Weihbischof Andreas Laun warnt vor den absurden Botschaften „Die Warnung“

In einem Teil des erscheinungsbewegten Lagers dürfte die heutige Nachricht wie ein Blitz einschlagen:

Weihbischof Andreas Laun aus Salzburg hat sich nun öffentlich gegen die seit Jahren verbreiteten Botschaften namens „Die Warnung“ gestellt und diese unzweideutig zurückgewiesen. 

Diese kirchlich nicht anerkannten Privatoffenbarungen gehen auf eine „verborgene Seherin“ aus Irland zurück, die sich himmlischer Visionen rühmt, dabei aber anonym agiert und als „Maria von der göttlichen Barmherzigkeit“ firmiert.

Die Klartext-Stellungnahme Launs wurde von der katholischen Monatszeitschrift „Kirche heute“ veröffentlicht.

Unter dem Titel „Warnung vor der Warnung“ verbreitet das erscheinungsgläubige Nachrichtenportal „Kath.net“  diese geharnischte bischöfliche Erklärung heute ebenfalls.

Dies ist freilich nicht ohne Brisanz, denn Bücher mit den gesammelten Botschaften der „Warnung“ werden seit langem vom Internetbuchhandel „Kath.shop“ verbreitet, einer Nebenabteilung von „Kath.net“. 

Eben dies haben wir im CHRISTLICHEN FORUM mehrfach beanstandet  –  bereits im Vorjahr.

Doch unsere wohlbegründete Sachkritik, auch die Bemühungen engagierter und bodenständiger Katholiken, stießen bei „Kath.shop“ bislang auf taube Ohren.

Weihbischof Laun stellt in seiner Stellungnahme fest, daß „manches“ aus den Warnungs-Botschaften „nicht der Lehre der Kirche entspricht“: 

„Dass „Gott Vater“ mit den „Hierarchien des Himmels“ die Schlacht von Armageddon schlagen werde, schmeckt nach „Herr der Ringe“ und nicht nach einer Privat-Offenbarung, die die Kirche anerkennen wird! 

Abstrus ist die Mitteilung Jesu, dass er jetzt mehr, sogar doppelt so schwer leide als im Laufe seiner Passion  –  derselbe Jesus, von dem die Kirche lehrt, dass er „zur Rechten des Vaters“ sitzt?

Lächerlich ist die Botschaft, die „Vorbereitungen“ für das 2. Kommen Jesu seien „in vollem Gange  –  als ob es sich um einen Feldzug oder eine große Reise handeln würde, die Jesus erst „vorbereiten“ müsste!

Zudem gibt es eine Reihe von „No-na“ Botschaften wie etwa: Wer treu ist, kommt in den Himmel! Oder dass wir einen freien Willen haben, dass Gott uns auch in schweren Zeiten liebt, dass die Kirche niemals „untergehen“ wird und anderes dieser Art! Lauter „Botschaften“, die ein Katholik längst weiß!“

Außerdem beanstandet Weihbischof Laun die „Angstmache“ in den Warnungs-Botschaften. Auch das Stichwort „Panikmache“ ist einer unserer Kritikpunkte seit langem.

Zuletzt versichert der prominente Kritiker: „Wenn ich wollte, solche „Offenbarungen“ könnte ich jeden Tag auch erfinden!“


Die „Große Warnung“ und Garabandal

Nach 5 Jahren macht wieder eine „Warnung“ die Panik-Runde

Von 1961 bis 1965 soll die Gottesmutter in der spanischen Ortschaft Garabandal vier Sehermädchen erschienen sein. Diese Privatoffenbarung ist  – wie die meisten „Erscheinungen“  –   kirchlich nicht anerkannt.

Manche Vorgänge von damals erinnern an charismatische Phänomene: etwa das schnelle Rückwärtsgehen der Visionärinnen während  der „Erscheinungen“   –   sie konnten in ihrer Ekstase sogar hohe Treppen rückwärts (!) besteigen. Die „Seherinnen“ kündigten damals eine „Große Warnung“ an, die der Himmel vor dem Beginn eines göttlichen Strafgerichts senden werde.

