hin zu einer protestantischen Form christlicher Gemeinschaft, in der das Synodale das Sakramentale ablöst. Bei den Bischöfen, die sich bei aller Vielbeschäftigung des Reisens und Repräsentierens den Optimismus trotz der gegenwärtigen volkstürmischen Untergangszeiten nicht nehmen lassen mögen, ist das offenbar kein ernstzunehmendes Problem.

Weshalb sie auch geflissentlich immer dann weghören, wenn der Papst mehr als einmal und mit erstaunlicher Deutlichkeit davor warnt, auf den Priestermangel mit Methoden zu reagieren, die am Ende den Priester überflüssig machen. So am 16. März 2009 bei seiner Ankündigung des Internationalen Jahres des Priesters:

„Die Zentralität Christi bringt die richtige Wertung des Amtspriestertums mit sich, ohne das es keine Eucharistie und erst recht keine Sendung, ja selbst die Kirche nicht gäbe. In diesem Sinne ist es notwendig, darüber zu wachen, daß die »neuen Strukturen« oder pastoralen Einrichtungen nicht für eine Zeit gedacht sind, in der man ohne das Weiheamt »auskommen« muß, wobei von einem falschen Verständnis der rechten Förderung der Laien ausgegangen wird. In diesem Fall würde man nämlich die Voraussetzungen schaffen für eine noch größere Verwässerung des Amtspriestertums, und die angeblichen »Lösungen« würden sich in dramatischer Weise decken mit den eigentlichen Ursachen der gegenwärtigen Problematiken, die mit dem Amt verbunden sind.“

Strukturen regieren, nicht Bischöfe

Auch in der nüchternsten Betrachtung muß man sich nach diesen päpstlichen Warnungen im klaren sein, daß die Deutschen Bischöfe in ihrer Mehrheit wenig bis nichts davon in ihre Strukturreformen einbezogen haben. Denn aus denen spricht landauf landab nichts von der Wertschätzung der Notwenigkeit des Priesters.

Und folglich stimmt auch das Verhältnis der Bischöfe zu ihren Priestern in den seltensten Fällen. In der Regel sind die Bischöfe für ihre Priester nicht oder nur mit Mühe erreichbar.

Die Zeiten Don Camillos sind lange vorbei. Guaresci müßte seinen Roman um- und den Bischof rausschreiben. Ihn gäbe es nicht. Wozu auch?

Die wahren Entscheidungsorte sind auf einer anders Ebene. In den Bistümern sind das die Diözesangremien und die hinter ihnen agierenden Bistumstheologen und Ordinariatsmitarbeiter.Personelle Querverbindungen und Seilschaften zu „Kirche von unten“ oder zur „KirchenVolksbewegung“ sind zuweilen offene Geheimnisse. Dementsprechend stark ist die Laienlobby, die schon rein zahlenmäßig dem Priester und seinem Stand überlegen ist.

Die strukturellen Veränderungen, die den Priester durch eine neue Verfassung des kirchlichen Lebens – zum Teil in offenem, zum Teil in subkutanem Widerspruch zum geltenden Recht – marginal bis überflüssig machen, werden nicht von den Bischöfen ersonnen, sondern von ihren Referaten, die in erster Linie dazu da sind, kirchliche Wirklichkeiten zu entwerfen, in denen sie selbst niemals werden arbeiten müssen.

Unter dem euphemistisch bis zynischen Stichwort der „Kooperativen Pastoral“ wird suggeriert, in Zeiten zurückgehender personeller und materieller Ressourcen, sei die Neubewertung der Rollenverständnisse das Gebot der Stunde. Damit aber verläßt die Kooperative Pastoral den Boden des Pragmatischen und bekommt einen deutlich reformatorischen Charakter.

Es geht um eine neue Kirche, in der alle Priester sind und in der nicht mehr der Kult, sondern eine „Pastoral“ Mittelpunkt ist, hinter der sich nichts anderes als ein flaches und religiös verbrämtes bürgerschaftliches Engagement verbirgt.

Es entspricht der Neuen Welt der Kooperativen Pastoral, daß Priester im Gesichtsfeld der Bischöfe nicht mehr wirklich vorkommen. Schon in den Werbeorganen der meisten Diözesanstellen für Geistliche Berufe   –  heute: „Informationsstellen Berufe der Kirche“  –  rangiert der Priester irgendwo zwischen Ärzten, Krankenschwestern, Lehrern, Gemeinde- und Pastoralreferenten als der Beruf mit dem unklarsten Profil.

Was soll man dem jungen Interessenten über seine künftigen Aufgaben im “Pastoralraum“ sagen? Wird er jemals die Dimensionen seiner Weihevollmachten ausüben können. Wird er m.a.W. jemals ohne demokratische Legitimation Hirte sein können? Nein, sicher nicht!