50 Jahre nach Erscheinungs-Beginn ist der unermüdliche Garabandal-Fanclub wieder am endzeitlichen Rotieren, was man auch im Internet vielfältig nachlesen kann.

Anfang März 2011 wurde auch mir aus diesem Spektrum eine Warnung vor der „Großen Warnung“ zugeleitet, die als eine Art Auftakt zu göttlichen Strafgerichten zu verstehen sei etc.  –  In dem Rundmail hieß es:

Eine neue verborgene Seherin in Europa behauptet, dass sie seit November 2010 göttliche Offenbarungen und Prophezeiungen sowohl von der Jungfrau Maria als auch von Ihrem geliebten Sohn Jesus Christus durch Einsprechungen erhalten hat. Die Botschaften sind in einer neuen Webseite enthalten, die heute (1. März 2011) unter dem Namen „Die Warnung  –  Zweites Kommen“ (www. thewarningsecondcoming.com) gestartet ist,

Die Botschaften sind eine Mischung christlicher Lehren und Prophezeiungen in der Hinführung zum Zweiten Kommen Jesu. Sie konzentrieren sich auf „Die Warnung“, einen Akt der Barmherzigkeit Gottes, der sich in Kürze ereignet, obwohl kein Datum angegeben wurde.

Allen in der Welt, die über sieben Jahre alt sind, werden ihre Sünden gezeigt, so dass sie voll bereuen können und vor dem Letzten Tag des Gerichts umkehren können. Es ist unerlässlich, sagt die Seherin,, dass die Menschen sich für die Warnung vorbereiten; denn das Ereignis wird so schockierend sein, dass manche den Schock nicht überstehen können und als Resultat in Todsünde sterben könnten.“

Soweit dieser Unfug, der es auf emotionale Panikmache und Untergangsstimmung abgesehen hat, ohne dabei notwendige biblische Leitlinien zu beachten.

Dabei kam es schon vor 5 Jahren zu einer ähnlichen Ankündigung der „Großen Warnung“, die damals  Anfang Januar auch im „Schwarzen Brief“  (einem erscheinungssüchtigen, unseriösen Mitteilungsblatt) seitenlang breitgetreten wurde.

Nora Arthurs, eine „Begnadete“ von  89 Jahren, habe  –  so der „Schwarze Brief“ –  eine Marienvision gehabt, wonach am Sonntag, den  8. Januar 2006 mittags um 15 Uhr die „Große Warnung“ eintreffe, die in Garabandal prophezeit worden sei:

Es erscheine ein großes, helles Kreuz am Himmel, danach gäbe es für alle Erdenbewohner eine ca. 15-min. „Seelenschau“, wobei viele wegen ihrer schweren Sünden vor Entsetzen gleich tot umfallen würden etc. –  Sodann käme eine 7-tägige Finsternis, die nur wenige überleben würden….

Lassen wir uns nicht irreführen, weder von charismatischer noch von panikverrückter Seite:  Die schwarmgeistige Schönfärberei und Endzeit-Erwartung einer großartigen weltweiten Erweckung Euphorie ist ebenso absurd wie das andere Extrem, dem viele Erscheinungsfanatiker huldigen: einer unseriösen Panikmache, dem ständigen „Alarmruf“ eines göttlichen „Strafgerichts“ nach Vorgaben von angeblichen „Erscheinungen“.

Halten wir uns an den Rat des Apostels Petrus: „Seid nüchtern und wachsam!“ (1 Petr 5, 8)   –   Als Christen leben wir ohnehin immer in einer Art „Endzeit“, denn wir wissen nicht, wann Gott uns ruft: wir sollten „allzeit bereit“ sein für das ewige Leben!

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags und des Christoferuswerks in Münster