Entsprechend mager sind auch die Anmeldezahlen in den Priesterseminaren. Als Gradmesser für den Stand der Begriffsverwirrung kann ohne weiteres gelten, daß die Priesternachwuchszahlen desto besser sind sind, je klarer ein Bischof sich für die Berufungen vor und nach der Weihe engagiert und je besser die Aussichten für den Kandidaten sind, später als Priester in all seinen Wesenzügen gefordert zu sein und nicht nur als „Sakramentenkasper“.

Hinzu kommt die Nähe des Bischofs zu seinen Priestern. Dort, wo der Bischof ein Ohr und Zeit für seine Priester hat – und zwar auch ganz individuell – ist es auch um den Priesternachwuchs besser bestellt. In der Regel aber ist es anders.

Beispiel: Bischöfliche Visitationen. Klitzekleine feigenblatthafte Zeitfenster werden hier für persönliche Gespräche zwischen Bischof und Priester eingeräumt. Den Löwenanteil an Zeit investiert man für Spaziergänge durch die Gremienlandschaft. Dialog gilt weniger für´s Vis-à-vis der Einzelnen als für die Gruppe.

Priester unter Generalverdacht

Wäre es anders, gäbe es die wirkliche Sorge der Deutschen Bischöfe in ihrer Mehrheit um ihre Priester, wären spontane Begegnungen zwischen Priester und Bischof nicht nur für jene Fälle reserviert, wo Priester alkoholkrank geworden sind oder Kinder gezeugt haben, dann wäre es auch sicherlich nicht zu jenem Husarenritt der Deutschen Bischofskonferenz gekommen, ihre Priester innerhalb eines kriminologischen Forschungsprojekts methodisch unter den Generalverdacht des sexuellen Mißbrauchs zu stellen und damit den wilden Tieren eines hysterisierten Öffentlichkeitszirkus ausgerechnet jenen Teil ihres „Pastoralpersonals“ vorzuwerfen, um den sie sich bis auf wenige rühmliche Ausnahmen sonst so gut wie nicht kümmern.

Nur ein geradezu pathologischer Mangel an Erdhaftung und die Unkenntnis der Gesetze medialer Strukturen kann hier dazu geführt haben, daß sich die Prälaten von den Ideengebern aus dem Umfeld des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz die Öffnung der Personalarchive und sogar der Bischöflichen Geheimarchive, die zum Schutz der Person strengster kanonischer Versiegelung unterliegen, als einen Freispruch vom Generalverdacht des sexuellen Mißbrauchs von Minderjährigen haben verkaufen lassen.

Daß damit unversehens die Spitze des Mißverhältnisses von Priestern und Bischöfen erreicht ist, haben sie offenbar nicht gesehen, was umgekehrt genau dies bestätigt: es gibt keinen Korpsgeist mehr im deutschen Klerus! Die Verwässerung der Sakramentalität der Kirche und die faktische Verbrennung des katholischen Priestertums auf den Altären einer synodal weichgespülten Wir-sind-Kirche-Reformation haben dafür gesorgt, daß das Immunsystem eines funktionierenden kirchlichen Organismus vollends zusammengebrochen ist.

Wo in den Zeiten des Nationalsozialismus und der moralischen Schauprozesse gegen Priester die Bischöfe sich generaliter hinter ihren Klerus stellten und damit auch eine Geschlossenheit in den Reihen der Gläubigen bewirkten, sind es heute die Bischöfe selbst, die die Priester solitär unter Absehung von allen anderen „kirchlichen Berufen“, die sie dem Forschungsvorhaben merkwürdigerweise nicht aussetzen, inkriminieren. Sieger sind in jedem Fall jene Kräfte aus dem Vorzimmer, die schon dem klassischen Filmpriester von Father Brown bis Don Camillo das Leben schwer gemacht haben.

Anders als dort arbeiten sie allerdings offenbar nicht nur an der Behinderung einzelner Priester, sondern gleich an der Vernichtung eines ganzen Standes.

Der Kriminaltango, den die Deutschen Bischöfe von ihren Klerikern durch das Forschungsprojekt zum Kindesmißbrauch auf öffentlicher Bühne zu tanzen verlangen, ist dabei kein Sonderfall. Im Gegenteil!

Er fügt nur dem Tanz auf dem Vulkan einer priesterfeindlichen Heterodoxie eine neue Spielart hinzu, passend zum Totentanz, den der deutsche Klerus schon seit langem vollführt.

Einzige Rettung: die Standfestigkeit des Pfarrers Guido Braun gegen Monsignore Mühlich. Sie allein wird vielleicht Bischof Hemmelrath überzeugen, daß er den Rezepten aus seinem Vorzimmer nicht länger blind vertrauen darf.

Quelle: Newsletter des Netzwerks katholischer Priester

Wir empfehlen zu diesem Themenfeld das fundierte Buch des Kirchenrechtlers Dr. Wolfgang Rothe, das wir hier rezensiert haben:

https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/24/keine-pastoral-ohne-pastor/